Gebieterin des Sturmes

von Eruanna
GeschichteRomanze, Familie / P16
12.07.2018
31.01.2020
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Eryn Lasgalen, 1555 Zweites Zeitalter:
Schweigend arbeiteten Isilya und ich nebeneinander. Nur das Nötigste besprachen wir und manchmal vereinten wir unsere Stimmen um Schutzzauber zu wirken. Es war besser, die Stille zum Schaffen zu nutzen, denn niemand würde hierher kommen und uns stören, dafür hatte ich gesorgt. Bis auf meine kleine Schwester wusste keiner von diesem Ort, der langsam dem Bild aus meinen Träumen entsprach. Eine wunderschöne Symbiose aus einer Kristallgrotte mit heißen Quellen und einem geheimen Garten. Auf einem meiner Streifzüge hatte ich diesen verborgenen Raum gefunden und nun erschuf ich meine persönliche Zuflucht. Hier wollte ich Frieden und Kraft schöpfen, denn der Alltag war alles andere als angenehm momentan. Orkgruppen machten nach wie vor das Reisen zu einer gefährlichen Angelegenheit und alle Zeichen deuteten daraufhin, dass das Böse Streitkräfte sammelte um uns zu vernichten. Das Wissen um die Zukunft war eine Bürde, die ich mit meinem Schützling Elrond und mit Galadriel teilte. Doch waren meine Visionen so scharf und klar, dass ich sie nicht ignorieren vermochte. Allerdings hörte man nicht immer auf meinen Rat. Angeblich sei ich zu jung, um das Grauen des Bösen zu erkennen. Das war ich nicht.
Ich kannte die Handschrift Saurons und Melkors nur zu gut, denn ich hatte genügend von der Welt gesehen um dieses Wissen zu erringen. Es war nebensächlich, dass es mir Albträume bereitete. Viel wichtiger war es meine Familie und meine Freunde zu beschützen. Kampflos würde ich sie nicht dem Tod überlassen. Zuerst mussten sie an mir vorbei und wehe, sie verletzten die Meinen. Einmal entfesselt kannte mein Zorn keine Gnade mehr. Die Verantwortlichen würden sich wünschen niemals das Licht der Welt erblickt zu haben.
In meinen Träumen hatte ich einen Blick auf meine eigene Zukunft erhascht. Nicht alles davon gefiel mir und manches wagte ich nicht zu glauben, aber ich wusste, dass ich am Ende meines Lebens nichts davon bereuen würde. Alles was geschah hatte einen Sinn, das Gute wie das Böse. Entscheidend war nur, wie man mit der eigenen Zeit umging.
Langsam erhob ich mich und unterbrach meine Arbeit. Würde ich noch länger hier unten bleiben, würde der ganze Hof nach mir suchen und das konnte ich mir nicht leisten. Mein Schaffen musste geheim bleiben. Deshalb arbeitete ich auch hauptsächlich in der Nacht, im Licht der Kristalle und des Wassers, das ich mittels Magie zum Leuchten brachte. Es hatte seine Vorteile von einer Maia des Meeres abzustammen.
Auch wenn ich mir wünschte, meine Mutter hätte mich nicht so früh verlassen. Meine Erinnerungen an sie waren getrübt durch die Zauber, die sie zu meinem Schutz gewirkt hatte. Die Valar durften niemals erfahren, dass nicht Merilwen meine Mutter war. Auch wenn ich argwöhnte, dass zumindest Ulmo und Vaire es wussten. Ihnen dürfte meine nicht elbische Magie kaum entgangen sein und sie waren nicht dumm. Mich hätte es niemals geben dürfen. Zu mächtig waren die Kinder, die von den Erstgeborenen und den Maiar abstammten. Ich selbst wusste das schließlich am besten. Die Kontrolle meiner Kräfte war überlebenswichtig für die Geschöpfe Mittelerde. Für die Valar stellte ich ein zu unberechenbarer Faktor da, als das sie mich einfach unbeachtet lassen könnten. Deshalb glaubte ich auch, dass die beiden weiblichen Maiar Haerelneth und Hethurin vor allem meinetwegen mit meinen Brüdern Gilorndir und Erestor angebandelt hatten. Ich sollte überwacht werden um im Zweifelsfall schnell eliminiert zu werden. Nur dass ich keineswegs vorhatte dem Bösen zu erliegen.
