Endlich Frieden?

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Erestor Glorfindel
08.07.2018
10.10.2019
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Es war an einem frühen, aber wunderschönen Frühlingsmorgen, als sich Erestor, zu seinem Stolz der oberste Berater Elronds, dazu bequemte, in Richtung der Trainingsfelder für die Soldaten zu laufen. Die Kirschbäume, die seinen Weg zierten, waren in voller Blüte, was den Elben höchst erfreute, denn er liebte die kleinen, runden Früchte über alles. Hätte er jemals zugelassen, dass jemand um ihn warb, dann wäre der Elb oder die Elbin genommen worden, die ihm Kirschen gebracht hätte. Aber das war nie geschehen, Erestor war nicht gerade der offenste und freundlichste Elb, und das wusste er auch. Elrond hatte des Öfteren versucht, ihn zu vermitteln, aber gebracht hatte dies auch nichts. An den Trainingsfeldern angekommen, setzte er sich auf einen Zaun und betrachtete die gut gebauten, jungen Rekruten, und auf der anderen Seite die älteren, erfahrenen Soldaten. Eigentlich kam er ziemlich oft hierher, wenn er frei hatte, das heißt, vermutlich doch nicht so oft. Er liebte das Geräusch vom Klirren der Waffen, gemischt mit den Schreien der Trainierenden.

Heute hatte er sogar eine Ausrede dafür, warum er hier aufkreuzte: Er wollte den Neuen inspizieren. Wiedergeboren sollte der Elb sein, da musste er doch etwas bieten können, aber bis jetzt hatte Erestor ihn nicht erblickt. Vielleicht, weil die einzige Schwachstelle des Beraters nach seinen nicht vorhandenen Waffenkünsten, die war, dass er nichts von den alten Geschichten kannte, wirklich, rein gar nichts. Seine Eltern fanden es wichtiger, ihn arbeitsreif zu machen, und zudem war seine Mutter dagegen gewesen, einem Kleinkind von den blutigen Schlachten zu erzählen. Und als er alt genug war, um sich selbst das Wissen anzueignen, war er ganz ehrlich zugegeben zu faul dazu. Demnach hätte er den Neuen nicht einmal erkennen können, da er erstens nichts über ihn wusste, und zweitens wusste er auch nicht, wie er aussah. Daher musste er sich anstrengen, um ein unbekanntes Gesicht unter den Bekannten auszumachen.

Enttäuscht wollte er sich gerade abwenden, als ein Raunen durch die Reihen der Soldaten ging, und hoffnungsvoll drehte er sich um, nur um den Atem anzuhalten. Der Elb, der nun auf das Feld schritt, war unbekannt. Erestor liebte das Unbekannte, und daher musterte er den Fremden auch ganz genau. Seine Haut war sonnengebräunt, er sah insgesamt so aus, als hätte er drei Wochen Urlaub in Anfalas hinter sich. Er war groß gewachsen, Erestor schätzte ihn so auf 2 Meter, doch das Schönste an ihm kam erst noch: Die langen, goldblonden Haare, die in leichten Locken sein Gesicht umspielten, und dann diese wundervollen, meerblauen Augen, die sich interessiert alles anschauten. Dann wandte er seinen Blick Erestor zu, und die Augen glänzten ihn freundlich an. Erestor seufzte, der Neue würde wohl das Gesprächsthema werden, er war einfach perfekt, was auch für die Waffenkunst galt, die er nun zur Schau stellte. Erestor hatte nie einen Elben gesehen, bei dem es eleganter ausgesehen hatte, wenn er ein Schwert geschwungen hatte. Er würde wohl nachher mal fragen müssen, wie der Fremde hieß. Aber das konnte er wohl kaum Elrond fragen, immerhin setzte dieser sein ganzes Vertrauen in einen Elben, der sich nicht einmal mit der Geschichte des Volkes auskannte.

Als das Training vorüber war, und Erestor von seinem Zaun rutschte, bemerkte er, dass der Neue auf ihn zulief. Oh, Eru, nein… Ich weiß nicht einmal wie du heißt, also bitte, komm nicht zu mir. Doch sein stilles Gebet blieb spätestens in dem Moment ungehört, als der große Krieger vor ihm stand und ihm eine Hand bot, dabei strahlte er und die meerblauen Augen leuchteten. „Mae govannen! Du musst Erestor sein, nicht wahr? Man hört viel über dich.“ Och nöööö, der Elb schien einer der offenen, direkten Sorte zu sein, das mochte er doch nicht. Aber wenn er so gut aussehen würde, wäre er vielleicht auch mal offener. „Mae govannen…!“ „Glorfindel. Mein Name ist Glorfindel.“ Die blauen Augen hatten sich überrascht geweitet, als er bemerkte, dass der Berater seinen Namen nicht kannte. Fehlte es dem Jungen an Bildung, oder interessierte es ihn nicht? Wie dem auch sei, was Erestor nicht wissen konnte, war, dass Glorfindel beinahe erleichtert war, als ihm bewusstwurde, dass der Elb ihm gegenüber frei von Vorurteilen ihm gegenüber war, und ihn als ein Elb sah, nicht wie eine wandelnde Legende, so wie die vielen Rekruten, die sich nicht recht getraut hatten, ein Schwert gegen ihn zu erheben. Erestor erwiderte das Lächeln leicht, als er die Hand ergriff und sich ebenfalls vorstellte. „Dann hatte ich also recht, du bist Elronds oberster Berater. Na dann, auf gute Zusammenarbeit!“

