Choix de dames

GeschichteDrama, Familie / P16
Alea der Bescheidene Jean Méchant der Tambour Luzi das L OC (Own Character)
10.07.2018
05.01.2020
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Wie immer, zunächst ein paar 'langweilige' Vorwörter...

Jede reale Person, die in dieser Geschichte vorkommt, gehört sich selber. Ich habe absolut keine Recht an Saltatio Mortis und auch schöpfe ich keinen Gewinn aus dieser Fanfiktion. Sie ist reine Fiktion und dient lediglich zur Unterhaltung.
Jeder Fehler, ist mein Eigener. Ich habe keinen Betaleser...
Falls ihr welche findet, könnt ihr mir das natürlich gerne mitteilen. Auch so, würde ich mich über jeden Kommentar freuen. ^^
Updates gibt es (wenn es so läuft, wie geplant) wöchentlich.
Es könnte sein, dass im Laufe der Geschichte, die Altersfreigabe noch einmal geändert wird. Muss aber nicht. Es kommt darauf an, wie sich die Story entwickeln wird.

Ich glaube, dass war es fürs Erste...
Habt viel Freue beim Lesen! ^^
Viele, liebe Grüße,
Inkognito ^^
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Luzi und seine Begleiter waren müde von der langen Reise, aber dennoch zufrieden. Monate waren sie von Ort zu Ort gereist, hatten neue Lieder vorgetragen von denen einige von ihrem letzten Abenteuer und einem ganz bestimmten Mann vom Adel inspiriert worden waren, und hatten neue Eindrücke gesammelt. Und dennoch war es immer eine Freude dorthin zurückzukommen, wo man sie mit offenen Armen empfangen würde und wo die Familie residierte.
Ganz besonders freute sich der rothaarige Spielmann darauf, herauszufinden, wie es seiner liebsten Schwester, Maria, ergangen war. Als er sie verlassen hatte um seinem Beruf nachzukommen, war sie glücklich mit dem Grafen zusammen gewesen. Sie hatte in seinem Arm gestanden und ihnen mit einem Lächeln auf dem blassen Gesicht, zum Abschied zu gewunken. Sie schien wirklich glücklich gewesen zu sein und Alea, der damals auch noch die Hand seiner Tochter gehalten hatte, hatte ebenfalls gestrahlt und zufrieden gewirkt.

Es war ihm aber auch gegönnt, nach den schrecklichen Tagen und Nächten, die Abrax damals heimgesucht hatten, in Form des wahnsinnigen Arztes Wagner, dessen grausame und perverse Taten durch seine Gier nach Macht und sein Verlangen nach Rache genährt und angetrieben worden waren.
Doch diese Zeiten waren nun gänzlich vorbei. Friede und Freude hatte wieder Einzug in Abrax gehalten. Das Volk war wieder glücklich und musste nicht in ständiger Angst verharren. Und sie hatten bewiesen, dass sie ihrem Grafen auch weiterhin vertrauten und seinem Urteil Folge leisteten.
Natürlich hatte bis zu Luzis Abreise die Gerüchteküche heftig zu brodeln begonnen. Die Botschaft hatte sich schnell verbreitet, dass der Graf eine neue Tochter sein eigen nennen konnte und auch, dass er vermehrt mit einer einzigen Frau gesehen wurde. Nun fragte sich natürlich jeder Bürger, was von den zahlreichen Gerüchten, die teilweise unterschiedlichster Natur waren, denn stimmte. Die wichtigste Frage war jedoch, ob sie bald eine neue Gräfin begrüßen konnten.

„Es tut gut, wieder daheim zu sein“, kommentierte Jean, der den Gesichtsausdruck seines Kollegen deutlich gesehen hatte. Es war fast unmöglich für ihn, dies nicht zu bemerken, immerhin saßen sie im hölzernen Wagen gegenüber, während Till vorne saß und das Pferd, welches der Graf ihnen geschenkt hatte, lenkte. Sie war ein gutes und zuverlässiges Tier, die den kleinen Karren mitsamt drei Spielmännern und ihren Instrumenten und kleinen Habseligkeiten mit Leichtigkeit zog. Eine kräftige und brave Schimmelstute.
