To visit the sick

GeschichteFreundschaft / P12
Kikumaru Eiji Oishi Syuichirou
20.07.2018
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Die Schulglocke ertönte und Scharen von Schülern stürmten aus den Klassenzimmern, um ihren Clubaktivitäten nachzugehen. Auch der Tennisclub war bereits im vollen Gange. Die Schüler aus dem ersten Jahr spannten fleißig Netze ohne sich zu beschweren. Am Rande des ersten Spielfeldes stand Tezuka mit gekreuzten Armen und besah sich alles in Ruhe. Sobald die anderen Mitglieder eingetroffen waren, würden sie sich gemeinsam aufwärmen und wahrscheinlich wieder Runden laufen. Dabei mussten sie besonders schnell sein, wenn sie nicht gerade Lust auf einen Penal Tea von Inui hatten. Allein schon der Gedanke daran ließ Tezuka innerlich schauern.
„Kaido, leg die Sachen nicht immer in den Weg“, wies er den Schwarzhaarigen zurecht, der kurz darauf nur wie eine Schlange zischte und die Sahen samt Tasche auf die Bank neben ihm warf. Er war der erste, der sich daran machte, sich aufzuwärmen. Kurz darauf kam auch Momoshiro, der Tezuka mit einem netten Lächeln begrüßte, doch dieser nickte nur streng, als würde es nichts geben, was ihn glücklich machen konnte. Nach Momoshiro folgten Taka, Inui und Fuji. Fehlten noch Eiji, Oishi und Ryouma, wobei jedoch klar war, dass der Junge wieder als letztes kommen würde.

„Wo hast du denn Eiji gelassen?“ Fuji sah sich suchend um, denn es war ungewöhnlich, dass das Golden Pair nicht zusammen auf den Platz schritt. Oishi schüttelte unwissend den Kopf.
„Er war heute nicht im Unterricht. Geschrieben hat er auch nicht. Habt ihr was mitbekommen?“ Natürlich machte sich Oishi Sorgen um seinen langjährigen Freund. Er war noch nie unentschuldigt zur Schule gekommen. Trotzdem hatte er die Hausaufgaben für ihn entgegengenommen und den Stoff aus dem Unterricht sogar lesbar mitgeschrieben. Er würde ihm nach dem Training einen Besuch abstatten, wohnte er doch gar nicht so weit von seinem eigenen zu Hause entfernt. Taka kreiste seine Schulter, während er Oishi Mut zusprach.
„Das wird schon. Vielleicht hat Eiji einen triftigen Grund, heute nicht zu erscheinen. Zumindest würde ich es ihm nicht übel nehmen. Oder, Tezuka?“ Auch Tezuka machte sich Gedanken um den gymnastischen Tennisspieler, aber er nickte es nur ab, dann rief er alle zusammen und das Training begann...ohne Eiji.

„Einpacken! Feierabend für heute!“, rief Tezuka und bat die Schüler aus dem ersten Jahr, die Netze einzurollen und die Bälle zu holen. Oishi packte seine Sachen mit Lichtgeschwindigkeit, bevor er von dem Captain aufgehalten wurde.
„Geh schon vor. Wir machen hier den Rest.“ Dabei legte Tezuka mitfühlend, auch wenn man ihm das nicht ansah, eine Hand auf die Schulter, um Oishi ein wenig in Richtung Ausgang zu schieben.
„Vielen Dank, Tezuka!“, rief der Junge zurück, ehe er sich umdrehte und auf die Straße lief. Er kannte den Weg zu seinem besten Freund selbst mit verbundenen Augen. In seinem Kopf ratterte es unaufhörlich.
„Was, wenn ihm etwas zugestoßen war? Immerhin hatte er sich nicht mal bei mir gemeldet“, dachte er. Ihn kümmerte es nicht, dass die Menschen, welche an ihm vorbei liefen, ihn komisch ansahen. Er hatte nicht einmal seine Jacke der Seigaku ausgezogen.

