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Des Einhorns rosaroter Traum

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 Slash
Cpt. Sean Renard Det. Hank Griffin Det. Nick Burkhardt Eddie Monroe Juliette Silverton
05.07.2018
07.09.2018
12
41.732
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24.08.2018 3.319
 
Selten war Nick so müde wie am folgenden Tag. Er war nicht nur todmüde, sondern auch extrem unkonzentriert. Mit reichlich schlechtem Gewissen ließ er Hank die Hauptarbeit tun. Sie schlossen den Fall mehr oder weniger ab und hatten eine Menge Papierkram zu erledigen. Die Betreiberin des Altersheims gestand unter Druck schließlich und die alten Leutchen würden den Großteil ihres Geldes wiederbekommen, wenn der Fall abgeschlossen war.
„Der Boss wird stolz sein, wenn er von unserem Wahnsinnsfall hört, oder?“, giggelte Hank, als sie gegen Mittag etwas zu essen holten.
„Hm“, machte Nick nur und schob sich ein riesiges Stück Sandwich in den Mund, um nicht antworten zu müssen.
„Schreibt man nicht eigentlich Urlaubskarten? Ich würde gern mal eine Karte aus Rom bekommen …“, plapperte sein Partner vor sich hin.
„Ich glaube, Urlaubskarten sind out, Hank.“
„Ja, hast recht. Heutzutage trifft man sich lieber online. Chat hier, WhatsApp da … schon klar.“ Impulsiv warf Nick sein halbes Sandwich in einen Mülleimer an dem sie gerade vorbei kam.
„Hey! Warum schmeißt du das weg? Ich hätte es doch noch gegessen, wenn du es nicht mehr mochtest“, motzte Hank ihn an.
„Es hat merkwürdig geschmeckt. Die Mayonnaise war sicher nicht mehr gut. Soll ich dich an den Kuchen erinnern, Hank?“
„Okay, Punkt für dich, Kumpel. Leider habe ich eine schlechte Nachricht für dich. Willst du sie hören?“ Nick sah ihn skeptisch an.
„Du sagst mir jetzt bitte nicht, dass der Captain eine ganze Woche früher aus dem Urlaub wiederkommt? Bitte nicht!“ So lustig es klang, so ernst war es Nick. Er fürchtete sich regelrecht davor Sean im PD zu begegnen und hatte keine Ahnung, wie sie da miteinander umgehen würden. Das letzte Nacht war schon eine unerhörte Absurdität und als Nick eine ganze Weile darüber nachgedacht hatte, kam er zu einer Bezeichnung zurück, die ihn erst in dieses unübersichtliche Schlamassel gebracht hatte: Er träumte gerade zusammen mit der Bestie den rosaroten Traum seines geheimen Einhorn-Ichs. Und er wollte nicht, dass es endete. Doch das würde es bestimmt, wenn er und Sean im regulären Umfeld wieder aufeinandertrafen.
„Nein, man hört ja nichts von ihm. Ich wollte eher andeuten, dass wir nun leider alte Fälle bearbeiten müssen und die Fakten neu begutachten müssen. Du weißt wie langweilig das sein kann?!“ Hank hob bedeutungsvoll die Brauen und Nick lächelte zustimmend.
„Wir schaffen das schon …“, sagte er aufmunternd und schlug seinem Freund auf die Schulter.



