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Shards of Love / Hessa

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Hardin Scott Noah Tessa Young
19.07.2018
21.07.2018
45
49.442
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19.07.2018 2.964
 
Zerknittert liegen Röcke, Hosen und Tops unachtsam hingeworfen auf meinem Bett. Der Bass dröhnt aus der Stereoanlage und auf meiner Kommode herrscht ein wildes Chaos aus Lidschatten und Lipgloss. Daneben stehen zwei Gläser und eine fast leere Flasche billiger Sekt. Es ist kurz nach zweiundzwanzig Uhr und ich bin froh, dass es Freitag ist. Endlich wieder eine lange Woche im Büro der Versicherungsgesellschaft hinter sich lassen und das Leben in vollen Zügen genießen. Denn eine ganze Woche Anträge bearbeitet ist zwar recht lukrativ aber nicht besonders erfüllend. Kurz begutachte noch einmal zufrieden mein Outfit im Spiegel, während Jess noch mit ihren langen, goldblonden Haaren kämpft, die ihr fast bis zum Hintern reichen. Heute Abend habe ich mich für ein enge Kleid und den passenden schwarzen High Heels entschieden, Eigentlich ist es ja amüsant, dass wir uns mit vierundzwanzig immer noch aufführen wie nervöse Teenager, gerade wenn man bedenkt, dass wir seit Monaten jeden Freitag dasselbe Ritual vollziehen.
Jeden Freitag kommt Jess schon früh am Abend zu mir, wir stehen eine gefühlte Ewigkeit vor meinem Kleiderschrank, nachdem wir uns geschminkt und frisiert haben, während wir nebenbei ein paar Gläser Sekt trinken. Dann geht es zum Unique, einem kleinen Club in der City, in den mich Jess damals das erste Mal mitgenommen hatte. Der Club ist alles andere als nobel, die Tanzfläche ist klein, das Leder der Barhocker zerrissen und die Toiletten schmutzig und trotzdem sind wir nun schon so oft dort gewesen, dass mir dieser Club mit den immer gleichen Gesichtern, seinen dunkelrot gestrichenen Wänden und der kurvigen Spanierin an der Garderobe, Isabelle, richtig heimisch vorkommt.

Als Jess endlich ihre Mähne zu einem hohen Zopf am Hinterkopf gebunden hat, schnappen wir uns unsere Taschen und machen uns auf den Weg, um mit der Straßenbahn in die Stadt zu fahren. Von dort aus müssen wir nur zwei Blocks zum Unique laufen. Schon oben am Eingang schlägt uns die laute Musik entgegen als wir die Türsteher begrüßen und die steilen Treppen herunter stöckeln. Es ist wie immer sehr düster und mittlerweile auch schon richtig voll. Jess grinst mich an, schnappt meine Hand und zieht mich wortlos mit sich Richtung Bar.

Ich bin immer wieder froh, dass Jess und ich befreundet sind. Wir haben uns mit fünfzehn in einem Tanzkurs kennengelernt, zu dem mich meine Mutter drängte. Anfangs mochte ich sie eigentlich nicht. Sie war ein aufdringliches, lautes Mädchen, das sich durch ihr Talent ständig in Schwierigkeiten zu stecken und dann beschützt werden wollte. Eines der Sorte Mädchen, das sich ausgerechnet in den arroganten Typen mit der rasend eifersüchtigen Freundin verliebt und dessen Abweisung einfach nicht hinnehmen will. Sie war die, die auf Partys entweder in einen Streit verwickelt war oder weinend auf der Toilette saß. Unzählige Male habe ich ihre schönen, braunen Augen rot geweint gesehen. Und trotz, oder gerade wegen diesem Chaos um sie herum, konnte ich sie irgendwie nicht stehen lassen. Erst als wir uns dann besser kennenlernten, merken wir, dass wir doch auch vieles gemeinsam hatten und irgendwann wurden wir zu einem unzertrennlichen Gespann.
Von dem Mädchen von damals ist nichts mehr übrig. Jessica ist eine richtig selbstbewusste Frau geworden, die gelernt hat fast jeden um den Finger zu wickeln. Als sie plötzlich angefangen hat an Kilos zu verlieren, hat sie immer mehr an Selbstwertgefühl gewonnen.