Als Alea sie ihnen präsentiert hatte, waren Till und Jean hin und weg gewesen und hatten das Tier begutachtet und gestreichelt. Luzi hingegen, wurde vom Grafen auf Seite genommen, der ihm dann leise: „Eigentlich hatte ich euch eine Eselsstute schenken wollen, doch Maria meinte, das wäre unangemessen“, ins Ohr geflüstert.
Luzi, der genau wusste, auf welches Gespräch der Graf hindeutete, hatte nicht an sich halten können und war in schallendes Gelächter ausgebrochen. Und auch wenn der Abschied, wie immer, schwer gefallen war, so war es doch ein kleiner Freudenschimmer gewesen.
„Oh ja. Ich kann es eigentlich kaum erwarten“, antwortete der Rotschopf auf den Kommentar des Halbfranzosen.

„Brrr Salome, brrr“, ertönte Tills Stimme und die Stute kam zum Stehen.
„Warum halten wir?“ Luzi klang ungehalten. Es war nicht mehr weit bis zu seiner Schwester und er sah keinen Grund dafür, jetzt nochmal eine Rast einzulegen.
„Weil ich das Bier wegbringen muss“, rief der Bouzouki Spieler und sprang fast schon elegant vom Kutschbock. Kaum hatten seine Füße den Boden berührt, sprintete er auch schon los ins nächste Gebüsch und ließ zwei amüsierte Spielmänner zurück.
„Unser Till… er ändert sich wohl nie“, nuschelte Jean.
„Soll er auch nicht“, beschloss Luzi und rutschte ein wenig auf seinem Hosenboden hin und her. Er mochte so lange Fahrten nicht, es sei denn er steuerte den Wagen, dann hielt er es um Einiges besser aus. „Aber beeilen soll er sich trotzdem.“
„Mhm“, brummte Jean und schon kam Till, scheinbar sehr erleichtert, wieder auf sie zu und setzte sich, als wäre nichts gewesen.
Luzi und Jean tauschten einen Blick, gerade als der Karren sich ruckartig in Bewegung setzte und sie ihren Weg fortsetzten. Nun dauerte es wirklich nicht mehr lange und die Vorfreude wuchs mit jedem Schritt, den ihre gute Salome tat.
„Nichts geht über zu Hause“, murmelte Luzi, auch wenn Spielmänner ja eigentlich auf der Straße wohnten. Aber Spielmänner verstanden sich in der Regel auch nicht so gut mit Edelmännern und Adligen. Sie waren wohl genauso die Ausnahme, wie Graf Alea selbst auch Eine war.
Aber das war dem Dreiergespann egal. Sie waren wild und frei und durften deswegen tun und lassen, was sie wollten. Zumindest wollten sie das gerne glauben.

„Da sind wir wieder!“ rief Luzi aus Leibeskräften als ENDLICH die vertrauten Tore ihrer Heimatstadt in Sicht kamen. Sie waren endlich zurückgekehrt und auch wenn er nun Jean aus dem Land der Träume gerissen und wahrscheinlich dessen Zorn nun auf sich genommen hatte, war es ihm der Aufschrei doch allemal wert gewesen.
„Man Luzi!“ rief Jean und tatsächlich, fast hätte er den Kleineren vom Wagen geschmissen, aber nur fast.
„Stell dich nicht so an und tu nicht so, als würdest du dich nicht auch freuen“, kam es frech von vorne. Till freute sich auch. Immerhin gab es da einen guten Freund der Kutscher war und wohl auf ihn wartete.