Sean besuchte den Betreiber des Chats. Rob Beyers war ein Nerd mit Auszeichnung und mit eindeutig devoten Neigungen. Er betrieb den Chat zum Spaß und war ab und an selbst nebenher anwesend, um ein paar Dates abzugreifen. Seans Erscheinen brachte ihn nicht sonderlich auf. Im Gegenteil, er schien eher angetan zu sein. Zuerst versuchte Rob sogar mit ihm zu verhandeln, um eine nettes Peitschen-Spiel anzuleiern, doch Sean ließ sich nicht darauf ein. Rob war allerdings so angstfrei, dass er ihn wirklich erst mit seinem Wesen bedrohen musste, bevor er bekam, was er wollte. Beyers spielte ihm die Daten auf einen USB-Stick und beteuerte hoch und heilig, dass er zwar schon von diese Art Spiele gehört hatte, doch noch keine Zeit gefunden hatte, um eines zu besuchen. Wer im Chat dafür verantwortlich war, wüsste er nicht, dazu müsste er selbst erst die Moderatoren befragen. Er stellte nur den Server zur Verfügung und hatte aus Langweile den Chat kreiert. Hauptsächlich, um selbst zum Zug zu kommen. Eigentlich sei er Softwareentwickler und Sean deutete an, dass ihm das total egal sein und er ihn finden würde, falls sich irgendwas von seinen Worten als Lüge entpuppen sollte. Rob Beyers nickte eifrig und fragte dann:
„Was bist du eigentlich?“
„Ein bösartiges Monster. Fordere mich also besser nicht heraus!“
„Alles klar, Chef!“
Sean hatte es absichtlich unterlassen ihm unter die Nase zu reiben, dass er außerdem Polizist war.
Fast bis abends saß er dann daran die Daten zu sichten und die perversen Chatverläufe zu lesen. Beyers würde die Moderatoren noch dazu befragen und ihm helfen, sobald er Zeit hatte. Was Sean vorerst ganz bewusst unterlassen hatte, war den Nerd um Löschung seiner und Nicks Daten zu bitten. Das hatte einen ganz bestimmten Grund. Sie waren noch nicht miteinander fertig und so lange das nicht so war, brauchten sie den Platz. So wusste Beyers weder seinen Chatnamen noch den von Nick und das sollte auch so bleiben.


Sean gähnte und machte sich dann etwas zu Essen. Im Chat hatte er sich nicht eingeloggt, weil er Nick Informationen geben wollte, falls er auf ihn traf. Bisher hatte er so wenig, dass er ihn nicht mal anrufen bräuchte, obwohl es ihn dazu drängte. Zu gern hätte er seine Stimme gehört. Zu gern hätte er gewusst, ob sich seit letzte Nacht etwas verändert hatte.
Wieder war es geschehen und er würde lügen, wenn er behaupten würde, dass es allein von Nick ausgegangen war. Saßen sie sich gegenüber gab es diese Mauer zwischen ihnen, die scheinbar nicht zu durchdringen war. Doch im Schutz der Virtualität war alles so einfach. Sie konnten über ihre Gefühle sprechen und das war unfassbar. Noch unglaublicher war, dass Nick auch Gefühle für ihn hatte. Er hätte sie vielleicht niemals geäußert, doch das hatte das Schicksal für sie übernommen. War das ein Omen? Ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?
Er fand das Chatprotokoll von Nukeboy und Nick. Nick hatte sich nicht vertan, doch Sean konnte gut herauslesen, dass Nukeboy anfangs schon sehr an ihm interessiert war, doch dann einen Rückzieher gemacht hatte, als sich der Ton von Einhorn änderte. Nick klang fordernd und selbstbewusst und das war offenbar wenig erwünscht. Nukeboy hatte ihm demnach offenbar einen falschen Ort und Adresse mitgeteilt. Sean fand auch das Protokoll von Nick und Bloodsport, doch er las es nicht, denn inzwischen wusste er selbst welche armselige Kreatur Bloodsport war. Es war schon fast sieben Uhr und er hatte gerade mal die letzten beiden Tage nach dem Spiel-Event durchkämmt, als sein Telefon vibrierte.