Die Nachmittagssonne tauchte die Umgebung in ein warmes Orange, als Oishi endlich sein Ziel erreichte. Das Geschrei der Geschwister blieb aus und es schien, als läge das Haus völlig verlassen da. Langsam näherte sich der Junge, umklammerte sorgenvoll seine Tasche, bevor er sich endlich dazu durchrang, zu klingeln. Eine gefühlte Ewigkeit verstrich, ehe sich die Tür endlich öffnete. Sofort stockte Oishi der Atem.
„Hey...“ Vor ihm stand Eiji, aber er sah alles andere als putzmunter aus. Er war bleich, Schweißperlen standen ihm auf der Stirn, seine Wangen waren gerötet und er sah erschöpft aus.
„Du siehst beschissen aus“, rutschte es Oishi heraus, aber Eiji lachte nur mit kratziger Stimme. Er konnte sich kaum noch halten, sodass er sich an die Tür klammern musste.
„Das weiß ich. Willst du reinkommen?“ Sein Gegenüber nickte und Eiji öffnete die Tür etwas weiter. Sein Freund bekam eine schwarze Jogginghose und ein weißes T-Shirt zu sehen.
„Du solltest nicht barfuß herumlaufen, wenn du krank bist. Warum hast du nicht Bescheid gesagt?“, wollte er wissen, als er sich im Vorraum die Schuhe auszog. Eiji schloss die Tür und ließ sich außer Atem gegen diese sinken.
„Mein Handy liegt oben. Ich hab es nicht mehr dorthin geschafft.“
„Hast du die Schule angerufen?“
„Mit Müh und Not.“ Als Eiji einen Schritt vorwärts machte, taumelte er. In seinem Kopf schien die Welt Polka zu tanzen und ein dumpfes Dröhnen rang ihn nieder. Sofort war Oishi an seiner Stelle und stützte ihn.
„Tut mir leid. Mir geht’s echt nicht gut.“ Der Tennisspieler hustete angestrengt, versuchte aber dennoch tapfer zu lächeln. Oishi konnte die Hitze durch seine Kleidung fühlen, selbst das Zittern ging auf ihn über. Er sah ins Wohnzimmer, wo eine zerwühlte Decke lag.
„Wie lange warst du hier unten?“, fragte er seinen Freund.
„Weiß nicht. Seit gestern, glaube ich.“
„Du warst gar nicht oben in deinem Zimmer?“
„Ich kam die Treppen nicht hoch. Meine Beine und Arme fühlen sich an, als hätte ich gar keine Muskeln mehr. Selbst Stehen allein ist anstrengend.“ Wieder unterbrach eine heftiger Hustenanfalls Eijis Erklärungen und ein tiefes Mitgefühl ging durch Oishi. Ohne irgendeine Art der Vorwarnung hob er Eiji auf seine Arme. Er stöhnte, denn seine Gliedmaßen schmerzten, als würde in ihnen Feuer lodern.
„Halt still, ich bring dich rauf.“
„Oishi...“ Für ihn war es etwas, was nur er für seinen Freund tun konnte. Wenn er in derselben Situation gefangen wäre, dann hätte Eiji ihm mit Sicherheit auch geholfen. Noch dazu war der Junge ein Leichtgewicht, was die Sache einfacher machte. Er war extrem geschwächt, ihm fielen permanent die Augen zu. Mit dem Fuß stieß Oishi die Tür auf. Dunkelheit umfing die Beiden, doch auch das sollte kein Problem darstellen. Immerhin war er schon oft genug hier und auch das Bett seines Freundes fand er ohne Mühe. Nachdem er Eiji darauf abgelegt hatte, zog er an den Jalosinen, um Etwas Licht hereinzulassen. Anschließend öffnete er noch das Fenster, denn es war stickig und zugegeben etwas zu warm.