„Isilya. Der Tag bricht an.“ Mit einem knappen Nicken erhob sie sich fließend und legte mir eine Hand auf die Schulter. „Es wird nicht mehr lange dauern, dann sind die Becken fertig und wir können das heiße Wasser hineinleiten. Was ist mit deinem Garten? Die fruchtbare Erde reicht hoffentlich aus?“ Schmunzelnd neigte ich zustimmend den Kopf und überprüfte noch einmal aus reiner Gewohnheit ihre Arbeit. Ich wusste, dass meine jüngste Schwester eine Meisterin im Legen von magischen Mustern war und ihre Mosaike waren allein deshalb schon ungeheuer wertvoll. Sie machte keine Fehler mehr und wie ich arbeitete sie ebenso schnell wie präzise. Doch bei diesem Projekt ließen wir beide uns Zeit. Unwahrscheinlich, das jemals ein Wesen alle Geheimnisse dieses Ortes ergründen würde. Dafür müsste der Betreffende sehr, sehr viel über die wahre Macht der Maiar wissen und das taten nur sehr wenige. „Beren trifft heute mit euren Söhnen ein. Ich hoffe nur, die Sindar erinnern sich noch gut genug an die Zeit, als Thranduil, seine Schwestern und ich die Gegend unsicher gemacht haben. Ansonsten steht ihnen ein böses Erwachen bevor.“ Alle meine Geschwister, ich hatte insgesamt fünf an der Zahl, waren bereits verheiratet oder so gut wie. Das >so gut wie< traf auf den Jüngsten der Rasselbande namentlich bekannt als Erestor zu. Er war der Ziehsohn meines Vaters, wurde aber nicht anders behandelt als wir anderen. Die ganze Familie stand einander sehr nah, was bisweilen anstrengend sein konnte. Denn Ruhe war bei einer so großen Familie ein Ding der Unmöglichkeit. Als Älteste hatte ich oft genug bei der Erziehung der anderen Kinder mitgeholfen und vieles was sie heute wussten, hatten sie von mir gelernt. Denn ihre Mutter Merilwen war erstaunlich kränklich für eine Elbin. Das Warum entzog sich meinen Kenntnissen, schließlich hatte ich bei Untersuchungen bis auf ein sehr leichtes Herzleiden nie etwas gefunden. Aber ich nahm es einfach hin, daran ändern konnte ich nichts, trotz meiner Fähigkeiten. „So schlimm sind die Jungs auch nicht. Immerhin sind sie 318 Jahre alt, keine rotzfrechen Elblinge mehr.“
Ich schnaubte leise und vielsagend. Als ob das Alter viel verändert hätte. Noch heute konnten wir alle sehr kindisch sein. Aber das war nur gut, schließlich bedeutete dieses Zeichen, das wir lebendig waren und noch nicht Staub vor Langeweile fingen. Ich liebte meine Neffen und freute mich auf den Nachwuchs, den Rhawen, die Älteste der Drillinge für das kommende Jahr erwartete. Zwillinge, ein Mädchen und einen Jungen. Aber damit würden wir schon fertig werden. Schlimmer als meine drei kleinen Mädchen, Rhawen, Meril und Isilya, konnten sie ohnehin nicht werden. Tja und von mir wurde ebenfalls erwartet, das ich mich endlich band und Kinder bekam. An sich keine schlechte Idee, immerhin war ich  4145 Jahre alt, aber der einzige Mann, mit dem ich mir das vorstellen könnte, sah in mir nur seine beste Freundin und war der Weiberheld schlechthin. Mit anderen Worten, daraus würde nichts werden, auch wenn mir meine Visionen etwas anderes vorgaukeln wollten.
Thranduil würde wenn überhaupt ein Bündnis aus politischen Gründen schließen und das mit einer Frau, die den gleichen Stand hatte wie er. Ich war die Tochter eines Elbenfürsten und damit nicht gut genug dafür. Außerdem hatten wir bereits gute Verträge mit Oropher ausgehandelt, ohne dass eine Eheschließung als Bekräftigung notwendig wäre. Bei der rhûnischen elbischen Enklave sah die Sache allerdings anders aus.
