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Eragon - Das Mädchen ohne Erinnerungen

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16
Arya Brom Eragon Murtagh OC (Own Character) Saphira
07.07.2018
25.09.2020
57
191.316
17
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Dieses Kapitel
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25.09.2020 9.298
 
Teil 56 Das Mädchen ohne Erinnerungen

Sie hatten wie jedes Jahr um diese Zeit Besuch von einen hochgewachsen rothaarigen Mann, der sich Durza nannte. Der Winter zog sich immer mehr zurück und wich dem Frühling, der Monat im dem Neles Namenstag fiel. Der Besuch bliebt nie über Nacht. Es war ihr immer verboten gewesen, diese eine Unterhaltungen zwischen ihrer Mutter und Durza beizuwohnen oder zu belauschen. Schon als kleines Mädchen wurde sie aus dem Haus geschickt, unter dem Vorwand draußen beim Kutscher wartete eine Truhe mit Geschenken für sie.
An keiner ihrer Namenstage wurde sie dessen enttäuscht. Die Truhe versprach immer neue Kleidung, wenn auch schlichte, neue Bücher zum lesen und andere Kleinigkeiten. Früher wäre es ihr nie in den Sinn gekommen, den Verbot ihrer Mutter entgegenzuwirken. Sie wartete immer draußen, vor ihrer Truhe und wenn Durza wieder aus dem Haus trat erhob sie sich. „Ich danke Euch für die Geschenke“, hatte sie immer gesagt und einen Nicks gemacht. Der Mann war immer freundlich und angenehm zu ihr gewesen, doch mit jedem Jahr welches verstrich, bemerkte Nele den betrübten Gesichtsausdruck ihrer Mutter.
Sie kam nie zur Kutsche um den Mann zu verabschieden, jedes Jahr blieb sie im Türrahm stehen und ihr Blick schien ihn zum Teufel zu wünschen.
Diese Jahr, es war vor ihren sechsten Namenstag, hatte Nele beschlossen den Grund dafür heraus zu finden. Draußen im beschaulichen Garten ihres Hauses, erhoben sich die Knospen der Blumen. Der Winter war kalt gewesen, auch wenn jeder der am Nordmeer lebte, einen noch härten Winter in Erinnerung hatte.
Die Bewohner waren verstärkt durch den Buckel im Osten und dem kaltem Meer im Westen eiskalte Nordwinter gewohnt. Die schwarze Kutsche stand am geöffneten Tor. Gezogen wurde sie von zwei schwarzen Pferden, welche Nele als kleines Mädchen immer Angst gemacht hatten. Ihre Mähnen schienen wie Schatten umher zu fliegen und die Augenpaare leuchteten dunkelrot. Doch taten sie trotz ihres boshaften Aussehen nichts. Es gab keinen Kutscher, die Zügel der beiden Pferde führten ins innere der Kutsche. Bestrebt die Unterhaltung die im Haus stattfand zu belauschen, hievte Nele die einzige Truhe hinten von aus der Halterung und stellte sie ab. Der Inhalt war der übliche, trotzdem war Nele jedes Jahr dankbar.
Lautlos huschte sie durch den Schnee ans hohe Fenster und stellte sich darunter, dicht an die kühle Hauswand. Ihre Mutter und der Mann unterhielten sich immer in der kleinen Wohnstube. Sie mussten schon länger gesprochen haben, denn Nele hörte nur das Ende.

„Ich bitte dich, lass mir mein Mädchen! Der Handel war nicht gerecht, du weist es! Ich möchte mein Kind behalten“, hörte Nele ihre Mutter im Haus sprechen.
„Das liegt nicht in meinen ermessen. Amelia du bist die Vereinbarung damals eingegangen, so steh zu deinen Wort. Du hast doch ein Jahr, dann wird sie mit mir kommen müssen“. „Ich werde das nicht zulassen!“. „Nächstes Jahr ist es so weit, ob du es willst oder nicht. Ich werde im Winter kommen und sie wird mich begleiten, so es vereinbart war. Mein Herr verlangt die Erfüllung deiner Pflicht“. Welche Vereinbarung?, erschrak Nele, was soll das bedeuten?
„Du solltest uns nun verlassen“, sagte die Mutter tonlos. Schritte ertönten in der Wohnstube und Nele musste eine Maske aufsetzten. Flink huschte sie zurück ans Tor und stellte sich zur Truhe. Im letzten Moment griff sie nach einen der zwei Bücher und schlug es aus. Nach zwei Jahren der Überlegung, hatten sie die Unterhaltung endlich belauscht, nun durfte sie sich nicht erwischen lassen.
Die Tür wurde aufgeschlagen und der Mann trat hinaus. Er trug seinen langen dunkeln Umhang, dessen Ende über den Boden fegte.
Mit geröteten Gesicht sah Nele auf und erblickte ihre Mutter. Zorn gemischt mit Hilflosigkeit prägte ihre Mimik. Mit verschränkten Armen stand sie Türrahm, ließ die Wärme des Kamins nach draußen entweichen. Durza wandte sich zur ihr um und verneigte sich: „Euch und eure Tochter in bester Gesundheit vorzufinden erfreut mich sehr. Ein Jahr wird vergehen und wir werden uns wiedersehen“.
„Habt eine annehmbare Reise“, rang sich die Mutter ab. Dann durchschritt er den Garten, bereit in die Kutsche zu steigen. „Deine Geschenke sagen dir zu, Mädchen?“. Nele machte einen schnellen Knicks, die Finger fest ums Buchs geschlungen. „Das tun sie, ich danke Euch. Habt eine gute Rückreise, kein Wind soll euch entgegen wehen“. Durza stieg mit einen amüsierten Lächeln in die Kutsche, seine Hand winkte sie zum kleinen Fenster. Sie trat heran um ihn wie jedes Jahr die Tür zu schließen. „Es gibt kein Wind, der diesen Pferden entgegen wirken könnte“. „Natürlich nicht“. Wie von Geisterhand preschten die Pferde los und die Kutsche folgt den Weg zurück in die Stadt. Das Haus im dem Nele und ihre Mutter lebten, lag nicht in der Stadt, es lag nur wenige Minuten Fußweg vom Meer entfernt. Am nächsten lag der Hafen, welcher Narda seinen Handel ermöglichte.

Amelia stand im Garten, vergewisserte sich das die Kutsche auf und davon war. Dann half sie ihrer Tochter die Truhe ins Haus zutragen. Aufs neue begannen sich Neles Gedanken zu überschlagen. Im Gesicht ihrer Mutter konnte sie die Anzeichen der Unterhaltung die sie mit Durza geführt hatte sehen. Von welcher Vereinbarung sprachen sie? Warum sollte sie ihn begleiten?
Das würde sie nie tun, dessen war sie sicher. Zu ihr war er zwar selbst zuvorkommend aber nach den Gesprächsfetzen welches sie belauscht hatte, war ihre Meinung über ihn geändert. Erschöpft fiel ihre Mutter in den alten abgenutzten Sessel, den Nele nie anders in Erinnerung hatte. „Mir ist furchtbar kalt, machst du mir einen Tee?“, bat sie leise. Nele gehorchte und setzte Wasser am Kamin auf. „Ich habe Angst“, erklärte die Mutter plötzlich. Von ihrer Mutter hatte Nele lesen, schreiben und rechnen gelernt. Sie waren nicht arm, dennoch auch nicht reich. Woher ihre Mutter das Haus geerbt hatte, wusste Nele nicht. Die Möbel waren verschlissen, doch taten sie noch ihren Dienst. Sie gehörten nicht zu den Fischern der Stadt, auch wenn Nele ihnen gelegentlich bei der Verarbeitung ihrer Fänge half. Auch gehörten sie nicht zu den Kaufmanns Familien, zu denen Nele eh wenig Kontakt pflegte.
Das Wasser war erhitzt und Nele goss sich und ihrer Mutter Tee auf. „Wieso?“.
Sie stellte den Tee auf dem kleinen Beistelltisch. „Ich habe Angst, Nehalennia. Solch unfassbare Angst“, murmelte die Mutter. „Du bist die einzige die mich so nennt“, stelle Nele fest. Es stimmte, ihre Mutter war die einzige die an ihren vollständigen Namen fest hielt. Sonst nannten sie alle nur Nele, wie sie sich selbst auch immer so vorstellte. „Es ist der Name den ich dir gab, also nenne ich dich so“.
Die Mutter knetet ihre Hände ineinander. Nele betrachtete sie besorgt, noch nie hat sie ihre Mutter so zerbrechlich und eingeschüchtert gesehen. Es muss mit der Unterhaltung zu tun haben, schlussfolgerte sie stumm. „Sprich mit mir. Ich mache mir sorgen um dich!“.
„Ich habe dir nie etwas über meine Vergangenheit erzählt..Ich habe sie verdrängt doch hat sie mich eingeholt“, sprach die Mutter schwer atmend. Eine schwere Last zog an ihr, unsicher ihrer Tochter davon zu erzählen. „Ich habe euch belauscht“, platze Nele heraus, „obwohl du es mir verboten hast“. „Natürlich hast du das, ich habe mich schon gefragt wann du es tun wirst“. Nele stiegen Tränen in die Augen. „Warum sagte er, ich müsse mit ihn gehen? Das will ich nicht. Nie werde ich mit ihn gehen, niemals. Welche Vereinbarung hast du getroffen? Hast du mich ohne meine Einwilligung in eine Ehe versprochen? Das kannst du vergessen, ich werde niemanden heiraten“. „Nein, niemanden wirst du heiraten müssen. Doch befürchte ich, wäre dies ein milderes Übel. Nehalennia, setz dich bitte. Ich habe diesen Tag gefürchtet doch nun ist es soweit“.