„Pff“, der Halbfranzose verschränkte die Arme vor der Brust. „Als ob.“
Doch man konnte es ihm ansehen, auch er war froh und erleichtert. Hier zu sein bedeutete wenigstens, dass sie sich für eine Weile keine Sorgen darum machen mussten, wo und wann sie denn die nächste Speise bekamen und wo sie nächtigen konnten. Hier klopften sie einfach beim Grafen an, so unglaublich das auch klang, und konnten sich ein wenig entspannen und erholen. Das hatten sie sich aber auch verdient, fand Luzi.
„Los jetzt Till, ich will meine Schwester sehen!“ und herausfinden, ob es ihr gut ergangen war und ob die Funken, die es zwischen ihr und dem Grafen gegeben hatte, nun zu einem Feuer der Liebe und Leidenschaft geworden war. Wünschen, würde er es ihnen.
„Ach bitte, du willst doch nur zum Grafen“, lachte Jean und wackelte anzüglich mit den Augenbrauen.
„Wenigstens wird ER sich freuen, mich zu sehen“, konterte Luzi.
Seit ihrem letzten Abenteuer hatten seine Kollegen es sich zur Aufgabe gemacht, sein doch recht eigensinniges Verhältnis zu dem Adligen als Grundlage für ihre Späße und Neckereien zu benutzen. Sie hatten es sogar anderen Spielleuten erzählt, die sie unterwegs getroffen hatten. Dabei waren sie zwar auf Skepsis, aber auch auf allgemeine Heiterkeit gestoßen. Und nun war Luzi inoffizieller König der Spielleute. Denn wer sonst konnte schon von sich behaupten, dass er einem Grafen ebenbürtig war? Oder diesem zumindest schon mal befehligt hatte.

Die Hufe ihres Zugtieres klapperten laut auf den Pflastersteinen, wie auch die hölzernen Räder ihres Transportmittels. Beschäftigte und arbeitende Leute sprangen ihnen aus dem Weg und winkten ihnen lächelnd und freudig zu. Man freute sich hier immer, wenn die Spielmänner zurückkamen. Es war eine mehr als angenehme Abwechslung. Denn für jede freudige und lächelnde Begrüßung, wurden sie anderswo davongejagt. So war das Leben als Vagabund und Rumtreiber. Aber sie wollten es ja so.
„Bilde ich mir das nur ein, oder sieht das Anwesen des Grafen anders aus, als beim letzten Mal?“ fragte Till, seine Augen waren auf das wohl auffälligste Gebäude in der Ortschaft gerichtet. Abgesehen von der höheren Kirche vielleicht noch.
„Nee… du hast recht“, meinte Luzi überrascht.
Es stimmte, das Anwesen hatte sich verändert und damit meinte er nicht die Figuren, die aus den Hecken geschnitten worden waren. Das Gebäude an sich sah anders aus.
Die düsteren und teilweise bedrohlich wirkenden Figuren und Wasserspeier waren durch wesentlich freundlichere Tiere ersetzt worden. Wo vorher Fratzen hingen, stieg nun zum Beispiel ein Vogel in die Lüfte. Auch gab es nun einen Torbogen aus Eisen, auf dem das Wappen des Grafen prangte, was man außerdem auch über den Eingang an die Hauswand angebracht hatte.
Alles in Allem, sah es weitaus prunkvoller aus und vielleicht auch ein wenig angeberisch. Es passte eigentlich nicht zu dem Grafen, den die drei Spielmänner kennengelernt hatten.

Till brachte Salome schließlich zum Stehen und hüpfte von dem Kutschbock auf den harten Boden. Luzi und Jean taten es ihm gleich. Durch den Torbogen würden sie gehen, so konnte man sich auch besser umsehen.
Die Wachen hatten sie bereits gesehen und herein gewunken und sie ließen sich das auch nicht zweimal sagen, sondern betraten nun die privaten Ländereien des Grafen, wobei sie sich umschauten, ob sie nicht ein bekanntes Gesicht erblickten. Und wie es der Zufall so wollte, war es El Silbador der pfeifend um die Hausecke bog und bei ihrem Anblick erstarrte.
