Eragon - Das Mädchen ohne Erinnerungen

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Arya Brom Eragon Murtagh OC (Own Character) Saphira
07.07.2018
25.09.2020
57
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17.03.2020 8.048
 
Hallo! Bevor es los geht eine kleine Anmerkung von mir: Gegen Ende des Kapitels werden die in "italic" getippten Gedanken in "bold" angezeigt, ich weiß nicht warum... (zumindest in meiner Vorschau)
*Trigger Warnung* gegen Ende. Gewalt und geistige Folter.
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Teil 51 Die Tialdaí-Halle

Ein unangenehmes stechendes Brennen auf der Haut erreichte Nele im Schlaf. Sie konnte den Schmerz erst nicht einordnen, erst als das Brennen immer deutlicher wurde und an ihrer Lebensenergie zerrte, konnte sie ihn zu ordnen. Keuchend schreckte sie auf und fischte die Kette von ihrer Haut. Der kleine silberner Hammer glühte feurig, er war aktiviert worden. Jemand versuchte sie mit Hilfe der Traumsicht zu beobachten. Hell wach schwang sich Nele über die Bettkante und beugte sich vor, damit der Hammer nicht ihre Haut berührte. Ich bin da, rief Stac noch schläfrig. Nele krampfte die Fäuste sich zusammen und gemeinsam warteten sie, bis der Angriff vorbei war. Im Baumhaus war es stockdunkel, nur der Hammer glühte wie ein kleines Feuer an ihren Hals. Zur ihrer Erleichterung klang der Angriff prompt ab und Nele wagte es sich zu entspannen. Schockiert schnappte sie nach Luft, der Anhänger zog unglaublich viel Lebensenergie um sie zu verteidigen. Sie war nass geschwitzt und fröstelte. Es ist vorbei. Nele ließ vorsichtig nach hinten aufs Bett fallen. Wer kann das gewesen sein?, fragte sie. Wer sollte versuchen sie mit der Traumsicht zu suchen? Zum Glück ist es vorbei! Du bist ganz blass. Nele nickte müde, bis ihr ein Schmerz über die Kehle zog. Im Schlaf war die Kette verrutscht und der glühende Hammer hat sich auf die empfindliche Haut unterhalb der Kehle gebrannt. Wir sollten Meister Oromis morgen davon erzählen, befand die Drachendame. Nele pflichtete ihr bei und stand auf. Bevor sie sich wieder hinlegt, wollte sie vorsichtshalber nach dem Brandfleck auf ihrer Haut sehen. Auf den Spiegeltisch stand eine flammenlose Laterne, welche sie mit einer geschickten Handbewegung zum leuchten brachte. Das schwächere Licht reichte aus, um den Fleck ausfindig zu machen. Doch beurteilte Nele ihn für nicht so schlimm, als das sie ihn heilen würde. Dann untersuchte sie noch die Kette, der Hammer war wieder abgekühlt und der Amethysts war unbeschädigt.Traurig spielte sie mit Amethyst, fuhr mit den Fingern seine Unebenheiten nach. Damit halte ich für immer mein Versprechen. Es war so schmerzhaft daran zurück zu denken. Wie konnte ein so glücklicher Moment solche Schmerzen hervor bringen? Er wird immer bei dir sein, wenn ich es nicht kann. Er wird dich immer dahin begleiten, wohin ich es nicht kann. Er soll dich immer beschützen, wenn ich es nicht kann.. Er soll dich immer an mich erinnern, wenn ich nicht mehr bin. Nele versuchte gar nicht erst die Tränen zurück zuhalten die sich in ihren Augen sammelten. Sie musste sich ihre Gefühle stellen und durfte sie nicht unterdrücken. Murtagh war nicht mehr da, auch wenn sie an Ungereimtheiten seines Verschwindendes zurück dachte, war er nicht mehr da. Kleine, leider kann ich deinen Schmerz nur mit dir fühlen..ich wünschte ich könnte ihn dir abnehmen. Schniefend löschte Nele die Laterne und schlürfte mit ihrer Decke unter Stacs Flügel, welchen die Drachendame an hob. Du hilfst mir allein dadurch das du da bist, bedankte sich Nele und kuschelte sich dicht an die Drachendame. Dunkelheit legte sich über Nele, als Stac den Flügel senkte. Doch konnte sie noch nicht wieder einschlafen. Sie hatte eine geistige Tür geöffnet, welche sich schwer wieder schließen ließ. Die Trauer um Murtagh war ein stetiger Begleiter, ein böser Geist der Nachts nur um so stärker war. Das gleichmäßige senken und heben von Stacs Flanke und ihr summen brachten Nele aber letztlich doch zum schlafen.

Am nächsten Morgen erwachten sie hektisch, irgendetwas brummte laut wie ein Bienenstock. Schlaftrunken rollte sich Nele von der mürrisch knurrenden Drachendame weg und suchte die kleine fremdartige Holzkugel, welche sie von Meister Oromis geschenkt bekommen hatten. Sie lag auf Tisch neben dem Bett, Nele griff sie und zog sie vollständig wieder auf, so hatte Meister Oromis es ihnen erklärt. Wach gerüttelt ging Nele in die Waschkammer um sich der morgendlichen Routine zu widmen. Sie beschloss heute ihre Haare zu waschen, denn Arya wollte ihnen heute Abend ihr Zuhause in der Tialdarí-Halle zeigen und da wollte sie nicht ungepflegt wirken. Zurück am Spiegeltisch, stelle Nele im Tageslicht fest, dass der Hammer ihre Haut doch mehr verbrannt hatte, als in der Nacht angenommen. Eine kleine Ovale Narbe zeichnete sich auf der Haut ab. Nele störte sie jedoch nicht. Womit sie mehr zu kämpfen hatte, waren die körperlichen Veränderungen, welche durch die Verbindung zu Stac schleichend entstanden waren. Die Verbindung zwischen Drachen und Reiter hatte zur Folge, dass sich der menschliche Körper langsam den äußeren Merkmalen der Elfen anpasste. Ihre Ohren waren nicht mehr so rundlich wie zu beginn ihrer Reise, sie hatten sich zu gespitzt. Nele war diese Veränderung zu erst an Eragon aufgefallen. Neben den Ohren wirkten auch ihre Augen und Brauen etwas schräger, doch konnte sie das schlecht beurteilen. Sie hatte auf ihrer Reise nicht oft in einen Spiegel schauen können um die Veränderung detaillierter zu verfolgen. Die äußere Anpassung geschah ohne ihre Einwilligung, doch nahm Nele diese widerwillig hin. Schließlich war sie eine Reiterin und musste mit den damit verflochtenen Ereignissen leben. Die Blutergüsse in ihren Gesicht, waren vollständig verheilt. Die Narbe am Haaransatz wurde, dank des Rosenwassers und der Paste immer heller und schmaler. Nur das Blutauge hielt sich hartnäckig. Nele hatte sich an den Anblick zwar gewöhnt, dennoch fieberte sie den Tag entgegen, an den das Blut zurück gehen würde. Mit dem Kamm entknotete sie flink ihre feuchten Haare, salbte die Narbe am Haaransatz und träufelte sich einige Tropfen von den Rosenwasser auf Gesicht und Hals. Auf einmal spürte sie ein entfernte Berührung am Rande ihres Geistes. Durch den nächtlichen Vorfall verteidigte Nele sofort ihre Schutzmauern und verstärkte sie. Beeindruckend, aber nicht nötig, sprach ihr Meister Oromis, dennoch schneller als Eragon. Bring bitte dein Schwert mit. Dann zog sich der Meister wieder aus ihren geistlichen Umfeld.

