Stars and Butterflies

von cleomi
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Hajime Saito OC (Own Character)
14.07.2018
10.02.2020
12
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10.02.2020 754
 
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Ein Licht leuchtet aus der Ferne, um durch den Nebel der Zeit zu blicken.
Das Licht wird reflektiert, kein Mensch, sondern eine Szene in 150 Jahren - über ein Jahrhundert in der Zukunft…
Ein Museum. Alt und modern waren im Mauerwerk vermischt. Das Innenleben strahlte eine staubige Fadheit aus, begleitet vom unangenehmen Echo der Schritte, einem gelegentlichen Husten alter Leute und dem Rascheln von Begleitprospekten, die hastig durchgeblättert wurden.


„Von allen Schülern muss ausgerechnet er mein Teampartner sein! Ich wünschte ich könnte wieder mit dir arbeiten, Kaho.“
„Hast du den Sensei schon gefragt, ob er dich in ein anderes Team stecken kann?“

Zwei Mädchen in Schuluniform, nicht älter als sechzehn, standen vor einer Glasvitrine mit Flaggenwappen und unterhielten sich im Flüsterton.
„Schon. Ich soll mich mit der Situation arrangieren und mich auf das ‚Teamwork‘ konzentrieren.“
Das Mädchen mit dem unerwünschten Projektpartner setzte mit den Fingern zwei Anführungsstriche vor das Wort.
„Immerhin hast du damit einen gewissenhaften Partner.“
„Er ist blasiert und altklug. Ich könnte explodieren, wenn ich nur sein Gesicht sehe.“
„Wie kommst du darauf, Mayu? Er scheint mir sehr reserviert zu sein.“
„Achja? Wenn er sich zumindest mal eine Empfindung anmerken lassen würde, Zorn zum Beispiel, anstatt so ein zugeknöpfter Halbgott zu sein, der über allem steht und alles besser kann.“  Das Mädchen namens Mayu schüttelte ihren braunen Schopf und setzte eine Schmollmiene auf.
„Gift und Galle spucken wird dich jetzt auch nicht weiter bringen. Er hat dir schließlich nichts getan. Im Grunde hat er mit dir noch überhaupt gar nichts zu schaffen gehabt.“
„Und das nervt mich ja so..“
„Also wirklich Mayu, du kannst doch nicht verlangen, dass dich jeder mag.“

Der Schlagabtausch wurde aus heiterem Himmel von einer heranrasenden Zeitungsrolle unterbrochen.
„Hätten die Damen nun die Güte dem Kurator zu lauschen? Oder haltet ihr es nicht für nötig zuzuhören?“
Der Sensei richtete den Papierdegen drohend auf Mayu. Er sah so wütend aus, dass es wirkte, als würde sein Haarschopf gleich in Flammen aufgehen.
Mayu hob abwehren die Hände. „N-nein Sensei! Natürlich nicht. E-es tut uns Leid!“
Hastig verbeugten sich die Mädchen mehrmals vor ihrem Lehrer. Mayu reihte sich dann in die Reihen der zuhörenden Schülern ein, nicht ohne ihrer Freundin noch einen Blick zuzuwerfen.

Kaho bückte sich und hob ihre Tasche auf, die sie vor der Vitrine abgelegt hatte. Sie schulterte die Tasche und folgte Mayu zu der Schülertraube, die sich um den Kurator gebildet hatte.
Eine Hand griff von hinten nach ihrem Zopf und ihr Kopf wurde ruckartig nach hinten gezogen. Über ihr erschien das Gesicht ihres Klassenkameraden. Schwachmat.
Er zupfte an ihrem Zopf. „Ding Dong, Kaho.“
Kaho zog das blonde Haar aus seiner Hand, die Lippen fest aufeinander gepresst. Im Hintergrund ertönte verhaltenes Lachen von ihren Mitschülern.
„Ruhe, Kinder!“, mahnte der Sensei.
Der Kurator schnalzte missbilligend mit der Zunge und fuhr fort.
„Nun…Zu eben dieser Zeit gab es in Japan viele Aufstände, nachdem die Amerikaner mit ihren Kriegsschiffen die Öffnung Japans erzwingen wollten. Damals dienten Daimyō als Militärgouverneure, von denen einige den Shinsengumi Schutz und Unterstützung boten.
Der amerikanische Kriegsherr hatte angeblich so viel Angst vor den Samurai, dass er vor den Toren der Feindesburg seinen Darm entleerte. Eine peinliche Sache, wenn man bedenkt, dass er sich einstweilen mit Eroberern wie Caesar verglich.“

Ein Raunen ging durch die Menge und einige kicherten verhalten.
Kaho lachte lautlos. Er kam, sah und siegte?
Wohl eher... er kam, sah und schiss.
„Hier seht ihr Kleidung, die damals von den Menschen getragen wurde. Die westlich angepassten Jacken der Shinsengumi und Schutzhelme der Kanoniere. Dieses Tanzgewand hier ist außergewöhnlich. Ein Kimono aus grüner Seide und er wiegt 10 kg. Er hat zwei Schichten und das Untergewand ist aus roter Seide. Es war dennoch einer der leichteren Kimonos für adelige Damen. Der Jūnihitoe, der nur von kaiserlichen Frauen getragen wurde, ist weitaus komplizierter und hatte zwölf Schichten. Seht euch ruhig um, Kinder.“

Kaho trat näher an den beleuchteten Glaskasten und ließ ihre Augen über das Gewand wandern. Eine Lindwurm Stickerei aus Gold zierte den Stoff. Der Schlangendrache hatte sein Maul weit aufgerissen und kleine glitzernde Flammen stoben aus seinen Nüstern.
Der Stoff selbst war von einem satten grün. Der Kimono wirkte trotz seines Alters so frisch und glänzend wie der Frühling selbst.
Kaho beugte sich leicht vor und sah im Glas vor sich die Reflexion einer Gestalt.
Ein blaues Augenpaar starrte zurück. Kaho zuckte überrascht zusammen.
Eine Tiefe samtige Stimme sprach. „Er hat die Farbe deiner Augen.“
Sie fuhr herum, in ihrem Kopf ein heller Schrei wie ein vergangenes Echo.
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