Eragon - Das Mädchen ohne Erinnerungen

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Arya Brom Eragon Murtagh OC (Own Character) Saphira
07.07.2018
25.09.2020
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19.07.2020 6.897
 
Teil 55 Die Blutschwur-Feier

Nachdem Meister Oromis die Blutschwur-Feier angesprochen hatte, schien diese im schnellen Schritt näher zu kommen. Bereits in zwei Wochen, würde die dreitägige Feier beginnen. Eragon lebte in ständiger Angst vor seinen Rücken und den unausweichlichen Schmerzanfällen. Nele konnte sich bei Saera endlich persönlich für ihren Unfall entschuldigen. Die Elfe war nach langen Aufenthalt aus den Hallen der Heiler entlassen worden. Ein Leinentuch verband die verbrannte Haut. Nele nahm traurig zur Erkenntnis, dass ihr Augenlicht wohl nicht wiederherstellt werden würde. „Ich bin nicht erblindet, denn ich sehe auch ohne meine Augen“, hatte die Elfe gesprochen. In ihrem Heim, wusste sie ohne hin wo alles stand und wohin es gehörte. Auf die Frage ob sie nicht aber die Schönheit der Hauptstadt vermissen würde, sagte Saera: „Ich sehe sie mit meinen Herzen“.
Zu Neles Überraschung und entgegen Oromis Nachricht, beschloss Saera jedoch ihre Sitzungen vorerst ein zu stellen.
Die Vorbereitungen für die bevorstehende Zeremonie, nahm jeden in Ellesméra in Anspruch. Außerdem wollte sie Nele diese Pause gewähren, sie und Eragon sollten die Zeit vor und während der Agaetí Blödhren genießen. Nie würden die beiden Drachenreiter, solch eine Feier vergessen. Die Elfe werde sich zudem aber noch einmal über ihre Notizen setzten und diese studieren. Als Nele fragte, ob sie Saera dabei nicht helfen könne, verneinte die Elfe. Das sie Nele die Einsicht in ihre Notizen verwehrte, verstand diese nicht. Doch beschloss sie es hinzunehmen.
Was sollte Saera niedergeschrieben haben? Nele wusste schließlich, was sie der Elfe erzählt hatte.

Trotz seiner Schmerzen nutze Eragon jede Gelegenheit zusammen mit Nele, den Drachendamen und Arya durch Ellesméra zu spazieren. Die Elfe holte sie ab und zu aus ihren Baumhaus ab und nahm sie zu Konzerten, der berühmtesten Barden der Elfen, in Islanzadis prachtvoller Tialdarí-Halle mit. Wie alle Elfen, wurde Arya von Tag zu Tag heiterer. Die fröhliche Laune und das ständige singen, steckten jeden in der Hauptstadt an. Außerdem stellte sie ihnen einige der berühmtesten Elfen im ganz Du Weldenvarden vor. Denn Ellesméra wurde mit jeden Tag voller, Elfen kamen zu hundert aus allen Städten, kamen um der Blutschwur-Feier beizuwohnen. Niemand der konnte, würde die Gedenkfeier zum Friedensabschlusses mit den Drachen versäumen. Diejenigen die durch wichtige Verpflichtungen nicht kommen konnten, würden eigene kleine Feste veranstalten und der Zeremonie in Ellesméra durch die Traumsicht verfolgen.
Nele und Eragon stellten fest, dass wie bei ihrer Ankunft in Ellesméra, die Neuankömmlinge mehr Interesse an den blauen Drachendame hegten, als an ihnen. Wie damals, wurde die beiden Schwestern von Komplimenten überhäuft und besungen. Die Vorbereitungen waren in vollen Gange und mit jeder Nacht, erstrahlte die Stadt mehr. Der Wald wurde mit bunten Girlanden und Lichtern geschmückt. Besonders geschmückt wurde der Menoa-Baum, die unzähligen Lichter strahlten wie leuchtende Tränen.

Wenige Tage vor der Blutschwur-Feier, zeigten Nele und Eragon ihren Meister die von ihnen verfassten Gedichte. Sowohl Nele als auch Eragon, hatten mit gegenseitiger Hilfe noch einige Änderungen und Verbesserungen vorgenommen. Oromis lauschte ihnen beim vortragen der Gedichte gespannt zu.
„Sie beschreiben sehr gut euren Seelenzustand und eure Gefühle. Sie sind beide allerdings keine Meisterwerke, aber in Großen ganzen gut gelungen. Hier und da etwas holprig vielleicht, aber man kann sie flüssig lesen. Ich bin von euch beiden beeindruckt. Die Gedichte sind würdige Beiträge für die Blutschwur-Zeremonie“. Geschickt holte Oromis eine mit einen Band zusammen gerollte Schriftrolle hervor. „Ich möchte, dass ihr euch und Orik mit diesen neun Schutzzaubern belegt. Für Teilnehmer, die keine Elfen sind, sind unsere Feste nicht gedacht. Für jeden ohne die selbe Kondition wie wir, sind die teils potenten Angelegenheiten gefährlich. Ungeschützt riskiert ihr, in der umher schwirrenden Magie verloren zu gehen. Das ist schon oft passiert. Gibt gut acht, denn während der Feier sind wir Elfen ein bisschen verrückt, wenn auch im guten Sinne“.