Fiebrig schlug Nele die Augen auf. Es war ein Traum gewesen, eine Erinnerung von ihrer Heimat. Der Raum in dem sie lag war ihr fremd, sie musste in der Tialdarí-Halle sein. Ruhelose Kopfschmerzen strahlten durch ihren ganzen Körper.
Draußen herrschte noch tiefe Nacht. Ein Schatten huschte zu ihrer linken durch die Dunkelheit und kam vor der Öffnung welche hinaus zur Haupthalle zeigte zum stehen. „Warum sehe ich Euch immer noch?“, fragte Nele schwach. Die glühenden Augen und das feuerrote Haar, strahlten trotz der Dunkelheit. „Ich denke du weißt warum, Mädchen“. Stumme Tränen bahnten sich ihren Weg über ihr Gesicht, sie sah ihn nicht an. Sie wusste warum, die Frage schwebte ihr seit der Begegnung in Tronjheim schwer durch die Seele. Die Nebenfahnen, ihr Gedächtnisverlust war verschwunden. Der Urvater der Drachen hat sie von der Amnesie befreit.
Wir geben dir zurück wonach du verlangst.
Ihr Körper begann zu frösteln, obwohl sie schwitze. Wieso hatte sie darum gefleht? Nele weinen stumm. Durzas Trugbild stand dort, bewegte sich nicht. „Wie konntet Ihr sie töten?“. „Sie wusste welches Schicksal ihr blüht, übergibt sie dich nicht unseren König. „Er ist nicht mein König!“. „Mein Herr ist dein Vater“.
„Wie konntet Ihr sie töten?“, fauchte Nele um ihn zu unterbrechen. „Ihr das Leben zu nehmen, war für mich kein Vergnügend. In all den Jahren, empfand ich ihre Gesellschaft immer als angenehm. Wir haben nicht immer gestritten. Doch sie wusste wie es enden würde“.
Ein Stöhnen entfuhr Nele, als eine Welle Schmerzen sich durch ihren Geist zogen. „Mädchen du solltest schlafen. Selbst ich, zerfressen und beherrscht von Dämonen, kann nicht erahnen welch ein Sturm in deinen Geist tobt“. Es gab für Nele keine Möglichkeit den aufkommenden Schlaf abzuwehren. Durzas schwarze Gestalt in Blick, fielen ihre Augen zu.



„Ich habe dir nie etwas über meine Vergangenheit erzählt aber das werde ich jetzt nachholen“, atmete die Mutter aus. Nele war zum zerreißen gespannt vor Fragen. „Ich wurde in Uru´baen geboren und verbrachte auch mein damaliges Leben dort“. Uru´baen war die Hauptstadt, das wusste Nele. So weit weg! Sie wollte etwas sagen aber ihre Mutter schüttelte langsam den Kopf. „Lass mich erzählen, deine Fragen werden sich klären. Mein Vater war ein Kaufmann, gütig und gerecht, doch die Geschäfte liefen nicht gut. Er machte immer mehr Verluste. Seine Boten verschwanden und mit ihnen die Wache, kaum eine Lieferung erreichte ihr Ziel. Meine Mutter, die liebenswerteste Frau die ich kenne, hatte Mühe den Haushalt zu planen und es fehlte immer etwas. Ich war ihr einziges Kind und ich spürte wie meine Eltern eine Heirat zu unseren Gunsten, mit einen Sohn eines andren Kaufmanns in Betracht zogen. Ich war dagegen, ich wollte nicht heiraten. Schon gar nicht arrangiert. Sehr zum bestürzen meiner Eltern und vor allem entgegen ihrer Erwartung, ließ sich keine gewinnbringende Partie finden. Die letzten Verluste eilten den gerechten Ruf meines Vaters voraus.
Dann ließ der königliche Hof verkünden, dass er neue Bedienstete am Hof suche und ich folgte den Ruf. Mit vielen Dutzend anderen Freiwilligen machte ich mich auf den Weg zum Palast. Meine Eltern waren dagegen, doch war für mich die Aussicht auf eine Anstellung in jeder Hinsicht besser als eine ungewollte Heirat. An dieser Stelle brauche ich nicht besonders viel erzählen, ich wurde angestellt und durfte als Bedienstete am Hofe anfangen, der Lohn war nicht viel, doch reichte um das Geschäft meines Vaters zu unterstützen. Ich arbeitete mit wenigen anderen neuen einige Wochen in der Küche oder im Garten. Meine Liebe zu Blumen war schon immer ein Teil meines Lebens. Deshalb hänge ich auch so an unseren Garten, aber ich schweife ab. Eines Tages kam ein höhergestellter Bote zu mir und verkündigte, dass König Galbatorix neue Konkubinen suche. Ich sei den König ins Auge gefallen. Der Bote fragte ob ich den Ruf unseres Königs folgen wolle und ich stimmte vorerst zu“, die Mutter strich sich beschämt ihre feuchten Hände an den Röcken ab, sie begann zu schwitzen.

„Wenige Tage später wurden ich vor den König gestellt und er schätze mich sehr. Ich wusste, was dies bedeuten würde und du Nehalennia weißt es auch, ich habe dich gebildet. Ich verschwieg meine neue Anstellung meinen Eltern aus Scharm, ich wollte nicht das sie erfuhren wie ich ihren Unterhalt bezahlte. Mich einer Heirat zu verweigern, aber so eine Anstellung annehmen, sie wären aus allen Wolken gefallen. Ich brachte ihnen mehr Schande, als die Verluste im Geschäft. Nach einigen Tagen war es an mir..meine Stelle an zu treten. Galbatorix entledigte sich immer wieder mal, seinen Konkubinen, wenn er nicht zufrieden mit ihnen war. Jede hatte Angst die nächste zu sein, die ihre Arbeit verlor. Denn nicht jede Dame kehrte zurück in die Küche oder in den Garten..sie verschwanden. Ich merkte schnell, dass wir untereinander keine Freundinnen wurden, es herrschte reiner Konkurrenzkampf. Es gab nur eine Person am Hof der ich vertraute und das obwohl wir kaum ein Wort miteinander sprachen. Sie war die Gehilfin von einen der dreizehn Abtrünnigen.
Ihr Name war Selena, mehr wusste ich nicht über sie. So verging fast ein Jahr, ich lebte am Hof, durfte die Vorzüge des Adels genießen, tanzte auf Bällen und wärmte den König in der Nacht sein Bett. Obwohl ich aus einer Kaufmannsfamilie stammte, kannte ich den Reichtum nicht aber er gefiel mir. Meinen Lohn schickte an meinen Eltern aber ich selbst verließ den Hof so gut wie nie, es war uns auch ohnehin untersagt. Ich schrieb auch keine Briefe an meine Mutter. In diesen ersten Jahr entwickelte der König besonderes gefallen an mir und er rief mich immer öfter zu sich als die anderen. Die Konkubinen sahen das nicht gerne und so behandelten sie mich. Keine Gemeinheit die ihnen in ihrer Eifersucht in den Sinn kam, blieb unversucht. In dieser Zeit verschwand Selena, niemand wusste warum. Einige Monate später kehrte sie zurück, doch sie hatte sich verändert, ich konnte nicht sagen auf welche Art aber sie war anders. Niemand interessierte sich für ihre Rückkehr. Ich freute mich um so mehr, die Monate ohne sie waren sehr schwer, die anderen Konkubinen brannten förmlich darauf mich los zu werden und ich fürchtete um mein Leben. Im zweiten Jahr kam es wie es kommen musste und ich wurde schwanger“.

