Eragon - Das Mädchen ohne Erinnerungen

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Arya Brom Eragon Murtagh OC (Own Character) Saphira
07.07.2018
25.09.2020
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18.06.2020 6.663
 
Teil 54 Stimmen des Nordwindes

In Ellesméra schien Zeit keine Bedeutung zu haben. Zwar wurden die Tage selbst länger und die Abende goldiger, doch spürten man den Jahreszeitenwechsel kaum. Im Bann der Elfenmagie, blühten alle Blumen zu jeder Jahreszeit in der selben Pracht. Die Schönheit und Ruhe von Ellesméra, beruhigten Neles und Eragons Gemüt mit jeden Tag. Sie liebten Ellesméra, die eleganten Häuser, die aus Kiefern wuchsen, die melodischen Lieder, die in der Abendstunden erklangen, die Kunstwerke und vor allem die ansteckende Gelassen- und Heiterkeit der Elfen.
Mit Stac und Saphira erkundigten sie Ellesméra so oft es ging, bei vielen dieser Ausflügen wurden sie von Orik begleitet. Ihre kleine Gruppe, ohne die Drachendamen erkundigte auch den umliegenden Wald der Hauptstadt.
Die wilden Tiere im Reich der Elfen mussten keine Angst vor Jägern haben, abgesehen von den Drachen, weshalb diese auch nicht mit kamen. Ihre Anwesenheit, würde die Tiere nur verschrecken und Nele, Eragon und Orik wollten unbedingt einen Blick auf sie erhaschen. Selbst vom Baumhaus aus, konnten sie sehen, wie ein Elf einen Hirsch oder einen Fuchs streichelte. Ein mal erhaschten sie sogar einen Blick auf einen schüchternen Bären, der durchs Unterholz schlich.
Tiere die sie tagsüber nie zu Gesicht bekamen, waren Nachts zu hören.
Manche Nächte schlichen Nele und Eragon, da sie beide nicht in den Schlafen fanden um Baumhäuser umher, um die Quellen der Geräusche aus findig zumachen. Diese flohen aber, sobald sie sich näherten. Arya sprach immer noch nicht mit Eragon und da Nele und er stets zusammen waren, sprachen Nele und die Elfe auch nicht. Bei ihren Erkundungen sahen sie die schwarzhaarige Elfe zwar hin und wieder, diese huschte aber immer zwischen den Bäumen davon, sobald sie die Drachenreiter sah.


Seit Sonnenaufgang flogen sie zusammen mit Glaedr in Richtung Südwesten.
Der eisige Wind schlug Nele und Eragon in ihren Satteln entgegen. Um sich davor und dem grellen Licht der Sonne zu schützen vergruben sie ihren Kopf in den Armbeugen und schlossen die Augen. Der mächtige goldene Drache fand immer wieder Zeit, um halsbrecherische Übungskämpfe zu fliegen. Immer im Wechsel erst mit Saphira und nach einer kurzen Pause mit Stac. Dabei mussten die jungen Drachenreiter Arme und Beine am Sattel festschnallen und nicht hin und her geschleudert zu werden. Unweigerlich wurden Nele und Eragon jedes mal schwindlig, doch lag sich das nach dem Luftmanöver mit Hilfe ihrer Verbindung zu Stac und Saphira schnell wieder. Der Flug endete am frühen Nachmittag an einer Gruppe von Bergen, welche den du Weldenvarden weiter überragten.
Es waren die ersten Berge welche sie seit ihrer Ankunft bei den Elfen zu Gesicht bekamen. Die eisigen Gipfel ragten hoch zur Wolkendecke.
Das Beor-Gebirge ist so viel höher!, bemerkten die Drachendamen.
Glaedr setze am ersten Berg auf einem flachen Felsvorsprung zur Landung an. Stac und Saphira mussten eine zusätzliche Runde drehen, bevor sie landen konnten. Der große Drache musste seine mächtigen Schwingen erst anlegen.
Wie Nele und Eragon es in ihrer Meditation gelernt und sich angewöhnt hatten, streckten sie ihre Geister aus und suchten nach anderen Lebewesen. Sie entdeckten Raben, Spechte, Murmeltiere und mehrere Eichhörnchen. Die Drachendamen landeten und Nele rutschte mit steifen Knochen an der Seite auf den Felsvorsprung herunter. Obwohl sie und Eragon sich vorsorglich warm angezogen hatten, fror sie. Sie zog sich ihren Umhang enger und zog sich die weite Kapuze über ihre zusammen gebundenen wüsten Haare.
Dieser Gipfel heißt Fionula, begann Glaedr. Und seine Brüder heißen Ethrundr, Merogoven und Griminsmal. Ihre Geschichten werde ich euch später auf den Rückflug erzählen. Aber kommen wir zu nächst zum Zweck dieser Reise. Heute ist der Zeitpunkt gekommen, die wahre, heilige Bedeutung eurer Partnerschaft zu verstehen. Das Wesen des Bandes zwischen Drachen, Elfen und den Menschen. Ihr werdet es begreifen müssen, damit ihr die Tradition fortführen könnt, wenn Oromis und ich nicht mehr sind. Der Felsen ächzte unter Glaedr als dieser seinen mächtigen Kopf neben Nele und Eragon ablegte. Er schaute sie aus dem goldenen Auge an, es war so groß wie ein poliertes Rundschild.
Ihr fragt euch sicher, warum Oromis nicht mit uns gekommen ist? Es ist die Aufgabe des älteren Drachen, der jungen Generation die Wichtigkeit ihrer Stellung bewusst zu machen. Sein Auge behielt auch Stac und Saphira im Blick.
Nun hört mir zu, junge Freunde. Die Drachenreiter wurden, nach jahrelangen Krieg zwischen Drachen und Elfen ins Leben gerufen. Frieden war zwar schon geschlossen, doch sollte gewährleistet werden, dass nie wieder solch ein Konflikt zwischen unseren Völkern entstehen kann. Die Elfenkönigin Tarmunora und die Drachendame, die uns repräsentierte.. ihre Name lässt sich in keiner noch existierenden Sprache aussprechen, waren der Meinung, ein gewöhnlicher Vertrag würde nicht ausreichen. Wir Drachen sind leidenschaftliche, heißblütige Geschöpfe ein Stück Papier hätte für uns keinen Wert gehabt.
