I wanna be the reason for your smile

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
19.07.2018
30.11.2018
20
65.043
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19.07.2018 3.765
 
Mal wieder etwas Neues, von meiner Seite : )

Mit dieser Story möchte ich einen Versuch unternehmen, indem ich sie so geschrieben habe, als wäre sie ein Original. Ich nehme an, dass kaum jemand etwas mit den Schauspielern anfangen kann, aber vielleicht hat jemand dennoch Interesse an der Story an sich. Ich wollte außerdem sehen, ob ich in der Lage wäre eine eigenständige Geschichte aufzubauen, nachdem ich es gewöhnt bin ausschließlich Fan Fiktion zu schreiben. Ob mir das geglückt ist, kann ich jedoch nicht sagen. Das müsste am Ende eben der Leser entscheiden.

Sollte es also jemanden geben der sich hier heranwagt, dann wäre ich für konstruktive Kritik sehr, sehr dankbar. Natürlich sind auch Fragen willkommen, da ich denke, dass es da ein paar Dinge geben wird, die nicht ganz ersichtlich erscheinen könnten. Allein, weil sich meine Story mit einer anderem Kultur befasst. Mein Wissen darüber ist lange nicht komplett, manches habe ich auch nach einiger Nachforschung improvisieren müssen.

Aber auch hier lasse ich mich gern belehren, sollte es jemand besser wissen ; )





***





Die Sonne brande pflichteifrig von einem blassblauen Himmel und ließ die Hitze über die Straßen Bangkoks flimmern. Ein Tag wie jeder andere, mit den geschäftigen Märkten und Straßenständen und dem ewig anhaltenden Trubel für die Menschen, die hier lebten.

Und dennoch war es für eine Person ein ganz Besonderer geworden.

Es war schwer nicht ständig wie ein Idiot vor sich hin zu grinsen, seit er heute Morgen die Nachricht erhielt, dass er es tatsächlich geschafft hatte. Er hatte die Rolle von Arthit bekommen und fühlte sich seitdem etwas überschwänglich.

Er hatte wirklich nicht damit gerechnet.

Man hatte ihn nicht nur einmal skeptisch angesehen, als er meinte, dass er sich für eine Rolle in einer dieser Boys Love Serien beworben habe. Weniger wegen des Genres der Serie, mehr wegen dem Charakter für den er vorsprechen wollte.

Den hitzköpfigen Teil hatte er von Natur aus intus, damit sollte er keine großartigen Probleme bekommen. Nur das Abgebrühte und Rigorose schien man ihm einfach nicht zuzutrauen, kannte man ihn als lockeren und verträglichen Menschen, der gern lachte und Spaß am Leben hatte. Weswegen der Erfolg, diese Rolle bekommen zu haben, nur noch besser schmeckte. Er hatte trotz allem überzeugen können und er freute sich auf diese Herausforderung.

„Hey Krist, langsam mache ich mir Sorgen, dass dein Gesicht so bleiben wird.“, neckte ihn Puen, einer seiner langjährigen Freunde, und kniff ihn dazu aufziehend in seine Wange. Man machte sich gern auch einmal einen Spaß damit, ihn darauf zu verweisen, dass er ein so schönes, pausbäckiges Gesicht habe, dass man gar nicht anders könne als entzückt hineinkneifen zu wollen. Manchmal waren seine Freunde wie ein Schwarm alter Mütterchen, die es auf ihn abgesehen hatten.

Mit einem zurechtweisenden Klapps auf die nervige Hand in seinem Gesicht, zog er sich schließlich mit einem Schmollen ein Stück zurück und rieb sich die schmerzende Stelle.

„Ihr seid doch nur neidisch, weil ich der mit dem Charme bin und dies nun auch offiziell erkannt wurde.“, konterte er, was ihm ein kollektives „Ja, ja Mister Lover.“ einbrachte.

Krist deutete mit dem Zeigefinger auf die drei Jungs vor sich.

