Eragon - Das Mädchen ohne Erinnerungen

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Arya Brom Eragon Murtagh OC (Own Character) Saphira
07.07.2018
25.09.2020
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22.02.2020 7.202
 
Teil 50 Die Wunder von Ellesméra

Der Morgen brach an und Nele brauchte lange zum aufstehen. Sie hatte nicht gut geschlafen, was sie angesichts der Ereignisse des gestrigen Tages nicht wunderte. Auch wenn ihr Körper von den wochenlangen Reise nach Ellesméra erschöpft war, dachte ihr Geist nicht daran sich aus zu ruhen. Die halbe Nacht hatte sie die Sternen weit oben am Nachthimmel beobachtet und über die nächsten Wochen und Monate nachgedacht. Sie hatte sich gefragt, ob und wie sie die doppelte Belastung durch Oromis Unterricht und den Stunden die sie mit der Elfe Saera verbringen sollte meistern kann. Entschlossen schwang sich Nele aus dem Bett, sie würde es meistern müssen. Schließlich war sie nicht alleine dieser Belastung ausgesetzt. Auch wenn sie sich damit nicht trösten sollte, dachte sie an Eragons Beeinträchtigung. Er müsste auch mit einer doppelten Belastung zu recht kommen müssen. Doch Nele bezweifelte nicht, dass sie es zu Viert nicht schaffen würden. Sie lief aus dem Schlafzimmer hinaus, in die kleiner Kammer, welche sie aus Badewanne entpuppt hatte. Auf dem Weg blieb Nele an der frisch erwachten Drachendame stehen und klopfte ihr gegen den Hals. Du hast noch kein Wort zu Saphiras Schwärmerei über Glaedr gesagt. Empfindest du wie sie?, wollte Nele von Stac wissen und tätschelte sich währenddessen ihren Weg zum blau schimmernden Kopf der Drachendame. Stac streckte Nele den Kopf entgegen und genoss die Streicheleinheit. Ich hätte nie gedacht, einen andern Drachen abgesehen von meiner Schwester und Shruikan zu begegnen. Glaedr ist so alt, groß und dazu noch männlich. Wenn die Dracheneiern in Galbatorixs Besitz auch männlich sind, gibt es nur meine Schwester und mich. Ich verstehe warum sie für ihn schwärmt. Nele verabschiedete sich mit ein einer Umarmung in die kleine Kammer, sie wollten schließlich pünktlich sein. Aber du schwärmst nicht für ihn?, wiederholte Nele grinsend, während sie die Hähne an der Wand bediente. Nicht wie Saphira es tut, nein. Kaltes Bachwasser floss in die Wanne und Nele drehte den Hahn wieder zu. Mit den richtigen Worten in der Alten Sprache erhitzte sie das Wasser. Ich vermute Glaedr hält nicht viel davon, so umschwärmt zu werden. Mit einen robusten Band, knotete Nele sich gekonnt die Haare hoch und begann sich zügig zu waschen. Meister Oromis hatte ihnen aufgetragen, sich jeden morgen zu waschen. Nach ihrem Bad, zog sie sich wieder an, band sich die Haare in Nacken zusammen, tröpfelte sich Salbe und Rosenwasser ins Gesicht, auf die Blutergüsse und die Narbe. Dann sattelte sie Stac damit sie aufbrechen konnten. Eragon und Saphira meldeten sich bereit und gemeinsam flogen sie Richtung Tel´naeír.

„Die Sattel sind trotz der Umstände ihrer Entstehung sehr gelungen. Brom war schon immer geschickt mit seinen Händen“, sagte Oromis, nachdem er jeden Riemen und Naht geprüft hatte. „Nehmt sie, wenn ihr in Eile seid. Doch wenn ihr Zeit habt nehmt diese hier“, meinte er und zeigte auf zwei schwer aussehende Sattel, welche vor dem Hütteneingang standen. Sie waren formvollendet und mit feinen goldenen Mustern verziert. Sie glichen denen von Brom sehr, doch besaßen sie Feinheiten, für die Brom keine Zeit gehabt hatte. Die Brustgurte besaßen Druckknöpfe und Riemen, damit man den Sattel einen wachsenden Drachen anpassen konnte. Beinschiene und Gurte für den Reiter waren ebenfalls vorhanden. Neu waren die Lederschlaufen am Sattelknauf, welche für den Reiter zum festhalten angebracht worden waren. „Die Sattel wurden in Vroengard angefertigt und sind mit verschiedenen Zaubern belegt, welche euch in Not gute Dienste erweisen werden“. Oromis half Nele und Eragon die Sattel zu lösen und den Drachendamen abzunehmen. „Ihr werdet heute Glaedr begleiten, ich arbeite hier mit Nele und Eragon“.
