Desaster

von Adrija
GeschichteDrama / P16 Slash
Black Widow / Natasha Romanoff Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Hawkeye / Clint Barton Hulk / Bruce Banner Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark Loki
11.07.2018
08.11.2019
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Hallo liebe Leser :)
Ich bin echt froh zu sehen, dass es auch nach der langen Zeit seit dem letzten Upload noch Leute gibt, die das hier lesen. Leider wird das auch weiter so bleiben wegen dem ganzen Unistress. Es wird weitergehen, aber schleppend. Tut mir leid.



Hoch konzentriert berechnete Tony die Kraft die nötig wäre, um bestimmte Geschwindigkeiten zu erreichen und erstellte eine Grafik im zugehörigen Feld, die er neben die Materialienliste für die Schubdüsen platzierte.
Seufzend lehnte er sich zurück und betrachtete sein Werk. Ein Hologramm der neuen Rüstung Iron Man Armor MK 1616 schwebte vor ihm. Er drehte sie umher und verbesserte noch hier und da Kleinigkeiten. Ein paar der Teile hatte er bereits hergestellt, aber er war noch nicht so zufrieden, dass es sich fertig genug anfühlte. Und es musste perfekt sein!
Erst als er die Tür hörte, sah er wieder auf. Loki betrat den Workshop. Er sah wieder so mitleiderregend aus, dass Tony zum Heulen zumute war. Zugegeben, der plötzliche Kontrast hatte die Angelegenheit schlimmer gemacht, als sie vermutlich war, aber das ließ ihn sich nicht besser fühlen. Es war jetzt wieder zwei Wochen her seit der Entführung. Zwei Wochen in denen der Asgardier wieder dermaßen ungesund aussah. Zwar hatte er erklärt, warum das so war, und irgendwo verstand Tony das auch, aber das änderte nichts daran, dass ihm mit jedem Blick wieder ins Gesicht geschrieben stand, wie schlecht es ihm eigentlich noch immer ging. Abgesehen davon, hatte Tony sich beleidigt gefühlt, dass er mit voller Absicht dermaßen getäuscht worden war.
„Hey Lokes.“, begrüßte er ihn und sah bereits Dum-E mit einer Packung Twinkies anrollen. „Du bist alleine hier. Ich hätte nicht gedacht, dass Steve dir von der Seite weicht.“, kommentierte er mit einem weiteren Blick auf die Tür. Da war wirklich niemand sonst. War Loki seinem besitzergreifenden Freund davongelaufen, während er schlief? Prüfend war er einen Blick auf die Uhr. Es war später Vormittag. Also war die Theorie eher unwahrscheinlich.
„Lady Natascha und Agent Barton haben ihn zum Training mitgenommen.“, informierte Loki ihn und stellte sich vor den Bildschirm, um sich die Berechnungen darauf anzusehen.
„Ehrlich? Das ging so einfach?“, hakte Tony nach, denn er konnte sich kaum vorstellen, dass Nat und Clint es einfach schafften den Soldaten von dem Subjekt seiner Begierde zu trennen indem sie nett fragten.
„Sie haben betont, wie schlecht trainiert sie sich ohne ihn fühlten und befürchten wohl nicht genügend vorbereitet zu sein, sollte es zu einem unvorhergesehenen Einsatz kommen.“, erklärte der Asgarder, während er durch die Daten scrollte. Sein Blick fiel kurz auf Dum-E, als dieser die Packung mit den Süßigkeiten direkt vor Loki auf dem Tisch ablegte und ihm dann halb in die Seite fuhr, als dieser nicht sofort darauf reagierte. „Ich habe es gesehen. Danke, mein Freund.“, richtete er die Worte an den kleinen Roboter und tätschelte ihn.
„Sie haben also seinen Beschützerinstinkt angesprochen, um ihn emotional zu erpressen.“, schloss Tony daraus.
„Die Lady Natascha ist äußerst geschickt in solchen Angelegenheiten.“, bestätigte Loki. „Auch wenn ich jeden Moment mit ihm wertschätze, bin ich dennoch dankbar dafür, dass sie ihn herausgelockt haben. Er hat sein eigenes Training sehr vernachlässigt wegen mir.“
„Hast du Angst, dass er fett wird?“, lachte Tony und rutschte mit seinem Stuhl etwas zurück, damit Loki das Hologramm besser betrachten konnte.  
„Bei seiner Tätigkeit, ist es sehr von Vorteil jederzeit trainiert zu sein.“, erwiderte Loki und drehte sich in Tonys Richtung. „Diese Rüstung ist nicht für dich.“
„Nein.“, bestätigte Tony.
„Aus den Daten würde ich schlussfolgern, dass sie maßgeschneidert für Lady Virginia ist.“
„Ich weiß, die Rüstung ist nicht gerade Gala-tauglich, aber meinst du sie gefällt ihr trotzdem?“ Er wusste, dass Pepper seine Anzüge nicht mochte. Schließlich bedeutete das, dass er sich dauernd in Gefahr begab und spätestens nach der Entführung konnte er das zumindest in Teilen nachvollziehen. Aber er würde nicht aufhören. Das wusste sie. Und er wollte auch nicht, dass sie mitkämpfte. Was er wollte, war sie in Sicherheit zu wissen und wenn sie eine Rüstung hatte, die sie herbeirufen und in der sie davonfliegen konnte, war sie deutlich mehr in Sicherheit als ohne. Er würde ihr Schmuck herstellen, der so funktionierte wie seine Rüstung. Mit einer bestimmten Geste würde sie MK 1616 herbeirufen können und dann hätten Entführer, die mit einer wehrlosen Frau rechneten nichts mehr zu lachen. Außerdem würde Tony dann vielleicht aufhören können ihr überall hin zu folgen, wenn sie den Tower verließ. Es hatte eine Woche gedauert, bis er innerhalb des Towers aufgehört hatte ihr hinterherzulaufen und er sah kein Ende, was außerhalb anging. Jedes Mal, wenn sie den Tower verlassen wollte, bekam er Angstzustände und begleitete sie dann. Das war auf Dauer keine Lösung, zumal es ihr auf die Nerven ging, wie anhänglich er war.