Weder die Elfen noch die Drachen konnten einen weiteren Krieg riskieren, denn dies hätte die Auslöschung unserer Völker bedeutet. Um das zu verhindern, beschlossen sie, einen bedeutsamen Pack zu schließen und unsere Völker mit Magie aneinander zu binden. Es dauerte neun Jahren, bis die Elfen den notwendigen Zauber entwickelten. Als es so weit war, trafen sich die Elfen mit den Drachen in Illirea. Die Drachen steuerten die Kraft dazu und gemeinsam verschmolzen die Seelen beider Völker mit einander. Durch die Vereinigung, veränderten wir uns. Die Drachen mehr als die Elfen. Wir Drachen fingen an im Geiste zu sprechen und näherten uns der Zivilisation der Elfen. Die Elfen teilten fortan unsere Langlebigkeit, zuvor war ihre Lebensspanne wie die der Menschen. Die Drachenmagie wurde auf die Elfen übertragen, weshalb sie im Laufe der Zeit die Kraft und Anmut entwickelt haben welche ihr heute kennt. Auf euch Menschen hat sich unsere Magie, nicht so stark ausgewirkt. Euer Volk wurde erst nachträglich in den Pakt mit eingebunden.
Sind die Zwerge auch Teil dieses Vereinigung?, fragte Eragon.
Glaedr Auge funkelte. Nein, deshalb hat es auch nie einen Zwerg gegeben, der zum Drachenreiter erwählt wurde. Uns Drachen liegt nichts an den Zwergen und ihnen nichts an uns.
Der alte Drachen kratze mit seiner Pranke über den Fels. In Königin Tarmunoras Zauber war eingeworben, dass es einem Drachenjungen möglich ist, seinen oder ihren Reiter zu erkennen. Beschloss eine Drachendame eins ihrer Eier den Elfen zu überlassen, wurden jene Worte gesprochen, die bewirkten, dass das Junge erst dann schlüpfte, wenn es im Kontakt mit der erwählten Person steht. Die Worte werde ich euch später beibringen.
Ihr selbst seid das beste Beispiel dafür, Zeit kann ein Drachenjungen im Ei kein Leid zufügen. Ein Drache kann ewig in seinen Ei bleiben. Eure Verbindung ist nur eine Verstärkung des Pakts, der bereits zwischen unseren Völkern existiert. Was euch an einander schmiedet, ist mehr als eine bloße Verbindung des Geistes. Galbatorix hat diese Intimität mit schwarzer Magie zwischen sich und Shruikan erzwungen, damit dieser ihn dient. Ihre Verbindung ist unrein und unheilvoll. Der Verlust seines ersten Drachens trieb ihn in den Wahnsinn.
Die Verbindung zwischen Reiter und Drache geht tief, eure Seele, eure Identität, sind elementar miteinander verschmolzen. Da wir so eng miteinander verbunden sind, müssen Drachen und Reiter, wenn einer der beiden verwundet wird, ihre Verbindung zu einander trennen und ihre Herzen verschließen. Der Partner muss vor unnötigen Leid, Schmerz und sogar Wahnsinn bewahrt werden.
Stirbt ein Körper, so stirbt auch seine Seele. Würden Drache und Reiter diese Verbindung jedoch aufrecht erhalten oder gar versuchen die Seele des anderen in sich aufzunehmen, bedeutet dies den Tod für beide.
Nele räusperte sich. Als ich Eragon half, Durzas Geist zu entkommen, war unsere geistige Verbindung so intensiv, dass ich seine Verwundung spürte als wäre es meine eigene.. Glaedr schlug sein mächtiges Auge zu und öffnete es wieder.
Eben dies muss verhindert werden, so schwer es auch fällt. Ihr beide seid durch eure Drachen eben so zusammen geschweißt wie zu den euren. Dein handeln war das einzige wozu du im Stande warst, denn ihr wusstet es nicht besser. Dein Geist hatte keine Zeit sich von Eragon zu trennen. Seht euch die Folgen dessen an. Nun stellt euch vor, eure Geister wären mit Stac und Saphira verbunden wenn einer von euch stirbt.
Es ist doch furchtbar allein zu sterben!, meinte Eragon betroffen. Jeder stirbt für sich allein Eragon. Ob man nun König ist oder Bettler.. Niemand kann ein einen in die große Leere begleiten. Und nun werdet ihr üben euren Geist blitzschnell von euren Drachendamen und zwischen euch zu trennen.


Für Nele war der einzige Lichtblick, dass Eragon ihr versprochen hatte sie von Saera abzuholen, sobald ihre Sitzung beendet sei. Die Elfe hatte für ihr heutiges Treffen Großes vor, was Nele unruhig machte. Die Alpträume und Einbildungen von Durza, plagten sie noch immer. Die Träume folgten keinem Muster, was sie unberechenbar machten. In einer Nacht, schlief sie und wachte nicht auf.
In der nächsten fürchtete sie sich wiederum davor die Augen schließen. Das sie sich zu viert nun Baumhaus teilten, hatte den Vorteil, dass sie für einander da sein konnten. Wenn Nele nicht in den Schlaf fand oder wollte, lag auch meist Eragon nehmen ihr wach. Wodurch sie einige spannende nächtliche Ausflüge unternehmen konnten. Wenn sie danach doch noch einschliefen, war es bereits mitten in der Nacht und der Morgen nicht mehr fern. Die Rache dafür kam dann am nächsten Tag beim aufstehen, wenn sie beide so dermaßen unkonzentriert und müde waren, dass ihr Meister sie ermahnen musste.
Aufgrund Saeras zahlreichen Notizen, zu denen Nele keinen Zugang erhielt, wollte sie heute den Nebel, welchen Nele immer zu als undurchdringbar empfand untersuchen. Nele rang mit den Erwartungen dieser Sitzung, für sie war der Nebel eine undurchdringbare Wand. Bei ihren Meditation hatte sie selbst einige male sich so weit konzentrieren können, um weiter als ihre erste Erinnerung zu denken. Für sie gab es jedoch nur diese Erinnerung, damals halb erfroren im Buckel, weiter zurück konnte sie nicht blicken. Wie sollte es mit Saera anders sein?
