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Hamburg I

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
OC (Own Character)
17.07.2018
09.09.2018
9
4.954
2
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8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.09.2018 1.042
 
“Hello, hello, hello, how low
Hello, hello, hello, how low“

-amerikanische Volkslied, 1991

Mitternacht. Geisterstunde. Hu hu. Und die Zeit der bösen Jungs. Rock’n’Roll baby.
Revolver und ich saßen in meinem Bulldog. Ich hatte mich eingestöpselt, die Sensoren lieferten genaue Daten der Umgebung. Alles ruhig im Dithmarscher Land. Keine Roadcrew, die auf Randale aus war, kaum mal ein anderer Wagen auf der Strecke. Wer fährt auch schon nachts durch verseuchtes Land? Ich checke die gängigen Kanäle: Keine Giftwolken gemeldet, auch die Übernatürlichen scheinen zu schlafen. So brauchen wir keine Stunde bis zu dem Punkt, den der Schmidt uns genannt hatte.
Ich stoppte mein großes Baby und machte die kleinen startklar. Wir waren 1115,58 Meter vom Ziel entfernt.
Revolver stieg aus und betrachtete die Gegend mit einem Fernglas. Hoffentlich hämmert er seine Beobachtungen nicht auch noch in Stein. Ich ließ eine meiner Drohnen steigen. MAFM. Maximal Altitude, Fast Movement. So hoch und schnell wie möglich drüber. Wir wollen ja keine Aufmerksamkeit. Auch wenn die Drohne eigentlich nicht ortbar sein sollte. Wer weiß, was für ein Shit die in dem Gebäude haben. Das was ich sehe, entspricht den Angaben, die wir schon über Peet bekommen haben. Ich machte einen zweiten Überflug und umkreiste das Gebäude dann einmal. Die Hardware würde daraus ein 3D-Modell bauen. Aber außer den optischen Messungen hatte ich nichts reinbekommen. Der Kasten hatte weniger Emissionen als Schafscheiße. Kein Radar, kein Laser, kein Funk. Zur Sicherheit prüfte ich die Drohne. Sie war in Ordnung.
Revolver war derweil näher an das Gebäude rangegangen um sein magisches Ding durchzuziehen. Irgendein Hellsichtszeug. Solange es was taugt soll er machen.
Er kam nach einer knappe viertel Stunde zurück.
„Lass uns zu Peet fahren, ein Bier zischen und mit Daito quatschen. Vielleicht hat er auch schon Infos. Ich erzähle alles wenn wir da sind. Dann muss ich nicht doppelt quatschen.“
Auf dem Rückweg schwiegen wir uns an.
Peets Loch war jetzt gut besucht. Nur Daito nicht zu finden. Ich hinterließ ihm eine Kommnachricht. Wir würden uns morgen treffen. Revolver wollte noch was trinken.
Ich fuhr nach Hause, ließ ein paar Wartungsroutinen laufen und horchte dann an der Matratze. Hey, ich brauche meinen Schönheitsschlaf.
Am nächsten Vormittag trafen wir uns wieder in Peets Hinterzimmer. Dort trugen wir unsere Informationen zusammen:
Einfacher Flachbau, Typ Bürogebäude. Glatte Wände aus Beton, verspiegelte Fenster. Verwinkelte Bauweise. Das Gelände ist von einem Zaun umgeben, wir hatte eine kleine Wachmannschaft gesehen. Kameras und Sensoren waren nicht erkennbar. Der einzige Zugang schien vom Parkplatz durch eine Sicherheitsschluse zu führen.
Revolver hatte zwei magische Irgendwasse gespürt, war sich aber nicht sicher, um was es sich handelt. Er wollte nachher nachforschen gehen. Zudem erzählte er von einem Leuchtmoos auf dem Gelände, das leuchtet, wenn jemand Magie wirkt.
Viel hatten wir nicht. Wir mussten noch mehr Informationen zusammentragen.
Daito wollte das Objekt selbst noch einmal in Augenschein nehmen, Revolver nachforschen, was für Wesen auf dem Gelände sein könnten. Und ich wollte Kontakt zu Ein-Hand-Knut aufnehmen, einem von Peet empfohlenen Matrixläufer.
Ich hätte natürlich auch selbst eindecken können, aber irgendwie mag ich die Matrix nicht so. Sie ist zu groß, zu chaotisch. Ich mag meine Systeme, die kann ich zu hundert Prozent kontrollieren.
Als die beiden anderen losgezogen waren, stöpselte ich mich ein. Die Welt vor mir zerfloss und entstand in dunklem Chrom neu. Ich bewegte mich am Hamburger Gitter entlang zu dem Knoten, den ich von Peet bekommen hatte. Ein Plumpsklo stand dort, auf der Tür ein Peacezeichen. Ich klopfte.
„Du bist Zero. Ich habe Dich erwartet. Tritt ein.“
Sobald ich die Türschwelle übertreten hatte, verschwand die Tür. Ich meinte, süßliche Nebel riechen zu können. Ich war in einem großen Raum. Klassische Möbel, Ölbilder, ein kleiner Beistelltisch mit einer Vase.
Auf einem lila Samtsofa, das in der Mitte des Raumes schwebte, rekelte sich eine Sonnenblume und guckte mich an.
„Ich bin Einhand-Knut. Was willst Du, Rigger? Was kann ich für Dich tun?“
„Ich benötige Informationen, so viel und detailliert wie möglich.“
„Ach was.“ Die Sonnenblume kicherte, Blütenstaub sammelte sich auf dem Sofa und bildete ein kleines Pferd, das lossprang und im Nichts verschwand. „Wie originell. Hier ist der Deal. Du zahlt einen Tausender an Peet. In einer Stunde erhältst Du ein Datenpaket. Was dort nicht drin ist, gibt es auch nicht. Über Leistung und Preis wird nicht diskutiert.“ Wieder kicherte er. „Und nun, husch-husch.“
„Warte, eine Frage noch: Wieso „Einhand“?“
„Ich bin so gut, dass ich die zweite Hand nicht brauche.“
Sein Kichern halte noch in meinem Kopf nach, als ich aus der Matrix geschmissen wurde. Was für ein Angeber.
Eine kurze Rücksprache mit den beiden anderen, und Peet bekam das Geld.