„Ich denke, du solltest ein Ersatzgeschenk in der Hinterhand haben. Ich befürchte, die Begeisterung deiner Herzensdame wird sich sehr in Grenzen halten.“, antwortete Loki. Er drehte sich wieder dem Hologramm zu und inspizierte es diesmal etwas genauer.
Seufzend lehnte Tony sich nach vorne und legte sein Gesicht in seine Hände. Ja. Das wusste er. Pepper würde das Ding hassen. Aber er brauchte einfach eine Versicherung, dass ihr nichts da draußen passieren würde. Er würde es nicht ertragen, wenn sie irgendwann wirklich verschwinden würde. Wenn ihr jemand etwas antun würde.
„Du weißt, ich hätte nie zugelassen, dass jemand der Lady Virgina ein Leid zufügt, oder?“, holte ihn Lokis ernste Stimme wieder aus seinen Gedanken zurück. Etwas überrascht sah er auf. Der Asgardier hatte sich ihm wieder zugedreht und lehnte nun am Tisch. Seine Augen waren auf ihn gerichtet und er konnte sehen, wie ernst es ihm war. Kurz sahen sie sich wortlos gegenseitig an.
„Ich weiß.“, sagte der Milliardär dann und lehnte sich wieder zurück. Ihm war völlig klar, dass Loki seine Tarnung sofort in den Wind geschossen hätte, wenn es zu einer auch nur ansatzweise gefährlichen Situation gekommen wäre. Er wusste, dass Loki niemals Peppers Sicherheit aufs Spiel setzten würde und nur mitgemacht hatte, weil er die Situation völlig unter Kontrolle gehabt hatte. „Aber das nächste Mal, bist du vielleicht nicht anwesend, wenn jemand der Meinung ist sie mir wegnehmen zu wollen.“, fügte er dann noch hinzu. Sie hatten riesiges Glück gehabt, dass die Entführer Emma auch einfach mitgenommen hatten. Was wäre nur gewesen, wenn Pepper Loki nicht mit zum Badezimmer gezerrt hätte? Dann wäre Pepper noch immer verschwunden! Sie hätten noch immer keine Spur! Denn nach all den Untersuchungen, die SHIELD und auch sie selbst durchgeführt hatten, war es klar, dass sie es nicht mit Amateuren zu tun hatten. Sie hatten es geschafft die Telefonate zurückzuverfolgen, doch das Haus, zu dem das geführt hatte, war verlassen gewesen. Drei der toten Söldner waren bekannt und auf der Fahndungsliste gewesen, aber das brachte sie nicht weiter, denn diese Söldner gehörten zu niemandem und arbeiteten für den, der sie bezahlen konnte. Das größte Problem war, dass sie noch immer nicht wussten, wer der Drahtzieher war! Es könnte jederzeit wieder passieren! Jedes Mal, wenn Pepper den Tower verließ, könnte es einen weiteren Versuch geben, sie ihm wegzunehmen. Und er wusste, er könnte ohne sie nicht leben! Er würde es nicht ertragen! Erst recht nicht, wenn es seine Schuld wäre!
„Tony!“, riss ihn Lokis Stimme erneut aus seinen Gedanken zurück. Der Milliardär hatte gar nicht bemerkt, dass er sich vom Tisch wegbewegt hatte, doch nun hockte der Asgardier direkt vor ihm und sah ihn besorgt an. „Du hyperventilierst.“
Erst jetzt bemerkte er, wie schnell und heftig er atmete. „Jarvis?“, brachte er gerade so hervor zwischen zwei Atemzügen.
„Miss Potts befindet sich in ihrem Büro, in einem Gespräch mit der Zweigstelle in Los Angeles, Sir.“
„Okay.“, keuchte er und schloss die Augen um sich auf seine Atmung zu konzentrieren. Verdammt! Verdammt! Verdammt! Verdammt! Er konnte nicht jedes Mal so ausrasten, wenn dieses Thema aufkam! Es gab keinen Grund dazu! Pepper war sicher und Wohlbehalten im Tower. Es dauerte ein paar Minuten, bis er sich wieder beruhigt hatte.
Plötzlich wurde ihm eine Flasche Wasser ins Gesichtsfeld geschoben. U hatte seinen Zustand offenbar als bedrohlich wahrgenommen und versuchte dem nun Abhilfe zu schaffen. Wie auch immer das mit Wasser funktionieren sollte, aber die rollende Blechkiste meinte es ja nur gut. Also nahm Tony die Flasche entgegen und tätschelte den kleinen Roboter kurz zum Dank, so wie es Loki auch immer tat und wie er es nun gewohnt war. Dann fuhr U einmal im Kreis um ihn und Loki herum und sauste dann wieder von dannen.
