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Mediocris Fabula Aventurica

KurzgeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
07.07.2018
04.07.2019
9
6.870
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07.07.2018 834
 
Habt ihr sie schon gesehen? Die Madakinder? Weiß sind ihre Haut und ihr Haar, wie wenn in mondhellen Nächten das Madamal bleich durch die Fenster scheint, und rot sind ihre Augen, so als trügen sie das Feuer der abendlichen Dämmerung in ihren Blicken.
Diese Geschichte soll vom ersten der Madakinder erzählen. Eine junge Tulamidin reiste unweit Anchopals auf ihrem Esel, der alles zog was sie besaß und je besitzen würde.
Ihre Haare waren lang und schwarz wie die Nacht und ihre Kleidung bunt wie die Wiesen Albernias.
Die Götter hatten ihr den Segen der Weitsicht gegeben, und so sah sie in den Händen und Gesichtern der Menschen das was war und was noch kommen sollte.
Dies war ihr Handwerk, und so zog sie von Stadt zu Stadt, um sich die Taschen mit ein paar Silber- und Kupferstücken zu füllen.
Doch mehr als alles Geld der Welt wünschte sie sich die Berührung eines anderen Goriers, mit dem sie Bett und Brot teilen konnte.
Eines Nachts saß sie wieder schweigend am Feuer und starrte in die Flammen, um sich herum nichts als grenzenlose, ewige Wüste.
Oft fuhr sie herum in der Hoffnung, eine andere Seele zu erblicken, welche sich zu ihr ans Feuer setzen und mit ihr sprechen würde. Doch wie stets war dort niemand außer ihr und dem Mond.
In ihrer Not sah sie zum Himmel, wo das Madamal kalt am Himmel stand.
„Mada“, sprach sie, “Meine einzige Weggefährtin, ach was gäb ich für einen Gefährten, der wie du treu an meiner Seite wandert. Alles würd ich geben, wenn du's nur richten willst“, und eine Träne in den Augen tragend schlief sie ein.
Als sie die Augen wieder aufschlug, spürte sie etwas.
Etwas Warmes schmiegte sich sanft an ihren Körper und stieß seinen sanften Atmen in ihren Nacken, dass es kitzelte, und auf ihrer Brust ruhte eine gebräunte, muskulöse Männerhand.
Mada musste ihr Gebet erhört und ihr einen Mann geschenkt haben. Voll Freude drehte sie sich auf ihrem Lager um und küsste ihn voll Sehnsucht und Liebe.
So lange wie die Tulamidin auf ihren Gorier gewartet hatte entlud sich nun all ihr Verlangen nach Nähe, und er erwiderte dies und schien kein Leben fernab von ihrer Seite zu kennen.
So war es kein Wunder, das bald schon Tsa ihren Segen über die junge Frau sprach und sie in Erwartung versetzte.
Mond um Mond verstrich, und jedes Mal, wenn sich im Monat Mada in ihrer vollen Pracht zu erkennen gab, saß die Frau an der Seite ihres Gatten und strich sich, den Blick gen Himmel gewand, über das werdende Leben in ihrem Schoße.
Neun Monde später war es dann soweit und sie gebar.
Es war eine mondlose, dunkle Nacht, in der sie schreiend auf ihrem Lager saß und schmerzverzerrt in die braunen Augen ihres Liebsten sah, während die Natur ihren Lauf nahm.
Es dauerte die ganze Nacht, und in den letzten Stunden ehe der Morgen anbrach entstieg der Mutter ein Kind mit einer Haut wie Alabaster, Haaren wie Elfenbein und mausgrauen Augen.
Als der Mann dies sah, tobte er und wurde rasend vor Wut.
Statt sich über das gemeinsame Kind zu freuen, nahm er den Knüppel und schlug auf seine Liebste ein, bis diese sich nie mehr regte.
Denn er wusste nicht um ihre Abmachung mit Mada und dachte, sie habe ihn betrogen. Voll Zorn in den Augen nahm er das ungewollte Kind, welches still vor sich hin sah, stieg auf die nächste Düne und bettete es in den Sand, ehe er sich davonmachte.
Da lag es nun, den Strahlen des Praios ausgesetzt. Auch Mada und Phex sahen es, und aus Mitleid verbarg der Fuchs das Kind vor den Augen der Sonne und schob schwere Wolken vor den Himmel.
Mada rüttelte und zerrte an ihren Fesseln, den Blick nicht von dem Bündel abgewandt, welches dort ganz allein und verloren lag, und flehend warf sie einen Blick zu ihrem Wächter.
Es dauerte zwei Wochen, ehe sich der Gott erweichen ließ und für nur eine Nacht die Fesseln der Mutter lockerte, auf dass sie zu ihrem Kinde konnte, es umsorgte und mit ihm spielte.
So geschah es Mond um Mond, und der Junge wuchs heran, doch alterte er viel schneller als es andere Menschenkinder taten, sodass bereits binnen dreier Götterläufe seine Haut fahl und faltig wurde und seine Glieder wie von einem Leben in harter Arbeit schmerzten.
Kurz darauf trat Boron an das Kind heran und Golgaris trug es unter den weinenden Augen seiner Mutter fort.
Auch Tsa sah dies, hatte Mitleid mit dem ungeliebten Kind, ließ es stehlen und sendet es seitdem immer und immer wieder zurück nach Dere.
Zudem füllte sie die Augen der Madakinder mit der Farbe des ersten Morgens, in welchem sie geboren werden.
Wo das Grau geblieben ist? Darüber gibt es viele Gerüchte, aber wahrscheinlich hat Phex hier seine Finger im Spiel. So oder so geschieht es von Zeit zu Zeit, dass die Madakinder und ihre Nachkommen die Welt betreten und wir bis heute ihr Erbe bewundern und bestaunen können.
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