Ich bin so dankbar für ihre taffe Art, die mich immer wieder aus meinen Tiefs gezogen hat, als ich mich vor sechs Monaten von Noah trennte. Da brauchte ich Jess wirklich sehr. Wir wissen schließlich alles voneinander und keiner kennt mich so gut wie sie. Es war wirklich eine harte Zeit, in der ich mich ohne Jessica wohl noch viel länger zu Hause verkrochen hätte. Nachdem ich erfahren hatte wie mich Noah monatelang betrogen und hintergangen hat, war ich so verletzt, dass ich mir selbst nicht hätte vorstellen können ein halbes Jahr später mit meiner besten Freundin so ausgelassen feiern zu können. Drei Jahre lang dachte ich, Noah und ich wären für einander bestimmt, und dass uns nichts auseinander bringen könnte. Wir waren schon nach wenigen Monaten zusammengezogen und insgeheim schmiedete ich schon Pläne für unsere gemeinsame Zukunft. Ich wollte immer schon gerne jung heiraten, zusammen etwas aufbauen und irgendwann vielleicht sogar Kinder bekommen. Noah hätte der Mann werden sollen, mit dem ich diesen Traum leben würde und an diesem Gedanken habe ich festgehalten. Selbst als er immer wieder ohne mich mit seinen Freunden ausging, spät und oft angetrunken nach Hause kam, wollte ich es nicht merken. Er entfernte sich immer mehr von mir und ich versuchte ständig ihn doch an mich zu binden. Bis ich ihn selbst mit einer Anderen erwischte. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Für mich brach meine ganze kleine Traumwelt zusammen, in der ich mich so lange vor der Wahrheit versteckt hatte. Ich weinte nur.

Ich war am Boden zerstört, nachdem ich aus unserem Appartement ausgezogen war. Ich weinte bei jedem Lied, das mich an ihn erinnerte und bei jedem romantischen Film. Inzwischen geht es mir besser und ich versuche  keinen Gedanken mehr an dieses demütigende Gefühl von damals zu verschwenden und mich auf mich selbst zu konzentrieren.
Chris, einer der Barkeeper, mixt uns zwei Zombies, einen der stärksten Cocktails auf der Karte, und wir suchen uns einen Platz am Rand der überfüllten Tanzfläche. Der schnelle Beat und der laute Bass lassen meinen Körper geradezu vibrieren, während der viele Rum in meinem Drink sich langsam bemerkbar macht. Jetzt konnte auch ich mich nicht mehr halten und Jess zog mich zwischen den schwitzenden Menschen in die Mitte der Tanzfläche. Die Musik scheint noch lauter zu wummern, während die grellen Lichter durch die Nebelschwaden zucken. Es fühlt sich gut an, einfach die Musik zu genießen, mich dazu zu bewegen und alles andere zu vergessen. Auch Jess ist richtig in Partylaune. Sie wippt mit ihren schmalen Hüften und ihr Zopf schwingt bei jeder Bewegung mit. Immer wieder muss sie ihren Rock zurecht zupfen, damit er ihr nicht zu weit nach oben rutscht. Ich schließe meine Augen und lasse mich einfach mitreißen.
Plötzlich spüre ich jemanden hinter mir. Als ich mich umdrehe, tanzt da ein ziemlich gutaussehender Typ in dunklen Jeans und schwarzem Shirt, der mich frech angrinst. Automatisch halte ich kurz die Luft an, als er meine Hüften umfasst und dicht an meinem Ohr sagt:

