Der Austauschoffizier

von -Rhea-
GeschichteRomanze / P16 Slash
15.07.2018
13.08.2018
6
17814
3
Alle
13 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
Hallihallo und schön, dass ihr meine Geschichte lest:)
Das ist die Version des Kennenlernens, wie ich es mir vorgestellt habe, bevor ich die wahre Geschichte kannte.
Fähnrich Tilly hatte ich als Sylvia Tillys Mutter im Sinn, ich hoffe ihr verzeiht mir eventuelle zeitliche Diskrepanzen.
Viel Spaß beim Lesen,
liebe Grüße,
Rhea


-----------------------------
Für Dahkur, in der Hoffnung dass du Lächeln musst, wenn du die Geschichte liest:)
-----------------------------

_________________________________________


Nachricht an: Dr. Stamets, Paul [Lt.]
Bitte finden Sie sich heute um 8.00 Uhr im Versammlungsraum des Instituts ein, gemeinsam mit Ihrem Forschungspartner.
Zweck:
Videokonferenz mit Adm. Shu
Betreff:
Offiziersweiterbildung, genauere Informationen folgen

Nachricht an: Dr. Straal, Hendrik [Lt.]
Bitte finden Sie sich heute um 8.00 Uhr im Versammlungsraum des Instituts ein, gemeinsam mit Ihrem Forschungspartner.
Zweck:
Videokonferenz mit Adm. Shu
Betreff:
Offiziersweiterbildung, genauere Informationen folgen
Zusatz:
Wenn Stamets nicht erscheint, bekommt er weit mehr Probleme als einen Tadel, das können Sie ihm gerne ausrichten!

Mit leicht amüsiertem Gesichtsausdruck legte Hendrik Straal das Padd zur Seite, das ihm ein junger Fähnrich gerade überbracht hatte.
Was Admiral Shu wohl von ihnen wollte?
Er hatte sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, zuletzt war sie noch Captain gewesen. Eine nette Frau, die wusste, wie man mit Menschen umging.
Er blickte zur Tür.
Apropos Umgangsformen….
Er war sich sicher, das Gewitter ließ nicht mehr lange auf sich warten.
Tat es auch nicht.
Die  Tür flog auf und krachte gegen die dahinterliegende Wand, was Straal jedoch nicht aus der Ruhe brachte. Schon oft hatte er sich im Stillen gefragt, ob sein explosionswütiger Kollege Grund genug sein würde, hier endlich auch eine automatisch öffnende Tür einzubauen?
Das Alter des Gebäudes in allen Ehren, aber das Gerumpel war auf Dauer nicht sehr förderlich für ihr Labor….
Er beschloss, sich darüber später noch einmal Gedanken zu machen und wandte sich seinem aktuell größerem Problem zu, nämlich dem in Form seines Kollegen, der sich nun vor ihm aufbaute.
Paul Stamets‘ weiße Gesichtsfarbe hatte einem ungesund aussehenden Zinnoberrot Platz gemacht, die farblosen Augenbrauen berührten sich fast über den zusammengekniffenen Augen.

„Guten Morgen Paul. Wie geht’s?“, begrüßte Straal den anderen Wissenschaftler in neutralem Ton.

„Sehr witzig“, schnappte Stamets zurück, „hast du diesen Mist hier auch bekommen?“
Und er wedelte mit einem Padd, das identisch war zu dem das Straal gerade erhalten hatte.

„Ja, habe ich. Wo liegt das Problem?“, fragte Straal, auch wenn er die Antwort bereits kannte.
Wo liegt kein Problem? wäre die passendere Frage gewesen.

„8.00 Uhr im Konferenzraum. Das kann nichts Gutes sein! Schon gar nicht, wenn es um irgendeinen Weiterbildungsquatsch geht! Diese nervtötenden Amateurvorträge die die Flotte zuletzt angeboten hat waren reine Zeitverschwendung.“

„Vielleicht auch nicht…“, sinnierte Straal und ging Stamets voran zur Tür.
„Komm, lass uns kurz das Beta-Testprogramm starten und uns dann auf den Weg machen, es ist schon halb acht.“

Stamets murmelte noch einige Argumente dagegen, folgte Straal jedoch in Richtung ihres Gewächshauses.

----

Als die beiden Wissenschaftler den Konferenzraum betraten, sahen sie Admiral Shu bereits auf dem großen Monitor an der Westwand des Raumes.

„Guten Morgen Admiral“, grüßte Straal die ältere Frau höflich, „ich hoffe, wir haben Sie nicht warten lassen?“

Admiral Shu nickte Straal freundlich zu und lächelte.
„Nein, keine Sorge Lieutenant, ich war ein wenig früh dran.“

„Worum geht es hier?“, unterbrach Stamets in forschem Ton die Unterhaltung.
Straal fuhr sich besorgt durch die dunklen Haare.

