Steves härtester Fall

GeschichteDrama, Freundschaft / P16
OC (Own Character) Steve McGarrett
08.07.2018
16.02.2020
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Vorneweg: Zu schreiben begonnen habe ich diese Geschichte gegen Mitte der 7.Staffel. Den Wechsel im Team in Staffel 8 bin ich mitgegangen, genauso wie jetzt Eddie zu Steves Familie gehört. Nur die in meinen Augen aberwitzige Restaurant-Storyline entfällt in dieser Geschichte komplett. Den Protagonisten wird trotzdem sicher nicht langweilig, auch wenn nicht ganz so oft geschossen und geknallt wird wie in der Serie. Aber auch Gesetzeshüter auf Hawaii haben ein Privatleben.
Viel Spaß beim Lesen.
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„Keine Chance, die rücken nichts raus.“ Danny zuckte mit den Schultern.
„Was an 'Lass mich da anrufen' hast du nicht verstanden? Der Mann war Vice Admiral der Navy, kein Wunder, dass die nicht mit dir reden“, verdeutlichte Steve. „Wie hieß die Person, mit der du gesprochen hast?“
„Lieutenant Junior Grade Green. Er sagte, er würde meine Anfrage an die zuständigen Stellen weiterleiten und zu gegebener Zeit würde sich jemand melden. Das klingt nach 'wenn es hier auf der Insel schneit'.“
„Ich kann mir in etwa vorstellen, wie dieses Gespräch abgelaufen ist“, stöhnte Steve. „Und im Endeffekt dürfte das dann auch das Resultat deiner 'diplomatischen Bemühungen' sein. Also sind wir jetzt dazu verdammt, zum tausendsten Mal das Material durchzugehen, das wir haben, und zu beten, dass wir bisher irgendwas übersehen haben, das uns auf eine neue Spur führt. Da schaffe ich es, uns den NCIS vom Hals zu halten, und du verärgerst Norfolk. Na herzlichen Glückwunsch.“ Sie saßen zusammen mit dem Team bis Mitternacht, doch auch dann waren sie immer noch genau so schlau wie vorher.

Als Steve am nächsten Nachmittag nach einem Gerichtstermin in die Zentrale kam, fing Danny ihn direkt hinter der Tür ab. „Ich glaube, wir müssen doch nicht warten, bis es schneit.“
„Was redest du da für einen Müll?“, antwortete er unwirsch.
„Du hast Besuch. In deinem Büro ist jemand von der Navy.“
„Und du lässt den dort alleine sitzen?!“ Er fluchte heftig. „Warum hast du nicht angerufen?“
„Die Orden auf der Uniform waren echt beeindruckend. Und ich dachte, du kommst eh bald“, rechtfertigte sich Danny hinter ihm, während er bereits zu seinem Büro eilte und die Tür aufriss.
„Sir...“ Er unterbrach sich bereits nach dem ersten Wort, als er erkannte, was auf die Entfernung nicht richtig zu sehen gewesen war, nämlich dass die Person in der weißen Navy-Uniform in seinem Büro weiblich und noch dazu ihm gleichrangig war. Sie stand an der Seite, wandte ihm den Rücken zu und betrachtete die Orden in dem Bilderrahmen an der Wand. Ihre braunen Haare trug sie den Vorschriften der Navy gemäß in einem strammen Knoten am Hinterkopf zusammengebunden. Ihre Kopfbedeckung lag auf der Kante seines Schreibtischs. „Verzeihung, Ma'am. Man hat mich nicht über Ihre Anwesenheit informiert.“
„Ich bin erst seit zehn Minuten hier. Der Flug von Norfolk nach Hawaii ist lang.“ Sie wandte sich um.
Er sah in strahlend braune Augen. Sie waren ihm bekannt. Konnte das sein? Für einen Moment war Steve wie erstarrt. „Sara? Sara Anderson? … Lieutenant Commander Anderson?“, präzisierte er schließlich mit Blick auf Namensschild und Abzeichen an ihrer Uniform.
„Alles richtig, Steve“, bestätigte Sara, stellte ihre Aktentasche ab und machte einen Schritt auf ihn zu. „Es ist lange her. Schön, dich zu sehen.“ Sie hielt ihm die Hand hin. Er ergriff sie zum Gruß.
„E... Entschuldige, ich bin gerade etwas überwältigt. Setz dich doch. Norfolk? Wieso bist du hier?“
„Detective Williams war zwar reichlich unhöflich zu Lieutenant Green, aber nach dem, was mir berichtet wurde, erschien es mir richtig, euch die gewünschten Informationen zukommen zu lassen. Besser gesagt, dir, die Akte des Vice Admirals unterliegt einer gewissen Geheimhaltungsstufe.“ Sie zog eine Aktenmappe mit einem deutlichen Stempel vorne drauf aus ihrer Tasche und hielt sie ihm hin. Dann nahm sie auf dem Besucherstuhl vor seinem Schreibtisch Platz. Er nahm sie, ging um den Tisch und ließ sich in seinen Sessel fallen. Die Mappe legte er ungeöffnet auf den Tisch und sah sie an. Unauffällig versuchte er, einen Blick auf ihre linke Hand zu erhaschen, doch wie früher entging ihrem scharfen Auge nichts.