Die Blutschwur-Feier beginnt am Abend und soll drei Tage dauern. Am Tag der Eröffnung bekamen die jungen Reiter und ihre Drachendamen frei. Sie mussten weder zur den morgendlichen Übungskämpfen, noch zu Meister Oromis.
Wie sonst auch jeden Tag in Ellesméra, hatten Nele und Eragon vor, diesen Tag zusammen zu verbringen. Ein Brief, der mit Hilfe eines einfachen Transportzaubers zu ihnen ins Baumhaus gesegelt kam, änderte diesen Plan. Stirnrunzelnd fing Nele den Brief aus der Luft und öffnete ihn. Das ihnen Nachrichten mit Briefen übermittelt wurden, war sehr selten. Für gewöhnlich wurde immer ein Bote geschickt um die Nachricht persönlich zu überbringen. Was steht den da nun?, drängelte Stac. Nele las den Brief für alle laut vor.
Er war von Arya handschriftlich verfasst worden. Die Elfe lud Nele für den heutigen Tag zu sich in die Tialdarí-Halle, um sich gemeinsam für die Eröffnung der Blutschwur-Feier vorzubereiten. Für Eragon, zusammen mit Orik, war ein ähnlichen Ablauf, getrennt von Nele und Arya geplant. Stac und Saphira stand es frei, wie sie sich für den Abend vorbereiten wollen. Arya schrieb von einen See außerhalb Ellesméra, welchen die Vier sogar schon auf einen ihrer Ausflüge gesehen, aber nie hingeflogen waren. Dort könnten sie, wie die Drachen vor ihnen, sich niederlassen und das Wasser genießen.
Das Seewasser, soll sich reinigend und pflegend um die Schuppenpracht der Drachendamen kümmern. Mit der untergehenden Sonne, beginne das Fest, bis spätestes dahin sollten sie zurück sein, um die einmalige Eröffnung nicht zu verpassen. Unsere Schuppen werden glänzen wie noch nie zuvor!, freuten sich die Schwestern. Das tun sie doch schon, entgegnete Nele. Sie werden noch mehr glänzen. Wir werden mit den Sternen um die Wette strahlen, ließen sich Stac und Saphira von ihren Vorhaben nicht mehr abringen.
Nele und Eragon entschieden, ihre besten Kleidungsstücke aus der Kommode zu holen. Es waren die Hemden und Westen von Ajihads Beisetzung, welche seit ihrer Ankunft in Ellesméra in der Dunkelheit der Kommode gelegen hatten. Mit ihrer Morgenroutine waren sie beide bereits fertig, so zogen sie sich um.
Der Vorfreunde auf dem glänzenden See zum trotz, flogen Stac und Saphira ihre Reiter zu erst zur Tialdarí-Halle. Doch sobald Nele und Eragon abgestiegen und von einen Boten in Empfang genommen worden waren, verabschiedeten sich die beiden mit freudigen Jauchzen und stießen sich geschwind in die Luft.

Der Bote führte die jungen Reiter durch die prächtige Kieferhalle, vorbei an dem Springbrunnen und den Sträuchern. Die Blumen in Ellesméra schienen sich für die Feier hübsch gemacht zuhaben. Jede einzelne erstrahlte mit neuen Blüten und verströmte einen angenehmen Duft. Eine Elfe mit offenen, hüftlangen Haaren nahm Nele in Empfang und führte sie von Eragon und dem Elf fort. Bis heute Abend!, winkte Eragon ihr hinterher. Auf ihn würde Orik irgendwo in diesen Hallen warten.
In der nächsten Halle bogen die fröhlich summende Elfe und Nele ab, hinein in einen neuen Raum. Nele erkannte es als ein Gemeinschaftsbad, für Frauen.
Es ähnelte dem damals bei den Varden, dort war es jedoch stockdüster gewesen. Hier wurde das Bad erstrahlt vom Sonnenlicht, welches durch die offene Decke hinein schien. Die in den Boden eingelassene Vertiefung war riesig, jedoch ohne eine Elfe, die sich darin wusch. Das Wasser selbst war nicht vollständig klar, es war milchig, durch die Öle, vermutete Nele. Blütenblätter schwammen auf der Oberfläche, wankten leicht über die winzigen Wellen, welche von einer sprudelten Quelle verursacht worden.
„Wie schön das du her gekommen bist“, ertönte Arya von der Seite des Raumes, sie war durch eine andere Tür gekommen. Nele verblüffte die freudige Laune der Elfe nicht mehr. In den letzten Tag wurde diese immer deutlicher und Nele ahnte, sie würde während der Feier noch steigen.
„Natürlich, du hast mich schließlich eingeladen“. Arya trug ihre Haare offenen, ohne das übliche Stirnband. Nele bemerkte erst in den Moment, dass Arya nur ein ungebundenes Tuch trug. „Königin Islanzadi und ich befanden es als angebracht, zur Feier der Agaetí Blödhren, euch wie Gäste in unserer Halle zu behandeln. Eure Ausbildung ist hart und ihr musstet viel erleiden, heute jedoch ruht die Verantwortung und ihr sollt euch entspannen“. Arya deutete der Elfe hinter Nele an, ein weiteres Tuch zu holen. Nele verschlug es die Sprache. „Das ist zu großzügig..“. „Eine kleine Aufmerksamkeit, für die anstrengenden letzten Monate“, senkte Arya ihren Kopf sie und deutete Nele zu einen Paravent.
„Dort kannst du dich entkleiden, später tragen wir eh anderen Kleider. Zuvor genießen wir aber das Bad und um deine Haare wird sich auch noch gekümmert“. Der unbeschwerte fröhliche Ton in Aryas Stimme, flog durch den Raum.
Verlegen trat Nele hinter den gefalteten Aufsteller und entledigte sich ihrer Kleidungsstücke. Die zahlreichen Blauenflecke, von den Übungskämpfen mit Galena, an ihren Körper verblassten stetig, doch wichen sie immer wieder neuen. Das größte Exemplar zur Zeit war Handflächen Groß und zierte ihren rechten Oberschenkel. Der Schlag hat sie vor ein paar Tagen kassiert. Nele band sich das Tuch um den Körper, blieb jedoch hinter Paravent stehen. Um Zeit zu schinden, legte sie jedes einzelne ihrer Kleidungsstücke ordentlich zusammen.
Arya stieg währenddessen ins Wasser, zumindest hörte es sich so an.
„Du musst heute mit mir vorlieb nehmen Nele. Eragon hat in Orik wenigstes einen Freund an seiner Seite“. Nele biss sich auf die Zunge. Er würde sofort tauschen! „Du bist eine Freundin“. Sicher haben sie und Arya nie darüber gesprochen, doch empfand Nele den Umgang zur Elfe als Freundschaft.
Sie trat hinter dem Aufsteller hervor und lief Barfuß zur seichten Treppe, die ins Wasser führte. Aryas Kopf ragte aus dem milchigen Wasser hervor. Zögernd betrachte Nele das Wasser, es war angenehm warm, den sie stand mit den Füßen bereits darin.

Es gibt keinen Grund sich zu zieren, redete sie sich selbst ein, stieg sie ins Wasser und legte das Tuch an den Rand, ins trocknende. Unterwasser gab es eine Art Bank, auf der man sitzen konnte. Nele achtete darauf, möglichst Abstand zu Arya zu haben, nicht das dies bei der Größe des Beckens schwierig war.
Arya betrachtete sie eindringlich, bis sie nach der Elfe rief, welche Nele gebracht hatte. Es raschelte und Nele hörte sanften Schritte hinter ihr näher kommen.
Hände berührten ihren Kopf und sie sah über die Schulter. Die Elfe war mit einen Wassereimer, Kamm, Öl und Schere bewaffnet. „Du habt kräftiges Haar Ariahen“, lobte die Elfe in Alter Sprache. „Erlaubt mir mich darum kümmern zu dürfen“.
Nele ließ die Elfe gewährend und befolgte die kleine Anweisungen. Sie rutschte näher an den Rand und lehnte den Kopf zurück. In der nächsten Stunde entspannte Nele tatsächlich, die Wärme des Wassers und die wohlduftenden Öle umgaben sie. Die anfängliche Verlegenheit war verfolgen.
Die Elfe ölte und kämmte sanft ihr Haar. Sie spürte nur das gelegentliche zippen am Kopf, wenn die Elfe einen Knoten entwirrte, bis sie es wusch und mit der Schere die trocknenden Spitzen weg schnitt. Sie und Arya unterhielten sich angenehm, aßen Früchte und genossen das Bad. Arya erzählte Nele von ihrer Kindheit, ihren Freunden und ihrer Familie. Sie erzählte von ihrer Aufgabe als Botschafterin, die Erlebnisse bei den Varden, Schlachten in denen sie kämpfe und welche Verträge sie ausgehandelt hat. Nele hörte bei Aryas Erzählungen raus, wie aufgeregt die Elfe war. Für sie war es selbst die erste Blutschwur-Feier.
Sie war auch mit unter der Grund, warum Arya noch nicht wieder zu den Varden aufgebrochen war. Sie wollte die wichtigste Zeremonie ihres Volkes nicht verpassen.
Für Nele gab es keine Kindheit von der sie hätte erzählen können, also erzählte sie von banalen Dingen. Lustige Geschichten und Ereignisse während ihrer Reise mit Brom, die nicht in die Berichte gehörten. Sie erzählte von den Abenden in den Gasthäusern, in denen sie und Eragon fröhlich getanzt hatten. Wie verkatert sie am nächsten morgen aufgewacht waren und wie Brom sie dafür manche male getadelt hat. Sie erzählte der Elfe von den Bewohnern in Cravahall, besonders von Katrina und Elain aber auch von Garrow und Roran. Als es soweit war das Becken zu verlassen, stieg Arya mit dem Rücken zu Nele die Treppen hinauf. Umhüllt vom Tuch tropfte sie den Boden nass. „Trockenen wir uns und kleiden wir uns wieder an. Dann gehen wir im meine Gemächer, ich möchte dir eins meiner Kleider für die Feier leihen“, sagte sie und verschwand hinter einen der Aufsteller.
„Das kann ich unmöglich annehmen!“, stammelte Nele und lief zurück zu ihrer Kleidung, zog sie über und wrang die nassen Haare aus. „Ich bestehe drauf! Es wird eine wundervolle Feier und ihr seid unsere Ehrengäste“.

Aryas Gemächer waren durch eine Schiebetür zu erreichen. Nele ging hindurch und trat in ein geräumiges mit Ranken und Pflanzen verziertes Wohnzimmer, von dem man auf der einen Seite in ein kleines Schlafzimmer und auf der anderen Seite in ein Arbeitszimmer gelang. An der Wand hingen zwei Wunschbilder. Porträts welche einen ernst schauenden, silberhaarigen Elfen und einen jungen männlichen Elfen zeigten. Der erste vermutete Nele war, König Evandar, Aryas verstorbener Vater. Schweigend betrachtete sie das zweite Porträt, sie ahnte wenn das Wunschbild zeigte. „Ist das Fäolin?“, sie wand sich zur Elfe um. Arya nickte bedacht, doch verbarg sie ihre Gefühle hinter einer Maske.
Sie stand nicht neben Nele, sie war dabei getrocknete Brennsesselblätter in zwei Tassen zu zerbröseln, um ihnen Tee zubereiten. „Ja“.
Nele schwieg, sie wusste nicht was sie erwidern sollte. Das Arya ihr von ihren ermordeten Gefährten erzählt hatte, war noch immer eine Sachen zwischen ihnen beiden. Arya sprach seit Eragons letzter Entschuldigung, zwar offener mit ihn, doch wusste er nicht um die Gefühle der Elfe für ihren toten Gefährten. Arya reichte ihr den Tee und deutete ins Schlafzimmer, die Elfe wollte nicht darüber reden und Nele konnte es ihr nicht verübeln.
Das Schlafzimmer selbst, war wie für die Elfen üblich eher schlicht, wenn auch elegant. Die Ranken und Pflanzen schlängelten sich aus dem Wohnzimmer, an den Wänden und der Decke durch den ganzen Raum. Zu ihrer rechten bildeten die Wand eine Öffnung, durch die man die Haupthalle mit seinen Springbrunnen sehen konnte. Einige der Gäste, liefen draußen umher, sprachen mit einander oder sangen mit den Vögeln, die sich fröhlich im Wasser putzen. Ein Bett, eine Kommode, ein Tisch und Stühle, mehr beherbergte das Schlafzimmer nicht.
Doch führte eine kleine Abzweigung in eine Kammer, welche mit Kleidungsstücken gefüllt war. Neben Kleidern, hing dort auch die Kleidung, die Nele an Arya kannte. „Ist das ein Raum nur für Kleidung?“, staune Nele mit großen Augen. Bei keiner Gattin ihrer bisherigen Gastgebern hatte sie jemals solch eine Kammer gesehen. Arya musste lachen und stellte ihren Tee ab. „Ein Ankleidezimmer ja. Aber wenn du meine wenigen Kleider schon beeindruckend findest, solltest du die Sammlung meiner Mutter sehen. In ihren Schrank, kann man sich verlaufen“.
„Ich fühle mich jetzt schon königlich“, sagte Nele. Die Kleider zählten unzählige Farben, wenn sie auch schlicht waren. Arya schlüpfte an ihr vorbei, hinein in die Kammer und fischte ein dunkel grünes Kleid von der Stange.
Es ähnelte dem Kleid, welches die Elfe bereits trug, doch war es durch die Spitze am Saum und an den Ärmeln feierlicher.
„Du wirst dich königlich fühlen, wenn du eins trägst. Komm such dir ein aus, keine falsche Scheu“. Nach einigen Überlegen und Empfehlungen von Arya, hielt Nele ein dunkelblaues Kleid mit weiten Ärmeln in den Händen. Der Ausschnitt war rundlich und weiß gesäumt. Zusammen geschnürt wurde es am Rücken mit weißen Bändern. „Das kann ich unmöglich anziehen“. „Wieso? Gefällt es dir nicht? Du kannst dir auch ein anderes aussuchen“. „Nein, es gefällt mir. Doch es wird mir nicht passen“. Nele betrachtete das Kleid, der Stoff um Taille und Brustkorb war eng, für den Körper einer hochgewachsenen schlanken Elfe, nicht für eine Menschenfrau. „Mach dir darum keine Sorgen. Probier es an und dann kann ich es dir noch weiten“, entschied Arya.

Der Tag schritt voran und draußen sank die Sonne tiefer, tauchte die Tialdarí-Halle in leuchtendes Gold. Arya hatte das Kleid mit einen Zauber so abgeändert, dass es für Nele tragbar war. Zusammen mit der Elfe war der Tag wie im Flug vergangen. Die Einblicke in Aryas Leben als Prinzessin in Ellesméra, waren sehr selten.
Nele vermute, der Elfe näher gewesen zu sein, als sonst jemand in letzter Zeit. Eine Wertschätzung, die sie ehrte. Lange hatten sie noch im Wohnzimmer der Elfe zusammen gesessen und sich unterhalten. In der Zeit waren auch Neles Haar getrocknet. Sanft und geschmeidig fielen ihr die Wellen über die Schulter. Zusammen mit den feierlichen Kleid, bot sich Nele ein Anblick im Spiegel, wie sie ihn wahrlich noch nie gesehen hatte. In den letzten Monaten fristeten ihre Haare ein Dasein im Zopf, um sie in der Ausbildung und beim kämpfen nicht stören. Nun aber erkannte sie sich kaum wieder. Arya würde sie nun verlassen, sie musste zuvor noch zu Königin Islanzadi. Doch Eragon und Orik warteten unten am Springbrunnen auf sie. Stac und Saphira waren auch von ihren Ausflug vom Drachensee zurück gekehrt und kamen ebenfalls. Die Feier würde am Menoa-Baum stattfinden, dort würden sie Arya wieder treffen.
Eragon machte bei Neles Anblick große Augen: „Du siehst aus wie eine Prinzessin!“. Orik lief verborgen unter seinen geflochtenen Bart rot an und brummte ebenfalls Komplimente. „Dankeschön. Ihr seht aber auch nicht schlecht aus“. Eragon und Orik trugen von den Elfen gefertigte, feierliche Gewänder. Eragons sonst störrischen, in die Augen hängenden Haare waren nach hinten gekämmt, was ihn älter wirken ließ. Trotz der Augenringe strahlte er, die heutige Erholung muss seinen Körper und Gemüt sehr gut getan haben. Bevor sie los gingen, belegten sich die jungen Reiter und Orik noch mit den neun Schutzzaubern, welche sie von Meister Oromis bekommen hatten. Eragon zog die Schriftrolle aus seinen Gewand und gemeinsam wirkten sie einen nach den anderen.

Die Drachendamen hatten mit ihren Vorhaben, mit den Sternen um die Wette zu funkeln nicht übertrieben. Als Stac und Saphira vor der Tialdarí-Halle auf Nele, Eragon und Orik trafen, erstrahlten ihre Schuppen, trotz Dunkelheit in voller Pracht. „Wahrhafte Schimmerschuppen!“, grüßte Orik. Ihr strahlt heller aus die Sterne! Seht euch an, komplimentierten Nele und Eragon.
Ihr beide seht so wundervoll aus. Wer an euch gezweifelt hat, wird heute Nacht damit aufhören. Ihr seht aus wie wahre Drachenreiter, gekleidet für eine Feier, gaben die Drachendamen zurück.
Als sie am Menoa-Baum eintrafen, waren bereits zahllose Elfen dort eingetroffen. Ihre schwarzen und silbernen Haare, schimmerten in Licht der Laternen, welche die Tage zuvor in den Ästen aufgehangen worden waren.
Königin Islanzadi stand auf einer Wurzel, die hoch war wie ein Pferd, am Stamm des Menoa-Baum. Sie fanden Meister Oromis, in rot-schwarzen Gewand und Glaedr. Dazu kamen noch weitere Elfen, die Nele und Eragon kannten, Lifaen, Narí, Galena und Vanir. Aus der Menge kam Arya mit Rhunön zu ihnen gelaufen. Die Schmiedin blinzelte auffällig. Nele und Eragon grüßten sie und die Elfe nickte ihnen und den Drachendamen zu. „Schattentöter, Ariahen und Schimmerschuppen“. Sie bemerkte Orik und sprach ihn zu aller Überraschung in der Sprache der Zwerge an. Orik freute mich ungemein und antwortete ihr sogleich in der grummelig klingenden Sprache. Es stelle sich heraus, dass Rhunön ihr Handwerk bei Futhark, dem wohl legendären Führer des Durgrimst Ingietum gelehrt hat. Angeregt unterhielten sie sich über die Schmiedekunst und Rhunön lud Orik zu sich in die Schmiede ein, um ihn ihre Arbeit zu zeigen.
Hätten wir das doch nur früher gewusst!, klagte Eragon.
Ja, er hat sich doch beschwert, seine Schmiedekunst würde von den Elfen nicht geschätzt werden. Womöglich hätten wir die beiden eher zusammen bringen müssen, stimmte Nele ihn zu. Ich wage mich zu erinnern, dass Rhunön sagte sie sei lieber für sich, schmunzelte Saphira.
Gemeinsam warteten sie bis Mitternacht. Als es Nacht schlug, erhob Königin Islanzadi ihren linken Arm und deutete mit ihn hinauf zum Neumond. Eine helle Lichtkugel erstrahlte auf ihrer Handfläche und mit ihr drehte sich Islanzadi zum Stamm des Menoa-Baum, wo sie die Lichtkugel in eine Mulde legte.
„Die Zeremonie ist nun offiziell eröffnet und endet wenn die Lichtkugel erlischt“, lachte Arya. Die festlich gekleideten Elfen standen auf der Lichtung und im angrenzenden Wand in lockeren Gruppen zusammen und unterhielten sich.
Von magiekundingen Köchen wurden beladene Tische mit fantastischen Gerichten gezaubert. Der Duft der Speisen durchströmte die ganze Lichtung. Die Elfen die nicht aßen begannen ein Lied nach dem anderen zu singen.
Lieder über Heldentaten, abenteuerlichen Entdeckungen vergessender Länder und Liebeslieder an die Natur. Mit jeder Melodie webten die Elfen einen berauschenden Zauber, die über sie alle unter der wolkenlosen Nacht schwebte. Der Zauber lockerte die Stimmung der Anwesenden, Hemmungen fielen und die ersten Fässer Faelnirv Schnaps wurden angeschlagen. Das Pulsieren der Magie durchdrang Neles und Eragons Seele. Neben ihnen summten Stac und Saphira mit halb geschlossenen Augen die Melodie mit. Der Trubel umfing sie, sie aßen von den köstlichen Speisen und hoben mit Orik, Lifaen, Narí und Galena Gläser randvoll mit Faelnirv. Von Hingabe gepackt tanzten Nele und Eragon ausgelassen mit den Elfen. Es gab keine festgelegten Gruppentänze, anders als bei den Menschen, tanzte jeder für sich in der Bewegung mit der Magie, welche sie alle umhüllte.
Es wurde unmöglich den Verlauf der Nach zu folgen.

Elfen saßen wie Vögel auf den Ästen des Menoa-Baums, zupften an goldenen Hafen und sagen ihre Lieder. Nele verlor Eragon für Minuten oder Stunden aus den Augen. Sie tanzte erste mit Narí, dann mit Galena und trank den immer mehr schmeckenden Faelnirv. Eragon seinerseits tanzte mit einen Elfenmädchen.
Sie alle lauschten Aryas Gedicht, es war wunderschön gewesen. Ebenfalls trug Königin Islanzadi ihr Gedicht vor, es war lang aber ergreifend.
Die Gaben der Elfen für die Feier waren atemberaubend. Die Elfen schufen, Spielzeug, Kunstwerke, Waffen und Puzzle. Darunter eine Glaskugel, in der verschiedene Blumen blühten. Von viele der Geschenken, konnte Nele den Zweck nicht erdenken. Rhunön präsentierte einen unzerbrechlichen Schild und eine aus Metall gefertigte Skulptur eines Vogel, die so echt wirkte, man könnte denken der Vögel wurde davon fliegen. Sogar Orik präsentierte ein Geschenk, ein Spielpuzzle bei dem es das Ziel war, die achtundfünfzig ineinander verschachtelten Einzelteile zu einer Pyramide zu formen. Die Elfen waren von seinen Rätsel begeistert, immer wieder nahmen sie es auseinander und setzten es wieder zusammen. Ob es Tag oder Nacht war, konnte Nele nicht sagen.

Irgendwann wurde Nele von Meister Oromis von der Musik fortgeführt, zu einen Baumstamm auf dem bereits Eragon saß. Seine Haare standen wüst in alle Richtungen und grinste vor sich hin. „Was ist den los?“. „Ihr sollt einen klaren Geist bekommen. Wartet hier bis es euch besser geht“. „Aber mir geht es gut!“, protestierte sie. „Das könnt ihr nicht beurteilen. Warte hier, versprich es. Ich muss noch unseren Zwergen Freund suchen“. Nele und Eragon unterhielten sich, bis Orik auf sie zu gelaufen kam.
„Trink vom Wasser!“, lallte er und reichte Nele seinen Krug. Dankbar nahm Nele einen großen, verschluckte sich aber fürchterlich. Orik hatte ihr kein Wasser gereicht, sondern Schnaps. Der Zwerg und Eragon brachen in grölenden Gelächter aus. Orik krümmte sich vor lachen und ließ sich vor ihnen auf dem Boden nieder. Wie lange sie der Feier fern bleiben sollten, hatte Meister Oromis ihnen nicht gesagt. Doch merkten sie wie ihre Gedanken klarer wurden und der Rausch, von welchen sie fesselt worden waren abklang. Die Musik war immer noch zuhören und Nele und Eragon bekamen eine Idee. Sie stellten sich gegenüber auf.
Auch wenn die wunderbaren Lieder der Elfen und die Klänge der Hafen, nicht zu den robusten Tönen der menschlichen Lieder passten, wollten sie ein Lied zum besten geben, welches sie auf ihrer Reise gelernt hatten. Die Geschichte des Liedes spielte in einer Gaststätte, in der ein Seefahrer die schöne Dame auffordert, ihn nach zu schenken. Die Dame ist ihn nicht abgeneigt, doch verlangt sie vorher einen Tanz. Im Laufe der Strophen necken sich die beiden immer mehr und feiern die Nacht in der Gaststätte. Es ähnelte mehr einen Theaterstück, als einen Lied. Nele und Eragon sangen und spielten ihre Rollen so hervorragend, dass Orik sie mit tobenden Applaus lobte. „Schauspieler und Barden seid ihr auch noch! Was für eine heitere Geschichte, die möchte ich mir merken. Wenn wir zurück bei unseren Clan sind, müsst ihr sie nochmal vorspielen“.
Aus dem angrenzenden Wald näherten sich Elfen, die ihre Gestalt die der Tiere angepasst hatten. Sie wurden von der magischen Feier angezogen, wie die Jahrhunderte zu vor. Eine weiße Wölfin, lief sanften Schrittes auf die Gesellschaft am Menoa-Baum zu und zerfloss in die Gestalt einer in weiß gewandeten Elfe.
Ein Elf mit gestreiften Fell und Katzenohren, kreuzte ihren Weg zurück zur Feier. Zwei identisch aussehende Elfen sahen die jungen Reiter und ihre Drachendamen und legten die Fingerspitzen zum Gruß an ihre Lippen, bevor sie weiter liefen.
Sie sahen Elfen mit Schuppen wie Drachen, Elfen größer als alle anderen, welche mit schwarzen Augen und jene so durchsichtig, man könnte durch ihre Gestalt laufen. Der Menoa-Baum erfreute sich der Feier unter seinen Ästen. Das Laub raschelte, ohne das Wind wehte. Die gütige Aura ging auf jeden über, der in der Nähe des Stammes stand. Orik verloren Nele und Eragon aus den Augen.
Sie tanzten zusammen, bis Eragon von einer Schmerzattacke heimgesucht wurde. Stöhnend ging er zu Boden und Nele hockte sich zu ihn um seine vor Schmerz krampfende Hand zu halten. Stac und Saphira waren bei ihnen, sonst schien niemand der umstehenden Elfe schien den Vorfall zu bemerken.

Am dritten Tag waren sie an der Reihe ihre Geschenke den Elfen vorzuführen. Nele erhob sich als erste von ihnen. „Ich beherrsche kein Handwerk und mit eurer Zauberkunst kann ich auch nicht mit halten. Auch kann ich keine Poesie oder Lyrik verfassen, doch bitte ich euch mich an zuhören“. Zittrig entfaltete sie den Bogen:

Sing mir ein Lied von dem Mädchen, das flieht

Sag, könnte ich jene sein?

Mit Hoffnung im Sinn, so lief sie davon

Weit hinaus allein


Alles war gut, alles war recht

Alles was war ist fort


Gebt mir zurück alles was war

Gebt mir zurück mein Heim


Gebt mit zurück alles was war

Gebt mir zurück das Mädchen von eins


Sing mit ein Lied von dem Mädchen, das flieht

Sag, könnte ich jene sein?

Mit Hoffnung im Sinn, so lief sie davon

Weit hinaus allein*


Nele verstummte und setzte sich mit eingezogenen Kopf rasch wieder hin. Ihre Amnesie, die Unwissenheit ihrer selbst als Thema zu gebrauchen, machte sie verlegen. Ein Elfenfürst erhob sich: „Solch einen Schmerz mit uns zu teilen, ehrt uns Silberhand. Fremd im eigenen Körper ohne Erinnerungen ist für diejenigen, die von dieser Qual verschont blieben, schwer vorzustellen. Danke für diese Veranschaulichung“. Nele verneigte sich.
Nun war Eragon an der Reihe seine Geschichte vor zutragen. Er stand auf und erhob seine Stimme, wie eins immer Brom es als Geschichtenerzähler in Cravahall getan hat. Seine Geschichte handelte von einen jungen Mann, welcher hinaus zog um den Schatten im Schattenreich zu töten. Obwohl der Mann den Schatten besiegte, setzte er nicht zum tödlichen Schlag an. Die jahrelange Angst und der Hass waren gewichen, nun da er den Schatten besiegt hatte. So zog der Mann nachhause zurück wo er eines lauen Sommerabend seine Angebetete mit schimmernd blauen Augen heiratete. Sie lebten viele Jahre glücklich zusammen, bis der Mann alt wurde. Eines Nachts besuchte der Schatten seinen alten Feind. Ruhe erfüllt das Herz des alten Mannes, denn verloren war die Angst vor dem König der ewigen Nacht. Im Morgengrauen trug der Schatten den Geist des Mannes, hinaus und gemeinsam zogen sie hinaus und lebten im Schattenreich, umgeben von ewiger Nacht.
Eragon verstummte, es war ihn unangenehm so viel über sich preis zu geben. Doch die Elfen applaudierten auch ihn. „Du hast ein Talent in dir entdeckt Schattentöter“, sagte einer. Königin Islanzadi hob die Hand: „Eure beiden Werke sollen in die Bibliothek der Tiadarí-Halle aufgenommen werden. Jeder der möchte, soll sich an ihnen erfreuen dürfen“. Nach ihnen waren Stac und Saphira an der Reihe ihre Geschenke zu präsentierten. Saphira flog in die Nacht und kehrte mit einen Felsbrocken, dreimal so groß wie Eragon zurück. Sie stelle den Felsbrocken auf die Wiese, damit alle Anwesenden einen guten Blick auf ihn hatten.
Spiralen waren im Fels eingelassen, so verschlungen, dass es schwer fiel ihnen zu folgen. Nele, Eragon und Stac sahen Saphiras Skulptur auch zum ersten mal. Wow, wie hast du das gemacht?. Ich habe den Stein geschmolzen und ihn abgeschleckt, gab sie amüsiert zurück. Saphira spie Feuer auf die Skulptur, die Flamme schoss hoch weit bis in den Himmel. Als Saphira das Maul schloss, glühte der Fels und die Spiralen schienen sich ineinander zu bewegen. Die Elfen riefen begeistert und sprangen um ihre Skulptur umher. Es ist wunderschön, pflichteten Nele und Eragon ihren Ausrufen bei.
Dann enthüllte Stac ihr Geschenk. Sie brachte einen sehr großen Klumpen gefrorenes Wasser, vermutlich von den Bergen auf denen sie mit Glaedr waren. Und was macht er?, fragte Nele. Auch die umstehenden Elfen waren verstummt und rätselten über die Funktion des Klumpen. Ohne große Worte spie Stac eine Flamme und das Eis schmolz, zurück blieb eine Skulptur einer blühenden Rose. Die Rose wird nie schmelzen, egal welches Feuer sich über sie beugt, erklärte sie und als Beweis spie sie noch eine Flamme. Das Feuer verflog in den Nachthimmel doch die eisige Rose blieb erhalten. Die Elfen brachen erneut in tobender Begeisterung aus und bejubelten ihr Werk. Nele betrachtete die Rose, welche fast dreimal so hoch war sie selbst ungläubig und berührte sie mit den Fingerspitzen, sie war eisig kalt.
Wie hast du das denn gemacht?, rief sie aus. Auch Eragon betastete die Rose, gefolgt von anderen negieren Elfen. Erst habe ich eine Rose geformt und sie dann verhärtet, wie damals Brom Grab. Saphira bannte sich ihren Weg zur Eisskulptur und alle traten zur Seite. Ihr Feuerstrahl versenkte die Rose in glühenden Orangetönen, als sie aufhörte stand die Rose unbeschadet vor ihnen. Die Elfen applaudierten wieder. Sie ist wunderschön, lobte sie ihre Schwester. Glaedr offenbarte eine Kiefertafel, auf der mit seinen Klauen Ellesméra aus der Luft geritzt hat. Als nächstes zeigte Oromis seine Schriftrolle, an der die jungen Reiter ihn schon haben arbeiten sehen. Sie zeigte eine wunderschöne, meisterhafte gemalte Landschaft mit dem Titel: „Die Reisen des Seefahrers Vestarí“.

