Eragon - Das Mädchen ohne Erinnerungen

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Arya Brom Eragon Murtagh OC (Own Character) Saphira
07.07.2018
25.09.2020
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24.11.2019 4.962
 
Teil 47 Der Weg nach Ellesméra

In den vergangen Tage hatten sich Eragon und Nele mit diversen Aufgaben die Zeit vertrieben. Den einen Abend führten sie gegenüberstehend Schwertübungen durch. Aus dem anfänglichen langsamen und kontrollierten Bewegungen, wurden in Laufe ihrer Übungen geschmeidiger und schneller. Nele verließ ihre Positionierung und drehte sich in ihrer Bewegung mehre male, bis sie Seite an Seite mit Eragon stand. Nun standen sie nicht mehr in einer kleinen schattigen Bucht, sondern wurden von einer Horde Feinde angegriffen. Sie duckten sich, stießen zu, parierten und konterten. Eragon wollte in einer Drehung Zar´roc von der einen Hand in die andere Hand werfen. Ließ es aber fallen, als ein stechender Schmerz seinen Rücken hinunter zog. Zar´roc wirbelte gefährlich nahe an Neles Gesicht vorbei, diese schaffte es in letzter Sekunde aus zu weichen. Eragons Bewusstlosigkeit band sie bis weit in den nächsten Vormittag an die kleine Bucht. Eragon kämpfte sehr mit seiner körperlichen Einschränkung, dennoch setzten sie am ihren Weg fort diesen Tag fort. Am nächsten Morgen holte Orik einen Bogen aus einer der vielen Kisten. Er erzählte den Drachenreitern das sein Bogen nicht aus Holz sondern aus Horn eines Urgals gefertigt war und dadurch besser schoss als andere. Eragon wollte sich davon selbst überzeugen und schoss einige male mit Oriks Bogen. Auch Nele nutze die Gelegenheit um wieder mit ihren Bogen zu schießen. Auch wenn sie mit ihren verletzten Auge sehen konnte, beschloss sie einmal sich um zustellen und mit den anderen Auge zu zielen. Der geliehene Pfeil von Orik verfehlte um weiten sein Ziel, schoss am angezielten Baum vorbei und versank im fließenden Wasser des Az Ragni. „Oh“, machte sie und blickte zu Orik der aber nicht sauber war. „Du schuldest mir einen Pfeil, Argetlam“, stelle belustigt er fest. Nele öffnete ihren Geist und ließ sich von der Kraft der Magie durchströmen: „Gath sem Oro un Lam iet“. Pfeil komm in meine Hand zurück geflogen. Sekunden später landete der nasse Pfeil in ihrer ausgestreckten Hand. „Hier“, sagte sie zu Orik. Freudig nahm der Zwerg den Pfeil entgegen. „Nun das ist mal ein Kunststück! So behalte ich meine zwei Dutzend Pfeile doch zusammen. Bitte schieße aber wieder mit deiner stärkeren Seite. Ich möchte ungern getroffen werden!“. Ein breites Lachen verließ dabei seine Lungen und Nele nickte zustimmend. Konzentriert nahm sie den Bogen in die rechte Hand, stelle ihr rechts Bein vor, legte den nächsten Pfeil an und zog diesen zu ihren Gesicht. Kurz fokussierte sie ihr Ziel am Baum, ließ die Sehne los und der Pfeil trag das Stück Stoff welches sie vorher am Baum befestigt hatten. „Sehr gut!“, lobte Orik und auch Eragon nickte ihr beeindruckt zu. Bis zum Essen schossen sie weiter Pfeile und auch noch danach, so lange bis es zu dunkel wurde. Aber selbst das konnte die beiden Drachenreitern nicht davon abhalten mit Hilfe ihrer Drachendamen im dunkeln schießen zu üben. Tage lang fuhren sie weiter, bis das Beor-Gebirge hinter ihnen im weißen Nebel verschwand.