„Wo sind deine Eltern und deine Geschwister?“, fragte Oishi, nachdem er sich zu Eiji auf die Bettkante gesetzt hatte. Mit einem Handgriff deckte er seinen Freund zu.
„Meine Eltern haben sie zum Bahnhof gebracht für die Klassenfahrt, bevor sie selbst auf Geschäftsreise geflogen sind.“
„Das heißt, du bist hier allein?“
„Ja, aber erst seit Samstag.“
„Und wann bist du krank geworden?“
„Gestern.“ Eiji drückte sich eine Hand gegen die Stirn, um die Schmerzen zu vertreiben.
„Wieso hast du mich nicht angerufen? Ich wäre vorbeigekommen“, sagte Oishi in einem ruhigen Ton. Sein Freund hatte bestimmt eine Erklärung, denn er war sich sicher, dass Eiji ihn kontaktiert hätte, hätte er die Möglichkeit dazu gehabt.
„Ich habe niemanden angerufen, damit ich euch nicht auf die Nerven falle. Ich wollte nicht, dass ihr durch mich ausgebremst werdet“, erwiderte Eiji, klang schon beinahe weinerlich und als Oishi genau hinsah, konnte er tatsächlich Tränen in den Augen seines besten Freundes sehen. Er bereute es, nicht um Hilfe gefragt zu haben. Nur deswegen hatte er die Nacht auf dem Sofa verbringen dürfen, weil er nicht mehr in sein Zimmer kam. Sein Körper hatte ihm den Dienst einfach versagt. Der Schwarzhaarige drückte seine Schulter leicht.
„Selbst Tezuka hat sich Sorgen gemacht. Und nicht nur er, die ganze Mannschaft. Hättest du vorher etwas gesagt, dann hätten wir früher etwas in die Wege leiten können. Aber passiert ist passiert. Denke das nächste Mal daran, dass du niemandem auf die Nerven fällst, wenn du um Hilfe fragst. Ich denke, sogar Tezuka wäre in diesem Fall der Letzte gewesen, der dich abgewiesen hätte. Und jetzt hör auf zu weinen.“ Mittlerweile war Eiji der Meinung, dass die Krankheit ihn emotional werden ließ, doch es tat ihm von Herzen leid, seinen besten Freund nicht um Hilfe gefragt zu haben. Oishi wischte ihm die Tränen sanft mit dem Daumen weg, dann lächelte er, als wäre nichts gewesen.
„Du glühst ja. Hast du schon Fieber gemessen?“ Der Kranke schüttelte den Kopf. Dann sagte er Oishi, wo er das Thermometer finden würde.
„39,4°, das ist hoch.“ Eiji lachte müde, als sein gegenüber das Thermometer hin und her schwenke, als wäre es verbrannt.
„Wie lange sind deine Eltern und Geschwister denn weg?“
„Meine Eltern drei Wochen. Die anderen kommen nach zwei Wochen wieder.“
„Und solange bist du allein?!“, rief Oishi empört und verursachte damit heftige Kopfschmerzen bei Kikumaru.
„Sorry“, meinte er und drosselte seine Stimme wieder.
„Wieso kommst du dann nicht zu uns?“
„Und wer soll auf das Haus aufpassen?“ Eiji wurde immer schwächer, je länger er lag.
„Stimmt, blöde Idee. Kann ich mir de Schlüssel unten borgen?“ Die Augen des anderen wurden größer.
„Für was?“ Oishi merkte schon, dass es mit seinem Freund bergab ging, darum entschied er sich, ihn zu nehmen, da es eine Art Notsituation war.
„Ich bin gleich wieder da. Bleib ja, wo du bist. Ich will dich nicht noch mal die Treppen hoch tragen müssen.“ An der Tür sah er noch einmal zurück, aber Eiji war bereits eingeschlafen.

„Du willst bei Eiji übernachten?“, fragte seine Mutter etwas perplex.
„Mitten in der Woche?“
„Er ist krank und hat niemanden, der auf ihn aufpasst. Seine Eltern sind auf Geschäftsreise und seine Geschwister mit der Schule unterwegs.“
„Das ist eine verzwickte Situation, aber ich denke, dass das in Ordnung geht. Sei nur vorsichtig, dass du dich nicht ansteckst, ja?“ Oishi umarmte seine Mutter, ehe er nach oben in sein eigenes Zimmer ging, um seine Sachen zu packen. Mit dem Fahrrad fuhr er zurück und nutzte den Schlüssel, den er hatte mitgehen lassen, um ins Haus zu kommen. Leise schlich er sich in das Zimmer seines Freundes, erleichtert darüber, dass er noch schlief. Ohne großen Lärm holte er den Futon aus dem Schrank, als wäre es sein eigenes zu Hause und rollte ihn auf dem Boden aus. Zufrieden mit seiner Leistung setzte er sich, um einen Augenblick zu verschnaufen.

