The Hobbit-Maid

von Atticus04
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
13.07.2018
27.07.2018
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The Hobbit-Maid

1.KAPITEL

Es war eine fürchterliche Nacht. Der Wind wütete schon seit einigen Tagen erbarmungslos und wurde stets von einem eisigen Regenschauer begleitet, der ihn schon vor langer Zeit völlig durchnässt durch die Wildnis hat streifen lassen. Die wenigen Stunden Ruhe die er sich zum Essen und Ruhen gönnte, reichten bei weitem nicht aus, um seine Kleidung zu trocknen und inzwischen hingen sie klamm an seiner Statur herunter und boten keinerlei Schutz vor Einbruch des Sturms, der sich am Horizont in Form von tiefschwarzen Wolken verkünden ließ.

Notgedrungen hatte Thorin einsehen müssen, dass ein weiterer Tagesmarsch durch die durchwucherte Vegetation ihm vermutlich nichts anderes als Frustration, Bekümmerung und den sicheren Tod einbringen würde und hatte kehrt gemacht.

Diese Gegend hatte er noch nie zuvor besucht und so wunderte er sich kaum, als er sich mehrere Male verlief und erst spät in der tiefen Nacht die kleine Handelsstadt Bree erreichte. Sein Orientierungsvermögen war noch nie sonderlich ausgeprägt gewesen. Er konnte sich Wege gut merken, aber Gegenden, die er noch nie zuvor aufgesucht hatte, sahen für ihn alle gleich aus.

Seine Nase triefte und ein Brennen hatte sich in seiner Kehle festgesetzt, die jedes Mal einen neuen Feuersturm durch seine Gedärme schickte, wenn ihm ein weiterer Hustenanfall zu überwältigen drohte. Schwerfällig sackte er mit seinem Körpergewicht gegen das hohe Holztor und klopfte mit seiner Hand dreimal an. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, ehe sich ein kleines Fenster in der notdürftigen Befestigung öffnete und ein alter Mann sein Gesicht nach druaßen hielt. Neben ihm hielt er eine kleine Öllampe, die bei dem Wind immer wieder zu erloschen drohte.

„Ja?“, fragte er unfreundlich und starrte über ihn hinweg, stirnrunzelnd.

„Hier unten.“, brachte er mühsam heraus. Seine Stimme klang rau und brüchig. Jeder Atemzug schmerzte in seiner Brust.

„Ah, Herr Zwerg.“, grüßte der Mann, als er ihn endlich bemerkte. „Was wollt ihr so spät in der Nacht?“

„Unterschlupf für die Nacht. Der Sturm hat mich überrascht.“, erklärte er und stählte seinen Körper, damit er in der nächsten Windbrause nicht abermals zu zittern begann. Es war vergeblich.

Der Mann schnalzte mit der Zunge. „Ist ein fieses Wetter, nicht?“, meinte er, als wenn er eine gegenteilige Meinung zu erwarten hätte. „Na gut. Unter diesen Umständen will ich mal nicht so sein. Aber eilt Euch!“, blaffte er nachdrücklich, als er eine kleine Seitentür öffnete und ihn hinein winkte.

Thorin nickte als Dank knapp und trat durch die schmale Öffnung. Hinter ihm krachte die Tür von einem schweren Windstoß gepackt aus der Hand des Mannes und schlug einmal kräftig gegen die Außenmauer. Fluchend packte er den Griff und zog die Tür mit einem festen Ruck zu. Es war etwas wärmer in der Stadt, wenn der Wind dennoch seine Bahnen durch die verwinkelten Gassen und um die bescheidenen Hauskonstruktionen zog.

„Wo finde ich-?“, begann Thorin und war ausnahmsweise froh unterbrochen worden zu sein, als der Mann unwirsch den Weg hinauf zeigte.

„Zum Tanzenden Pony geht hier geradewegs hinauf den Weg. Der Wirt schläft vielleicht schon.“, gab er zu Bedenken. „Als sputet Euch.“ Damit verschwand er in einer kleinen Hütte und knallte die Tür hinter sich zu.

Seufzend richtete Thorin sein Gepäck auf seiner Schulter und machte sich an den beschwerlichen Weg. Durch den fiebrigen Glanz und den anhaltenden Guss vom Himmel fiel es ihm schwer etwas zu sehen. Die Beleuchtung in dieser Stadt war grässlich. Er konnte kaum sehen, wohin er trat. Der Boden war vom Wetter bereits völlig aufgeweicht worden und seine Stiefel rutschten ständig auf dem unebenen Schlammboden weg, was ihn eins ums andere Mal gefährlich ins Stolpern brachte. Doch er riss sich zusammen; fürchtete, wenn er auf dem Boden aufschlug würde er nicht die Kraft finden wieder aufzustehen und ihn graute die Vorstellung, dass Thorin Eichenschild in einer kleinen versifften Stadt im Norden bei einem Unwetter ums Leben kam. Das war sicherlich nicht der Stoff, aus dem Helden gewoben wurden.

Fast wäre er an der Unterkunft vorbeigeilt. Nur das Quietschen des Metallschildes, das erheblich unangenehme Geräusche beim Wiegen im Wind von sich gab, ließ ihn Aufsehen. Da war es. Er blieb stehen und atmete kurz durch. Sein Blick glitt an der dürftigen Fassade hinauf. Nirgends war etwas zu sehen. Nur in einem einzigen im obersten Stockwerk brannte eine kleine Kerzenflamme. Als sein Blick hinauf glitt, entdeckte er eine kleine zusammengesunkene Gestalt, die auf dem Fenstersims zu sitzen schien und etwas im Schoss hielt. Sie war klein; vermutlich ein Kind.