„Ich sag´s euch, wenn ich erst einmal berühmt bin, dann lade ich keinen von euch zu meinen dekadenten Pool Parties ein.“ Damit setzte er erneut ein dramatisches Schmollen auf und wendete seinen Kopf divenhaft zur Seite.

„Ach nun sei nicht so.“ Puen legte ihm einen Arm über die Schultern und zog ihn zu sich. „Du bist manchmal einfach zu niedlich. Also ist es so gesehen deine eigene Schuld.“ Krist stieß seinen Freund auf diesen Kommentar leicht mit dem Ellenbogen in den Bauch.

„Aber mal ehrlich, es freut mich, dass du die Rolle bekommen hast. Ich bin echt gespannt, dich in Aktion zu sehen.“ Damit zwinkerte ihm Tum neckend zu und Krist wusste sofort worauf dieser anspielte.

„Was sagt eigentlich Noy Na dazu?“ wollte Pon wissen, was Krist leicht mit den Schultern zucken ließ.

„Sie hat kein Problem damit. Sie meinte es ist ihr sogar ganz recht, dass ich einen männlichen Partner habe. Somit hätte sie keinen Grund sich Sorgen zu machen.“ Er konnte sich glücklich schätzen, dass seine Freundin es so locker sah und ihm keine Szene gemacht hatte, über seine Entscheidung, in solch einer Serie mitspielen zu wollen.

Dass er nur bedingt Ahnung hatte, was nun tatsächlich auf ihn zukommen würde bei dieser Sache, ließ ihn sich dennoch nicht von irrationalen Befürchtungen verunsichern zu lassen. Vorzugeben sich in einen anderen Kerl zu verlieben, sollte nicht schwerer sein, als sich in ein Mädchen zu vergucken, oder?

Über alles andere würde er sich Gedanken machen, wenn die Zeit dafür gekommen war.

Nun galt es erst einmal die zweite Runde der Auswahl zu überstehen.

Er konnte nicht abstreiten, dass er mehr als neugierig darauf war, wer als sein Partner ausgewählt worden war. Er hoffte inständig, dass es jemand wäre mit dem es ihm leicht fallen würde, sich anzufreunden. Immerhin würden sie einiges an Zeit miteinander verbringen, sollte der Dreh der Serie dann tatsächlich losgehen.

Doch bis dahin war es allerdings noch ein Stück.

Sollte er in weiteren Vorsprechen womöglich doch noch versagen oder den Erwartungen nicht genügen können, wäre die Persönlichkeit seines Partners das Letzte seiner Probleme.

Aber bevor er sich nun komplett in Nervosität verlor, zog er es vor, sich damit abzulenken, seine Freunde zum nächstbesten Imbiss zu schleppen, konnte er etwas zu essen jetzt sehr gut gebrachten.

Ganztägige Zufriedenheit kostete so einiges an Energie.



***Mit einen langgezogenen Seufzen senkte Singto seine Hand in welcher er sein Smartphone hielt und ließ sich ausgestreckt auf sein Bett fallen. Er wusste, dass er undankbar reagierte, schließlich war er aus hunderten anderen Bewerbern ausgewählt worden, eine Rolle in dieser TV-Serie zu spielen.

Es war nur eben nicht die Rolle, für die er vorgesprochen und für die man ihn eigentlich gecastet hatte.

Er hatte nicht angenommen, dass er wirklich einen Eindruck hinterlassen würde, immerhin war er purer Anfänger und hätte von selbst wahrscheinlich nie mit dem Gedanken gespielt sich einmal als Schauspieler versuchen zu wollen. Seine Interessen lagen einfach bei anderen Dingen.

Wie das Fotografieren zum Beispiel.

Träge rollte er sich auf die Seite und griff nach dem Buch, das sich auf seinen Nachtisch befand.

Dennoch hatte er sich wirklich mühe mit seiner Interpretation dieses Charakters gegeben, fand er, dass dessen störrische und aufbrausende Persönlichkeit in solch einen Kontrast zu seinem eigenen Wesen stand, dass er nach anfänglichen Bedenken sich dieser interessanten Herausforderung einfach hatte stellen wollen. Auch um zu sehen, ob er sich selbst zu etwas animieren konnte, dass für ihn derart fremd war.