Wie ihr wünscht, Meister, antworteten die Drachendamen. Saphira schwankte vor Aufregung. Glaedr schwang sich mit seinen mächtigen Flügeln in die Luft und flog in nördlicher Richtung. Die Drachendamen hechteten ihn hinterher. Oromis vergeudete keine Zeit und führte die Drachenreiter zu einen Weidenbaum am Rand der Lichtung. Dort sollten sie sich mit Abstand nebeneinander aufstellen. „Was ich euch heute zeigen möchte heißt Rimgar oder auch Tanz von Schlange und Kranich genannt. Er besteht aus einer Reihe von Übungen die entwickelt worden und Krieger für den Kampf zu stählern. Heute tätigen wir Elfen ihn, um gesund und beweglich zubleiben. Es gibt vier Schwierigkeitsstufen und heute beginnen wir mit der ersten“. Nele drehte sich zu Eragon, welcher mit geballten Fäusten da stand. Er krampfte die Schulterblätter zusammen und atmete abgehackt. „Eragon?“. „Du musst dich entspannen. Steif wie ein Brett, kannst du den Rimgar nicht erlernen. Habe keine Angst, beginn langsam und erlebte wie sich dein Körper dabei fühlt“, sprach Oromis. „Ja, Meister“, erwiderte er und schnitt für Nele erzwungen eine Grimasse. Mitfühlend lächelte Nele zurück. „Nun stellt eure Füße eng zusammen, Nele du stellst die Füße so wie im Becken für dich angenehm. Lasst die Arme hängen, Schultern nach hinten unten. Kopf hoch, macht den Rücken gerade, drückt das Steißbein nach vorne um den unteren Rücken zu stärken. Lasst den Bauch und Atmung entspannt und locker. Nun atmend ein und wieder aus. Kommt zur ruhe und fühlt den Boden zu euren Füßen, spürt die Kraft und die Energie, wie sie aus der Erde durch euren Körper fließt.. Schließt die Augen und konzentriert euch darauf das Gleichgewicht zu halten“. Nele und Eragon befolgten seine Anweisungen. „Nehmt die Arme nach hoben, streckt euch, zieht euch in die Länge aber lasst die Schultern unten. Nun beugt euch mit geraden Rücken nach vorn. Stützt euch mit den Händen am Boden ab und nehmt das rechte Bein nach hinten, das linke hinter her. Bildet mit euren Körper ein Dreieck. Die Fersen gehen wenn möglich zum Boden“. Eragon stieß ein erleichterten Laut aus, den sein Rücken verschmerzte ihn nicht. Oromis gab ihnen weitere Anweisungen, welche er selbst mit machte. Seine Beweglichkeit überraschte die jungen Drachenreiter, schließlich war der Elf uralt und krank. Nach weiteren Übungen, erklärte Oromis den Rigmar für beendet. Obwohl die Übungen nicht schwer waren, kamen sie ins schwitzen. „Lasst uns zum Bach gehen und den Schweiß ab zu waschen. Ich respektiere die Ansichten der Menschen, weshalb Nele du hier gern warten darfst um nach uns allein am Fluss zu sein. Ich werde dich dann hier wieder erwarten“, sagte der Elf freundlich und zeigte ihr den Weg zu Bach. Nele bedankte sich unbeholfen. Eragon ging in Begleitung ihres Meister. Während sie allein war, umkreiste sie ehrfürchtig den Weidenbaum. Gedankenverloren streifte sie die herunter hängende Äste und genoss den lauen Wind, welcher die Äste leicht wanken ließ. Danach ging sie langsam zum Bach, den Eragon meldete sich bei ihr. Sie wusch sich den getrockneten Schweiß vom Körper. Eragon hatte sich nicht bei ihr gemeldet, sie wusste nicht wo er war. Nach dem waschen kehrte sie zum Weidenbaum zurück. Meister Oromis stand an der selben Stelle an der ihr zuvor stand. „Ich habe Eragon bereits die nächste Aufgabe gegeben. Du wirst dich später mit dieser Aufgabe befassen. Nur heute werdet ihr die Aufgaben getrennt vornehmen, weil ich noch mit dir sprechen möchte. Zu erst möchte ich dir von Saera ausrichten, dass sie dich heute nach meinen Unterricht in ihren Haus empfängt. Ich habe gestern mit ihr gesprochen, sie möchte dich kennenlernen. Sie hat einen Boten bereits veranlasst, dich später zu ihr zu bringen“. „Vielen Dank für Eure Hilfe“, stammelte Nele. „Hab keine Angst davor wer du bist. Die Vergangenheit definiert einen so wenig, wie die Herkunft. Wir sind für unser handeln selbst verantwortlich“. „Wieso sagt Ihr das so?“, erschrak Nele leicht, denn sie befand seine Worte für endgültig. Ihr Meister sah sie mit seinen uralten Augen eindringlich an. „Sehe sie als eine Lektion, von der ich verlange, dass du an sie denkst. Niemand bestimmt über uns, nur wir selbst“.

„Setz dich hin und schließe die Augen“, erklärte ihr Oromis und Nele gehorchte. Mit geschlossenen Augen, spürte sie wie sich Oromis neben sie stellte und flüsterte: „Nun öffne deinen Geist und lausche der Natur und den Tieren. Nimm deine Umgebung war und verstehe sie. Wenn du sie verstanden hast, kannst du aufhören und zu mir in die Hütte kommen. Dort werden wir dann fortfahren“. Es wurde still und Nele war sich nicht sicher, ob Oromis gegangen war. Mit einen tiefen Atemzug senkte sie die schützende Mauer um ihren Geist und ließ ihn hinaus. Erst war es nur dunkel, denn ihre Drachendame war zu weit entfernt um sie wahrzunehmen. Langsam jedoch leuchteten funkelnde Sterne in der Dunkelheit und Nele erkannte, dass es sich um die Lebewesen um sie herum handeln musste. Einer der Sterne funkelte besonders hell und als Nele sich ihn gedanklich näherte, erkannte sie Eragon. Sie hielt Abstand, um ihn nicht zu erschrecken. Schließlich meditierte er wie sie. So atemberaubend die Übung auch war, empfand Nele sie als unwohl, da sie ihr Geist ungeschützt war. Ein Gegner könnte sie mühelos überwinden. Der Gedanke an einen feindlichen Angriff brachte ihre Konzentration durcheinander und die funkelnden Sternbilder verblassten. Ich bin in Sicherheit, wiederholte Nele ruhig und atmete bewusst ein und aus. Die Sternbilder wurden klarer und Nele beobachtete die Insekten, in ihrer Nähe. Am Boden wuselten Ameisen umher, in der Erde Würmer und durch die Luft schwirren kleine Käfer. Es war idyllisch, sich den Insekten zu widmenden, welche um den Weidenbaum herum lebten. Die Flut an Eindrücken und Farben war ungebremst, weshalb sich Nele nur auf ein Geschehnis konzentrierte. Sie beobachtete die Käfer, welche über die Blätter des Weidenbaums krabbelten und gelegentlich auch an welchen knapperen. Ein Eichhörnchen sprang in Neles Wahrnehmung und verschwand darauf hin in den Wald. Sie hatte genug gesehen beschloss Nele und zog ihren Geist zurück. Als sie die Augen wieder öffnete, war es dunkler und stiller. Ruhig atmete sie ein und aus. Sie war nicht allein, war ihr nun bewusst. Es gab überall Leben, auch wenn es so winzig war, dass man es zu erst nicht wahrnahm. Berauscht von der Erfahrung kehrte Nele zur Hütte zurück und traf auf halben Weg mit Eragon zusammen. Auch er war noch von der Übung benommen. Zurück in der Hütte erwartete Meister Oromis sie mit zwei Krügen Kräutertee. „Erwärmt euch den Tee mit Magie“, sagte er amüsiert, „ich habe nicht damit gerechnet so lange auf euch warten zu müssen. Ihr ward länger meditieren, als ich geplant hatte“. Verblüfft darüber wie schnell die Stunden vergangen waren, griff Nele nach ihren Tee. Sie sprach leise die richtigen Worte und pustete behutsam, bis der Tee dampfte. „Und, was habt ihr gelernt?“, wollte der Elf nun wissen. Eragon trank einen Schluck von seinen Tee und erzählte begierig von seinen Beobachtungen der Ameisen. Oromis ließ sich nichts anmerken und wartete Neles Erzählung ab. Erstaunt sah er die jungen Drachenreiter an: „Ist das alles?“. Sein Tonfall verriet ihnen, dass sie beide etwas falsch gemacht haben mussten. „Ja..“. „Das ist eure erste Lektion. Ihr müsst alle Dinge gleichzeitig wahrnehmen, es bringt euch nichts, sich nur auf etwas Bestimmtes zu konzentrieren. Hab morgen werdet ihr jeweils eine Stunde meditieren. So lange, bis ihr diese Aufgabe gemeistert habt“. Damit legte Oromis zwei leere Blatt Papiere, Feder und ein Tintenfass vor ihnen auf den Tisch. „Bisher musstet ihr nur mit lückenhaften Kenntnissen der Alten Sprache zurecht kommen. Ich verlange von euch nicht, die Sprache so zu sprechen wie die Elfen, denn selbst wir kennen nicht alle ihre Worte. Dennoch müsst ihr ihre Grammatik und Struktur verstehen und sie vor allem lesen und schreiben können. Es hilft euch, die Worte zu lernen und wenn ihr euch einen langen und komplizierten Zauberspruch lesen und umsetzten möchtet. Mit den Runensystem was die Menschen sich von den Zwerg abgeguckt haben, ist es zwar auch möglich die Alte Sprache nieder zu schreiben und zu lesen, dennoch benötigt man zum ausdrücken ihre Feinheiten unser Liduen Kvaedhí, das Alphabet der Poesie. Es besteht aus zweiundvierzig Schriftzeichen. Das Ring auf Broms Ring ist solch ein Schriftzeichen. Lasst uns beginnen“. Der fehlende Wissensstand der jungen Drachenreiter ernüchterte Oromis. Brom hatte sie auf ihrer Reise hauptsächlich Wörter auswendig lernen lassen, welchen sie sich verteidigen könnten und dessen Aussprache korrigiert. Oromis bemühte sich mit Geduld, diese Lücken zu schließen.
