Endlich Frieden?

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Erestor Glorfindel
08.07.2018
03.12.2019
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Inzwischen sorgte sich Maedhros doch sehr um seinen besten Freund. Fingon hustete inzwischen immer öfters und wirkte sehr schwach. Auch jetzt, wo er den Becher mit dem Wasser in die Hände nahm, zitterte er stark. „Warum legst du dich nicht hin, Fing?“ Fingon entgegnete auch nichts mehr, sondern legte sich wirklich hin. Maedhros wunderte sich darüber sehr, dass der Dunkelhaarige nicht mit ihm diskutiert hatte. Doch zeigte es ihm auch, dass es dem Dunkelhaarigen sehr schlecht gehen musste. Maglor, der bisher schweigend dagesessen hatte, runzelte ebenfalls die Stirn. Fingon wirkte so erschöpft, so müde. „Was hat er nur, Magli?“ „Jetzt mach dir mal keine Sorgen, Maedh. Er wird sich erkältet haben.“ „Ich weiß nicht. Ich weiß, wie er ist, wenn er sich als Elbling eine Erkältung geholt hatte. Selbst da war er nicht so matt und schwach wie jetzt. Das musst du doch auch wissen!“ Maglor seufzte, gab seinem Bruder gedanklich recht. Noch nie hatten sie Fingon erlebt, wie jetzt. Nicht einmal als er gestorben war.

Glorfindel saß an Felagunds Seite, als dieser endlich erwachte. „Sei gegrüßt, Finrod. Schön, dich wiederzusehen.“ Finrod sah ihn kurz verängstigt an, bis er sich langsam entspannte, als er den Goldblonden erkannte. „Lord Glorfindel? Seid Ihr das?“ Glorfindel nickte und befühlte die Stirn des Kranken. „Ruht Euch weiter aus. Fürs Erste seid Ihr hier in Sicherheit. Werdet erst gesund, dann sehen wir weiter.“ Finrod nickte müde und schlief wieder ein, er kannte Glorfindel schon seit seiner Kindheit und hatte es für sehr schade empfunden, dass Glorfindel lieber nach Gondolin gegangen war, als an seiner Seite zu bleiben. Glorfindel lächelte, bevor er seinen Stuhl verließ und nach unten ging, wo Rog und Erestor lachend beieinandersaßen. „Geht es Ihm besser?“ Rog hatte aufgehört zu lachen und sah Glorfindel besorgt an. „Ja, er erholt sich. Wie kommt ihr eigentlich überhaupt her?“ Rog seufzte und sah zu Boden. „Fin, die Valar haben alle wichtigen Persönlichkeiten des ersten Zeitalters zurückgeschickt. Wir haben den Auftrag, nach Imladris zu gehen. Irgendetwas ist im Gange und wohl ist mir gar nicht bei diesem Gedanken.“ Der Krieger runzelte die Stirn, diese Neuigkeiten gefielen ihm auch überhaupt nicht. „Aber was ist Feli denn zugestoßen? Er ist ja völlig verängstigt!“ „Ehrlich, Fin, ich weiß es nicht. Er war auch schon vor dem Angriff so…aufgewühlt. Er hat nicht geschlafen, hatte Albträume, hatte Panik, wenn er mal kurz allein war. Ich kannte ihn fast nicht mehr, er war sonst immer eine Frohnatur. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Niemand hat uns gesagt, wie er zu Tode gekommen ist. Vielleicht liegt es daran. Ich meine, wie oft hast du Albträume? Wie oft habe ich Albträume? Auch ich kann in vielen Nächten nicht schlafen.“ Erestor sah von einem Gondothlim zum anderen. „Ihr habt nie gehört, wie der große König Felagund umgekommen ist? Das haben mir meine Großeltern erzählt, als ich vor vielen Jahren bei ihnen zu Besuch war und die Geschichte von Lúthien und Beren hören wollte.“ Als er den fragenden Blick der beiden Fürsten sah, seufzte er und holte tief Luft, erzählte die Geschichte, an deren Ende Rog und Glorfindel bleich geworden waren.

