Six feet underground

von Enigma
GeschichteAllgemein / P16
18.07.2018
18.07.2018
2
1299
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
Chapter One | Confused | Opening


I dream no nightmares. They are scary.

Es war warm. Die sengende Mittagshitze lag über der Stadt. Mit gelangweiltem Blick schaute Hana aus dem Fenster. Die monotonen Worte ihres Lehrers realisierte sie schon lange nicht mehr. Seine Stimme wurde zu einer Art Hintergrundgeräusch, so wie die vorbeifahrenden Autos oder das Zwitschern der Vögel. Sie wäre jetzt gern zu Hause. In Gedanken saß sie längst auf dem gemütlichen Sofa im Wohnzimmer vor dem Fernseher.

Ihr Blick schweifte hinüber zu der großen Wanduhr, welche über der Tafel hing. Sie würde ihre Lieblingssendung verpassen. Hana fixierte eine Weile den Sekundenzeiger, welcher schleichend langsam seine Runden zog. Vielleicht konnte sie aber nachher mit der Nachbarskatze spielen? Es war Mittwoch. Mittwoch spielte sie oft mit der Katze. Das verträumte Mädchen lächelte leicht. Das Tierchen war wirklich niedlich. Hana freute sich immer, wenn sie mit dem schwarzen Fellknäuel Zeit verbringen durfte. Schon als kleines Mädchen hatte sie sich ein Kätzchen gewünscht. Ihr Eltern konnten ihr diesen Wunsch aufgrund einer Allergie leider nicht erfüllen.

Hana wurde aus ihren Gedanken gerissen, als ihre Sitznachbarin ihr sanft den Ellbogen in die Seite stieß. Verwirrt schaute sie zu ihr hinüber. Sie hielt Hana einen zusammengefalteten Zettel unter dem Tisch entgegen. Diese nahm ihn unauffällig an sich und öffnete ihn vorsichtig. Einen Augenblick starrte sie auf den breiten Rücken ihres Lehrers, der gerade etwas auf die Tafel schrieb. Dann schielte sie kurz auf das Stück Papier in ihren Händen.

Hey, hast du Lust dich nach dem Unterricht mit mir am großen Kirschbaum zu treffen? Taru.
Ja ( )  Nein ( )

Hana drehte sich um und schenkte dem Jungen, welcher zwei Reihen hinter ihr saß, ein schüchternes Lächeln. Sie mochte ihn. Er war nett zu ihr. Wenn sie krank war, brachte er ihr häufig die Hausaufgaben vorbei. Hana kramte einen Stift aus ihrer Federtasche hervor. Einen grünen Filzstift. Grün, wie die Hoffnung. Ihre Wangen zierte ein leichter Rotschimmer, als sie das Kreuz setzte. Ja, sie mochte ihn. Sehr sogar. Hana faltete das Zettelchen wieder zusammen und reichte es über ihre Mitschüler zurück an Taru. Verträumt kritzelte sie Blümchen auf ihren Tisch, während sie an den Kirschbaum und an die bevorstehende Verabredung dachte.

Es war das erste Mal, dass ein Junge sich mit ihr verabreden wollte. Sie war bereits seit einiger Zeit in ihn verliebt und hatte sich ein solches Treffen schon oft vorgestellt. Nervös strich sie sich eine hellbraune Haarsträhne hinters Ohr und glättete ihre Schuluniform. Dann drehte sie sich erneut zu ihm um. Er zwinkerte ihr zu und hielt ein anderes Blatt hoch. 'Super, freu mich!' Hana formte mit den Lippen ein 'Ich auch'. Taru schien sie verstanden zu haben. Er grinste sie breit an, wirkte erleichtert, dass sie ihn nach dem Unterricht sehen wollte. Er war ebenso unsicher wie sie. Fahrig fuhr er sich durch sein blondes, lockiges Haar, welches ihm beinahe bis zu den Schultern reichte. Beide waren aufgeregt und konnten es kaum erwarten, dass der Schultag endlich endete.

Sie konnten nicht wissen, dass es nie zu diesem Treffen kommen würde.