Am Ende des Tages rauchten den jungen Drachenreitern die Köpfe. Sie verließen zusammen mit Oromis die Hütte und begrüßen Glaedr, Saphira und Stac, welche soeben zurück gekehrt waren. Die Drachendamen sahen zufrieden aus, wenn auch müde so wie ihrer Reiter. Glaedr wandte sich Nele und Eragon zu und sah sie eindringlich mit seinen Teller großen Augen an. Wie lauten die drei Regeln um Winde auseinander zu halten und wie weicht man Sturmwinden aus? Eragon zuckte verwirrt mit den Schulter „Keine Ahnung“. Nele wusste auch keine Antwort. Als Saphira und Stac Oromis Frage über Käfer und Ameisen nicht beantworten konnten, verschränkte er zornig die Arme. Nach allem was ihr zusammen erlebt habt, bin ich enttäuscht, das ihr die Grundlage der Drachenreiter nicht kennt. Teilt alles mit euren Gefährten! Warum vernachlässigt ihr die Verbindung zu einander? Es ist euer größter Vorteil gegen jeden Feind. Es geht nicht nur darum, dass ihr in Gedanken mit einander sprecht. Ihr müsst als Drache und Reiter zu einen verschmelzen. Ich erwarte, dass jeder von euch, zu jeden Zeitpunkt weiß, was der andere gelernt hat. Er sah zwischen Nele und Eragon hin und her. Es kann auch nur vom Vorteil sein, wenn ihr es ebenso tut. Tauscht euch aus, lasst den anderen an euch teilhaben. Es wird euch nur stärken. Aber was ist mit unserer Privatsphäre?, warf Nele ein. Sie füllte sich angegriffen, den eigentlich hatten sie Vier die Verbindung untereinander immer recht gut genutzt. Dennoch war sie es, die sich von Eragon distanziert hatte. Zum einen durch ihre Gefühle zu Murtagh und seit der Begegnung mit dem Schatten, hatte Nele beschlossen sich von Eragon gedanklich zu entfernen. Als Durza Eragon verletzte, waren er und Nele geistig verbundener wie noch nie zuvor. Denn sie musste ihn aus den Fängen Durzas Geistes befreien. War es falsch von ihr sich zurück zu ziehen? Auch durch Murtaghs tot, entfernte sich Nele von Eragon. Sie nutze die Verbindung zu ihn nur noch um zu kommunizieren. Sie Vier waren schon mal besser zusammen, bemerkte sie traurig. Behaltet eure Gedanken für euch, wenn ihr nicht hier seid, aber beim Unterricht, habt ihr keine Privatsphäre, entgegnete Glaedr ihr scharf. Und wenn ihr schon nicht als Gruppe funktionieren wollt, dann wenigstes als Reiter und Drachen, fügte Oromis immer noch zornig hinzu. Wir waren nachlässig, gab Eragon nach. Wir werden uns ab jetzt mehr Mühe geben. Nele sah zu Eragon, dann bemerkte sie ihren Fehler. Sie hatte sich von ihn entfernt. Es gab Zeiten da genügte ein Blick und sie wusste, was Eragon dachte und fühlte und anders herum. Diese Zeit war lange her. Nele dachte weiter, wann hatte sie sich das letzte mal allein mit Saphira unterhalten? Ein Klos bildete sich in ihren Hals und ihr wurde schlecht. War es ihre Schuld? Mit zusammen genommen Mut räusperte sie sich. Es ist meine Schuld. Wir funktionieren als Gruppe, doch habe ich mich bewusst distanziert und zurück gezogen. Ich werde mich bessern. Es doch nicht nur deine Schuld!, verteidigte Stac sie. Das hoffe ich. Morgen wirst du zu Stacs gelernten und anders herum geprüft, so wie Eragon und Saphira. Oromis holte aus seinen Taschen zwei kleine Holzkugeln. Wenn ihr sie regelmäßig aufzieht, wird diese Kugel euch jeden Morgen zur gleichen Zeit wecken. Erscheint, wenn ihr gebadet und gefrühstückt habt. Dankend nahmen Nele und Eragon ihn die Kugeln ab und verabschiedeten sich.

