Ein letzter Brief für Tristan

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
08.07.2018
08.07.2018
1
924
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
 
Mein süßer Engel Tristan,

dies wird der letzte Brief sein, den ich an Dich schreibe. Ein letztes Mal gehören all meine Gedanken ganz Dir, ein letztes Mal versuche ich auszudrücken, was sich gar nicht in Worte fassen lässt.
Lange habe ich mir Zeit genommen, habe hin und herüberlegt, wie ich mit meinen Gefühlen für Dich umgehen soll, wie ich es schaffe, Dir zu begegnen, ohne mich dabei selbst zu verraten. Lange habe ich an der Hoffnung festgehalten, dass Du mich vielleicht irgendwann siehst, dass Du spürst, wie stark und tief ich für Dich empfinde.
Ich habe davon geträumt, mit Dir zusammen zu sein, Dich lieben und berühren zu dürfen, so wie Deine Freundin das tut.
Aber inzwischen ist mir klar, dass das nicht passieren wird, dass Du nur sie liebst – und nicht mich. Und dass Du das auch nicht tun wirst, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. So sehr ich mich auch bemühe, Du merkst es einfach nicht, erkennst weder die Zeichen, die ich Dir gebe, noch das Feuer, das tief in meinem Herzen für Dich brennt.
Und dass diese Erkenntnis unfassbar schmerzt, das brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Ich brauche Dir sicher nicht zu sagen, wie grausam Liebeskummer ist, weil Du das Gefühl sicherlich selbst schon erlebt hast. Wenn nicht, dann freut mich das natürlich für Dich und ich wünsche Dir, dass Du diese Erfahrung niemals machen musst.
Aber wenn doch, dann kannst Du Dir vielleicht vorstellen, wie traurig ich bin und wie tief der Schmerz meiner unerwiderten Liebe zu Dir in mir festsitzt.
Jedes Lächeln, jeder noch so unscheinbare Blick von Dir tut weh, weil er mir klarmacht, dass Du nicht siehst, was ich in Dir sehe. Es zerreißt mir das Herz, Dir so nahe zu sein, zu wissen, dass Du nur einen kleinen Schritt von mir weg bist – und trotzdem so weit entfernt, dass ich Dich nicht erreichen kann.
Ich weiß, ich habe es Dir in einem anderen Brief schon einmal geschrieben, aber mein größter Wunsch ist es nach wie vor, nur einen einzigen Tag lang an Deiner Seite zu sein. Und ich weiß auch, dass er sich nie erfüllen wird, weil Du für meine Zuneigung blind bist und nicht die Botschaft erkennst, die ich Dir durch verschiedene Signale zu übermitteln versuche.
Ich liebe Dich, Tristan. Ich liebe Dich so tief wie ich noch nie einen Menschen geliebt habe. Du bist der erste Junge in meinem Leben, für den ich ehrliche, aufrichtige Gefühle habe. Der erste, der mich grenzenlos verzaubert hat – mit seinem Lächeln, seiner Art und seinem Charme.
Auch wenn Du es natürlich unbewusst gemacht hast, bin ich Dir sofort erlegen, als ich Dich das erste Mal gesehen habe. Ich war hin, wie man so schön sagt, und konnte absolut gar nichts dagegen tun.
Doch jetzt muss ich etwas tun. Jetzt muss ich einen Weg finden, mit meinen Gefühlen für Dich umzugehen. Und ich glaube, dass meine einzige Chance dazu darin besteht, ehrlich zu sein.
Ich muss Dir gegenüber mit offenen Karten spielen, muss Dir erzählen, was Du mir bedeutest und wie wertvoll Du für mich bist. Denn nur dann, wenn Du es weißt, wenn Du erfährst, dass Du mein Herz erobert hast und darauf reagierst, kann ich wieder normal mit Dir umgehen und muss keine Angst mehr haben, dass ich mich versehentlich verplappere oder dass mir etwas herausrutscht, was Du in den falschen Hals bekommen könntest.
Nur dann kann ich nach vorne schauen und werde aufhören, mir die immergleichen Fragen zu stellen. Fragen, die sich nur um Dich drehen und die mich unaufhörlich verfolgen. Die ein Unbeteiligter sicher nicht versteht, weil sie so naiv und dämlich sind – und trotzdem für jeden nachvollziehbar, der einmal so tief empfunden hat wie ich.
Allen voran steht eine Frage, die mich schon so lange Zeit beschäftigt und auf die nur Du allein mir eine klare Antwort geben kannst: Tristan, wenn Du wüsstest, wie sehr ich Dich liebe – wie würdest Du darauf reagieren?
Das ist etwas, was mir absolut keine Ruhe lässt. Wie würdest Du reagieren, wenn Du alles erfährst? Was würdest Du sagen, denken oder tun? Wie würdest Du damit umgehen?
Auch wenn es womöglich total albern ist, aber ich muss das einfach wissen. Ich muss wissen, was Du davon hältst und aus Deinem Mund hören, dass es keine Chance für uns beide gibt. Erst dann kann ich es auch wirklich glauben.
Genau aus diesem Grund habe ich mich nach langen Gesprächen mit meiner besten Freundin auch dazu entschlossen, es zu tun. Ich werde Dir die Wahrheit sagen, Tristan. Ich werde Dir sagen, was Du für mich bist und mit welchen Augen ich Dich sehe.
Auch auf die Gefahr hin, dass Du mich dann auslachst, komisch anschaust oder wütend auf mich bist. Ich weiß, dass es ein hohes Risiko birgt, mit offenen Karten zu spielen, aber ich sehe es als die einzige Möglichkeit dazu, mit der Sache endgültig abzuschließen.
Deshalb werde ich Dich bei unserem nächsten Wiedersehen auch um ein Gespräch bitten und Dir alles anvertrauen. Es ist mir egal, ob Deine Freundin wieder mitkommt oder nicht – diesen Schritt muss ich einfach machen. Und irgendwann im Laufe des Abends findet sich bestimmt eine Gelegenheit, unter vier Augen mit Dir zu reden – auch wenn ich dafür all meinen verfügbaren Mut zusammennehmen muss.
Du wirst es erfahren, Tristan. Du wirst erfahren, wie tief ich Dich liebe. Denn nur dann kann ich wieder nach vorne schauen.
Zum Abschluss bleibt mir nicht mehr viel zu sagen, nur, dass Du immer noch mein strohblonder, unsterblich schöner Engel bist. Und egal, was bei der Sache auch rauskommt – das wirst Du für mich auch immer bleiben. Du wirst immer schön für mich sein. So schön wie niemand anders sonst.
Es gibt viele Dinge, die ich liebe. Den Sommer, die Musik, das Schreiben und die Natur.
Aber Dich, Tristan – Dich liebe ich noch viel mehr. Über alles auf der Welt.


Mit tausend Küssen,
Deine R.
Review schreiben