Er senkte seinen Blick wieder und klopfte gegen die Tür. Er musste zwei weitere Male anklopfen, ehe sie mit einem erbosten Schnauben geöffnet wurde. Ein hochgewachsener Mann in Nachthemd stand vor ihm und bedachte ihn mit einem mürrischen Blick.

„Was wollt Ihr?“, schnappte er fahrig.

„Unterschlupf für die Nacht.“, bat er. Mehr brachte er nicht zustande, ehe er einen weiteren Hustenanfall bekam.

Der Wirt bedachte ihn mit einem tiefen Stirnrunzeln. „Seit ihr krank?“ Sein leicht panischer Unterton beunruhigte Thorin.

„Nur eine Grippe. Ich brauche nur etwas Schlaf. Das ist alles.“, erwiderte er und krümmte sich, als ein weiterer Anfall ihn erschütterte und gefährlich ins Wanken brachte. Ihm war so warm geworden. Oder fror er doch? Inzwischen war er sich nicht mehr ganz sicher. Er fuhr sich über seine Stirn, doch als er auf seinen nassen Handrücken sah war er sich nicht sicher, ob er Schweiß oder Regen von seiner Wange gewischt hatte.

Der Wirt hatte währenddessen einen großen Schritt nach hinten gemacht und bedachte ihn mit einem ablehnenden Blick.

„Ich bin ausgebucht.“, verkündete er prompt. Sein Gesicht war zu einer entschlossenen Maske geworden.

Thorin kniff die Augen zusammen. „Ich kann Euch bezahlen.“, behauptete er, wenn er jedoch insgeheim sich nicht sicher war, ob er genug beisammen hatte, um eine Nacht begleichen zu können. Entweder sah ihm der Wirt das an oder es kümmerte ihn nicht.

„Tut mir sehr leid, mein Herr.“, meinte der Wirt, klang jedoch nicht besonders untröstlich.

Thorin schlotterte von Kopf bis Fuß. „Mir genügt auch eine Stelle an Eurem Kamin.“ Hauptsache, er war aus diesem Wetter. Wenn er sich seine Oberbekleidung auszog und zum trocknen aufhängen konnte, einige Stunden Schlaf bekäme… Ja, dann sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Hoffte er zumindest.

Der Wirt ließ sich jedoch nicht erweichen. „Ich will keinen Leichnam am Morgen aus meiner guten Wirtsstube schaffen müssen. Noch will ich, dass Ihr mich und meine Gäste ansteckt, mit was auch immer Ihr Euch da eingefangen habt.“, erklärte er mit Nachdruck; bereits einen weiteren Schritt zurückweichend.

„Wartet!“, rief Thorin, doch da war ihm schon die Tür vor der Nase zugeschlagen worden. Er hörte, wie sich rasch schwere Schritte entfernten und eine weitere Tür zugeschlagen wurde, dann war es still.

Er stieß den fürchterlichsten Fluch aus, der ihm auf Anhieb einfiel und Dís einen protestierenden Laut entlockt hätte.

Thorin blickte die Straße weiter hinunter. Abgesehen von den wenigen Laternen lag die Stadt in vollkommener Dunkelheit. Er verfluchte sich dafür den Wachmann am Tor nicht nach einer weiteren Unterkunft gefragt zu haben. Er warf einen letzten Blick zurück auf die geschlossene Tür, ehe er seinen nassen Mantel enger um seinen Körper legte und wieder auf die Straße trat, wo ihn sogleich der nächste Windstoß ins Wanken brachte.

Mit fiebrigen Augen sah er umher. Irgendwo musste noch jemand wach sein, der ihn gegen Münzen oder Arbeit doch die Nacht bei sich schlafen ließ! Ein Stall oder eine Schmiede – Thorin war wirklich nicht mehr sonderlich wählerisch. Doch in allen Fenstern war es bereits dunkel. Er klopfte gegen ein oder zwei Türen, rief so laut er es sich mit seiner Kehle traute, doch niemand öffnete. Als er zurück auf die glitschige Straße trat, passierte das Ungeschick. Seine Fußsohle fand keinen Halt und rutschte weg, sodass er unelegant im Schlamm aufschlug. Er spukte die nasse Erde aus, als etwas davon in seinen Rachen drang. Verzweifelt versuchte er sich wieder hochzustemmen, doch seine Hände fanden keinen ausreichenden Halt. Nach dem zweiten Versuch gab er auf. Sein Kopf pochte fürchterlich. Schwarze Punkte tanzten vor seinen Augen. Es war ihm unmöglich zu sagen, wie lange er dort in der Gosse lag, aber irgendwann hörte er, wie eine Tür aufgestoßen wurde und jemand mit großen Schritten auf ihn zueilte und dabei Wasser trat.

Es gelang ihm kaum die Augen zu öffnen, als sich ein Schatten über ihn beugte. Er sah nur den schemenhaften Umriss einer kleinen Gestalt mit lockigem Haar.

„Oh je!“, stieß eine fremde Stimme aus. „Streicher, Hilf mir!“

Weitere Schritte erklangen an seinem Ohr, doch da hatte ihn bereits die Bewusstlosigkeit eingehüllt. Das Letzte was er spürte war, wie er hochgehoben wurde. Dann war da nur noch Schwärze.


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Hallo!
Das ist meine erste Der Hobbit-Fanfiktion. Ich würde mich sehr über Feedback freuen! :)
Liebe Grüße
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