„Stamets! Wie ich sehe sind Sie noch immer das gleiche Bündel geballter Sozialkompetenz, dass ich vor Jahren hier eingestellt habe! Aber ich will nicht lange herumreden. Was wissen Sie über OECPro?“

Straal antwortete sofort, um Stamets jegliche Chance einer unfreundlichen Erwiderung zu nehmen.
„Soweit ich weiß, handelt es sich dabei um ein Offizieraustauschprogramm,  eine Art mehrdimensionale Weiterbildung für Offiziere auf Forschungsschiffen. Man wird für mehrere Wochen einer gänzlich anderen Abteilung zugeteilt und muss sich dort so schnell es geht zurechtfinden.“

„Vollkommen korrekt“, nickte der Admiral und fuhr fort: „Das Official Exchanging Program soll dafür sorgen, dass sich bei unerwarteten Unfällen, Unglücken und sonstigen Vorfällen auf Schiffen jeder Offizier überall zumindest basisweise zurechtfinden kann, bis ein adäquater Ersatz vorhanden ist. Sie beide werden sicher demnächst auf ein Forschungsschiff versetzt, deshalb nehmen Sie und ihr Laborteam an diesem Programm teil. Morgen werden Ihnen vier Offiziere zugewiesen, in drei Wochen werden Sie wiederum in eine andere Abteilung versetzt. Noch Fragen?“

„Was ist mit unserer aktuellen Forschung???“, platzte Stamets heraus, sichtlich aufgebracht.

„Niemand wird Sie daran hindern, weiterzuarbeiten, Lieutenant. Doch in diesen drei Wochen werden Sie sich mit Abteilungen wie der Medizin, dem Maschinenraum oder dem Transport beschäftigen, sonst wird das Konsequenzen nach sich ziehen.“
Der Ton des Admirals war schärfer geworden, jedoch nicht unfreundlich.

„Selbstverständlich“, antwortete Straal.

„Nun, ich wünsche Ihnen beiden eine lehrreiche Zeit. Guten Tag die Herren.“
Und der Admiral schaltete den Monitor ab.

Stamets jedoch blickte immer noch darauf, das Zinnoberrot war einem dunklen Magenta gewichen.

----

„Und wie stellt sie sich das vor? Wie, Hendrik?? Ich habe absolut kein Interesse daran, irgendwelche Trötentrottel in meine Arbeit einzuweisen, von der sie ihr Leben lang keine Ahnung haben werden!“

Straal zuckte mit den Schultern. Auch er empfand die Aufgabe, fachfremde Offiziere einzulernen als anstrengend, jedoch war er ein weitaus offener Mensch als Stamets und freute sich darauf, mit anderen Abteilungen Kontakte zu knüpfen.

„Weißt du, ich glaube, das ganze könnte nützlich sein. Überlege mal, wenn es uns eines Tages das Leben rettet zu wissen, was wann wo zu tun ist, dann hat sich der Aufwand schon gelohnt.“

„Ja, wenn….“, murrte Stamets, widersprach aber nicht weiter.
Er wusste, dass seinem Arbeitskollegen und einzigem Freund der Umgang mit anderen Wesen wichtig war und er respektierte das bis zu einem gewissen Grad.Doch gegen diese neue Weiterbildung konnte er nichts tun, so sehr er sich auch sträubte, morgen würden vier  Offiziere ohne den Funken einer Ahnung hier stehen und er musste sie einweisen. Besser er informierte sich vorher.
Seufzend ließ er sich an seinem PC nieder und suchte die Liste heraus, die der Admiral an das Labor geschickt hatte.

„Da sind sie….“, knurrte er den Bildschirm an und aus dem Augenwinkel sah er Straal zu sich herüberkommen.

OecPro. Weiterbildung Art AX7U8 [biochemisches Labor]

Liste der teilnehmenden Offiziere:

Tilly, Carin [Fähn.] – Ingenieurswesen
Morena, Antius [Lt.] – Sicherheit
Dr. Got’ar, Tchrze [Cmdr.] – Ingenieurswesen
Dr. Culber, Hugh [Lt.Cmdr.] – Medizinische Abteilung


„Sieht mir nach einer bunten Mischung aus…“, fasste es Straal nüchtern zusammen. Stamets schnaubte nur.

----

„Guten Morgen“, grüßte Straal die vor ihm versammelte Gruppe und lächelte freundlich.

Es war bewundernswert, wie er es schaffte, seinen Unmut zu verbergen. Er hatte wegen der Einführung der neuen Mitarbeiter seine Testreihe nicht beenden können, wofür aber (wie er Stamets gegenüber sehr deutlich betonte) die OECPro-Leute nichts konnten.

„Mein Name ist Dr. Hendrik Straal, ich leite zusammen mit Dr. Stamets diese Abteilung. Sie alle haben durch Ihren Abschluss an der Akademie zumindest ein Basisverständnis der Biochemie, deswegen werden Sie zunächst die Umweltkontrollstation kennenlernen, wofür im Normalfall John Monato zuständig ist, der Sie auch einweisen wird. In drei Stunden erscheinen Sie bitte hier zu einer kurzen Besprechung.
Grundlegende Informationen finden sie auf ihrem Infopadd.Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg!“
Und er lächelte den Leuten zu und stapfte zurück zu seiner Arbeit.