Sie erreichten Hedarth, einen Handelsposten der Zwerge nach weiteren Tagen, wo sie die Flöße gegen Eseln eintauschten. Nele und Eragon ritten auf ihren Pferden, die den Freigang nach Tagen auf Flößen zu schätzen wussten. Drei Tage folgten sie den Fluss Edda, bis der Du Weldenvarden in Sicht kam. Anfangs war er nur eine verschwommene Wand am Horizont, bis sich der Du Weldenvarden vor ihnen ausbreitete wie ein smaragdgrünes Meer. Auf Rücken ihrer Drachendamen, sahen Nele und Eragon, dass er sich von Westen nach Osten erstreckte. Doch wussten sie auch, das der Du Weldenvarden weit darüber hinaus reichte, er reichte weit bis in den Unbekannten Norden und zog sich fast bis zum Buckel im Nordwesten Alagaesias. Obwohl Nele und Eragon gleichermaßen neugierig waren, war ihnen auch bewusst wie gefährlich der Wald für Sterbliche war. Der Du Weldenvarden war die Heimat der Elfen, tief in seinen Herzen lag die Hauptstadt Ellesméra. Welche wie alle weiteren Städte der Elfen, seit den Fall der Drachenreiter von keinen Fremden besucht worden war. Als sie am Abend beisammen am Feuer saßen, fehlte Arya. Diese trat zwischen den dunklen Zelten hervor und ließ ihren Blick auf Nele und Eragon ruhen. Eragon bemerken ihren Blick und sah zu ihr, sie war noch nichts ins Licht getreten. Ihre Gestalt wirke geisterhaft. Mit einer leichten Kopfbewegung, forderte sie Eragon auf ihn zu folgen. Dieser griff nach Nele und neigte seinen Kopf in die Richtung in die Arya stumm verschwunden war. Nele stellte ihre Schüssel ab und gemeinsam folgten sie Arya, welche bereits weiter entfernt war, als sie gedacht hatten. Sie liefen außer Hörweite der Zwerge, bis Arya an einen Moos bewachsenen Baumstumpf stehen blieb um sich zu setzten. Nele hatte über ihr Gespräch mit Arya geschwiegen, wie sie es versprochen hatte. Nur ihre Drachendame Stac wusste unweigerlich von der Unterhaltung. Sie fragte sich, was Arya mit ihren Bereden wollte, so weit weg von ihren Lager. „Bevor wir Ceris und Ellesméra erreichen, müsst ihr wissen wie ihr euch verhalten sollt. Sonst blamiert ihr nicht nur euch selbst, sondern auch mich“. Die Dachreiter nahmen neben den Baumstumpf auf dem Boden Platz und schwiegen. „Wir Elfen unterscheiden uns sehr von euren Volk und den der Zwerge. Die Zwerge und Menschen teilen einige Verhaltensweisen, beispielsweise seid ihr ihr Impulsiv und streitet gerne. Ihr teilt Leidenschaften und Überzeugungen. Viele Menschen haben unter den Zwergen und anders herum gelebt, geliebt und gestritten. Wir Elfen sind anders, wegen unserer langen Lebensspanne betrachten wir Höflichkeit als das höchste Gut in unserer Gesellschaft. Ein Streit könnte sich bei uns in eine Jahrhundert lange Auseinandersetzung entwickeln. Wir halten uns streng an unsere Rituale um Konfrontationen zu vermeiden und zu umgehen. Außerdem sind wir Elfen nicht besonders fruchtbar, weshalb Konflikte wie bei euch Menschen und Zwergen schon längst zu unserer Ausrottung geführt hätten“. „Haben aber nicht alle Lebewesen die selben Wüsche und Bedürfnisse?“, wollte Eragon wissen. „Das wollte ich damit nicht sagen!“, fauchte Arya streng. „Jedenfalls“, führte sie kurz danach fort, „gibt es hundert Dinge die ihr beachten müsst. Sollte euch ein Fehler unterlaufen, werden die Elfen denken es sei Absicht gewesen. Schlimmer wäre es aber, wenn sie heraus finden würden, dass ihr die Fehler aus Unwissenheit begangen habt. Als erstes erkläre ich euch, wie ihr einen Elf grüßt. Bei der Begrüßung kommt es auf die Person euch gegenüber an. Generell beginnt eine Begrüßung so, dass die beiden Elfen stehen bleiben, zwei Fingerspitzen an die Unterlippe führen und sagen: „Wir werden bei unseren Gespräch bei der Wahrheit bleiben“. Dann folgt der Satz: „Astra Esterni ono thelduin“ auf den man „Un du Evarínya ono varda“ antwortet. Wenn man besonders höflich sein möchte, fügt man noch ein: „Mor´ranr lifa unin Hjartaonr““. Arya legte sich zwei Fingerspitzen an die Unterlippe um die Geste zu demontieren. „Die Zeilen stammen von einem Drachen, der sie zur Besieglung unseres Paktes eins aufsagte. Übersetzt lauten sie: Möge das Glück dir hold sein, mögest du Frieden im Herzen tragen und mögen die Sterne über dich wachen“. „Wer grüßt zu erst?