Turgon saß zusammen mit seinen Ururenkeln am Kamin. Während sie miteinander redeten, warteten sie, bis ihre Kekse fertig waren, die sie nach der alten Art der Gondothlim hergestellt hatten. Auch Legolas saß bei Elrohir und wenn Turgon am Anfang auch komisch geschaut hatte, weil der Sinda und der Halbnoldo sich liebten, war diese Begegnung keineswegs unerwünscht. Turgon erzählte viel, er erzählte von Glorfindel und Ecthelion, von Glorfindel und Maeglin. Elladan und Elrohir hatten die Geschichten von Glorfindel schon als Kinder geliebt, lange bevor Glorfindel überhaupt nach Imladris gekommen war. Legolas saß stillschweigend dabei und hörte den Geschichten zu, die von einem Noldo so anders erzählt wurden, als von einem Sinda seines Volkes. Er lehnte sich an seinen Liebsten und schloss genüsslich seine Augen, lauschte Turgons dunkler, aber sanfter Stimme. Der König besaß eine große Weisheit, er war sehr klug, dass merkten Elronds Söhne schnell. Da betrat Elrond lächelnd mit einem Tablett voller Kekse den Raum. „Ah, mein lieber Urenkel. Komm, setze dich zu uns, nehme ein paar Kekse, wir haben genügend!“ Elrond ließ sich grinsend neben Turgon nieder. Sowie Elrond neben Turgon saß, staunte Legolas nicht schlecht. Er wusste nicht, wie es den Zwillingen ging, doch Elrond sah Turgon so ähnlich, würden sie dieselbe Kleidung tragen und wäre Elrond noch ein wenig größer, so hätte er Probleme, beide zu unterscheiden. Elladan biss von dem Keks ab und begann, zu grinsen. „Das sind die besten Kekse, die ich je gegessen habe!“ Turgon lachte und sagte: „Habe ich es euch nicht gesagt? Ihr wisst gar nicht mehr, was gut ist!“ „Also mein Lieber, jene Aussage halte ich für ungerecht.“ Elrond machte sich für sein Zeitalter stark, „wer von uns beiden hat zugelassen, dass sämtliches Wissen verloren ging?“ Was als lustiger Scherz gedacht war, kam bei Turgon leider anders an: „Ach, wir sollen also schuld sein, dass Morgoth Gondolin dem Erdboden gleichgemacht hat?!“ „Ja ich konnte ja nicht schuld daran sein.“ Turgon wirkte sehr erzürnt, und die Zwillinge fragten sich, was da gerade los war. Legolas seufzte, solche Unterhaltungen hatten öfters so geendet bei seinem Großvater und seinem Vater. Aber das Elrond und Turgon genauso waren, hätte er nicht gedacht.

Aredhel saß in ihrem Raum und dachte nach. Sie würde so gerne ihren ältesten Bruder wiedersehen. Sie hatte lange Zeit bei Turgon gelebt. Doch Fingon hatte sie seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Schmerzlich vermisste sie ihn mittlerweile. Sie könnte versuchen, Briefe zu versenden, in der Hoffnung, ihr Bruder würde davon mitbekommen. Sie wusste, dass auch Turgon seinen Bruder vermisste, er war oft gereizt und verstand keinen Spaß mehr, seit sie hier waren. Er hatte Angst, dass sie zurückgeschickt worden waren, um ein ähnliches Grauen wie in der Zeit von Morgoth zu durchleben. Er hatte Angst, wieder seine Familie zu verlieren. Deshalb war er so angespannt, denn dass er Angst hatte, wollte sich der stolze König nicht anmerken lassen. Auch interessant fand sie die Frage, wer den jetzt den Titel des Hochkönigs übernehmen würde. Gab es in dieser Zeit überhaupt noch einen Hochkönig? Der Letzte war Ereinion gewesen. Elrond war der letzte Erbe, der einen rechtmäßigen Anspruch erheben könnte. Oder aber der Titel würde zurückfallen auf den ältesten Erben Finwes, der zurückgeschickt wurde. Oder aber sie ließen den Titel und den Streit darum komplett beiseite. Das wäre ihrer Meinung nach die vernünftigste Lösung.

Doronír saß wieder bei Malendel. Sie unterhielten sich fröhlicher als beim letzten Mal. „Und König Turgon und Lady Aredhel sind wirklich hier?“ „Ja, Mal. Turgon sieht genauso aus wie Elrond. Nur ein bisschen größer. Und seine Haare sind ein wenig dunkler.“ „Ich möchte ihn kennenlernen. Hoffentlich wird mir das möglich sein.“ „Dafür werde ich sorgen, dass dir das möglich sein wird.“ „Ich danke dir.“ Doronír neigte seinen Kopf und lächelte Malendel zu. Der Braunhaarige erwiderte das Lächeln. Dann, ohne Vorwarnung hob er seine Hand und legte sie Doronír an die Wange, woraufhin Doronír sich in die Hand schmiegte. „Ich wusste es. Du empfindest so wie ich, sonst hättest du das nicht getan.“ Doronír errötete, als Malendel zu Ende gesprochen hatte. „Dann…sind wir jetzt mehr als Freunde?“, fragte er zögerlich, war er doch so unerfahren in der Liebe. Malendel grinste, erwiderte: „Scheint so.“ Sie lachten beide glücklich und laut.