Tatsächlich hatte Straal rechtbehalten. Obwohl Stamets die Sorge, dass einer der „Eindringlinge“ seine Stellaviatori-Sporen beschädigen könnte, täglich etwa fünf bis zehnmal ansprach, waren diese doch sehr schnell eingearbeitet und zeigten waches Interesse.

Soweit es ging mied Stamets den Kontakt, verkroch sich in seinem Gewächshaus und ließ Straal die Angelegenheit regeln. Während ihrer Mittagspause berichtete sein Kollege und Stamets hörte anstandslos zu. Es interessierte ihn zwar nicht die Bohne, jedoch war er es ihm schuldig.

„Also Fähnrich Tilly ist bereits sehr gut eingearbeitet. Wir haben uns darüber unterhalten, ob sie vielleicht dauerhaft in diese Abteilung wechselt. Außerdem ist sie eine Seele von Mensch, auch wenn sie vielleicht bisschen viel quasselt. Sie hat eine Tochter, die fast genauso aussieht wie sie, wirklich verblüffend.“

Stamets schnaubte.Ein bischen viel war jawohl haltlos untertrieben.

„Dr. Got’ar und Lieutenant Morena sind auch fähig, ihnen fällt es aber schwerer sich einzugewöhnen. Und dann wäre da noch Dr. Culber…“
Stamets sah auf, da Straal eine Pause gemacht hatte und bemerkte irritiert das kurze Grinsen, dass über das runde Gesicht seines Kollegen gehuscht war.

„Was ist?“, fragte er mit erhobenen Augenbrauen.

„Och, nichts“, wimmelte Straal ihn ab und erhob sich rasch von seinem Stuhl, „Mittagspause ist rum, lass uns die Sequenzen Pi  und Omikron neu auswerten.“

Stamets schwenkte dankbar in seinen Arbeitsmodus um.Nur noch zwei Wochen….

----

Am Nachmittag war Stamets fast fertig mit seiner Arbeit für den heutigen Tag. Er schritt durch die Reihen seiner Stellaviatori-Pilze und konnte nicht umhin zu lächeln. Hier war es friedlich, hier hatte er seine Ruhe. Er betrachtete eine der Stämme genauer und notierte die Beobachtungen dem Computer für die spätere Statistik.

„Stamm 753 in gutem Wachstum. Regulärer Zyklus.  Sporenernte möglich in-“

„Dr. Stamets?“

Paul unterbrach sich und drehte sich verärgert um.
„Was ist?“, knurrte er und sah vor sich einen der Austauschoffiziere stehen, wobei er nicht sagen konnte, welcher.

Außer dass es wohl nicht Tilly war.
„Was wollen Sie denn hier??“, fügte er hinzu und blickte finster zu seinem Gegenüber, ob dieses unautorisierten Eindringens in sein Gewächshaus.

Der Mann vor ihm schien etwa in seinem Alter zu sein, schlank, dunkelhäutig, muskulös und nach allen gängigen Maßstäben gutaussehend. Stamets wandte sich gereizt ab.

„Verzeihen Sie bitte“, sagte der Mann höflich und lächelte, „ich soll diese Proben zu Ihnen bringen.“
Stamets antwortete nicht, sondern streckte die linke Hand aus, um die Proben entgegenzunehmen, während er einen seiner Inkubatoren neu einstellte. Doch fast sofort sah er wieder auf, als sich anstatt dem kühlen Glasbehälter eine weiche Hand in seine legte und sie schüttelte. Der Offizier grinste ihn an.

„Schön Sie kennenzulernen“, sagte er und stellte die Proben auf dem Inkubator ab.

Und unter Stamets fassungslos-verwirrtem Blick schritt er hinaus.

----

Als Straal um viertel vor sieben das Gewächshaus betrat, war Stamets gerade fertiggeworden.

„Paul? Ich gehe jetzt. Mach nicht mehr ganz solange, ja?“

„Gute Nacht“, murmelte Stamets, bevor ihm noch etwas einfiel.

„Hendrik?“, rief er dem schon zur Tür gehenden Straal hinterher.

„Ja?“

„Wer von den Austauschidioten ist dieser Latino?“, fragte er knapp. Straal hob die Augenbrauen und Stamets gab ein ungeduldiges Schnaufen von sich.„Unser Alter, sieht aus wie ein Fittnessjunkie, dunkle Augen? Wer ist das?“

„Das ist Dr. Culber. Netter Mann, fähiger Offizier.“

„Und trotzdem unfähig die Sicherheitsvorkehrungen zu befolgen.“

„Wie bitte?“

„Er kam heute in mein Gewächshaus marschiert. Der Kerl hätte sonst was zertrampeln können!“

„Oha, ein Eindringling in Pauls Pilzpalast.“
Straal grinste und wandte sich endgültig zum Gehen.
Schon fast an der Tür angekommen hielt er noch einmal kurz inne.

„Ziemlich genaue Beschreibung für jemanden, der fünf Minuten hat überlegen müssen, ob sein bester Freund und langjähriger Arbeitskollege nun größer oder kleiner ist als er….“

„Was willst du damit sagen?“, fauchte Stamets, doch Straal war bereits verschwunden.
Review schreiben
 
'