“, fragte Nele. „Steht man jemanden von höherem Rang gegenüber ergreift man selbst das Wort. Bei jemanden von niedrigerem Rang lässt man den anderen das Wort ergreifen. Ist man sich seiner Position nicht sicher, gibt man seinen gegenüber die Möglichkeit als Erster zu sprechen. Schweigt dieser, ergreift man selbst das Wort“. Gelten diese Regeln auch für uns?, wollte Saphira wissen und Eragon gab ihre Frage weiter. Arya, die ein getrocknetes Blatt vom Boden aufgehoben hatte antwortete: „In unserer Kultur steht niemand über den Drachen, selbst die Königin könnte euren Drachen keine Befehle erteilen“. Als nächstes zeigte Arya Nele und Eragon, wie sie ihre rechte Hand drehen und mit einer leicht ausholenden Geste zur Brust zu führen haben. „Diese Geste tut ihr, wenn ihr vor Königin Islanzadi tretet. Damit offenbart ihr eure Loyalität und Gehorsam. Diese Geste ist nur eine kleine Höflichkeit, kein Schwur oder ähnliches“. Soweit konnte Nele und Eragon Arya folgen, allerdings fiel es ihnen schwieriger als Arya ihnen die unterschiedlichen Anreden erklärte. Die Anrede hing davon ab, ob es sich um ein Mann oder eine Frau, ein Kinder oder ein Erwachsener, Junger oder Mädchen, nach Stellung oder Aussehen handelte. Die Liste mit Ausnahmen und Reglungen wurde immer länger und die Drachenreiter nahmen sich vor, sie so gut wie es ging zu merken. Während Nele stumm für sich die verschiedenen Anreden wiederholte, merkte sie nicht wie Eragon Arya etwas fragte. Doch Nele bemerkte das versteinerte Gesicht der Elfe und lugte augenblicklich zu Eragon rüber. Er sah verschreckt aus. „Wie kannst du es wagen mit mir in solch einen vertrauten Ton zu sprechen? Im Du Weldenvarden hältst du dich mit solchen Aussagen gefälligst zurück!“, mit diesen Worten sprang die Elfe auf und stampfte wutentbrannt davon. Nele sah irritiert zu Eragon: „Was du auch gesagt hast, geh ihr nach und entschuldigte dich bei ihr“. „Sie reagiert über!“, wehrte sich Eragon beleidigt. Doch Nele drängt ihn weiter und Eragon ließ seinen Stolz beiseite. Als Eragon Arya hinter lief und sich vor ihr aufbaute, damit die Elfe nicht einfach lief, beobachte Nele sie. Es wunderte sie, dass Arya so offen zu ihr gesprochen hatte, hingegen sie aber Eragon diese Offenheit verwehrte.

Die Dämmerung wich bereits der Nacht, als Arya die Gefährten vom Fluss Edda fort zu einen Pfad führte. Der schmale Pfad führte sie in den dichten Wald. Entlang des Pfades schlängelten sich prächtige Rosenbüsche. Die Rosen blühten und leuchteten im Licht des aufgehenden Mondes blutrot. Durch vereinzelte lichte Baumkronen weit über ihren Köpfen, schien das Mondlicht und zeigte ihnen so den Weg. Während Arya sie in die richtige Richtung führte, sahen sich die Drachenreiter neugierig um. Sie mussten nicht weiter von der Elfenstadt Ceris sein. Ihre Umgebung schien wie aus einen Traum. Die Hände fest um die Zügel von Schneeweiß, stellte sich Nele im Sattel auf, um sich besser um zu sehen. Auch Eragon war fasziniert. Ich spüre den uralten Zauber! Er ist überall um uns. Wir wandeln durchs Elfenreich.., meinte Stac ehrfürchtig, wenn auch aufgeregt. Saphira pflichtete ihr zu und schwenkte den Kopf umher. Die Gruppe gingen weiter, bis sie auf eine Wiese kamen, dort blieb Arya stehen. „Hier machen wir halt“, ließ sie wissen und ging selbst aber noch weiter, bis sie im hohen Grass stand. Arya hob ihre rechte Hand und rief in der alten Sprache: „Tretet vor meine Brüder! Ich bin Arya aus Ellesméra und ihr hab nichts zu befürchten. Meine Gefährten sind Freunde und Verbündete. Sie wollen kein Leid bringen“. Nele und Eragon verstanden diese Worte, nur die sie danach noch sagte, kannten sie nicht. Es blieb einige Minuten ruhig, bis es raschelte und wie aus dem Nichts standen zwei Elfen am Rand der Wiese, bei sich trugen sie Pfeil und Bogen. Noch zwei weitere Elfen kamen hinter einer Eiche zum Vorschein, sie hielten Sperre mit weißer Spitze in den Händen. Alle vier trugen grüne und braune Gewänder und darüber fließende Umhänge, die über den Schulter mit einer Elfenbeinfarbenden Brosche befestigt waren. Einer der Elfen hatte die selben schwarzen wilden Haare wie Arya. Von den anderen drei schienen die glatten silbrigen Haare im Mondlicht wie Sterne. Keiner der Elfen rührte sich, bis der Elf mit dem schwarzem Haar, einen Schritt vor trat. Danach kamen die restlichen dazu. Gemeinsam stürmten sie lachend auf Arya zu und umschlungen sie in einer herzlichen Umarmung. Zu sehen wie Arya freudig auf und an hüpfte überraschte die Drachenreiter. Besonders Eragon sah