Abschied ohne Reue [2016]

OneshotDrama, Freundschaft / P12
Jack Dalton Mac Gyver
20.07.2018
20.07.2018
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„Ich habe für dich gelebt, mein Freund…“

~~~***~~~

Der Knall zerriss die Stille in dieser Lagerhalle. Ich spürte den plötzlichen Druck auf meiner Brust, als ich auch schon zu Boden taumelte, mich hilflos an die Lederjacke meines Gegenübers klammerte, der mit mir gemeinsam stürzte.

Ich schlug die Augen auf, als mein Kopf gerade schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Boden machte. Oh Gott, so viel Blut! So unendlich viel Blut!

„Nein! Nein, sei nicht tot!“,

der andere wurde von mir gezogen, mir wurde aufgeholfen.

„Bist du verletzt? Sag was! Geht es dir gut?“

„Ich… ich… das ist nicht mein Blut! Nein…!“

Es war sein Blut! Mein Herz stolperte und mir war, als würde ich ersticken. Nicht er. Bitte nicht er. So oft hatte er gewitzelt, ich wäre noch sein Tod. Bitte, bitte lass es einfach nur ein dummer Streifschuss sein. Bitte… so viel Blut. Jedes Kind weiß, dass so viel Blutverlust einfach nur tödlich war. Aber er hat sich schon aus so viel Mist herausmanövrieren können, das würde ihn doch nicht umhauen, oder?! Oh bitte, bitte. Lass ihn leben!

~~~***~~~
Kurz zuvor
~~~***~~~

„Mac, ich habe dabei ein ziemlich mieses Gefühl. Ernsthaft jetzt. Noch nie TV gesehen? Lagerhallen und Drogenschmuggel enden immer in Schießereien.“,

beharrte er. Ich musste schmunzeln. Typisch Jack. Immer am quasseln und dann auch noch so beunruhigt.

„So viel Angst, Jack?“

„Angst? Ich? Pah! Aber gut, ja. Um dich vielleicht. Ich meine, wer von uns ist ausgebildet?“

„Jaja.“,

ich grinste nur und machte mich mit meinem Taschenmesser an dem Schloss zum Container zu schaffen. Das Schloss war rostig und sowieso nicht von gerade guter Qualität.

>>Mac?!<<,

über Headset konnten wir Riley hören.

„Was ist?“

>>Ich habe Zugang auf die Überwachungskameras. Wie wäre es, du beeilst dich ein bisschen? Da kommen Typen auf die Halle zu.<<

„Wie weit entfernt, Riley?“,

wollte Jack wissen. Von Witzeleien war eher wenig übrig geblieben. Jetzt war er wieder ernst, seine Stimme und sein gesamter Körper angespannt, seine dunklen Augen wachsam.

>>Sie kommen in die Halle in drei… zwei… eins. Sie sind drinnen. Am anderen Ende. Macht bloß keinen Scheiß, Jungs! Sie sind bewaffnet.<<

„Wie schwer?“

>>Pistolen.<<

„Na, geht ja noch.“,

murmelte Jack, holte seine eigene Waffe und entsicherte diese mit einem leisen Klicken. Ich warf ihm einen schnellen Blick zu und grinste leicht. Jack Dalton, seine Militär-Karriere machte sich wirklich immer bemerkbar. Aber mit Glück wären wir wieder raus, bevor die Drogenschmuggler uns überhaupt bemerken würden.

„Ah, sie ist offen.“

Ich öffnete die Containertür mit einem leisen Quietschen, was gefährlich laut in unseren Ohren klang.

„Herrgott, Mac! Noch lauter ging nicht, oder?“,

zischte Jack mir angespannt zu, während er sich um die eigene Achse drehte, dabei die Umgebung rund um den Container scannte. Ich selbst war schon ins Innere gehuscht, untersuchte die Frachtkisten, irgendwo musste das Kokain doch sein!

>>Verdammt! Jack, Mac… sie kommen direkt auf euch zu. Links den Gang, Jack. Sei vorsichtig!<<

Jack lehnte an der Tür des Containers, welche er rangezogen hatte. Bedeutete mir, mit einer Handbewegung, im Inneren zu bleiben, bis er mir sagte, ich könne nachkommen. Er ließ sich aus dem Container fallen und schoss. Ich hörte Rufe, ebenfalls Pistolenschüsse und einen erstickten Schrei.

>>Die haben Verstärkung! Das SWAT kommt gleich, aber ihr müsst da weg! Mac! Jack!<<

Rileys Anweisungen haben wir verstanden. Ich sah nervös zu Jack, der sich schon wieder mit einer Schulterrolle abgefangen hatte und aufstand:

„Komm schon, Mac!“

Einhändig feuerte er  weiterhin, hielt sich schräg vor mir auf, deckte damit mich vor dem zweiten Schützen ab, der andere lag reglos am Boden. Haarscharf zischten die Kugeln an uns vorbei. Leise fluchend zerrte Jack mich weiter. Ich folgte ihm schnell. Er verließ sich auf mich, ich verließ mich auf ihn. So war das immer, wird das immer sein!

>>Das SWAT-Team ist gerade angekommen, sie kommen jetzt in die Lagerhalle!<<

Rileys‘ Stimme war noch am Rande zu vernehmen, ich sah über die Schulter gewandt das SWAT-Team in sicherem Winkel zu dem Schützen auf uns zukommen.

Ich wollte mich ihnen zuwenden, zu ihnen gehen, entfernte mich ein Stück von Jack, was einige erschrockene Rufe der Polizisten auslöste, doch ein Ruf erschreckte mich am Meisten. Und das war nicht der von Riley über das Headset. Das war Jack.