Nach zwei Stunden trafen wir uns wieder, um uns gegenseitig auf den aktuellen Stand zu bringen:
Revolver war sich nach einem Besuch in der Universität für Cybertechnologie und Hermetische Magie sicher, dass die Wesen auf dem Gelände Windelementare waren. Toll.
Daito hatte –wie unauffällig- mit dem Wachpersonal gesprochen. Er tat so, als wolle suche er einen Job. Die Mannschaft wurde gestellt von ProSec, einem Subunternehmen von Proteus.
Die Sicherheitsschleuse war nur mit einem Elf besetzt, es gab allerdings etliche Kameras und einen geschützten Pförtnerbereich. Hier reinzukommen ohne Alarm auszulösen würde schwer werden.
Den Haupttreffer lieferte jedoch Knut, der einen vollständigen inneren Grundriss inklusive Sicherheitseinrichtung, Zugängen und Raumnutzung bereitstellen konnte. Nach intensiver Beratung war der Plan klar: Einstieg durch den Zaun, Umgehen der äußeren Schutzmaßnahmen. Eindringen in das Gebäude durch einen Fenster. Dann durch ein Labor auf einen Nebenkorridor direkt in die zentral gelegene Sicherheitszentrale. Sicherheitszentrale übernehmen, ggf. mit Gewalt. Sicherheitssysteme deaktivieren, Aufteilung des Teams.  Wir würden auf Knut zurückgreifen müssen, um gegebenenfalls die Server zu hacken.
Ich klinkte mich erneut in die Matrix und sprach mit der Sonnenblume. Knut lehnt es ab, irgendwo körperlich in Erscheinung zu treten. Er schlug aber vor, sich über ein Funkrelais in meinem Bulldog in das System einzuklinken. Wir feilschten um den Preis, dann hatte unser Team ein Decker.
Eine Bemerkung in  Daitos Bericht ließ uns aufhorchen: Als er gerade das Gelände verlassen wollte, fuhr ein GMC Bulldog auffällig unauffällig langsam an dem Gebäude vorbei, hielt kurz an und verschwand dann mit Vollgas.
Drek. Gab es etwa einen weiteren Mitspieler? Wir würden unseren noch nicht ausgefeilten Plan vorziehen müssen.
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