ihnen beinah entgeistert zu. Arya hatte ihnen gegenüber nie den Anschein vermittelt, dass Elfen gerne lachen würden. Doch nun taten sie es und es das schönes Lachen welches er je gehört hat. Die hellen Stimmen der Elfen, formten sich wie der Klang einer melodischen Flöte. Ihre Gelächter verstummte, als Saphira und Stac an geflogen kamen und zum laden ansetzten. Erschrocken wichen sie zurück und hoben die Waffen. Arya sprach beruhigt auf sie ein und zeigte dann auf Nele und Eragon, welche immer noch weit weg standen. Arya winke sie zu sich und die Drachenreiter liefen auf sie und die vier Elfen zu. Als sie bei ihnen ankamen steiften sich Nele und Eragon, wie eine Person den Handschuh ab und zeigten ihre Gedwey Ignasia, ihr Mal, welches sie als Drachenreiter kennzeichnete. Das sonst schon silbrig schimmerte Mal, strahlte im Mondlicht noch mehr. „Eka aí Fricai un Shur´tugal“, sprach Eragon zu erst und Nele wiederholte die Worte, die sie als Freund und Drachenreiter betitelten, nach ihn. Gleich danach führte Nele ihre Fingerspitzen an die Lippen und fügte hinzu:„Atra Esterní ono thelduin“. Eragon tat es ihr gleich. Darauf hin ließen die Elfen ihre Waffen sinken und ihre scharfen Züge wurden wieder freundlich. Auch sie führten die Fingerspitzen an ihre Lippen, verneigten sich vor ihnen und ihren Drachendamen und begrüßten sie in der Alten Sprache. Danach begrüßten sie auch die Zwerge und winkten ihnen zu. „Kommt, Kommt. Folgt uns“, sagten sie lachend und wanden sich den Wald hinter ihnen zu.
Sie folgten den Elfen erneut in den dunklen Wald, bis sich vor ihnen ein kleines Feuer auftat. Als sie näher kamen, erkannten sie drei Hüten unter einer stämmigen Eiche. In der Baumkrone war aus Ästen eine Plattform zu erkennen, von der man Aussicht halten konnte. Die vier Elfen holten aus den Hüten Früchte und Obst, wie Arya es ihnen in Targag sagte gab es kein Fleisch. Während die Elfen fröhlich und summend eine warme Mahlzeit für ihre Gäste zu bereiteten, stellte der schwarzhaarige sie vor. „Ich bin Lifaen aus dem Haus Rilvenar. Die Namen meiner Gefährten sind Edurna, Celdin und Narí“. Dankend nahmen Nele und Eragon am wärmenden Feuer platz. Hinter ihnen machten es sich die Drachendamen bequem. Genau so fasziniert wie ihre Reiter beobachteten sie die vier Elfen. Diese sahen obwohl sie allesamt Männer waren, Arya sehr ähnlich. Sie waren hoch gebaut, schlank und ihre Bewegungen perfekt ausbalanciert. In diesen Volk steckt viel mehr Magie als in den Menschen oder Zwergen, meinte Saphira und verfolgte jede Bewegung neugierig. Sie sind sehr anmutig, stimmte Eragon ihr zu. Die wärme des Feuer machte Nele nach ihren langen Ritt müde. Gemütlich kuschelte sie sich näher an ihre Drachendame. Wir sind die ersten Fremden seit so langer Zeit im Reich der Elfen..., dachte sie schläfrig. Nach einiger Zeit war das Essen fertig und Nele nahm die aus Holz geschnitzte Schale entgegen. Ebenfalls reichte man ihr und Eragon einen Krug gefüllt mit Stachelbeerenwein. Narí der größte der silberhaarigen Elfen blieb vor Nele stehen und sprach zu ihr in der Alten Sprache. Nele verstand die schnellen und unbekannten Worte nicht und sah hilfesuchend zu Arya, welche seitlich von ihr saß. Narí bemerkten ihren Blick und neigte entschuldigend seinen Kopf. „Ich nannte dich Airahen, wegen deines Auges Nele Argentlam“, sprach er mit Akzent, der aber sehr weich klang. Wegen meinen Auge?, fragte sich Nele verwundert. „Airahen bedeutet sehr schlicht übersetzt rotes Auge oder Blutauge“, erklärte Arya und fügte hinzu, „es ist ein Beiname, wie Argetlam oder Schattentöter“. Nele deutete stumm ein Nicken an, denn sie wusste nicht was sie erwidern sollte. Der Elf Narí nickte zurück und ging weiter. Nele Airahen Argetlam..., schnurrte Stac langsam und Nele stieß ihr leicht gegen die Schuppen. Hör auf!, meinte sie beschämt, ich möchte diesen Namen nicht. Es ist nicht ruhmreich durch die Luft geschleudert zu werden und sich dabei fast den Kopf zu zerschlagen. Neles Drachendame wurde wieder ernst: Dennoch, gehört es nun zu dir. So wie der Titel Argetlam oder Schattentöter. Titel beschreiben Taten und Misserfolge gleichermaßen. Nele zuckte kaum sichtbar mit den Schultern. Vielleicht setzt sich der Name ja nicht durch. Wir werden sehen. Nachdem alle eine Schüssel mit Eintopf bekommen hatten, fingen sie an zu essen. Während sie aßen holte Lifaen eine