Studies and consequences

KurzgeschichteHumor, Romanze / P18
11.07.2018
20.07.2018
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11.07.2018 2.318
 
Hallo ihr Lieben :)

Schneller, als gedacht – dank der großartigen Beta-Hilfe von PaintingRosesRed – kann ich euch eine neue Kurzgeschichte präsentieren!
Sie umfasst zwei Kapitel, die bereits fertig geschrieben sind.
Das Thema ist vielleicht etwas „ungewöhnlich“ (wobei es perfekt in die Kategorie passt :D), deswegen bitte ich, alle Beschwerden darüber an Crystal Kaskade zu richten, die mich dazu gebracht hat, diese Idee aufzuschreiben (Danke nochmal xD)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und würde mich natürlich sehr über Rückmeldungen aller Art freuen. :)

Liebste Grüße
Tanja


K A P I T E L    1    -    S T U D I E S


„Es hätte alles so schön sein können“, murmle ich und nehme einen tiefen Zug des eiskalten Mango-Bananen-Gurken-Smoothies. Die Sonne brennt auf meiner eingecremten Haut, die noch immer viel zu hell für meinen Geschmack ist.
Meine beste Freundin Carly räkelt sich neben mir auf ihrer Liege und wirft mir ein zufriedenes Grinsen zu. „Ich weiß nicht, was du meinst.“
Frustriert ziehe ich die Mundwinkel nach unten und wende mein Gesicht der Wärme zu. Das unregelmäßige dumpfe Geräusch von Leder auf Asphalt dröhnt mittlerweile in meinem Kopf.
Es hat schon seinen Vorteil, ganz am Ende in der Sackgasse einer ruhigen Seitenstraße zu wohnen und sich so sogar im Bikinioberteil und Hot Pants, ohne viele Blicke auf sich zu ziehen, im Vorgarten sonnen zu können – links neben meinem Elternhaus lebt die alte Mrs. Robinson, eine verwitwete Greisin, mit ihren gefühlt zwanzig Katzen, welche ab und an in unserem Apfelbaum stranden und mit der Leiter wieder hinunterbefördert werden müssen, und auf der rechten Seite steht ein schmucker Bungalow, in welchen neulich erst ein junges Pärchen mit Baby eingezogen ist. Die erholsame Ruhe hätte also so perfekt sein können …
„Hör auf, zu seufzen, Jools, und genieße lieber die Aussicht“, ermahnt mich Carly und ich ziehe die Nase kraus.
Sie hat leicht reden, denn es ist nicht ihr Bruder, der gerade sehr, sehr wütend einen Basketball in unserer Einfahrt malträtiert. Eigentlich hätte er jetzt im Flieger nach Mexiko sitzen müssen und wir hätten uns ohne diese störende Geräuschkulisse im Vorgarten sonnen können. Die Betonung liegt abermals auf hätte. Denn seine nun Ex-Freundin, deren Namen ich momentan nicht mal denken möchte, hat sich vor zwei Tagen anders entschieden – oder besser gesagt: für jemand anderes.
Mason, der nur knapp ein Jahr älter ist als ich, hat eigentlich einen sehr gefestigten Charakter und manchmal hat man das Gefühl, dass nicht mal eine Bombe ihn aus der Ruhe bringen könnte, aber das abrupte Ende einer Beziehung ist wohl doch auch für ihn zu viel. Dementsprechend hart lässt er nun seine Gefühle an dem armen Ball aus, der ja eigentlich nichts dafür kann. Wobei ich zugeben muss, froh darüber zu sein, dass er seinen Kummer nicht in Alkohol oder ähnlichem ersäuft.
„Ich werde ganz bestimmt nicht meinen Bruder begaffen, nur weil er oben ohne ist“, gebe ich zähneknirschend von mir und schließe die Augen hinter meiner Sonnenbrille. Ich weiß, dass er durch den vielen Sport, den er treibt, sehr gut trainiert ist, aber es gibt wirklich keinen Grund, warum ich ihm bei seinem Tun zuschauen sollte – ganz im Gegensatz zu Carly.
„Niall hat sein Shirt auch ausgezogen“, flüstert sie mir ehrfürchtig zu und mein Kopf zuckt in die Richtung des improvisierten Mini-Basketball-Feldes alias unserer Einfahrt vor der Garage, über der vor Jahren mal ein Korb angebracht wurde.