Nele hockte besorgt neben Eragon, welcher bewusstlos in einer Schlammpfütze lag. Meister Oromis hatte ihren morgigen Rigmar gegen einen Schwertkampf getauscht. Er wollte ihre Fähigkeiten prüfen und beurteilen. Trotz seiner Gebrechen, war ihr Meister ihnen wie jeder andere Elf weit überlegen gewesen. Sie und Eragon waren gezwungen jede ihre einstudierten Bewegungen zu leisten. Ausfallschritte, Ausweichen, Drehungen, Stöße, Kontern und Finken schlagen. Eragon ging trotz seines Rücken an seine ihn möglichen Grenzen. Er nutze seine Gelegenheit einen Setzer zu treffen, als der Elf von einen Hustenanfall überrascht worden war. In mitten seiner Drehung, zerrte er sich den Rücken und fiel krampfend zu Boden. Sofort unterbrachen sie ihren Übungskampf und Nele half Meister Oromis Eragon in eine kühlende Pfütze zu legen. Sie konnte ihn nicht helfen, sie musste warten. Besorgt strich sie ihn die vom Schlamm beschmutzen Haare aus der Stirn. Meister Oromis saß auf einen Hocker und betrachtete ihre Geste mit ruhigen Blick. „Er ist die einzige Familie die ich habe“, sagte sie traurig ohne aufzusehen, „wir haben Brom versprochen aufeinander auf zupassen“. Sie verspürte nicht das Bedürfnis ihre Geste vor Oromis zu rechtfertigen, doch wollte sie auch nicht schweigen. „Das tut ihr, verliere nicht den Glauben an euch“. Nele schüttelte den Kopf: „Aber wie soll es mit ihn weiter gehen? Sein Rücken wird ihn umbringen“. „Das kann ich dir nicht beantworten“. Der Meister umfasste seinen Hals, sein Hustenanfall war kurz aber intensiv gewesen. „Geht es Euch wieder besser, Meister?“, fragte Nele ihn. „Ja“. Da Eragon noch immer bewusstlos war, erzählte Nele von den nächtlichen Angriff. Oromis lauschte ihrer Erzählung und wollte im Anschluss die verbrannte Haut sehen. „Warum heilst du sie nicht?“, wollte er wissen. „Ich möchte lieber wissen, wer mich beobachten wollten“. „Das kann ich dir nicht beantworten. Geh nun meditieren! Ich wache über Eragon“. „Ja Meister“. Sie verschwand und ging den kleine Pfand unterhalb des Weidebaumes zur Baumgrotte. Wir sollten bei euch sein!, hörte sie die Drachendamen von weit weg sagen. Meister Glaedr erklärte ihnen gerade, die heilende Wirkung von Feuerkraut bei Magenbeschwerden. Dann hielten sie die Verbindung so weit aufrecht, dass sie den Unterricht des anderen verfolgen konnten. Aufgewühlt und abgelenkt durch Eragons Leiden, ließ sich Nele nieder. Es viel ihr schwer sich zu konzentrieren, den Wille ihren Geist zu öffnen und den Lebewesen zu lauschen suchte sie vergebens. Sie bemühte sich um einen gleichmäßigen Atem, die friedliche Umgebung half dabei sich zu beruhigen. Es gelang ihr schließlich ihren Geist zu öffnen, anfangs beobachtete sie wieder die Käfer welche sie am Vortag schon studiert hatte. Mit Hinsicht auf die eigentliche Aufgabe, nämlich alle Lebewesen in ihrer Umgebung wahr zu nehmen, wandte sie sich den Ameisen zu, welche von Eragon beobachtet wurden. Sich auf diese beiden Geschehnisse zu konzentrieren, fiel ihr überraschend leicht. Jedoch wurde sie von einer gewaltigen Flut von Farben, Bildern, Gerüchen, Eindrücken und Gefühlen überflutet, sobald sie ihren Geist weiter ausstreckte. Um der Flut an Information stand halten zu können, betrachtete sie für wenige Sekunden etwas, ließ es dann wieder ziehen und pickte sich das nächste heraus. Dabei fiel es ihr jedoch schwer, sich auf den restlichen Informationsstrom zu konzentrieren. Sie verbuchte es aber als Erfolg, schließlich hatte sie die Aufgabe der Meditation verstanden und bemühte sich diese umzusetzen. In ihrer Vertiefung bemerkte eine neue Präsens, welche sie als Eragon erkannte. Er war wieder zu sich gekommen. Nele näherte sich ihn langsam und Eragon reagierte mit einen aufleuchten. Dann entfernte sich Nele wieder von seiner Präsens, um sich mit den Vögeln zu beschäftigen, welche in ihrer unmittelbaren Nähe gelandet waren. Das Federkleid der Vögel war wunderschön und schimmerte blau grünlich. Nele verfolgte, wie die Vögel federleicht auf die Ameisen zu hopsten und diese mit ihren Schnäbeln fangen. Verwirrt spürte sie die Genugtuung des Vogel, seine Mahlzeit gefangen zu haben und auf der anderen Seite spürte sie die Angst der Ameise, die gefressen wurde. So ist die Natur.., dachte Nele und löste ihren Geist von den beiden Lebewesen und beendete ihre Meditation. Bevor sie aufstand, nahm sie sich den Moment um wieder in sich anzukommen.
Als sie zu Oromis Hütte zurück kehrte, prägte sie sich all die kleinen Information ein, welche sie beobachtet hatte. Ihr Meister saß am bereits gedeckten Tisch und erwartete sie. Eragon kam hinter ihr durch die Tür, was sie überraschte. Hatte sie nicht erst gegen Ende ihrer Meditation seine Präsens wahrgenommen? War seit dem so viel Zeit vergangen? Wie fühlst du dich? Bescheiden, brummte er zurück. Nele erkannte, ein verletztes Tier in ihn und schwieg. Sie sollte ihn nicht weiter bedrängen. „Setzt euch, esst und erzählt mir was ihr heute gelernt habt“, unterbrach Oromis ihre Gedanken. „Ich könnte Jahre dort sitzen und hätte immer noch nicht alles gesehen“, sagte Eragon. Sie setzten sich zu ihren Meister. Ernüchtert betrachteten sie den Eintopf. Es war vor allem Eragon der sich nach saftigen Fleisch sehnte. Nele wünschte sich auch eine andere Kost, doch mussten sie mit dem leben was ihnen aufgetischt wurde. Eragon erzählte davon wie die Ameisen einen Angreifer zurück geschlagen hatten. Oromis reichte ihnen einen frischen Brotlaib. Als Eragon zu Ende erzählt hatte, berichtete Nele von ihren Ergebnissen. Sie erzählte von ihren Versuch, mehre Lebewesen gleichzeitig zu beobachten. Bei ihrer Meditation war ihr aufgefallen, wie sie damals in Gil´ead eben dieses angewendet hatte, als sie die Verfolger gespürt hatte, welche hinter ihr und Murtagh her waren. Sie fragte ihren Meister, warum sie damals nicht von den Eindrücke der umliegenden Menschen überflutet worden war. „Das ist ein sehr schönes Beispiel für den frischen geschärften Instinkt junger Drachenreiter“, erklärte Oromis, „dir war nicht bewusst, welche enorme Konzentration dahinter steckte. Du hast letztendlich nur dein Leben verteidigt und den Rest verdrängt. Die Meditation soll euch für die fremden Einflüsse sensibilisieren und eure Geister darauf schulen Gefahren zu entdecken, etwas was dir instinktiv gelungen war“. Der Elf schlürfte an seinen Eintopf. „Ich sehe euren Fortschritt, doch müsst ihr härter arbeiten. Ich weiß das ihr es könnt. Eure Instinkte können euch nicht immer beistehen, ihr musst verstehen was ihr tut und es kontrollieren“. „Wir versuchen es doch!