Flöte hervor und begann elegante Töne auf ihr zu spielen. Narí erhob seine Stimme und setzte ein Lied an. Die erste Strophe handelte davon, wie Sorgen, Trübsal und Feinschaft sich mit Lachen hinfort jagen ließen. Die darauf folgenden Strophen ließen Neles Atem stocken. Narí sang von einen Waldkind, welches verloren war, eine Tochter des Baumes, gefangen im Unheil. Von einen Reiter, der den Schatten besiegt und Drachen, der Stolz aller Lüfte, welche den Frieden brachten. Eragon war ebenso erstarrt wie sie, nicht nur handelte sein Lied von ihnen beiden, sondern war seine Gesangsstimme war unvergleichlich schön. „Das war unglaublich, Narí Vodhr“, sagte Eragon. „Es ist noch nicht fertig komponiert, aber besten Dank, Argetlam Schattentöter“. Neles Herz raste: „Wie kamt ihr auf die verlorene Tochter?“. Ihre Wangen glühten, denn sie füllte sich mit seinen Liedzeilen ertappt. Sie fand sich in ihnen wieder, nur konnte der Elf dies unmöglich wissen. Narí antwortete nach kurzen überlegen. „Die Tochter des Baumes ist eine sehr beliebte Metapher in unseren Liedern und Gedichten. Ebenso wie das verlorene Waldkind“. Nele nickte ernüchtern, möglicherweise hatte sie zu viel hinein interpretiert. Schließlich war sie immer noch müde und erschöpft, wenn auch satt. „Meister Elf“, grunzte Thorv, „ Es gibt wichtige Dinge zu besprechen. Sollen wir Eragon und Nele von hier aus noch weiter begleiten?“. „Nein, dass müsst ihr nicht“, platze Arya schnell heraus, zur Überraschung der anderen Elfen. „Ihr könnt morgen früh nach Hause zurück kehren. Wir werden von nun dafür sorgen, dass die Reiter Ellesméra erreichen“. „Dann ist unser Auftrag ausgeführt“.

Am nächsten Morgen lag ein tiefgehender Geruch von Blätter und Bäumen in der Luft. Thorv und seine Gefährten waren fertig für ihre Rückreise. Nele und Eragon verabschiedeten sich von ihn und jeden der Zwerge einzeln. Als sie letztlich wieder bei Thorv stand wünschten sie ihnen eine gute Heimreise und richteten Grüße an Undin aus. „Die Elfen sind ein merkwürdiges Volk“, warnte der Zwerg leise, „nehmt euch vor ihnen in acht“. „Wir werden es uns merken“, versicherte Eragon ihn. Thorv deutete auf Schneeweiß und Cadoc. „Was werdet ihr mit ihnen machen? Die Elfen haben vor den Eldor-See mit Kanus zu überqueren, da könnt ihr sie nicht nehmen. Wenn ihr es wollt, nehmen wir sie mit nach Tarnag zurück und von dort aus nach Tronjheim“. Eragon schnaubte unglücklich. Damit hatten er und Nele nicht gerechnet. Im Gegenteil, sie hatten sich gedacht in Ellesméra die Orte zu Pferd zu erkunden, die für Drachen schlichtweg zu eng waren. „Das wäre ein sehr freundliches Angebot. Könntest du bitte dafür sorgen, dass sie gut versorgt werden?“, erwiderte Nele während sich immer noch übers Gesicht fuhr. Throv schlug sich an die Brust: „Bei meiner Ehre“. Somit gaben Nele und Eragon die Zügel an die Zwerge und zusammen mit ihren Drachendamen und Orik winkten sie der Gruppe Zwerge hinterher, bis diese außer Sichtweite waren. Die Elfen riefen zum Aufbruch und Nele und Eragon holten ihr Gepäck aus den Hütten. Gemeinsam folgten sie den Elfen durch das Dickicht zum Flussbett. Dort wiegten zwei weiße Kanus sanft den leichten Wellen des Flusses Edda, welcher später in den Edor-See mündete. Die Drachendamen sprangen freudig in den See und wirbelten das Wasser auf. Narí und Lifaen lobten sie dafür. Nach seiner Lobpreisung sprang Narí als erster in eines er beiden Kanus und nahm Nele ihr Gepäck ab, welches er unten den Sitzbalken verstaute. Mit einen Sprung landete Nele im Kanu und bestaunte die detaillierten Verzierungen an der Außen und Innenseite. Hinter ihr stieg Arya auf Kanu. Eragon, Orik und Lifaen stiegen in das zweite. Arya wandte sich zu Edurna und Celdin, die am Ufer stehen geblieben waren um und sagte: „Sagt niemanden das wir hier sind. Niemand soll uns folgen. Die Königin soll es als erstes erfahren“. „Arya Dröttningu“. „Mögen die Stern über euch wachen!“, erwiderte sie. Dröttningu? Was bedeutet das?, fragte Eragon verwundert und auch Nele konnte sich nicht an diese Anrede erinnern. Arya hatte diese ihnen nicht beigebracht. Nele sah zu Eragon im anderen Kanu und deutete ein zucken mit den Schultern an. Narí erklärte Nele wie man paddelte, auch Eragon bekam von Lifaen eine Unterweisung. Nach einigen Versuchen, gelang es ihnen gleichermaßen und die Fahrt über den Edor-Sees konnte beginnen.