Mein Blick heftet sich sofort an die andere Person, die meinen Bruder dabei unterstützt, seinen Frust und die Wut wegzuspielen, denn Fakt ist: Ich habe gelogen, es gibt doch einen Grund für mich, dem Treiben zuzuschauen. Und dieser Grund ist sein bester Freund Niall, der wahrgewordene Traum meiner hormongesteuerten Teenie-Nächte, die ich mit meinen mittlerweile achtzehn Jahren eigentlich zu überwinden geglaubt habe. Ich werde jedoch jedes Mal eines Besseren belehrt, wenn dieser unverschämt gutaussehende Kerl vor unserer Tür steht, sich lässig mit einer Hand durch die kurzen, braunen Haare fährt und mich mit seinen dunklen Augen beinah auszieht.
Zischend lasse ich meinen Kopf zurück auf das Kissen der Liege fallen, als mir klar wird, dass ich Carly auf den Leim gegangen bin. Niall hat sein T-Shirt noch immer an.
Triumphierend ruft sie ein „Aha!“ und schnipst dazu. Seit einigen Wochen hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, mir beweisen zu wollen, Niall und ich würden aufeinander stehen. Dass sie zumindest von meiner Seite aus voll ins Schwarze trifft, werde ich ihr dabei allerdings nicht noch zusätzlich unter die Nase reiben. Schlimm genug, dass sie mich in meinen schwachen Momenten erwischt.
„Ich weiß wirklich nicht, was du damit erreichen willst“, grummle ich und schiebe die Sonnenbrille auf meiner Nase ein Stück hoch, während ich Carly einen bösen Blick zuwerfe.
„Und ich weiß nicht, warum du dich so dagegen sträubst“, erwidert sie prompt und winkelt ein Bein an. Ihre Haut sieht mittlerweile beneidenswert gebräunt aus.
„Wogegen soll ich mich bitte sträuben?“
Carly beugt sich vor und schaut mich über den Rand ihrer verspiegelten Brille hinweg an. „Es ist doch offensichtlich, dass du auf Niall stehst. Und so oft wie er zu dir herübersieht, wundert es mich stark, dass er noch nicht über dich hergefallen ist.“ Sie winkelt auch das andere Bein an und legt ihr Kinn auf den Knien ab. „Vielleicht ist er nur schüchtern?“, philosophiert sie vor sich hin. „Er ist bestimmt ein Rechtsträger.“
„Du spinnst doch“, sage ich barsch und halte inne, ehe ich mich ihr mit skeptischem Blick zuwende. „Und was meinst du mit 'Rechtsträger'?“ Will ich das überhaupt wissen?
Mit einer lässigen Bewegung steckt sie ihre Sonnenbrille ins Haar und ein freches Grinsen erscheint auf ihren Lippen. „Sag bloß, du hast noch nichts über diese Studie gelesen.“
Meine zusammengezogenen Augenbrauen sagen wohl alles, denn sie erklärt sogleich: „Letzte Woche wurde in irgendeinem renommierten Wissenschaftsblatt – Biopsychologie heute oder so ein Schmarrn – eine Studie über das männliche Geschlechtsteil veröffentlicht.“
Ich rolle mit den Augen.
„Warte, warte, warte!“, ruft sie und winkt beschwichtigend mit den Händen. „Es ist keine dieser Spaßstudien. Es geht richtig um jahrelange Testreihen mit vielen tausend Teilnehmern, Mitgliedern sozusagen, verstehst du?“ Sie kichert albern über diesen pubertären Wortwitz und ich lege theatralisch seufzend meine rechte Hand aufs Gesicht. „Nein, also, es geht um … ähm … wie sag ich das bloß, ohne dass es komplett bescheuert klingt?“ Der Zug ist schon längst abgefahren, meine Liebe.
Carly atmet einmal tief durch, ehe sie einen neuen Versuch startet. „Es geht darum, dass man anhand der Richtung, in die der Penis eines Mannes zeigt, Aufschluss darüber bekommt, ob er eher aktiv oder mehr passiv ist.“
„Worauf bezogen?“, frage ich nuschelnd durch meine Finger hindurch.