“, protestierte Eragon. „Ihr seid klug, geduldig und besitzt das Potenzial großartige Drachenreiter zu werden. So schwer es auch sein mag, ihr müsst lernen eure Sorgen zu vergessen um euch einer gewissen Aufgabe zu widmen“. Plötzlich entmutigt hörte Nele auf in ihren Eintopf herum zu rühren. Wie sollten sie und Eragon ihre Sorgen vergessen? Sie fand die Aussage nicht gerecht. „Ich habe meine Amnesie die ganze Reise über verdrängt und versucht zu vergessen. Ich dachte nicht an sie, um zu überleben. Ihr selbst sagend, welche Qual das für meinen Geist war und wie sehr es mir geschadet hat. Nun verlangt Ihr von mir sie wieder zu verdrängen? Eragon zahlt den Preis für Durzas Vernichtung noch immer, wie soll er diese körperliche Last verdrängen oder gar vergessen, wenn sie ihn bei jeder beliebigen Bewegung in die Ohnmacht treibt?“. Eragon sah überrascht von seine Eintopf auf, damit hatte er nicht gerechnet. Auch Oromis war überrascht, aber fühlte sich nicht angegriffen. „Ich begrüße deine offene Meinung. Streitgespräche fordern euren Geist und die Fähigkeit logisch zu denken. Sie stehen sogar auf den Lehrplan. Bei euch Menschen ist es jedoch immer das selbe. Der letzte Muskel den ihr verwendend ist euer Gehirn. Versuchen wir es so..“, er lehnte sich zurück. „Stellt euch vor ihr wärt Galbatorix und besäßet seine Macht. Wie würdet ihr handeln, wenn euer Schatten und eine riesige Urgal Armee von jungen Drachenreitern niedergestreckt worden wäre? Ihr wüsstest, dass Brom sie ausgebildet hat und ihr wüsstest, dass sich eure Feinde in Surda versammeln und euch stürzen wollen. Was wäre eurer Meinung nach der bequemste Weg den Widerstand zu ersticken, ohne Uru´baen zu verlassen?“. Die jungen Drachenreiter verstummten, verwundert über den Themenwechsel. Sie überlegten kleinlaut. „Ich würde jemanden mir unterstellten schicken, wie eine Gruppe Magier, die ich vorher gezwungen habe in der Alten Sprache einen Treueschwur zu leisten“, erwiderte Eragon zögerlich. Oromis nickte: „Ja, und weiter? Was würde diese Gruppe Magier machen? Welche Befehle würdet ihr ihnen erteilen?“. Nele ergriff das Wort: „Ich würde sie bei meinen Feinden einschleusen..was bei den Varden in Fahrten Dur nicht ging, weil sie jeden mit Hilfe von Magie überprüft haben“. Eragon nickte mit den Kopf, er verstand ihren Gedanken. „Jedoch sind die Varden in Surda, dort können die Varden nicht jeden kontrollieren. Wir müssten die Gruppe Magier nur nach Surda einschleusen und sie würden von Innen den Varden schaden“. „Surda ist ein offenes Land mit vielen Städten und noch mehr Menschen“, fügte Nele hinzu. „Sehr gut! Auf diesen Gedanken bin ich auch gekommen“, lobte Oromis. „Ihr seht, der einzigen Bedrohung der ihr vorerst gegenübersteht sind feindliche Magier, welche gezwungen sind euch um jeden Preis zu töten. Sie könnten einen Zauber wirken und ihr seid tot. Bevor ihr sterbt, könnten ihr einen Gegenangriff starten, doch dafür müsstet ihr wissen gegen wen und wo“, er machte eine Pause um von seinen Eintopf zu essen. „Das bringt uns zum Kernproblem, wie setzt ihr euch gegen einen unbekannten Feind zu Wehr, der euch mit einen getuschelten Wort umbringen kann?“. Die jungen Drachenreiter sahen sich gegenseitig an, bis sie lächeln mussten. Sie verstanden vorauf ihr Meister hinauf wollte. „Der Aufwand jeden einzelnen zu überprüfen wäre zu groß. Weshalb die Beobachtung jedes Bewusstseins um uns herum so wichtig ist. So würden wir wissen, ob uns jemand etwas böses will oder nicht“, erklärten sie. Oromis freute sich offensichtlich. „Richtig, damit habt ihre eure Antwort. Die Meditation schult euren Geist, Schwachstellen in fremden Schutzwallen und Bewusstseins ausfindig zu machen und diese auszunutzen“. „Würde es aber ein Magier nicht erkennen, wenn wir seinen Geist abtasten? Als uns bei den Varden in den Geist geschaut wurde, war das furchtbar“. „Ein Magier hätte Angst davor, weshalb er seinen Geist in Gegensatz zu unwissenden Menschen von allen abschirmt. Daran könnt ihr sie erkennen, ohne in ihren Geist einzudringen“. „Brom hat uns beigebracht, nicht in die Geister der Menschen einzudringen“, gab Nele zu bedenken. „Es wäre gefährlicher, blind durch die Welt zu gehen“, entgegnete Oromis. „Dennoch fühlt es sich falsch an“, verteidigte Eragon Neles Bemerkung. „Es handelt sich um eine Verletzung der Privatsphäre, ja. Dennoch dient es euren und dem Wohl der Varden. Ihr werdet viel erfahren, auch was ihr nie erfahren wolltet. Mit der Zeit jedoch, kann ich euch aus eigener Erfahrung sagen, lernt ihr damit umzugehen. Ich möchte nicht sagen, dass ihr es irgendwann ignoriert, dennoch werdet ihr schnell wichtiges von belanglosem unterscheiden können. Ihr werdet aufhören belanglosem zuhören. Euch wird erstaunen, welche Motive die unterschiedlichsten Menschen antreibt. Das wird euch helfen Mitgefühl zu verspüren und den euch gegenüber besser zu verstehen“. Sie aßen einen Moment weiter, bis Oromis wieder das Wort ergriff. „Wieso glaubt ihr sagte ich, werde ich euch Moral beibringen? Denken wir daran, welches das wichtigste geistige Werkzeug einer Person ist. Ist es Moral, Entschlossenheit, Weisheit oder die Logik?“. Eragon entschied sich für die Entschlossenheit, schließlich war dies auf ihrer bisherigen Reise sehr von Nöten gewesen. Doch Oromis schüttelte den Kopf. Laut ihn besäße jeder Narr Entschlossenheit. Er suche nach der Fähigkeit Lösungen zu Problemen und Strategien zu entwickeln. „Logik, sie ist das wichtigste geistige Werkzeug einer Person. Mit ihr gleicht man sowohl den Mangel an Entschlossenheit sowie an Weisheit aus, welche auch erst nach vielen Lebensjahren erlangt wird. Die Fähigkeit zu analysieren ist elementar. Wieso also sagte ich, bringe ich euch Moral bei? Nun da ich sage die Logik ist wichtiger?“, wollte ihr Meister wissen. „Ist es nicht wichtiger ein gutes Herz zuhaben anstelle eines logischen Geist?“, wollte Eragon wissen. „Ihr wollt sicher daraufhin, dass man beides besitzen muss“, stelle Nele fest. „Nein, nicht unbedingt. Müsste ich mich entscheiden, meinen Schülern einen guten Charakter oder die Fähigkeit klar zu denken bei zu bringen, würde ich mich für letztes entscheiden. Die Geschichte bietet zu viele Bespiele von Männer, die überzeugt waren, das Richtige zu tun, damit aber schreckliche Verbrechen begannen“. „Ja, Männer“, murmelte Nele bevor sie einen Schluck aus ihrem Wasserkrug trank. „Jedenfalls“, setzte Oromis nach ihrer Unterbrechung fort, „garantiert ein guter Charakter lange noch nicht, dass Richtige zu tun. Ich werde euch beibringen, klar und logisch zu denken. Das wird uns am besten mit Streitgesprächen gelingen, ich oder ihr euch gegenseitig stellt eine Frage und der andere verteidigt seinen Standpunkt. Ihr müsst für eure Ansicht argumentieren. Die erste Runde könnt ihr zusammen arbeiten. Warum kämpft ihr gegen Galbatorix?“. Der Themenwechsel kam wieder überraschend, dennoch mussten die jungen Reiter nicht lange überlegen. „Um das Leid zu stoppen, welches her über das Land bringt“, sagte Eragon. „Um weiteres Leid zu verhindern“, füge Nele hinzu. „Verursacht aber nicht der Kampf gegen Galbatorix mehr Leid, als das er es verhindert? So viele Menschen leben ihr Leben, ohne das es vom König beeinflusst wird. Würden in einen Krieg nicht mehr Söhne und Töchter sterben, weil ihr und die Varden gegen sie kämpft?“. Die jungen Drachenreiter starrten ihren Meister fassungslos an. „Ihr wisst, was wir meinen! Glaubt ihr nicht,