Danach versammelten sich die Elfen wieder um Königin Islanzadi, welche wieder auf die hohen Wurzel am Stamm des Menoa-Baum stieg. Alle Gesichter strahlten vor Freunde. Würdevoll sprach Islanzadi: „Gemäß unseren Traditionen sind wir zusammen gekommen, um wie Königin Tarmunora, der erste Eragon und der weiße Drache, dessen Name unaussprechlich ist, den Blutschwur zwischen Drachen und Elfen zu ehern. Von den alten Reitern und Drachen sind nur noch Glaedr und Oromis übrig. Brom und viele andere sind im vergangen Jahrhunderten von uns gegangen. Zwei neue Reiter und Drachen haben sich erhoben, sie sollen anwesend sein, wenn wir den Pakt zwischen unseren Völkern erneuern“.
Auf ein Zeichen der Königin wurde der Fuß des Menoa-Baums geräumt und sie bauten einen Kreis aus Laternen. An Rand sammelten sich Musiker mit Flöten, Hafen und Trommeln. Arya führte Nele und Eragon zum Kreis, wo sie sich neben Oromis ins Gras setzten. Nele saß zwischen Eragon und Arya. Stac, Saphira und Glaedr legten sich jeweils hinter ihre Reiter. „Passt gut auf, dieses Ritual ist der wichtigste Bestandteil eures Vermächtnisses“, sagte Oromis zu ihnen.
Der Platz war geräumt und in die Mitte des Kreises stellten sich zwei Elfenmädchen, Rücken an Rücken. Die beiden waren wunderschön und unterschieden sich nur durchs Haar. Der einen wallten die Haare schwarz wie die Nacht über dem Rücken, der andern silbern. „Das ist Iduna und Neya, die Hüterinnen“,flüsterte Oromis. Gleichzeitig öffneten die beiden ihre weißen Gewänder, welche zu Boden glitten. Die helle Haut der beiden war durch eine Drachentätowierung am ganzen Körper verdeckt. Die Tätowierung schlängelte sich um Indunas Fuß hinauf über ihre Wade, Schenkel und Oberkörper.
Weiter ging es auf Neyas Rücken und endete mit dem Drachenkopf auf ihrer Brust. Der Drache auf ihrer Haut, erstrahlte wie ein Regenbogen.
Die beiden Elfen schlangen die Arme umeinander, so das der Drache nahtlos zwischen ihnen überging. Dann stampften sie auf den Boden. Beim dritten Schlag, ertönten die Trommeln, beim nächsten die Hafen und beim darauf folgenden die Flöten. Zur pulsierenden Melodie, tanzten Iduna und Neya erst langsam, dann immer schneller. Sie stampften rhythmisch auf den Boden und wandten sich schlangenhaft umeinander.
Der Drache auf ihrer Haut, schien endlose Kreise um sie herum zu fliegen. Dann begannen die beiden zu der Musik zu singen.
Die Worte waren Teil eines verschlungen Zaubers, so mächtig Nele und Eragon verstanden kaum eins der Worte. Wie ein aufbrausender Wind, begleiteten die anderen Elfen die Beschwörung. Nele kannte den Text nicht, doch merkte sie wie sie und Eragon aus vollen Hals mit sangen.
Gepackt von der Kraft der Melodie stimmten auch Stac, Saphira und Glaedr mit ein. Das tiefe Summen fuhr ihnen durch die Knochen, Nele bekam Gänsehaut.
Iduna und Neya tanzten immer schneller umeinander, bis ihre Füße über den Boden zu schweben schienen. Die Haare und ihre Körper waren schweißnass.
Als die Melodie ihren Hochpunkt zu erreichen schien, flammte über ihnen ein Licht auf. Ein Drache schwebte über ihnen, löste sich von ihren Körpern. Er stieg empor und breitete die Flügel aus. Seine Schwanzspitze blieb bei dem beiden Tänzerinnen am Boden. Das riesige Wesen stieß einen gewaltigen, aus den Anfängen der Zeit stammenden Schrei aus und ließ seine Augen über die Anwesenden Elfen schweifen. Sein Blick traf die jungen Reiter und ihnen wurde bewusst, vor ihnen schwebte kein Trugbild, sondern ein lebendiges Wesen, welches mit magischer Kraft am Leben erhalten wurde. Das tiefe Summer wurde immer lauter, bis sie nichts weiter hören. Über ihnen schwebte der Urvater des Drachenvolkes und er ließ seine geisterhaften Flügel über die Elfen streifen.
Er hielt vor Nele und Eragon inne, breitete seine Flügel aus. Getrieben von einen uralten Gefühl, hoben sie beide ihre Handflächen und präsentierten ihn die Male, die Gedwey Igasias. Der Drache neigte den Kopf hinab und berührte mit der Schnauze nacheinander ihre Handflächen.


Nele blinzelte und mit einen mal war es dunkel, ruhig und einsam. Sie saß immer noch in Gras, doch war sie allein. Niemand war bei ihr. Es standen keine Laternen im Kreis, es ertönte keine Musik. Nur der Mond, hell und voll strahlte auf sie herab. Nele raffte sich auf und strich ihr Kleid glatt. „Hallo?“. Wo immer sie war, sie war noch in der Nähe des Menoa-Baums. Über die von Nebelfahnen verschleierten Lichtung, schlängelten sich dessen Wurzeln. Stac! Eragon! Saphira!
Es war Nele nicht möglich ihren Geist auszustrecken um sie zu suchen. Ihr wurde schwindlig, den Angst überkam sie. Sie war allein, in der Dunkelheit, ihrer Fähigkeiten verhindert. „Ist hier jemand, hallo?“, versuchte sie ein letztes mal.
Ihr blieb nichts weiter übrig als die dunkle Lichtung zu untersuchen. Beim gehen verstärkte sich der Schwindel, zwang sie stehen zu bleiben. Stöhnend umfasste sie ihren Kopf und massierte die Schläfen. Erschrocken sah sie auf, nicht weit vor ihr stand eine sanfte Gestalt, verhüllt vom Nebel. Zittrig tastete Nele instinktiv nach ihren Waffengürtel, bis sie sich daran erinnerte, dass sie ein Kleid trug. Sie war allein. Die Gestalt bewegte sich nicht, dennoch pumpte Neles Herz.
Ich muss zu viel getrunken haben, dachte sie sich und rieb sich die Augen, doch die Gestalt verschwand nicht. „Wer bist du?“.
Was auch immer umfüllt vom Nebel vor ihr stand, könnte gefährlich sein, auch wenn sie es nicht glaubte. Womöglich war es ein Gast der Feier oder eines der Tiere, welche von der Feier angelockt wurden. Vor den Tieren im Du Weldenvarden brauchte sie sich nicht fürchten.. Die Gestalt blieb verborgen und still, Nele knetete ihre Hände ineinander. „Wer oder was bist du?“, wiederholte sie in der Alten Sprache, „Ich möchte dir kein Leid, tritt nur aus dem Schatten heraus und zeige dich“. Die Gestalt rührte sich nicht. Nele straffte die Schultern, ihr Geist hatte schon zu oft mit ihr in letzten Wochen Spielchen getrieben. Die Einbildungen von Durza waren immer noch allgegenwärtig. „Zeige dich Schatten!“. Der Nebel blieb dicht, was sie dazu brachte ihn mit einer kräftigen Handbewegung und den richtigen Worten der Alten Sprache zu lichten. Der Nebel wich augenblicklich und die Gestalt vor ihr wurde deutlicher. Nele senkte die Hand, bis ihr der Atem stockte.
Es stand eine Frau vor ihr, bekleidet mit einen ockergelben, eleganten aber schlichten Kleid. Goldige lockige Haare umgaben ihren Kopf, bildeten eine Lichtkranz. Ihr Gesicht war steif und eisig, wie eine aus Stein gemeißelte Skulptur der Zwerge, ohne Leben. Nele sah der fremden Frau ins Gesicht und es war, als blicke sie in einen Spiegel. In einen Spiegel ohne Auswirkung der Magie der Drachen. Die Frau vor ihr war sie, nur älter und menschlich. Nele öffnete und schloss ihren Mund, doch brachte keine Worte hervor. Das Gesicht der Frau erweichte und ihr stiegen Tränen in die Augen. Nele wusste mit der Reaktion nichts anzufangen. „Mein Kind“, flüsterte die Frau in tiefer Trauer, „was hat man dir angetan? Wie kam der Schmerz in dein Gesicht?“.