„Verfluchtes Drecksloch! Warum schon wieder wir?!“ Mit feuriger Stimme beschwerte sich der Dunkelhaarige, nachdem sie gerade von Orks angegriffen wurden. Die anderen beiden, die bei ihm waren, einer ebenfalls dunkelhaarig, der andere blond, folgten dem Sprechenden ein wenig langsamer. „Jetzt beruhige dich. Wir sind ja gerade erst angekommen.“ „Ich beruhige mich, wann ich will! Und warum habe ich euch jetzt schon wieder an mir kleben?!“ Die anderen beiden seufzten leise, der Blonde verdrehte zusätzlich seine Augen. Auch er fand es nicht so super, den Dunkelhaarigen als Begleiter zu haben. Der ruhigere Dunkelhaarige wandte sich dem jüngeren Blonden zu und fragte diesen sanft: „Alles in Ordnung bei dir? Bist du verletzt?“ „Nein. Und bei dir ist auch alles gut?“ Der Dunkelhaarige lächelte und meinte: „Mir geht es auch gut. Aber nun sollten wir uns beeilen, sonst haut er uns noch den Kopf ab.“ Anschließend legte er brüderlich einen Arm um den Blonden, den er sehr vermisst hatte. „Warte kurz. Weißt du wo wir hinmüssen?“ „Imladris.“, kam die geknurrte Antwort. Der Blonde zog es vor, nichts zu sagen, er wollte nicht schon wieder einen Streit herbeiführen.

Glorfindel setzte sich zu Erestor auf die Eckbank und lächelte. „Weißt du was, Eri? Mit dir wird es nie langweilig.“ „Ich hätte lieber ruhige, romantische Wochen mit dir verbracht, als mich jetzt um zwei geschwächte Elben zu kümmern.“ „Ich weiß. Ich doch auch. Aber wir können sie nicht dem Schicksal überlassen. Selbst Finrod, der sonst immer so mächtig mir erschienen war, könnte sich in diesem Zustand nicht wehren. Und Rog? Rog ist, so gemein es nun auch klingen mag, ohne seine besonderen Waffen schutzlos, er ist nicht gerade der beste Nahkämpfer. Zudem ist auch er angeschlagen.“ Erestor neigte seinen Kopf, er verstand seinen Mann ja. Und er hätte die beiden Elben nie sich selbst überlassen. „Felagund und du, wart ihr Freunde?“ Glorfindel nickte lächelnd. „Ja. Als Kinder in Valinor waren wir oft zusammen. Deshalb schmerzt es mich, wie er zu Tode kam. Und es schmerzt mich auch, ihn jetzt so zu sehen.“ „Das verstehe ich gut. Würde ich dich schon so lange kennen und du wärest zu mir zurückgekehrt, ich würde dich vermutlich auch nicht mehr erkennen.“ „Das wäre vermutlich wahr, Eri.“ „Ich liebe dich.“ Mit diesen Worten kuschelte sich Erestor wieder an Glorfindel, der ihn liebevoll küsste. „Ich dich auch, mein Geliebter.“ Erestor grummelte leise, er spürte, wie das Verlangen in ihm wuchs. Aber er traute sich nicht, hier mit Glorfindel ins Bett zu gehen, denn er wollte nicht wissen, was Rog und Finrod dann von ihnen denken würden. Doch er spürte, dass es Glorfindel ähnlich ging. „Fin?“ „Mmh?“ „Wir haben ein Problem.“ „Mh.“ Erestor lachte laut auf, neigte dann seinen Kopf nach hinten und sah in leidende blaue Augen. „Weißt du, Eri…Der Stall dieses Hauses wäre noch frei…“ „Spinnst du? Was glaubst du, wie kalt es da ist?!“ „Müssen wir uns halt ins Zeug legen.“ Erestor schluckte, zu wenig sprach dagegen. Also stand er auf und schnappte sich Glorfindels Hand, zog den Goldhaarigen hinter sich her.

Celebrían wartete auf ihre Eltern, ihre Begleiter saßen auf Pferden um sie geschart. Sie hatten beschlossen, zusammen nach Imladris zu reiten. Und wenn das, was ihre Mutter da erzählt hatte, der Wahrheit entsprach, würde Imladris bald aus allen Nähten platzen. Galadriel hatte wieder ihre Rüstung an, doch der große Rucksack zeugte davon, dass sie sicherlich noch andere, edlere Kleider dabeihatte. Celeborn, ebenfalls in glänzender Rüstung, hatte einen kleineren Rucksack dabei, jedoch immer noch groß genug für die ein oder andere formelle Robe. Celebrían schenkte dem goldenen Wald einen letzten Blick, bevor sie aufbrachen. Duilin hielt sein Pferd neben Aduialír. Hinter ihnen ritten Lothwen und Haldir, dahinter noch weitere Begleiter der kleinen Gruppe. „Ich freue mich darauf, Doronír und Malendel wiederzusehen. Und die Zwillinge. Und Arwen.“ Aduialír lächelte und stimmte dem Jungen zu, er freute sich auch darauf, die anderen Krieger und Elrond wiederzusehen.