„Also?“, fragte Tony, als wäre nichts gewesen und deutete mit dem Kopf in Richtung des Arbeitstisches. „Was meinst du?“
„Ich habe noch ein paar Anmerkungen, doch an sich, sieht der Entwurf bereits sehr akzeptabel aus.“, antwortete Loki und schien Gott sei Dank nicht in der Stimmung ihn auf seine kleine Panikattacke anzusprechen. Das hätte ihm jetzt noch gefehlt! Stattdessen hatte der Asgardier sich wieder dem Bildschirm zugewandt, die Berechnungen aufgerufen und fing an einiges darauf zu modifizieren.
Tony sah ihm eine Weile zu, wie er völlig nebensächlich wirkend mit den kompliziertesten Rechnungen herumhantierte. Der Anblick beruhigte ihn weiter. Wie selbstverständlich rief der Asgardier einige einzelne Teile auf und schob die einzelnen Komponenten herum, änderte einige Kleinigkeiten und speicherte den Entwurf dann ab. Tony machte sich diesbezüglich keine Gedanken. Wenn Loki etwas änderte, dann aus guten Gründen. Es war seltsam, als wie wenig beunruhigend er es empfand, dass jemand anderes an seiner Iron Man Rüstung herumhantierte. Erst recht, wenn man bedachte, für wen diese war. Natürlich könnte er mit einem Befehl jegliche Änderungen rückgängig machen und auf jeden Fall würde er sich ansehen, was Loki da gemacht hatte, aber er wusste auch gleichzeitig, dass das nicht passieren würde. Viel mehr würde er auf Lokis Veränderungen basierend seinen eigenen Feinschliff weiter aufbauen.
Seufzend erhob er sich von seinem Stuhl und lief zu seinem Schreibtisch, der weiter hinten an der Wand stand, wo normalerweise Pepper saß und an ihrem Laptop arbeitete, wenn sie hier war. Zugegeben, er hatte die meiste Zeit hier unten damit verbracht eine fliegende Festung für seine Freundin zu bauen, aber das war nicht alles, was er getan hatte.
Aus einer der Schreibtischschubladen zog er ein StarkPhone hervor. Es war modifiziert, wie auch jedes andere Handy seiner Freunde. Völlig abhörsicher, direkt mit Jarvis verbunden und mit deutlich mehr Rechenpower als irgendeines der gewöhnlichen Handys auf dem Markt. Tony hatte nicht anders gekonnt, als es in grün/gold zu designen. Und er hatte sich auch bereits die Freiheit genommen ein Gruppenfoto seiner Freunde als Sperrbildschirm einzustellen. Es war das gleiche Bild, wie auch Pepper es nutzte. Das gleiche Bild, welches jeder von ihnen nutzte. Die Avengers zusammen mit Pepper, Rhodey und Happy im Gemeinschaftsraum. Würde Loki es behalten? Tony kam nicht umhin zu bemerken, dass Thor, wie er da breit grinsend zwischen Steve und Nat in der Mitte saß, doch sehr auffällig war. Nicht, dass ihr muskelbepackter Donnergott nicht immer und überall sehr auffällig war…
Ob sie jemals ein solches Bild mit Loki aufnehmen würden, in dem auch Thor sein würde?
„Hier.“ Damit hielt Tony das Handy dem Asgardier entgegen. Dieser wandte den Blick von dem holographischen Bild der Rüstung MK 1616 ab und sah den Milliardär an. Etwas unschlüssig griff er nach dem Smartphone. Misstrauisch sah er es an.
„Es ist ein Handy, keine Handgranate.“, kommentierte Tony. „Nicht, dass eine Handgranate dir gefährlich werden könnte…“, fügte er dann noch hinzu.
Loki starrte auf den Sperrbildschirm, der aufgeflackert war, als er mit dem Daumen über den Touchscreen gestrichen hatte. Zu gerne würde er wissen, was seinem Freund da durch den Kopf ging, aber der verzog keine Miene. Er starrte einfach.
„Befürchtest du, Steve könnte sich weigern mir etwas auszurichten, wenn wir unterwegs sind?“, fragte Loki dann, klickte kurz auf den seitlichen Aus-Knopf und schickte das Gerät somit in den Standby, während er seinen Arm senkte und seine Aufmerksamkeit wieder auf den Milliardär richtete. Anscheinend wusste er zumindest in den Grundzügen damit umzugehen.
„Nun, so witzig der Gedanken auch ist, dass Steve sich einbilden könnte, mich von dir fernhalten zu können, ich bevorzuge es doch direkt mit der Person zu reden, die ich erreichen wollte. Auch ist es sicher keine schlechte Idee, wenn du eine Möglichkeit hast uns zu erreichen, wenn du alleine draußen bist.“, erklärte er kurz. Sie hatten nicht darüber gesprochen, aber Tony würde nicht von ihm verlangen im Tower zu sitzen, wenn keiner von ihnen Zeit hatte. Und so sehr Steve ihm auch nicht von der Seite wich, wenn eine Mission anstand, würde er sie nicht ablehnen. So sehr er SHIELD im Moment auch nicht mochte, er würde seine Hilfe nicht verweigern. „Außerdem…“, er trat direkt an Loki heran und zog ihm das Handy aus der Hand, entriegelte es und rief die Basisfunktionen auf. „Hier, das Icon.“ Er deutete auf das kleine Bild eines Auges. „Wenn du das deaktivierst, schaltest du deine Privatsphäre an. Das heißt, Jarvis wird dich nicht mehr orten können und du kannst machen was du willst und wo du willst, ohne dass jemand etwas davon erfährt.“
Loki sah aus, als wollte er sich mit der flachen Hand gegen die Stirn klatschen, als Tony ihm das erklärte. Aber das hatte wohl mal wieder etwas mit dem `Du-kannst-mir-nicht-trauen´-Blödsinn zu tun. Tony hatte beschlossen das komplett zu ignorieren. Loki konnte es ohnehin nicht erklären und übertrieb wahrscheinlich maßlos. Immerhin rollte er das Thema aber nicht erneut auf. Wahrscheinlich wollte er nicht schon wieder eine sinnlose Diskussion führen, in der Tony auf Trotz umschalten und nicht mit sich reden lassen würde.