„Ich wusste wessen Kind es war, ich schlief mit niemanden anderen, selbst wenn das war uns auch untersagt gewesen. Panisch versuchte ich eine Lösung zu finden, doch es gab keine. Ich konnte mich niemanden anvertrauen. Selena sah ich nur sehr selten und dann sprachen wir nicht miteinander. Es gab Gerüchte, was mit der letzten Konkubine geschehen war die schwanger wurde und dieses Schicksal wollte ich auf keinen Fall das meine nennen. Die nächsten Rufe des Königs folgte ich nicht, meine Angst vor ihn war zu groß. Doch ich musste irgendwann nachgeben. In der Nacht in der ich wieder zu ihn ging, konnte ich meinen Umstand nicht mehr leugnen. Ich trug weite Kleider, aber den König konnte ich nicht täuschen. Er wusste bereits davon und betonte wie enttäuscht er war, dass ich es geheim halten wollte. Es gab niemanden außer mir der davon wusste, bis heute weiß ich nicht wie er heraus finden konnte. In jener Nacht stellte er mich vor die Wahl. Ich dürfte in einer anderen Stadt weiter leben, mit seinen Kind und eine Mutter sein. Er sagte, ich könnte noch leben und ein Kind großziehen aber sobald das Kind siebzehn werden würde, müsste ich es los lassen und zu ihn schicken.
Seine Stimme war ruhig aber ich glaubte nicht das er mich töten würde. Ich wusste von seinen Plänen die Drachenreiter wiederaufleben zu lassen, in seinen Bett erfuhr man viel..und ich war sein liebste. Er hatte immer beton wie gebildet und mit welchen scharfen Geist ich gesegnet bin. Du wirst es mir nicht glauben, doch er sprach viel mit mir. So wusste ich das die Zeit der Abtrünnigen ablief und er wollte sich absichern. Ich saß auf der Bettkante des Bettes, in den ich so viele Stunden verbracht hatte und musste entscheiden ob ich in dieser Nacht sterben wollte oder erst in siebzehn Jahren“.

„Wieso darf ich wählen?“ fragte ich ihn. „Ich bin doch kein Unmensch“, war seine Antwort, doch das war er. Es war ein Spiel, er wollte mich quälen, so wie die Konkubine vor mir. Er merkte wie ich zögernde und misstrauisch wurde. „Deine Vorgängerin wählte den Tot aber ich hoffe du entscheidest dich anders. Sie war nicht mit deinen Verstand gesegnet. Mir liegt deine Entscheidung nahe. Es muss dein freier Wille sein, ich werde dich nicht zwingen ein Kind unter den Herzen zu tragen das du nicht willst“. Mit wachsenden Schrecken folgte Nele der Erzählung ihrer Mutter. „Ich war nicht bereit zu sterben und mein ungeborenes Kind mit in den Tod zu nehmen. Ein Kind konnte besser sein als seine Eltern, dachte ich damals und ich betete das ich recht hatte. So willigte ich ein und er erklärte mir wie es weiter ginge. Noch in der selben Nacht wurden einige Sachen für mich zusammen gepackt und ich wurde an den von Uru´baen entferntesten Ort gebracht, Narda. Im Westen das Meer, im Osten und Norden der Buckel und weit genug von Teirm weg. Mir wurde es nicht mal gestattet mich von meinen Eltern zu verabschieden, nicht das ich das übers Herz gebracht hätte“.

Entsetzen machte sie in Nele breit. Fassungslos starrte sie ihre Mutter an, diese wich ihren Blick aus. Nele konnte sich nicht bewegen, regungslos saß sie vor ihrer Mutter. In ihr aber brach ein Sturm unbekannter Ausmaße aus.
„Behauptest du ich sei das Kind dieses Mannes?“, ihr kamen die Worte kaum über die Lippen. Ihre kleine Welt innerhalb Nardas zerbrach brutal in abertausende winzige Teile. Die Welt die sie kannte, löste sich vor ihren Augen auf.
„Das ist nicht wahr! Du lügst“, entfuhr es ihr verwirrt. Heiße Tränen sammelten sich ihren Augen. Hatte ihre Mutter sie wirklich jahrelang belogen?
„Ich wünschte es wäre unwahr.. Nehalennia ich lüge nicht“, flüsterte die Mutter kaum hörbar. Nele wollte aufstehen und weglaufen, sie musste nur schnell genug sein und sie könnte es schaffen. „Bleibt bei mir“, flehte die Mutter und packte ihre Tochter am Arm. Aus dem unbekannten starken Griff konnte Nele sich nicht befreien. „Lass mich los! Du hast mich belogen! Mein ganzes Leben hast du mich belogen und betrogen“, schrie sie. „Ich sage die Wahrheit, denke an den Mann Durza, würde ich lügen warum sollte er dann jeden Jahr zu uns kommen?“.
„Du hast deinen Körper verkauft! Du bist eine Hure“, entfuhr es Nele unbarmherzig. „Wie konntest du freiwillig das Bett eines Tyrannen betreten? Wer bist du überhaupt?“. Die Mutter stieg aus dem Sessel und zwang ihre Tochter auf die Knie.„Sprich nicht in diesen Ton mit mir! Ich bin deine Mutter“. „Du hast mich verkauft wie Vieh auf dem Markt, noch bevor ich geboren wurde. Macht eine Mutter so etwas?“. Ihr inneres zerriss, sie war enttäuscht, wütend, verwirrt, schockiert und am meisten verletzt. „Ich habe unsere Leben gerettet. Ich tat was ich tun musste um zu überleben. Ich wäre in dieser Nacht gestorben und du auch, keine Mutter lässt das zu“, rief diese verteidigend. Es wurde unerträglich still zwischen ihnen. Amelia drückte ihre Tochter immer noch an den Schultern auf den Boden und ließ sie nicht los. Nele konnte sich nicht aus ihren Griff befreien.
„Du hast den Bösen ein Kind geboren..sein Blut ist in mir“. „Ich habe dich erzogen, du bist nicht wie er, niemand ist wie er. Es war nie meine Absicht dich ihn zu überlassen. Wenn er dich mir nach der Geburt weg genommen hätte, hätte er dich geformt wie es ihn beliebt. Du wärst sein perfektes Werkzeug gewesen, dass habe ich verhindert. Lauf nicht vor mir weg, lass mich zu Ende erzählen“, bat sie und Nele willige ein, etwas anderes blieb ihr nicht übrig. Die Mutter ließ sie los und setzte sich zurück in den Sessel. Der Tee war kalt, keiner der beiden dachte daran einen Schluck zu nehmen. „Ich wurde unter Bewachung aus der Stadt gebracht, niemand erfuhr davon. Einige Wochen später stand ich hier vor den Toren von Narda. Die Wachen hatten mich bereits verlassen um kein Aufsehen zu erregen. Man sah mir die Schwangerschaft schon an, mein Bauch wölbte sich bereits deutlich sichtbar unter meinen Röcken. Es gab niemanden zu der ich konnte, ich war eine fremde, schwangere und unverheiratete Frau in einer unbekannten Stadt. Man hatte mir eine Urkunde für dieses Haus gegeben, in der stand ich sei eine Verwandte der Vorbesitzer..Ich sprach mit kaum jemanden aus der Stadt, ich konnte mir nicht sicher sein, ob Galbatorix nicht Spione ausgesandt hatte. Die Zeit schritt voran und ich gebar dich hier“.
Die Mutter griff nach den Händen von Nele und umfasste sie fieberhaft. Nele war zu überfordert um zu reagieren. „Als ich dich dann sah, wusste ich, dass du niemals nach Uru´baen zurückkehren wirst. Niemals würde ich mein Mädchen hergeben. Seit jenen Tag grübelte ich über einen Weg aus der Vereinbarung heraus zu kommen. Ich erzog dich zu einer jungen und gebildeten Frau.. ich gab dir Güte, Werte, Mitgefühl und ein Herz. Ich gab dir alles, was dir in Uru´baen verwehrt geblieben wäre. Weil ich daran glaube, dass nicht die Herkunft oder das Blut über einen Menschen bestimmt, sondert er selbst. Du bist und wirst nie ein Monster werden, wie der König es eines ist“.
„Aber wie willst du verhindert, dass ich geholt werde?“, fragte Nele voller Angst. Jedes Gerücht über den König und seine schrecklichen Taten rücken für sie in bedrohliche Nähe. „Was hat Durza damit zu tun?“. „Durza ist ein Schatten, ein Magier besessen von dunklen Dämonen. Nur seine Hülle erinnert daran, dass er eins ein Mensch war. Er ist Galbatorixs Diener“. „Und er geht jedes Jahr bei uns ein und aus! Er kennt mich, er würde ich überall finden. Mutter wie soll ich mich dessen entziehen?“.

