Anne

GeschichteAllgemein / P12
09.07.2018
05.08.2018
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<Disclaimer : Alle verwendeten Figuren außer die von mir hinzugefügten gehören selbstverständlich Lucy Maus Montgomery, ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld, sie soll lediglich der Unterhaltung dienen. <

Was ist eigentlich rot?

Die Kutsche hielt an. Endlich! Lange hätte ich das ewige Geschaukel nicht mehr ausgehalten. Mein Magen rebellierte immer noch und ich entlohnte den Kutscher schnell, damit das Teufelsgerät endlich wegfuhr.
Nachdenklich schaute ich der Kutsche hinterher, die nun wieder in Richtung Bahnhof fuhr.
Wenn der Weg bis Avonlea nicht so weit gewesen wäre, wäre ich vermutlich sogar lieber gelaufen.

Und...ja, wenn meine Tante nicht gestorben wäre, wäre ich vermutlich auch nicht hier.
Eine Tante, die ich nur aus Erzählungen und frühesten Kindheitserinnerungen kannte.
Und nun war ich alleiniger Erbe ihres Vermögens.
Ich hatte nicht vorgehabt zu kommen, aber der Notar hatte darauf gedrängt und ich musste zu meinem Leidwesen zugeben, dass ich sehr daran interessiert war Avonlea, als den schönsten Ort meiner Kindheit, wiederzusehen.
Ja das klingt grausam,  ich weiß. Das ich nach dem Tod meiner letzten Verwandten , mich mehr für ihre Umgebung interessiere, als für sie.
Aber wisst ihr, als ich das letzte mal an diesen Ort war, war mein Leben wunderschön. Ich hatte einen Vater, der mit mir spielte, eine Mutter die für uns kochte und mich tröstete wenn ich hingefallen war, ich hatte eine kleine Schwester...

Nun, jedenfalls wollte ich diesen Ort, nunmehr zwanzig Jahre später, sehen, wollte den See besuchen an dem ich als Kind gespielt habe, den kleinen verwunschenen Garten der Hester Gray sehen, zur Kirche gehen, deren bunte Fenster im Sonnenlicht glitzern.
Aber das war es eben.
Trübe schwere Wolken hingen über Avonlea, ein kalter Wind wehte und die ersten Regentropfen hingen schon in der Luft.
Vom Sonnenlicht fehlte jede Spur.
Fröstelnd zog ich meinen dünnen Mantel enger um mich und drehte mich um, sodass
mein Blick nun auf das Dorf und nicht mehr auf die davonfahrende Kutsche gerichtet war.
Dort lag er. Der See war in schales  graugrünes  Licht  getaucht und lag fast unbewegt da.
Dieser hatte nichts mehr mit dem blauen, glitzernden, wunderschönem See meiner Kindheit zu tun.
Und dort! Der Wald lag Dunkelgrün und undurchdringlich hinter dem See und sah längst nicht so geheimnisvoll aus wie ich ihn in Erinnerung hatte.
Schnell wandte ich meinen Blick wieder ab und richtete ihn auf die Straße.
Ich würde nun zum Haus meiner Tante gehen, dort das vermaledeite Dokument unterschreiben und dann schleunigst mit der nächsten Kutsche zum Bahnhof.
Im Zug würde ich die Anblicke wieder vergessen, die alten hervorrkramen und in Ehren halten!
Ja, das würde wohl das beste sein!
So lief ich los um meinen Plan umzusetzen.  