Die beiden männlichen Elfen waren eine herrliche Reisegesellschaft, sie sangen und lachten unterbrochen. Wenn Narí der mit Nele und Arya in Kanu saß ein Lied begann, schloss sich Lifaen vom anderen Kanu mit Vergnügen an. Sie lenkten die Kanus mit ausrechnenden Sicherheitsabstand von einander. Besondere Aufmerksamkeit galten Saphira und Stac. Die Elfen waren sich um kein Kompliment zu schade. Sie bewunderten ihre Größe, ihre Flüge, die Farbe der Schuppen, die wie sie es nannten „Spiegel des Meeres“ oder die Farbe des Himmels wieder spiegelten. Jeder Vergleich wurde gezogen und zu gestimmt. Die Drachendamen genossen die Komplimente sichtlich und zeigten sich im Wasser von ihrer besten Seite. Sie schwammen flink, sprangen herum, streckten die Hälse oder die Flügel. Wenn die Elfen nicht mit ihren blumigen Ausrufen und Wortspielen die Drachendamen lobten, schwiegen sie und sahen sich zufrieden ihre Umgebung an. Sie waren so verschieden von Arya und während Eragon sich darüber wunderte und Nele nach ihre Meinung dazu fragte, spielte diese einfach mit und wunderte sich mit Eragon zusammen. Das Arya einen schweren Verlust erlitten hatte, war ihr Geheimnis. Doch Nele war zuversichtlich, dass Arya auch Eragon ein mal davon erzählen würde. Nele gab das Paddel an Arya, um eine Pause ein zulegen und sich die Arme auszuschütteln. Sie trank einen großen Schluck aus ihren Wasserschlauch und sah zu Eragon und Orik, die gerade angeregt mit Lifaen sprachen. „Sag mir bitte Nele Airahen, wovon singen ihr Menschen in diesen Tagen? Wovon handeln eure Gedichte, Balladen und Lieder? Ich hörte einst herrliche Lieder über eure Fürsten und Könige, doch das ist lange lange her und meine Erinnerung an diese Worte gleichen verwelkten Blumen“, riss Narí Nele aus ihren Gedanken. Angestrengt versuchte Nele sich an die Geschichten zu entsinnen, welche Brom ihnen auf ihrer gemeinsamen Reise erzählt hatte. Auch erzählte sie von den Lieder aus den verschieden Tavernen in denen sie waren. Traurig schüttelte Narí den Kopf: „Es ist so viel verloren gegangen..welch eine Schande. Wenn du die Wahrheit sprichst, dann hat Galbatorix all die bedeutenden Lieder verboten und nur die belanglosen sind geblieben“. Nele rückte sich zurecht, denn sie hatte eine Frage. „Versteht mich bitte nicht falsch, aber spielt das denn eine Rolle? Es geschehen so furchtbare Dinge und ihr sorgt euch um die Lieder?“. Nele befürchtete einen bösen Blick von Arya, doch diese blickte ins Nichts. Narí sah Nele intensiv an. „Tut es, Nele Airahen, tut es. Eure Lieder, Gedichte und Balladen sind eure Vergangenheit und Kultur. Ich verstehe deine Fragen, den ihr Menschen seid so kurzlebig. Euch beschäftigt der Erhalt solch kostbarer Kunst nicht so sehr, den vor ihr könnt ihr nicht leben. Die Zeiten sind furchtbar ja, doch nun haben sich gleich zwei Drachenreiter und ihre Drachen erhoben und dies bedeutet ein Umbruch. Ich wünsche mir, ihr Menschen würdet eure Vergangenheit mehr schätzen, dann würdet ihr die selben Fehler nicht wiederholen“. Neles Wangen konnten nicht noch mehr vor Scharm brennen, langsam senkte sie den Kopf. „Entschuldige meine Frage“. Doch Narí schüttelte munter den Kopf: „Entschuldige dich nicht dafür Fragen zu stellen. Nur durch fragen lernen wir dazu und dies ist der wohl wichtigste Prozess in einen jeden Leben. Was wir wissen, kann man nicht nehmen“. Nachdenklich sah Nele aufs Wasser. Doch kann man.. Stacs Geist rückte nahe an Neles. Bei den Elfen wird man dir sicher helfen können... Doch Nele blieb unsicher. Wir haben sie alle belogen..Die Elfen können wir