Es war der Reiz des gänzlich Unbekannten, der ihn hatte zustimmen lassen, sich versuchen zu wollen.

Denn wer wusste es schon. Womöglich hatte er tatsächlich Talent?

Eigentlich war er eher der ruhigere und ab und an auch introvertierte Typ. Eine so gegensätzliche Rolle zu spielen, hatte ihm etwas abverlangt, ihn dazu aufgefordert seinen Charakter zu erweitern.

Doch anscheinend war er trotz aller Bemühungen nicht überzeugend genug gewesen. Etwas, dass ihn niederdrückte, zeigte es nur zu deutlich, dass er eben doch nur ein Amateur war.

Dennoch hatte er eine weitere Chance bekommen. Wenn auch als der Gegenpart des Charakters, der ihm diese Möglichkeit eingebracht hatte.

Singto las die erste Seite des Romans, der Aufsehen genug erzeugt hatte, dass man ihn als eine Serie adaptieren wollte, erneut durch. Boys Love Geschichten hatten schon immer ihre Fans, nur schien man erst in den letzten Jahren wirklich darauf aufmerksam geworden zu sein, was sich mit dem produzieren von Live Action Serien tatsächlich einnehmen ließ.

Man bewegte sich weg von hauptsächlich deprimierenden Filmen zum Thema Homosexualität, schien diese Art von Liebe in der Gesellschaft zu jener Zeit nur als Drama Berechtigung zu finden. Was so gesehen eine wirklich traurige Sichtweise darstellte.

Er war „SOTUS“ schon einige Male durchgegangen. Die Geschichte um einen Studenten der frisch an die Universität seiner Wahl kam, wo er Bekanntschaft mit dem berüchtigten SOTUS System machen musste. Ein System, das dazu diente, neuen Studenten zu verdeutlichen, was die Gesellschaft einmal von ihnen verlangen oder erwarten würde. Es ging um Disziplin, um Respekt, darum zu erkennen, dass manche Dinge nicht immer nur Schwarz oder Weiß waren. Was jedoch nicht bedeutete, dass jeder sich solch einem Drill widerstandslos beugte oder davon Abstand hielt, dieses System zu hinterfragen.

Arthit war der Kopf des Hazer Teams, jene die in dieser Geschichte das SOTUS System verkörperten. Ein eher mürrischer und aufbrausender Charakter, und das Ziel des Interesses des jungen Kongpob, der versuchte, dem System mit Wagemut etwas von seinem Schrecken nehmen zu wollen. Und dazu hatte er Arthit versprochen, ihn zu seiner besseren Hälfte zu machen, zeigte sich der Anführer der Hazer doch ziemlich selbstsicher, dass Kongpob mit seinen provokativen und infrage stellenden Allüren, niemals die Zustimmung seiner Senior Studenten erhalten würde.

Man hatte ihn für die Rolle von Arthit ausfindig gemacht, nachdem sich ein Foto von ihm im Internet wiedergefunden hatte, das ihn selbst bei der Ausführung des SOTUS Systems zeigte und ein Hashtag auf #evilHazer verwies.

Denn ja, nicht jeder mochte das SOTUS System und diejenigen, die es ausführten.

Und da er selbst schon einem Hazer Team angehört hatte, hatte er gehofft, dass er mit seiner Erfahrung darin etwas würde punkten können.

Nun allerdings, würde er die gesamte Story noch einmal durchgehen müssen, nur diesmal mit dem Fokus auf Kongpob. Kongpobs Persönlichkeit kam seiner recht nahe, was es einfacher machen sollte, ihn verstehen zu lernen.

Das Problem war nur, dass er somit auch den treibenden Part darstellte, wenn es darum ging, das Herz eines anderen Mannes für sich gewinnen zu wollen.