Eiji dagegen wachte durch die unerträgliche Hitze auf, die sich unter seiner Bettdecke breitmachte und trat diese mühselig weg. Als er Oishi auf dem Futon erblickte, wurde er noch bleicher.
„Was tust du denn? Du wirst dich anstecken“, sagte er voller Sorge, aber sein Freund beruhigt ihn schnell wieder.
„Mir wird schon nichts passieren, aber zuerst kriegen wir dich wieder auf die Beine. Hast du Hunger? Wann hast du das letzte Mal gegessen?“
„Samstag Abend. Aber mir wäre eher nach einer Dusche“, murmelte er, legte sich einen Arm über die Augen. Ihm war so erdrückend heiß und er klebte. Ein Gefühl des Ekels breitete sich in ihm aus.
„Da du hohes Fieber hast, würde ich dich nicht unter die Dusche lassen, aber ich könnte dir warme Tücher anbieten.“
„Hauptsache irgendwas.“
„Und ich werde dir Suppe machen. Du brauchst was im Magen. Was ist mit Trinken?“ Eiji zeigte auf die Wasserflasche neben seinem Bett. Sie war leer, was er aber noch nicht bemerkt zu haben schien.“
„Na schön, erst trinken, dann essen und zum Schluss die Tücher, einverstanden?“ Ein erschöpftes Nicken von seinem Gegenüber ließ Oishi aufstehen. Er war dankbar, dass Eijis Eltern einen großen Kühlschrank hatten, der jede Menge Zutaten enthielt, aus denen man eine gute Suppe machen konnte.

Nach einem relativ kurzen Schlaf wurde Eiji geweckt. Der Geruch der Suppe ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen, aber sein Magen schien dagegen rebellieren zu wollen. Entgegen aller Befürchtungen blieb die Suppe dort, wo sie zu bleiben hatte. Oishi wirkte glücklich, dass er beinahe die halbe Suppe gegessen hatte. Eigentlich hatte sich Eiji füttern lassen müssen, da er den Löffel nicht hatte halten können. Zuvor hatte er ihm eine neue Wasserflasche gebracht.
„Ich lass dich etwas ausruhen. Wenn ich unten klar Schiff gemacht habe, geht’s weiter. Eiji drehte sich im Bett auf die Seite, wobei er das Gesicht verzog, denn es klebte immer noch alles. Es wäre für ihn viel angenehmer, wenn er aus dem Bettzeug kam, nur dann müsste er einen wunderbaren Fall vom Bett hinlegen und das war ihm in seiner jetzigen Lage eindeutig zu gefährlich. Also blieb er liegen und versuchte es auszublenden, was nur schwer oder gar nicht gelang. Sein Kopf begann erneut zu pochen und eine weitere Hitzewelle bahnte sich durch seinen Körper. Die roten Haare waren schweißverklebt, hingen traurig herunter und verschlimmerten das Bild vom Zustand des Tennisspielers erheblich. Er sah wirklich krank aus, was nicht nur daran lag, dass er es auch tatsächlich war.

Eiji drehte den Kopf, als Oishi hereinkam. In seiner Hand hielt er die Decke aus dem Wohnzimmer.
„Du musst auf den Futon ausweichen, sonst kann ich die Laken nicht wechseln. Meinst du, du schaffst das?“ Noch während Eiji nickte, zog er sich zum Rand des Bettes. Mit vereinten Kräften gelang es schließlich und der Rothaarige sah zu, wie sein Freund das Bettzeug reihenweise abzog. Aus dem Schrank holte er sich neues, wechselte die Decke und sogar das Kissen aus. Dann holte er eine Schüssel mit warmen Wasser und tauchte ein paar Waschlappen hinein. Mit aller Mühe richtete sich Eiji auf, sodass er Oishi gegenüber saß, doch seine Kraft ließ schnell nach. Oishi zog ihn bis auf die Boxershorts aus, wischte ihn danach mit den feuchten Lappen ab. Sein bester Freund seufzte erleichtert über diese Wohltat. Kraftlos sank er gegen Oishis Brust, legte den Kopf auf seiner Schulter ab und murmelte: „Sorry, ich kann mich nicht mehr halten. Es dreht sich alles.“
„Das macht nichts. Lass dich gehen. Ich mach das schon.“
„Ich fühl mich schlecht dabei, dass du so viel Arbeit mit mir hast.“
„Sag sowas nicht“, ermahnte ihn Oishi, während er sich daran machte, ihm den Rücken abzuwischen. Ihm war diese Nähe von Eiji gar nicht unangenehm. Viel mehr konnte er sich nicht helfen. Eiji fühlte sich schwach und wenn er auch nur einen Muskel bewegte, konnte er die Schmerzwellen, die durch seinen Körper fuhren, zählen. Er stöhnte auf, als Oishi ihn auf den Futon drückte.

