Eragon - Das Mädchen ohne Erinnerungen

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Arya Brom Eragon Murtagh OC (Own Character) Saphira
07.07.2018
25.09.2020
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16.10.2019 3.661
 
Teil 46 Das schwarze Ufer
*Rauchen schadet nachgewiesen der Gesundheit*

Der nächste Morgen brauch ohne befürchtete Auseinandersetzungen an. Noch bevor die Sonne hinter den Bergen auftauchte, machten sich die Drachenreiter, ihre Drachendamen, Orik und Arya in Begleitung von Undin und seinen Wachen auf den Weg zum See im Tal. Undin war besonders vorsichtig, so befahl er seinen Wachen, ihre Waffen in Stofftücher zu binden, damit die Bewohner sie nicht hörten. Auch sollten Nele und Eragon die Krallen ihrer Drachendamen und die Hufe ihrer Pferde verbinden. Sie schlichen über die Terrassen den Berg hinunter, bis sie an einer Mauer ankamen. Das graue Wasser des Sees schwappte ruhig vor sich hin. Am Steg waren zwei längliche, dennoch breite Flöße fest gebunden. Die Zwerge die sie begleiten sollten, waren schon fertig mit dem beladen. Sie halfen Nele und Eragon Cadoc und Schneeweiß zu beruhigen und deren Augen zu verbinden. Mit vereinten Kräften führten sie die Pferde auf eins der Boote, zwangen sie auf die Knie und banden sie zu ihrer eigenen Sicherheit fest. Stac und Saphira sprangen unberührt in den See, nur ihre langen Hälse und Köpfte lugten aus dem Wasser. Undin trat mit Nele und Eragon zur Seite. „Hier endet nun euer Besuch in meiner Stadt. Ich bedaure, dass euer Aufenthalt vom kurzsichtigen Hass der Az Sweldn rak Anhiun verdorben worden ist. Ihr habt meine besten Krieger an eurer Seite, sie werden euch schützen, bis ihr den Du Weldenvarden erreicht“. Nele und Eragon dankten ihn. Dann stiegen sie zusammen mit Orik und Arya auf das erste Floß, kurz darauf wurden die Taue los geschnitten und während sie auf die ferne Mündung des Az Ragni zu trieben, wurde es zwischen den Berger heller.

Auf jeden Floß gab es in der Mitte eine kleine aber recht geräumige Kabine, in der man sich aufhalten konnte. Nele und Eragon bevorzugten es aber, draußen an der Vorderseite ihres Floßes zu sitzen. Schweigend bewunderten sie das vorbei ziehende Beor-Gebirge. An den Ufern standen vereinzelte Buchen und Weidenbäume. Vögel kreisten über den weiten Flusslauf, ihre Federn schimmerten in der Sonne eisig. Nele saß auf einer Bank an den Stämmen der Kabine gelehnt im Schneidersitz, immer noch mit einer Decke um den Schultern. „Es ist wunderschön nicht?“, sagte Orik als er sich zu ihnen gesellte. „Ist es“. Der Zwerge holte eine Pfeife aus seiner Tasche und zündete diese an. Paffend nahm er nehmen Nele platz und bot ihr seine Pfeife an. Diese nahm zögernd einen Zug, doch hustete diesen sofort wieder aus. Der rauchige Geschmack des Tabaks lag ihr schwer auf der Zunge. Mit verzogenen Gesicht streckte sie Orik die Zunge raus. Dieser prustete vor lachen und hielt die Pfeife Eragon hin, auch dieser verschluckte sich am Rauch und hustete. „Ach, ihr werden den Geschmack noch zu schätzen wissen. Der Tabak ist aus den Höhen des Beor-Gebirges, von einer Pflanze die nur von den Zwergen verwendet wird“. Nele nickte, doch spülte bereits ihren Mund mit Wasser aus. „Wie kommt es eigentlich das Hrothgar dich mit uns geschickt hat? Hast du als sein Erbe nicht andere Pflichten?“, frage Eragon. Orik zog lang an seiner Pfeife. „Hast du vergessen das er mir aufgetragen hat auf euch auf zupassen?