dass Galbatorix gestützt werden muss?“. „Meine Ansicht ist nicht relevant, erklärt ihr eure. Argumentiert um euren Standpunkt klar zustellen“, verlangte Oromis. Nele und Eragon erstaunte es beide, wie schwer es ihnen viel, eine Begründung zu finden. Galbatorix war doch böse, es wäre nur richtig ihn zu stürzen. Allein welche Schande er über die alten Drachenreiter brachte, war ein Grund. Doch das reichte Oromis nicht als Argument. „Ich habe euch sicher aus der Fassung gebracht, denkt darüber nach. Nun lasst uns mit der
Liduen Kvaedhi fortfahren“. Gemeinsam räumten sie den Tisch ab, wuschen die Schalen aus und stellten alles wieder an ihren Platz. Oromis stellte ihnen Tinte und Federn bereit. Nele und Eragon vertieften sich in die uralten Glyphen, die so viel eleganter waren als die Buchstaben der Menschen.
Nach gefühlten Stunden, beendete Oromis ihr pauken und reichte ihnen Schriftrollen. „Sie werden euch helfen die Alte Sprache zu meistern. In ihnen stehen wichtige Information, welche sich schwer in Worte fassen lassen. Dazu gebe euch noch ein Lexikon, auch wenn die Zeit knapp bemessen ist, bitte ich euch es während eures Aufenthaltes in Ellesméra durch zu arbeiten“, erklärte er und legte die Schriftrollen vor ihnen auf den Boden. „Was ist Magie?“, frage er schließlich und deutete den jungen Drachenreitern an ihn zu folgen. Sie verließen die Hütte und folgte Oromis zum Weidenbaum. „Die Fähigkeit mit Hilfe der Alten Sprache Energie zu manipulieren“. „Technisch gesehen ist eure Antwort korrekt. Leider verstehen auch viele Magier die Gramarye, die Magie auch nur so. Ihr müsst verstehen, dass es sich nicht um die Stärke der Sprache geht, sondern um die Kunst des Denkens. Brom konnte euch nur die groben Mechanismen der Magie beibringen, damit ihr überleben konntet. Ich hingegen werde euch die Feinheiten lehren, die ihr in jeder Schlacht brauchen werdet. Ich werde euch Techniken lehren, die so gefährlich und mächtig sind, dass sie einst nie einen unerfahrenen Drachenreiter gezeigt worden wären. Doch unsere Umstände zwingen uns dazu. Zum Beispiel, wie man mit geringsten Kraftaufwand tötet und einen Gegenstand von einen zum anderen Ort transportiert. Wie ihr mit Hilfe eines Zauber eure Speisen auf jedes erdenkliche Gift untersuchen und das Gift eliminieren könnt, eine Art Traumsicht in der man den gegenüber nicht nur sieht sondern auch hört und wie ihr eurer Umgebung Energie entzieht um diese zu nutzen oder eure eigene Kraftreserven zu füllen. Ich muss darauf hoffen, dass ihr dieses Wissen nicht missbrauchen werdet“. Ihr Meister hob seine Hand und krümmte die Finger zu einer Klaue: „Adurna“. Aus dem seichten Bach, erhob sich schwebend eine Wasserkugel. Sie schimmerte wie Glas und im inneren wirbelte ein wenig Schlamm. „Fang“, rief Oromis mit den Rücken zu ihnen und warf sie über die Schulter. Eragon versuchte die Wasserkugel zu fangen, allerdings verlor diese ihre Oberflächenspannung und zerplatze. Bei Eragons durchnässten Anblick, brach Nele in Gelächter aus. Sie prustete so lange, bis die nächste unerwartete Wasserkugel sie traf. Aufgebracht schüttelte sie sich das kalte Wasser ab. Eragon lachte lautstark, bis die nächste Wasserkugel sie beide traf. „Wollt ihr was lernen oder lachen?. Ihr müsst sie mit Magie fangen“. Aus dem Bach stiegen zwei weitere Wasserkugeln und Oromis warf sie ohne Vorwarnung auf seine Schüler. Diese waren jedoch vorbereitet, schnell sprachen sie die Worte in der Alten Sprache und die Kugeln bremsten jeweils haarscharf vor ihren erhobenen Händen ab. „Eure Wortwahl war unbeholfen, aber es funktioniert anscheinend. Erinnert euch daran, was ich gesagt habe. Es geht um die Kraft der Gedanken nicht der Worte, fasst euch kürzer. In einen Kampf bleibt euch oftmals nicht all zu viel Zeit um zu reagieren, da dürft ihr die Zeit nicht mit zu langen Befehlen vergeuden“. Nele konnte das kalte Wasser auf ihrer Handfläche spüren, sie behielt die schwebende Kugel für einen Moment in der Handfläche, bis sie sie zurück zu ihren Meister warf. Ihre und Eragons Wasserkugel setzen sich in Bewegung und flogen auf Oromis Rücken zu. Sie trafen den Elfen jedoch nicht, sie sausten um ihn herum und wieder zurück zu Nele und Eragon. Eragon reagierte zu langsam und wurde von den harten Wasserkugel fast umgeworfen. Nele gelang es, sogar mit verkürzten Zauber die Kugel abzufangen. „Sehr gut“, lobte Oromis. Sie warfen noch einige Wasserkugeln hin und her, bis Oromis ihnen zeigte, auf welche Art und Weise sie Wasser manipulieren konnten. Er formte es zu komplexen Knoten, veränderte die Farbe des Wassers, ließ es gefrieren und erhitzte es. Sowohl Nele als auch Eragon konnte alles mühelos nach machen. Ähnliches hatten bereits die unheimlichen Zwillinge bei ihrer Prüfung bei den Varden von ihnen abverlangt. Während es Nele genoss das Wasser in unterschiedlichste Knoten und Formen zu manipulieren, wurde Eragon langweilig. Nele konnte seine Ungeduld nach vollziehen, für sie beide lag keine Anstrengung darin, dennoch genoss Nele es. Sie fand es beruhigend sich auf das Wasser zu konzentrieren, es zu formen und zu verändern. Brom würde es sicherlich als nützlichen Taschenspielertrick bezeichnen, dennoch machte es ihr Spaß. Um sie herum schwebten mehrere Wasserkugeln in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Größen. Vorsichtig verschränkte sie die Hände auf den Rücken. Ihr Geist beschäftige sich mit mehren gleichzeitig, wie bei der Meditation. Oromis lobte sie dafür und Eragons Ungeduld wuchs. Sein Genörgel stieß schließlich auf Gehör. Oromis donnerte mit tiefer Stimme vier unverständliche Worte. „Befreie dich!“, befahl er. Nele löste mehr oder weniger kontrolliert die Konstellation aus Wasser um sie herum auf, als sie Eragons Aufschrei vernahm. Oromis hatte einen Zauber gelöst, welchen Eragon ab den Knie abwärts unter starken Druck zusammenpresst. Endlich eine Herausforderung!, dachte Eragon. Pass auf was du tust, warnte Nele. Eragon brauchte sich keine Hoffnungen zu machen, gegen Oromis anzukommen. Doch wie sollte er einen feindlichen Angriff kontern? Eragon sprach die Worte, welche seine Beine von dem Druck befreien sollten. Der Zauber saugte viel zu stark an seiner Lebenskraft und er fürchtete zusammen zu brechen. Nele half ihn, doch verlangte sein ausgesprochener Zauber immer noch zu viel Kraft. Dann löste sich der Druck um seine Beine und Eragon atmete erschöpft aus. Auch Nele spürte die Erschöpfung ihrer Unterstützung. „Das war dumm von dir Eragon“, schüttelte Oromis den Kopf, „das Brom den Lehrstoff verkürzen musste ist eine Sache, aber euch diese lebenswichtige Regel vorzuenthalten war töricht von ihn“.
