Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Tränen des Engels

von Manphchen
GeschichteThriller, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Mahiru Shirota Sleepy Ash / Kuro
13.07.2018
16.05.2021
8
9.284
4
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
13.07.2018 1.080
 
Im Hintergrund läuft leise der Fernseher, der Bildschirm flackert leicht und beleuchtet die Szene auf dem Sofa. Ich sitze, die Augen geschlossen da und streiche meinem Geliebten gedankenverloren über den Kopf. Er hat ihn auf meine Beine gebettet und döst vor sich hin. Seine Haare sind nicht ganz kurz und weich, es ist schön so durch sie zu fahren. Er regt sich etwas im Schlaf. Ich ziehe weiter mit meinen Fingern Bahnen und er beruhigt sich wieder.
Auf der anderen Seite an mich gelehnt, hat sich unsere Tochter, sie ist gerade vier Jahre alt geworden und sabbert etwas. Mit meiner freien Hand wische ich ihr Kinn ab und hauche ihr danach einen Kuss auf den Scheitel. In die Stille herein frage ich: „Weißt du noch, wie alles angefangen hat?“ Es war an niemand bestimmten gerichtet, aber es ist schon eine Menge passiert…

Die Dunkelheit herrscht schon lange über die Stadt und trotzdem steht er schon wieder da, schwarze Kapuze bis tief ins Gesicht gezogen, Hände in der Hosentasche versengt und provokativ an der Wand lehnend. Das will mir nicht gefallen! Jeden Abend finde ich ihn hier, seinen Joint rauchen, immer mit anderen Leuten unterwegs. Nur heute nicht. Heute ist er ganz alleine und lässt eine Rauchfahne in die Luft steigen.
Ich will nicht sagen, dass er der brave Junge ist, oder jemals war, das ist mit seinem Elternhaus gar nicht möglich. Trotzdem mag ich es nicht, ihn so zu sehen, verschanzt hinter Müllcontainern, bloß weg von Zuhause sein.
Bloß leider kann ich, oder darf nichts dagegen tun. Nicht, weil mir die Fähigkeiten fehlen würden, oder ich einfach keine Lust auf die Scherereien hätte. Nein, bei aller Liebe nicht, es zerreist etwas in mir, wenn ich ihn nur so sehe. Ich will am liebsten auf ihn zu rennen, ihm das Cannabis wegnehmen und ihm helfen. Nur leider erlauben das die Regeln nicht. Und das, obwohl wir doch ‚Schutzengel’ sind. Aber unser Job? Monitoring nennen sie das. Deinen Schützling beobachten. Kein Eingreifen. Nie. Nur beobachten.
Früher war das anders, da durften noch Wunder geschehen, aber seit 1000 Jahren nicht mehr. ‚Die Menschen können sich selbst gut genug helfen, himmlische Unterstützung ist da nicht mehr nötig.’ Das haben die Oberen beschlossen und damit dürfen wir Aufpasser nichts mehr machen. Viele sind deswegen schon zusammengebrochen. Die ursprüngliche Aufgabe der Engel war es, die Menschen zu führen und ihnen unter die Arme zu greifen. Wir haben das so lange gemacht, die lächelnden Menschen waren unser Lebensgrund.
Aber heute? Wir sehen unsere Schützlinge weinen, trauern, sich verletzen, im Koma liegen, sterben… bis wir schwarze Tränen weinen.
Andere wiederum werfen die Regeln über den Haufen und helfen ihren Schützlingen. Aber das ist nicht gern gesehen. Abtrünnige. Gefallene Engel. Selbst die Menschen kennen sie, aber die denken, dass nur Engel, die morden oder sonstiges vom Himmel ausgeschlossen werden. Das ist falsch. Helfer werden verdammt ohne Heiligenschein und mit schwarzen Flügeln über die Erde zu wandeln. Ich war auch mehrere Male kurz davor, meinem Instinkt nachzugeben, aber habe mich davon abgehalten.
Mein Schützling hat es besonders schwer erwischt. Gewalttätiges und drogenabhängiges Elternhaus, was immer noch denkt, es ist 20, keine richtigen Freunde, Hänseleien in der Schule und, und, und.