~~~***~~~

Riley half mir auf, doch ich konnte den Blick nicht von der zusammengesunkenen Person neben mir wenden. Zwei SWAT-Mitglieder knieten bei ihm, untersuchten ihn. Ein anderer sprach über Funk mit jemandem.

„Jack…“

Meine Stimme klang so seltsam tonlos. Wieso war plötzlich alles so leise? Alles war leise, aber ich konnte ihn hören. Diese verzweifelten Atemzüge, die einem erstickten Röcheln glichen.

Ich hörte Rileys entsetzten Ausruf und Aufschluchzen. Sah noch am Rande Bozer und Matilda auf uns zueilen. Doch für mich zählte nur noch er. Mein bester Freund und mein Beschützer.

„Nein! Nein…“

Verzweifelt versuchte ich mit meinen Händen die Blutung zu stoppen. Der rote Lebenssaft quoll aus seiner Brust. Doch Jack schüttelte nur den Kopf:

„Mac… lass das sein!“

„Nein, Jack! Nein… ich…“

Verdammt, wieso heule ich hier? Ich konnte nicht anders, als das Schluchzen zulassen. Jack grinste schwach, musste dann aber heftig husten, sodass er sich unter meinen, und den Händen des SWAT-Mitglieds, aufbäumte. Ein Blutrinnsal sickerte seinen Mundwinkel hinab, versiegte im Kragen seines Shirts.

„Ich… wie kann ich dir helfen, Jack?“

„Mac, bitte… schon gut.“

Seine Hände griffen nach meinen, seine Augen funkelten, wenngleich es nicht mehr viel mehr als ein mattes Glänzen war. Das SWAT-Team begann, Abstand zu nehmen, ihre Gesichter betreten und entsetzt. Doch sie wussten das, was ich nicht wahrhaben wollte.

Seine blutverschmierten Hände griffen nach meinen Handgelenken:

„Mac… bitte.“

„Jack, das ist meine Schuld! Ich hätte nicht weggehen… ich-“

„Mac! Es ist nicht…“

Verzweifelt rang er nach Atem. Riley setzte sich zu uns, erhöhte Jack so, sodass sein Kopf in ihrem Schoß lag. Ich umklammerte seine Hände fest mit meinen. Auch Bozer und Matilda waren bei uns.

„…nicht deine Schuld, Mac. Ich… dafür bin ich da. Stimmts nicht, Matty?“

Jack schenkte der Directorin eines seiner charmant-kecken Grinsen, welches nicht mehr ganz so lebenslustig wirkte, wie sonst. Natürlich nicht… wie konnte man mit Jack jetzt noch 'Leben' in Verbindung bringen.

„Jack, nein… nein, bitte nicht!“

„Ist schon gut, Kleiner. Ich… das ist nun einmal so. Und… ich…“

Wieder rang er nach Atem, es schien, als würde er sich verschlucken, hustete wieder, sodass sich seine Lippen rot färbten, das Blut rann über sein Kinn und seinen Hals hinab. Müde schloss er kurz die Augen.

„Nein! Jack… Jack!“

„He… ist… ja gut… ich… trete schon… nicht ab.“

Jack grinste schwach, seine Augen wurden trübe:

„…ohne mich anständig zu verabschieden.“

Fest fixierte er Bozer und Matilda auf seiner anderen Seite.

„Danke, es… es war mir eine Ehre.“

Bozer nickte nur stumm, währen Matilda ihm die Hand auf die Schulter legte:

„Jack, ich…“

„War doch eine tolle Zeit, oder, Matty?“,

flüsterte Jack fast unhörbar. Unsere Directorin nickte schweigend, Tränen schimmerten in ihren Augenwinkeln.

Sein Blick flog nach oben, er hob eine Hand, die Riley schnell ergriff, auch ihre Wangen schimmerten voller Tränen, die langsam hinabtropften.

„Nicht… Süße. Ich… wollte nur… gesagt haben, dass… du bist perfekt… ich… liebe dich wie eine Tochter, Riley…“

„Jack!“,

Riley rang verzweifelt nach Worten, fand keine und küsste ihn schnell auf die Wange.