nicht belügen, sie sind doch keine Narren! Sie vertrauen uns und ich belüge sie nach Strich und Faden. Ich kann nicht mehr.. Hätte ich es doch schon Ajihad erzählt.. oder wenigstens Nasuada. Sie, Arya und Orik, sie haben mir Vertrauen geschenkt und wie bedanke ich mich? Mit Lügen! Mit jeden Tag schließt sich die Schlinge enger um meinen Hals. Selbst Murtagh habe ich belogen..sogar ihn. Es platze aus ihr heraus ohne das sie über ihre Worte nach dachte. Stac war irritiert. Du wolltest es niemanden sagen! Dies war dein Wunsch und wir haben uns gefügt. Für einen Moment schloss Nele die Augen, sie wusste es selbst nicht. Wie würden die Elfen oder Nasuada reagieren? Die Angst davor es heraus zu finden war zu groß. Würde sie verstoßen werden? Oder für geisteskrank erklärt? Du hast Angst, aber so etwas würde nicht passieren!, meinte Stac aufgebracht. Niemand würde es wagen dich weg zu sperren. Außerdem sind die Elfen ein intelligentes Volk, ihre Erfahrung mit Amnesien und Gedächtnisverlusten übersteigt sicher die der Menschen. Vor ihnen musst du keine Angst haben. Dieser Osthato Chetowä und Togira Ikonoka, wer glaubst du sind sie?, fragte Nele. Die Drachendame überlegte einen Moment. Möglicherweise jemand der uns helfen kann. Möglicherweise..

Den See Eldor ließen sie nach ein paar Tagen hinter sich und ihre Fahrt führte sie weiter über den Gaena, der in den See Ardwen mündete. Nachdem die Kanus gegen Elfenpferde getauscht wurden, ging ihre Reise durch den Du Weldenvarden auf ihnen weiter. Je tiefer sie ins Herz des Waldes vordrangen, um so größer und umfangreicher wurden die Bäume. Die Baumstämme allein, waren größer als jeder Baum im Buckel und im Beor-Gebirge. Arya erklärte ihnen, dass dies die Nähe zu Ellesméra bedeutete. „Diese Kiefer gehören zu den ältesten Lebewesen in Alagaesia. Die Elfen haben sie seit ihrer Ankunft in Du Weldenvarden alles daran gesetzt sie zu beschützen. So konnten sie weiter sprießen und gedeihen. Wir sind weit miteinander gereist Nele und Eragon. Nun betretet ihr meine Welt, passt auf wo hin ihr seht, alles ist durchdrungen von alten Erinnerungen und nichts ist wie es scheint“, sagte Arya und ihre Haut strahlte in der schummrigen Umgebung plötzlich heller als sonst. Sie kommt nachhause, erkannte Nele wehmütig, ob sie sich darüber freut? Die Welt um sie herum schien zu schlummern und wollte nicht aus seinen Schlaf erwachen, bis sich gegen Nachmittag plötzlich ein gleißendes Licht vor ihnen auftat. Im Lichtstrahl stand ein Elf in fließenden Gewändern und auf dem Kopf ein Silberreif. Er sah zu ihnen, sein Blick war erhaben und alt. Arya gab Nele und Eragon einen kurzen Stoß: „Zeigt ihn eurer Handflächen und du Eragon auch den Ring“. Eragon streifte seinen Handschuh ab und entblößte so Broms Ring und seine Gedwey Ignasia, Nele tat es ihn gleich. Der Elf lächelte und breitete seine Arme zu einen Willkommensgruß aus. „Der Weg ist frei“, sagte Arya und lenkte ihr Ross an dem Elf vorbei. Nachdem sie alle den Elf passiert hatten, klatschte dieser in seine Hände und verschwand zusammen mit den Lichtstrahl. „Wer war das?