Mehr oder weniger

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
13.07.2018
15.07.2018
2
2790
1
Alle
3 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
Ich rannte immer weiter am Strand entlang, obwohl meine Lungen schon schmerzhaft brannten. Aber ich musste weiter, weg von meinen Verfolgern.
Nach einer Weile war ich mir sicher niemanden mehr zu hören und weit und breit war keiner der Soldaten mehr zu sehen. Ich verlangsamte mein Tempo und atmete ein paar Mal tief durch.
Dämliche Marine. Dämliche Soldaten. Da legt man sich einmal mit einem Admiral an und hat man auf Lebenszeit diese Idioten an der Backe.
Schwer atmend sah ich mich um. Ich stand am Strand und eigentlich hätte ich von dieser Insel verschwinden können, doch die Soldaten hatten mein Boot zerstört. Klar, mit diesem Beiboot wäre ich niemals weit gekommen aber jetzt hatte ich gar kein Transportmittel mehr. Verdammt.
Plötzlich hörte ich laute Schreie, eindeutig von einer anderen Frau. Eilig lief ich in Richtung der Schreie welche, nebenbei bemerkt, immer lauter wurden. Hinter einem großen Fels ging ich in Deckung.
Meine Augen erfassten eine Frau, eher ein Mädchen, also definitiv jünger als ich, auf dem Boden liegend. Sie wand sich und versuchte Abstand zu dem Kerl vor sich zu bekommen. Ich kniff die Augen zusammen. Der Kerl kam näher auf sie zu und grinste eindeutig. Wieder schrie das Mädchen. Eigentlich konnte mir das egal sein, aber dieses Ekel wollte ein unschuldiges Mädchen vergewaltigen. Ich raffte mich auf und trat ins Sichtfeld der Beiden.
„Du perverses Schwein! Hast du es so nötig, dass du ein kleines Mädchen vergewaltigen musst!?“
Überrascht sah der Kerl auf. Er war sehr groß und trug einen langen Umhang, der ihm bis zu den Füßen ging. An seinem Hals hing eine Kette mit zwei kleinen Axtklingen dran. Ansonsten war er mit einer Art Pike bewaffnet und sah ziemlich einschüchternd aus.
„Was willst du denn? Verzieh dich!“ Ich verzog wütend das Gesicht und griff über meine Schulter, um mein Schwert hervorzuziehen.
„Sicherlich nicht.“
Er begann zu lachen: „Willst du etwa gegen mich kämpfen, Kleine?“
Währenddessen sah das Mädchen zwischen uns hin und her. Sie wimmerte leise und ich gab ihr mit meinen Blicken zu verstehen, dass sie weglaufen sollte. Und das tat sie. Sie rannte so schnell sie konnte in Richtung Stadt. Ich sah ihr kurz nach, ehe ich mich dem Typen zuwendete.
Dann rannte ich auf ihn zu. Mein Schwert traf gegen seine Pike und wir wurden ein Stück zurückgeschleudert. Wieder rannte ich auf ihn zu.
„Perversling!“, schrie ich, während mein Schwert wieder auf ihn zuraste. Er wich aus.
„Wer sagt, dass ich sie vergewaltigen wollte?“, schrie er zurück. Doch ich glaubte ihm nicht. Es war alles eindeutig gewesen.
„Als ob ich dir glauben würde.“ Mit einem festen Hieb meines Schwertes taumelte er zurück und ich reagierte schnell und beförderte ihn auf den Boden. Mit großen Augen sah mich der Kerl an und wartete wohl auf meine nächste Entscheidung. Ich wollte ihn nicht töten aber einfach so davon kommen lassen wollte ich ihn auch nicht.
Plötzlich begann mein Schwert zu vibrieren und ehe ich etwas machen konnte, wurde es mir von einer gewaltigen Kraft entrissen. Geschockt sah ich mich um.
Mein Blick blieb an einem weiteren Kerl hängen. Er hatte ein finsteres Grinsen aufgesetzt. Er hatte knallrote verrückte Haare, die von einer Fliegerbrille gehalten wurden. Auch er trug einen Mantel, allerdings kein Oberteil. An seinem muskulösen Oberkörper war ein Gürtel mit Waffen befestigt. Ansonsten trug er eine Hose mit gelben Flecken und schwere Stiefel. Er war gutaussehend, das stand mal fest, trotzdem war ein genauso ein komischer Vogel, wie der Typ unter mir.
„Ist sie das, Wire?“, fragte der Rothaarige. Aha, Wire hieß der Perverse also. Der Angesprochene rappelte sich auf und richtete seine Pike auf mich.
„Nein“, rief er dem Rothaarigen zu, „sie hat mich angegriffen. So konnte die Diebin fliehen!“
Diebin? Verdammt, dann hatte dieser Wire doch die Wahrheit gesagt und ich hatte die Diebin entkommen lassen. Nun gut. Eigentlich konnte es mir auch egal sein.
„Verzieh dich, ich regel' das!“, knurrte der Rothaarige und schon lief Wire davon. Ich sah ihm nach, dann sah ich wieder zu dem anderen Kerl. Dieser hob wieder seine Hand und mein Schwert bewegte sich auf ihn zu.
„Schickes Schwert hast du da“, sagte er. Ich verzog mein Gesicht.
„Lass deine Griffel davon, Rotkäppchen!“
Nun sah er ziemlich wütend aus und eine Ader an seiner Stirn pulsierte wild: „Wie hast du mich genannt, Weib!?“
„Hast du was an den Ohren?“, gab ich zurück. Er antwortete nicht, stattdessen richtete sich mein Schwert auf mich.
„Repel!“, rief er und mein eigenes Schwert raste auf mich zu. Gerade noch rechtzeitig duckte ich mich weg.
Jetzt reichte es mir. Niemand griff mich mit meinem geliebten Schwert an. Niemand.
Kurz schloss ich meine Augen, um mich konzentrieren zu können. Dann riss ich meine Augen wieder auf und  richtete meine Hand auf ihn. Ich konzentrierte mich auf den Kerl und auf meine Hand. Wie eine Kralle ließ ich meine Hand durch die Luft gleiten, was den Rothaarigen zum Lachen brachte. Noch lachte er. Im nächsten Moment hörte ich ihn keuchen.
„Elende Hexe!“, knurrte er.
„Halt die Klappe!“ Schnell schnappte ich mir mein Schwert. Der Kerl hatte mit meiner Attacke zu kämpfen. An seiner Hüfte befand sich ein ein tiefer Kratzer, welcher höllisch blutete.
Jetzt nichts wie weg hier. Doch ich konnte nicht weglaufen, denn der Rothaarige versuchte wieder mein Schwert anzuziehen.
„Wo willst du hin? Das hier ist noch nicht vorbei!“
„Ich habe kein Interesse an einem Kampf mit dir, Rotkäppchen.“
„Du bist daran Schuld, dass die Diebin mit meinem Gold entkommen ist, du wirst dafür büßen.“
„Rein gar nichts werde ich!“
Er grinste wieder: „Zu feige, was?“
„Ganz und gar nicht...“, ich deutete auf seine Wunde, „...du solltest dich beeilen, bevor du verblutest.“
„Wie heißt du, Weib?“
„Geht dich nichts an, Rotkäppchen.“ Kurz knurrte er, doch dann grinste er wieder. Wahrscheinlich konnte er nichts anderes. Idiot.
„Eustass Kid“, stellte er sich nun vor.
Ich seufzte: „Sora.“ Kurz sahen wir uns an und ich stellte fest, dass seine Augen eine angenehm warme Bernsteinfarbe hatte, was nicht zu seiner restlichen Erscheinung passte. Seine Wunde blutete nun stärker und er biss die Zähne zusammen.
„Ich muss dann mal. Wir vertagen das, wenn du nicht verblutest.“
„Kleine Hexe“, gab er zurück. Ich grinste ihn frech an und rannte dann in Richtung Hafen.

