Endlich Frieden?

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Erestor Glorfindel
08.07.2018
07.03.2020
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08.07.2018 1.090
 
Glorfindel atmete erleichtert auf, als Erestor aus den Büschen trat. „Hallo. Elrond hat erzählt, dass du dich hier herumtreibst.“ Erestor setzte sich zu Glorfindel, er hatte eine Weinflasche dabei, die sie hin und her reichten, jeder nahm einen Schluck, und bald war nur noch die Hälfte übrig. „Warum bist du gekommen, Erestor? Du könntest genauso gut im Bett liegen und schlafen.“ Erestors Gesichtszüge wurden grimmiger: „Schon, aber ich habe mir Sorgen gemacht. Elrond hat recht, dieser Wald ist nicht dafür geschaffen, nachts alleine hier zu sitzen.“ Glorfindels Augen blickten nun fragend zu ihm: „Warum? Was ist hier passiert?“ Doch Erestor antwortete nicht, stattdessen wechselte der Schwarzhaarige das Thema: „Das mit den Erdbeeren war lustig. Kein anderer Elb hätte sich das getraut, mich mit einer Erdbeere abzuwerfen. Sie haben entweder Angst oder zu viel Respekt vor mir.“ „Das verstehe ich. Du siehst doch, wie die Soldaten mit mir umgehen, als wäre ich ein Stück Gold, auf das man aufpassen muss. Deshalb bin ich hiergeblieben, in Bruchtal hätte ich nur meine „glorreiche“ Sippenrettung erzählen müssen. Darauf habe ich wirklich keine Lust, ich will keinen Ruhm, ich will kein Mitleid. Ich will nur Freunde finden.“

Erestor lächelte wieder und nahm einen weiteren Schluck der Flasche: „Soll das heißen, du bist genauso einsam wie ich?“ Glorfindel grinste frech: „Vielleicht. Aber ohne die Verbitterung.“ „Bitte. Wann hast du das letzte Mal in den Spiegel geschaut?“ Glorfindel und Erestor mussten beide lachen, und es schien für Erestor eine Ewigkeit zu dauern, bis die Sonne aufging. Doch es war nicht die Art der Ewigkeit, die man wartete, bis man eine Arbeit geschafft hatte, und Feierabend hatte. Es war die Art der Ewigkeit, die eigentlich viel zu schnell rumzugehen schien, weil man sich sicher und geborgen fühlte. Sie scherzten miteinander, und in Erestors Herzen öffnete sich eine Tür und still und heimlich schloss sie sich wieder, nachdem der Blonde eingetreten war. Er war bereit dazu, Glorfindel in sich zu lassen, war bereit dazu, ihn einen Freund zu nennen, dabei kannte er ihn erst seit einem Tag. „Du hast meinen Namen wirklich nicht gewusst?“ Unglauben spiegelte sich in Glorfindels Augen, aber ebenso war da auch eine grenzenlose Neugier.

„Nein, ich habe mich nie für die alten Geschichten interessiert.“, erklärte Erestor ihm. „Glaubst du, wenn du wüsstest, wer ich bin, wärest du dann genauso mit mir umgegangen wie jetzt?“ Erestor dachte kurz nach, dann war er sich sicher, die richtige Antwort gefunden zu haben: „Ja. Hör mir zu, ich will nicht, dass du das falsch verstehst. Es ist mir egal, welche Leute gestorben sind, um ihr Volk zu verteidigen, oder zu retten, ich halte die Kriege des ersten und zweiten Zeitalters für sinnlos. Es gab so viele Legenden, da ist es egal, was du getan hast. Es interessiert mich nicht wirklich, wie sehr ihr versucht habt, eure eigenen Fehler auszubügeln, ihr tragt Mitschuld an dieser Eskalation, und das kann keiner mehr gut zu machen. Auch an deinen Vorfahren, und vielleicht auch an dir klebt das Blut von Freunden, habe ich recht? Das kannst du nicht gut machen, indem du dein Leben gibst. Was ist ein Leben für hunderte? Du hast etwas getan, das du für das Richtige hieltest. Das einzige, wofür ich dich loben würde, ist, dass du mutig genug warst, als Krieger in Ehre zu sterben. Aber das ist auch schon alles. Ich habe vorhin in der Bibliothek rausgefunden, was mit deinem Freund passiert ist. Aber die Geschichtsbücher schreiben alles falsch, habe ich recht? Du hättest Ecthelion retten können. Aber dafür hättest du deinen „sicheren“ Posten aufgeben müssen, und es wären mehr Elben gestorben. Ehrlich, du kannst mich für meine Ansichten hassen, ist mir egal, aber du hast das Glück anderer vor dein Eigenes gestellt. Hätten das schon früher ein paar Personen getan, wäre es nie zu deinem Tod oder zu dem Tod deiner Freunde gekommen. Es war unnötig.“