“, fragte Nele. Arya antwortete: „Das war Gilderien der Weise, der Prinz des Hauses Miolandra, Träger der Weißen Flamme von Vándil und Hüter von Ellesméra seit Tages Du Fyrn Skulblaka, unseren Krieg gegen die Drachen. Niemand darf die Stadt ohne seine Erlaubnis betreten“. Während sie ritten erkannten die Reiter um sie herum leichte mit der Natur verschmolzene Wege. Zweige, Äste und Blumen wuchsen angeordnet neben den Wegen her. Was Nele und Eragon von weiten aus noch als knotenartige gewachsene Bäume hielten, entpuppten sich als elegante Baumhäuser, die direkt aus den Stämmen herauswuchsen. Die meisten Baumhäuser waren sechsstöckig und die obere Etage doppelt so groß, wodurch sie an Pilze erinnerten. Viele der Baumhäuser waren mit Hängebrücken aus Ästen miteinander verbunden. Jedes der Gebäude verschmolz vollkommen mit seiner Umgebung, so das man nicht erkennen konnte, was künstlich und was natürlich gewachsen war. Statt ihre Umwelt zu zerstören, fanden die Elfen einen Weg die Welt so zu akzeptieren wie sie war und sich ihr anzupassen. Nach und nach kamen die ersten Elfen in Sicht. Die Frauen trugen ihre Haare offen. Geschmückt mit frischen Blumen, wallten sie silbrig oder schwarz ihre Rücken wie ein Wasserfall hinab. Sie besaßen eine zarte und marklose Schönheit, die nicht nur Eragon in faszinierte. Die Männer waren ebenso auffallend, mit ihren hohen Wangenknochen und die feinen Nasen. Beide Geschlechter trugen schlichte grüne und braune Wämser, darunter gelbe, orange oder goldene Stoffe. Nele und Eragon fuhren ihre Fingerspitzen an ihre Lippen und grüßten die Elfen. Die Elfen verneigten sich, lächelten, lachten und begannen ein Lied zu singen. Sie sangen in der Alten Sprache doch die Worten waren den beiden Drachenreitern fremd. Das Lied und die Elfen begleiteten sie, als Arya sie einen Pflastersteinweg entlang führte. Die Elfen tänzelten um die Neuankömmlinge herum, sangen und lobpreisten die Drachendamen. Das Gelächter der Elfen war ansteckend, so lächelte Nele glücklich und überwältigt den Elfen hinterher. Hier könnte ich leben, meinte Eragon glücklich und Nele pflichtete ihn bei. Ellesméra war mit Abstand die schönste Stadt in der sie in ihrer bisherigen Reise geführt hat. Versteckt im Du Weldenvarden, in Sicherheit vor dem Rest der Welt. Der Weg den sie beritten, endete in einem Gewirr aus ineinander verschlungenen Wurzeln, die stufenartig auf eine Tür hinaufführten. Die Reisenden stiegen von ihren Rössern. Als die Tür sich öffnete kam dahinter ein Raum voller Bäume zum Vorschein. Auf den Bäumen saßen vierundzwanzig würdevolle Elfen beides Geschlechts. Sie alle sahen weise und gleichermaßen schön aus. Sie beugten sich vor, als Arya und die Drachenreiter näher kamen. Am Kopf der Versammlung stand ein weiser Pavillon, unter dem ein Thron aus knorrigen Baumwurzel stand. Darauf saß die Elfenkönigen Islanzadi. Ihre Schönheit glich einen Sonnenuntergang im Herbst, stolz, mit dunklem schräg stehenden Augen, zartroten Lippen und mit nachtschwarzem Haar, welche unter einen Diamantdiadem zusammen gebunden waren. Ihr Gewand war purpurn, ein Gürtel aus geflochtenen Gold wandte sich um ihre schmeichelten Hüften. Um ihre Schulter ruhte ein samtener Umhang, welcher mit einer Brosche geschlossen war. In ihrer linken Hand hielt sie ein Zepter mit Querstück, auf dem ein weiß schimmernder Rabe saß. Dieser legte den Kopf schräg und krächzte: „Wydra!“. Arya ging als erste auf die Knie nieder und verneigte sich. Dann folgten Nele, Eragon, Orik, Lifaen und Narí. Sogar die beiden Drachendamen erwiesen Königen Islanzadi den Respekt und neigten ihre mächtigen Köpfe. Die Königin erhob sich elegant und schritt den Thron herab. Hinter glitt der Umhang die Stufen hinunter wie flüssiges Gold. Sie blieb vor Arya stehen und legte ihre zitternde Hand auf ihre Schulter: „Erhebe dich!“. Arya tat dies und die Königin musterte sie lange. Schließlich schloss Königin Islanzadi Arya in die Arme und seufzte: „Oh meine Tochter, ich tat dir Unrecht“.

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