Mein Weg führte mich notgedrungen auf ein Lagerschiff, welches am nächsten Tag ablegen würde. Ich entschied mich als blinder Passagier mitzureisen. Auf der nächsten Insel würde ich mich um ein Boot kümmern, also drei Tage in einem Lagerraum schlafen. War ja nicht das erste Mal...
Kaum hatte ich ein geeignetes Versteck gefunden, wurde ich schrecklich müde. Bevor ich einschlief, schlich sich jedoch der Rotschopf in meine Gedanken. Ob er tatsächlich verblutet war? Irgendwie schade drum...
Am nächsten Tag wurde ich wach, als das Schiff unangenehm doll wackelte. Wir hatten bereits abgelegt, das spürte man aber dass das Schiff 'so' wackelte war nicht normal. Seufzend richtete ich mich auf und streckte mich. Und dann hörte ich leise Schreie. Und Schreie die immer lauter wurden.
„Piraten!“, schrie jemand. Ich verdrehte die Augen und hielt mein Schwert griffbereit. Na super. Ich konnte nicht weg, auf kämpfen hatte ich keine Lust, schwimmen kam ebenfalls nicht infrage und auf einem Piratenschiff wollte ich keine blinde Passagierin sein. Blieb mir nur mich raus zu schleichen und ein Rettungsboot zu klauen. So langsam brauchte ich wirklich ein eigenes Schiff oder besser eine Crew, der ich mich anschließen konnte. Dann gäbe es diese Probleme nicht mehr.
Langsam schlich ich zur Tür und öffnete diese lautlos. Ich schlüpfte auf den Gang und sah nach rechts. Nichts. Ich drehte mich und wollte nach links sehen, da stand auch schon jemand vor mir. Ich unterdrückte einen Schrei. Vor mir stand ein Typ mit langen blonden Haaren, einem schwarzen Hemd mit weißen Punkten darauf und einer Jeans mit Fransen. Das wohl markanteste war jedoch die Maske, mit blauen und weißen Streifen, welche sein gesamtes Gesicht verdeckte. Er machte einen sehr bedrohlichen Eindruck. Mein Blick glitt zu den sichelförmigen Sensen, welche er in der Hand hielt. Er ging in Angriffsposition und ich wich einen Schritt zurück.
„Wer bist du?“, fragte er und seine Stimme klang durch die Maske etwas verzehrt. Dennoch sprach er ruhig, bedrohlich aber ruhig.
„Wer fragt?“
„Käpt'n! Wir haben hier einen blinden Passagier!“, rief der Maskenmann und sofort hörte ich schwere Schritte in unsere Richtung kommen. Leuchtend rote Haare gelangen in mein Sichtfeld. So viel Pech konnte auch nur ich haben.
„Na sieh mal einer an. Dieses Mal läufst du mir nicht davon, kleine Hexe.“
„Sagt wer, Rotkäppchen?“
Er knurrte bedrohlich und mein Schwert vibrierte. Verdammt, ausgerechnet dieser Kerl.
„Der Kutter säuft gleich ab. Killer, wir nehmen sie mit.“
„Du mieses-...“, doch weiter kam ich nicht, denn der Maskenmann wollte mich packen. Ich wich ihm aus und so war ich kurz abgelenkt. So konnte Kid mir mein Schwert mit seiner Teufelskraft entziehen.
„Wenn du es wieder willst musst du wohl mitkommen.“
„Denkst du!“ Ich richtete meine Hand auf ihn, um meine Kräfte einzusetzen, doch es klappte nicht. Denn der Maskentyp stellte sich zwischen uns und nichts passierte. Verwirrt starrte ich auf meine Hand und Kid begann zu lachen.
„Sehr interessant. Killer, los jetzt.“ Und schon hatte dieser Killer mich gepackt und über seine Schulter gelegt. Ich versuchte mich zu befreien, doch meine Kräfte wirkten einfach nicht auf ihn. Auch meine Tritte und Schläge halfen nicht, ebenso wenig wie mein Fluchen. Im Gegenteil, ich hörte Killer leise lachen.