Mit einem siegessicheren Grinsen auf den Lippen, drückte der Milliardär das Handy also wieder dem Asgardier in die Hand, der es wortlos entgegennahm.
„Wo du gerade hier bist, du hast auch noch keinen Zauber auf Sleipnir hinterlegt.“, sprach Tony das nächste Thema an. „Und ehrlich gesagt, hätte ich das gerne von meiner To-Do-Liste gestrichen.“ Er wusste, dass er einen solchen Zauber bereits auf Fenrir gesprochen hatte. Es war extrem interessant gewesen, als Steve ihm von dem zweiten Dolch erzählt hatte. Aus reiner Neugier hatte er versucht ihn anzufassen und war, wie erwartet, abgelehnt worden. Doch anders als bei Sleipnir, verbrannte Fenrir die Unwürdigen, anstatt ihnen einen Schlag zu versetzen. Aus Spaß hatte er es danach geschützt von seiner Rüstung versucht. Es hatte nicht lange gedauert, bis das Metall durchgeschmort gewesen war. Aber immerhin hatte er ihn ein paar Sekunden gehalten, bevor er danach seine Hand zwei Tage nicht hatte belasten können, weil seine Handinnenfläche mit riesigen Brandblasen bedeckt gewesen war. Zum Glück hatte er den Arm einfach von seiner Rüstung abwerfen können, denn die Hitze hatte sich ziemlich schnell weitergeleitet. Etwas länger und es wäre nicht nur bei Brandwunden an seiner Hand geblieben. Diese asgardischen Waffen waren anscheinend ziemlich strickt, was ihren Besitzer anging. Was würde wohl Sleipnir anstellen, wenn jemand anderes ihn anfassen würde und in einer Rüstung steckte? Immerhin hatte Thors Angriff mit seinem Donner seine Energie auf 400% hochgefahren. Würde Sleipnir sich im Gegensatz zu Fenrir vergeblich wehren?
Clint hatte ihn ausgelacht, Pepper hatte Loki verboten ihn zu heilen, damit er eine Lehre daraus ziehen konnte und interessanterweise war Bruce ebenfalls unwürdig. Anscheinend zählten Hulk und Bruce also zumindest für den Dolch nicht als ein und dieselbe Person. Was wohl passieren würde, wenn Bruce sich mit Sleipnir in der Hand in den Hulk verwandeln würde? So viele Fragen!
Ohne eine Antwort abzuwarten, entfernte Tony sich erneut und kramte den silbernen Dolch aus einem Stapel an Ersatzteilen hervor. Ursprünglich hatte er vorgehabt daraus etwas zu basteln um die Waffe an seiner Rüstung irgendwie zu befestigen. Dann war die Entführung dazwischengekommen und bis MK 1616 fertig wäre, würde er ohnehin nichts anderes machen.
Er hielt Sleipnir Loki hin, doch alles was dieser tat, war einmal der Länge nach mit Mittel- und Zeigefinger über das glänzende Metall zu streichen. Tony konnte ein paar neblig grüne Schwaden die kurz an der berührten Stelle hin und her tanzten und dann in den Dolch gesogen zu werden schienen, erkennen.
„Das war´s?“, wollte er schon fast enttäusch wissen.
Amüsiert grinste der Asgardier. „Mir war nicht klar, dass du unterhalten werden wolltest.“
„Wirklich?“, kam es von hinter ihnen skeptisch.
Überrascht drehte Tony sich in entsprechende Richtung. Natascha stand kaum zwei Meter von ihnen entfernt, Sweatpants und T-Shirt, verschwitzt, durcheinandergebrachte Haare, die ihr im Gesicht und am Hals klebten, barfuß und ein süffisantes Grinsen auf den Lippen.
„Mylady.“, begrüßte Loki sie ohne Umschweife mit einer Verbeugung, während Tony sich noch fragte, wie sie es geschafft hatte so leise diesen Raum zu betreten. Bloß weil sie sich geräuschlos bewegen konnte -und das konnte sie, eine Katze war nichts dagegen- machte das die Tür nicht plötzlich leiser. Oder?
„Ernsthaft? Sieht sie für dich in irgendeiner Form wie eine Lady aus?“, wollte Tony wissen.
„Es ist nicht das Äußere, das eine Lady ausmacht.“, erwiderte Loki.
„Nun, das Innere kannst du bei ihr auch nicht meinen.“, gab Tony zurück und trat einen Schritt nach hinten als er Nataschas angefressenen Blick auffing. Besser er stand nicht in ihrer Reichweite.
„Wäret Ihr mit ihm nicht bekannt, Lady Natascha, so würde ich ihn zum Schweigen bringen und mich für sein unflätiges Verhalten Euch gegenüber entschuldigen.“, wand der Asgardier sich an ihre Schwarze Witwe, die ihren stechenden Blick nun von Tony abwandte und ihn musterte.
„Und ich dachte, du beschützt mich vor ihr, wenn sie versucht mich umzubringen.“, beschwerte sich Tony beleidigt.
„Dummköpfe lernen am besten aus Erfahrung.“, antwortete Loki.
„Das wäre dann aber eine ziemlich endgültige Lektion.“, eschauffierte der Milliardär sich.
„Eine Entschuldigung ist nicht nötig, aber ich hätte nichts dagegen, wenn du ihn zum Schweigen bringst.“, sagte Natascha und wischte sich die Strähnen aus ihrem Gesicht heraus.
„Wow! Ist ja gut!“ Abwehrend hob Tony die Hände. „Ist ja nicht zu fassen, dass du dich mit ihr gegen mich verbündest. Nach allem, was ich für dich getan habe.“, dramatisierte er die Situation und unterstrich seine schwierige Gefühlslage mit ein paar ausschweifenden Gesten und halb erstickten Schluchzern, die jeglichen Rest an Ernsthaftigkeit über Bord gingen ließen. „Aber jetzt wirklich. Was willst du hier? Wolltest du dir mit Clint und Steve nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen?“, wollte er dann wissen.
„Ich bin hier, um mit Loki zu sprechen.“
„Und zwar ohne Steves Anwesenheit.“, fügte der Milliardär hinzu und lehnte sich gegen seinen Arbeitstisch, an dem die Pläne für MK 1616 weiterhin aufgerufen waren.
„Ja.“, bestätigte sie lediglich, als wäre es keine große Sache ihren Teamleader emotional zu erpressen, um ihn von seinem Freund wegzulocken und sich dann selbst davonzuschleichen um eben diesen zu verhören. Was hatte sie ihm erzählt, dass sie nach relativ kurzer Zeit hatte verschwinden können?
„Nun denn, was ist es, worüber Ihr mehr erfahren wollt, Mylady.“ Der Asgardier schien mit diesem Konzept keine Probleme zu haben. Und auch wenn Tony diese Situation Steve gegenüber vielleicht etwas unfair fand, so war Loki doch in bester Verfassung um mit Natascha klarzukommen.
„Steve.“, sagte sie knapp und betrachtete Loki dann einige Sekunden, in denen er sich nicht rührte. „Während ich diese Beziehung zwischen euch für eine bescheuerte Idee halte, kann ich dem nicht absprechen, dass es mir gefällt ihn so glücklich zu sehen. Er war lange genug allein. Jedoch hast du bewiesen, dass du inzwischen selbst für ihn unvorhergesehen gefährlich werden kannst. Das ist, ob nun Absicht oder nicht, inakzeptabel. Und Steve weigert sich das einzusehen.“
Tony wollte schon aufspringen und Einwände vorbringen, aber Loki gab ihm mit einer Geste zu verstehen, dass er den Mund halten sollte. Eher unglücklich darüber, biss der Milliardär sich auf die Zähne, verschränkte die Arme vor der Brust und hielt sich zurück. Das Thema war unfair. Dass es ein berechtigter Einwand war, interessierte den Milliardär momentan herzlich wenig.
„Außerdem wissen wir nicht, was sonst noch einen derartigen Ausbruch hervorbringen könnte. Wenn jemand anderes in der Nähe ist, könnte das ernsthafte Folgen für denjenigen haben. Du bist gefährlich.“, sprach sie weiter ohne auf Tony zu achten. Es war kein Wunder, dass sie Steve hier nicht dabeihaben wollte. Aber was genau wollte sie eigentlich? Dass Loki verschwand? Das konnte sie ja sowas von vergessen!
„Ich verstehe Eure Sorgen, Mylady. Während ich jedoch keinen Beweis offerieren kann, so kann ich euch wenigstens versprechen, dass ein solcher magischer Ausbruch sich nicht wiederholen wird.“, antwortete Loki höflich.
„Ich dachte, selbst du warst davon überrascht. Wie kannst du dir so sicher sein nicht wieder in eine Situation zu geraten, in der du Panik kriegst.“, hakte sie nach.
„Das kann ich nicht.“, stimmte Loki ihr zu. „Aber ich habe meine Magie weiter versiegelt. Ein unkontrollierter Ausbruch ist unmöglich.“, erklärte er und Tony konnte an Nataschas Gesicht erkennen, dass nicht nur er keine Ahnung hatte, was er mit dieser Aussage anfangen sollte.
„Okay, nehmen wir mal an, rein hypothetisch, du müsstest diese Aussage jemandem erklären, der von einem Planeten kommt, auf dem keine Magie existiert und Filme und Bücher, Sagen, Legenden das einzige sind, in denen sie vorkommt, was würdest du sagen?“, fragte Tony schließlich, als er sich sicher war, das ihn reines Überlegen nicht weiterbringen würde.
„Zunächst, dass Magie überall existiert und offenbar lediglich kein Allgemeinwissen ist.“, antwortete Loki mit einem Blick auf den Milliardär. „Und dann, dass es bedeutet, dass ich es mir schwieriger gemacht habe mein Seydr zu nutzen.“
„Wie?“, wollte Natascha nun wissen und zog sich einen Stuhl heran, um sich zu setzen.
„Zauber benötigen weit mehr als die bloße Anwesenheit von Seydr. Sie benötigen Wissen, Präzision, Aufmerksamkeit, Gesten und Worte unter anderem. Es greift alles ineinander und kann bei Mangel in einem Bereich über einen anderen kompensiert werden. Wenn die Kalkulation am Ende nicht stimmt, kann der Zauber nicht ausgeführt werden. Ich habe ein Siegel angebracht, das die Schwierigkeit jeglicher Zauber deutlich erhöht. Eine simple Trainingstechnik, jedoch in meinem Fall so anspruchsvoll gestaltet, dass ich in einer Paniksituation nicht mehr in der Lage sein werde die Unzulänglichkeiten die diese Situation mit sich bringt auszugleichen.“
Während Natascha aufmerksam zuhörte fragte Tony sich, ob das nicht eine ziemlich dämliche Idee war. Was wenn SHIELD oder Hawthorne irgendwie an ihn rankäme? Wäre es nicht wirklich bescheuert, wenn er sich dann wegen diesem dämlichen Siegel nicht wehren könnte.
„Was meinst du mit `weiter´ versiegelt?“, hörte er dann Natascha fragen. „Hast du das schon vorher getan?“
„Wenn ich das nicht getan hätte, hätte ich Tony schon vor Monaten unbeabsichtigt umgebracht.“
„Was?“, wollte der Milliardär irritiert wissen.
„Hast du dich nie gewundert, dass ich in meiner Panik nie meine Magie genutzt habe?“, erwiderte Loki etwas überrascht.
„Wir haben uns über so einiges gewundert. Unter anderem kam auch das Thema auf. Allerdings hatte ich mehr Bedenken bezüglich deiner Fäuste, wenn du um dich geschlagen hast.“
Loki rümpfte kurz die Nase. Offensichtlich unzufrieden mit dieser Antwort. „Ich sehe, einige Kampfstrategien gegen magische Wesen wären hier dringend angebracht.“
„Das sollten wir definitiv im Hinterkopf behalten, aber Tony spricht hier etwas Wichtiges an. Du brauchst deine Magie nicht, um gefährlich zu sein.“, mischte Natascha sich direkt wieder ein.
„Nun, meine körperliche Stärke wird zumindest noch einige Zeit für Steve keine Probleme darstellen. Aber ja, jeder andere sollte gebührenden Abstand halten, wenn mein geistiger Zustand instabil ist.“, antwortete Loki. So wie der Asgardier momentan aussah, war das leicht zu glauben. SHIELD hatte deutlich weitreichendere Folgen, als sie gedacht hatten. Nun ja, zumindest hatte Loki dafür gesorgt, dass sie das Problem unterschätzt hatten. Für einen Normalsterblichen wäre es dennoch unklug sich mit ihm anzulegen.
„Du sagst selbst, wir sollten dir nicht trauen. Wie könnte ich dir also in dieser Sache glauben?“, erwiderte Natascha.
Loki grinste. „Das solltet Ihr nicht, Mylady.“, sagte er. „Agent Barton hat bereits gesagt, was das richtige Prozedere hier wäre. Doch das schien jeden Bewohner des Towers außer Euch anzuwidern. Und mir selbst fehlen die Möglichkeiten Euch weitere Sicherheit zu geben.“
„Du widersprichst dir selbst.“, wies Nat ihn auf seine Ungereimtheiten hin.
„Moment!“, unterbrach Tony. „Redest du davon, dass Clint dich vergiftet irgendwo bewusstlos lagern wollte bis Thor sich mal wieder bequemt hier vorbeizuschauen?“ Allein die Erinnerung an diesen Vorschlag machte den Milliardär wieder wütend.
„Es wäre eine sichere Verwahrung meiner Person gewesen. Das Botulinumtoxin wirkt in der entsprechenden Konzentration äußerst zufriedenstellend.“
Tony spürte einen Schauer über seinen Rücken laufen, als Loki so unbeteiligt davon sprach. Als würde es ihm überhaupt nichts ausmachen. Als wäre es bedeutungslos, wenn sie ihn einfach wie einen Gegenstand irgendwo weggeräumt hätten, bis ihr Donnergott sein Eigentum abgeholt hätte. Es machte ihn wütend und besorgt gleichzeitig. Bruces Warnung bezüglich Lokis geistigen Gesundheitszustand schwirrte ihn wieder durch den Kopf.
„Es wundert mich ohnehin, dass er noch nicht wieder aufgetaucht ist.“, ergriff Natascha erneut das Wort. „Du bist hier bereits so lang. Er sagte, er hätte Möglichkeiten zu sehen, ob sich bei uns etwas tut. Ich hätte erwartet, dass er alles stehen und liegen lässt, um dich abzuholen.“
Kurz lachte der Asgardier auf, ein Lächeln blieb auf seinen Lippen zurück. „Heimdall.“, sagte er. „Er kann durch meinen Occultare nicht hindurchsehen. Asgard weiß nicht, dass ich hier bin.“
„Du warst zwei Wochen bewusstlos bei uns. Erzähl mir nicht, dass du in dem Zustand fähig warst etwas Derartiges zu bewerkstelligen!“ Tony war sich zwar nicht sicher, was genau ein Occultare war, aber der Name brachte ihn dazu zu glauben, dass es sich um irgendeinen Tarnungszauber handeln musste. Weshalb auch immer Asgardische Zauber lateinische Namen zu haben schienen.