Dann rief er ein lautes: „Till!“ und kam freudestrahlend auf sie zugerannt, wobei er den besagten Lockenkopf fast von den Füßen riss, durch seine stürmische Umarmung.
Till lachte. „Elsi! Lange ist es her. Wie ist es dir ergangen?“
„Sehr gut. Der Graf hat mich damit beauftragt, mich auch um sein Pferd zu kümmern, wenn ich mich nicht mit den Kutschen befasse jedenfalls. Ich bekomme dafür sogar mehr Lohn“, er strahlte. „Aber erzähl, was habt ihr erlebt? Wo seid ihr überall gewesen und wen habt ihr Alles getroffen?“
„Ruhig, mein Freund. Lade mich doch zu einem oder zwei Humpen ein und ich erzähle dir gerne von unserer Reise.“
„Das brauche ich gar nicht. Graf Alea verköstigt euch auch so“, grinste der langhaarige Kutscher und drehte sich schon zum Anwesen um. Er packte den amüsierten Till am Handgelenk und schleifte ihn hinter sich her. „Lasst euren Karren da stehen, es wird sich gleich darum und um das Pferd gekümmert“, rief er noch über die Schulter.
Die zurückgebliebenen Spielmänner sahen sich an, zuckten mit den Schultern und beschlossen dann, ebenfalls einzutreten. Vielleicht, wenn sie Glück hatten, hatte die Küche noch die Reste vom Essen übrig und sie konnten sich bedienen. Auch, wenn sie dafür eigentlich schon ein wenig zu spät waren, aber hoffen, konnte man immer.

„Luzi!“ schrie eine weibliche Stimme voller Entzückung.
Überrascht wandte der Spielmann sich zu der großen Treppe, auf deren Podest eine rothaarige Frau in einem weiß-roten Kleid stand und ihn anlächelte. „Maria?“ fragte er entgeistert. Das Grinsen der Maid wurde noch ein wenig breiter und nun erkannte er seine kleine Schwester, die unglaublich hübsch aussah, in den hellen Farben. Sonst hatte sie immer dunkle Kleidung getragen, die weder sie, noch ihre Figur und Kurven gut zur Geltung gestellt hatten. Aber nun, wirkte sie wie eine anmutige Fee. Das Material für eine Gräfin, wie der rothaarige Dudelsackspieler feststellen musste.
„Wieso habt ihr denn nicht gesagt, dass ihr auf dem Heimweg seid? Wir hätten euch gebührend empfangen und ein Empfangsmahl auf den Tisch gezaubert. So müsst ihr nun leider warten, bis es fertig ist.“
„Wir werden es überleben“, nuschelte Jean, während die Maid mit zügigen doch sicheren Schritten die Treppe hinuntereilte, um von ihrem Bruder fest in den Arm genommen zu werden.
„Maria“, murmelte der Spielmann in ihre Haare. Er hatte sie so sehr vermisst, die einzige Frau, die ihn ein wenig zügeln und bändigen konnte und die er wirklich und mit ganzem Herzen liebte.
„Bruder“, erwiderte sie aus Gewohnheit und drückte einen sanften Kuss auf seine Wange. „Es tut gut, dich wieder zu sehen.“
„Ebenso. Sag an, wie ist es dir ergangen?“ Till und Elsi waren inzwischen in Richtung Küche verschwunden und Jean hatte seine Aufmerksamkeit der putzenden Bediensteten gewidmet, die ihm immer wieder verstohlene Blicke zuwarf und ihn offensichtlich anschmachtete. Ob es mehr zwischen ihnen werden würde als eine Nacht, war jedoch fraglich. Denn der Halbfranzose war bis heute nicht über den Tod seiner Verlobten hinweggekommen.
„Ach Luzi, er ist so wundervoll.“ Der Spielmann brauchte gar nicht nachfragen, wen sie denn eigentlich meinte. „Er hört mir zu, egal was ich zu sagen habe. Er ist so einfühlsam und romantisch und…“ sie seufzte und schaute wirklich verträumt drein.