„Auf Sex natürlich!“, erwidert Carly eine Spur zu laut und ich stelle peinlich berührt fest, wie Mason und Niall sich dabei fragend zu uns drehen. Doch meine beste Freundin lässt sich davon nicht beirren, denn sie spricht einfach weiter: „Man hat herausgefunden, dass sogenannte Rechtsträger eher kopflastig und devot, aber ausgesprochen einfühlsam und lieb sind, während Linksträger mehr die Sorte dominant bis machohaft, aber auch sehr, sehr leidenschaftlich vertreten. Das Ganze hat etwas mit den Hoden zu tun, die höhenversetzt nebeneinander hängen. Und irgendwas mit der Hormonproduktion der jeweiligen Hälfte.“
Ein ungläubiges „Aha?“ entfährt meinen Lippen, bevor ich Carly einige Augenblicke lang stumm anschaue, um ihr die Chance zu geben, ihre soeben getätigte Aussage als schlechten Witz zu enttarnen. Stattdessen nickt sie nur übertrieben und ich fühle mich gezwungen, die erste Frage zu stellen, die mir hierbei durch den Kopf geht: „Und was ist mit denen, die nur einen Hoden haben?“
Carly zuckt gleichgültig mit den Schultern. „Das ist wahrscheinlich eine Fifty-Fifty-Chance.“
Wenig überzeugt ziehe ich meine Augenbrauen zusammen. „Okay“, sage ich und ziehe das Wort besonders in die Länge.
„Ich sehe schon, du glaubst mir nicht“, kommentiert sie meine Mimik und verdreht die Augen, ehe sie nach ihrem Handy unter der Liege greift. „Lies selbst.“ Sie sucht den Artikel heraus und reicht mir das kleine Gerät herüber.
Die nächsten Minuten werden bei mir von Gesichtsakrobatik der besonderen Art begleitet. Wenn ich schon dachte, dass Carlys Aussagen irgendwie verquer wirken, dann ist die auf ein Minimum heruntergebrochene Zusammenfassung der wissenschaftlichen Studie im Bereich Psychoneuroendokrinologie noch viel abstruser – klingt lediglich durch die Fachwörter etwas klüger – und meiner Meinung nach hätten sie auf die veranschaulichenden Bilder gerne verzichten können.
„Und? Ist doch spannend, oder?“, hakt Carly nach, als ich ihr das Handy wiedergebe und meine Lippen aufeinanderpresse.
„Ist das … echt?“, frage ich immer noch skeptisch und bekomme ein heftiges Nicken als Antwort.
„War sogar in den Abendnachrichten.“
Ich lächle etwas hilflos. Es ist erschreckend, mit was für Nichtigkeiten sich Verhaltensforscher heutzutage offensichtlich beschäftigen. Langsam zweifle ich an meinem eigenen Wunsch, später im wissenschaftlichen Bereich arbeiten zu wollen.
Carlys Blick gleitet wieder zu meinem Bruder und seinem besten Freund, die sich für eine kleine Pause in den Schatten der Veranda gesetzt haben und wild gestikulierend über etwas reden.
„Ich wette, Mason ist ein Linksträger“, sagt sie verträumt und knabbert an dem Nagel ihres linken Zeigefingers.
Der Smoothie, den ich soeben an meine Lippen geführt habe, wandert beinahe den gleichen Weg wieder hinaus, als ich mich prompt verschlucke und heftig zu husten beginne.
„Carly!“, rufe ich empört aus und wische mit einem Taschentuch über meinen Bauch, auf dem einige Spritzer meines Getränks gelandet sind.
„Was denn?“ Sie schenkt mir einen unschuldigen Blick, der mit dem damit verbundenen diabolischen Grinsen eine fast beängstigende Wirkung entfaltet. „Niall schaut wieder zu dir herüber“, flüstert sie.
Wieder wandert meine Aufmerksamkeit automatisch zu den beiden Jungs und ich spüre die Hitze in mir aufsteigen, als mir klar wird, dass Carly dieses Mal tatsächlich nicht geblufft hat. Nialls Augen sind direkt auf mich gerichtet und ein leichtes Lächeln zeichnet sich auf seinen Lippen ab, als sich unsere Blicke begegnen.
Seine braunen Haare stehen wild in alle Richtungen ab und lassen ihn damit irgendwie verwegen aussehen. Und diese Oberarme …
„Hol den Sabberfaden wieder ein, Jools“, kommt es selbstgefällig von der Seite.
Ich drehe mein Gesicht zu Carly und zeige ihr den Mittelfinger, was sie mit einem vielsagenden Lächeln quittiert.
„Ach, schade, anscheinend ist die Show für heute vorbei“, sagt Carly und zieht einen Schmollmund.
Mason und Niall verschwinden im Haus und ich schließe die Augen, um die paar Minuten Stille zu genießen, die nun folgen. Bestimmt holen sich die beiden nur etwas zu trinken und setzen ihr Ballspiel gleich wieder fort.