Als er aufhört zu kiffen läuft er nach Hause zurück. So leise wie möglich schließt er die Tür auf, aber anscheinend kamen seine Eltern besonders spät von ihrer Sauftour zurück. Sie sind noch nicht am schlafen. Voll, wie er ist, reißt der Vater die Tür auf. Mahiru wird sehbar um 10 cm kleiner. Lallend fährt der breitschultrige Mann im Türrahmen fort: „Was fällt es dir ein erst so spät zu Hause aufzukreuzen?! So haben wir dich nicht erzogen.“ Dabei fuchtelt er immer wieder wild mit seinem Finger herum. Man könnte meinen, er versucht einem das Auge auszustechen.
Hinter ihm kommt seine Frau mit einer halb leeren Sektflasche in der Hand zum Vorschein und kichert schrill vor sich hin. Ich kann die Alkoholfahne der Beiden bis aufs Dach riechen. Als er mit der, wegen dem Alkohol genuschelten, Predigt fertig ist, packt er seinen Sohn hart an den Haaren und schleift ihn ins Wohnzimmer. Seine Frau fläzt sich auf einen Stuhl und hängt halb über der Lehne. Sie hat schon die Sektflasche, welche leer geworden ist, gegen eine Sakekaraffe gewechselt. Und immer noch jauchzt sie, Teenager- mäßig, vor sich hin und hält sich den Bauch, die Augen glasig.
Der Vater hingegen wirft Mahiru auf den Boden, was eine Platzwunde nach sich führt. Er bleibt liegen und der Ältere verfällt in einen wütenden Wortstrudel aus Beschimpfungen und Verfluchungen. Dabei sind ‚Drecksjunge’, ‚Arsch’ und ‚Scheiße’ noch die harmlosesten der Sammlung. Dabei hat er seinen Sohn wieder an den Haaren nach oben gezogen und prügelt immer wieder auf sein Gesicht ein, bricht ihm wahrscheinlich immer wieder die Nase. Aber das spürt der Junge schon gar nicht mehr. Er wartet einfach nur darauf, dass es aufhört. Nach einer Weile, wird er einfach fallen gelassen und der Vater dreht sich um und geht, wie ein Kind, dass nach dem Spielen kein Interesse mehr an dem vorigen Spielzeug hat.
Daraufhin will sich mein Schützling langsam aufrappeln, aber zu früh. Der Vater macht auf dem Absatz kehrt und tritt ihm in den Bauch. Mahiru stöhnt schmerzerfüllt auf. Aber da ist noch lange nicht Schluss, eine weitere halbe Stunde macht es dem Mann Spaß seinem Sohn über den ganzen Körper verteilt Hämatome und Frakturen zuzufügen. Ich kann mich nicht abwenden, fange fast an zu weinen, aber dann ist alles aus. Dann kann ich noch nicht einmal etwas Letztes für ihn tun. Also halte ich die schwarze Flüssigkeit mit allem was ich habe zurück.
Auch das ist irgendwann vorbei und der Erwachsene torkelt in sein Schlafzimmer, die Frau hat sich schon auf dem Küchenstuhl zum Schlaf gelegt. Erst dann wagt es Mahiru sich in sein Zimmer zu schleifen und auf dem Boden sitzend seinen Kopf auf die Matratze zu betten. Alles andere wäre zu schmerzhaft.
__________________________________________________
Pals!
Ich muss euch sagen, das war eine Arbeit. Wie versprochen das AU. Oh my gosh. Ich bin so tot! Wie wars? Gewaltlastig, ne? Ich kann nicht mehr. Mein Gehirn hat sich gerade verabschiedet, das braucht Urlaub!
Achja, Orthografie- und Grammatikfehler bitte mit einem Baseballschläger verprügeln, zum Dampf ablassen. Noch ein paar Nougatschnitten und Milch für starke Knochen.
Normalen Teil des Nachwortes abgehakt!
Mir fällt gerade auf, das wir keinen abnormalen Teil haben, hmm…
Naja, ich verzieh mich jetzt in meinen Käfig! Mal schauen, wer den Schlüssel vom Schuhschrank nimmt und mich raus lässt.
LG Manphchen
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast