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Des Einhorns rosaroter Traum

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Cpt. Sean Renard Det. Hank Griffin Det. Nick Burkhardt Eddie Monroe Juliette Silverton
05.07.2018
07.09.2018
12
41.732
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20.08.2018 4.346
 
*Trommelwirbel*

Nein, keine Sorge, damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Muss ja schließlich noch der Fall gelöst werden, nicht wahr?! Schreibt mir eure Meinung, bin neugierig :)




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Der Tag war für Nick äußerst seltsam. Er war gleichzeitig total müde und aufgedreht. Hank war wieder da, sah aber noch recht mitgenommen aus. Sie hatten aus dem Altersheim einen Anruf von dieser Angestellten bekommen, die ein Katzenfuß war. Sie hatte nachts die Betreiberin dabei gefilmt und angesprochen, als sie mit einem Bündel Banknoten, wie sie ihn nur alte Menschen unter das Kopfkissen legen, aus einem Zimmer gekommen war. Vor Gericht wäre das zwar nicht zulässig, doch es reichte den Detectiven, um sie unter Druck zu setzen. Sie war störrisch und uneinsichtig, doch Nick klärte das schließlich souverän. Sie wurde vorläufig festgenommen, bis der komplette Sachverhalt geklärt war. Bis zum Nachmittag verbrachten sie damit die Zeugenaussagen aufzunehmen und Berichte zu schreiben.



Die ganze Zeit über hatte Nick versucht sich abzulenken. Hank wäre als Helfer wieder zu haben, doch nun könnte er der Bestie nicht mehr absagen und wollte das auch nicht. Er musste wissen, wer das war, weil er ihn unbedingt als Täter ausschließen musste. Nein, wollte, wäre die korrektere Beschreibung seiner Absicht gewesen. Irgendwas war an der Bestie, was er sehr mochte und er fühlte sich zu dessen zwiespältigen Wesen hingezogen, als wäre es das Zauberbiest Sean Renard. Das war natürlich Unsinn, denn ein zweites Zauberbiest in Portland wäre nicht denkbar. Davon hätte er garantiert schon erfahren. Aber so, wie Bestie ihm gestern gegenüber zugegeben hatte, dass Nick ihm tatsächlich ein wenig helfen konnte – bei welchen mysteriösen Seelenqualen auch immer – so hatte auch Bestie Nick geholfen. Er sah sich nun selbst viel klarer. Sich und seine Zuneigung für Renard, die er nun nicht mehr abstreiten konnte, auch wenn er keine Ahnung hatte, was er damit anfangen sollte. Scheinbar gab es da einen Teil in ihm, der das Zauberbiest wirklich mochte und sich extrem von ihm angezogen fühlte. Vielleicht sollte er in der Realität mit der Bestie den Part ein Mal ausleben, um zu wissen, dass er es nicht brauchte? Warum nicht, wenn es funkte?
Juliette oder seine Beziehung zu ihr, hatte damit absolut nichts zu tun. Warum Nick dieses Thema praktisch in eine andere Welt verschob, hätte er nicht erklären können. Vielleicht weil es einfacher war oder einfach zu surreal, um es ernst zu nehmen.



Relativ pünktlich war er zu Hause und duschte ganz ausgiebig. Auch seine Freundin kam früher und sie aßen zusammen Abendbrot. Dabei musste Nick ihr gestehen, dass er später am Abend noch mal losmüsste, um dieser Chat-Sache nachzugehen.
„Gehst du allein? Oder nimmst du Monroe mit?“
„Ich gehe allein aber wenn es notwendig wird, rufe ich Monroe oder Hank an, versprochen.“
Sie sahen sich noch eine Folge von Juliettes Lieblingsserie zusammen an, dann machte sich Nick mit schnell schlagendem Herzen auf den Weg zum Treffpunkt zu diesem Blind Date. Dabei fiel ihm ein, dass sie gar nicht ausgemacht hatten, wie sie sich erkennen würden. Ein Fehler? Aber Nick war sich recht sicher, dass ihm seine Intuition sagen würde, wer die Bestie sein würde.



Nick war absichtlich ein gutes Stück zu früh, holte sich schon mal einen Kaffee und setzte sich gleich neben die Tür an einen gut geschützten Tisch, ohne sich vorerst die anderen Starbucks Gäste anzusehen. Er saß in einer Art Nische mit der Wand an einer Seite und fühlte sich sicherer, wie er nicht sein konnte und trotzdem raste sein Puls und er fühlte sich lächerlich unwohl. Mit Schrecken erinnerte er sich an sein erstes Date mit Fünfzehn. Fast wäre er nicht hingegangen, weil er sich einbildete, keine Luft mehr zu bekommen. Heute war es ähnlich.
Bitte, sei kein unerträglicher Spinner, betete er still und spielte auf seinem Handy herum, um sich abzulenken. Ab und an sah er zur Tür. Es war recht leer und an den meisten Tischen saßen Pärchen oder ganze Grüppchen. An keinem Tisch saß jemand allein und das sagte ihm, dass Bestie noch nicht da war.