„Mutter?“, hauchte Nele kehlig. Sie standen sich erstarrt gegen über, bis sie sich an den schmerzenden Kopf fasste. „Das kann nicht echt sein“. Die Frau, welche aber ohne jeden zweifel ihre Mutter sein musste, denn Nele war das reine Ebenbild von ihr, zog sie in eine Umarmung.
Ihre Augen tränten und sie umfasste Neles Wangen, um ihr mit den Daumen die sich anbahnen Tränen zu trocken. „Mein Mädchen, mein armes kleines Mädchen..“, murmelte sie überwältigt. Nele flossen dicke Tränen übers Gesicht, sie musste es sein. Es war ein Gefühl stärker als jemals zuvor, diese Frau war ihre Mutter, auch wenn sie keine Erinnerungen sie hatte.
„Wie kann das sein?“. Doch die Frau, hörte sie nicht, immer noch betastete sie unter Tränen Neles Gesicht. „Er sagte mir du seist tot..“. Nele schüttelte den Kopf, sie selbst war nicht tot aber ihre Mutter war es. Sie konnte unmöglich hier im Du Weldenvarden vor ihr stehen. Es muss ein Traum oder eine Halluzination sein.
Am ganzen Körper zitternd griff Nele nach den eiskalten Händen und holte sie von ihren Gesicht fort. „Ich erinnere mich nicht an dich, an gar nichts“. Die Augen der Frau, welche für Nele wie ein Spiegel waren, verengten sich. „Er sagte mir du seist gesprungen, mein armes Mädchen. Nie wollte ich, dass sie dich finden. Du warst so tapfer“.
Nele kam aus dem Kopf schüttelten nicht raus: „Ich weiß nicht wovon du redest, ich habe meine Erinnerungen verloren. Ich erinnere mich nicht“.
Für einen Augenblick verzog sich das Gesicht ihrer Mutter hasserfüllt, bis sie wieder von Tränen übermannt wurde. „Er ließ mich im Glauben sterben du seist tot“. Schließlich siehst du aus wie deine Mutter, tiefer Schmerz durchzog Neles Kopf. Du siehst aus wie sie, als ich ihr das Leben nahm. Durza hatte bei ihren Kampf in Tronjheim die Wahrheit gesprochen. Er war es, der ihre Mutter ermordete.
Neles Knie brachen schwach in sich zusammen und sie ging zu Boden.
Der Geist ihrer Mutter hockte sich zu ihr, immer noch ließ sie Neles Hände nicht los. Die Kopfschmerzen brachen in tosenden Wellen über Nele hinweg, verhinderten jeden klaren Gedanken. „Mein armes Mädchen, ich wollte das nie“, wiederholte die Mutter immer zu und strich Nele über den laut dröhnenden Kopf, fuhr behutsam über ihre Haare und zog ihre Tochter an sich. Die mütterliche Umarmung brach Nele das Herz und sie fing erneut an zu weinen. „Ich versteh das nicht!“, beschwerte sie sich schluchzend, „was bist du?“. „Ich bin deine Mutter“.
„Aber du bist tot, du bist nicht echt! Durza sagte er habe dich ermordet“, wimmerte sie. „Es war der Preis den ich zahlen musste, mein Mädchen“, sprach die Mutter ohne den Hauch von Reue. Das ist der Preis den du zahlst..
Nele stemmte sich wimmert gegen die Kopfschmerzen und richtete sich auf. Jegliches Zeitgefühl war in der dunkeln Nacht um sie herum verloren gegangen. Der Mond throne über ihnen und Nele umfasste kämpfen ihren Kopf, das Summen war unerträglich laut. Sie erkannte, dass dies kein Traum, keine Halluzination oder Trugbild war. Auch war es nicht ihre Mutter, sondern die Uhrmächte, jener von ihnen der zuvor ihre Handfläche berührt hat. „Heilt mich!“, fehlte sie wimmert zu der Präsens die immer stärker wurde, „ich will sie zurück“.
„Mein liebes Mädchen, es tut mir so leid“, gestand ihre Mutter, „mir wurde nur gestattet dich noch einmal in den Armen zu halten“. „Erklär es mir“, flehte Nele, bis eine dröhnte Stimme in ihren Geist wider hallte.
Wir geben dir zurück wonach du verlangst.
„Ich muss mich nun verabschieden, mein Mädchen“, begann die Mutter mit einen glücklichen Lächeln. Nele griff verwirrt nach ihrer Hand, sie sollte nicht gehen. „Nein, verlass mich nicht“. „Ich muss, weine nicht. Du lebst, das war mein einziger Wunsch“. Der Kampf gegen das unerträglich Summen wurde immer unerträglicher , doch Nele musste ihre Gedanken beisammen halten.
„Wer bin ich?“. Ein seliges Lächeln ruhte auf den Lippen ihrer Mutter, als diese ihrer Tochter ein letztes Mal an die Wange faste. Nele bemerkte trotz ihrer brennenden Augen, wie sich die Gestalt aufzulösen schien. Silberende Funken schlängelten sich um die Gestalt ihrer Mutter, wie ein hell erleuchteter Kranz.
„Kehre zu der Asche unseres Heim zurück und finde wonach du suchst“, prophezeite sie verschleiert. Nele verlor den griff um die Hand, sie hatte sich aufgelöst und verschwand im umliegenden Nebel, der sie erneut stur umgab.
„Du bist meine Tochter, niemanden anders“, mit diesen Worten verflog die Mutter vor Neles gequälten Gesicht. „Nein..“. Sie war nun allein, als wäre dies ein Zeichen, verstärkte sich der Druck auf ihr inneres. Die Schmerzen breiteten sich vom Kopf in ihren ganzen Körper aus und sie wusste sich nicht anders zu helfen, als sich zusammen zurollen und sich die Ohren zu zuhalten. Die Gedwey Ignasia in ihrer linken Handfläche kribbelte und glühte heller als je zuvor. Es war das einzige Licht, umgeben von Dunkelheit, dessen Abgrund endlos war. Sie blickte tiefer hinein, so weit bis sie keine Kraft mehr besaß um ihr zu widersetzen.


* inspiriert von the Skyboat song (Outlander theme song)
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