Glorfindel versuchte zu verarbeiten, was der Schwarzhaarige gerade gesagt hatte: „Ich hasse dich nicht. Warum sollte ich? Du hast recht, es war alles unnötig.“ „Vermisst du deine Freunde?“ „Sag du es mir, Erestor. Vermisse ich sie?“ Erestor sah Glorfindel in das Gesicht, und kurz hatte er das Bedürfnis, den Blonden zu umarmen, doch er hielt sich zurück. „Ja. Du vermisst sie mehr als alles andere. Du gibst dir die Schuld an ihrem Tod. Du bist ein toller Elb, du siehst deine Fehler ein.“ Glorfindel musste trotz allem ein wenig lächeln: „Du bist bisher der Einzige, der mir so direkt die Wahrheit sagt.“ Erestor verbeugte sich gespielt: „Danke sehr.“ „Was ist mit dir? Erestor? Hast du Freunde?“ Erestor schüttelte den Kopf leicht, und Glorfindels Neugier wandelte sich in Reue: „Tut mir leid, ich wollte dir nicht zu nahetreten.“ Erestor sah ihn interessiert an, noch nie hatte sich jemand bei ihm entschuldigt. Glorfindel sah ihn besorgt an: „Ich habe dich doch nicht verletzt, oder?“ „Nein. Das hast du nicht. Es ist kein Geheimnis, dass ich ein Einzelgänger bin. Vermutlich bin ich einfach zu direkt.“

Glorfindel lachte laut auf, doch auf einmal nahmen Erestors Ohren ein leises Geräusch auf. „Na dínen!“ Glorfindel kam der Aufforderung nach und war still. „Was ist denn los, Eres?“ „Hast du mich gerade Eres genannt?! Egal, komm, wir müssen weg.“ Mit diesen Worten schnappte Erestor den Krieger am Ärmel, zog ihn auf die Beine und hinter sich her. Glorfindel kam ziemlich ins Schnaufen, die Wiedergeburt hatte seiner Ausdauer geschadet, zudem war der Kleinere ziemlich flink und wendig. Endlich verlangsamte Erestor ein wenig das Tempo und Glorfindel erkannte die mächtigen Häuser Bruchtals. Erestor steuerte das Haupthaus an, und Glorfindel bleib keine andere Wahl, als ihm zu folgen. Als sie in einem der Gemächer angekommen waren, setzte sich Erestor auf den Sessel, Glorfindel blieb ratlos stehen und sah ihn unruhig an: „Erestor? Was war das? Wovor sind wir geflohen?“ Doch Erestor sprang rastlos auf, er schlug die Fensterläden zu und wiederholte seine Aufforderung: „Glorfindel! Sei still!“ Glorfindel erkannte Angst in den braunen Augen, die hin und her wanderten, der Berater löschte die Kerzen, dann warteten sie ab. Erst als die Sonne vollständig aufgegangen war, öffnete der Berater die Fensterläden. „Verdammt, Erestor, was wird hier gespielt?!“ Erestor setzte zu einer Antwort an, als im Hof ein Schrei zu hören war. „Oh Eru, bitte, nicht schon wieder.“ Mit diesen Worten wandte sich Erestor ab, und eilte nach draußen, Glorfindel folgte ihm, immer noch spürte er die Auswirkungen des nächtlichen Schreckens, doch was ihn am meisten verstört hatte, war Erestors Angst gewesen. Er hatte sie gespürt, als wäre sie seine Eigene, er hatte den kalten Angstschweiß an der Hand des Beraters gespürt.