Der Rotschopf wusste in just diesem Moment nicht, ob er sich freuen, oder ob er lieber besorgt sein sollte. Er hatte schon so einige Frauenzimmer in diesem verliebten Zustand gesehen. Dieser Zustand machte sie blind für die Realität und auch wenn er glaubte, dass der Graf seiner Schwester nie ein Leid antun würde, so sorgte er sich dennoch um sie. Aber das war ja auch seine Aufgabe, als älterer Bruder.
„Du scheinst den Grafen wirklich in dein Herz geschlossen zu haben.“
„Oh ja. Es ist mir ein Rätsel was er in mir, einer einfachen Bürgerlichen, sieht. Doch er bringt mich zum Lachen und sieh, was er mir geschenkt hat.“ Sie entfernte sich aus der Umarmung und breitete die Arme aus, bevor sie sich langsam um die eigene Achse drehte.
Eigentlich war es Luzi klar gewesen, dass das Kleid und die fein gearbeitete Halskette, die ein wenig an einen Schmetterling erinnerte, Geschenke des Adligen sein mussten. Alea bereitete ihr also wirklich den Hof. Ob er es wirklich ernst meinte? Es schien fast so. „Du siehst wunderschön aus“, sagte er einfach nur. Es war die Wahrheit. Nichts, als die reine Wahrheit.
Ein wenig errötete die Rothaarige. „Das hat Alea heute Morgen auch gesagt“, flüsterte sie verlegen und ihre Wangen färbten sich zwei Nuancen dunkler.
Nun musste Luzi schmunzeln. Seine Halbschwester war Hals über Kopf verliebt. Hoffentlich empfand Alea auch dasselbe für sie. Wenn er es nicht tat und nur mit ihr spielte, oder sie verletzte, dann würde er den kleinen Spielmann aber mal so richtig kennenlernen. „Wo ist der Graf eigentlich?“
„Oh“, mit einem Mal stellte sie sich gerade hin, „er ist mit einem Geschäftspartner ausgeritten, der die Handelswege nach Abrax sehen wollte. Doch er wollte zum Mittagsmahl wieder daheim sein.“
„Das dauert ja nicht mehr lange“, mischte sich Jean nun in das Gespräch ein. Scheinbar hatte die Bedienstete doch nicht seinen Geschmack getroffen. Oder aber ihm war einfach nicht wohl bei dem Gedanken eine Angestellte des Grafen zu verführen und sie somit von ihrer Arbeit abzuhalten.
„Ich hoffe nicht.“

Wie aufs Stichwort hallten mehrere Paare von Hufen auf dem Steinboden vor dem Herrenhaus und mehrere Männerstimmen drangen an ihre Ohren. Luzi griff die Hand seiner Schwester und trat hinaus, gerade rechtzeitig, wie es schien. Denn es war in eben jenem Moment, dass Alea Canto von Rabtal mit seinem starken, schwarzen Hengst auf den Hof geritten kam.
Er saß gerade im Sattel, mit einer gewissen Anmut, die die anderen Männer nicht besaßen. Doch sein Gesicht zeigte seine Unzufriedenheit, die nur noch dadurch verdeutlicht wurde, dass er von seinem Rappen stieg und ohne ein weiteres Wort an seinen Reitpartnern vorbei schritt.
Mittlerweile war auch Elsi aus dem Gebäude geeilt und nahm den stattlichen Hengst des Braunhaarigen an den Zügeln und führte ihn zum Stall, um sich um das Tier zu kümmern.

Auf den ersten Stufen hielt der Graf inne, blickte verwirrt auf Luzi, schien seine und Jeans Anwesenheit dann aber einfach hinzunehmen und zu akzeptieren, denn schon erklomm er die Stufen weiter.
„Alea“, hauchte Maria und sie entriss sich Luzis Hand.
„Mein Juwel“, begrüßte Alea die Kleinere. Es lag auch wieder ein Lächeln auf seinen bärtigen Zügen, als die Rothaarige sich in seine Arme begab und ihren Kopf auf seine Brust bettete.