„Du warst fast ein Jahr alt, da bekam ich Besuch, nicht von Durza. Es war Selena, meine Freundin vom Hof des Königs. Als ich sie sah, traute ich meine Augen nicht. Ich saß mit dir am Steck und betrachtete das Meer, es war ein ruhiger Tag, nicht wie die Tage zuvor wo es nur stürmte, dass wollte ich ausnutzen. Auf einmal stand sie da, ihre Kleidung war von der weiten Reise verdreckt, sie hatte kaum Gepäck bei sich und allgemein sah sie bemitleidenswert aus. Das klingt hart aber sie sah wirklich schlecht aus. Ich hatte keine Zeit um einen klaren Gedanken zu fassen, da setzte sie sich zu uns und begann zu weinen. Ich habe ja erzählt, dass wir am Hof kaum miteinander gesprochen hatten. Erst weinte sie nur, dann erzählte sie mir ihre Geschichte. Sie erklärte mir, warum sie damals verschwand. Sie war ebenfalls schwanger gewesen, von Morzan. Er war der beste unter den dreizehn Abtrünnigen und der treuste Diener unter Galbatorix. Unter Tränen erzählte sie, wie Morzan sie fort schaffte um die Schwangerschaft geheim zu halten. Doch erfuhr Galbatorix davon. Nachdem sie ihren Jungen geboren hatte, zwang Morzan sie wieder zu ihn zurückkehren. Ihren Sohn sah sie nur alle paar Wochen, wenn überhaupt.
Auf meine Frage warum sie nun in Narda sei, zuckte sie zusammen. Sie sei fort gelaufen, sagte sie und hielt sich den Bauch. Da sah ich die Wölbung unter ihren Kleid. Sie war wieder schwanger. Sie versicherte mir, dieses Kind wäre anders und sie müsse es beschützen. Ich erfuhr, dass sie auf den Weg nach Cravahall war, das kleine Dorf östlich des Buckels. Sie wollte es noch vor der Geburt zu ihren Bruder schaffen, der da mit seiner Familie lebte. Auf meine Frage, warum sie nicht die direkte Route genommen hatte, griff sie nach meiner Schulter und sagte sie wusste das ich hier sei und sie wollte mich ein letztes mal sehen. Woher sie meinen Aufenthaltsort kannte wusste ich nicht. Ich frage auch was aus ihren erstgeborenen Sohn werden sollte, da begann sie erneut bitterlich zu weinen. Sie musste ihn zurücklassen und das brach ihr das Herz. Ich konnte sehen, wie die Schuldgefühle sie auffraßen. Ich fühlte mit ihr, sie musste ihren ersten Sohn in der Hölle selbst zurück lassen, um ihr zweites Kind zu retten. Wir sprachen noch etwas, dann hievte sie sich wieder auf und deute auf dich. „Sie kommt nach dir“ hatte sie gesagt und schenkte mir ein aufgemuntertes Lächeln. „Ich habe dafür gebetet“, gab ich zurück. Sie sagte sie werde dir ein Geschenk machen, wenn ich sie ließe. Durch ihre Geschichte wusste ich, dass sie selbst Magie beherrschte. Morzan hatte es ihr beigebracht und sie sei sehr talentiert. Als sie dich im Arm hielt, sprach sie Worte die ich nicht verstand, doch klangen sie alt und machtvoll. Sollte der Tag kommen, sagte sie noch, soll ich dich zu ihren Bruder Garrow nach Cravahall schicken, sie würde ihn von uns erzählen. Erst später verstand ich, wie sie das meinte, sie zeigte mir den Ausweg den ich so verzweifelt gesucht hatte.
Sie verschwand und danach sah ich sie bis zum heutigen Tag nie wieder, ich habe auch nie erfahren, ob sie es zu ihren Bruder geschafft hat oder nicht“. Die Mutter verstummte. „Das ist meine Geschichte und deine auch“.


„Du wirst noch diesen Herbst mit den Händlern die aus Teirm kommen aufbrechen. Je eher du es über den Buckel geschafft um so besser. Ich habe eine Händlerfamilie letztes Jahr gebeten, dich sie begleiten zu lassen. Ich könnte dich nicht allein durch den Buckel ziehen lassen! Ich habe ihnen gesagt du würdest entfernte Verwandte besuchen. Die Händler nehmen trotz der stürmischen Winde und des anbrechenden Winters immer die Route durch den Buckel, nach Therinsford bis nach Cravahall“, erklärte Amelia und holte eine kleine, fein verzierte Holztruhe unter ihren Bett hervor. Nele stand mit feuchten Wangen mitten im Schlafzimmer und rührte sich nicht. Sie hatte nach Antworten verlangt, hatte diese bekommen und nun wünschte sie sich nie nach ihnen verlangt zu haben.
„Der Winter zieht sich gerade erst zurück, es wird Frühling. Wir haben den ganzen Sommer und Herbst Zeit um Vorkehrung zu treffen und auf die Händler zu warten“. Die Mutter stellte die Truhe ab und zerrte an Neles Kleidung, begutachtete ihren Zustand. „Ich soll fliehen?“, stammelte diese verwirrt, „es gibt keinen Ausweg. Ich bin verdammt“. Ihre Mutter tätschelte ihre Wangen, Nele war zu benommen um ihren Kopf ab zu wenden. „Es gibt immer einen Ausweg“. Amelia wandte sich von ihrer Tochter ab und zog einen Jagddolch aus der Truhe. Nele sah den ellenlangen Dolch zum ersten mal. Er war schlicht, ohne Verzierungen oder Wiedererkennungswert. Wehmütig strich die Mutter über dessen scharfe Klinge, die dazu gehörige Scheide lag noch in der Truhe. „Mein Vater gab ihn mir mit als ich meinen Dienst am Hofe antrat“, ihr Gesicht verzog sich zu einer Fratze, „um mich vor Übergriffen verteidigen zu können. Wenn er wüsste welche Schande ich ihn gebracht habe..“. Mit Tränen in den Augen reichte sie den Dolch ihrer Tochter.
„Nimm ihn“. „Ich kann damit nicht umgehen!“, entfuhr es Nele.
Fordern drückte sie ihr den Dolch in die Hände. „Du kannst Fische ausnehmen. Es ist das selbe Prinzip. Aber in den nächsten Monaten werde ich dir bei bringen, wie man damit umgeht“. . „Leben sie noch? Deine Eltern?“, fragte Nele leise.
Die Mutter schüttelte den Kopf: „Ich weiß es nicht...vielleicht sind sie schon vor Jahren gestorben“. Nele wollte darauf nichts erwidern. „Ich habe Narda kaum verlassen, wie soll ich eine solche weite Reise schaffen? Der Buckel ist voller Gefahren!“, gab sie stattdessen zu bedenken. Amelia deute Nele an ihr zu folgen und verließ das Haus. Sie deute aus Narda heraus, Richtung Nordosten. „Du wirst die Händler bis Caravahall begleiten, dort lebt Selenas Bruder, Garrow. Sie versprach mir ihn von uns zu erzählen. Cravahall liegt weit im Norden, dort hoffe ich wirst du fürs erste in Sicherheit sein“. „Fürs erste?“. „Es ist ein Spiel auf Zeit Nehalennia. Dem König kann man nicht entkommen und seinen finsteren Dienern auch nicht. Womöglich wirst du weiter hinauf in den Norden fliehen müssen, nach Ceunon oder weiter. Wirklich sicher wirst du erst sein, wenn du das Königreich verlassen hast, möglicherweise nicht einmal dann“.
„Das ist Wahnsinn! Ich werde niemals allein zu recht kommen. Ich kenne mich nicht aus, weder mit reisen, jagen oder der Wildnis. Warum begleitest du mich nicht? Wir fliehen zusammen“. Sie gingen zurück ins Haus, denn der Wind hatte sich gedreht, trug die kalte Meeresluft direkt zu ihnen. „Ich kann dich nicht begleiten, diesen Weg musst du alleine gehen. In Cravahall hoffe ich wirst du Garrow finden und ich bete das Selena ihn Anweisungen übergeben hat“. Mit einer geschmeidigen Bewegung zog sie den Dolch aus der Scheide und warf ihn in die Luft. Nele stockte der Atmen, doch ihre Mutter fing den Dolch wieder am Griff auf. „Ich werde dir beibringen was ich weiß, uns bleibt nicht mal ein Jahr“.


Die schmerzhafte Erinnerung verblasste und Nele schlug die Augen auf. Der Traum erschien ihr unendlich lang, doch herrschte draußen immer noch tiefste Nacht. Durza stand an der selben Stelle neben dem Bett, hatte sich nicht bewegt. „Warum weigerst du dich zu schlafen?“. „Ich brauche kein Schlaf, ich brauche Antworten. Damals in Tronjheim, als ich Euch nicht wiedererkannte, sagtet Ihr ich müsste tot sein“. „Im Buckel war ich blind, meine Wahrnehmung war getrübt. Ich erklärte dich für tot, weil du es in diesen Augenblick warst. Keine Sekunde dachte ich daran, du würdest zurück ins Leben finden“.
„Ihr seid eine Einbildung, erzeugt von meinen Unterbewusstsein. Ihr sagt nur, was ich mir selbst ein zu reden versuche“. „Du siehst mich, weil du es möchtest“, erwiderte Durza. Eine Flut von Erinnerungen übermannten Nele, trieb sie erneut zurück in den Schlaf. „Ich möchte Euch nicht mehr sehen Schatten. Selbst wenn Ihr all die Jahre Gast in meinen Leben wart, kann ich Euch nicht verzeihen. Ihr habt meine Mutter ermordet, Arya gefoltert, Eragon zum Krüppel verbannt, mir beinah das Augenlicht genommen und so vieles mehr. Das werde ich Euch nie verzeihen“. „Befehle meines Herren“, nutze der Schatten ihre Atempause.
Einst wurden sie und Eragon von ihren Meister gefragt, ob sie Durza als böse bezeichnen würden. Ein Schatten entsteht, wenn ein Magier von dunklen Dämonen befallen wird. Macht dies den Magier zum Bösen oder zur Marionette der Dämonen? Damals war sie von seiner Bosheit überzeugt, noch nun wurde ihr bewusst wie geblendet sie von Unwissenheit und Wut war. All die Grausamkeiten würden nie gerechtfertigt oder verziehen werden, doch geschahen sie.
„Ihr musstet Gefolge leisten und das nicht nur den Dämonen in Euren Körper. Dennoch kann ich Euch nicht verzeihen. Eragon hat Euch besiegt, der letzte Rest Mensch ihn Euch ruht nun befreit von den Dämonen“. Seine bleiche Hand berührte ihre Schulter: „Ich wäre dir in Uru´baen nicht von der Seite gewichen Nehalennia“. „Tut es nun Durza. Geht und ruht“, befahl sie schwer. Sie sah noch wie der Schatten stumm seinen Kopf neigte, ihren Wunsch hinnahm. Dann versank sie in tiefen Schlaf.



Die Händler erreichten pünktlich Mitte Herbst Narda. Neben dem florierenden Fischfang, betrieben die Fischer Nardas in den letzten Sommermonaten Robben und Walross Jagt. Öle, Häute und Fleisch werden dann nachdem die Nordwestwinde Ende des Sommers einsetzen von Schiffen nach Teirm und ins restliche Königreich geschifft. Ab Herbst und im Winter steht der Fischfang fast still und es kommen keine Schiffe aus den anderen Städten. Neben dem Meer, gab es in Narda aber auch begabte Heiler, welche Kräuter anbauen und diese bis weit nach Uru´baen verkauften. Schnitzen war ebenfalls eine beliebte Tätigkeit und so gelangen viele Kunststücke in die anderen Städte. In Teirm gibt es einen Laden der Schnitzkunst aus Narda verkauft und diese sollen dort sehr beliegt sein.
Ach die Schuster sind weit bekannt und sehr gefragt, jedoch nehmen nicht viele Händler den langen Weg nach Narda auf sich. In dieser Zeit sind die Bewohner Nardas auf die unerschrockenen und umherziehenden Händler angewiesen. Die Händler dienen auch zum Informationsaustausch und sie bleiben meistens mehrere Wochen, in dem sie die Schenken der Stadt mit Gold und Silber füllten.
Der Herbst war golden und mild und Nele und ihre Mutter Amelia suchten die Familie auf, mit welcher Nele nach Cravahall aufbrechen sollte.
Mutter und Tochter liefen über den gefüllten Marktplatz, auf den die Händler ihre Zelte aufgebaut hatten. Das Ehepaar mit dem Neles Mutter letztes Jahr im Gespräch gewesen war, war sehr freundliche und ehrliche Leute. Der Mann, sein Name war Mundto war hoch gebaut, trug seine braunen Haare zu seinen tiefen Zopf gebunden und war Waffenhändler. Seine Frau Hildtha, verarbeitete Leder und Stoffe, doch war ebenso geschickt mit dem Hammer wie ihr Mann. Sie hatten zwei Kinder, Jaath und Helda. Ihr Sohn Jaath war für einer Anstellung in Teirm, denn er sollte seine Erfahrungen machen. Die jüngere Tochter Helda, war im Sommer eine vorteilhafte Verbindung mit einen jungen Kaufmann eingegangen und erwartete ihr erstes Kind. Die Begegnung verlief freundlich und auch wenn Nele beim Gedanken an ihr Vorhaben schlecht wurde, befand sie Mundto und Hildtha für gut.

Nach Wochen ging der Aufenthalt der Händler zu Ende und so auch Neles Zeit in ihrer Heimatstadt. Nele hatten diesen Tag gefürchtet und je näher er kam, um so mehr sehnte sich nach ihren alten Leben. Doch war ihr bewusst, dass selbst wenn sie an ihren Namenstag nicht gelauscht hätte, wäre ihre Mutter trotzdem gezwungen gewesen ihr von ihren Schicksal zu erzählen. Ihre Mutter brachte ihr all das bei, was sie über das reisen wusste. Den Dolch konnte Nele nach langen üben auch zur Verteidigung einsetzen, auch wenn sie von solchen Kunststücken wie ihre Mutter sie beherrschte absah. Nele durfte sich nur von zwei Personen verabschieden, auch wen ihre Mutter erst dagegen war. Doch Nele hatte darum gebettelt. Matilda und Mical, Geschwisterkinder des Pferdezüchters, waren in ihren Alter und sie teilten schöne Kindheitserinnerungen miteinander. Da Amelia die beiden Kinder selbst gern hatte, auch sie waren ohne eine Mutter aufgewachsen, war sie Neles betteln nachgekommen.
Ihr Aufbrechen, so spät im Jahr, um entfernte Verwandte zu besuchen wurde zwar von den Geschwistern verwundert zur Kenntnis genommen, doch hinterfragten sie die genauen Gründe nicht. Auch das Nele sie bat, es geheim zuhalten, versicherten sie ihr. Nele sollte nur versprechen heil an zukommen und vor allem nach dem Sommer heil wieder zurück kehren. Der Abschied fiel Nele schwer, doch wusste sie, würde ihr das schwerste noch bevor stehen.

Die Zelte der Händler waren zusammen gepackt und ihre Karawane, bestehend aus Pferden, Wägen und Nutztieren, sammelten sich draußen vor dem Stadttor.
„Wir sind ein Händlerverband von dreißig ehrlichen Menschen, gute Frau“, sagte Mundto zu Neles Mutter, „dein Mädchen wird kein Leid geschehen, wir werden sie ehren wie unsere eigenen Kinder. Sag mir, warum hast du deiner Tochter die Haare geraubt?“. „Wahrlich eine Schande“, flüsterte Hildtha und fasst Nele in die nicht mal mehr Schulterlangen Haare. In der Nacht bestand ihre Mutter darauf Nele bei Kerzenschein die Haare zu schneiden. „Deine Haare verraten dich, deshalb müssen sie ab“, hatte die sie gesagt. Nele wagte nicht etwas dagegen zu unternehmen. Ihre Haar glich das ihrer Mutter im Detail, Durza oder der König selbst würden sie daran erkennen. Mit einen Band, machte Nele sich einen Zopf und schlug die Kapuze ihres Umhanges über.
Der Beutel war dürftig gepackt, sie konnte nur wenig mitnehmen. Sie besaßen nicht vieles, doch musste Nele einiges zurück lassen. „Ich habe euch zu danken. Sie mit euch zu meinen Verwandten zu schicken, beruhigt mich ungemein“, log Amelia.
Der Moment des Abschiedes war gekommen und die Mutter nahm ihre Tochter zur Seite. „Sollten die Soldaten des Königs, seine Diener oder Durza selbst euch finden“, begann sie ernst, „musst du für dich selbst entscheiden wie es weiter gehen soll. Ich habe dir das Leben geschenkt aber du musst selbst entscheiden welchen Weg du beschreitest. Ich werde nicht mehr über dein Leben richten. Sollten sie dich finden, musst du entscheiden ob du überleben willst oder nicht“.
Nele brannten die Tränen in den Augen, sie musste sich von ihr bekannten Leben verabschieden, von ihrer Mutter und von ihrer Heimat.
„Werden wir uns nicht wiedersehen?“, fragte sie abermals, doch Amelia schüttelte wehmütig den Kopf. „Ich werde immer bei dir sein“, strich sie ihr übers abgeschnittene Haar, „ich bin deine Mutter, kein Band ist stärker als das zwischen Mutter und Kind“. Nele versteckte ihre Tränen nicht. Vor Monaten war sie noch sauer gewesen, wütend darüber, dass sie belogen worden war.
Doch hatte sich dieser Hass gelegt denn Nele erkannte, dass ihre Mutter sie nicht weggeben konnte. Niemals würde ihre Mutter die Vereinbarung halten wollen, die sie vor all dem Jahren eingegangen war. Sie war bereit ihr Kind ziehen zu lassen, in der Hoffnung sie würde untertauchen können. „Kannst du nicht mit kommen? Oder mich besuchen kommen oder ich dich?“, fragte Nele verzweifelt.
Doch Amelia schüttelte abermals traurig den Kopf. Sie konnte es nicht in Worte fassen aber ihr Blick verriet Nele, dass ihre Mutter nicht glaube das Jahr zu überleben. „Ich habe meine Aufgabe erfüllt“, schluchzte sie stattdessen, „ich habe dich groß gezogen und war dir eine Mutter. Mehr wollte ich nie sein und werde ich nie sein, nur eine Mutter die ihr Kind bedingungslos liebt...“.
Nele vergrub ihr Gesicht in der Schulter der Mutter, es war ihre letzte Umarmung und sie sollte nicht aufhören. Ihre Mutter verlor ihre Standhaftigkeit und weinte.
„Vergiss nicht was ich dir gesagt habe“, wiederholte sie und wischte ihrer Tochter die Tränen von den Wangen. „Ich habe Angst“, weinte Nele. „Angst ist ein guter Begleiter, nur darfst du sie nicht die Oberhand gewinnen lassen“. Sie umfasste Neles Kopf und küsste mehrmals ihre Stirn. „Nehalennia... Möge das Glück dir hold sein. Mögest du Frieden im Herzen tragen und mögen die Sterne über dich wachen. Nun geh und dreh dich nicht um. Mein Mädchen, mein kleines Mädchen..“. Sie löste die Umarmung und Neles Herz brach. „Ich verzeihe dir“, schluchzte sie bitterlich, „ich verzeihe dir alles“. Die Mutter senkte weinend ihr Haupt. So sah Nele ihre Mutter das letzte mal, den sie tat wie gebeten, sie drehte sich nicht um, auch wenn ihr Herz danach schrie.



Nele rannte durch den Schnee, achtete kaum darauf wohin sie trat. Hinter ihr mindestens zehn Soldaten die ihr mit schweren Rüstungen und blutigen Schwertern hinter jagten. Der Anführer der Truppe schrie harte Befehle und Nele rannte schneller. Heiße Tränen der Panik liefen ihr übers Gesicht, die Soldaten waren im Buckel positioniert gewesen, als hätten sie auf ihre Ankunft gewartet.
Mundto, Hildtha und all die anderen Händler ihrer Reisegruppe wurden achtlos in den frühen Morgenstunden überfallen, keiner wurde verschont. Nur sie selbst war übrig geblieben. Sie rannte, obwohl sie durch die eiskalte Luft kaum noch atmen konnte. Ihre Lungen brannte wie Feuer, dann musste sie plötzlich abbremsen.
Das sie einen Felsvorsprung hinauf gerannt war, hatte sie nicht bemerkt.
Einige Schritte vor ihr war der Felsen zu Ende. Zu ihrer Seite tobte ein Wasserfall, so gewaltig, das er selbst bei der eisigen Kälte nicht gefroren war.
Viel zu hoch war der Felsvorsprung und so tiefer ging es hinunter zu einen kleinen See, in dem das Wasser des Wasserfall sich seinen Weg über ein Flussbett durch das Gebirge bahnte. Nele wandte sich keuchend ihren Verfolgern zu, sieh hielten ebenfalls schwer atmend aber triumphierend Abstand, schließlich konnte ihre Beute nirgendwo mehr hin. Der Anführer trat vor. Seine Rüstung unterschied sich von den der anderen Soldaten, doch Nele wusste nicht welche Bedeutungen sich hinter den unterschiedlichen Abzeichen verbargen, die die Schultern und Brust schmückten. Sein Gesicht war rot vor Kälte und er prustete vor Anstrengung. Er nahm seinen Helm ab und Nele hätte sein Gesicht als gut aussehend bezeichnet, wäre nicht sein Befehl gewesen, unschuldige Menschen im Schlaf zu töten. Vor Kälte zitternd hielt Nele den Jagddolch ihrer Mutter auf ihn gerichtet, mit der rechten Hand presste sie das Bündel mit ihren wenigen Habseligkeiten an sich.

„Ich bin der Leutnant diese Truppe, wir stehen unter Befehl des Schattens Durza. Wenn du dich ergibst, hast du mein Wort das dir nichts widerfahren wird. Meine Männer wissen sich zu benehmen“, begann der Mann mit erhobenen Armen, zeigte das er keine Waffe in den Händel hielt. Auf seinen dunkeln Haupt sammelten sich die ersten Schneeflocken. Sie erwiderte nicht, ein kurzer Blick über die Schulter verriet ihr, dass sie endgültig in der Falle saß. Nele biss sich auf die blauen Lippen, jeder Gedanke schoss ihr durch den Kopf und suchte verzweifelt nach einen Ausweg. „Ich ergeben mich aber kommt kein Schritt näher“.
Der Leutnant wirke überrascht, nickte dann aber. „In dir ruht Vernunft, Mädchen. Steck deine Waffe weg und werfe alles zu mir“. Zitternd und mit tauben Händen nahm Nele das Bündel und warf es zwischen ihr und den Soldaten in den Schnee. Laut rauschte das Blut durch ihren Kopf. So geht es zu Ende..
„Ihn werde ich nicht mehr brauchen“, flüsterte sie und stecke den Dolch zurück in die Scheide um ihrer Hüfte. Wachsam und mit großen Augen, folgten die Soldaten ihren Bewegungen. Nele glaubte den Versprechen, seine Männer unter Kontrolle zu haben kein bisschen. Langsam fummelte sie an den Knoten um ihren Hals und den schweren, wärmenden Umhang zu lösen. Die Augen der Soldaten wurde größer. Du musst selbst entscheiden welchen Weg du beschreitest. Hatte ihre Mutter ihr zum Abschied gesagt und nun, im letzten Augenblick begann Nele die Worte zu verstehen. Ich werde nicht mehr über dein Leben richten. Sollten sie dich finden, musst du entscheiden ob du überleben willst oder nicht.
Nele konnte ihr bisheriges Leben ehrlich führen, weil ihre Mutter einen hohen Preis aspektiert hat, den sie nun zahlen müsse aber nicht wollte. Sie wollte es sich seit dem Abschied ihrer Mutter, nicht eingestehen aber nun verstand sie die letzten Worte um so besser. Lieber ein kurzes aber ehrliches Leben, als das was sie in den Fängen des Königs, ihres Vaters erwartet würde.
Sie durfte erfahren wie es ist einen freien Willen zu haben, wie es ist geliebt und gütig behandelt zu werden. Alles Erfahrungen die ihr unter der eisernen Hand des König verwehrt geblieben wären. Sie gehörte niemanden und würde nie jemanden gehören, gleich wessen Blut sie durchfloss. Der Knoten des Umhanges war gelöst und Nele ließ ihn langsam an ihren Schulter runter gleiten. Sofort biss sich der kalte Wind in ihre Haut, die nur noch von ihrer Reisekleidung bedenkt war. Zähneknirschend rollte sie den Umhang zusammen und warf ihn zum Bündel.
„Was tust du? Willst du erfrieren?“, fuhr der Leutnant sie bissig an, doch Nele hob ihre Hand. „Ich sagte keinen Schritt weiter“. Sie zitterte unkontrolliert und die Fingerspitzen waren bereits blutrot vor Unterkühlung.
Die Kälte kroch ihr tiefer in die Knochen. Erneut hob sie ihr Kinn und zog die frierenden Schultern straff. Die abgeschnittenen Haare hatten sich aus ihren Zopf gelöst und fegten ihr übers eiskalte Gesicht. „Wie lautet Euer Befehl? Wisst Ihr wer ich bin?“, sie war so gut wie tot. Er will sicher nur wieder ans wärmende Feuer, dachte Nele. Ein Genuss, in den sie nie wieder kommen würde. Wärme..
Der Leutnant runzelte die Stirn aber antworte ihr: „Ich habe den Befehl eine jungen Frau mit zu nehmen und man sagte mir, ich würde sie im Buckel finden“. Nele erlaubte sich ein Lächeln: „Fragt Euren Befehlshaber wer ich war“. Sie sah den verwunderten Gesichtsausdruck des Leutnants. Einen letzten kalten Atemzug nahm sie noch, dann machte immer noch mit erhobenen Kinn die letzten Schritte zurück. Der Leutnant und seine Soldaten begriffen zu spät was sie vor hatte und reagierten zu langsam. Noch während sie vorstürmten, trat Nele endgültig ins Leere und fiel rücklings in die Tiefe. Voller Angst kniff sie die Augen zu, die Arme weit ausgebreitet. Für einen Augenblick fühlte sich der Fall wunderbar an. Sie war leicht wie ein Vogel, der durch die Luft glitt. Frei wie ein Drache aus den alten Geschichten, die man sich hinter vorgehaltener Hand immer noch erzählte.
Doch dann wurde sie schwer, schwerer als der größte Berg und der Aufprall ins kalte Nass war unbeschreiblich, es war das letzte was sie spürte bevor sie in die kalten Dunkelheit eintauchte und die Dunkelheit in ihr.