„Dein Amnesie ist nicht magischer Herkunft“, eröffnete die Elfe namens Saera ohne Vorwarnung. „Wie könnt Ihr das so sicher sagen?“, wollte Nele wissen. Sie saß der silberhaarigen Elfe in einen kunstvollen Stuhl gegenüber. Saera machte auf Nele einen jungen Eindruck, jedoch konnte sie das von beinah jeden Elfen behaupten, welchen sie in Ellesméra begegnet war. Nele schätze sie einige Jahre älter als Arya. Die Haare trug Saera zu einen dicken geflochtenen Zopf über die Schulter. Nachdem ihr Unterricht beendet war, wurde Nele neben den geschickten Boten noch von Arya, Eragon und ihren Drachendamen zum Haus der Elfe begleitet. Arya wollte ihnen eigentlich Ellesméra zeigen, nun musste sie den Rundgang vorerst mit Eragon und Saphira tätigen. Die Elfe hatte Nele nicht bezüglich des Grundes für ihren Termin bei Seara gefragt. Nele war sich nicht sicher, ob es die Höflichkeit der Elfe war oder Arya es womöglich gar nicht wusste. Nele würde ihr davon erzählen, sagte sie sich. Aber erst wenn sie und die Elfe allein sein sollten. Das Haus der Elfe Seara, war wie alle Häuser in einen Baum gesunden und mit ihn verschmolzen. Es gab ein Arbeitsbereich, wo die Elfe ihre Bücher, Schriften und Aufzeichnungen über ihre Forschungen lagerte. In dem saß Nele, mit einer Tasse heißen Kräutertee in den Händen. Sonst war das Haus, wie auch Meister Oromis Hütte schlicht. Eine Tugend der Elfen. Auf einen ordentlich angerichteten Haufen von Decken und Kissen ruhte ein mächtiger Wolf, bei dessen Anblick Nele beinah ihren Tee hätte fallen lassen. Sie hatte nicht damit gerecht, dass Elfen sich Haustiere halten würden. Doch Saera lachte nur heiter und erklärte ihr, dass der Wolf selbst entschieden hatte bei ihr zu hausen und es ihm frei war zu gehen, wann immer es ihn beliebe. Was er zum jagen auch tat. Stac lag draußen und lugte zwischen durch immer mal durch das Fenster. Neles Angebot, sie könnte auch Aryas Rundgang durch Ellesméra mit machen, verneinte sie streng.
Ich bleibe bei dir, behaarte sie und Nele war ihr dafür mehr als dankbar. „Woher ich das weiß..?“, schmunzelte Saera schief. Das Lächeln erinnerte Nele wärmstens an die Kräuterhexe Angela. Ob die beiden sich kennen?, überlegte sie, es würde Nele bei den abenteuerlichen Leben der Kräuterhexe nicht wundern. „Der einzige Zauber der dich umgibt, ist der von deiner Kette und Oromis-Elda hat mir bereits von den Geschenk der Zwergen an euch erzählt. Daher schließe ich eine Zauber der dein Gedächtnis zurück hält aus“. Nele war sich immer noch nicht sicher, ob diese Erkenntnis nun etwas gutes oder schlechtes bedeutet. „Wäre es Euch lieber gewesen, wenn jemand absichtlich mein Gedächtnis beschädigt hätte?“, sie war verwirrt , „Außerdem wie könnt Ihr das so sicher sagen? Ich bin nicht mal eine halbe Stunde hier“. „Nein, versteh mich nicht falsch. Hätte jemand dich mutwillig mit einen Zauber belegt, der dein Gedächtnis beeinflusst, wäre das ein Grund zu Sorge. Ich hätte große Schwierigkeit gehabt, den verwendeten Zauber zu entziffern, zu rekonstruieren und zu lösen, wenn dies überhaupt möglich gewesen wäre. Zu deiner zweiten Frage. Ich studiere den Geist von Lebewesen schon sehr lange, ich beherrsche mein Fach meisterlich, vertrau mir. Ich erkenne einen Gedächtniszauber, gleich wie gut er versteckt worden wäre. Bevor du fragst, ich schlage folgendes vor. Ich möchte gern, dass wir uns alle zwei Tage nach deinen Unterricht zusammen setzten. Du erzählst mir..nun ja alles. Nachdem wir uns kennengelernt haben und ich ein besseres Bild von der Situation habe. Fangen wir damit an deinen Geist zu untersuchen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten und Vorgehensweisen, über die wir noch zu gegebener Zeit reden können“. Nele fühlte sich überrumpelt, das sollte es gewesen sein? „Trink gern dein Tee aus, ich habe gehört, dass Arya Dröttningu euch die Wunder Ellesméras zeigen wollte. Ihr solltet sie sehen, um die Schwere eures Erbes zu verstehen“, sagte Seara und trank einen Schluck ihres Tees. Nele schwieg, die schräg stehenden Augen der Elfe ruhten auf ihr. Zu Neles Verwunderung sprach die Elfe nicht weiter, als schwieg auch sie. So trank Nele ihren Tee aus, stand auf, verbeugte sich dankend und verließ das Haus der Elfe. Sie scheint nett zu sein, lobte Stac, sie erinnert mich auch an Angela. Sie liefen zusammen durch die breiten Wege in Ellesméra, Eragon schickte ihnen seinen Aufenthaltsort, damit sie nach kommen konnten. Du solltest über ihre Erkenntnis froh sein, meine Kleine. Die Drachendame spürte Neles Skepsis. Ich bin nur noch mehr verwirrt!, beschwerte sie sich. Ihr Weg führte sie an einen Haus mit Hof vorbei. Im Innenhof stand eine Elfe mit langer Greifzange in der einen und die andere Hand am Blasebalg. Mit erschreckender Schnelligkeit zog die Elfe die Zange aus den glühenden Kohlen. Es kam ein Ring zum Vorschein, welchen sie noch glühend auf ein unfertiges Kettenhemd fädelte, um dann mit den Hammer drauf zu schlagen. Eine Schmiede!, dachte Nele begeistert. Erinnerungen an Horst und seine Familie kamen aus den tiefen des letztes Jahres an die Oberfläche. Es war beängstigend, wie viel sich seit dem ereignet hatte. Wie lieb und fürsorglich seine Frau Elain war und wie Horsts Sohn Albriech hatte versucht sie zu umwerben. Die Frau hörte auf zu hämmern und sah zu Nele auf. „Atra Esterní ono thelduin“, sprach Nele und führte die zwei Finger an ihre Lippen. Das rostfarbene Licht warf einen blutroten Schatten auf Hals und Gesicht der Elfe. Nele konnte durch die in zwischen geschärften Sinne, welche die Verbindung zu Stac mit sich brachte, die Hitze über den Hof hinweg spüren. „Du bist also die andere, ja?“, fragte die Elfe schroff und Nele zuckte. Die Stimme der Elfe war furchtbar rau, ganz und gar nicht wie die einer Elfe. Außerdem hatte sie mit solch einer Antwort nicht gerechnet. Es galt als unhöflich, nicht zurück zu grüßen und auch wenn Nele diese Regeln der Elfen erst seit kurzen galten, fühlte sie sich beleidigt. Ich verrate dir ihren Namen, hörte Nele Eragon flüstern. Sie blieben in Kontakt, wie Meister Oromis es ihnen aufgetragen hatte. „Du musst Rhunön-Elda sein, es freut mich dich kennen zu lernen“, erwiderte Nele verschmitzt. Die Elfe lachte trocken. „Falls es dir Eragon noch nicht geflüstert hat, ich werde dir kein Schwert schmieden, ich habe geschworen nie wieder ein Todeswerkzeug zu schmieden“. Sie wandte sich Stac zu. „Deine Schuppen sind ebenso schön wie die deiner Schwester. Eine Schande, dass es keine Schwerter in solch einer Farbe geben wird“, sie klang wehleidig, trotz der rauen Stimme. „Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht Klingen für die Drachenreiter zu schmieden, jeden Reiter eins in der Farbe seines Drachens. Dann kam Morzan und zerstörte alles in einen Augenblick“. „Es muss furchtbar gewesen sein“, wagte Nele vorsichtig zu sagen. „Das war es. Doch nun da Eragon Zar´roc führt, ist die Klinge doch noch für etwas gut“. Nele und Stac verabschiedete sich von Rhunön und liefen weiter.