Plötzlich überkam Eiji eine schwere Übelkeit. Schneller, als er denke konnte, setzte er sich auf. Sein Magen schien nun doch gegen die Suppe zu rebellieren und er konnte spüren, wie sie sich seine Speiseröhre hinaufschob.
„Oishi! Der Mülleimer...schnell!“, drängte er ihn und Oishi verstand sofort. Eine Sekunde später und er hätte auch den Futon auswechseln können, doch er schaffte es noch rechtzeitig. Krämpfe zuckten durch den Freund und Tennisspieler, als er würgte. Eiji bekam noch nicht einmal mit, dass Oishi ihm in sanften Kreisen über den Rücken streichelte. Vollkommen aufgelöst fiel er zurück, unterdrückte die aufkommenden Tränen. Der Schwarzhaarige hatte wahnsinniges Mitleid mit ihm, brachte den Eimer weg, der zu diesem Zeitpunkt glücklicher Weise leer war, um ihn auszuspülen und anschließend wiederzubringen.
Er wollte Eiji mit einem sanften Lächeln aufmuntern.
„Ich will mir nicht vorstellen, wie es aussehen würde, wenn ich nicht hier wäre“, scherzte er und erreichte damit, dass auch Eiji ein wenig lachte. Sein Freund war immer bei ihm, um ihm das Leben angenehm zu machen. Er hatte sich sogar hier einquartiert, damit er bei ihm sein und sich um ihn kümmern konnte. In seinem Inneren flammte ein großer Respekt Oishi gegenüber auf.
„Tja, so schnell wirst du wahrscheinlich nicht zur Schule zurückkommen können. Sieh es als Erholungsurlaub.“ Verwirrt runzelte Eiji die Stirn, doch als er merkte, dass dadurch seine Kopfschmerzen nur anstiegen, ließ er es endgültig bleiben. Wieder verschwand Oishi, holte dieses Mal aus dem großen Bad eine Schale mit kaltem Wasser und ein paar Handtücher. Im Zimmer sah er sich noch einmal um, entdeckte den großen Teddybären, der immer zur linken Seite kippte, wenn man ihn nicht fixierte und lächelte, als er an das Doppel zurückdachte, wo Eiji ihn zum Hinweis genommen hatte, um die gegnerische Mannschaft zu schlagen. Er war nicht auf den Kopf gefallen. Ganz und gar nicht.

Vorsichtig hob er Kikumaru auf die Arme und legte ihn ins Bett. Dann tauchte er die Tücher ins Wasser, machte Wadenwickel und überprüfte erneut seine Temperatur, die sich aber kaum verändert hatte. Anschließend legte er ihm einen kalten Lappen auf die Stirn und dimmte das Licht, damit die Kopfschmerzen reduziert wurden. Draußen war die Sonne bereits untergegangen, die Uhr zeigte weit nach 21 Uhr.
„Oishi, willst du wirklich die ganze Nacht hierbleiben? Du wirst wegen mir wahrscheinlich nicht schlafen können“, meinte Eiji erschöpft, als er zu dem Tennisspieler sah, der es sich auf dem Futon bequem machte, nachdem er sich umgezogen hatte.
„Ich bin hierher gekommen, weil ich mich um dich kümmern will. Da sind mir die Ausschreitungen schon bewusst. Außerdem hast du niemanden hier, der auf dich aufpasst. Und bevor alles in die Hose geht, bin ich lieber hier, als dich versauern zu lassen.“ Diese Aussage beruhigte Eiji und er entspannte sich wieder, als er merkte, dass er sich angespannt hatte. Ihm war bewusst, was für eine große Geste Oishi da bei ihm hinterließ und wahrscheinlich würde er ihm bis an sein Lebensende dafür danken. Er malte sich sogar schon aus, wieder sich bei ihm bedanken konnte, doch eine Einladung zu Mc Donald's wäre auf alle Fälle zu wenig.  