Er wusste auf was er sich einließ, als er sich entschieden hatte, für diese Serie vorzusprechen. Dass er, egal an welcher der beiden Rollen er sich versuchen würde, es darauf hinauslief, dass sich diese beiden Charaktere ineinander verlieben würden.

Und mit all dem hatte er auch kein Problem. Toleranz war etwas, dass ihm seine Mom stets vorgelebt hatte und welche er nach ihrem Tod selbst weiter ausbaute.

Also nahm er es eher als einen Anreiz, sich schon in einem Debüt beweisen zu können.

Selbst das Küssen eines anderen Mannes sah er nicht als ein tatsächliches Hindernis.

Auch wenn er damit keine Erfahrung hatte, nahm er nicht an, dass es sich anders abspielte als mit einer Frau.

Mit all diesen Faktoren hatte er sich schon ausreichend befasst und es hatte seine Motivation nicht mindern können.

Nun allerdings war er etwas ratlos.

Kongpobs Enthusiasmus Arthit für sich gewinnen zu wollen, war in der Theorie begreifbar. Nur würde er es auch schaffen, es tatsächlich in die Praxis umsetzen zu können? Es würde von ihm verlangen etwas darzustellen, das er so selbst noch nicht erlebt hatte. Keines der Mädchen mit denen er bis dato ausgegangen war, hatte er umwerben müssen. Sie waren alle auf ihn zugekommen.

Er fürchtete einfach, dass er dieses Gefühl von Zuneigung, das sich Stück für Stück in Kongpob für Arthit aufbauen sollte nicht würde ausdrücken können, da ihn einfach die eigens gemachte Erfahrung dafür fehlte. Und er wusste selbst gut genug, dass lieblose Schauspielerei einen Charakter schnell zu Grunde richten konnte.

Selbst wenn man von ihm als Anfänger nicht allzu viel Tiefgang erwartete, so wollte er dennoch sein Bestmögliches geben.

Er mochte nicht den Part bekommen haben, den er sich erhofft hatte, aber das Handtuch werfen kam ebenso wenig in Frage. Würden seine schauspielerischen Fähigkeiten nicht ausreichen, dann würde er eben härter an sich arbeiten.

Denn wenn er etwas war, dann zielstrebig.



***

Etwas außer Puste schaute Krist auf sein Smartphone. Er hatte es noch rechtzeitig geschafft hier zu erscheinen. Obwohl ihn der Verkehr beinahe zur Verzweiflung gebracht hatte, auf dass er die letzten Blocks das genommene Taxi hinter sich ließ und zu Fuß zum GMM-TV Studiogebäude gesprintet war. Nun war er zwar pünktlich, aber auch verschwitzt, dass ihm das weiße Hemd seiner Studentenuniform unangenehm am Körper klebte.

Aber damit musste er sich nun abfinden, sah er schon eine Ansammlung an Leuten, die sich vor ihm auf dem Gang befanden und ebenso zu warten schienen. Er hatte keine Ahnung, wer noch alles für diese Serie ausgesucht worden war, hatte er bei ihrem ersten Vorsprechen kaum auf irgendjemanden geachtet, weil er selbst viel zu nervös gewesen war.

Er trat weiter auf den Pulk an Personen zu und schaute sich die eine oder andere etwas genauer an.

Wer wohl die Rolle der Kongpob bekommen hatte?

Er konnte nicht abstreiten, dass er ebenso hoffte, dass es jemand war, der ihm auch optisch zusagen würde. Nicht dass er eine Präferenz hatte was Männer anging, diese würde sich ausschließlich auf seine Rolle beziehen. Aber er konnte dennoch beurteilen, wenn ein Mann in seinen Augen als attraktiv erschien. Es mochte oberflächlich sein, aber es würde ihm dennoch helfen, wenn sein Gegenpart seinen Kriterien entsprechen würde. Er spürte die Hitze, die in seine Ohren stieg, als er daran dachte, dass er und sein noch unbekannter Partner sich recht nahe kämen, sollte er endgültig die Rolle des Arthit zugesprochen bekommen.