Erestor nickte und stimmte dem Elben zu, doch er schaffte es nicht, Glorfindels Strahlen zu erwidern. Dann wandte er sich ab, mit der Entschuldigung, er müsse noch Erdbeeren pflücken gehen. In Imladris war es normal, dass in der Erdbeersaison immer ein Elb pro Tag in den Wald ging, um Erdbeeren zu holen, die dann verschenkt wurden, an die Bevölkerung. Doch Glorfindel ließ sich nicht so leicht abwimmeln: „Warte. Ich kann dir helfen.“ Erestor drehte sich ungläubig wieder zu dem Krieger um: „Wirklich? Du musst noch viel zu tun haben, Glorfindel.“ „Nein, eigentlich nicht. Zudem kannst du mir, wenn es nicht zu langweilig wird, etwas über Imladris erzählen.“ „Also schön.“ Mit Glorfindel zusammen ging das Pflücken viel schneller und diese lästige Pflicht machte Erestor zum ersten Mal Spaß. Glorfindel hatte eine matschige Erdbeere gefunden, und warf sie Erestor in den Nacken, empört drehte sich dieser um, und wollte schon Glorfindel zur Schnecke sehen, doch dann sah er das kindliche Lachen im Gesicht des Blonden, und er spürte, wie seine eigenen Mundwinkel zuckten und nach oben wanderten, so kam es zu einem seltenen Phänomen: Erestor lachte. Nicht das falsche Lachen, das er bei Ratssitzungen für die Witze der anderen Elben übrighatte, nein, Erestors Lachen kam aus tiefstem Herzen.

Glorfindel schloss kurz die Augen, er genoss das Lachen des Beraters, es war dunkel, und es tat gut in seinen Ohren. Doch dann bemerkte er etwas Matschiges in seinem Gesicht; Erestor hatte den Spieß umgedreht und ihn ebenfalls mit einer Erdbeere abgeworfen. Da hörte er auf einmal eine Stimme von hinten: „Erestor! Alles gut?“ Elrond kam zu ihnen, sofort erstarb das Lachen auf dem Gesicht des Beraters, er entschuldigte sich und eilte von dannen. Glorfindel sah ihm verwirrt hinterher, gerade eben noch hatte er gelacht, und nun? Da wandte sich Elrond an Glorfindel: „Lord Glorfindel. Was macht Ihr nur mit ihm? Seit Jahren versuche ich es, ihn zum Lachen zu bringen, Ihr kennt ihn vielleicht einen halben Tag und schon lernt er, wie ein Kind mit Euch zu lachen.“ Da war er wieder, dieser Respekt, den Glorfindel irgendwie verabscheute. „Ich weiß es nicht, was ich mit ihm tue. Und bitte, mein Name ist Glorfindel, ohne irgendeinen Titel.“ „Sehr gerne. Glorfindel. Dieser Respekt geht mir vermutlich genauso auf die Nerven, wie dir.“ Glorfindel bemerkte das Lächeln im Gesicht des Lords ein wenig spät, und dachte schon, er hätte ihn verletzt. Umso mehr freute er sich, als er sah, wie Elrond lächelte. „Komm mit zurück. Es wird dunkel, und du könntest dich verlaufen.“ Glorfindel seufzte, er wollte eigentlich noch ein wenig im Wald bleiben, ganz alleine und die himmlische Ruhe genießen. „Ich möchte um Erlaubnis bitten, noch ein wenig hier zu bleiben. Ich erinnere mich an die Wege, die Erestor mir gezeigt hat.“ Elrond neigte seinen Kopf: „Nun gut, auch wenn ich das nur ungern erlaube. In diesen Wäldern geht nachts Seltsames vor, du wärst nicht der erste Elb, der hier verschwindet.“ „Sei unbesorgt, Elrond. Ich kann ganz gut auf mich aufpassen, gute Nacht.“ „Gute Nacht, Glorfindel.“ Mit diesen Worten verließ Elrond ihn und lief weg. Glorfindel wusste nicht, wie lange er dagesessen hatte, als auf einmal etwas im Gebüsch raschelte, der Krieger griff zu seinen Waffen. „Komm heraus!“ Doch mit dem, was er dann sah, hatte er nicht gerechnet.