“. „Das galt nur während unseren Aufenthalt bei den Varden, dachte ich“, erwiderte Eragon. „Nein, nein. Ich diene nicht nur als Repräsentant Hrothgars, sondern auch als euer Freund. Bei den Elfen werdet ihr abgesehen von euch selbst niemanden kennen. Die Gebräuche und das Verhalten werden auch fremd sein. Es ist nur vom Vorteil einen Freund dabei zuhaben. Außerdem sind wir mehr als Freunde, wir sind Geschwister!“. Zustimmend faltete Nele die Decke zusammen. „Es ist eine große Ehre das er seinen Sohn mit uns schickt“. „So gesehen bin ich nicht sein echter Sohn“, gestand Orik plötzlich, „er hat mich vor vielen Jahren voller Güte bei sich aufgenommen“. „Deine Eltern sind tot?“, fragte Eragon vorsichtig. „Ja, sie starben am Pockenfieber als ich noch sehr klein war. Da Hrothar selbst keine Kinder hat, nahm er mich zu sich und machte mich zu seinen Erben“. „Das war ausgesprochen gütig von ihn..“. Als es dunkler wurde, stellten die Wachen flammenlose Laternen in die Ecken der Flöße, welche rötlich schimmerten. Eragon stand bei Arya und versuchte ihre weniger erfolgreich Antworten über die Elfen zu entlocken. Nele saß immer noch auf der Bank und beobachtete ihn dabei. Sehr zu Eragons Leidwesen, war Arya nicht gewillt ihn etwas zu verraten. Nele widmete sich wieder der kleinen Holzschale, die auf ihren Schoß stand. Tief einatmet legte sie ihre Hände erneut um die Schale, löste ihren Geist und flüsterte: „Draumr kópa“. Das Flusswasser in der Schale erwachte zum Leben. Es vibrierte, schlug kleine aber hektische Wellen und färbte sich tiefschwarz. Ernüchtert und müde sah Nele ihn ihr eigenes Gesicht, welches sich auf der Oberfläche spiegelte. Es war ihr zweiter Versuch gewesen Murtagh, mit der Traumsicht ausfindig zu machen. Eragon hatte ihr schon nach seinen Verschwinden davon abgeraten und ihr angeboten es allein zu versuchen. Eragon wollte Nele den Anblick seines möglicherweise leblosen Körpers ersparen. Da aber auch er, wie Arya nur schwarz sah, hatte Nele sich vorgenommen es selbst zu versuchen. Regungslos löste sie die Traumsicht auf und das tiefschwarze wich den klaren Wasser. Sie würde nicht aufgeben, sie durfte es nicht. Fürs erste stellte Nele die Schale ab, griff nach der Decke und stand auf. Seit ihrer Abreise aus Tarnag hat sie sich kaum bewegt. Mit ausdrucksloser Miene lief sie übers Floß und machte bei den Drachendamen halt, welche zwischen den beiden Flößen schwammen. Orik und Undins Wachen hatte sie darum gebeten, nicht umher zu fliegen. Eragon fand diese Bitte ungerecht, er wollte sich von den Zwergen nicht vorschreiben lassen, wann sie fliegen durften. Doch Orik gab schlichtend zu bedenken, dass Undins Wachen ihr Leben für die Reiter geben würden, da sie geschworen hätten sie auf dieser Überfahrt zu beschützen. Vorsichtig kam Stac so nahe ans Floß geschwommen, wie es für sie möglich war. Sei vorsichtig!, warnte Stac als sie sah, was Nele vor hatte. Wacklig sprang diese in den Sattel auf Stacs Rücken. Halt du nur still! Ich möchte nicht ins Wasser fallen, entgegnete Nele etwas heiterer. Die Nähe zu ihrer Drachendame half ihr, ihr schweres Herzen zu ertragen. Ordentlich faltete Nele die Decke neu und platzierte sie auf den scharfen blauen Schuppen die der Sattel nicht abdeckte. Danach drehte sie sich im Sattel und legte sich rücklings hin. Mit den Kopf auf der Decke, die Hände sicherheitshalber fest am Sattel, schloss Nele die Augen und genoss die sich zurückziehende Mittagssonne.