Das Eragon ihr versprach sie abzuholen, entspannte sie spürbar. Zuvor würde er in der Tialdarí-Halle gehen um Arya zu suchen. Ihn war klar geworden, dass er handeln musste, wolle er die Freundschaft zwischen ihn und Arya nicht zerstören. „Wenn sie deine Entschuldigung annimmt, frag sie doch bitte ob sie dich begleitet. Ich würde mich freuen wieder mit ihr zu sprechen“, hatte Nele gesagt bevor sich ihre Weg in Ellesméra trennten.
Zu ihrer Überraschung kam ihr und Stac Orik entgegen, er wirkte friedlicher. Dem Zwerg fing Ellesméra an zu gefallen, auch wenn er es nicht leichtfertig zu geben würde. „Guten Abend Stiefschwester und Schuppenträger! Wohin des Weges?“, grüßte er sie mit fester Stimme und festen Händedruck. Sein Bart war gepflegt, gekämmt und zählte ein paar neu geflochtene Strähnen. „Guten Abend, Orik“, lächelte Nele und gab Stacs Grüß zurück. Orik wusste nicht um Neles Amnesie, denn zu ihrer Schande hatte sie ihren Zwergen Freund und Stiefbruder nicht von ihren Zustand erzählt. Der Gedächtnisschwund war außerhalb Ellesméras noch immer ein Geheimnis. Orik wäre verpflichtet dies an Hrothgar und Nasuada weiter zu geben. Er kann nicht nach außen kommunizieren, gab Stac zu bedenken, Erinnerst du dich. Nur die Elfen können Nachrichten verschicken.
Ich möchte ihn nicht belügen , er ist unser Freund, er verdient Ehrlichkeit. Ich werde sehen wie die Sitzung heute verläuft, dann kann ich ihn davon erzählen. Seine Entscheidung mit diesem Wissen umzugehen, darf nicht in meiner Macht liegen. Womöglich hat Saera einen Rat für mich, entschied Nele.
„Ich treffe mich mit einer Elfe, ihr Name ist Saera. Du kannst uns auf dem Weg zu ihr gern Gesellschaft leisten“. „Es wäre mir ein Vergnügen“, entgegnete Orik, ohne den Grund des Treffens zu hinterfragen. Zu dritt liefen sie den Weg durch Ellesméra, vorbei an den eleganten Häusern, gesungen aus mächtigen Kiefern. „Dir scheint es wirklich besser zu gehen wie?“, erkundigte Nele sich bei Orik.
Ihr letzter Ausflug, lag schon einige Tage zurück und Nele empfand den Zwerg heute als besonders fröhlich. „Wohl wahr! Dieser Ort ist so unberührt von der Zeit, langsam zeigt das seine Wirkung“. Schmunzelnd bogen sie den Weg nach links ab, das Zuhause von Saera war nicht mehr weit. „Wenn es dir nichts ausmacht, könntest du auf uns warten. Eragon trifft uns hier später. Arya kommt möglicherweise auch“. Der Zwerg nickte besonnen. „Ich werde auf euch warten und zwar genau an dieser Stelle“, sagte er, nachdem er sich umgesehen hatte und lief den Blick schweifen. Zu ihrer linken lag ein kleiner klarer Teich, bewachsen mit farbenfrohen Wasserblumen und quakenden Fröschen. Nele hob die Hand zum Abschied: „Eine wundervolle Stelle zum warten, bis dann“.

„Bist du so weit?“, fragte Saera und strich Nele über die Haare, um die Fingerspitzen besser an ihren Schläfen platzieren zu können. Die Elfe stand am Kopfende der Liege auf der Nele bei jeder dieser Sitzungen lag. Nele sah der Elfe über ihr in die Augen und nickte. Sie war damals Flussabwärts, nicht weit entfernt von einen Wasserfall zu sich gekommen und um die nötige Krafteinwirkung auf ihren Körper zu erklären, blieb nur ein Sturz von einer höheren Position aus.
Das die Amnesie nicht allein durch die Unterkühlung oder ähnlichen, sondern durch einen Aufprall verursacht worden sein muss, belegen die Kopfschmerzen und Neles damalige blutige Beule am Kopf. Nele war von der Szenerie, welche sich auf ihrer Erzählung stützte beeindruckt.
Auf diese Schlussfolgerung hätten sie und Stac auch kommen können oder viel mehr sollen. Selbst wenn sie ständig um ihr Überleben kämpfen und Brom sie gebeten hatte, nicht darüber nach zu denken, hätte sie es doch tun sollen.
Viel zu lang war sie davor weggerannt und hatte sich versteckt.
Jedoch war nicht bewiesen, dass diese Vermutung der Wahrheit entspricht.
Dies wollte die Elfe nun heraus finden. „Ich wundere mich“, hatte Nele während sie den Tee der ihren Geist beruhigen sollte trank gesagt, „wenn eine Krafteinwirkung die Ursache für meine Amnesie war, warum hat meine Kopfverletzung in Fahrten Dur sie nicht behoben? Ich meine die Verletzung war schwer, wie soll etwas noch schwerwiegender sein?“. „Eine wiederholte Verletzung löst eine Amnesie nicht immer, jeder Fall ist anders“, erklärte Saera ihr.
Nele senkte die Mauer um ihren Geist. Ein hell leuchtendes Licht, kehrte kaum spürbar in ihren Geist ein. Der Geist von Saera, formte sich aus dem hell scheinenden Licht in die Gestalt der Elfe. Sie standen sich gegenüber um sie herum mehrere kleine Wirbelwinde aus Erinnerungen. Manche der Erinnerungen leuchteten hell wie funkelten Sterne, andere rückten im Schein dieser Erinnerungen in den Hintergrund. Die Elfe sah sich wie schon die Male zuvor, einige der glücklichen Erinnerungen von Nele an. Auch Nele hielt einen Moment inne um diese Erinnerungen vorbei ziehen zu sehen, es beruhigte sie. Diese Erinnerungen würde sie um jeden Preis schützen, nie würde sie diese vergessen. „Wenn du so weit bist, konzentriere dich auf dein erwachen im Buckel und auf die Umgebung“, leitete Saera Nele nach wenigen Augenblicken an. Der Aufforderung konnte Nele problemlos folge leisten. Die umher schwirrenden Erinnerungen verschmolzen und ehe sie sich versahen oder einer anderen Erinnerungen hinterher schauen konnten, standen sie im Buckel.

Der Wald um sie herum war verschneit, weit hinter ihnen in der Ferne ragte die Gebirgskette, welche dem Buckel seinen Namen verdanke, hoch in den bewölkten Himmel. Nele war damals auf der Ostseite des Gebirges zu sich gekommen, vielleicht zwei Wegtage von dem größten Berg des Gebirge entfernt. Der Wind wirbelte einige Schneeflocken auf und trug sie mit sich fort. Sie spürten die Kälte des Nordens, auch wenn sie sich nur in ihren Erinnerungen bewegten. Zu ihrer Rechten, in etwa dreihundert Schritte entfernt, sprudelte ein Wasserfall geschmolzenes Gletscherwasser hinunter in einen See der sich dann zu einen seichten Fluss verengte. Die Elfe studierte die Aussicht, die Anhöhe von der das Wasser hinunter brach, war hoch, steil und felsig. Nele hingegen, kämpfte mit sich selbst. Die Reisen in ihren Erinnerungen mit der Elfe fühlten sich immer unheimlich echt an. Es war nicht, als würde sich Nele nur zurück erinnern, es war so viel intensiver. Genau so gut, hätte sie oder die Elfe einen Transportzauber wirken können, damit sie wirklich im Buckel stehen würden. Nur ihre leichte Kleidung und die Tatsache, dass sie eben dies nicht getan hatten, ließen sie glauben nicht wirklich wieder im Buckel zu stehen.
Der eisige Wind zog an ihrer Kleidung und auch die Elfe verschränkte fröstelnd die Arme. Sie wandte sich vom Wasserfall ab und stampfte im Schnee die wenigen Schritte zurück zu ihrer Patientin. „Wir sind in deiner Erinnerung, gesteuert von deinen Gefühlen und Eindrücken. Der Geist eines jeden Lebewesens ist wandelbar und voller Kreativität. Wenn du es willst und dich darauf konzentrierst, weht der Nordwind uns weniger entgegen“. Nele trat zitternd von einen Bein aufs andere, solange bis sie sich einredete es würde kein so eisiger Wind wehen. Tatsächlich klang der Wind ab. Saera löste sichtlich erleichtert die Arme und schüttelte sie aus. „Das hast du sehr gut gemacht“.
„Aber wie ist das möglich?“, wollte Nele wissen. „Es ist möglich sich fehlerhaft an vergangenes zu erinnern oder wir reden uns ein, etwas war anders. Ebenso können wir etwas hinzu denken oder unserer Vorstellungskraft freien Lauf lassen. Denn das werden wir jetzt auch machen“. „Ich möchte das wir dort hoch gehen“, begann sie und deutete auf die Anhöhe. „Ich war als ich aufgewacht war nicht dort oben!“, protestierte Nele verwirrt. „Du erinnerst dich nicht daran, dort oben gewesen zu sein. Deshalb nutzen wir jetzt deine Vorstellungskraft. Wir können uns hier frei bewegen, solange du daran glaubst. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass du irgendwo dort oben warst ziemlich hoch“, erklärte Saera Nele und stampfte im Schnee davon.
„Aber wie soll das gehen?“, schüttelte Nele den Kopf.
Wenn sie jetzt dort hinauf steigen wurde, wäre der Nebel ihrer Erinnerungen dann durchbrochen oder würde rein gar nichts passieren? „Natürlich geht das“, rief die Elfe, „das ist nur eine Vorstellung, als würden wir beiden den selben Gedanken haben oder zusammen uns eine Geschichte ausdenken. Es ist nicht echt. Nun komm“. Sie winkte Nele zu sich und diese musste wohl oder übel nachgeben. Gemeinsam fanden sie einen verschneiten Trampelpfand, der die Anhöhe hinauf führte. Während ihres Aufstieges brauste der Wind sich erneut auf, eisig pfiff er durch ihrer beiden Haare. Der schmale Pfand endete auf einen Felsvorsprung, auf ungefähr halber Höhe zum Wasserfall. Nele drehte sich langsam im Kreis um die Umgebung zu betrachten. Beim aus atmen stieß sie weißen Rauch aus.
Sie füllte sich nicht wohl, Schwindel packte sie. Saera untersuchte in der Zeit mit gestreckten Kopf den Abgrund vor ihren Füßen. Unter ihnen floss der Fluss, neben ihnen sprudelte der Wasserfall. Ein Stechen durchzog Nele Kopf, als sich der Wind zu drehen schien und ferne Stimmen zu ihnen trug. Es war eine tiefe und bellende Stimme gefolgt von klirrenden und schweren Schritten.
„Wir müssen zurück“, flüsterte sie wie angewurzelt. Der pochenden Schmerzen zog sich vom Kopf durch ihren ganzen Körper hinunter bis in die Zehenspitzen. Die Elfe musste das Stimmengeschwader auch hören, sie eilte auf Nele zu und ergriff ihre kalten Hände. „Nein, konzentriere dich! Dir kann nichts passieren, wir sind nicht wirklich hier“. Tränen stiegen Nele in die Augen: „Nein ich will hier nicht sein. Wir müssen zurück bitte“. Zu ihren Füßen schlängelte sich langsame Nebelfahnen, die sich dichter zusammen zogen. Saera bemerkte sie und ergriff Neles Hände fester.
„Du bist so nah dran. Die Stimmen, sind eine Erinnerung der Nebel lichtet sich. Mach weiter so. Erinnere dich daran, was ihr oben geschehen ist. Besiege deine Krankheit“. Der Nebel um sie herum, lichtete sich nicht, im Gegenteil er verdichtete sich immer mehr. Nele konnte nicht anders als den Kopf zu schütteln. Sie wollte nicht mehr hier sein. Die Angst vor den näher kommenden Stimmen wurde unerträglich. „Du musst dich beruhigen, Nele. Beruhige dich, sonst entgleitet mir dein Geist“, bat Saera zähneknirschend. Ihre Hände wanderte an Neles Armen hoch über die Schulter an ihre Kopf und umfassten ihn. Die näher kommenden Stimmen wurden immer lauter und bedrohlicher. Wimmern löste sich von Neles Lippen und sie hielt sich die Ohren zu, dabei presste sie die Hände der Elfe nur fester an ihren Kopf.

„Beruhige dich, du musst zur Ruhe kommen“, bat Saera mit zusammen gebissenen Zähnen, in ihrer Hütte in Ellesméra. Doch Nele konnte das Zittern in ihren Körper nicht kontrollieren, die Erinnerung verlangte ihr alles ab. „Ich will aufhören“.
Doch die Elfe schüttelte den Kopf: „Wir sind so dicht dran, erinnere dich. Wir schreiten durch den Nebel“. „Nein! Ich will aufhören“. „Du bist so nah dran, gib nicht auf“, forderte Saera stur und beendete die Sitzung nicht. „Ich kann nicht mehr“, jammerte sie, doch die Elfe schien es zu ignorieren. „Doch du kannst“.
„Nein!“, schrie Nele erschreckend tief, mit donnernder und unbekannter Kraft trennte sie gewaltsam die Verbindung zum Geist der Elfe. Ein schrecklicher Aufschrei ertöne schrill durch Neles zitternden Körper und Geist. Er verstumme erst, als sie die Mauer um Geist blitzschnell wieder errichtete, höher und breiter als zuvor. Schweiß gebadet und kraftlos fiel Nele schwerfällig von der Liege. Ungeschickt, mit dumpfen Aufprall landete sie auf der Seite. Durch den anhaltenden Schwindel, wagte sie sich nicht zu bewegen, bis sie sich auf die Arme stemmten konnte. „Es war zu viel“, schluchzte sie entschuldigend mit hängenden Kopf. Schniefend sah sie hoch um der Elfe ins Gesicht zu sehen.
Doch kreischte sie laut, Saera lag regungslos auf dem Rücken, mit ihren Gesicht Nele zugewandt. Eine kleine Rauchfahne stieg auf. Das wunderschöne Gesicht der Elfe war schwer verbrannt. Die Augenhöhlen und Augenbrauen waren zur Unkenntlichkeit entstellt und Blut sickerte dickflüssig aus der Brandwunde.
Nele kreischte ununterbrochen ohne den Blick von der Elfe abwenden zu können.
Ihre Knochen waren starr, sie konnte sich nicht rühren. Die Hütte erschütterte plötzlich, von draußen ertönte ein lautes Kratzen an der Fassade und Stacs aufgebrachtes Brüllen. Ohne das Nele es bemerkte, wurde die Tür von außen aufgestoßen. Hinein gerannt kamen Arya, Orik und zuletzt Eragon. Arya bremste abrupt ab, Orik prallte gegen die schlanke Statur der Elfe. Durch die offene Tür stieß Stac so weit es ihr möglich war ihren Kopf in die Hütte.
Arya überblickte die Situation, sprang um die Liege herum und sank vor Saera auf die Knie, versperrte Nele so die Sicht in die vermeintlichen Augen der Elfe.
„Bringt sie raus los! Sie muss unbedingt raus“, befahl sie Orik und Eragon über Neles unaufhörliches Gekreische hinweg. Eragon hockte sich vor Nele und umfasste fest ihre Schulter. Mit seiner Berührung verstummte sie und brach stattdessen in Tränen aus, als sie die Gestalt vor ihren Augen als Eragon erkannte. „Es ist alles wieder gut Nele. Kannst du aufstehen?“, erkundigte sich dieser schnell und strich ihr die verschwitzen Haare hinters Ohr. „Es wird alles wieder gut“. Entkräftet sackte Nele zusammen, sie konnte nicht aufstehen. Wimmernd klammerte sie sich an Eragon. „Nein, nein...Was habe ich getan?“, schluchzte sie vergruben an Eragon Schulter, die Finger fest um seine Arme verkrampft. „Das wollte ich nicht, bitte glaubt mir. Es war ein Unfall, es tut mir so schrecklich leid“.

Orik stand ansehnlich überfordert neben ihnen. Er wusste nicht, was geschehen war. Eine Hand ruhte zwar auf Neles Schulter und tätschelte sie, doch hatte er einen Blick auf die Elfe erhascht, welche Saera sein musste. Die verbrannten Augenhöhlen starrten ihn an, so das er bestürzt den Kopf senken musste. „Schwesterchen, du musst hoch kommen“, klopfte er ihr unbehaglich die Schulter.
Auch wenn Eragon ihn versuchte zu helfen, hievte er Nele allein auf die wackligen Beine. Die Stärke eines Zwerges wurde immer wieder vergessen.
Eragon stütze seine bestes Freundin, soweit es ihn möglich war. Die wimmernden Entschuldigungen von Nele nahmen kein Ende. Dann ertönten von draußen Stimmen und Stac räumte die Tür frei. Drei silberhaarige Elfen mit einer Trage und einer Arzneimitteltasche traten in die Hütte. Arya muss diese kontaktiert haben. Zwei Elfen sammelten sich um Saera, um die Elfe auf die aus Holz gesungenen Trage zu heben. Der Dritte trat an Nele heran, mit einen Seitenblick zu Eragon wartete er auf eine Erlaubnis.
Eragon nickte und damit streckte der Elf seine Hände nach Nele aus. Vorsichtig aber mit gekonnten Bewegungen richtete er Neles Kopf so aus, dass er ihr in die Augen gucken konnte. Danach prüfte er mit dem Handrücken ihre Stirn.
Nele war - nicht nur ihre Stirn, klitschnass geschwitzt und unfassbar kalt. Während der schnellen Untersuchung hörte Nele nicht auf zu schluchzen. „Ariahen hat einen Schock. Sie muss umgehend ins Bett und braucht Ruhe“, erklärte der Elf in seiner Sprache und ging dann zu seinen Artgenossen. Diese hatten Saera auf die Trage gehoben und nach einer zügigen Absprache mit Arya, wurde die Elfe hinaus getragen. „Es tut mir so leid. Sie hat nicht aufgehört, ich wusste nicht was ich machen soll. Ich wollte das nicht..“. Arya sah ausdruckslos von der kleinen Blutlache am Boden auf und wandte sich zu den jungen Drachenreitern.
„Ihre Verletzung ist schwer aber sie lebt noch. Unsere fähigsten Heiler werden sich um sie kümmern. Ihr solltet unverzüglich zurück in die Baumhäuser und die Nacht dort bleiben. Ich muss zu Königin Islanzadi, sie muss von diesen Vorfall unterrichtet werden“. Eragon schrak zusammen: „Es war ein Unfall, dass müssen wir ihr glauben!“. Arya ließ ihn mit einen finsteren Blick verstummen.
„Ich zweifle nicht daran, dass dies kein Unfall war. Dennoch wurde in unserer Stadt Blut vergossen. Königin Islanzadi muss davon in Kenntnis gesetzt werden. Dieser Abend war durchaus ereignisreich. Heute werdet ihr niemanden mehr sehen. Morgen früh werden wir sehen müssen, wie es weiter geht. Hoffen wir das Saera die Nacht überlebt“. Die schwarzhaarige Elfe verließ ohne ein tröstendes Wort oder ein Abschied die Hütte und verschwand im schwachen Licht der flammenlosen Laternen in der angebrochenen Dunkelheit.
Eragon sah ihr fassungslos hinter her. Das sie ging ohne sich Neles Zustand zu vergewissern verletzte ihn sehr. Wir sollten aufbrechen, sagte Stac besorgt zu Eragon. Nele muss ins Bett und schlafen. Stac versuchte gar nicht erste ihre Bindung zu Nele auf zubauen, Neles Schockzustand und die Lektion welche Glaedr ihnen erst erteilt hatte verboten es. Gemeinsam mit Orik und mit Unterstützung von Stacs Vorderbein hievte sie Nele in den Sattel der Drachendame. Diese war zwar bei Bewusstsein, doch konnte nicht genug Kraft aufbringen um selbst in den Sattel zu klettern.
„Ich danke dir Orik. Entschuldige das unseretwegen dein Abend so ein Ende gefunden hat“, schnaufte Eragon vor Anstrengung, als er sich vom Zwerg verabschiedete. Orik ergriff dessen Hand und schüttelte sie.
„Ich verstehe es nicht, doch hat Arya recht. Für diesen Abend ist genug passiert. Ich kann warten. Passt gut auf einander auf und wenn Nele nicht warm wird gibt ihr ein Schluck Schnaps“, zwinkerte er. Ich danke dir für deine Hilfe, sagte Stac mit einen Kopfsenken und Eragon richtete es aus. Stac hob ihr Bein bereit, so das Eragon sich hinter Nele in den Sattel setzten konnte. Orik wartete bis sie sich in der engen Straße umdrehte. Am Teich, auf dem die Frösche noch immer quakten, breitete die blaue Drachendame ihre Flügel aus und hob dann in die Luft.
Orik sah ihnen hinterher, bis ihn auffiel, dass keiner die Tür der Hütte verschlossen hatten. Er sagte er könne warten, ermahnte er sich selbst. Es war respektlos in die Hütte einer Fremden einzutreten, er sollte nur die Tür von außen schließen und sich zurück in seine Gemächer in der Tialdarí-Halle begeben. Er sollte gehen, doch gehorchten seine Beine nicht.



Eragon schmerzten die Knochen, um so erleichterter war zu sehen das Nele wieder zu Kräften kam. Der Flug über Ellesméra, zusammen mit den lauen Abendwind und der frischen Luft mussten ihr gut tun. Dennoch besorgte es ihn, wie eiskalt sie trotz seiner Umarmung war. Nele entschuldige sich deshalb, er versicherte ihr, dass alles wieder gut werden würde und das sie keine Schuld traf. Saphira die eigentlich schon im Baumhaus gewesen war, kam ihnen entgegen geflogen.
Sie umflog ihre Schwester, bis sie neben ihr durch die Luft glitt. Was ist passiert?
Es gab bei Saera einen Unfall. Nele hat sie irgendwie verletzt aber Saera lebt, sie wurde zu Heilern gebracht, erklärte Eragon knapp. Und warum wird Nele nicht zu den Heilern gebracht? Sie braucht wohl nur Ruhe und Schlaf. Mehr kann ich dir nicht sagen. Wir müssen Nele fragen, aber sieht steht noch unter Schock.
Zurück im Baumhaus, lief Nele mit Unterstützung von Eragon selbst zum Bett und setzte sich auf die Bettkante. Das Gesicht in ihren Händen versteckt. Bedacht verließ Eragon das Schlafzimmer um ins Esszimmer zu gehen, zurück kam er mit einen Krug Wasser. Er setzte sich neben Nele und hielt ihr den Krug hin, stumm nahm sie ihn entgegen und trank ihn mit einen Schluck aus. Ich war dumm, öffnete Nele ihren Geist für die Drachendamen und ihn. Doch es war ein Unfall. Und wir glauben dir! Mach dir keine Vorwürfe, Saera lebt und die Heiler werden sich um sie kümmern. Ich wünschte nur ich hätte dir helfen können! , sagte Stac und verstärkte die Bindung zu ihrer Reiterin. Was ist den eigentlich passiert?, fragte Saphira ,die andern Sitzungen verliefen doch immer problemlos.
Nele erzählte den Drachendame und Eragon was vorgefallen war. Wie sie auf Anhöhe im Buckel standen, das immer bedrohlicher werdende Stimmengeschwader und die Angst, die durch ihren Körper kroch. Wie sie Saera gebeten hatte auf zuhören, diese sie aber gedrängt hatte zu bleiben. Sie berichtete von der ihr unbekannten Kraft, mit dessen Hilfe sie sich von Seara getrennt hat.
Es war wie eine unentdeckte Kraftreserve, auf die Nele noch nie gestoßen war.
Du hast dich nur verteidigt, versicherte Eragon ihr, du wolltest sie nicht verletzten, sie sollte nur aufhören. Doch ich hab sie verletzt..., sagte Nele, Wie geht es nun weiter? Ich muss mich bei Saera entschuldigen.
Heute wird nichts mehr passieren, morgen früh wird man uns eine Nachricht schicken denke ich, meinte Eragon, seine Hand ruhte auf ihrer Schulter.
Lasst uns morgen darüber sprechen! Meine Kleine du musst schlafen und dich ausruhen. Wie auch immer entschieden wird, es war nicht deine Absicht Saera zu verletzten, drängte Stac fürsorglich. „Mir ist so kalt“, fröstelte Nele kleinlaut, „mir ist als wäre ich zurück im Buckel“.


Wie auch immer es ihr gelungen war, die Verbindung zu Saera zu trennen, der enorme Kraftaufwand laugte Körper und Geist gleichermaßen aus. Denn zu ihrer Überraschung schlief Nele die restliche Nacht durch. Kein Alptraum störte ihre Nachtruhe, obwohl sie erwartet hatte, von den fremdem Stimmen aus dem Buckel zu träumen. Eragons Stimme weckte sie, das Gebrumme der Holzkugel hatte sie anscheint nicht gehört. Über ihr senkte und hob sich das Meer aus blauer Haut. Mit einen Klopfen bat sie Stac den Flügel zu heben unter dem sie lag.