Nick!
„Du gehst mir doch nicht etwas aus dem Weg, Captain?“ Dass Nick ihn nach allem was geschah mit Captain ansprach war seltsam. Es tat ein wenig weh, war aber auch gleichzeitig beruhigend und rief ihm in Erinnerung, dass es um wichtige Dinge ging.
„Nein, Nick. Ich habe nur keine Information für dich. Vermutlich sitze ich noch bis nächstes Jahr an den widerwärtigen Chatprotokollen. Der Chatinhaber spricht mit den Moderatoren und wenn er Zeit hat, hilft er mir. Leider nicht heute. Willst du vorbei kommen, um …“ Erschrocken brach Sean ab. Er wollte Nick fragen, ob er ihm beim Durchsehen helfen kann, doch es klang ganz anders.
„Warte, nicht, dass du denkst, ich …“
„Ich habe eine bessere Idee. Heute Abend gibt es SM-Event aber ich befürchte, dass es nicht das ist, wo Wesen verschwinden. Es ist ganz offiziell und ich habe es bei meiner Recherche auf einem dieser Seiten gefunden. Ich habe mich spontan angemeldet, nur für alle Fälle. Wollen wir hingehen und sehen, ob wir etwas herausfinden oder mit jemand ins Gespräch kommen, der etwas wissen könnte?“
Sean schwieg ein paar überrumpelte Augenblicke, bis er seine Sprache wiederfand.
„Haben wir etwa ein Date?“
„Wenn du willst. Zieh dich schick an, Tiger!“ Sean war wie gelähmt.
„Hör auf darüber Witze zu machen, Nick“, sagte er rau und fühlte wie er errötete.
Am anderen Ende war es recht still. Nur Nicks Atem drang leise an sein Ohr und vermutlich hörte er den auch nur, weil er ein Wesen war und besser hörte als ein Mensch.
„Okay, du hast recht. Ich weiß nicht, ob das auch ein Date ist. Aber wir sollten uns das ansehen, weil ich denke, dass es ganz aufschlussreich sein könnte. Es ist reine Intuition.“ Sean zögerte immer noch. Im Schutz der räumlichen Trennung fühlte er sich sicher und konnte loslassen. Im Schatten der Macht des Grimmes war er hauptsächlich damit beschäftigt sein Zauberbiest zu foltern, um es kontrollieren zu können.
„In Ordnung. Was zieht man da an?“ Nick lachte und irgendwie entspannte das dieses seltsame Gespräch.
„Sieh dir mal die Webseite an: Schmerzender-Garten.com. Ich hoffe, du hast so etwas im Schrank. Ich zumindest fahre jetzt mal eben schnell zur Mall und wie du meinen Worten entnehmen kannst, gehe ich auf jeden Fall hin. Falls du meine Einladung annehmen willst, schreib mir eine Nachricht, ich hole dich ab. Bis später vielleicht.“ Nick legte auf, ohne ihn antworten zu lassen. Gut, die Antwort hätte sicher noch ein Weilchen gedauert, weil Sean ein ganz und gar ungutes Gefühl bei der Sache hatte. Nick außerhalb des PD und ihres Arbeitsverhältnisses zu begegnen, war die eine Sache. Eine Schlimmere, nach dem was geschehen war. Eine ganz schlimme Sache aber war, mit einem Grimm zu einem derartigen Event zu gehen, wo sicher Wesen und seltsames Equipment war. Und der Supergau war, er selbst war eines dieser Wesen und wüsste nicht, ob er die Kontrolle behalten würde. Die ultimative Katastrophe wäre ein Gemetzel mit Nick in dessen Zentrum.
Mit kalten Fingern sah er sich die Seite an. Ja, solche Szenarien hatte er erwartet. Man traf sich an den absurdesten Orten, die so präpariert waren, dass man ausbrechen musste. Manchmal waren es ganze Häuser, die benutzt wurden. Das heutige Event fand in einem stillgelegten Krankenhaus in Gresham statt. Sean fragte sich ernsthaft, ob die Veranstalter dafür Genehmigungen hatten. Leider konnte er nicht nachhaken, da er offiziell in seinem verdammten Urlaub war. Hätte er ihn mal tatsächlich genommen. Er hätte nach Rom reisen sollen, dann wäre nichts von alledem passiert! Aber nein, er konnte ja mal wieder nicht loslassen. Auch die „Bekleidung“ entsprach ganz seinen schlimmsten Befürchtungen. Wenn er Glück hatte, fand er noch seine alte Lederhose, die er früher ab und zu mal zum Motorradfahren anhatte. Natürlich würde er mit dem Grimm mitgehen. Aus so einem dämlichen Grund war er ja hiergeblieben.
„Hole mich rechtzeitig ab!“, schrieb er Nick und bekam ein unverschämt grinsendes Smiley und ein „Zu Befehl, Sir!“ Er stöhnte ahnungsvoll, als er es las.
Wenn ihm jemand vor ein paar Tagen gesagt hätte, dass der große Grimm es mochte gezwungen zu werden, hätte er nur ungläubig die Stirn gerunzelt. Niemand konnte Nick zu irgendetwas zwingen und das war schon so, bevor er von seiner Grimm-Identität wusste. Aber so nach und nach begriff Sean, dass es etwas mit ihm und seiner eigenen Macht zu tun hatte. Offenbar war die Kraft des Zauberbiestes die einzige, die Nick akzeptieren konnte und die er hin und wieder mal spüren musste, um nicht größenwahnsinnig zu werden. Nick war ganz und gar nicht submissiv und oder devot und vielleicht war es für ihn nur Gedankenspielerei, doch er mochte es. Das hatte er sehr gut spüren können. Nur ein klein wenig Druck, nur ein Hauch Aggressivität an der richtigen Stelle machten Nick an. Ob es an ihm lag oder einfach nur eine Eigenart von Nicks unendlichen Facetten war, blieb unklar.