Als sie für die Nacht halt machten, half Nele Thorv den Aufbau der Zelte zu koordinieren. Eragon half den Zwerg Ekksvar Schneeweiß und Cadoc ans Land zu bringen, diese ließen sie dann auf einer saftigen Wiese grasen. Arya hielt am Lagerrand wache. Die Zwerge Hedin, Ama und Duthmér sorgten für Feuerholz und warme Speisen. Als sie mit ihren Aufgaben fertig waren, gesellten sie sich zu Arya. Für Nele und Eragon gab es keine Aufgaben, so setzten sie sich zu Orik und den Zwerg Shrrgnien ans Feuer. Behutsam schlürfte Nele an den frisch zubereiteten Eintopf, während sich Eragon neidvoll mit Shrrgnien über dessen Ascudgamln, Stahlfäuste unterhielt. Selbst für die Knurlan war es eine gefährliche Operation, Löcher in die Knöchel zu bohren um stählerne Nieten in ihnen zu befestigen, erklärte Orik ihn. Sie verbrachte noch ein wenig Zeit am Feuer, bis Eragon beschloss sich ihn ihr gemeinsames Zelt zurück zu ziehen. Nele blieb bewusst noch am Feuer sitzen, Eragon wollte nach seinen Cousin Roran per Traumsicht sehen. Ihn hatte das Heimweh gepackt und Nele wollte ihn den Moment allein nicht verwehren. Mit den knistern des Feuer verabschiedete Nele sich schließlich auch von den Anwesende. Alle Zwergen saßen zusammen und unterhielten sich, nur Arya und Thorv standen noch am Lagerrand und hielten wache. Mit dem Abend kam die Kälte und Nele beschloss leicht fröstelnd, ohne Arya und Thorv eine guten Nacht zu wünschen in ihr Zelt zu gehen. Eragon sah erleichtert aus, als sie das Zelt betrat. „Roran und den anderen geht es gut?“, schlussfolgerte Nele immer noch fröstelnd. Zügig ging sie zu Eragon und verkroch sich unter einer Decke. Sie schliefen auf den Boden, doch hatten die Zwerge Unterlagen aus robusten Holz, auf denen sie liegen konnten. „Ja, es scheint als hätte er seine Anstellung aufgegeben und ist nach Cravahall zurückkehrt. Aber er sah so nachdenklich aus..ihn beschäftigt etwas“, murmelte Eragon schon fast ein gedämmert. Nele wollte noch antworten, doch überkam sie die Erschöpfung und kurz danach der Schlaf. Eragon schlief in die Nacht ohne Zwischenfälle, bis ihn kurz vor dem erwachen eine Vision heimsuchte. Auch wenn Eragon sich nicht sicher wie, konnte er sagen, dass dies kein gewöhnlicher Traum war.

Der Himmel war schwarz, Pfeile folgen auf das Schlachtfeld nieder. Ein junger Mann lag im Schlamm, sein Gesicht verdeckt durch seinen Arm. Ein weitere Personen flehte, doch verstand er die Worte nicht. Ein Paar mit Stahl verstärke Stiefel, standen etwas abseits des Jungens im Schlamm. Dann schob sich eine gepanzerte Hand in sein Sichtfeld, welche mit endgültiger Geste auf den Jungen im Schlamm deutete. Eragon konnte die tobende Schlacht hören, das klirren von Schwertern und die Schreie von Verwundeten.