Durza war geblieben, betrachtete das schlafende Mädchen, welches er hat aufwachsen sehen. Ihr Schlaf war unruhig, er wollte sich ihr leid nicht vorstellen. Das Fieber trieb ihr Schweißperlen auf die Stirn, welche er fort wischte. „Ob du mich hörst? Ich werde gehen, wie es dein Wunsch ist. Doch möchtest du nicht wissen was sich nach deinen Fall ereignet hat?“.


„Verdammt!“, fluchte der junge Leutnant und stürmte ans Ende des Vorsprungs an den das Mädchen gerade noch gestanden hat. „Runter zum Wasser, sofort!“, befahl er seinen Männern hinter ihn, diese eilten gehorsam den steilen Weg hinunter.
Der Rest seiner Truppe stand bereits am Fluss versammelt und sah zu ihn auf.
Sie hatten den Sprung des Mädchen mit angesehen. „Holt sie raus, verdammt!“, rief er während er den Umhang und das Bündel aufhob.
Sein fluchen wurde lauter und wüster. Nur ein einziger Soldat sah sich verpflichtet den Befehl seines Leutnants zu folgen und watete in eiskalte Nass. Er musste nicht lange nach den Körper des Mädchens Ausschau halten. Schwindel überkam ihn, als er nach ihren leblosen Körper griff und sie an Land trug. Die nasse Kleidung klebte an ihren steif gefrorenen Körper. Die weiteren Soldaten sammelten sich um den Körper und murmelten bestürzt. „Sie sieht noch so jung aus“, meinte einer.
„Solch eine Verschwendung“, ein anderer. Viel zu lange hatte der Leutnant für den Abstieg gebraucht, ihn war zu schwindlig um einen Fuß vor den anderen zu setzten, was ihn aber nicht davon abhielt zu fluchen.
Sein Befehl war klar und deutlich gewesen. Er und seine Männer sollten das Mädchen einfangen und lebenden zum Schatten Durza bringen. Lebend...
Wie konnte er auf diesen billigen Trick reinfallen? Angst machte sich ihn breit.
Wie würde der Schatten reagieren wenn er ihren leblosen Körper sieht? Seine Schritte wurden schwerer und langsamer, als er auf seine Männer die das Mädchen umstellten zu ging. Zwei der Soldaten traten zur Seite um ihn durch zulassen.
Wie betäubt ging der Leutnant auf die Knie und zog sich seinen rechten Handschuh aus. Prüfend hielt er sie den Mädchen an Mund und Nase, kein Hauch. Sie atmete nicht mehr. Mit zitternden Händen griff er vorsichtig nach ihren Kopf um diesen zur Seite zu drehen. Doch er zog die Hände weg, als er warmes Blut spürte. „Sie muss auf den Kopf aufgeschlagen sein“, schlussfolgerte er bestürzt. „Was machen wir nun Leutnant? Wenn der Schatten sie so sieht...“, begann der erste das aus zusprechen, wovor sich der Leutnant selbst fürchtete.

„Wenn ich sie wie sehe?“, fragte plötzlich eine Stimme kälter als Eis, abseits von ihnen. Wenn der Leutnant noch Farbe im Gesicht gehabt hätte, wäre sie ihm beim Klang dieser Stimme fort gewichen. Er kam in den Stand und wandte sich seinen Befehlshaber zu. Er hasste diesen Schatten. Er fürchtete ihn. Sein Körper und Geist waren besessen von Dämonen aus vergessenen Zeiten. Durza der Schatten stand mit auf den Rücken verschränkten Händen da und sah ihn erwartungsvoll mit den furchterregenden gelben Augen an. Seine blutroten Haare bissen sich mit den weißen Schnee zu seinen Füßen. Pflichtbewusst trat der Leutnant zur Seite und gab die Sicht auf das leblos Mädchen frei. Augenblicklich brannten die gelben Augen des Schattens auf. „Sie ist tot?“, entfuhr es ihn und trat auf sie zu, seinen Blick nicht von ihren Körper abgewandt. Der Leutnant räusperte sich: „Ja... Sie hat uns glauben lassen sich ergeben zu wollen, dann ist sie gesprungen“.
Wie auch schon der Leutnant, bückte sich der Schatten und begutachtete ihren Körper. „Tot nützt sie meinen Herren wenig“, giftete er kalt, doch strich ihr fürsorglich über die eiskalte Wange. Dann kam wieder in den Stand. Niemand widersprach, der Leutnant und seine Männer wussten, dass Durza Galbatorix, ihren König meinte. „Wer war sie?“, fragte der Leutnant und erntete einen wütenden Blick des Schattens. Seine gelben Augen loderten, wie dämonische Feuer.
„Maße dir nicht an mir Fragen zu stellen. Ihr seid zwei Dutzend Männer und konntet ein Mädchen nicht fangen. Du kannst mir dankbar sein das ich euch nicht die Hälse umdrehe!“. Durza drehte den Körper des Mädchen auf die Seite, richtete ihren blutenden Kopf aus und fuhr ihr mit seinen langen Fingerspitzen über die Schläfe. Eine trauernde Geste. So wie sie da lag, könnte man meinen sie würde nur schlafen. Es verstrichen einige Sekunden bis der Schatten sich wieder erhob. „Ich werde meinen Heeren davon berichten müssen. Nimm deine Männer und kehrt zurück nach Gil´ead. Ich muss einer alten Bekannten einen Besuch abstatten und danach muss ich wenigstes einen Auftrag erfüllen. Mein Herr wünscht sich das gestohlene Drachenei zurück“.
Mit einen Luftzug verschwand der Schatten wie er erschienen war. Die Blicke der Männer lagen auf den Leichnam des Mädchens. „Werden wir sie beerdigen?“, fragte einer und hockte sich hin. Er bekam Zustimmung mehrerer Soldaten.
Doch der Leutnant schüttelte schwer den Kopf. Ein Kloß schnürte ihn den Hals zu, denn auch er wollte sie beisetzten. Er entwirrte den schweren Umhang, denn das Mädchen noch getragen hatte. Dann reichte er den hockenden Soldaten den Umhang und wandte er sich zum gehen. „Nein, unser Befehl lautet zurück nach Gil´ead zu ziehen. Bedeckt ihren Körper wenn ihr wollt, mehr werden wir nicht tun“.