Kid sah mich mit breitem Grinsen an: „Und was sagst du?“ Er breitete stolz die Arme aus.
„Ein Drecksloch.“
Kurz verschwand sein Grinsen und er sah verdammt wütend aus. Klar, schließlich hatte ich sein Schiff beleidigt. Dabei war es kein Drecksloch. Im Gegenteil, ich fand es beeindruckend. Auf andere wirkte es Abschreckend aber für jeden der es näher besah, war es schlichtweg ein wundervolles Piratenschiff. Das würde ich aber nie laut zugeben.
„Freunde dich damit an“, meinte er, „so einfach kommst du mir nicht davon.“
„Du kannst mich nicht zwingen bei dir zu bleiben!“
„Das kann ich sehr wohl! Und jetzt sei ruhig.“
Kurz war es still zwischen uns. Im Kopf wog ich meine Fluchtmöglichkeiten ab. Keine schien mir erfolgreich enden zu können. Na wundervoll.
„Ich hasse dich! Wirklich, ich hasse dich.“
„Beruht auf Gegenseitigkeit, meine Schöne.“
Eigentlich wollte ich nun auf ihn losgehen, doch ich hatte Killer vergessen, der mich noch immer festhielt. Schlimmer konnte es ja nicht werden.
Kid lachte kurz auf: „Willkommen auf der Adventure Galley!“ Dann verschwand er unter Deck. Geschockt wich ich einen Schritt zurück und stieß so gegen Killer. Fest biss ich mir auf die Lippe. Wieso war ich in so eine Scheiße geraten?
„Los komm“, sagte der Maskenträger zu mir und zog mich nun ebenfalls unter Deck. Er führte mich durch die Gänge, bis wir in den dunkleren Teil des Schiffes kamen. Er würde doch nicht...
„Ihr steckt mich in eine Zelle“, brachte ich hervor.
„Das macht man so mit Gefangenen.“
„Witzig, wirklich witzig, Rapunzel.“ Ich verdrehte die Augen und versuchte mich loszureißen. Scheiße. Mein Schwert hatte Kid, meine Kräfte wirkten bei Killer nicht und der war auch noch um einiges stärker als ich.

Kaum war er weg, taste ich mich an die Gitterstäbe. Sie waren nicht aus Seestein oder ähnlichem. Mit meinen Kräften konnte ich die Zelle einfach öffnen. Waren die tatsächlich so dumm? Trotz allem blieb ich hier unten. Vielleicht erwarteten sie auch, dass ich ausbrach. Den Gefallen tat ich ihnen nicht. Bis zur nächsten Insel würde ich hier schon überleben.




-
Willkommen zu einer neuen Fanfiction von mir. Ich hoffe das erste Kapitel gefällt euch und ebenso hoffe ich, dass ich regelmäßig an der Geschichte arbeiten kann.
Lasst was da ♥
Review schreiben