Noch mit der Vision im Kopf, verließ Eragon das Zelt. Neles Platz hatte er leer vorgefunden, die Decke ordentlich zusammen gelegt. Als er aus den Zelt trat, versuchte er zuerst Saphira zu finden. Dazu ließ er seinen Geist schweifen. Diese war mit Stac nicht weit entfernt vom Lager jagen. Eragon berichtete ihnen von seiner Vision und steuerte währenddessen auf Nele, Arya und Orik zu. Nele saß Arya gegenüber, als die Elfe die Lagen des Verbandes entfernte. Thorv und die restlichen Zwerge hatten sich zu den Floß zurück gezogen und begannen bereits mit den Vorbereitungen für die Weiterfahrt. „Guten Morgen, Stiefbruder“, grüßte Orik ihn zu erst, sein gepackter Rucksack stand bereits neben ihn. Eragon überraschte die rasche Aufbruchstimmung, so lange konnte er doch nicht geschlafen haben oder? Arya entfernte den letzten Streifen Stoff, der Neles Auge verdeckte und Eragon setzte sich gespannt neben sie. „Versuch dein Auge zu öffnen“, sagte Arya und legte die Verbände zur Seite. Eragon beobachtete wie Nele zögerlich versuchte ihr linkes Auge aufzuschlagen. Die Schwellung war deutlich zurück gegangen, dennoch umgab ein gewaltiger Bluterguss ihr Auge. Nele blinzelte erleichtert, auch wenn ihr Augapfel Blut gefärbt war, konnte sie sehen. Geduldig ließ Nele Arya den Rest ihres Gesichts und die Narbe am Haaransatz begutachten. Zufrieden nickte die Elfe: „Die Schwellungen werden abheilen und das Blut im Auge wird verschwinden“. Dann stand Arya auf und verließ sie. Orik lehnte sich in Neles Sichtfeld und pfiff beeindruckt aus. „So schlimm?“, fragte Nele und wandte sich zu Eragon zu. Dieser schüttelte den Kopf, doch studierte das rote Auge genau. Im Schwarz ihrer Iris, spiegelte er sich. Stürmisches Blau schlang sich um die schwarze Mitte, welches wiederum von der blutroten Welle verschlungen zu werden schien. Sein schweigen und starren, wirrten Nele. Ruckartig stand diese auf um ans Ufer zu gehen. Als Eragon ihr hinterher gehen wollte, kam Arya zurück. „Du sahst aus, als wolltest du etwas sagen“, stelle sie trocken fest. „Ich hatte im Schlaf eine Vision“, antwortete er und Arya blickte interessiert auf. Er erzählte ihr detailliert von der Situation. „Kann es eine Traumsicht gewesen sein, wie als ich dich sah?“. „Nein, das war keine Traumsicht. Ich habe seitdem viel darüber nachgedacht, wie du mich in Gil´ead finden konntest. Mein Geist muss in meiner Bewusstlosigkeit nach etwas vertrauten gesucht haben“, sprach Arya langsam. „Zu dem Zeitpunkten kannten wir uns aber nicht“. Arya deutete mit ihren spitzen Kinn zu ihren Drachendamen, die mittlerweile wieder im Lager waren. Saphira bereits im Wasser, Stac am Ufer neben Nele. „Ich habe fünfzehn Jahre ihr Ei begleitet. Mein Geist muss diese Verbindung gesucht haben“. „Es ist unglaublich wie viel Kraft dich das gekostet haben muss! Gil´ead und Teirm liegen so weit weg von einander. Aber trotzdem habe nur ich dich gesehen und Nele nicht“, wunderte sich Eragon, „warum habe nur ich Visionen?“. Kurz huschte ein kleines Lächeln über Aryas Lippen, doch es verschwand so schnell wie es gekommen war. „Ich könnte auch vor den Toren Vroengard stehen und mich mit dir so klar unterhalten wie wir es jetzt tun“. Sie machte eine Pause. „Ich kann es mir nicht erklären, warum nur du meinen Hilferuf gehört hast und sie nicht. Dennoch bin ich froh darüber das er erhört wurde. Unter den uralten Völkern waren Visionen und Vorahnungen an der Tagesordnung, vor allem bei Magiekundigen. Möglicherweise ist sie einfach nicht zugänglich für diese Art von Magie. Erzählt sie dir von ihren Träumen?