Als er später zu Nick ins Auto stieg, vermied er vorläufig einen genaueren Blick auf den Grimm.


Nick schmunzelte und meinte ganz lässig:
„Du siehst gut aus, Captain!“
„Hör bitte auf damit, Nick!“
„Mit was und warum?“ Nick klang immer noch eher vergnügt und wenig ernsthaft.
„Du musst damit aufhören nett zu mir zu sein und zwar deshalb weil es endet. Spätestens, wenn mein Urlaub zu Ende ist.“
„Dann lass uns zu diesem Zeitpunkt darüber reden, einverstanden?“ Endlich sah Renard ihn einen Moment länger an und musste dann unwillkürlich schmunzeln.
„Du bist genauso einfallslos wie ich. Dafür warst du einkaufen?“
„Ich hatte nicht viel Zeit. Entschuldige bitte, dass ich mir kein Korsett mit komplizierter Lederschnürung gekauft habe. Ich war schon froh, in dieses Latexshirt gekommen zu sein. Mit Hilfe des netten und gierigen Verkäufers, der mich überall betatscht hat und ich habe keine Ahnung, wie ich jemals wieder da rauskommen soll. Ehrlich. Ich weiß nicht, wie man das toll finden kann!“
„Frag mich mal, wann ich die Lederhose das letzte Mal getragen habe!?“
„Oh mein Gott, war das etwa ein Scherz, Tiger?“ Nick grinste und sah zum ersten Mal ein echtes amüsiertes Lächeln auf Seans ansonsten so ernstem Gesicht. Es stand ihm ziemlich gut und tief in sich ahnte Nick, dass dieser Mistkerl ziemlich albern sein konnte, wenn er nur mal loslassen konnte.
Um es kurz zu machen, beide waren komplett in schwarz gekleidet und sahen todlangweilig aus. Bis auf Seans Lederhose und Nicks schwarzes Latexshirt, wies nichts auf ihre Neigungen hin, die beide nicht hatten und sie doch paradoxerweise auslebten.
„Wir sind zwei unfassbare Idioten, Nick. Wenn das hier vorbei ist und ich wieder arbeiten muss, müssen wir dringend ein Agreement treffen.“
Nick hatte da schon eine Idee, doch die behielt er für sich. Er mochte es nicht so weit in die Zukunft zu denken. Das würde der Captain schon übernehmen.
Während Renard das sagte, zog er eine schwarze Ledermaske aus der Tasche.
„Woah, dann bin ich wohl doch der Einzige, der einfallslos ist …“, sagte Nick erstaunt.
„Vorbereitung ist alles …“, erwiderte Sean erheitert und zog sich das Ding über. Sie bedeckte nur einen Teil seiner Stirn und seine Augenpartie, war aber erstaunlicherweise extrem wirksam. Nick blinzelte irritiert und fragte sich, ob sie beide noch im selben Film waren und ob er diesen Kerl überhaupt nur annähernd kannte.
„Wir wollen doch anonym bleiben. Ich zumindest.“
„Schon klar. Der Captain hat an solchen Orten nichts zu suchen.“
„Es geht eher um Sean Renard das Zauberbiest und Bastard und nicht um den Captain vom PPD“, kommentierte Sean monoton.
„Wie auch immer, du kommst der Bestie gerade ein ganzes Stück näher, Sir.“ Eigentlich sollte das ein Scherz sein, doch Seans Augen sahen ihn nur durchdringend an und Nick war sich nicht ganz sicher, ob sich der Grimm in ihm gerade provoziert fühlte. Zum Glück erreichten sie gerade ihr Ziel. Sie sollten besser ganz schnell aussteigen, dachte Nick und griff zur Tür.