Es wurde langsam dunkler, als sie immer tiefer in den Wald hinein liefen. Da sie Eragons und Saphiras Präsens nun deutlich spüren konnten, mussten sie nicht mehr weit von ihren Freunden entfernt sein. Die Sträucher und Büsche schienen kein Ende nehmen zu wollen und Nele konnte nur mit Hilfe von Stac ihre Umgebung erkennen. Das änderte sich aber, als Nele und sie auf eine riesige Lichtung traten. Der Mond schien hell und tauchte die Landschaft vor ihnen in einen silbrigen Ton. Die Lichtung war leer, nur eine einsame Kiefer stand auf ihr. Sie war nicht größer als andere Kiefern, doch hundertmal so breit. Es war mit Abstand der breiteste Baum den Nele je gesehen hatte. Alle Bäume des Du Weldenvarden wirkten neben ihr wie zerbrechliche Rosen. Die Wurzeln rankten sich über den Boden, verknoteten sich und verschwanden im Wald. Ein Lächeln huschte Nele übers Gesicht, sie entdeckte Saphira auf einen der gewaltigen Äste. Ein Drache auf einen Baum, welch ein amüsanter Anblick. „Das ist der Menoa-Baum“, flüsterte Arya leise. Sie stand plötzlich neben Nele. Sie wandte sich der Elfe zu, immer noch eingenommen von den Anblick der Kiefer. „Er ist wunderschön“, stimmte sie der Elfe zu. „Wo ist Eragon?“, fragte sie dann, denn ihn sah ihn nicht. Arya deutete zu Saphira die auf einen der Äste saß und verträumt den Schwanz baumeln ließ. Eragon kletterte zu seiner Drachendame hinauf. „Ich bat ihn um einen Moment mit dir allein“, erklärte Arya immer noch leise. Nele verlagerte ihr Gewicht aufs andere Bein. Sie brauchte keine Angst mehr zu haben, Meister Oromis hatte ihr Hilfe zugesichert, welche sie heute kennengelernt hatte. „Deine Entscheidung die Amnesie geheim zu halten war notwendig. Niemand ist dir deshalb böse“, begann Arya. „Dennoch..“, überlegte Nele, „fühlt es sich merkwürdig an. Ich fühle mich, als trage ich immer noch ein Geheimnis in mir. Ein Geheimnis, welches niemand ernst nehmen möchte“, wagte sie ihre Gedanken zu beenden. Die schwarzhaarige Elfe sah sie drängend an: „Wer nimmt dich nicht ernst?“. Bestürzt schüttelte Nele den Kopf. „So meinte ich das nicht. Es ist nur, dass jeder mir zu spricht, mir sagt ich bin nur ich oder ich darf keine Angst vor mir selbst haben. Aber das macht mir Angst“, gestand sie. Warum konnte sie Arya gegenüber so offen sein? Lag es daran, dass Arya sie in Fahrten Dur im Tunnel eingeholt hatte und Nele wütend und machtlos gesehen hatte? War es die Gemeinsamkeit, eine geliebte Person verloren und sich selbst dafür die Schuld zu geben? „Weil du keine Angst haben brauchst. Du bist du, wie ich ich bin. Niemand wird das ändern. Wenn du dich davor fürchtest deine Erinnerungen zurück zu gelangen. Fragen ich dich, was wird es ändern?“, Arya sah Nele nicht an. Nele brauchte nicht lange überlegen. „Alles..“. „Oder nichts“, erwiderte die Elfe. „Sieh wo du nun stehst“, sprach Arya weiter, „du bist hier weil, deine Taten dich her brachten. Ihr seid hier, weil die Geschehnisse des letzten Jahres euch hierher gebracht haben. Wichtig ist das ihr hier seid, eure Ausbildung beendet und lernt Reiter und Drache zu sein“. Sie hat recht, du magst denken es würde alles ändern, doch wird es nicht ändern, wer du bist oder wie die die dich lieben über dich denken, stimmte Stac zu, auch Arya hörte sie. Nele stiegen Tränen in die Augen. Gleich was kommt, ich werde immer da sein, Stac stupste sie liebevoll an. Denk daran, ähnliche Worte hast du auch schon gesagt. Nele schluckte ihr Schluchzen hinunter. Stac sprach von Murtagh und auch wenn die Erinnerung an ihn schmerzte, war Nele dankbar. Sie hatte Murtagh versprochen, seine Herkunft würde nichts an ihren Gefühlen ändern, noch bevor sie erfuhr, dass er Morzans Sohn war. Für Nele waren ihre Worte damals die reine Wahrheit gewesen, niemand konnte sie davon abbringen Murtagh zu lieben, es immer noch zu tun und sie verstand das Stac auch die Wahrheit sprach. So also war bedingungslose Liebe überlegte Nele schwer und gleichzeitig befreit. „Gräme dich nicht, die Frage nach dem ´was wäre wenn´ kränkt nur deinen Geist“, beendete Arya dieses Gespräch. „Ich wollte euch die Wahrzeichen Ellesméra zeigen, möchtest du die Geschichte des Menoa-Baums hören? Alle hundert Jahre feiern wir die Agaetí Blödhren, die Blutschwur Zeremonie, um unseren Pakt mit den Drachen zu gedenken. Diese findet auf dieser Lichtung statt. Ihr habt Glück hier zu sein, denn bald ist wieder so weit. Das Schicksal hat uns einen ungewöhnlichen Zufall beschert“. Eragon war inzwischen wieder sicher am Boden angekommen und kam zu ihnen gelaufen. Saphira mit wedelten Schwanz hinter her. Nele nickte und wischte sich beschämt die Tränen fort. Sie brauchte nicht zu weinen, denn sie wurde geliebt und zwar bedingungslos. Wer konnte das schon behaupten?