“. Eragon sah zu Nele, die am Ufer kniete und sich in der Wasseroberfläche zu betrachten schien. Wie viel konnte er sagen, ohne Nele zu hintergehen? Es war ihr Wunsch, die Geschehnisse mit Durza geheim zu halten. Doch wie lange wollte sie die noch unbekannte Wahrheit hinauszögern? „Sie ist traurig“, sagte er stattdessen, „in Tarnag hatte sie Art Alptraum“. Auch Arya betrachte Nele, ihr Blick wurde weicher und verständnisvoller. „Es muss sehr schwer für sein, doch du kannst ihr helfen. Neben Stac, bist du die Person die ihr am nächsten ist, unterstütze sie“. Obwohl Eragon seinen Blick nicht von Nele abgewandt hatte, bemerkte er nicht wie sich Wellen im Wasser in der Bucht auftaten und sich das Ufer schwarz färbte. Erst die überraschten Ausrufe der Zwerge, ließen ihn sehen. Er und Arya gerieten in Alarmbereitschaft, während sich das Schwarz Fluss auf- und abwärts drängte. Stac brüllte und Eragon begriff, dass Nele eine Zauber wirkte. Schnell rannten er und Arya los. „Nele! Lös den Zauber“, rief Eragon ihr entgegen doch bekam keine Antwort. Hilflos stieß Stac ihre Reiterin mit ihren Kopf an. Entkräftet fiel ihr Körper in sich zusammen, doch der Zauber wirkte immer noch. Sie reagiert nicht! Tu was!, Stac gab besorgte Laute von sich und drängt immer wieder ihre Schnauze gegen den bewusstlosen Körper. Nur wusste Eragon nicht was er tun könnte. Nele wirkte einen Zauber, den sie selbst beenden musste, sonst entzieht der Zauber ihr die Kraft zum leben. „Stac sagt, sie kann den Zauber nicht lösen“, erklärte er Arya hektisch. Sie beiden knieten nun neben Nele und Eragon griff nach ihrer zitternden Hand. Die Gedwey Ignasia in ihrer linken Handfläche schimmert hell silbrig. „Sie muss sich in der Traumsicht verfangen und kann sie nicht beenden“, schlussfolgerte Arya schnell und blickte zwischen den schwarzen Wasser und Nele hin und her. „Du musst ihr helfen, sonst verletzt sie sich noch“, bat Eragon mit erstickender Stimmte, „das kannst du doch oder?“. Sie wird sterben! Er spürte wie sich das zittern in ihren Körper verstärkte. Angsterfüllt drückte er ihre Hand. Arya strich sich ihre langen schwarzen Haare aus dem Gesicht und positionierte sich an Neles Hinterkopf. Behutsam umfasste sie Nele Kopf, verdeckte mit ihren Händen Neles Ohren: „Ich muss mich konzentrieren“, ließ sie Eragon mit geschlossenen Augen wissen. Während Arya half, begann Neles Auge zu bluten. Der leichte Rinnsal aus Blut floss ihr übers Gesicht wie eine Träne. „Wieso tust du so was?“, fragte Eragon leise. „Er ist tot, es tut mir so leid, doch er kommt nicht wieder“. Mit gläsernen Augen wischte er ihr behutsam das Blut von der Wange. Arya atmete zittrig aus und zog ihre Hände wieder zu sich. Eragon folgte ihren Blick aufs Wasser, das Schwarz zog sich zurück, bis es verschwand. Ein wimmern zog Eragons Aufmerksamkeit von Ufer fort, Nele hatte sich auf die Seite gedreht und zusammen gerollt. Ihr schluchzen ließ Eragon zucken. Ruhig strich er ihr über den Kopf, denn er wollte das sie wusste, dass er da ist. Eragon hätte erwartet, dass Arya aufstehen und gehen würde, doch sie blieb bei ihnen und betrachtete Nele nachdenklich. Stac beschnupperte Nele sacht bevor sie ihr einen zögerlichen Stups gab. „Ich konnte die Traumsicht nicht lösen..“, flüsterte Nele nachdem sie einige male Luft geholt hatte, „ich habe gespürt wie sie mir die Kraft entzieht“. „Es ist sehr kompliziert den Zauber einer anderen Person zu lösen“, sagte Arya kühl, „nur wenige Kundige schaffen das erfolgreich. Deine Unachtsamkeit hätte dir und deinen Drachen das Leben gekostet, du musst vorsichtiger sein“. Mir geht es gut, mach dir um mir keine Sorgen.. Nele rappelte sich beschämt auf. Ihre Wangen brannten und sie konnte kaum den Kopf heben um Arya in die Augen zu sehen, dennoch stammelte sie eine Entschuldigung. „Ich möchte später mit dir reden“, ließ Arya sie wissen und stand daraufhin auf, lief an Orik vorbei der etwas abseits aber mit besorgten Blick stehen geblieben war.