„Schlaf Eiji. Du kannst ihn gebrauchen“, sagte Oishi, als er den Rothaarigen noch immer grübeln sah. Aber es dauerte nicht lange und Kikumaru war eingeschlafen. Mit dem Wissen, dass sein Freund erst einmal ausruhen konnte, zog Oishi sein Handy unter dem Kissen hervor. Er hatte es vollkommen vergessen, nachdem er sich so fürsorglich um Eiji gekümmert hatte. Viele ungelesene Mails und ein paar verpasste Anrufe zierten den Bildschirm.
„Was ist mit Eiji?“, fragte Tezuka, mit dem er die Nummern getauscht hatte. Taki, Fuji und sogar Kaidoh und Ryouma fragten beinahe dasselbe. Oishi richtete somit einen Gruppenchat ein, damit er dasselbe nicht immer wieder schreiben musste.
„Ihm geht es miserabel. Er ist krank, aber jetzt schläft er.“ Kurz darauf erhielt er die erste Nachricht von Fuji.
„Hoffentlich geht es ihm bald wieder besser. Meinst du, ein Krankenbesuch morgen würde schaden?“ Nach einem kurzen Blick auf Eiji zuckte Oishi mit den Schultern und schrieb zurück: „Weiß nicht. Sein Fieber ist ziemlich hoch. Wenn Eiji es verkraftet und einwilligt, könnte ihr Morgen möglicherweise kommen.“ Er war nicht sicher, ob er gerade das Richtige geschrieben hatte, denn immerhin war es Kikumarus Haus, in dem er gerade nächtigte. Allerdings machten sich auch alle anderen Mitglieder der Seigaku Sorgen um ihn und wollten ihn ein wenig aufheitern, damit er sich nicht ganz so einsam fühlte. Grübelnd fasste sich Oishi an den Kopf, entschied aber dann, die Aussage so zu belassen, wie sie war. Die nächste Nachricht kam von Taka.
„Ich würde mich an einem Krankenbesuch auf jeden Fall beteiligen!“
„Ich auch“, kam es knapp von Kaido.
„Würde ihm auch einen Besuch abstatten“, schrieb Tezuka, der normalerweise ziemlich wortkarg war.
„Ich auch!“, kam es kurzerhand von Momoshiro.
„Dito.“ Oishi war verblüfft. Selbst Echizen hatte sich zu diesem Thema geäußert. Schnell verfasste er eine Antwort.
„Na schön. Ich habe zwar noch nicht mit ihm gesprochen, aber morgen nach dem Training wäre eine gute Zeit. Bleibe Morgen auch bei ihm.“
„Geht in Ordnung.“ Drei Wörter von Tezuka, die nur noch Echizen hätte toppen können.

Zufrieden legte Oishi das Handy beiseite, legte sich schlafen und erwachte am nächsten Morgen ziemlich früh, als er das unaufhörliche Husten Eijis vernahm, der sich in seinem Bett zusammengerollt hatte. Das Tuch auf seiner Stirn war heruntergerutscht und auch die Wadenwickel lag dort, wo sie nicht hätte sein sollen. Sanft klopfte er dem Rothaarigen auf den Rücken, damit er sich langsam wieder beruhigte, ohne zu ersticken. Tatsächlich hörte der Husten bald darauf auf. Er murrte, als Oishi ihm eine Hand an die Stirn legte und dabei feststellte, dass das Fieber zwar noch hoch, aber bereits ein wenig gesunken war. Er begab sich nach unten in die Küche, nachdem er die Tücher eingesammelt und seinem Freund einen weiteren feuchten Lappen auf die Stirn gelegt hatte. Gestern hatte Oishi es versäumt, nach Medikamenten zu suchen, doch heute würde er sie definitiv finden. Er bereitete eine leichte Suppe zu, die der andere Tennisspieler hoffentlich dieses Mal vertrug. Solange Eiji schlief, wollte er ihn auf keinen Fall wecken, denn der Schlaf schien für ihn wohltuend zu sein. Als Oishi auf die Uhr sah, die an der Küchenwand hing, rechnete er nach und kam zu dem Schluss, dass er bereits zwei Unterrichtsstunden versäumt hatte.
Ein plötzlicher dumpfer Knall ließ Oishi aufhorchen, ehe er sich wieder auf den Weg nach Oben machte, wo Eiji versuchte, sich am Bett festzuhalten und hochzuziehen.
„Was ist passiert?“, wollte der schwarzhaarige helfen, griff dem Tennisspieler unter die arme und hievte ihn hoch.
„Ich wollte auf die Toilette, aber meine Beine haben wohl nicht vor, mich dorthin zu lassen“, klagte er mit zusammengezogenen Augenbrauen. Für Eiji war seine Unbeweglichkeit die Hölle. Normalerweise war er flink und gelenkig, unaufhaltsam oder gar nicht überholbar. Aber so? Selbst eine Schildkröte wäre schneller als er gewesen! Er verfluchte diese Grippe innerlich, war aber für die Stütze, die Oishi ihm bot, dankbar. Selbst im Bad musste er sich überall entlanghangeln, damit er nicht umfiel durch den Schwindel.  
„Magst du was Essen?“, fragte Oishi, als sich Eiji wieder auf seinem Bett befand und sich langsam gegen die Wand lehnte. Essen... Erst jetzt bemerkte der Rothaarige, welchen Hunger er eigentlich hatte und so nickte er bestimmt. Er bekam wieder eine Suppe, dazu ein paar Medikamente, die er gegen das Fieber und die Schmerzen nehmen sollte. Natürlich hatte sein Freund vorher alles gründlich studiert. Oishi fasste den Entschluss, Eiji nichts von dem Besuch zu erzählen. Möglicherweise würde er sich darüber freuen, wenn er seine Freunde alle hier sah, auch wenn das Zimmer nicht sonderlich groß war.