Der Elf verschränkte die Arme, seine Miene war steinhart. „Zu erst lobe ich es, dass Nele dir sofort beigestanden hat, ihr lernt langsam wieder zusammen zuarbeiten. Jedoch hättet ihr beide den Zauber nicht statt halten können. Hätte ich meinen Zauber nicht gelöst, hätte deine falsche Formulierung euch das Leben gekostet. Nele kannst du uns sagen was falsch gewesen war?“. Sie sah zwischen Eragon und ihren Meister hin und her. „Ich vermute Eragons gewählter Zauber stand Euren direkt entgegen, es war ein reines Kräftemessen“, erwiderte sie. „Richtig. Das bringt uns zur wohl wichtigsten Regel in der Magie. Nutzt niemals Absolutheiten!“. „Wie?“. „Formuliert niemals Zauber in den es nur zwei Ergebnisse gibt. Erfolg oder Niederlage. Ein stärkerer Gegner würde einfach abwarten, bis dein Versuch seinen Zauber entgegen zu wirken dir deine Lebenskraft raubt und du stirbst. Gestaltet eure Zauber wie einen Prozess. Dies fordert zwar mehr Worte, schützt aber euer Leben. Zum Beispiel, anstelle zu verlangen, dass deine Beine befreit werden, sage das der Druck auf deinen Beinen gemindert werden soll. Das schwächt den feindlichen Zauber und ihr behaltet die Kontrolle über die sich reduzierende Magie. Somit könnt ihr immer noch entscheiden, ob wann der Zeitpunkt gekommen ist, um den Zauber ganz zu entfernen. Versuchen wir es nochmal, dieses mal auch mit dir Nele“.
Erneut legte sich der Druck um Eragons und Neles Beinen. Sie waren beide erschöpft, dennoch beschworen sie ihre Magie herauf und sprachen die richtigen Worte, welche den Zauber ihres Meisters schwächen sollte. Es kribbelte merkwürdig ihn ihren Beinen und der Druck ließ allmählich nach. Nele sah zu Oromis, dessen Gesicht rot angelaufen war. Er kämpfte wieder gegen einen Anfall. Der Druck um ihre Beine verschwand, dennoch waren sich die jungen Reiter nicht sicher, ob es an ihren Gegenzauber lag oder an ihren Meister den den Zauber abgebrochen hat. Oromis wandte ihnen den Rücken zu und nach einen schlimmen Hustenanfall erklärte er wieder gefasst: „Für heute sind wir fertig. Morgen machen damit und anderen Themen weiter“. Aus der Ferne ertönten Flügelschläge. „Außerdem befinde ich es für Sinnvoll, wenn ihr ab sofort hauptsächlich in der Alten Sprache sprecht. Unsere Zeit ist knapp und so lernt ihr sie am schnellten“. Weder Nele noch Eragon trauten sich etwas zu Fragen. Ihr Meister wirkte schwer in seinen Stolz verletzt und sie erinnerten sich daran, dass es ihn nicht mehr möglich war mehr als einfache Zauber zu wirken. Was immer die Abtrünnigen ihn angetan haben, hinterließ eine Wunde bis Heute. Möglicherweise war das der Grund, warum Oromis sich zuvor nur auf die Kartenspielerdtricks beruht hatte, zu etwas anderen war er nicht mehr in der Lage zu vollbringen. Es muss eine furchtbare Last für ihren Meister sein, schließlich drehte sich bei den Elfen alles um die Magie. „Ja, Meister“, antworteten sie aus einen Mund, in der Alten Sprache. Auch Oromis wechselte in seine Muttersprache: „Morgen früh wird euch ein Elf abholen, folgt ihn. Er wird euch den Ort zeigen, wo wir in Ellesméra den Schwertkampf und den Umgang mit anderen Waffen üben. Bleibt eine Stunde dort und kommt dann wie gewohnt her. Ich kann euch nichts weiter beibringen. Würden wir zusammen Üben, würde wir den Tag mit Hass und Ärger starten, dass möchte ich nicht. Ihr seid hervorragende Schwertkämpfer, ungeachtet der Tatsache das ihr Menschen seid. Außerdem wird das treffen von anderen Bewohnern Ellesméras euch gut tun. Ich allein repräsentiere nicht mein ganzes Volk, so wie ihr es nicht für die Menschen tut“. Die drei Drachen landeten in Licht der tief stehenden Sonne und wie am Morgen fragten Oromis und Glaedr ihre Schüler über den Unterricht des anderen ab. Deutlich besser als gestern, meinte Oromis in der Alten Sprache. Er bat sie noch darum, auch untereinander zu viert öfter in der Alten Sprache zu sprechen. Die Drachendamen stimmten ihn zu. Dann wurden sie entlassen.