„Darf ich mit dir tanzen?“

Ich antworte ihm mit einem Lächeln, aber eigentlich ist das mehr der Alkohol, der da spricht. Er dreht mich sanft wieder um und drängt sich von hinten an mich. Unsere Hüften bewegen sich nun im gleichen Rhythmus zur Musik. Seine Hände packen etwas fester meine Hüftknochen. Wir tanzen eine Weile so, als er mich abrupt wieder zu sich dreht und an sich zieht und ehe mir klar wird, was er da tut, hat sich seine Zunge in meinen Mund geschoben. Ich bin eine Sekunde vor Schreck wie versteinert, versuche ihn mit leichtem Druck von mir zu schieben, aber er hält dagegen und umgreift meine Taille. Mit einem kräftigen Schubs stoße ich ihn von mir weg und bahne mir schnell einen Weg aus der Menge, bevor er irgendwie reagieren kann. Von der stickigen Luft und dem Alkohol ist mir etwas schwindelig. Automatisch steuere ich die Damentoilette an, wo ich mich erstmal an einer Schlange von Frauen vorbeischieben muss, um an die Waschbecken zu kommen. Zum Glück ist hier drin die Musik etwas gedämpfter. Das ist einfach nicht mein Stil, tanzen gerne, flirten gerne aber jeden küssen, der mir über den Weg läuft, nein. Dazu gehört für mich schon mehr und auf dieses Mehr habe ich im Moment wirklich keine Lust. Das habe ich erst hinter mir. Ich halte meine Hände unter das kalte Wasser des Wasserhahns und tupfe mir etwas in den heißen Nacken, während ich mein Spiegelbild betrachte. Meine Haare sind wild, meine Augen etwas gerötet und der Eyeliner an den Seiten von der Hitze verlaufen. Mit einem Tuch aus dem Spender wische ich unter meinen Augen entlang, greife meine kleine Tasche und wühle etwas Puder und Gloss heraus um mich wenigstens wieder etwas herzurichten. Dann gehe ich zurück um Jess zu suchen, die als ich sie entdecke, auf der Tanzfläche ziemlich versunken mit einem Kerl in einem grauen Hemd tanzt. Kurzerhand beschließe ich mir noch einen Wodka Lemon an der Bar zu holen. Der Boden ist klebrig von den verschütteten Getränken und einige Leute scheinen schon ziemlich betrunken zu sein.

An der Bar ist das Gedränge ganz besonders groß. Ich muss eine ganze Weile Stoßen und Drücken ertragen bis ich direkt vorne stehe. Ich stütze mich am Holz der Theke ab und lehne mich etwas vor, bereit dem Barkeeper meine Bestellung über die Musik hinweg entgegen zu rufen. Endlich dreht er sich zu mir um. Zwei dunkelbraune Augen scheinen mich ernst und durchdringend zu fixieren. Er ist auf jeden Fall neu im Unique, ich habe ihn hier noch nie arbeiten gesehen. Seine Haare sind seitlich kürzer und oben so lang, dass ihm die dunkelbraunen Strähnen ins Gesicht fallen, was ihn nicht zu stören scheint und an seiner linken Augenbrauen funkelt ein kleiner Ring.

„Äh…ein Wodka Lemon, bitte“, rufe ich ihm schnell zu und er greift nach einem Glas und gießt ein ohne mich weiter zu beachten.

Erst als der Wodka vor mir auf dem Thesen steht, treffen sich unsere Blicke kurz wieder. Sein Ausdruck ist irgendwie finster. Ich schnappe mein Glas, lege das Geld hin, während ich schnell noch versuche mir ein kleines Lächeln abzuringen, bevor er sich dem Typen neben mir zuwendet.

„Ein seltsamer Kerl“, denke ich mir auf dem Weg zurück zur Tanzfläche.

„Hey Tessa“, mit einem strahlenden Gesicht kommt Jess auf mich zu. An der Hand zieht sie den Mann im grauen Hemd hinter sich her.

„Tessa, das ist Marlon“, stellt sie uns vor.

Trotz ihrem hohen Keilabsatz überragt er sie um bestimmt zwanzig Zentimeter. Seine gebräunte Haut lässt die blauen Augen hervorstechen. Freundlich grinst er mich an:

„Nett dich kennenzulernen."

Er zwinkert mir kurz zu, bevor er sich wieder ganz Jess widmet, die ihm eine Hand in den Nacken legt und ihn küsst. So etwas ist bei Jessica nicht unbedingt über zu bewerten. Sie genießt einfach gerne ihr Leben und die Freiheit alles zu tun was sie will. Kurz schenkt sie mir ein mädchenhaftes Lächeln und zuckt kaum merklich mit den Schultern. Lachend muss ich den Kopf schütteln. Kurz entschlossen kippe ich den Rest meines Drinks runter, wobei ich kurz die Augen zusammen kneifen muss, dann mache ich auf dem Absatz kehrt um das knutschende Pärchen vor mir nicht weiter zu stören und versuche durch die Menge zurück an die Bar zu gelangen. Angekommen signalisiert mir Chris, dass er gleich bei mir ist. Während ich darauf warte, dass er mich bedient, spüre ich wie sich jemand energisch von hinten neben mich nach vorne an die Theke drückt. Dabei werde ich ziemlich heftig angerempelt.