Leider stellt sich die erhoffte Ruhe auch eine Viertelstunde später nicht ein, denn mein Kopf macht mir da einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Ich könnte mir selbst dafür in den Hintern treten, dass meine Gedanken sich gerade um diese absurde Studie drehen – vor allem, weil ich mich tatsächlich ernsthaft an die Penisse meiner beiden Ex-Freunde zu erinnern versuche. Hab ich einen Sonnenstich, oder was? Genervt schiebe ich die Sonnenbrille hoch und fahre mir mit beiden Händen über das Gesicht.
„Dreht die Wissenschaftlerin in dir gerade durch?“, fragt Cary dämlich grinsend. „Ich wette, du rekapitulierst gerade deine ganzen Beziehungen.“
Sie kennt mich einfach zu gut.
„Halt die Klappe“, knurre ich und fahre noch energischer über mein Gesicht.
Carly ignoriert mich geflissentlich. „Ich kann mich leider auch nicht mehr so gut daran erinnern. Ich denke, in Zukunft werde ich mehr darauf achten.“
„Worauf achten?“, kommt die Stimme meines Bruders plötzlich wie aus dem Nichts und ich erstarre.
„Na darauf, wohin der Pe-“ Doch weiter kommt Carly nicht, denn ich reagiere instinktiv, beuge mich vor und presse ihr die Hand auf den Mund.
Mason steht am Fuße meiner Liege und schaut skeptisch auf uns hinab. Er hat mittlerweile wieder ein Shirt an und sieht aus, als hätte er soeben geduscht.
„Gar nichts wirst du, Carly!“, zische ich, ehe ich von ihrem Mund ablasse und mich eilig meinem Bruder zuwende, der mit verschränkten Armen vor uns steht. „Was gibt’s?“
„Okay …“ Ein zweifelndes Grinsen erscheint auf seinen Zügen, als er zwischen uns hin und her sieht. „Ich wollte nur fragen, ob ihr auch was von Wendy's wollt? Ich würde eben mit dem Auto losfahren.“ Er deutet mit dem Daumen in Richtung Garage.
„Das ist mein Stichwort!“, ruft Carly und klopft sich auf den Oberschenkel. „Würdest du mich auf dem Weg zu Hause absetzen? Ich habe meiner Mom versprochen, heute Babysitter zu spielen.“
„Klar“, antwortet er, bevor ich ihm meine Bestellung durchgebe und wir die Liegen zusammenklappen, die Mason in die Garage mitnimmt.
Carly zieht sich im Haus ihr luftiges Sommerkleid über den Bikini und holt ihre Tasche aus dem Flur.
„Wir sehen uns morgen“, sagt sie zum Abschied, während wir uns umarmen. „Und denk nicht so viel über diese Studie nach.“
Zack – die Gedanken laufen wieder auf Hochtouren. Das hat sie doch mit Absicht gemacht! Meine beste Freundin grinst zufrieden, streckt mir frech die Zunge raus und eilt zum Auto, das soeben über die Einfahrt rollt.
Mit einem theatralischen Seufzen verdrehe ich die Augen und schließe die Haustür. Sie weiß ganz genau, wie sie mich ärgern kann, denn es passiert mir häufiger, dass ich mich in solchen Nichtigkeiten verliere. Der Nachteil eines neugierigen Geistes.
Ich ergebe mich meinem Schicksal, öffne auf meinem Handy erneut die Studie und gehe die Treppe hoch zum Badezimmer, wo ich heute Mittag vor dem Sonnen mein Top liegen gelassen habe, um mich zumindest umzuziehen, bevor Mason und Niall wieder zurück sind. Gedanklich zerstreut schlüpfe ich durch die Tür ins Bad und ein feiner Geruch nach Deo und Cremeseife kommt mir entgegen, was mich darauf schließen lässt, dass Mason vorhin tatsächlich noch auf die Schnelle geduscht hat, bevor er mit Niall zu Wendy's los ist. Auf meinem Handydisplay erscheinen Beispielzeichnungen des männlichen Geschlechtsteils.
Ein Geräusch direkt vor mir lässt mich meinen Kopf ruckartig heben, bevor ich direkt in ein Paar überraschter Augen schaue. Mein Blick gleitet automatisch den Körper hinab zu seiner Mitte und wieder zurück.
Ich erstarre.
Vor mir steht Niall, der gerade im Begriff ist, nach dem Handtuch an der Heizung zu greifen.
Und er ist splitterfasernackt.
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