Die Tialdaí-Halle, in denen Arya und Königin Islanzadi wohnten, befanden sich in einen westlichen Stadtteil von Ellesméra, denn die jungen Drachenreiter und ihre Drachendamen nicht kannten. Arya war über ihre Begrüßung in der Alten Sprache zwar verwundert, begrüßte dann aber Oromis Auftrag und wechselte selbst in ihre Muttersprache. Die Tialdaí-Halle lag verbogen hinter einen zwischen zwei Bäumen gewachsenen Torbogen. Die Türflügel schwangen nach außen auf, nachdem Arya um Einlass mit Hilfe eines Reimes gebeten hatte. Hinter der Tür kam ein riesiger Blumengarten zum Vorschein, welcher die unterschiedlichsten Blumen und Pflanzen beherbergte. Blumen bei denen die Elfen mit Magie nach halfen, damit diese gedeihen konnten. „Passt bitte darauf auf, wohin ihr tretet“, bat die Elfe die Drachendamen, „es wäre Schade um die Blumen“. Sie führte die Vier durch die Halle, aus Bäumen. Die Innenseite der Bäume war abgeschält worden und mit Öl bestrichen, weshalb sie wie Bernstein glänzte. Einige Elfen saßen verteilt in der Halle, lasen, schrieben oder spielten Flöte. Von jeden an denen sie vorbei kamen, wurden sie freundlich gegrüßt. „Währt ihr nicht Reiter und Drachen, würdet ihr hier wohnen“, erklärte Arya beim verlassen der ersten Halle. „Es ist wunderschön hier“, pflichten Nele und Eragon ihr bei. Die jungen Reiter liefen links und rechts neben Arya her, Saphira und Stac trotteten behutsam hinter. Eragon war, wie immer wenn sie Zeit mit Arya verbrachten, voll und ganz von ihr eingenommen und ließ sich nicht von ihr abbringen. Doch hatte die Elfe heute auch Nele verzaubert, Arya trug ein fließendes blutrotes betontes Kleid, welches perfekt mit ihren schwarzen Wellen harmonierte. Nele und Eragon hatten die Elfe noch nie in eleganter Kleidung gesehen. Jede Halle hielt eine neue Überraschung für die Besucher bereit. In der einen schlangen sich Kletterpflanzen über die Wände, hoch an die Decke um dann vereinzelt von ihr zu hängen und sanft im Wind zu wehen. Arya zeigte ihnen viele Kunstwerke, von Skulpturen über Wunschbilder und Gemälden. In einen offene Pavillon trafen sie auf Königin Islanzadi. Die Königin grüßte sie und erkundigte sich höflich über den Verlauf ihrer Ausbildung. Auch erkundigte sie sich nach Eragons Rücken. Eragon antwortete ihr in kurzen, höflichen Sätzen. Sie wechselten noch kurze Worte, dann zog sich die Königin wieder zurück. Danach gingen sie hinaus in den Garten und lauschten gespannt Aryas heller Stimme, während sie ihnen alles über die verschiedenen Blumenarten und ihre Besonderheiten erklärte. Woher sie stammen, wie man sie pflegte und wie man sie mit Magie verändert hatte. Der Garten war groß genug, so das sie sich aufteilen konnten. Nele schlenderte mit Stac an einen Beet mit tiefblauen Blumen vorbei und bestaunten diese gemeinsam. „Was ist deine Lieblingsblume?“, hörte Nele Eragon Arya fragen und sie machte sich lieber auf den Weg zu denen. Arya lächelte und führte sie zu einen entfernte Beet, in der eine Blume mit drei tiefschwarzen Knospen ruhte. Arya hauchte die Knospen an und diese öffneten sich mit einen rascheln. Die schwarzen Blüten hüllten einen königsblauen Kern. Nele spürte wie sehr es Eragon unbehaarte das sie mit ihnen bei Aryas Lieblingsblume stand, doch ging sie deshalb nicht weg. Eragon konnte für Arya schwärmen wie er wollte, dennoch sollte er sich zusammenreißen. Sie würde nicht zulassen, dass Eragon etwas fatales sagte oder tue. Eragon ließ sich von Neles Anwesenheit jedoch nicht einschüchtern: „Die Blumen sind so wunderschön wie du“. Nele glaubte ihren Ohren nicht und Arya musste es eben so ergehen. Überrascht starrte die Elfen Eragon an, dann jedoch fing sie sich und lächelte amüsiert. „Das ist sehr freundlich von dir“, murmelte sie. Sie berührte sehnsüchtig die Blume, als wäre sie ein Ersatz für jemanden. Nele hatte sich mit roten Kopf von ihnen abgewandt. „Die Blume wurde während der Sommersonnenwende nur für mich geschaffen..“. Auch wenn Oromis es ihnen aufgetragen hatte, trennte Nele die geistige Verbindung zu Eragon. Sie handelte aus Selbstschutz, was ihr peinlich war. Sie wollte nicht seine Enttäuschung spüren. Ihr eigener Herzschmerz war ihr Last genug. „Entschuldige Arya, ich werde gehen. Wir sind müde und es war ein langer Tag“, sagte Eragon der seine Betroffenheit überspielte. „Sicher, Eragon. Ich begleite euch hinaus“, grinste Arya und deutete die Richtung an. Saphira diskutierte mit Eragon, darüber wie er ihr Verhalten missbilligen kann, wenn er selbst nicht besser handelt. Nele hielt sich aus der Diskussion raus, sie und Stac liefen neben Arya. „Ich möchte ihn nicht verletzten, versteh das bitte“, begann Arya. „Ich versteh dich“, erwiderte Nele, „doch ich kann auch Eragon verstehen“. Eragon wollte den Altersunterschied zwischen ihnen und Arya nicht wahr haben. Arya hatte ihnen gegenüber Jahrzehnte voller Erfahrungen. In ihren Augen waren sie, selbst wenn sie jeden Tag mehr aussehen wie die Elfen, noch blutjung. „Sie sind wunderschön.. Schuf Fäolin diese Blumen für dich?“, fragte Nele sehr leise. „Ja, nur für mich“. Sie erreichten die Haupthalle und Arya verabschiedete die jungen Reiter und ihre Drachendamen.

Zuvor:

Murtagh konnte nicht sagen, wann die Würmer satt gewesen sein mussten. Die Schmerzen hatte ihn nach langen qualvollen Leiden in die Ohnmacht getrieben. Als er wieder zu sich gekommen war, waren die Würmer von seinen Körper entfernt. Die langen Wunden waren gesalbt und verbunden. Einer der Würmer hatte es über seine verbrannten Schlüsselbeine geschafft, bis hinauf an seinen Hals. Wenn der Wurm seine Halsschlagader zerfressen hätte, wäre er in der Ohnmacht einfach verblutet. Leider war dies nicht der Fall gewesen, dachte er bitter. Murtagh konnte nicht beschreiben wie er sich fühlte. Er war erschöpft, geschunden, durstig und konnte keinen Muskel rühren. Erst nachdem er in einen unruhigen Halbschlaf verfallen war, wurde ihn die Tragweite seiner Aussage keine Gefühle für Nele zu empfinden bewusst. Galbatorix könnte sie nun nutzen um ihn zu quälen. Als er wieder einschlief, träumte er von ihr. Murtagh hatte schon oft von ihr geträumt, auch nachdem die Zwillinge ihn entführt hatten. Seine Träume von ihr wirkten wie Balsam für seine gefolterte Seele. Die