„Graf“, räusperte sich ein älterer Mann mit grauen Haaren hinter dem Adligen, dessen Miene sich sofort verdunkelte.
„Was wollt Ihr noch hier, Arno? Ihr habt Euren Standpunkt und Eure Meinung mehr als deutlich kundgetan und ich habe Euch meine Seite präsentiert.“
„Seid doch vernünftig, mein Graf.“
„Dies hat absolut Nichts mit Vernunft zu tun. Ihr vergesst, dass IHR es seid, dessen Existenz abhängig ist von diesem Handel“, er drehte sich nun seitlich zu dem anderen Mann, wobei sein Arm weiterhin Maria umschlang.
„Ihr tut beinahe so, als würdet Ihr keinen beachtlichen Profit eintragen.“ Dieser Arno war sichtlich abgeneigt von der Haltung des Grafen. „Euer Vater…“
„Mein Vater ist ein toter Mann und wenn Ihr Euch nicht mit der schwarzen Kunst der Nekromantie auskennt, würde ich Euch raten, dass Ihr derlei Kommentare untersagt. Tote können nicht reden und wir werden NIE erfahren, was mein Vater statt meiner getan und entschieden hätte. Und nun geht, dieses Gespräch ist beendet.“ Er wollte sich wieder zum Gehen abwenden, doch Arno war nun ebenfalls die Stufen heraufgeeilt.
„Aber Herr…“
„Genug! Es mag sein, dass Ihr über genug Zeit verfügt, den lieben langen Tag durch fremde Ländereien zu reiten. ICH habe diese Zeit nicht. Und nun entschuldigt mich, ich habe Gäste.“

Der ältere Mann war sichtlich schockiert davon, dass man ihn gerade hinausgeworfen und auch seinem Platz zugewiesen hatte. Niemand und das schloss dieses Mal sogar Luzi mit ein, hatte ein Recht darauf Aleas Vater gegen ihn zu verwenden. Es war ein empfindliches Thema für den Grafen, wie auch seine erste Tochter.
„Papa!“ rief plötzlich eine kindliche Stimme, „du bist wieder da.“
Ein Lächeln zierte von Neuem das Gesicht des Ziegenbärtigen, während Victoria auf ihn zugerannt kam. Sie war viel gewachsen, stellte Luzi fest. Alea nahm seine Tochter auf den rechten Arm, seinen Linken hielt er Maria hin, die diesen auch sofort ergriff und gemeinsam betraten sie das Anwesen. Dicht gefolgt von Luzi und seinen beiden Spielmannskollegen.
„Wieso erstaunt es mich nicht, dass ihr den Weg hierher gerade jetzt wiedergefunden habt?“ ein Grinsen war in seiner Stimme zu hören, auch wenn die Spielleute sein Gesicht nicht sehen konnten.
„Wir hatten Sehnsucht“, antwortete Jean sofort.
„Und Hunger“, lachte Till, „beziehungsweise Durst.“
„Also ICH wollte nur meine Schwester wiedersehen“, grinste Luzi.
„Bitte? Das ist nicht die Version, die wir kennen“, sprang der Halbfranzose seinem Kollegen ins Wort. Außerdem sprach er den nächsten Teil in einer hohen Stimme und tat so, als wäre er eine Jungfrau, die ihren Traummann erblickt hatte. „Ah, wisst ihr noch? Der Graf hier und der Graf da. Er hat dies gesagt und jenes und dann hat er mich so angesehen und hach… ist er nicht ein Traum? Könnte ich ihn nur wieder sehen und würde er mich noch einmal in seinen starken Armen halten, wie damals im Mondschein...“ Er seufzte theatralisch und wedelte sich mit der rechten Hand Luft zu.