Der Menoa-Baum war durch das Schicksal einer Elfe namens Linnea entstanden. Lange bevor die Elfen unsterblich wurden und lange vor dem großen Drachenkrieg, hatte Arya erzählt. Linnea liebte es zu den Pflanzen zu singen, nie hatte sie einen Geliebten, Gefährten oder Kinder. Doch eines Tages machte ihr ein junger Mann den Hof und umwarb sie mit lieblichen Worten. Der junge Mann erweckte, all jene Gefühle von denen Linnea geglaubt hatte, nicht zu empfinden. Sie ließ sich auf ihn ein und er zeigte ihr die Schönheit des Lebens zu zweit. Jedoch suchte der Jüngling sich bald eine Frau in seinen alter und betrog Linnea. Als Linnae davon erfuhr verlor sie vor Kummer ihren Verstand. Von Trauer und Wut geblendet, erdolchte sie den jungen Mann und floh tief in den Du Weldenvarden. Sie merkte welch furchtbare Tat sie begannen. Nie würde sie in ihr altes Leben zurückkehren können. So suchte sie den ältesten Baum im Du Weldenvarden und presste sich gegen den Stamm. Drei Tage und drei Nächte sang sie sich selbst in den Baum und verschmolz mit ihn. „Seit jeher wacht sie über den Wald“; beendete Arya die Geschichte. Sie sprachen noch über die Tialdaríh-Halle, der Halle in der Arya und die Königin wohnten. Arya bot ihnen an, sie das nächste mal durch die Hallen zuführen. Bald daraufhin verabschiedete sie sich von den jungen Drachenreitern. Den Weg zurück zu den Baumhäusern flogen die Vier. Was hast du gemeint, als du zu Meister Oromis sagtest, du meidest absichtlich unsere geistige Verbindung?, frage Eragon nach langen schweigen. Nele war müde, wollte ins Bett und am liebsten zwei Tage durch schlafen. Nachdem ich dir aus Durzas Geist geholfen hatte, war ich zu langsam und konnte mich nicht schnell genug zurück ziehen, erklärte sie, denn sie wollte Eragon gerecht werden. Im Unterbewusstsein, spürte sie den explodierenden Schmerz auf ihren Rücken. Er war leicht, kaum spürbar, denn der Schmerz verblasste für sie, nicht aber für Eragon. Er musste mit den Folgen kämpfen, war ein Krüppel. Wir waren noch zu eng verbunden als es geschehen war. Du hast es gespürt als wäre es dein Rücken!, rief Eragon bestürzt aus. Das hast du nicht erzählt, ärgerte er sich. Warum nicht? Ich konnte dich nicht noch damit belasten, verteidigte sich Nele sich. Du erinnerst du vielleicht nicht, was verständlich ist aber wir waren ein und die selbe Person. Die Erfahrung war mir zu viel, also zog ich mich zurück. Dazu kam noch Murtaghs Verschwinden, ich wollte allein sein. Trotzdem hättest du es mir sagen können, du bist nicht allein, meinte Eragon. Nele verstand wie sehr sie sich geirrt hatte, sie erinnerte sich an die schönen Momente und die Unbeschwertheit. Auf ihren Weg zu den Varden waren sie zwar zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt, dennoch ging es ihnen vergleichsweise gut. Sie dachte daran, wie sie in den Tavernen getanzt, sie Eragon die Haare geschnitten und sie sich gegenseitig vorgelesen haben. So sollte es wieder werden, befand Nele. Ich möchte das es wieder so wird wie vorher. Sie erklärte nicht wie sie es meinte, denn Eragon verstand sie. Wie es war bevor sie bei den Varden ankamen, bevor sie den Schatten gegenüberstanden und bevor Nele sich in der Trauer um Murtagh verlor. Bevor ihnen bewusst war, wie wichtig ihre Rolle in diesen Krieg ist und wie schwer die Last auf ihren Schulter wirklich war.

Zuvor:

„Nein". Im gleichen Augenblick senkte sich das glühende Eisen wieder auf Murtaghs Körper. Sein Schrei und das Zischen verbrennender Haut schallten durch die Halle der Wahrsagerin. Ihn brannten die Lungen, weil er keine Luft bekam und die Muster die an der Decke flackerten sah er immer verschwommener. Seine Sehkraft ließen ihn im Stich und Dunkelheit begann sich breit zumachen. Dennoch konnte er sich nicht in die Bewusstlosigkeit flüchten. Wenn er drohte ohnmächtig zu werden, drehte sein Peiniger die glühende Eisenspitze tiefer in seine Haut. Mit einen Ruck wurde das Eisen aus seiner Haut gerissen und der Geruch des verbrannten Fleisches wurde unerträglich. Der unbekannte Peiniger drehte sich zum Feuer, um den Eisenstab wieder zu erhitzten. „Ich befürchte, das Eisen wird ihn nicht zum sprechen bringen, mein Herr“, brummte er. Murtagh selbst hörte die Worte gedämpft, nur ein leises Flüstern. Angst erfüllt drücke er sich gegen die Fesseln, auch wenn diese nicht nachgaben. Nein, nicht noch mehr, bat er stumm. Mehr könnte er nicht ertragen, er brauchte Ruhe, sonst würde er nicht stand halten können. Der König saß auf einen Stuhl, außerhalb Murtaghs Sichtweite. Es blieb ruhig, nur das knuspern der Kohle war zu hören. Atmete Murtagh noch? Er hörte es zumindest nicht. Galbatorix erhob sich von seinen Stuhl und stellte sich den Folterknecht gegenüber, zwischen ihnen die Steinplatte auf der Murtagh lag. „Zweifelst Ihr an meinen Methoden?“, wollte er wissen. Beiläufig holte er seinen Dolch hervor. Dieser war golden und mit Edelsteinen besetzt, eine Scheide eines Königs würdig. Die Klinge selbst blitzte im tiefen Schwarz. Seine freie Hand ruhte auf der kalten Steinplatte auf der Murtagh festgebunden war. Dieser konnte an seiner rechten Hand, förmlich die Nähe zum König spüren. Mit letzter Kraft zog Murtagh so gut es ging seine Hand fort. Er würde nicht vom König berührt werden wollen, auch nicht einmal an der Hand. „Ich wollte meinen König nicht in Frage stellen“, brummte der Mann beunruhigt. „Gebt mir Eure Hand“, forderte Galbatorix ihn auf. Zitternd reichte der Mann seine Hand linke Hand über Murtagh hinweg. Der König nahm sie und hielt ihn am Handgelenk fest. „Verzeiht mir mein König“, bat der Mann, doch Galbatorix holte aus und stieß seinen Dolch durch dessen Hand. Der Mann schrie auf und wandte sich vor Schmerzen. Murtagh sah benommen dabei zu, wie das Blut des Mannes auf sein Hemd tropfte. „Ihr hütet gefälligst eure Zunge!