Eine gute Stunde später verließ ich das Haus.
Endlich! Das hatte länger gedauert als erwartet, wenn ich mich beeilte würde ich noch eine Kutsche erwischen!
Ich wollte schon loseilen, als eine bestimmte Person meine Aufmerksamkeit erhaschte.
Sie war groß, rothaarig, schlank und das Gesicht war mit Sommersprossen nur so übersät, doch das alles war nicht das Beeindruckende.
Der Grund warum sie mir sofort aufgefallen war, war die Tatsache, dass es mir schien als ob durch ihre bloße Anwesenheit die Straße erhellt werden würde.
Sie lächelte, viel zu breit als das es für einen Regentag angemessen war, befand ich. Sie ging schwungvollen Schrittes und schwang ihren Korb im Takt ihrer Schritte mit sich, schenkte jedem an dem sie vorbei kam ein strahlendes Lächeln und blieb hier und da stehen um ein kurzes Gespräch zu führen.
Die Menschen in ihrer Umgebung richteten sich unwillkürlich auf und gingen mit einem Lächeln weiter.
Sie war wie Avonleas persönliche Sonne, sobald sie schien, erhellte sie alles.
Als sie an mir vorbeiging dachte ich nicht weiter nach, sondern ging einfach auf sie zu.
"Entschuldigung?" Sie drehte sich um "Verzeihen Sie mir bitte, aber dürfte ich Sie nach ihrem Namen fragen?"
Sie lachte auf: " Oh, aber natürlich dürfen Sie fragen, allerdings müssen Sie dann damit leben, nicht zu wissen ob ich die Wahrheit sage." Ich schaute sie verdutzt an" Wie meinen Sie das?" " Nun Menschen flunkern doch andauernd und abgesehen davon, klingt mein Name nicht besonders edel." Ich musste unwillkürlich lächeln, ihre Ansichten waren interessant und durchaus hörenswert. " Wie nennen ihre Freunde sie denn?"
" Anne, aber bitte mit  >e <"
" Also gut Anne , das mag jetzt komisch klingen, aber können Sie mir den Grund für ihre Heiterkeit nennen?"
" Sicher doch! Ich kann vieles: kochen, backen, nähen, sticken, Aufsätze schreiben, lehren, da sollte doch der Grund für meine Heiterkeit leicht zu finden sein"
Anne grinste mich verschmitzt an, doch ich konnte sie einfach nur perplex anstarren, aber es schien als sei eine Antwort meinerseits auch gar nicht nötig, denn sie redete schon weiter:
" Ich bin Heiter, weil ich keinen Grund sehe es nicht zu sein; die Chancen stehen gut das die Schneekönigin bald etwas Wasser bekommt und auch für meine Rosen sieht es gut aus.
Der See und der Wald sehen so dunkel und geheimnisvoll aus, das ich sofort Lust bekomme nach den Waldfeen zu suchen. Ich habe gerade wunderschöne Äpfel gekauft und als ich heute morgen in den Spiegel schaute sahen meine Haare nicht ganz so rot aus."
Bei ihrem letzten Satz musste ich unwillkürlich lachen und bevor ich darüber nachdenken konnte war mir ein " nicht ganz so rot?" entwichen, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Haare noch röter als ihre sein konnten. Kurz hatte ich Angst das sie jetzt beleidigt sein könnte, aber sie lächelte mich nur an " Ist das nicht alles eine Interpretationsfrage? Und was ist eigentlich rot? Bei den einen fängt das bei dunkelorange, bei den anderen erst bei Bordeaux an."
Mit diesen Worten drehte sie sich um, wank mir noch einmal zu und tanzte davon.
Ich schaute ihr nachdenklich hinterher.
Ja , was war eigentlich rot und was war schön?
Wenn ich den See so betrachtete, wirkte dieser wirklich sehr mystisch und als mein Blick auf den Wald fiel, beschloss ich nachzusehen ob in Hester Grays Garten Waldfeen lebten.


Und? Wie findet ihr es?
Ich hoffe es war nicht allzu schlimm, dass es seit dem Vorwort eine Weile gedauert hat bis dieses Kapitel fertig war.
In Schnellschreiben muss ich mich wirklich noch üben und ich habe eine Weile gebraucht bis ich mit dem Kapitel zufrieden war.
Ich hoffe es ist nicht zu albern oder zu melancholisch geworden.
Einen wunderschönen Montag wünsche ich euch noch!
Rose♡
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