„Bevor wir gehen, Nick, will ich kurz noch etwas sagen …“ Sean hielt ihn am Arm fest.
„Du siehst heute viel zu gut aus. Halte dich besser von mir fern, Hörnchen, ja? Wir tun, was wir tun müssen, aber lass dich auf nichts ein, was gefährlich sein kann.“ Nick sah ihn spöttisch an.
„Soll ich dich daran erinnern, dass ich hier der Grimm bin?“
„Das meine ich nicht. Ich meine eher, komme da drin nicht in Versuchung.“ Mit ernsten Augen betrachtete er Sean.
„Was willst du mir damit sagen? Kennst du dich mit solchen Dingen etwa doch aus?“ Der andere Mann legte ein wenig den Kopf schief und gab ihm nicht gleich Antwort.
„Ich sage das, weil ich dich kenne. Aus keinem anderen Grund.“
„In Ordnung“, erwiderte Nick leichtfertig und stieg aus, während Sean erneut ahnungsvoll seufzte.



Vor dem alten Krankenhaus, welches ein wenig außerhalb und gut versteckt in einem Park lag, stand ein kleines Grüppchen Menschen. Mit Nick und Sean waren noch drei weitere Paare anwesend. Ein dicklicher Mann stand in einem absurd geknüpften Lederbody neben seinem Mann/Lover und zitterte sich einen ab. Einer trug eine alberne Gasmaske und Nick mit seinem Latexshirt war gegen die absurde Leder/Latexkleidung der anderen Teilnehmer noch harmlos angezogen. Alle plapperten aufgeregt miteinander, rauchten und Nick fühlte sich alles andere als wohl. Sie wurden freudig begrüßt und ausgefragt. Er überließ das Reden Sean, der so einsilbig dreiste Lügen über sie verbreitete, dass Nick ständig grinsen musste, als wäre er total high.
Alle waren aufgeregt, neugierig, was folgen mochte und es war verwunderlich, dass keine Wesen anwesend waren. Dann war es also sicher nicht dieses Event, bei dem der Betreiber die Wesen fing. Aber vielleicht war ja sonst etwas rauszubekommen. Sie hörten ein Auto und es stieg ein kleiner, blonder Typ aus, der einen freundlichen, wenn auch extrem hippeligen Eindruck machte.