Da Alea inzwischen stehengeblieben war und seine Tochter wieder abgesetzt hatte, die sofort ins obere Stockwerk rannte, hatte er das Schauspiel interessiert mit ansehen können. Er kämpfte sichtlich mit sich selber, wobei nicht klar war, ob er nun loslachen, oder seinen Kopf an die nächste Wand schlagen würde. Er schien beide Optionen genauestens in Erwägung zu ziehen, bevor er dann den Mund aufmachte: „Tatsächlich erinnert mich das an ein… Treffen mit einem Grafen aus einem anderen Teil des Landes.“
„Oh?“ die Spielmänner waren hellhörig geworden, besonders Luzi, der hoffte, von sich ablenken zu können. Es stimmte nämlich, dass er den Leuten, denen sie auf ihrer Reise begegnet waren, so Einiges über den Grafen erzählt hatte. Nur gute Sachen, natürlich. Aber dennoch. Ihm war es peinlich als verliebte Maid dargestellt zu werden.
„Er war der Meinung gewesen, dass eine Heirat seine Provinz, wie auch die meines Vaters, stärken würde und bat meinen Vater also um die Hand seiner ‚überaus reizenden und sehr wohl erzogenen Tochter‘.“
„Ich dachte, du hättest keine Geschwister“, murmelte Maria. Ihre Stirn war in Falten gelegt. Sie dachte angestrengt über das Gesagte nach.
„Nun, die habe ich auch nicht. Und ich hatte auch nie Welche.“
„Aber… wie?“ sie hatte es immer noch nicht verstanden. Doch dann weiteten sich ihre grünen Augen und sie schaute den Mann an ihrer Seite erschrocken an. „Er meinte doch nicht etwa...?“
„Oh doch“, Alea nickte einmal und zog eine Grimasse. Auch wenn dies sich eigentlich nicht schickte. „Besagtes Weibsbild war Niemand Anderes als ich selbst.“
„Und wie hat Euer Vater darauf reagiert?“ wollte Till wissen.
„Er fand es höchst amüsant und hielt es nicht für nötig, den anderen Grafen in seiner Vermutung zu verbessern. Dies war übrigens auch der Zeitpunkt, an dem ich mich dafür entschieden habe, einen Bart zu tragen.“ Er strich sich über besagten Bart und sein Blick forderte die drei Spielmänner geradezu dazu auf, Etwas darüber zu sagen.
„Wie alt wart Ihr?“ wollte Jean wissen.
„Alt genug um zu wissen, dass er versuchte mich zu betören und zu verführen und dass ich mehr als abgeneigt gegenüber dieser… Bemühungen war. Doch zu jung, um mich der gesamten Lage vollends bewusst zu sein.“
„Was?“ Till kam nicht mehr mit. Er war dieses höfliche drum herum Gerede des Adels nicht gewöhnt und mochte es auch nicht.
„Er war über alle Maße beleidigt und gekränkt, als ich seine Umwerbungsversuche höflich aber bestimmend abgelehnt hatte UND als ich ihm erklärte, dass ich keine ‚liebreizende Maid‘  bin.“
„Ich dachte“, schaltete Luzi sich wieder ein, „dass Liebe zwischen zwei Männern eine Sünde ist.“
„Oh, das ist sie auch“, Aleas Augen funkelten. „Aber wo kein Kläger, da kein Richter.“
„Hm…“
„Siehst du Luzi, du hast doch noch Hoffnung. Vorausgesetzt du kannst damit Leben, deiner Schwester ihren Zukünftigen zu stehlen“, lachte der Halbfranzose.
„Jean… bitte“, der Mann von Adel sah tatsächlich recht verzweifelt aus in just diesem Moment.
„Wie?“ Der Rotschopf wusste, dass man Feuer am besten mit Feuer bekämpfen konnte. „Willst du etwa andeuten, dass du rein gar nichts für mich empfindest? Bin ich deine Zuneigung nicht wert? Oh Alea! Du brichst mir das Herz!“ er schluchzte übertrieben und verbarg sein Gesicht in seinen Händen. Wobei er das eigentlich nur tat, damit Alea sein schelmisches Grinsen nicht sah.