Meine Miene verfinsterte sich zusehends. Ich kannte Rhûn von meinen Reisen her und ich wusste, dass es politisch ein sehr brenzliger Ort war. Intrigen und Mord in Adelskreisen gehörten zum Tagesgeschäft dazu. Besonders dem elbischen König traute ich nicht über den Weg. Er war verschlagen, bösartig und hatte seine Geschwister sowie einiger seiner Kinder beseitigt, um seine Machtposition zu halten.
Die einzige halbwegs vernünftige Person war seine älteste Tochter Ríneth. Wenn die Verhandlungen mit Rhûn nach dem Willen des Beraters Morfindir verliefen, würde Thranduil Ríneth heiraten um die Allianz zu gewährleisten. Ich kannte Oropher gut genug um zu wissen, das seine Geduld mit meinem besten Freund sehr bald zu Ende war. Wenn Thranduil sich noch einen weiteren Schnitzer leistete, würde sein Vater ihm ein Ultimatum stellen und auf Morfindirs Vorhaben eingehen.
Es war nur eine Frage der Zeit.
Ich hatte nichts gegen Ríneth, tatsächlich würde ich soweit gehen zu behaupten, dass ich sie mochte, aber ich glaubte eher, dass ihr Vater sie benutzen würde. Visalyar war zu allen Schandtaten fähig und neigte zu Größenwahn. Wenn ich mit meinen Vermutungen richtig lag und das tat ich so gut wie immer, würde er versuchen, sich alle anderen Elbenreiche zu erobern. Eine politische Heirat war die perfekte Tarnung.
Doch bevor ich irgendetwas unternahm musste ich Beweise für meine Theorien finden. Deshalb würde ich auch in fünf Monaten aufbrechen um Nachforschungen vor Ort anzustellen. Notfalls würde ich Visalyar töten müssen auch wenn das politisch gesehen ein nahezu tödliches Unterfangen war. Aber hier ging es letzten Endes nicht um mich, sondern um die Sicherheit meiner Freunde, meiner Familie und meines Volkes. Eine solche Gefahr durfte ich nicht ignorieren und das würde ich auch nicht. Weder unterschätzte ich Visalyar noch meine eigenen Grenzen.
Ich konnte mir keine Fehler erlauben, denn wenn ich handelte, dann war es ein endgültiger Vergeltungsschlag. Um die Meinen zu schützen war ich bereit zu töten. Die meisten glaubten, ich wäre rein und unschuldig, doch sie irrten sich gewaltig. Nur weil ich eine Heilerin war, konnte man mich nicht als harmlos bezeichnen. In Wahrheit war ich tödlich.
In der zwielichtigen Unterwelt war ich unter dem Namen „Bestie“ bekannt. Es war gefährlich meine Aufmerksamkeit zu wecken, denn im Ernstfall war ich erbarmungslos und jagte meine Gegner mit einer eisernen Kompromisslosigkeit, die jeden von ihnen erschreckte.
Ein Zusammentreffen mit mir überlebten die Wenigsten.
„Was meinst du, wann wird Orophers Geduldsfaden reißen?“
Isilya schienen ähnliche Gedanken zu bewegen wie mich. Grimmig lächelte ich und verließ mit ihr meine geheime Zuflucht.
„Bald. Thranduil strapaziert seine Nerven seit Wochen mit immer größeren Eskapaden. Ich werde allerdings keine Wetten abschließen, wann es soweit ist.“
Wissend nickte sie und ich schloss entnervt die Augen als ich das Gebrüll eines gewissen Elbenkönigs hörte. Ich wollte gar nicht wissen, mit wem Oropher Thranduil jetzt im Bett ertappt hatte. Rasch änderte ich die Richtung und steuerte die Stallungen an. Hoffentlich war dieser grässliche Fürst Losben noch nicht auf den Beinen, denn er würde mir den Tag gründlich verderben. Er stellte mir nach wie vor hinterher und nicht einmal die Präsenz Orophers oder die meines Vaters schützten mich vor seinen Zugriffen. Das war alles andere als angenehm.
Widerliche, hässliche, verabscheuungswürdige, dreckige Made! Sollte er sich ruhig zu Sauron scheren, die beiden wären das perfekte Paar! Nur würde er das leider nicht tun, da er aus irgendeinem Grund von mir besessen war. Argh! Ich hatte Besseres mit meiner Zeit anzufangen, als mich mit solchen Widerlingen auseinanderzusetzen.