„Es handelt sich um einen kontinuierlichen Zauber. Ich habe ihn lange vor meinem Angriff auf New York angebracht.“, erklärte der Asgardier.
„Aber Thor hat dich gefunden. Nach Stuttgart! Er wusste, dass du hier warst. Und zwar ziemlich genau wo. Er ist direkt auf unserem Jet gelandet!“, wiedersprach ihm Tony.
„Die Reise durch den Tesseract hat den Zauber durcheinandergebracht. Ich habe ihn danach überarbeitet, sodass ich sicher sein konnte, dass das nicht erneut passieren würde.“
„Soll das heißen, ohne diesen Zauber, hätte man dich bei SHIELD deutlich früher gefunden?“, schaltete sich Natascha nun wieder in das Gespräch ein und schien Loki dabei mit ihrem Blick fast zu durchbohren.
„Heimdall hätte gesehen, wo ich mich aufhalte.“, bestätigte der Asgardier.
„Das wäre dein Weg raus gewesen! Es wäre…“, regte Tony sich sofort auf und machte einen Schritt auf seinen Freund zu.
„Und wohin hätte es mich gebracht? Nach Asgard? Ich zöge es vor den Rest meines Lebens als Laborratte zuzubringen, als auch nur einen Fuß erneut auf diesen verfluchten Planeten zu setzen!“, zischte Loki ihm wütend entgegen. In seinem blassen Gesicht war nichts als Abscheu zu sehen.
„Ich habe gesehen, was sie dir angetan haben! Alles davon! Sie wollten dir ein Auge herausnehmen! Irgendwann hätten sie dich umgebracht, gewollt oder als Unfall bei einem ihrer kranken Experimente! Und niemand hätte je erfahren, was aus dir geworden ist!“ Wütend trat Tony noch einen Schritt auf ihn zu, sodass er nun in Reichweite war. Nur war ihm noch nicht klar, was er mit dieser Nähe anfangen wollte.
„Der Occultare hätte vorher versagt. Kurz bevor ich gestorben wäre, wäre er aus Mangel an Energie in sich zusammengefallen. Mit etwas Glück, wäre Asgard tatsächlich zu spät gekommen, um mich noch zu retten.“ Jetzt war der Asgardier wieder sachlich. Ganz so, als würden sie einfach über die Bewährung des Gebäudes sprechen. Es machte Tony, so wie immer, wenn sein Freund das tat, nur noch wütender.
„Das ist nicht dein Ernst! Das war dein großer Plan!?“, brüllte der Milliardär ihn an. Ohne nachzudenken packte er Loki an den Oberarmen und schüttelte ihn. Oder zumindest versuchte er das, denn der dürre Mann war stabiler als er aussah. „Du wolltest einfach sterben!?“
„Ich hatte keinen Plan. Nichts war noch von Bedeutung. Ich hatte alles zerstört. Und ab einem bestimmten Punkt, war ich ohnehin nicht mehr in der Lage den Occultare noch zu beeinflussen.“ Loki machte keinerlei Anstalten sich aus Tonys Griff zu befreien. Er erwiderte einfach völlig emotionslos den wütenden Blick.
„Du hast hier Bedeutung. Steve, Pepper, Bruce, ich! Scheiß auf Asgard! Bleib hier!“ Sämtliche Alarmglocken klingelten in Tonys Kopf. Das Gespräch mit Bruce war präsenter denn je. Loki hatte gerade zugegeben, dass er einen Ausweg nicht genutzt hatte, weil er nicht zurück nach Asgard wollte. In sein eigenes zu Hause! Lieber wäre er zu Tode gefoltert worden! Das war einfach nicht richtig! Was in aller Welt war nur so verkehrt gelaufen? Und es passte einfach nicht zusammen. Thor war niemand vor dem es gerechtfertigt gewesen wäre eine derartige Abscheu zu fühlen. Auch wenn der Milliardär zugeben musste Asgard selbst nicht zu kennen, so machten die Asgardier, die er kannte, nicht den Eindruck, dass ein derartiges Vorhaben auch nur ansatzweise gerechtfertigt gewesen wäre.
„Wenn es soweit ist, wird es nichts geben, dass Odin davon abhalten wird mich in sein Reich zu schaffen. Du solltest dir da keine Illusionen machen. Es ist nicht meine Entscheidung.“, holte Lokis monotone Stimme ihn gedanklich wieder zurück.
„Wir werden nicht einfach dastehen und zusehen wie du weggezerrt wirst! Wir werden…“, fing Tony an, wurde aber sofort unterbrochen.
„Doch, das wirst du, Tony! Es wäre töricht sich gegen Asgard aufzulehnen. Du hast keine Vorstellung davon, was da draußen lauert! Ihr könnt es euch nicht leisten Asgard als Verbündete zu verlieren! Und Midgard kann es sich nicht leisten dich zu verlieren. Mach dir nichts vor. Egal was du erfindest, egal wie gut du vorbereitet bist, du kannst Odin nicht besiegen. Wenn Asgard kommt, um mich zu holen, wird es euch zufallen Steve davon abzuhalten etwas Dummes zu tun. Ich brauche jemanden, der das tut. Ich bezweifle, dass reine Logik ihn davon abhalten würde einen Kampf zu führen, der nicht gewonnen werden kann.“, erklärte Loki nun wieder mit so etwas wie Emotionen in seiner Mimik und seiner Stimme. Es sah auch zu Natascha herüber - die Tony, wenn er ehrlich war, bereits vergessen hatte - als er davon sprach jemanden zu benötigen, der sich um ihren Supersoldaten kümmern würde. Die Agentin reagierte nicht, erwiderte Lokis Blick aber.