„Ich bin Witwe“, erklärte sie ruhig.
„Entschuldige. Ich bin entsetzlich unhöflich. Ich hatte mich nur kurz gefragt, warum du immer noch Anderson heißt. Obwohl das ja gerade völlig nebensächlich ist. Mein Beileid.“
„Nicht nötig. Ist schon lange her und ich war im Begriff, die Scheidung einzureichen, als es passierte. Ich habe meinen Mädchennamen wieder angenommen.“ Sie wechselte nahtlos das Thema: „Die Akte kann ich euch nicht hierlassen, aber ich bleibe so lange auf der Insel, wie ihr die Informationen benötigt. Außerdem stehe ich zur Verfügung, wenn ihr noch mehr wissen müsst oder ich helfen kann.“
„Der Vice Admiral scheint einiges in seiner Akte zu haben, das ein Mordmotiv bieten könnte, wenn du die Akte sogar bewachen musst. Hast du schon eine Unterkunft?“
Sara schüttelte den Kopf. „Ich habe ein Zimmer auf dem Stützpunkt zugewiesen bekommen. Sie haben versucht, ein Hotelzimmer aufzutreiben, damit ich näher hier an eurem Hauptquartier bin, aber auf der Insel ist irgendein Festival, es war selbst über die Navy unmöglich, so kurzfristig etwas zu buchen.“
„Ich habe ein Gästezimmer. Natürlich nur, wenn du möchtest. Aber das ist sicher bequemer als auf der Base. Ich könnte kochen...“
„Ich möchte dir und deiner Familie nicht zur Last fallen...“
„Da gibt es niemand, dem du zur Last fallen, oder den du stören könntest.“
Er spürte, wie sie ihn von oben bis unten musterte, und er verstand es. Sie hatten einander mehr als fünfzehn Jahre nicht gesehen, nach einer Trennung ohne Abschied, über Nacht.
Schließlich nickte Sara. „Danke für das Angebot. Aber nur...“
„Lass gut sein. Es ist wirklich in Ordnung. Komm, ich stelle dich meinem Team vor.“ Sie nahm die Akte wieder an sich, er hielt ihr die Tür auf und sie folgte ihm zurück in den Konferenzbereich. Das Gespräch erstarb, als sie an den Tisch traten. „Leute, das ist Lieutenant Commander Sara Anderson, United States Navy. Sie ist hier, um uns im Fall Ponders zu unterstützen. Sara, das sind Officer Kono Kalakaua und Detective Lieutenant Chin Ho Kelly“, stellte Steve die zwei auf der einen Seite des Tisches vor, die offenbar einheimisch waren. „Das auf dem Sofa ist Jerry und das hier mein Partner, den du ja schon kennengelernt hast. Detective Sergeant Danny Williams. Captain Grover, der ebenfalls zum Team gehört, ist im Urlaub.“
Sara schüttelte ihr hingestreckte Hände, winkte Jerry zu, der sich vom Sofa hocharbeitete, dann nickte sie dem Detective zu, der auf einen Handschlag offensichtlich keinen Wert legte, da er mit verschränkten Armen vor ihr stand. War er bei ihrer Ankunft noch überfreundlich gewesen, so hatte sie doch bemerkt, dass er ihr Gespräch mit Steve beobachtet hatte, und was auch immer ihm daran nicht gefallen hatte, so hatte sich sein Verhalten gewandelt. Steve runzelte die Stirn, aber sie ließ sich nicht provozieren. „Danke, dass Sie mich so freundlich willkommen heißen. Ich hoffe, ich kann Ihnen helfen.“
„Es kann nur vorwärts gehen, wir treten auf der Stelle“, nickte Detective Kelly.
„Sicher. Aber am besten arbeitet es sich, wenn wir alle frisch sind. Morgen früh haben wir alle einen klareren Kopf. Um acht wieder hier.“
Überrascht folgte Sara Steve nach draußen. „Sollen wir uns nicht gleich dem Vice Admiral widmen? Das ist schließlich eine Mordsache.“
„Ein paar Stunden machen langsam keinen Unterschied mehr, aber du machst den Eindruck, als könntest du ein wenig Schlaf brauchen. Wie lange warst du unterwegs?“
„Sechzehn Stunden, mit Stopps in Dallas und San Diego. Von Coronado haben sie mich mit einem Frachttransportflugzeug auf dem Sperrsitz weitergeschickt.“
„Gemütlich ist was anderes. Hast du keinen Platz in einem der Shuttles bekommen können? Das wäre doch mit Sicherheit schneller gegangen, oder?“
„Wem sagst du das. Es war einfach zu kurzfristig. Für Norfolk-San Diego war nichts frei. Also Linie. Dann verzögerte sich der Start in Dallas wegen eines heftigen Gewitters und dadurch habe ich den Anschluss verpasst. Das nächste Shuttle mit Passagiermaschine wäre erst morgen gegangen.“
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