„Du willst ihm versuchen zu entkommen, habe ich Recht?“
Ich warf Isilya einen knappen Blick über die Schulter zu. Entschlossen folgte sie mir weiterhin, statt ihre Gemächer aufzusuchen um zumindest so zu tun, als hätte sie dort geschlafen. Einfach nur wunderbar. Eine Klette mehr, aber wenigstens war sie liebenswürdig!
„Wen genau meinst du? Oropher oder Thranduil?“
„Losben.“
„Du hast Recht. Wenn ich ihn jetzt sehe, werde ich ihn umbringen, ganz egal, wie wertvoll er dem König ist.“
Sie pfiff leicht beeindruckt.
„Deine Laune ist echt zum Fürchten Schwesterherz. Ein Wunder, das er noch keine Flucht vor dir ergriffen hat.“
„Das liegt daran, dass statt seines Gehirns lediglich ein Teil seines Körpers aktiv ist und das Denken übernimmt, wenn man davon überhaupt sprechen kann.“
„Übellaunig und gemein.“
„Ich ziehe die Bezeichnung >ehrlich< vor.“
„Das war mir klar.“
Mit einem Grinsen sattelte ich meinen Hengst Rhaw. Er war einer der Mearas, wild, stolz und ließ sich von niemanden außer mir reiten. Normalerweise zog ich Reiten ohne Sattel und Zaumzeug vor, aber ich hatte heute keine Nerven für einen Vortrag Orophers. Besten Dank auch, aber ich verzichte. Obwohl ich längst erwachsen war, glaubten mein Vater und Oropher mich immer noch beschützen zu müssen. Was völliger Unsinn war, denn ich konnte bestens auf mich aufpassen.
Sollte ich auch, denn ich führte ein gefährliches Doppelleben um die Sicherheit meiner Familie gewährleisten zu können. Niemals durften meine Freunde und meine Familie die Wahrheit erfahren.
„Was soll ich sagen, wenn man nach dir fragt?“
Ich strich eine nervende Locke aus meinem Gesicht. Irgendwann musste ich sie wieder abschneiden, denn sie waren eindeutig zu dick, zu schwer und zu warm, als das ich einen weiteren Sommer mit taillenlangem Haar erdulden würde. Warum ich eine solche Unmenge an Locken hatte verstand ich wahrlich nicht. Mein Vater hatte das typische glatte, feine Haar und meine leibliche Mutter soweit ich mich erinnern konnte ebenfalls. Völlig entnervt flocht ich den Zopf neu.
Auffordernd stieß Rhaw mich an, scharrte unternehmungslustig mit den Hufen. Ich verstand seine Ungeduld nur zu gut. Für nur ein paar Stunden wollte ich meiner langweiligen Existenz und den endlosen Diskussionen entkommen, denn heute war eine Besprechung bezüglich der geplanten Heilerschulen in allen Teilen des Reiches anberaumt. Saindir konnte mich eigentlich vertreten, aber weil ich die Protektorin der Heiler war, bestand man in der Regel auf meine Anwesenheit, wenn irgendwelche Entscheidungen getroffen werden sollte. Dabei war mein bester Freund neben Thranduil mein Stellvertreter und ein sehr guter Heiler. Gewöhnlich zogen sich die Unterredungen zäh wie Honig über Stunden hin, ohne das irgendetwas Vernünftiges zustande kam, weil Oropher seinen Ministern zumindest die Illusion vermitteln wollte, dass sie Einfluss auf seine Entscheidungen hatten. Meistens hatte er alle nötigen Informationen im Vorfeld schon eingeholt, bei mir ironischerweise, so dass er mit einer längst gefassten Entscheidung zu den Versammlungen erschien. Ich wusste nur zu gut, warum mir Politik so zuwider war. Leider war ich als älteste Tochter auch automatisch die natürliche Nachfolgerin meines Vaters. Mit dem Erfolg, dass ich mich doch mit diesem Unsinn befassen musste. Manchmal hasste ich mein Leben. „Passe sie der Person an, die fragt. Oropher kannst du die Wahrheit ruhig sagen, Saindir ebenfalls. Was Thranduil angeht, nun, das überlasse ich ganz deinem Ermessen.“
Isilya schüttelte belustigt den Kopf. „Du wirst dich nicht ewig verstecken können. Thranduil und Saindir betrachten dich als inoffizielle Königin, zumindest, wenn du dich mit Oropher wegen der Heiler zankst und es schaffst, deinen Willen durchzusetzen. Oropher schätzt dich sehr.“
„Ah, aber ich bin trotzdem nicht als Königin geeignet.“
„Nemi? Das Volk verehrt dich, die Soldaten würden dir mit Freuden in die Hölle folgen und die Heiler beten fast schon den Boden unter deinen Füßen an. Du besitzt mehr, als irgendeine Prinzessin.“
„Diese Diskussion ist hiermit beendet! Bis später, Kleines!“
„Ja, flieh nur, Nemi!“ Wütend bemerkte ich, dass sie mich auslachte. Verdammt, nur meine Familie und meine besten Freunde hatten die Nerven, mich auszulachen, da sie haargenau wussten, dass ich sie deswegen nicht bestrafen würde. Verdammt nervig. Völlig entnervt schwang ich mich auf Rhaws Rücken und trieb ihn an.