„Das kann ich nicht. Deine Logik ist totaler Mist!“, ergriff dann der Milliardär wieder das Wort. Er ließ Loki wieder los und trat einen Schritt zurück.
„Tony…“
„Hör auf damit! Ich lasse meine Freunde nicht im Stich!“, beharrte er und sah den dürren Asgardier vor sich trotzig an.
„Dann ist diese Rüstung Zeitverschwendung. Nichts wird die Lady Virginia schützen können. Bist du bereit ihr Leben achtlos wegzuwerfen, um einen Standpunkt zu vertreten, der nicht zu gewinnen ist?“, fragte Loki.
„Du bist ein Arsch, weißt du das?“
„Ich wurde schon schlimmer genannt. Weißt du, warum ich dir die Wahrheit sage? Warum ich nicht einfach tue, was ich am besten kann und dich anlüge? Behaupte, ich würde einfach kurz zurückkehren und meine Angelegenheiten zu klären? Dass eine Rückkehr nach Asgard lediglich eine kleine Formalität wäre, die nur von marginaler Bedeutung ist? Warum ich dir diese Entscheidung nicht erspare? Wie ich es ursprünglich vorhatte?“, sprach der Asgardier dann weiter. Es klang nun eher, als täte es ihm leid. „Weil ich meine eigenen Reaktionen nicht vorhersehen kann. Ich könnte in Panik verfallen. Und ich kann es nicht gebrauchen, wenn die Avengers daraufhin einen Krieg mit Asgard beginnen, der sie zerstören wird. Ich weiß es ist sinnlos mit Steve darüber zu sprechen. Aber du? Du siehst den Zusammenhang, das größere Bild. Die Konsequenzen. Ich werde mich jetzt zurückziehen und dich über meine Worte nachdenken lassen. Vielleicht schafft es mit etwas Zeit deine Intelligenz diesen kindischen Trotz zu durchdringen, der deine Sicht zu vernebeln scheint.“
Heftig atmend vor lauter Aufregung und mit Wut in seinem Magen lodernd, sah er zu, wie Loki sich umdrehte und in Richtung Ausgang ging. Langsam, ohne Eile und von Dum-E begleitet, welcher neben ihm her rollte wie ein treudoofer Hund und dafür auch noch Streicheleinheiten kassierte. Erst jetzt fiel ihm Natascha wieder auf, die ihn aufmerksam musterte. Er hatte vergessen, dass sie da war. Er war zu sehr damit beschäftigt gewesen Lokis Einwände zu ignorieren.
Er drehte sich wieder zu seinem Arbeitstisch um, an dem weiterhin das Hologramm von MK 1616 in der Luft schwebte. Eine fliegende Festung für den wichtigsten Menschen in seinem Leben.
Was wenn Loki Recht hatte? Würde Odin die Erde platt machen, wenn sie ihm Widerstand leisteten? Und was würde er seinem eigenen Sohn schon antun? Ihm auf Lebenszeit Hausarrest verpassen? Zugegeben, Lebenszeit bedeutete für Asgardier etwas anderes als für Menschen. Außerdem wusste der Göttervater wahrscheinlich auch noch nichts von den mildernden Umständen. Schließlich war es nicht Lokis freier Wille gewesen hierherzukommen und Manhattan in Schutt und Asche zu legen. Sicherlich würden sie mit ihm reden können und spätestens Thor würde er garantiert auch zuhören. Und Thor würde ihnen zuhören. Vielleicht würde es etwas Zeit brauchen. Vielleicht auch nicht. Tony konnte Odin nur schlecht einschätzen. Thor beschrieb ihn zwar als harten, aber gerechten König. Und auch wenn Loki nicht sein leiblicher Sohn war, so würde er mit Sicherheit mildernde Umstände willkommen heißen. Außerdem würde Thor niemals zulassen, dass seinem kleinen Bruder etwas angetan würde. Egal von wem.
„Du weißt, er hat recht.“, meldete Natascha sich zu Wort und riss ihn aus seinen Gedanken.
„Ist das so? Ist es Recht ihn für etwas büßen zu lassen, wofür er nicht verantwortlich war?“ Tony drehte sich ihr zu. Sie saß weiterhin auf ihrem Stuhl. Ruhig und gelassen.
„Und was ist mit dem, wofür er verantwortlich ist?“, fragte sie. „Du und Steve, ihr neigt dazu zu ignorieren, dass New York nicht unser erster Kontaktpunkt mit Loki war.“
Der Milliardär gab ein genervtes Geräusch von sich und wandte sich wieder seinem Bildschirm zu, auf dem er ein Diagramm vergrößerte.
„So wie jetzt gerade.“, kommentierte Natascha und erhob sich schließlich, als er sie weiter anschwieg. „Vergiss nicht, dass Asgard ein Recht darauf hat über ihn zu richten. Und vergiss nicht, dass sie wahrscheinlich deutlich bessere Möglichkeiten haben ihm zu helfen.“
Einen Moment lang sah sie ihn noch an, bevor sie sich umdrehte und ebenfalls den Workshop verließ, während Tony versuchte die Sinnhaftigkeit ihrer Worte zu verdrängen.
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