Nele saß zusammengekauert allein in hinteren Teil ihres Floßes. Das bisschen Blut hatte sie sich vom Gesicht gewaschen. Eragon, Orik und die Zwerge saßen im vorderen Teil zusammen und unterhielten sich. Trotz der wärmenden Mittagssonne fühlte Nele wie sie fröstelte. „Ich kann verstehen, wie du dich fühlst“, sagte Arya und trat neben sie, „auch ich habe geliebte Personen verloren“. Nele sah schweigend zu der Elfe auf und rutschte etwas zur Seite. Arya nahm elegant neben ihr Platz. Arya machte eine Pause und Nele bemerkte, dass sie der Elfe noch nie so nah war. Sie und Eragon hatten zwar ihre Wunden nach ihrer Befreiung geheilt und kamen ihr somit ziemlich nah, doch seit dem bewahrte Arya immer ausreichend Abstand. Nun aber saßen sie im Schneidersitz nebeneinander. Nele schwieg, sie schämte sich zu sehr um etwas zu erwidern. Arya würde ihr eine Rede über ihre Unachtsamkeit halten und Nele war nicht nach Streit, schon gar nicht mit Arya. „Sie waren meine Gefährten“, fuhr Arya nach ihrer Pause fort, „sie begleiteten mich bei meiner Aufgabe als Botschafterin. Sie waren immer bei mir, auch als wir von Durza und seinen Urgals überfallen worden waren“. Wieder machte sie eine Pause und holte sich die Haare über die Schulter vor, um mit den Fingern durch sie durch zu fahren. Nele rückte sich zurecht, Arya war dabei ihr etwas über ihre geheimnisvolle Vergangenheit zu erzählen. Eragons Versuche sie zu fragen, hatte sie bis jetzt immer abgewiesen. Neugierig lugte sie zu der Elfe zu ihrer linken. „Durza und seine Urgals töteten sie, doch mich ließen sie am Leben“. „Wie waren ihre Namen?“, fragte Nele leise. „Glenwing und Faölin“, antwortete Arya langsam. Es schien sie habe ihre Namen für eine lange Zeit nicht ausgesprochen. „Glenwing liebte es mit den Vögeln zu singen, er konnte Stunden damit verbringen zu ihnen zu singen und ihnen zu zuhören. Danach sang er uns ihre Lieder vor. Er war dem Wald sehr verbunden“. „Das klingt wundervoll..und Fäolin?“. Arya drehte ihren Kopf weg und verbog sich hinter ihren langen schwarzen Wellen. Sie wollte nicht über ihn reden verstand Nele und sie hoffte Arya mit ihrer Frage nicht verschreckt zu haben. „Ich war verzweifelt und trauerte so lange um ihn. Ich dachte ich müsse sterben, denn gleich welche Gefahren sich uns boten, wir haben sie stets zusammen überlebt. Doch nun war ich allein und dachte mir, diese Gefahr wirst du nicht überleben. In meiner Gefangenschaft, ging ich nicht davon aus gerettet zu werden und verlor mich in Trauer. Mir ging es furchtbar und dazu kamen noch die Gräueltaten Durzas. Dann stürmte Eragon in meine Zelle und befreite mich aus Gil´ead. Ich bin euch für eure Tat sehr dankbar, dass habe ich euch schon gesagt. Dennoch umhüllt mich die Trauer über ihren Verlust immer noch, sie macht mich still und nachdenklicher. Du trauerst und