Hypnos' Geschenk

OneshotÜbernatürlich / P6
17.07.2018
17.07.2018
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Über dich beugte sich ein anmutiger junger Mann mit einer Haut so schwarz wie die tiefste Nacht. Schwarzgefiederte Flügel breiteten sich wie ein dunkler Mantel über dich aus.
Ein schönes, unwirklich erscheinendes Gesicht mit weichen, freundlichen Zügen blickte wohlwollend auf dich herab. Wallende schwarze Locken umrahmten dieses malerische Antlitz, dessen edles Haupt von schönsten Schlafmohnblüten bekränzt war. Über den Schläfen dieses schönen jungen Mannes, entsprangen leuchtende Schmetterlingsflügel, welche in den verschiedensten Farben von Iris prächtigen Regenbogen schimmerten und doch so unwirklich schienen, als seien sie bloss Teil eines Traumes.
Seine sanften Lippen öffneten sich leicht und entließen einen angenehm kühlen Windhauch, der wohlduftende Gerüche ferner Länder zu dir trug, welche deinen Geist in eine sanfte Umarmung nahmen.
Grosse Augen von einen tiefen dunklen Blau, in dem man hätte versinken können, blickten in die Tiefen deiner sich langsam ausruhenden Seele. Sie waren ruhig und sanftmütig, zogen dich in einen tiefen Bann, dem du dich nicht erwehren konntest.
Du versuchtest halbherzig dagegen anzukämpfen, aber schnell verflog der Wille sich zu widersetzen und langsam ließest du dich einfach mit dem Strom dieser wohligen Ruhe, dieses dich lieblich umhüllenden Gefühls treiben.
Niemand konnte sich ewig seiner alles fesselnden Kraft entziehen, denn er war Hypnos, der Herr des Schlafes, der Schlaf selbst.
Der den Menschen wohlgesonnene Sohn der Nacht und der Finsternis. Der süße, schöne Zwillingsbruder des Todes und Vater der Träume, dem ein grosser Teil eines jeden Lebens gehörte.
Der liebliche, süße, umhüllende Schlaf der einen ins Reich der Träume führte, war das Geschenk dieses großzügigen Gebers, welcher von den Menschen kaum etwas als Gegenleistung verlangte oder gar erwartete.
Ein mit Träumen und Schlaf gefülltes Füllhorn in der einen Hand und einen im Unterweltsfluss Lethe getauchten Mohnzweig in der anderen, kam er näher an dich heran.  
Sanft strich er dir mit dem Mohnzweig über die Schläfe, sodass du deine Sorgen eine Zeit lang vergessen konntest. Bereitwillig ließest du es geschehen.
Liebevoll, wie bei einem Kind, blickte er dich aus geduldigen, weisen Augen voller Ruhe an. Langsam beugte er sich tiefer zu dir herab, hauchte dir einen kaum merklichen Kuß auf die Stirn.
„Schlaf“, flüsterte er dir mit samtweicher Stimme ins Ohr.
Deine Augen wurden schwer. Du kämpftest nicht länger gegen sein kostbares Geschenk an, nahmst es mit Freuden an, auch wenn es bedeutete, von diesem Traum in den nächsten überzugleiten.
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