Erinnerungen an ihre gemeinsamen Gespräche, ihr Lächeln, die Küsse und jeder noch so flüchtiger Blick den sie ihn zugeworfen hatte. Trotz seiner Schmerzen musste Murtagh schmunzeln. Die Erinnerungen wärmten ihn und brachten ihn weit fort aus der Halle der Wahrsagerin. Er fühlte sich befreit, schmerzfrei und federleicht. Doch dann kam er sich dümmlich vor, schiebe er seine Träume fort, zeigt sich die Wahrheit. Er würde sie wohl nie wieder sehen. Selbst wenn er gegen Galbatorix stand halten könne, was würde geschehen? Der König würde weiter machen, bis Murtagh seine Grenzen erreichen würde und entweder würde er dann sterben und sie nie wieder sehen oder nachgeben und ihr auf den Schlachtfeld gegenüber stehen. Unter diesen Umständen wollte Murtagh sie nicht wieder sehen. Nun schmerzten ihn die Gedanken an Nele, doch konnte er sich nicht von ihr abwenden. Eine leise wütende Stimme in seinen Hinterkopf befand, dass er nur wegen ihr in diese Lage gekommen war. Schließlich wollte Murtagh nie zu den Varden, er wollte vorher abhauen und sein Leben fern ab von allen verbringen. Er habe sich von ihr verleiten lassen zu den Varden zu gehen. Es war ihre Schuld, nur ihre. Er widersprach der Stimme, denn er hätte sich nie vor Galbatorix verstecken können. Der König hätte ihn gefunden, früher oder später. Außerdem war sie es gewesen, die ihn gebeten hatte nicht mit Ajihad und den Zwillingen los zu ziehen. Bitterlich dachte er an ihr letztes Gespräch zurück. Obwohl Murtagh es nicht wollte, waren sie allein gewesen. Niemand sonst war im Gang der Verletzten gewesen, nur Eragon der noch ans Bett gefesselt und hinter der Tür auf Nele gewartet hatte. Er verfluchte sich selbst dafür nicht auf sie gehört zu haben. Sie hatte ihn angefleht nicht zu gehen und auch wenn Murtagh ihre Befürchtungen um seine Sicherheit rührend fand, wollte er ihr nicht glauben. Wie konnte er es rechtfertigen, Ajihad nicht zu helfen, nun da er sich bewiesen hatten? „Du musst dich nicht beweisen, niemals “, hatte Nele ihn gesagt. Sie wollte das er blieb. „Du hast versprochen bei mir zu bleiben“. Sein Herz zog sich bei diesen Worten zusammen. Sie hatte über die Zwillinge geflucht, darüber das etwas nicht stimmen konnte. Murtagh überlegte, was er gedacht haben musste. Hatte er sich in seinen Stolz verletzt gefühlt? Jetzt wusste es er besser und über seinen falschen Stolz konnte er nur säuerlich lachen. Seine letzten Worte an sie lagen ihn bitter auf der Zunge. Er hatte ihr versprochen wieder zu ihr zurück zukommen, hatte ihr versprochen das ihn nichts geschehen würde und das sie sich nicht sorgen müsste. Der bitterliche Geschmack breite sich aus, seine Versprechen, so befürchtete er könne er nicht halten. Er hatte Ajihad doch nur beweisen wollen, dass er anders war als sein Vater. Er hatte gehofft, dadurch eventuell offen zu Nele stehen zu können. Es schmerzte ihn unendlich sie nicht haben zu dürfen. Wie sehr sie gelitten haben muss, dachte er betroffen. Die Zwillinge haben ihres uns sein Verschwinden geplant und als Entführung ausgegeben. Ob Nele und Eragon es leichtfertig hingenommen hatten? Neles Skepsis den Zwillingen gegen über muss doch Gehör gefunden haben oder? Bevor die Zwillinge den Nebel im Tunnel hinauf beschworen hatten, konnte er sehen wir seine Freunde aufgebrochen waren um ihn im Tunnel zu helfen. Doch passierte alles viel zu schnell und organisiert. Die Urgals streckten erst Ajihads Wachen und dann den Anführer selbst nieder. Nur er war übrig geblieben und ehe er sich versah, war Murtagh umzingelt und entführt. Die Vorstellung daran, wie Nele ihn unter den Leichen der Wachen suchte, schnürte ihn die Kehle zu. Er wollte es sich nicht vorstellen.
Sein nächster Traum war erschreckend anders als seine vorigen. Murtagh träumte davon wie Nele qualvoll und unter Gewalt starb. Mit wachsenden Schrecken stelle Murtagh fest, dass er nicht träumte, er war wach und die Trugbilder beschworen von Galbatorix. Ein tiefer Stich durchfuhr seine Magengrube. Nele wird aufgelauert und ihr wird die Kehle aufgeschnitten. Ihr Blut spritz Murtagh entgegen und er konnte schwören es auf seinen Gesicht zu spüren. Doch wusste Murtagh, dass Galbatorix ihn foltern wollte, er wollte ihn schwächen in dem er ihm seinen wohl schlimmsten Alptraum vor Augen hielt. Murtagh konzentriere sich, er musste nur daran denken, dass Galbatorix ihn etwas vorspielte. Nichts davon vor Wirklichkeit. Irgendwann würde der König müde werden und aufhören. Schnell merkte Murtagh jedoch, wie viel Mühe sich der König gemacht haben muss. Die Trugbilder wurden mit jedem mal grausamer und selbst wenn Murtagh die Augen schloss, sah er sie. Die Grausamkeiten nahmen kein Ende und Murtaghs Plan Galbatorix Spiel auszusitzen wurde unmöglich. Ihr Kopf wird mit einer Axt gespalten und wieder spritze ihn ihr Blut ins Gesicht. Der König beschwor die Trugbilder mit perfider Perversion, als bereite es ihn Vergnügen. Galbatorix lebte jede Gräueltat an Nele aus, die ihn einzufallen schien. Sie wurde gefoltert, so wie er Murtagh gefoltert hatte. Murtagh tränten die Augen, dennoch sah er die Trugbilder glasklar, es gab kein entkommen. Als nächstes sah er sie mit einen andern Mann. Dann musste er mit ansehen, wie ihr die Kleidung vom Leib gerissen und sie missbraucht wird... Ein wütendes Knurren entkam seinen Lippen, er zerrte an seinen Fesseln, doch sie gaben nicht nach. Dieser Schmerz war so grundlegend anders als die körperlichen Qualen die er durchlebt hatte. Heiße Tränen liefen ihn übers Gesicht, Tränen der Wut, denn er wusste, dass nichts davon echt war. Doch erfüllte die Folter seinen Zweck, Murtagh verlor seine Beherrschung und schrie fluchend. Eigentlich sollte er den König nicht die Genugtuung geben, eigentlich sollte er stumm leiden, doch für Murtagh war eine Grenze überschritten. Aus seinen wüsten Beschimpfungen wurden unverständliche Worte, welche sich im Gebrüll verloren, er verausgabte sich vollständig. Galbatorix hörte jedoch noch nicht auf und Murtagh verstummte, ihn liefen nur noch heiße Tränen übers Gesicht. Es ist Trugbilder, redete er sich ein, immer wieder wiederholte er es. Es ist nur Trugbilder! Sie brannten sich jedoch tief in sein Gedächtnis, tiefer als seine körperlichen Wunden je reichen könnten.