das ist keine Schande, doch lass nicht zu, dass sie dich in solche Gefahren bringt wie vorhin. Sich selbst zu verletzten oder auch nur Vorwürfe zu machen, bringt die Verstorbenen nicht zu uns zurück“. Nele sah ins Leere und kämpfte mit den Tränen. Sie füllte sich wie im Tunnel, als sie Murtagh hinterher gerannt war. Das Gefühl nicht genug zu sein und nicht helfen zu können. Arya hatte ihr versprochen, nach Murtagh zu suchen, wenn sie nur zurückkehren würde. Die Elfe vertraute ihr, sonst hätte sie ihr nicht von ihren gefallen Gefährten erzählt. Dieses Vertrauen sollte Nele ehren, doch fühlte sie sich dadurch nur schlechter. Langsam nickte Nele mit dem Kopf um Arya wissen zulassen, dass sie verstanden hatte. „Aber machst du dir gar keine Vorwürfe?“. Arya atmete angespannt aus: „Ich habe sie mir jeden Tag gemacht. Mit jedem Tag in dem ich schwächer wurde, machte ich mir mehr Vorwürfe. Dann kam der Tag, an dem ich mich in die Bewusstlosigkeit flüchtete, denn ich beschloss zu kämpfen und ich sagte mir, keine Vorwürfe mehr, das würden Fäolin und Glenwing nicht wollen. Sie wurden wollen, dass ich lebe. Also überlebte ich, wenn auch knapp“. „Wir ehren die Toten, in dem wir leben“, schluckte Nele und dachte daran zurück wie Nasuada diese Worte vor dem Ältesten Rat verkündigt hatte. „Leben wir, gedenken wir unseren gefallenen Freunden, denn wenn wir nicht mehr leben, verblassen ihre Erinnerungen“, stimmte Arya Nele zu. „Das ist ein Zeile aus einen altes Trauerlied von uns Elfen, ich habe sie für dich übersetzt. Außerdem darfst du nicht vergessen, das du niemals wirklich allein bist. Du bist mit einen Drachen verbunden, ein Band mächtiger als jeder Zauber. Sie wird immer bei dir sein, deine Gefühle spüren und dich trösten. Zu euren Band kommen auch noch Eragon und Saphira, ihr steht euch so nah, mindere diese Nähe nicht. Ich war damals allein, doch du bist es nicht. Gemeinsam könnt ihr die Gefahren die für euch bereit stehen meistern“. „Danke. Ich danke dir für deine ehrlichen Worte, ich werde sie nur für mich behalten“. Zum ersten Mal seit ihre Gespräche sahen sie sich gegenseitig in die Augen. Aryas mandelförmige Augen, wirkten leer und passten nicht zu ihren Worten. „Dank, dass du mein Geheimnis für dich behältst. Ich schätze das sehr“. In diesen Moment nahm Nele ihren Mut zusammen und stammelte: „Auch ich habe ein Geheimnis..“. Arya die zu ahnen schien, was Nele vor hatte unterbrach sie, bevor sie weiter sprechen konnte. „Und das darf es auch bleiben, du musst für meine Offenheit nicht zahlen“. Nele blickte sie verwundert an, doch nickte schlussendlich. Sie wird es auch so erfahren, dachte sie leise denn je näher sie den Elfen kamen, desto mehr wurde ihr bewusst, dass sie ihr Amnesie nicht länger geheim halten sollte oder konnte.
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