“, wütete Galbatorix und drehte seinen Dolch. Der Mann schrie erneut auf und flehte um Gnade. „Ich will das nicht hören“, wütete Galbatorix weiter und riss seinen Dolch aus der Hand. Schnell ergriff der Mann seine Hand und drückte sie fest an seine Brust. Murtagh konnte nicht glauben, was geschehen war. Er wusste wie eigen und explosiv der König war, aber das war schlimm. Der König musste seit Murtaghs Verschwinden ein noch grausameres Monster geworden sein, als er es vorher war. Galbatorix raste immer noch, doch schwieg er. Den Blick immer noch auf den Mann gerichtet, der verzweifelt versuchte die Blutung zu stoppen. Der Atem des Königs ging gehetzt, wie der von einen Tier, welches in einen Rausch verfallen war. „Geht zum Hofheiler und lasst Euch verarzten“, zischte er und wischte die schwarze Klinge an einen Tuch ab. „Mein König ist zu gütig. Lang lebe der König“, murmelte der Mann dankend und huschte zügig zur Eisentür. Er wollte es nicht riskieren, dass es sich der König anders überlegt. Bevor er allerdings die Tür erreichte stoppte ihn der König: „Ihr solltet nicht betrunken mit Messern hantieren“. „Nein, gewiss nicht mein König. Lang lebe der König“. Damit schlüpfte der Mann aus der Zelle. Murtagh schluckte den Gallengeschmack, der sich in seinen Mund breit machte hinunter. Er wollte unter keine Umständen mit Galbatorix allein sein. „Mein Sohn, mein Sohn. Wieso sprichst du nicht? Wem schuldest du mehr? Denen oder mir?“. Murtagh wollte schweigen, er sollte es. Er wollte Galbatorix nicht die Genugtuung geben, eine Antwort aus ihn heraus geholt zu haben. Doch er entschied sich dagegen. „Ich schulde niemanden etwas“, presste er aus seiner staubtrockenen Kehle hervor. Der König schüttelte den Kopf. „Ich bewundere deine Sturheit, doch wird sie dir nur Schmerz bringen. Nochmal, schwöre mit Treue“. Murtagh biss die Zähne zusammen: „Nein“. Ein neuer, fremdartiger Schmerz durchzog Murtagh und ließ ihn aufschreien. Galbatorix hatte seinen Dolch auf seinen Arm angesetzt und schnitt ihn durch Hemd und Haut. Blut floss aus der langen Wunde, staute sich im Stoff des Hemdes und lief dann auf die Steinplatte hinab. Der Schmerz kroch tief über seinen Arm, war kalt und heiß zugleich und Murtagh verlor endlich sein Bewusstsein.

Murtaghs Wunden wurden von einen alten buckligen Mann gereinigt, mit einer gelblichen Salbe bestrichen und dann sorgsam mit Verbänden umwickelt. Dann löste dieser die Fesseln und half Murtagh sich aufzurichten. Ihn war schwindlig, doch der Mann stütze ihn. Der Alte schleppte ihn in eine weitere Zelle, in der Murtagh allein zurück blieb. Sie war dazu gedacht sich zu erleichtert, doch Murtagh würgte und spuckte nur Galle. Dann wurde er wieder auf die gesäuberte Steinplatte fesseln und mit Brot und Wasser gefüttert. Einige Tage vergingen ohne das Galbatorix zu ihn kam und in dieser Zeit versuchte Murtagh seine Kräfte zu sammeln. Gedankenlos starrte er an die Decke, darum bemüht seine Atmung stabil zuhalten. Plötzlich und ohne Vorwarnung wurde sein Geist angegriffen, auf einmal war er hell wach und verstärkte die Mauer um seinen Geist. Es fühlt sich an wie ein glühender Nagel den man ihn in die Stirn rammen würde. Er schrie vor Schmerz qualvoll auf aber verstärkte weiter seine geistlichen Mauern. Er musste diesen Angriff abwehren, er dürfte nicht versagen sonst.. Der Druck auf seinen Geist verschwand ruckartig und Murtagh traute sich wieder zu atmen. Sein Herz raste, dennoch blieb er wachsam. Der Angreifer konnte nur Galbatorix gewesen sein. Es folgte kein weiterer Angriff, auch in den nächsten Tagen nicht. Der König selbst, kam auch nicht. Murtagh fand daran aber keine Freude, denn es würde nur bedeuten, dass sich der König etwas grausames für ihn ausdachte. Murtaghs einzige Beständigkeit wurden die Besuche des alten buckligen Mannes, der zwar nicht viel sprach, Murtagh jedoch freundlich behandelte und ihn sogar manches beantwortete. So gelang Murtagh es den Überblick über die vergangenen Wochen wieder zu bekommen. Der Alte sagte ihn auch ob es Tag oder Nacht war und wann der König beabsichtigte ihn wieder zu besuchen. Er war alt und bucklig hatte er gesagt, die Wachen beachteten ihn nicht wenn sie sprachen. Murtagh fragte ihn, ob er nicht die Fesseln lose lassen und beim gehen die Tür vergessen könne. Es war zwecklos zu fragen, doch Murtagh musste es wenigstens versucht haben. Noch einmal würde Galbatorix nicht zu lassen, dass er verschwinden konnte. So überraschte ihn die Antwort des Alten nicht. „Mein Junge, es würde dir und mir nur mehr Leid bringen“. Der Alte sollte recht behalten, den einige Stunden später, Murtagh schätzte am späten Nachmittag, drehte sich das Schloss hinter ihn. Sofort verkrampfte Murtagh sich. Würde er das, was Galbatorix nun mit ihn vor hatte überstehen können? Der König trat in die Zelle, hinter hin lief der Alte. Er stellte den Stuhl zu Murtaghs Füßen und verließ die Zelle wieder. „Sohn ich möchte das nicht tun“, begann der König gespielt. Natürlich wollte er es tun, dachte Murtagh angewidert, schließlich bereitete des den König Vergnügen. Auch das er ihn als seinen Sohn bezeichnete war ein Spiel. Er hielt eine unscheinbare Schachtel in den Händen. Murtagh konnte den Blick nicht von ihr abwenden. „Ich habe sie selbst erschaffen“, erklärte Galbatorix stolz. „Es sind Würmer, nur ernähren sich von menschlicher Haut und Fleisch“. Murtagh wurde schlecht, sein Magen rebellierte und das wenige Wasser und Brot wollten hinaus. Er konnte sich den Rest der Rede denken. „Sie fressen sich durch die Haut, so lange bis sie satt sind. Nun weiß ich nicht mehr, wann sie das letzte mal gefüttert worden waren..