„Ey Kleine, versteckst du dich jetzt hier vor mir?“, lallt mich der Typ von der Tanzfläche an.

Er ist ganz offensichtlich betrunken. Seine Augen sind blutunterlaufen und er schwankt leicht, während er mich schief angrinst.

„Naja, verstecken würde ich das nicht nennen.“, antworte ich und drehe schnell den Kopf zur anderen Seite.

„Du bist total sexy.“, höre ich ihn raunen ohne darauf einzugehen.

Doch er bedrängt mich weiter: „Hey, echt, du hast mich ziemlich heiß gemacht, Süße“.

Er versucht noch näher an mich zu rücken.

„Pass auf, ich habe kein Interesse!“, zische ich ihn an. Er sieht mich mit glänzenden Augen an, mit einem Blick aus Überraschung und Wut.

„Willst du mich so einfach abservieren? Ich weiß doch, dass du auch total scharf auf mich bist.“

Ich kann nur das Gesicht verziehen. Jetzt scheint seine Stimmung komplett zu kippen: „Du kleine arrogante Schlam…“

Plötzlich wird der Typ ruckartig von mir weggerissen. Erst ein paar Sekunden später wird mir bewusst, dass dieser widerliche Typ von einem der Barkeeper schier über den Tresen gezogen wurde.

„Ich denke du hast jetzt genug“, höre ich den Neuen im Barteam den Betrunkenen mit bestimmter, fester Stimme angehen, während er dessen Shirt fest in seine Faust gewickelt hat.

Sein starrer Blick scheint den Kerl geradezu zu durchbohren. Ich merke, wie alles Blut aus dem Gesicht des Typen in den dunklen Jeans wich. Auf einmal sieht er irgendwie schwächlich aus. Erst als Dieser eingeschüchtert nickt, lässt der Neue ihn los, warte bis der betrunkene Unruhestifter in der Menge verschwunden ist und dreht sich dann wieder zu den Flaschen hinter sich als wäre nichts passiert.

„Was war denn da los?“, schnell steht Chris vor mir und fragt: „Alles okay bei dir, Tessa?“

Ich kann nur nicken. Normalerweise kann ich Männer ganz gut auf Abstand halten aber dieser Kerl war unverschämt aufdringlich. Chris hebt mir einen Tequila unter die Nase: „Geht aufs Haus“.

In einem Zug leere ich das kleine Glas und muss sofort mit dem Brennen in meinem Hals kämpfen, als ich den Blick des Neuen auf mir spüre. Er ist unheimlich eindringlich und mir läuft ein Schauer über den Rücken. Er macht mich unangenehm nervös und ich zupfe an meinen blonden Haaren herum. Eine dumme Angewohnheit von mir. Erleichtert nehme ich von Chris meinen Cocktail entgegen, zahle schnell um von diesem seltsamen Neuen weg zu kommen.

„Puh, was war das denn?“, denke ich, während ich innerlich diesen Blick erst einmal abschütteln muss.

„Süße! Da bist du ja!“, Jess fällt mir um den Hals und ich verschütte etwas aus meinem Glas, „Ich habe dich überall gesucht. Ich dachte schon du wärst abgehauen!“

Sie setzt ihr gespieltes Schmollgesicht auf.

„Ich würde doch nicht gehen ohne dir was zu sagen“, lache ich.

„Wo ist denn Marlon?“, erkundige ich mich gleich und sie antwortet:
„Er muss morgen noch arbeiten und ist gegangen. Komm lass uns tanzen!“

Jess etwas abzuschlagen ist so gut wie unmöglich, also ergebe ich mich kampflos und folge ihr. Obwohl meine Füße in den hohen Schuhen schon schmerzen, fühle ich mich jetzt wie schwerelos. Jess greift meine Hände, wirft den Kopf in den Nacken und wir feiern ausgelassen zum Bass der Musik. Schnell ist der Zwischenfall an der Bar vergessen.
Es macht richtig Spaß und die Zeit vergeht wie im Flug. Irgendwann lichtet sich allmählich der Nebel um uns auf der Tanzfläche und die Beleuchtung wird langsam heller. Es muss schon fünf Uhr früh sein. Das Unique schließt. Leider gehen diese Nächte viel zu schnell vorbei.