Bis zum Nachmittag hatte der akrobatische Spieler geschlafen, ehe er von der Türklingel geweckt wurde.
„Wer ist das denn?“, fragte er Oishi, der sich in einer Ecke mit den Hausaufgaben quälte, die ihm seine Kameraden geschickt hatten. Er grinste über das ganze Gesicht, sagte aber nur, er solle liegen bleiben. Dann ging er nach unten und öffnete die Tür. Es waren wirklich alle gekommen, die sich angekündigt hatten. Selbst Kaido.
„Kommt rein. Er ist gerade wach.“ Der Vorraum war schnell mit allerlei Schuhen zugestellt. Über das Getrampel auf der Treppe war Eiji verwirrt, doch die Tür zu seinem Zimmer öffnete sich schnell, sodass die Überraschung beinahe verflogen war.
„Hey!“, begrüßte Momoshiro ihn und nach ihm folgten Echizen, Tezuka, Taka, Kaido und Fuji.
„Was macht ihr denn alle hier?“ Eiji staunte nicht schlecht, als Oishi die Tür wieder schloss.
„Na was wohl? Krankenbesuch natürlich! Schließlich soll es dir bald besser gehen“, erwiderte Momo, der soeben zum Sprachrohr für die ganze Gruppe geworden war. Er wusste gar nicht, wohin er zuerst schauen sollte, denn Eiji wollte hier vor seinen Kumpeln ganz und gar nicht heulen wie ein kleines Mädchen. Seinetwegen waren alle vorbeigekommen! Der Rest der Gruppe setzte sich in einen Kreis, sodass jeder von ihnen Eiji auch anschauen konnte.
„Du hast uns einen riesigen Schrecken eingejagt“, meinte Fuji und lächelte, als wäre er beruhigt, ihn in diesem Zustand zu sehen und nicht in einem Schlimmeren. Taka gab ihm eine Kleinigkeit aus dem Restaurant, das seine Familie betrieb und Inui, den er erst jetzt bemerkt hatte, dass er überhaupt da war, reichte ihm, ganz Gentleman-like, die Hausaufgaben von Heute.

„Und ich dachte immer, so jemand wie du würde nicht krank werden“, meinte Kaido. Er gab wieder einen leisen Zischlaut von sich und Eiji lachte entschuldigend.
„Es ist schon lange her“, erwiderte er und kratzte sich dabei am Kopf.
„Na wenigstens ist es nicht so schlimm, wie zuerst befürchtet. Unsere Theorien waren weitaus gefährlicher.“
„Was soll das denn heißen, Echizen?“, fragte Oishi perplex und als der Regular erzählte, dass bereits mit Mord und Totschlag um sich geworfen worden war, da wurde es in Eijis Zimmer ganz schnell still.
„Na ja, wir haben uns vielleicht etwas reingesteigert“, kommentierte Taka, der aber dann von Tezuka unterbrochen wurde: „Ich habe an solch einen Mumpitz nicht geglaubt.“ Da keiner wusste, wie es in Tezukas Kopf wirklich aussah, traute sich keiner, etwas dazu zu äußern. Die Gespräche beschränkten sich danach auf den Club, auf die Schule und das private, familiäre Umfeld.
„Habt ihr schon mitbekommen, dass es bald ein Auswahlspiel geben soll?“
„Wo hast du das denn her, Taka?“
„Das wurde erzählt, aber ich weiß nicht, ob man das wirklich glauben kann, solange es bei uns im Club noch nicht bekannt gegeben wurde“, erwiderte er auf Oishis Frage. Fuji wirkte nachdenklich.
„Ich habe dieses Gerücht auch schon gehört.“ Inui schob seine Brille zurecht.
„Solange ich darüber nicht informiert bin, wird es das auch nicht geben. Es sei denn, es soll überraschend sein. Jedenfalls wäre es nicht auszuschließen, da schon bald die nächsten Spiele anstehen.“