Von jeder Seite schlang sich je ein Arm um seine Schultern. „Seht was Ihr nun angerichtet habt!“ der schwarzhaarige Spielmann klang sehr enttäuscht.
„Wie könnt Ihr so einer armen Seele, nur so ein Leid zufügen?“ Till schüttelte enttäuscht den Kopf.
„Warum“, begann der Graf, „stellt sich eigentlich Jeder gegen mich? Womit habe ich das verdient?“
„Ich stelle mich nicht gegen dich“, Maria, die Verräterin, hatte nun das Wort ergriffen.
„Wenigstens du bist mir treu, meine Liebste“, er schenkte ihr ein Lächeln.
„Maria?! Wie kannst du nur?“ schluchzte Luzi weiter. „Meine eigene Schwester. Interessiert es dich denn gar nicht, dass diesem Mann mein Herz gehört?“
„Bei unserem letzten Treffen gehörte dein Herz noch einer Flasche Met“, grummelte die Rothaarige.
„Ach ja!“ und schon war es vorbei mit dem schlechten Schauspiel und Luzi blickte wieder mit einem Grinsen zu dem ungläubig dreinblickenden Grafen. „Doch, da bevorzuge ich den Met. Der lässt Einen wenigstens die Sorgen vergessen.“
„Wenn man genug davon hat“, der Graf wirkte todernst.
„Wohl wahr“, bestätigte der Lockenkopf. „Wenn wir nur wüssten, wo wir Welchen herbekommen könnten.“
„Da kann ich euch leider auch nicht bei weiterhelfen. Ich wünsche euch viel Glück beim Suchen“, Alea wandte sich zu Maria, „Ich habe dir ein gemeinsames Mahl versprochen, wenn ich mich recht entsinne… wollen wir?“
„Liebend gern!“ lächelte Maria verliebt und nahm erneut den angebotenen Arm. Der Graf führte sie zum Speisesaal.
„Willst du uns nun wirklich einfach so stehen lassen?“ rief Luzi entrüstet. Es war schon etwas Besonderes, den Grafen, wie einen Freund anreden zu können. Das tat er dementsprechend auch nur, im engsten Familienkreis und wenn sie nicht an der Öffentlichkeit waren.
Tatsächlich blieb der Edelmann von Neuem stehen und sah mit hochgezogener Augenbraue über seine Schulter. „Natürlich nicht“, sagte er schließlich, „ich möchte schließlich nicht die gänzliche Schuld tragen, dass das Herz einer ‚armen Seele‘ weiterhin zerbrochen wird. Kommt, die Küche wird euch Etwas zubereiten und ich lasse die Gästezimmer beziehen. Ihr müsst erschöpft von eurer Reise sein.“
„Hört, hört!“ jubelte Till begeistert.
„Ein Hoch auf den Grafen“, pflichtete Jean ihm bei. „Und natürlich auf den Spielmannskönig.“ Er schenkte Luzi einen heimtückischen Blick.
„Spielmannskönig?“
„Das, mein verehrter Graf, ist eine Geschichte zu einem guten Met.“ Jean war voll in seinem Element und Luzi konnte nur ein wenig verzweifelt die Augen verdrehen und seinen verrückten Kollegen folgen. Eine andere Wahl hatte er sowieso nicht.

Elsi betrat in diesem Moment den Eingangsbereich und seine Augen kamen sofort auf Till zum Liegen. Er machte bereits einen Schritt nach vorne, doch dann stockte er und sein Blick huschte zum Grafen.
Dieser zog erneut eine Augenbraue hoch und schaute zwischen seinem Kutscher und dem Spielmann hin und her.
„Elsi, wollt Ihr uns nicht Gesellschaft leisten?“ rief er, zur Überraschung Aller und winkte den jüngeren Mann herbei. Dieser zögerte noch einen kurzen Moment, doch dann gesellte er sich zu ihnen. Wobei er sich, wie sollte es auch anders sein, an Tills Fersen heftete und er nahm auch am Tisch neben dem Lockenkopf Platz.
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