Saindir lächelte über das finstere Gesicht seines besten Freundes. Es war wirklich nicht zu überhören gewesen, weshalb seine Laune nun so schrecklich war. Aber eigentlich wusste Thranduil es besser, als seinen Vater zur Weißglut zu treiben. Allerdings immer nur solange, wie sein hyperaktive Fortpflanzungsdrang ihm eine Pause gab. Was bedauernswerterweise selten vorkam. Seine Eskapaden gefielen kaum jemand, denn er war der Kronprinz und sollte sich wie einer benehmen. Saindir wusste, das besonders eine darunter litt. Wie mochte sich wohl Nemirwen dabei fühlen? Als Heiler war er sensibel genug, um die Gefühle zu erkennen, die sie sonst so perfekt versteckte. Seine Freundin war in den Prinzen unglücklich verliebt und hatte sich mit dem Gedanken abgefunden, allein zu bleiben. Dabei wäre sie definitiv die beste Partie und Königin, die Eryn Lasgalen sich wünschen könnte.
„Nun stell dich nicht so an, Duil! Oropher hat jedes Recht, sauer auf dich zu sein und dir dieses Ultimatum zu stellen. Außerdem ist Ríneth wie ich hörte, eine sanftmütige Schönheit. Du wusstest doch immer, das du zum Wohl des Landes heiraten würdest.“ Blitzende eisblaue Augen fixierten ihn ungnädig. Ungerührt grinste er, amüsierte sich weiterhin. „Aber wenn du sie nicht heiraten willst, dann solltest du eine geeignete Braut finden. Bei deinem Charme dürfte dir das eigentlich nicht schwer fallen.“
„Du bist gemein Saindir! Was, wenn ich gar nicht heiraten will?!“
„Ich schätze, das steht nicht mehr zur Debatte.“ Saindir warf einen Blick auf die Anwesenden und kräuselte besorgt die Stirn, ehe er sich auf die Schwester seiner besten Freundin konzentrierte. „Wo steckt eigentlich Nemi, Isilya?“ Die jüngere Teler widmete sich ihrem Obstsalat und trank etwas Apfelsaft während sie ihm gelassen antwortete, wohlwissend, das Thranduil ihnen aufmerksam lauschen würde. „Ausreiten. Offensichtlich hatte sie keine Lust, sich mit einem übellaunigen Thranduil abzugeben.“ Dieser schnitt ihr eine Grimasse. Doch sie grinste ihn nur wissend an und strich sich eine helle Locke aus dem Gesicht. Wie ihre älteste Schwester war auch sie eine Schönheit, wenn auch im Gegensatz zu Nemi bereits gebunden und Mutter. Dennoch zweifelte Saindir keinen Moment daran, dass seine beste Freundin die liebevollste Mutter sein würde, die man sich nur wünschen konnte. Immerhin kannte er sie fast so lange wie Thranduil. „Absolut verständlich. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Oropher unruhig wird, wenn sie noch länger wegbleibt. Schließlich liebt er die Diskussionen mit ihr. Außerdem braucht Duil jemand, den er terrorisieren kann und der sich mit ihm zankt. Nemi hat bekanntlich wenig Respekt vor seinem Titel.“