Aber soweit war es noch nicht, und deswegen sollte er sich auch noch keine größeren Gedanken darüber machen. Er bevorzugte es sich spontan auf etwas einzustellen, wenn es denn möglich war.

Er ließ seinen Blick weiter schweifen und bemerkte, dass man auch ihn ab und an musterte, stellte sich wohl jeder die Frage, wer von ihnen welchen Part übernehmen würde. Und da er nicht unfreundlich oder arrogant erscheinen wollte, lächelte er dezent jenen zu, die seinen Blick eingefangen hatten. Sollten sie über die nächsten Monate miteinander arbeiten, dann war es gut, schon einmal ein positives Bild von sich wiederzugeben.

Seine Aufmerksamkeit zog vorbei an einem recht großgewachsenen Mädchen mit eindrucksvollen, dunklen Augen und halblangen Haaren. Ihr Gesicht war interessant ansprechend. Nicht simpel attraktiv, wie er es bei den anderen weiblichen Personen hier festgestellt hatte. Ein anderer junger Mann mit breiten Schultern und scharfer Kinnpartie stand mit verschränkten Armen an einer Wand des Gangs gelehnt und unterhielt sich mit einem weiteren jungen Mann, der ein auffälliges Hawaiian Shirt trug und der ihm irgendwie bekannt vorkam. Krist grübelte angestrengt, nervte es ihn immer immens, wenn ihn etwas nicht einfallen wollte, das quasi schon auf seiner Zungenspitze lag.

Er studierte den anderen noch etwas eingehender, bis dieser seinen eindringlichen Blick wohl zu spüren schien und ihn daraufhin direkt anschaute. Krist kam sich albern ertappt vor, worauf der andere ihm dann auch noch angrinste und neckend zuzwinkerte, was für ihn Grund genug war seinen Blick peinlich berührt zur Seite abzuwenden. Das mit dem Starren sollte er wohl lieber unterlassen.

Somit stellte er sich etwas abseits und holte sein Smartphone wieder hervor, um seiner Mom und Noy Na zu schreiben, dass er gut beim Vorsprechen angekommen sei.

Eine Bewegung zu seiner Rechten ließ ihn unbewusst hinschauen, nur um dann seine Augenbrauen überrascht anzuheben als er erkannte, dass noch jemand mit der Uniform seiner Fakultät hier stand.

Besagte Person hielt ihren Kopf gesenkt, war sie in ein Buch vertieft, sodass er ihr Gesicht nicht wirklich erkennen konnte. Aber er erkannte das Logo seiner Uni auf dessen Krawatte.

Zu wissen, dass es tatsächlich noch ein Student von Kasetsart hierher geschafft hatte, brachte ihm ein Gefühl von Sicherheit, das er sich selbst nicht recht erklären konnte. Aber es reichte aus, ihm genug Mut zu geben, um sich nun auf die Person zuzubewegen und sich in einem vertretbaren Abstand neben sie zu stellen. Sie trug außerdem noch Kopfhörer, sodass er sie leicht an der Schulter antippte, um auf sich aufmerksam zu machen.



Singto hatte sich etwas abseits des Trubels gestellt. Es war einfach seine Natur, sich eher am Rande des Geschehens zu halten, wenn es möglich war. Und in diesem Falle brauchte er auch etwas mehr Ruhe, um seine Nerven zu bändigen.

Wiederholt las er sich einige Absätze aus SOTUS durch, die es vielleicht angebracht war im Kopf zu haben, sollte man ihn eingehender zu Kongpobs Charakter befragen. Er wollte auf keinen Fall unvorbereitet erscheinen, hatte er doch keine Ahnung, was nun weiter auf ihn zukommen würde.

Er war so vertieft in seine Lektüre, dass er gar nicht bemerkte, dass sich jemand neben ihn gestellt hatte. Erst als man ihn an die Schulter stippte, riss er sich von dem Buch los und schaute fragend auf den Störenfried neben sich.