„Du weißt, dass du mehr Dad für mich bist als sonst wer.“

„Ich… weiß… danke. Du… machst mich… stolz.“

Wieder hustete Jack so sehr, dass wir nur bang darauf warten konnten, dass er sich wieder beruhigte. Mein Blick musste so viel Sorge ausstrahlen, wie sie mich auch gerade von Innen zerfraß. Ich wollte das alles nicht! Ich war schuld… ich war unvorsichtig gewesen und Jack zahlte den bitteren Preis. Er hatte sich für mich geopfert und jetzt lag er hier. Jetzt gab es keine Rettung mehr für Agent Jack Wyatt Dalton. Wie konnte er mich an seiner Seite ertragen? Ich habe ihn umgebracht. Ich war schuld… er war mein bester Freund… mein Vertrauter… mein großer Bruder und so etwas wie… ja, fast wie ein Vater für mich.

„Mac, du bist nicht schuld. Ich... ich habe… für dich gelebt, mein Freund. Das war mehr… als nur… ein Job. Ich… du bist wichtig… wichtiger als… als ich.“

Jack rang nach Atem und zog mich am Kragen nach unten, ich musste nah an seine Lippen, um die letzten, gehauchten Worte zu verstehen, die ich noch hören konnte.

„Und… ich habe keine Sekunde  davon bereut. Bis jetzt nicht. Alles ist in Ordnung so… Mac.“

Seine Hand rutschte von meinem Kragen, die andere lockerte den Griff um meine Hand.

„NEIN! Nein… nein! Bitte, nicht! Bitte, Jack… tu mir das nicht an!“

Hilflos rüttelte ich an seiner Schulter. Doch ich bekam keine Antwort mehr. Niemand konnte mehr eine Antwort von Jack bekommen. Aber das konnte ich nicht akzeptieren. Ich… ich konnte doch nicht meinen Freund sterben lassen…

Ein gellender Schrei zerschnitt die traurige Stille, es dauerte schier Ewigkeiten, bis ich merkte, dass ich es war, der dort schrie und weinte. Verzweifelt klammerte ich mich an dem blutdurchtränkten Shirt fest.

Riley schluchzte leise neben mir. Bozer hatte sich etwas entfernt. Matilda versuchte, Riley zu beruhigen.

Ich blickte auf.

Jack lächelte leicht. Auf seine typische Art. Diese Mischung aus rebellisch, charmant und einfach nur wie ein Lausejunge. Seine Augen starrten glasig in die Leere. Zutiefst verzweifelt hob ich die Hand, um seine Lider zu schließen.

Jetzt wusste ich, was die größte Furcht in meinem Leben war. Das hätte ich niemals machen wollen. Meinem besten Freund auf Ewig die Augen schließen…

~~~***~~~
Tage später
~~~***~~~

Jack war mein bester Freund. Er--- war mein Beschützer. Und er hat mich beschützt. Deshalb ist er gestorben. Er ist für mich gestorben. Und ich... ich vermisse ihn.

Vermisse seine typische Art, denn obwohl er schon so viel miterlebt hat, so viel Schreckliches gesehen hat, hat er sich seinen Teil Kindlichkeit behalten.

Aber er war so viel mehr. Er… er ist ein Held. Er war der, der uns immer aus der Patsche geholfen hat, wenn alle noch so guten Pläne versagt haben. Dabei war er so selbstlos und… hat sein Wohl hinter das von uns allen gestellt.

Er hat es uns nie wirklich gesagt, aber er hat uns geliebt. Auf seine Weise und--- wir alle haben das verstanden.

Ich vermisse meinen besten Freund. Ich hätte mit ihm noch so viel zu bereden, ich hätte noch so viel mit ihm zu erleben und wollte am Liebsten die Zeit zurückdrehen. Doch das kann ich nicht. Ich wünschte, Jack wäre niemals mit mir in diese Lagerhalle gegangen, ich wünschte, wir wären nie auf die Schmuggler angesetzt worden.

Und doch war er es, der mich jetzt davor bewahrt, meinen Verstand zu verlieren. Ich mache mir Vorwürfe. So große Vorwürfe, dass es meine Schuld ist. Aber er hat gesagt, dass es in Ordnung ist, so wie es ist. Und dass er es nicht bereut. Er hat mich nie angelogen. Er hat mich immer nur beschützt und das

~~~***~~~

„…bis zur letzten Sekunde.“

Ich lebe für ihn weiter.





Hallo :)
Schön, dass du meinen OS gelesen hast.
Ich hoffe es hat die gefallen, und auch wenn nicht:
Ich wäre dir dankbar, wenn du mir eine kleine Rückmeldung dalassen könntest!
Ist aber keine Pflicht, aber nur so bekomme ich eine Ahnung von meinem Geschreibsel *lach*
Ganz liebe Grüße,
deine
Wolfstarlove
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