Eiji hatte große Mühe, zuzuhören. Seine Lider senkten sich in unregelmäßigen Abständen und das fröhliche Lachen machte ihn müde. Die Gesprächsfetzen zogen sich immer mehr in die Länge. Er war so müde, aber er empfand es als unhöflich, jetzt einzuschlafen, da seine Freunde nur wegen ihm gekommen waren. Doch trotz der Annahme, dass er es schaffen würde, durchzuhalten, schlief er schon kurz darauf tief und fest. Tezuka, der neben dem Bett saß und immer wieder einen prüfenden Blick auf den Rothaarigen geworfen hatte, bemerkte die Lage und deckte Eiji ordentlich zu.
„Du bist ja richtig fürsorglich, Tezuka“, meinte Fuji, was dem Captain alle Aufmerksamkeit schenkte. Er drehte sich weg, tat so, als hätte er es nicht gehört. Fuji wusste genau, wie man Tezuka in Verlegenheit bringen konnte. Dafür kannten sie sich einfach schon zu lange.
„Wollt ihr was essen?“, fragte Oishi, der die Stimmung nicht so gelassen nahm, wie die anderen und versuchte, sie wieder aufzulockern. Momo und Taka erklärten sich bereit, ihm beim Kochen zu helfen. Die anderen wollten auf Eiji achten.

„Er sieht wirklich nicht gut aus. Es ist das erste Mal, dass ich ihn so sehe.“ Momo ließ seinen Sorgen freien Lauf, während er sich am Kühlschrank zu schaffen machte, um die passenden Zutaten zu suchen. In der Zwischenzeit kümmerten sich Kaido, Fuji, Tezuka und Echizen um den kranken Eiji, der plötzlich angefangen hatte, um sich zu schlagen. Sie schoben es auf die Fieberträume und schafften es nach einiger Zeit, ihn wieder zu beruhigen.
„Dafür, dass er krank ist, hat er ganz schön Kraft“, keuchte Fuji erstaunt und Kaido zischte. Echizen und Tezuka hielten sich raus, sagten nichts dazu und warteten geduldig, bis die anderen das Essen brachten.

Spät am Abend verabschiedeten sich die Mitglieder der Seigaku und Oishi war anschließend mit Eiji wieder allein. Sein Fieber war wieder etwas gesunken, was den Schwarzhaarigen sehr freute. Kikumaru wurde später noch wach, bedauerte, dass er mitten im Gespräch eingeschlafen war.
„das war ganz natürlich. Alle haben damit gerechnet, dass du irgendwann nicht mehr bei uns sein würdest. Sie hatten Verständnis, schließlich bist du krank. Nimm das alles nicht so ernst“, sagte Oishi und streichelte Eiji spielerisch den Kopf. Er aß mit ihm zusammen, verwickelte ihn in ein kurzes Gespräch und sie beide legten sich noch weit vor Mitternacht schlafen.

„Vielen Dank für gestern!“ Eiji verbeugte sich tief vor seinen Kameraden und Freunden, die ihn erstaunt ansahen.
„Solltest du nicht noch im Bett bleiben?“, fragte Momo, der Eiji wieder energiegeladen vor sich hatte.
„Sein Fieber ist über Nacht verschwunden. Es war mir selbst ein Rätsel und der Sturkopf hatte auch nicht vor, noch einen Tag auszuruhen. Er war schneller aus dem Haus, als ich schauen konnte.“
Kikumaru kratzte sich frech grinsend an der Wange.
„Das ist fahrlässig.“ Tezuka strafte Eiji mit einem strengen Blick.
„Sobald du wieder richtig fit bist, läufst du dafür 50 Runden um den Platz.“
„Waaaaaas?!“ Lautes Gelächter schallte um ihn herum, als Eiji so entsetzt in die Runde blickte.
Vielleicht hätte er doch besser noch einen Tag ausruhen sollen, dachte er sich, doch für diese Erkenntnis war es leider schon zu spät...



ENDE