Seine Augen weiteten sich überrascht, als er ein ihm bekanntes Gesicht ausmachen konnte, das nicht weniger überrascht wirkte als sie sich ansahen. Angebracht, zog er sich die Knopfkopfhörer aus den Ohren.

„Phi Singto?“ Singto konnte nicht anders als erheitert zu lächeln, über diese etwas perplex klingende Feststellung.

„Nong Krist. Das nenne ich eine Überraschung.“ Krist schaute ihn noch einen Moment groß an, bevor er sich wieder zu sammeln schien und sich in einem Wai, dem Zusammenbringen beider Handflächen vor der Brust, und dem dazugehörigen Gruß (Sawadee krap), leicht vor ihm verbeugte.

Krist war ein knappes Jahr jünger als er selbst, was ihn zu seinem Junior, seinem Nong an der Uni machte. Dieser war zudem etwas kleiner als er, mit dunklen, schmalen Augen und einer feinen, hellen Haut, dass er durchaus chinesischer Abstammung sein konnte und den Spitznamen Tee, fürwahr verdient hätte. Er hatte zudem auch mitbekommen, das die eine oder andere Person Krist mit dem Titel Lady Boy aufzog, wegen seiner weicheren Gesichtszüge und der schmaler wirkenden Figur. Aber soweit Singto wusste, war nichts an dieser Mutmaßung dran, auch wenn er sie, zu einem gewissen Maße, verstehen konnte.

Denn Krist hatte noch eine andere Eigenschaft. Oder besser gesagt ein Merkmal, das ihn ziemlich unerwartet getroffen hatte, als er damals das erste Mal Zeuge davon werden durfte und das ihm seitdem nicht mehr recht aus dem Kopf gehen wollte.

Krist hatte ein ansehnliches Gesicht. Dennoch war er nicht der Typ, der sofort ins Auge fiel, wenn er an einem vorbeilief.

Mit diesem bestimmten Lächeln, das dessen Grübchen zeigte, allerdings…

Sie hatten nicht viel miteinander zu tun und sahen sich eher sporadisch auf dem Campusgelände ihrer Fakultät.

Krist war stets etwas reserviert ihm gegenüber, was ihn annehmen ließ, dass er keine allzu hohe Meinung von ihm hatte.

Natürlich, nur weil er sein Senior war, hieß das nicht, das Krist ihn automatisch als eine sympathische oder respektable Person betrachtete. Aber wenn Singto ehrlich war, wüsste er gern den Grund, warum Krist so empfinden mochte.

Sollte es tatsächlich deswegen sein, weil er ihn einmal, in seiner Position als Hazer ihrer Fakultät ermahnt hatte, sich den Vorschriften entsprechen ordentlich anzuziehen? Es war seine Aufgabe, auf diese Dinge zu achten und sie auch mitzuteilen.

Da machte Krist keine Ausnahme.

Und so gesehen war es auch nur ein harmloses Delikt. Aber womöglich hatte er ihn zu harsch darauf verwiesen, sein Hemd weniger lässig zu tragen und seine Krawatte zu richten? Immerhin waren sie nicht in irgendeinem Club. Er erinnerte sich noch genau daran, dass Krist ihn ziemlich trotzig angesehen und ihm anscheinend auch einen Kommentar dazu auf den Lippen gelegen hatte. Dann hatte ihn einer seiner Freunde allerdings mit einem leichten Knuff in die Seite dazu beweg,t seiner Anweisung, zur angebrachten Kleidungsordnung, zu folgen. Beide waren nach einer routinierten und monotonen kurzen Verabschiedung verschwunden.

Krist schaute ihn noch immer wortlos an, was Singto überlegen ließ, ob er sich daran versuchen sollte, ihn zu dessen Hiersein zu befragen.

Er entschied sich schließlich es darauf ankommen zu lassen.

„N´Krist, ich wusste gar nicht, dass du dich ebenso für die Schauspielerei interessierst.“, versuchte er somit die Stimmung etwas aufzulockern. Und zu seiner Erleichterung ging Krist auch darauf ein, anstatt sich mit einer hölzernen Entschuldigung wieder von ihm zu entfernen.