Ein spöttisches, sehr vertrautes Lächeln ließ sie herumwirbeln. Nemi stand im Türrahmen, das wilde silberblonde Haar hoffnungslos zerzaust. Wieder einmal hatte die Lockenpracht sich den Zwängen des strengen Zopfs entwunden. Kluge violette Augen mit silbernen Sprenkeln funkelten belustigt, als sie sich dem Tisch näherte. Wie immer strahlte sie Energie, Stärke und spielerische Eleganz aus. Eine Tatsache, die ihn wahrlich wunderte. Sie begrüßte ihre Schwester mit einem liebevollen Lächeln, schüttelte über den Kronprinzen den Kopf und legte ihm selbst sanft eine Hand auf die Schulter. Dabei entging ihr, wie Thranduil sie auf einmal musterte. Warnend fixierte Saindir ihn. Nemi war nicht wie die Elbinnen, die seine Hoheit gewöhnlich in sein Bett holte. Sie hatte besseres verdient, als von ihm als Notlösung herzuhalten. „Wenn Duil sich wie ein Prinz verhalten würde, wäre ich eventuell bereit, mich anders zu verhalten. Ich hoffe, du hast gut geschlafen Sai?“
Missgelaunt brummte Thranduil in seinen nicht vorhandenen Bart. Isilya kicherte leise in sich hinein und auch die anderen Anwesenden konnten sich das Grinsen nicht verkneifen. „Das war unnötig gemein, Nemi!“
Sie schnaubte und musterte ihren königlichen Freund mit hochgezogenen Augenbrauen. „Das war nicht einmal ansatzweise so gemein, wie ich eigentlich geplant hatte. Ich nehme an, dein Vater hat seine Geduld verloren und zwingt dich jetzt zu heiraten?“
„Warum bemitleidest du mich nicht wenigstens ein kleines Bisschen?“
Ungerührt von seinem Jammern setzte sie sich hin und schnappte ihrer Schwester die Schüssel mit dem Obstsalat weg. „Nemirwen?!“
„Klappe, Duil, ich bin beschäftigt. Und um deine Frage zu beantworten, ich habe einfach keine Nerven mehr für solchen Blödsinn. Und jetzt hör auf zu quengeln und benimm dich deinem Alter entsprechend.“
Saindir amüsierte sich offen. Einzig allein Nemi konnte sich dieses Verhalten erlauben ohne von Oropher oder Thranduil einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Vergnügt lachte er in sich hinein und genoß die Röte seines Freundes. „Streitet ihr euch wieder Kinder?“
„Aber nein, aran, nie würden wir auf solche törichten Ideen kommen. Streitigkeiten liegen uns allen sehr fern.“ Unschuldig klimperte Nemi den König mit ihren langen Wimpern an. Dieser zwinkerte ihr zu und wandte sich wieder seinen Gesprächen zu. „Dein Charme ist deine größte Waffe, Nemi. Ich fasse es nicht, dass der König dir das auch noch abkauft.“
Sie wirkte sehr zufrieden mit sich und ließ sich durch seinen Kommentar nicht stören. Isilya, die noch nie auf den Mund gefallen war, nutzte ihr Schweigen für ihr übliches Gestichel in Richtung Saindir und Thranduil. „Tja, meinem Schwesterherz glaubt man einfach leichter als irgendwelchen Männern, die sich von gewissen Körperteilen steuern lassen.“ Saindir grinste spöttisch und deutete eine Verneigung in ihre Richtung an. „Im Gegensatz zu unserem Prinzen hier, sind meine nächtlichen Abenteuer wenigstens diskret und bleiben nicht die ganze Nacht. Wann kommt eigentlich dein Mann, Isilya?“
„Angst, nicht mit mir fertig werden zu können?“
„Kleines, im Gegensatz zu deiner älteren Schwester bist du nicht in der Lage, mit mir auf allen Gebieten die Klingen zu kreuzen.“
„Saindir, Isilya, ich würde gerne in Ruhe und ohne Blut mein Frühstück genießen. Haltet euch zurück, verstanden?“
„Verstanden, Nemi.“