„Guten Abend, liebe Teilnehmer. Willkommen zum  fantastischsten SM-Escape Game in der Geschichte Portlands. Wir wachsen stetig und das Interesse wird ständig größer. Ich hoffe, die 250 Dollar werden sich für euch lohnen und ihr alle betreibt anschließend ein wenig Mundpropaganda.“ An dieser Stelle sah Sean Nick ein wenig verwundert an. Der Grimm zuckte nur die Schultern. Was war schon Geld, wenn er etwas Gutes tun konnte.
„Jetzt möchte ich mich noch schnell vorstellen. Da wir alle, wie wir hier sind die Anonymität bevorzugen, so wie auch ich, habt ihr sicher nichts dagegen, wenn ich mich Nukeboy nennen. Der Eine oder Andere kennt mich sicher.“ Bedeutsam hob er mehrmals die Augenbrauen und grinste sehr breit.
Unauffällig sah Nick nun zu Sean. Der erwiderte zwar seinen Blick nicht, griff aber nach seiner Hand, um ihm zu verstehen zu geben, dass er begriffen hatte. Da waren sie also doch irgendwie am richtigen Ort. Nicks Finger verschränkten sich in die von Sean und das blieb auch so, so lange Nukeboy seine Eröffnungsrede hielt. Seans Herz zitterte dabei merkwürdig und er hatte große Probleme mit seinem Wesen.
„Als Erstes muss ich eure Telefone einsammeln. Keine Sorge, ihr bekommt sie danach wieder. Aber das Spiel muss ja fair bleiben, nicht wahr? Wir haben für jedes Paar eine Etage vorbereitet, in der ihr euch austoben könnt. Wer zuerst durch das Haupttor kommt, gewinnt das fantastische Wochenende in New York. Es zählt allerdings nur, wer als Paar, gemeinsam und lebend durch das Tor kommt. Wer den anderen zurücklässt, wird nicht als Gewinner gewertet. Erschreckt nicht, im Inneren des Krankenhauses werden euch ein paar nette Überraschungen erwarten, die euch auf jede erdenkliche Art herausfordern werden.“ Inzwischen lief er mit einer kleinen Kiste herum und jeder warf sein Telefon da rein. Auch Sean und Nick, wenn auch widerwillig. Mit einem Auge sah Nick, dass Renard ein ziemlich billig aussehendes Handy in die Kiste warf.
„So, wer Waffen dabei hat, bitte auch abgeben. Wir wollen ja kein zukünftiges Gruselhaus aus dem Krankenhaus machen. Es geht um freiwillige Schmerzen, Demut, Fesselspielchen, Sex und Lust“, erklärte er liebenswürdig. Ein Mann legte allen Ernstes eine Pistole ab und der dickliche, frierende Kerl zog ein Klappmesser aus den Tiefen seiner Hautfalten.
Nick hatte absichtlich auf Waffen verzichtet. Gerade Schusswaffen, waren heikel. Erst recht, wenn er seine Dienstwaffe in einem inoffiziellen Fall benutzt würde. Auch Sean trug keine Waffe. Er hatte sein Zauberbiest mit und war noch weniger offiziell hier als er.
„Ich vertraue euch, Leute. Die Einverständniserklärung habt ihr ja schon mit eurer Anmeldung unterzeichnet, insofern kann es sofort losgehen. Das Los entscheidet, wer welches Stockwerk bekommt.“
„Du hast etwas unterzeichnet? Bist du verrückt?“, flüsterte Sean beunruhigt.
„Nicht wirklich. Vertrau mir. Niemand wird je rausfinden, dass wir hier sind. Auch ich habe meine Tricks und bin nicht nur gut im Prügeln.“ Sean verlor so jähe die Beherrschung, dass er sich selbst nicht mehr stoppen konnte. Seine Hand packte in Nicks Haare und hielt ihn fest, bevor er ihm einen heißen Kuss auf die Lippen drückt. Nick war spürbar überrascht. Spürbar war auch sein zeitnaher Widerstand, der schnell erlahmte, als sich ihre Lippen berührten und sich verlangend umeinander schmiegten.
„Hey, ihr Turteltäubchen, könnt ihr warten, bis ihr drinnen seid? Ihr bekommt das letzte Los und so wie ich das sehe, fällt euch das Kellergeschoss zu. Sorry Jungs.“, grinste Nukeboy und Nick, immer noch ganz zittrig von diesem spontanen Kuss, bemerkte beruhigt, dass Nukeboy keine Ahnung hatte, dass er Einhorn7 war.


„Was war das gerade?“, flüsterte Nick, als sie auf den Eingang zusteuerten.
„Ein Kontrollverlust. Und das ist nur ein Vorgeschmack, Hörnchen!“
„Hör auf mir Angst zu machen, Bestie. Das schaffst du sowieso nicht.“
„Sei nicht so überheblich!“
„Und du nicht so furchtsam!“ Sie grinsten sich beide an. Und wenn das nicht die Realität gewesen wäre und wenn Nick es nicht so gut gewusst hätte, dann hätte er sich ernsthaft gefragt, was mit ihm nicht in Ordnung war, dass er Spaß an diesen grotesken Umständen hatte. Vor allem konnte er Seans Gegenwart viel besser ertragen als sonst. Ertragen war das falsche Wort. Nick genoss seine düstere Anwesenheit und war fast sogar ein wenig stolz, dass er als Einziger wusste, was Renard war und wie mächtig sein Zauberbiest war.

Sean hingegen war beunruhigt, über das, was vielleicht geschehen würde. Andererseits war er auf dem besten Wege seine Ängste loszulassen, auch wenn das bedeutete seinem Wesen nachzugeben.
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