Singto lächelte noch etwas zugetaner über diesen kleinen Erfolg.



*



Krist fühlte sich doch einen Moment etwas überrumpelt, als er P´Singto vor sich wähnte. Singto war etwas älter als er, sodass er ihn traditionsbedingt als Phi ansprach, sowie Nong die Anrede für jüngere Personen darstellte.

Es ließ das Ganze etwas peinlich erscheinen. Nicht zuletzt, weil er sich mit P´Singto auch ein wenig überfordert fühlte. Er kannte den anderen eher flüchtig, aber wenn er etwas wusste dann, dass er dessen Freundeskreis nicht mochte. Er hatte Singto nie selbst dabei beobachten können, dass dieser sich ebenso überheblich präsentierte oder sich die Zeit damit vertrieb andere zu piesacken.

Aber das hatte nicht wirklich viel zu bedeuten, hatte er seine Augen und Ohren schließlich auch nicht überall. Das Einzige, was die Annahme, dass Singto weitaus anständiger war als seine Freunde, aufrecht halten konnte war, das auch keiner seiner Kumpels je etwas Ausschlaggebendes über ihn zu lästern hatte. Mal abgesehen von dessen Hazer Allüren, welche sich aber trotz allem immer noch im Rahmen hielten, soweit es das SOTUS System betraf.

Krist sagte sich von seinen aufgekommen Gedanken erst einmal wieder los und nahm sich heraus, Singto etwas genauer anzusehen. Er hatte ein markant wirkendes Gesicht, welches ihn aber nicht zu schroff erscheinen ließ, waren dessen Gesichtszüge trotz allem recht weich. Er trug einzig ein seichtes Lächeln auf seinen schmalen Lippen, was durchaus ein attraktives Bild vermittelte, wenn man zuließ, ihn aus solch einem Blickwinkel betrachten zu wollen. Seine Augen schienen etwas dunkler als die seinen, dass sie im fahlen Licht des Ganges nahezu schwarz wirkten. Seine kurzen Haare waren nicht gestylt, sondern fielen ihm lässig über die Stirn, so wie er es auch bei sich am liebsten trug.

„N´Krist, ich wusste gar nicht das du dich ebenso für die Schauspielerei interessierst.“, merkte dieser mit einem Mal an und Krist wurde sich wieder bewusst, wo er sich befand und was ihn hierher geführt hatte.

„Es ist nicht meine größte Leidenschaft, aber wer weiß, vielleicht kann es das werden.“ Krist konnte sich ein Schmunzeln nicht verbieten, wann immer er daran dachte, dass er immerhin schon einen Erfolg verbuchen konnte, indem er es in die zweite Runde geschafft hatte.

„Wie ist es mit dir P`?“

Jemanden zum Reden zu haben, ließ seine Aufregung ein wenig abflauen. Singto schaute auf seine Frage etwas irritiert, als habe er ihn gar nicht zugehört, blinzelte dann aber ein wenig und schien damit wieder zu sich gefunden zu haben.

„Man ist auf mich aufmerksam geworden, ohne dass ich etwas hätte dafür tun müssen. So gesehen habe ich mich nie mit der Schauspielerei befasst, aber nach reichlicher Überlegung, sah ich es als eine interessante Gelegenheit an. Es wird sich zeigen, ob ich den Erwartungen weiterhin gerecht bleiben kann. Ich wollte solch eine Möglichkeit letztendlich nicht ungenutzt verstreichen lassen.“ Krist nickte verstehend. Dann waren sie also beide unerfahren was dieses Business anbelangte. Ein weiterer Punkt, der ihm half sich nicht gar so angespannt zu fühlen.

Er wollte sich gerade erkundigen, für welchen Part man Singto ausgewählt hatte, als eine nachdrückliche Frauenstimme verlauten ließ, dass man sich geordnet in das angegebene Zimmer begeben solle, wo man schon auf sie warten würde.

Nun war es also soweit.

Krist atmete noch einmal tief und hörbar durch.
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