Beim Rauslaufen unterbricht Chris kurz das Abwischen der Bar um uns zu winken. Während ich Jess zum Ausgang folge, zieht mir bei dem Anblick, der sich mir bietet, ein Stich in die Magengegend.  Vor dem Treppenaufgang lehnt der Kerl von der Tanzfläche. Verschwitzt, mit verschränkten Armen und hängendem Kopf. Er sieht richtig fertig aus. Plötzlich sieht er zu mir auf. Aus seiner Nase scheint etwas Blut zu tropfen. Wahrscheinlich hat er sich heute doch noch mit dem Falschen angelegt. Schnell wende ich den Blick ab und versuche Jess einzuholen, die bereits oben am Ausgang steht.

Da wir so ziemlich die letzten im Club waren, ist vor der Tür nicht viel los und es dauert kaum bis ein Taxi für uns kommt. Jessica steigt als Erste ein. Als ich gerade die Tür des Autos greife um hineinzuklettern, packt mich jemand am Handgelenk und zieht mich zurück. Wütend fahre ich herum, so dass meine Haare auf die andere Schulter fliegen.
Er.
Der Bar-Typ.
Er steht ziemlich nahe vor mir, mein Handgelenk immer noch fest in seinem Griff. Sein Gesicht ist im Schatten, was ihn richtig gefährlich aussehen lässt.

„Wo willst du hin?“, knurrt er.

Einen Moment bin ich mehr von seiner tiefen Stimme als von dieser Frage überrascht.

„Nach Hause. Wohin denn sonst?“, antworte ich ihm schnippisch.

Seine Augen ziehen sich zusammen als er über mich hinweg zum Hintersitz des Taxis schaut, wo Jess sitzt, noch immer mein Handgelenk in seiner Hand. Stoßartig lässt er meine Hand los und lächelt mich selbstgefällig an, bevor er sich wortlos umdreht und geht.

„Was sollte das denn?“, frage ich mich selbst, während ich mich dabei erwische ihn mit offenem Mund hinterher zu starren. Verwirrt springe ich zu meiner verwunderten Freundin ins Taxi.

„Wuhhh…sag bloß du kennst den?“, quiekt Jess, worauf ich den Kopf schüttle:
„Nein und ich weiß eigentlich auch nicht was er von mir wollte“.

„Ich hab ihn heute Nacht an der Bar gesehen. Er ist ganz schön sexy.“

Sie grinst als ich die Augen verdrehe. „Er ist definitiv sexy, findest du nicht?“, bohrt sie weiter. Jess lässt einfach nie locker.

„Keine Ahnung, ja vielleicht. Aber irgendwie ist er total unheimlich“, gebe ich zu.

„Unheimlich?“, lacht Jessica.

„Ja unheimlich. Unheimlich und schräg. Aber sag mal, wirst du dich mit Marlon treffen?“, versuche ich vom Thema abzulenken.

Mit Erfolg. Jessicas Grinsen wird breiter. „Auf jeden Fall. Er ruft mich nach der Arbeit an und hat vorgeschlagen ins Kino zu gehen.“

Sie redet die komplette Fahrt über, bis der Taxifahrer vor meinem Häuserblock anhält.
Mit einem Kuss auf die Wange und einer Umarmung verabschiede ich mich von Jess, die noch ungefähr eine viertel Stunde Fahrt vor sich hat.
Als ich meine Klamotten vom Bett schiebe um mich schlafen zu legen bin ich noch viel zu aufgekratzt. Bilder von heute Nacht geistern mir wirr durch den Kopf. Immer wieder muss ich an den betrunken Kerl denken. Ich kann es einfach nicht ausstehen, wenn man mich bedrängt und trotzdem hat er mir zum Schluss sogar leid getan, wie er da verlassen am Ausgang stand. Er muss sich in seinem Rausch ganz schön in Stress gebracht haben, dass ihm jemand eine verpasst hat. Und was wollte dieser neue Barkeeper von mir? Er ist wirklich seltsam. Unheimlich eben. Und irgendwie unheimlich sexy. Da hat Jessica schon Recht. Die grünen Augen und das Piercing in der Augenbraue haben etwas Faszinierendes an sich. Aber warum verhält er sich denn so komisch?
Ich lasse meine Gedanken noch eine Weile um die heutige Nacht kreisen bis ich endlich einschlafe.
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