„Murtagh..!“, ertönte eine Stimme von weit weit weg. Er hörte sie nur sehr leise, doch erkannte er sie sofort. Nein! Wie kann das sein? „Murtagh, hörst du mich Murtagh!“, flehte sie und betastete zittrig sein Gesicht. „Sieh mich an..bitte“, flehte sie weiter. Entkräftet schlug er seine Augen aus. Sie war es, sie war es wirklich. Ihr liefen Tränen übers wunderschöne Gesicht, als sie an den Gurt zerrte, der seinen Kopf auf der Steinplatte fixierte. Ihre Verletzung im Gesicht war geheilt, keine Blutergüsse und kein Blutauge. Ihre Haare waren länger, als wie als er sie das letzte mal gesehen hatte und nach hinten gebunden. Ungläubig starrte er sie durch seine geröteten Augen an. Sie durfte nicht hier sein! Wie lange war er hier? „Warum bist du hier?“, krächzte er überfordert. „Um dich zu retten natürlich!“, sie weinte. Warum weint sie?, fragte er sich. Immer noch ungläubig schaute er an ihr herunter. Sie trug eine komplette Rüstung, wenn auch nur aus Leder, verstärkt mit Eisenteilen. Ihre Hände zitterten zu sehr, sie konnte den Gurt nicht geöffnet. „Meine Hände! Öffne die Fesseln zu erst“, bat er sie. War sie wirklich hier um ihn zu retten? „Wie lange ist es her?“, wollte er wissen. Sein Herz raste und drohte zu zerspringen. Sie hörte nicht auf ihn, sie fummelte immer noch am Gurt um seinen Kopf. „Zu lange Murtagh, zu lange. Wir haben unsere Ausbildung beendet, die Varden sind gegen Galbatorix in den Krieg gezogenen und draußen tobt die letzte Schlacht um Uru´baen“. So lange!, er konnte es nicht fassen. „Du darfst nicht hier sein“, stieß er aus, „lass mich hier und geh“. „Auf keinen Fall!“. Doch! „Lass mich hier! Wenn du nicht gehst und überlebst waren meine Qualen umsonst. Ich will das du lebst!“, schrie er sie an. Sein Herz blutete, doch sie musste überleben und das ohne ihn. Nicht vorzustellen, was geschehen würde, fände man sie hier unten. Sie hörte auf an den Gurt zu fummeln. Was dauerte daran eigentlich so lange? Stattdessen sah sie Murtagh tief ihn die erschöpften Augen und legte ihre kühlen Hände um sein Gesicht. Für einen Moment schloss er die Augen, sie war das Balsam für seine Seele. Es war ein Geschenk des Schicksals, sie noch einmal bei sich zu haben. „Warum hast du seine Qualen über dich ergehen lassen Murtagh?“, fragte sie und nährte sich sein Gesicht. Er verstand nicht. „Was hätte ich sonst tun sollen?“, fragte er zurück. „Du hast so viel gelitten, all die Qualen..wofür?“. „Für dich“, brachte er keuchend heraus. Ihr Gesicht war dem seinen so nah, nie hatte er sich träumen lassen ihr wieder so nah zu sein. „Ich wollte überleben um dich wieder sehen zu können“, brach es aus ihm heraus. Ihre Tränen tropften auf seine Wange und mischten sich mit den seinen. Sie schüttelte sachte den Kopf: „Das wollte ich nicht. Ich wollte nie das du leidest“. „Ich habe gelitten. Mein Körper und Geist wurden gefoltert, doch ich lebe noch und das deinetwegen“. Ihr Stirn senkte sich auf die seine und für einen Moment sprach keiner von ihnen. Es wurde ruhig oder war es die ganze Zeit schon ruhig gewesen? Sagte sie nicht, draußen wurde eine Schlacht geführt? „Ich höre die Kämpfe gar nicht“, stellte er laut fest. Sie strich ihn mit den Fingers durch die verschmutzen und verschwitzen Haare. Ein Schauer breitete sich durch seinen Körper aus und plötzlich nahm er ferne Geräusche der Schlacht wahr. Schwerter die auf einander prallten, Gebrüll der Krieger und Wehklagen der Verwundeten. Doch warum erst jetzt? Er wollte nicht daran denken! „Du solltest dort oben kämpfen“. „Ich möchte zurück holen was mir genommen wurde. Ich möchte nur dich“, hauchte sie und beugte sich abermals zu ihn hinunter. Ihre Lippen berührten sich und sein Geist wurde weiß bevor unzählige Sterne vor seinen inneren Augen explodierten. Er wollte, musste sie unbedingt berühren, dabei bemerkte er, dass er noch immer auf der Steinplatte gefesselt war. Erschreckend dämmerte es ihn, sie konnte nicht real sein. Sie war wieder nur eins von Galbatorixs Trugbildern. „Du bist nicht echt“, trennte er sich von ihren Lippen. Seine Augen füllten sich einmal mehr mit Tränen, auch wenn er es durchschaut hatte, sprach er mit ihr, es war einfach zu tröstend. „Sie wäre nie hier her gekommen um mich zu befreien. Sie wüsste das ich es nicht wollen würde“. Verletzt zog sie ihre Hände von seinen Gesicht und er bereute es umgehend.
Ihre Wärme verflog und wich eisiger Kälte. „Was hat er dir angetan, dass du denkst ich würde dich nicht retten?“, schluchzte sie mit traurigen Blick. Er musste stark bleiben und sich konzentrieren, sie war schließlich nur ein Trugbild. „Warum machst du mich dann nicht los?“, wollte er von ihr wissen. Es hätte so schön sein können... Sie legte erneut die linkte Hand an seine Wange, strich ihn über die geschundene Haut seines Gesichts und die andere griff seiner Hand. Sie umschlossen sich und er spürte die Wärme wieder. War sie doch echt? Ihr Blick war auf ihre Hände gerichtet, sie betrachtete die Fesseln. Ihre Augen tränten nicht mehr, sie waren nur gläsern. Als hätten sie keine Träne mehr zum weinen. „Die Fesseln sind mit einen Zauber belegt. Ich kann ihn nicht lösen“, schluckte sie beschämt. Natürlich! „Dann geh, lass mich zurück“, presste er hervor. „Ich kann dich nicht bei ihn lassen“. „Du musst, sonst tut er dir weh“, flehte er. Warum ging sie nicht? Sie strich abwesend über seine Wange. „Ich geh wenn du auf gibst“. Warum sollte sie so etwas sagen? Nein! Es war nicht sie, es war Galbatorix. Sie war nur ein Trugbild. „Du hast genug gelitten, gib auf“. „Sie würde das nie von mir verlangen“, schluckte er. Wann würde Galbatorix müde werden? „Du kennst die Wahrheit nicht!“, sagte sie mysteriös und bevor Murtagh etwas antworten konnte, wurde die Eisentür aufgeschlagen. Eine Wache stürmte mit gezückten Schwert die Zelle. Sie wich aus und sprach dem Angreifer einen Zauber entgegen. Er fiel mit seinen Schwert zu Boden. Murtagh schrie auf und zerrte an den Gurten. Eine weitere Wache stürmte hinein und ein hinterhältiger Schlag auf den Kopf brachte sie aus dem Gleichgewicht. Sie knurrte schmerzerfüllt auf, als die Wachen sie an den Haaren packte und gegen die Wand stieß. „Lasst sie!“, schrie Murtagh zu der Wache doch diese ignorierten ihn. Sie trat der Wache in den Bauch und kassierte dafür einen heftigen Schlag ins Gesicht. Benommen rutschte sie an der Wand herunter. Die Wache hielt sie aufrecht und schlug mehrere Male zu. „Hört auf“, schrie Murtagh erneut. Ihr Wimmern hallte in seinen Geist wieder. Doch verstummte es, als die Wache ihr die Kehle zudrückte und seinen Dolch hervor holte. Murtagh flehte ihn an aufzuhören, er konnte nicht mehr sagen, ob es sich um ein Trugbild oder keines handelte. Die Wache zog sie an den Haaren von der Wand weg. Sie würgte, hustete und wimmerte. „Lasst sie los, ich bitte Euch“, flehte Murtagh. Er konnte in ihr Augen sehen, als die Wache seinen Dolch an setzte und ihr die Kehle durchschnitt. Ihr Hals weinte dunkel rot, dann ließ die Wache sie los und sie fiel zu Boden. Murtagh starrte zittrig an die Decke, er konnte nichts tun. Die Hände ballte er verkrampft zu Fäusten und die Augen kniff er fest zusammen. Er konnte ihr sterbendes Röcheln hören. Er konnte hören wie sich die Wache schwer atmend über ihren sterbenden Körper hermachte. Er kniff die Augen zusammen, versuchte verzweifelt seine Ohren von der Gräueltat abzuwenden. Es muss ein Trugbild sein! Es muss, es muss, es muss. Es kam ihn wie eine Ewigkeit vor, bis es abrupt still wurde und Murtagh wagte es wieder die Augen zu öffnen. Er war allein, als er sich um sah, war weder die Wache noch sie im Raum. Er war allein..und weinte. Seiner Kräfte beraubt, zweifelte er an sich. Nie würde er die perfiden Spielchen des Königs überleben.

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