“. Er öffnete die Schachtel und zog mit seiner behandschuhten Hand einen Wurm hervor. Der Wurm war fingerlang, dick und schwarz. Selbst im schwachen Licht der Zelle, erkannte Murtagh die winzigen spitzen Zähne der Kreatur. Er stemmte sich gegen die Fesseln, welche immer noch nicht nachgaben. Sein Herz begann unerträglich schnell zu rasen und Hitze stieg in ihn auf. Doch er schwieg, er bat nicht um Gnade. Der König ging zu seinen nackten Füßen und blieb stehen. „Für jedes verweigern, setzte ich dir einen Wurmen auf die Haut. Für jede Antwort, nehme ich einen hinunter. Ich halte mein Wort Murtagh, ich bin hier daran gebunden, so wie du“. Murtagh schwieg. Der König fuhr fort: „Dein Stolz blendet dich mein Sohn. Ich brauche dich nicht um etwas über die Varden zu erfahren. Wie du selbst erfahren hast, habe ich Spione selbst in den höchsten Reihen. Ich weiß, dass die Varden Ajihads Tochter Nasuada als Nachfolgerin erwählt haben und sie aufgebrochen sind um nach Surda zu ziehen. Ich weiß, dass der Bauernjungen und das Mädchen zu den Elfen aufgebrochen sind. Ich weiß über alles Bescheid was die Varden vorhaben. Ich möchte auch nichts von den Elfen und ihren Städten wissen. Ich bin nicht beschränkt, die Varden wissen es selbst nicht, woher also du? Ich bezweifle stark das dieser Bauernjunge Eragon mir gefährlich wird, sollen sie bei den Elfen sein und denken gegen mich ankommen zu können. Die Zwillinge waren in ihren Geistern, wenn du dich daran erinnern solltest. Doch dich haben die nicht gefunden, denn die beiden waren schlau genug dich geheim zuhalten. Ich gehen davon aus, dass sie ihre Erinnerungen gefälscht haben, weil sie den Zwillingen nicht vertraut haben... Ich werde noch die Wahrheit über sie erfahren. Aber Murtagh ich möchte, dass du mir in der Alten Sprache die Treue schwörst“. „Nein“. Mit verzogenen Gesicht zuckte Galbatorix mit den Schulter und ohne ein weiteres Wort legte er den ersten Wurm an Murtaghs Fußsohle. Sofort biss sich der Wurm fest und ging ans Werk. Murtagh schrie und wandte sich gegen den Schmerz. Der König wartete einige Sekunden. Er schien den Abblick seiner Schützlinge zu genießen. „Schwöre mit die Treue“. „Nein“. Es folgte der nächste Wurm, auf den anderen Fuß. So ging es weiter, bis Murtagh drohte das Bewusstsein zu verlieren. Die Würmer, er wusste nicht wie viele es waren, fraßen sich über seinen Körper. Der erst erreichte bereits seinen Bauch. Galbatorix lehnte mit verschränkten Armen im Stuhl. „Murtagh“, begann er und ignorierte dessen Schreie, „die Zwillinge erzählten mir, das Mädchen habe für dich bei Ajihad gebürgt. Ist das wahr?“. Murtagh konnte nicht sagen, warum der König das Thema wechselte und obwohl er schweigen wollte entschlüpfte ihn ein 'Ja'. Der König erhob sich und nahm einen Wurm von seiner Haut, der Wurm hatte sich fest gebissen, doch der König riss ihn einfach ab. „Ich halte mein Wort“, sagte er und ließ das schwarze dickliche Monstrum wieder in die Schachtel fallen. Murtagh spürte eine kleine Erleichterung. „Du hattest Angst, sie würden dich auf Grund deiner Herkunft nicht aspektieren. Lächerlich Murtagh, sie sind deiner nicht Wert. Das Blut in deinen Adern ist zu höheren bestimmt, sei wie dein Vater und steh an meiner Seite! Dennoch, magst du das Mädchen, welches zufällig dazu erwählt ist eine Drachenreiterin zu sein. Das muss schwer für dich gewesen sein, als Sohn des Verräters“. Murtagh schwieg, ihm gefiel nicht, in welche Richtung Galbatorix das Verhör legte. Er würde nicht über seinen Freund Eragon sprechen und gar nicht erst über Sie. „Für dein Schweigen sollte ich dir einen Wurm auflegen, doch ich lasse es. Die Zwillinge sagten es sei offensichtlich gewesen“. Er positionierte sich auf seinen Suhl neu. „Weiber sind Gift, mein Junge“. Einer der Würmer erreichte Murtaghs Seite und kroch ihn über die Rippen hinauf zu den Achseln. Der Schmerz wurde unerträglicher, besonders da wo die Haut empfindlicher war und die Würmer über die Knochen krochen. „Ich empfinde nichts für sie!“, zischte er unter Tränen, der Wurm musste aus seiner Achsel fort, also antwortete er. Auch wenn er nicht verstand, warum der König sich dafür interessierte. Galbatorix stand auf und nahm mit einen widerlichen Lächeln, den Wurm aus seiner Achsel fort. Murtagh atmete hörbar aus, dass dürfte nicht nochmal passieren. Er hatte nachgegeben, das war ein Fehler. „Endlich spricht du mit mir Murtagh. Schwörst du mir die Treue?“, fragte der König beinah beiläufig. „Du wirst sofort von deiner Qual befreit, geheilt, gewaschen, neu eingekleidet und dir werden mehrere Diener gestellt. Du wirst in den besten Räumen wohnen, an meinen Tisch speisen und wenn dir danach ist, über lasse ich dir eine meiner fähigsten Konkubinen“. „Nein“. Da der König schon stand, zog er sich nur den Handschuh von der Hand und warf ihn auf die Schachtel. „Nun, wenn du es dir anders überlegst, ruf nach mir. Ich werde mein Abendmahl einnehmen gehen“, er lief zur Eisentür. Murtagh wandte sich schmerzgeplagt und verdrehte die Augen um Galbatorix hinterher sehen zu können. Er ließ die Würmer auf seiner Haut zurück? Nein! Nein! Eine Wache und der alte Mann kamen angelaufen. „Die Würmer fallen von selbst ab, sobald sie satt sind. Sammelt sie dann ein und lasst sie in meine Gemächer bringen“, befahl er und verschwand mit festen Schritten den Gang hinunter. Murtagh konnte einen neuen schmerzerfüllten Aufschrei nicht unterdrücken und die Wache schloss ohne Mitleid die Eisentür zu und ging. Nur der Alte blieb noch hinter der Tür stehen, bis auch er mit gesenkten Kopf davon ging.

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