Die Melodie eines Vogelschwarms weckte Nele, die Nacht war vorüber und die Blutschwur-Zeremonie zu Ende. Sie war dieses mal nicht allein, ein Elf saß auf Fußende des Bettes. Sein Gesicht war markanter und wurde von Besorgnis beherrscht. Im Zimmer waren außerdem noch Meister Oromis und auf einen Stuhl saß Saera. Ihre Augen waren verbunden und in ihren Händen hielt sie einen Wanderstab. Die Erleichterung über Neles erwachen war groß. Diese richtete sich im Bett auf, trug immer noch ihr geliehenes Kleid. Arya war nicht unter ihnen.
Der Elf den Nele nicht kannte, reichte ihr einen Krug Wasser. „Wir waren so in Sorge“, sagte er. Nele nahm ihn mit eindringlichen Blick den Krug ab.
War er ein Heiler? Das Wasser kühlte ihre Kehle und wusch den metallischen Geschmack hinfort. „Wo ist Eragon?“, wandte sie sich an ihren Meister.
Dieser schien ein Schmunzeln nicht unterdrücken zu können, auch wenn seine Miene sehr besorgt war. „Aber ich bin doch hier!“, rief der fremde Elf am Fußende mit einen breiten Lachen verwundert. Seine Haut erstrahlte hell, die Augen standen schräger und seine Ohren liefen spitzt zu. Das markantes Gesicht, zeichnete sich durch ein kräftiges Kinn und dichte Augenbrauen aus. Nele hatte große Mühe ihren geliebten Freund in den neuen Gesicht wieder zu finden.
„Wie ist das möglich?“. „Ich weiß es nicht, aber mir wurde ein neuer Körper geschenkt. Jede Narbe ist verschwunden, mein Rücken ist geheilt. Ich fühle mich wie neu geboren!“, sprudelte Eragon voller Freunde und Dankbarkeit über die Gabe die ihn zu teil wurde. „Ich sehe die Welt durch neue Augen, meine Sinne wurden geschärft. Ich kann im dunkeln sehen und Gerüche wahrnehmen die ich noch nie gerochen habe“. „Eragon! Zügel dich, wir sprachen darüber“, unterbrach Oromis ihn sanft. „Wo sind Stac und Saphira?“. „Sie und Glaedr warten draußen. Gestatte der Verbindung zwischen euch sich zu finden, hab keine Angst“, antwortete Oromis.

Das wiederherstellen der Verbindung zu Stac fiel Nele sichtlich schwer, ein Teil ihres selbst weigerte sich. Sie habe ihre Drachendame nicht verdient, schrie er, welch eine Schande sie sei! Doch musste Nele nicht weiter aus sich heraus kommen, Stac kam ihr entgegen und schmiegte sich geistig an sie. So sehr, Nele konnte ihren warmen Atem spüren. Ich war so in sorgen um dich! Die ganze Nacht war deine Präsens für mich nicht richtig zu greifen. Ich werde dich immer lieben, meine Kleine. Du hast ein gutes Herz. Wir sind Drache und Reiter, unsere Band ist unzerbrechlich. Wage es nicht mir zu widersprechen, meine Liebe zu dir ist bedingungslos.
Nele sprach kein Wort. Ihr Meister trat zu ihr ans Bett und ergriff ihre fröstelnde Hand. Die Wonne des Schlafes hatte sich verzogen und sie wurde von der Schwere der Realität eingeholt. Erneut begann sie zu weinen und wollte die Hand von ihren Meister lösen. Sie verdiente seinen Trost nicht, niemals wieder.
Doch Oromis Augen waren voller Güte und Fürsorge, es schien als müsse sie ihn nicht erklären was mit ihr geschehen war. „Belaste dich nicht all zu sehr damit. Es wird unsere Meinung von dir nicht ändern“. „Ich sollte nicht leben..“, schluckte Nele schniefend. „Meine Aufzeichnungen deuteten also die Wahrheit“, stellte Saera von ihren Stuhl aus fest, ihr Blick ging ins Leere.
„Ich versteh das nicht. Warum bist du noch ein Mensch?“, fragte Eragon zwischen Nele und ihren Meister blickend, „wurde dir keine Gabe zu teil?“.
„Meiner Befürchtung nach, war eine andere Gabe für Nele bestimmt Eragon“, sprach Oromis ruhig. Er löste seine Hände von ihren. „Sie gaben mir meine Erinnerungen zurück“, bemühte sich Nele es Eragon zu erklären. Sie griff nach seinen nun feinen und schlanken Händen. „Bitte wende dich nicht von mir ab Eragon. Ich flehe dich an! Meine Augen wurden geöffnet und meine Erinnerungen sind wieder die meinen...“. „Das würde ich nie!“, rief er aus.
„Höre mich erst an, bevor du solche versprechen machst“. Sie sammelte sich.„Unsere Überlegungen stimmten, ich stamme aus Narda, ich lebte dort mit meiner Mutter und es war Durza der sie tötete. Wir lebten in Frieden bis sie eines Tages gezwungen war, mir von meinen Schicksal zu erzählen. Meine Mutter diente Galbatorix, bis sie sein Kind erwartete und er mit ihr eine Vereinbarung schloss, es ihn zu überlassen. Eragon, ich bin dieses Kind. Sein Blut fließt durch meinen Körper“. „Das ist eine Lüge“, entfuhr es ihn schockiert, „das muss ein schreckliches Missverständnis sein“. Ihn stiegen Tränen in die Augen, nicht weil er sich vor ihr fürchtete oder er sich hintergangen fühlte, sondern weil er sah wie sie litt. „Nein es ist wahr. Meine Gedanken sind blitzschnell und träge zugleich, doch ich erinnere mich an mein altes Leben und ich werde euch davon erzählen“.

Nele hatte die Ereignisse und Gründe für ihren Aufenthalt im Buckel vorgetragen und verstummte. „Er mag dich gezeugte haben, doch ist er nicht dein Vater. Du bist nicht sein Kind“, sagte Eragon entschlossen, „deine Mutter hat dich erzogen. Sie hat dir beigebracht anständig zu sein, durch sie bist du wer du heute bist. Sowohl Brom aus auch Meister Oromis sind mehr Väter in deinen Leben als Galbatorix“. „Ich danke dir für deine Worten! Doch sorge ich mich um die Wellen die nun ausgelöst wurden. Niemand darf davon erfahren, aber ich bin verpflichtet es Nasuada zu beichten und König Hrothgar nahm mich in seiner Familie auf, ich muss es Orik berichten und meine Zugehörigkeit zum Durgrimst Ingietum unverzüglich abtreten“, sagte Nele.
„Zu erst solltest du nichts überstürzen. Ich stimme dir zu, niemand weiter darf davon erfahren. Neben uns beiden“, sagte Oromis und neigte den Kopf zu Saera, „sind nur Königin Islanzadi und Arya in Bilde. Königin Islanzadi befürwortet die Diskretion. Selbst die friedvollen Elfen könnten diese Offenbarung falsch aufnehmen. Du solltest aber keine Entscheidungen treffen wenn du noch erschöpft bist. Ruh dich aus, wir werden gemeinsam eine Lösung finden“.
Als er Arya erwähnte zuckte Eragon zusammen und er wand sein Gesicht mit glühenden Wangen von ihnen ab. Oromis trat höflich von Neles Bett fort und verließe mit Saera den Raum. Eragon blieb selbstverständlich bei ihr, seine Hand ruhte wieder in ihrer. „Wie fühlst du dich?“, wollte er wissen. Nele schnaubte, verdrängte die Tränen. „Wie soll ich mich wohl fühlen?“. „Entschuldige, ich möchte nur das du weißt das ich..wir immer für dich da sind. Möchtest du ihr bleiben oder kommst du mit uns?“. „Ich möchte nicht allein sein“. Mit Eragons Hilfe, denn sie konnte ihn nicht davon abhalten ihr aus dem Bett zu helfen, verließen sie das Zimmer. Beim verlassen der Tialdarí-Halle wurde sie von Stac und Saphira empfangen. Du hast ein gutes Herz. Du bist nicht wie er!, sagten sie.



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Vielen Dank für eure Geduld! Ich hoffe, auch wenn ihr länger warten musstet, dass dieses Kapitel euch gefallen hat. Mit diesem Kapitel 56 schließe ich den ersten Teil meiner Eragon Fan Fiktion ab. Ich hatte vor längerer Zeit mit den Gedanken gespielt, meine Geschichte in „Bänden“ auf zu teilen.

„Das Mädchen ohne Erinnerungen“ hat ihre Erinnerungen zurück erhalten. Ich würde mich sehr freuen, wenn einige von euch im zweiten Teil/Band vorbei schauen würden.

Ich bedanke mich von ganzen Herzen für 16.390 Aufrufe, 14 Empfehlungen, 111 Reviews, 71 mal zu favorisierten Geschichten und 10 mal zur Offline-Bibliothek hinzufügt worden zu sein. Auch wenn es unschön ist sich selbst zu loben, möchte ich mir selbst ein Kompliment geben..
Herzlichen Glückwunsch saphirblau23, zu 1 Geschichte mit 56 Kapiteln und ca. 182.018 Wörtern.

Liebe Grüße, bleibt gesund..!
saphirblau23
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