Im Vorzimmer wurde sich unterhalten und Nele erkannte die zweite als Aryas Stimme. Nele fuhr sich übers erschöpfte Gesicht und legte sich die Haare zu recht. Ihr war wieder warm, die eisige Winterkälte war vollständig gewichen. Der Kopf schmerzte ihr nicht, fast könnte sie sagen, es ginge ihr gut. Vorsichtig trat sie zu Eragon und Arya in ins Vorzimmer, die Luke am Boden stand offen und es wehte ein angenehmer Wind hinein. Schuldbewusst führte sie die zwei Fingerspitzen an ihre Lippen und grüßte Arya, dann verbeugte sie sich.
„Ich muss mich entschuldigen! Der Unfall ist unverzeihlich, ich hoffe zu tiefst Saera geht es gut. Es war nie meine Absicht sie zu verletzen“. Die Elfe welche mit auf dem Rücken verschränkten Händen da stand erwiderte höflich. „Ich bringe Kunde von Königin Islanzadi. Saera geht es den Umständen entsprechen. Ihr Leben ist nicht mehr in Gefahr, doch hat sie ihr Augenlicht verloren. Ob die Heiler es wiederherstellen können, muss in den nächsten Tagen untersucht werden“, sie räusperte sich und verzog ihren Mund, „der Unfall hat nicht viel übrig gelassen, was geheilt werden könnte“.
„Es tut mir zu tiefst leid. Ich würde mich gern bei Saera persönlich entschuldigen“, sagte Nele betroffen. Die Nachricht das Saera wohlauf war erleichterte sie.
Doch der Verlust des Augenlichts, war ein grausamer Ausgang ihrer versehentlich eskalierten Sitzung. „Du wirst sie besuchen können, nur nicht sofort. Saera braucht Ruhe. Königin Islanzadi und ich waren heute in aller früh bei ihr“, fuhr Arya fort. „Königin Islanzadi hat sich dazu entschieden den Vorfall als traurigen Unfall zu akzeptieren. Saera hat uns berichtet und versichert, dass du aus Notwehr gehandelt hast. Sie sagte, du wolltest die Sitzung abbrechen, was sie nicht zu gelassen hat. War es so?“. Nele nickte. Arya löste die Hände hinter ihren Rücken, wodurch sie sofort weniger offiziell wirkte. „Du wirst verstehen, dass die Sitzungen mit Saera vorerst nicht stattfinden können? Königin Islanzadi bittet dich um Verständnis. Du sollst wissen, dass deine Amnesie immer noch erst genommen wird. Außerdem sprach sie bereits mit Meister Oromis. Er bittet dich heute dennoch an seinen Unterricht teil zu nehmen und auch die Schwertstunde mit Galena durch zu führen. Blut wurde in unserer Stadt vergossen, doch war es ein Unfall. Du sollst versichert sein, man wird dich nicht belangen oder beschuldigen“, beendete Arya ihre Nachricht. Zu tiefst Dankbar senkte Nele erneut ihren Kopf: „Ich danke Königin Islanzadi für ihre Worte. Über eine Nachricht, wann ich Saera besuchen kann, wäre ich sehr dankbar. Am Unterricht von Meister Oromis werde ich wie gewohnt teilnehmen“.

Nachdem Arya ihr Baumhaus verlassen hatte, machten sich die jungen Drachenreiter für den Tag fertig. Während ihrer Morgenroutine berichtete Eragon, wie er sich bei Arya entschuldigt und sie ihn versichert hatte eventuell wieder gemeinsame Ausflüge durch Ellesméra zu tätigen. „Das freut mich zuhören, doch merkte ich wie betrübt du bist. Hat sie noch etwas gesagt?“, fragte Nele. „Sie bereit ihre Rückkehr zu den Varden vor. Jedoch wird sie erst nach der Blutschwur Zeremonie aufbrechen. Es wird ihre erste und sie möchte der Zeremonie unbedingt beiwohnen. Doch das sie gehen wird betrübt mich“. „Wir werden sie wiedersehen. Auch wir werden die Elfen wieder verlassen müssen und zu den Varden zurückkehren. Bis es soweit ist, wirst du sie weiterhin sehen“.
Zu viert flogen sie zum Übungsplatz auf dem sie von Galena und Vanri in Empfang genommen wurde. Entgegen Neles Befürchtungen schien sich der Unfall nicht herum gesprochen zu haben oder er wurde schlichtweg nicht angesprochen, auch das war ihr recht. Nach einer kurzen höflichen Begrüßung stumpften sie mit Magie ihre Schwerter und stellten sich auf. Vanri, herablassend und mürrisch wie eh und je, schlug Eragon Zar´oc aus den Händen, nachdem er Eragon absichtlich an den Rippen traf. Auch Nele kassierte ihre Treffer, die sie nicht rechtzeitig blocken konnte ein. Trotzdem lobte Galena ihre Verbesserung. Eine Äußerung von der Nele nicht einschätzen konnte, ob sie wirklich ernst gemeint war oder nicht.
Sie hatte im Gegensatz zu Eragon zwar nicht mit zusätzlichen körperlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen, dennoch war sie unendlich weit davon entfernt der Elfe nur ansatzweise ebenbürtig zu sein. Ein menschlicher Schwertkämpfer würde niemals mit einen Elfen mit halten können, gleich wie sehr sich der Mensch bemühen und verbessern würde. Die Übungskämpfe brachten Nele und Eragon ohne einen Zwischenfall hinter sich. Ein seltenes Ereignis, was Nele sehr wunderte. Sie hatte mit einer Bemerkung von Vanri gerechnet, dieser blieb jedoch bei seinen gewohnten Bemerkungen.

Meister Oromis und Meister Glaedr erwartete die jungen Drachenreiter und ihre Drachendamen bereits. Sie standen gemeinsam auf dem Felsvorsprung von Tel´naeír uns sahen ihnen beim Anflug entgegen. Nachdem Stac und Saphira gelandet waren, stiegen Nele und Eragon von ihnen ab. Wir werden heute zu einen Ort fliegen, der den Namen „Monolith der Tränen“ trägt. Dort werde ich euch erklären, warum dieser Ort seinen Namen trägt und welche grausames Schicksal sich dort ereignet hat, erklärte Glaedr den Drachendamen.
Meister Oromis schwieg währenddessen. Die drei Drachen brachen so gleich auf, denn obwohl es ein ungefährlicher Flug war, würde er eine Weile dauern. Nele und Eragon sahen, wie ihr Meister den Drachen hinter. Erst nachdem diese am Horizont verschwunden waren sprach Oromis. „Wie fühlst du dich?“, wandte er sich an Nele. Seine Gesichtszüge wirkten gutmütig. „Ich fühle mich schuldig. Saera verletzt zu haben beschämt mich. Es ist unverzeihlich“. „Ich sprach mit Saera und Königin Islanzadi. Du musst dich nicht grämen, es war ein Unfall. Ein Unfall, der jedoch hätte vermieden werden können. Ich muss mich für den Eifer den Saera angetrieben hat entschuldigen. Deine Grenzen als ihre Patienten hätten die oberste Priorität haben sollen“. Nele schwieg aber senkte dankend den Kopf. „Außerdem möchte ich dich bitten, nicht auf zugeben. Saera versicherte mir, dich weiterhin untersuchen zu wollen, wenn dies auch in deinen Sinne ist. Du selbst sehnst dich womöglich am stärksten nach einer Heilung und diese möchten wir alle finden. Dennoch musst du dich auch damit vertraut machen, die Amnesie nie besiegen zu können. Der Gedanke ist für uns alle schwer, denn er birgt die ewige Frage nach dem großen Unbekannten. Jedoch wird dies für uns nie ein Grund sein, sich von dir abzuwenden. Mein Unterricht und euer gemeinsamer Eifer zu lernen und wahre Drachenreiter zu werden, hat dich zu dem gemacht wer du heute bist. Daran wird sich nichts ändern. Nun kommt, lassen wir die trüben Gedanken und widmen wir uns den Rigmar“.
Am Ende des Tages, die Drachen waren schon von ihren Ausflug zurück gekehrt sagte Oromis noch: „Die Blutschwur Zeremonie kommt immer näher. Es wird langsam an der Zeit, euch ein Geschenk zu überlegen, welches ihr mitbringen werdet. Solltet ihr Magie nicht unbedingt benötigen, rate ich euch von ihr ab zu sehen. Eure Gabe sollten von euren Händen stammen, nicht von einen Zauber. Außerdem rate ich euch, dass jeder ein eigenes Geschenk vorbereitet. Eins vom Drachen und eins vom Reiter, so war es eins Brauch“.

Zurück in der Luft, auf dem Weg ins Baumhaus tauschten die Freunde Ideen aus. Bevor ich was verrate, möchte ich erst schauen ob es funktioniert, lächelte Saphira und verbarg im Geist ihre Idee. Oh wie gemein! Nicht einmal ein kleiner Hinweis?, grinste Eragon. Jede Menge Feuer. Stac ergriff das Wort. Ich glaube mir ist auch ein Geschenk eingefallen, doch verrate ich auch nicht was. Überraschen wir uns! Aber wir bekommen doch wohl einen kleinen Hinweis?, fragte Nele. Es hat nichts mit Feuer zu tun. Na gut, erwiderte Nele. Zurück im Baumhaus setzten sich Nele und Eragon zusammen. Ihnen war im Gegensatz zu ihren Drachendamen noch kein Geschenk eingefallen. „Mein Wissen über dem Ackerbau, bringt mir wenig“. „Und mit der Magie der Elfen brauchen wir gar nicht versuchen zu konkurrieren..“, stimmte Nele ihn zu. Stellt euch nicht so an!, übertönten die Drachendamen ihre Überlegungen. Ihr habt etwas, was niemand hat. Ach ja?, machten Nele und Eragon gleichzeitig. Natürlich! Euch. Eure Geschichte. Die jetzige Situation. Ihr beide habt Gefühle, welche ihr erzählen könnt. Macht daraus Werke, welche die Elfen auf Grund der Einzigartigkeit zu schätzen wissen werden.
Die beiden Schwester flogen hinaus, um ihren eigenen Ideen auf den Grund zu gehen. Obwohl sie sagen, nicht die gleiche Idee zu haben, folgen sie in die selbe Richtung. Nele und Eragon grübelten, mit Rücksicht auf die Worte ihrer Drachendamen weiter. Wie sollte es ihnen gelingen, Worte so aus zu drücken, ohne das diese banal klangen? Sie sammelten Dinge, welche in ihnen sowohl Liebe als auch Hass weckte. Ihre Liste umfasste einige Punkte, bis ihnen dämmerte worüber sie schreiben könnten. Eragon musste wegen ihrer beider Begriffsstutzigkeit grinsen, es war schließlich offensichtlich. Durchströmt mit Tatendrang, eilte Nele die Leiter ins Arbeitszimmer hinauf. Eragon, der bei ihren Unterricht von einen Schmerzanfall geplagt worden war, wartete unten. Vom voll gestellten Schreibtisch schnappte Nele sich Schreibfedern, Tinte und Papierbögen. Diese brachte sie wieder zu Eragon, damit er mit seinen Schmerzen nicht die Leiter hoch klettern musste. Um trotzdem zusammen, wenn auch jeder für sich schreiben zu können, gingen sie ins Esszimmer und setzten sich an den langen Tisch, der zehn Personen platz bot. Nele saß weiter hinten, das kleine Fenster im Rücken.
Mit hochgekrempelten Armen schrieb sie die ersten Zeilen. Überwältigt von einen wahren Schreibwahn, machte sie nur Pause, um die Schreibfeder in Tinte zu senken. Auch Eragon schrieb, wie in einen Rausch. Gut eine Stunde später senkte Nele die schmerzende Hand und legte die Schreibfeder ab. Vor ihr lag das fertige Gedicht, auch wenn es mit den Werken der Elfen nicht messen konnte, hoffe sie ist es ein würdiger Beitrag zur Zeremonie. Eragon wurde nach ihr fertig, in kreisenden Bewegungen lockerte er seine verkrampfte Schreibhand. Als Stac und Saphira wieder zurück waren, lasen Nele und Eragon ihre Gedichte vor. Sie kannten das Gedicht des anderen nicht, was die Überraschung steigerte. Die Gedichte zeigen wie sehr ihr euch verändert habt! Schaut was aus euch geworden ist. Der Bauernjunge und das Mädchen von damals hätten sicher nicht solche schöne Werke erschaffen können.
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