Auch Sean überlegte, ober er überhaupt reingehen sollte. Wozu? Um irgend so einen Freak zu beschützen, den er noch nicht mal kannte und der offenbar selbstbewusst genug war, um gegen ihn zu bestehen. Dabei war er wirklich nicht allzu umgänglich gewesen und trotzdem. Aber er war auch neugierig und wollte natürlich auch seinen Fall lösen, den er sich ganz privat zur Urlaubsbeschäftigung erklärt hatte. Hörnchen war nun mal der optimale Hinweis und sein Köder, versuchte er pragmatisch zu denken, wusste aber, dass ihn das, was zwischen ihnen geschehen war auch tief berührt hatte. Der Junge hatte die erschreckende Gabe ihn wehrlos zu machen und das gelang sonst nur Nick. Seine Gedanken waren wirr und er versuchte durch die Fenster jemanden zu erkennen, der Einhorn7 sein könnte. Doch er sah nur Pärchen und Gruppen, hatte aus seiner Position allerdings auch nicht den ganzen Raum im Blickfeld.



Nick sah auf die Uhr. Es war schon zehn Minuten nach zehn. Er hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, was war, wenn Bestie nicht kommen würde. Zu diesem dubiosen Treffpunkt würde er auch ohne ihn gehen. Eine andere Person, die er noch beschützen müsste, war eher hinderlich. Als er hochsah, vergaß Nick vor Schreck zu atmen. Wie gelähmt starrte er Sean Renard an. Sein Captain stand mitten im Raum, höchstens drei Meter von seinem Tisch entfernt. Er trug eine dunkle Jacke, ein graues Hemd und eine dunkle Hose. Nick würde gern sagen, sein Gesicht sah aus wie immer, doch das wäre eine Lüge gewesen. Die Wahrheit war, Renard sah ihn so bestürzt an, wie er ihn noch niemals vorher erlebt hatte. Er blinzelte nicht und auch sonst zeigte nichts in seinem Gesicht oder an seinem Körper, dass er lebte. Nick selbst war es kaum möglich seine Erschütterung abzustreifen. Wenn er gestanden hätte, hätte er sich nun unbedingt setzen müssen. Alle Gedanken strömten auf ihn ein. Der stärkste war, warum zur Hölle hatte er nicht auf sein Gespür gehört, welches ihm ständig gesagt hatte, irgendwas stimmt mit der Bestie nicht. Er hatte keinen Schimmer, wie lange sie sich reglos ansahen, doch dann bewegte sich Sean. Der Mann blinzelte ein Mal und drehte sich dann um, um das Starbucks in eindeutiger Absicht wieder zu verlassen. Im selben Moment sprang Nick hoch, auf ihn zu und packte ihn fest am Oberarm.
„Setz dich, Captain!“, befahl er kaum hörbar aber so nachdrücklich, dass Sean zögerte. Widerwillig ließ er sich von Nick auf die Sitzbank schieben. Der Grimm setzte sich ihm sofort gegenüber und hielt ihn allein mit seinen Augen gefangen.



Seans Mund war ganz trocken und dann passierte es doch. Sein Zauberbiest kam hoch und es bedrohte eindeutig den Grimm. Nick blieb ruhig, sah ihn jedoch so streng an, dass er sich selbst nach ein paar brisanten Momenten wieder unter Kontrolle bekam. Er sperrte das Biest wieder ein und fand doch noch immer keine Worte. Auch Nick sah ihn nur an. Vermutlich ging ihm ebenso jeder Satz und alles, was sie getan und geschrieben hatten durch den Kopf. Sein Blick war dunkel und sein Mund zu einem Strich zusammengepresst. Nicks Blick ausweichen, war aber auch keine Option, weil er ahnte, dass das den Grimm nur noch mehr provoziert hätte. Die momentane Situation war mehr als gefährlich. Zwischen ihnen schwebte ein unsichtbarer Funke, der nur von ihren Augen in Schach gehalten wurde. Würde einer von ihnen den Blickkontakt unterbrechen,  würde die Apokalypse losbrechen.
Obwohl keiner der beiden Männer im Chat jemals einen konkreten Hinweis auf den jeweils anderen Mann gegeben hatte, wussten doch beide in diesem Moment intuitiv wer gemeint gewesen war. Dieses geheimnisvolle Wissen machte die Situation so brenzlig, denn sie bedeutete, dass es hinter allem eine fremde, unkontrollierbare Macht gab, die weder Nick noch Sean beherrschen konnten.
Eine Macht, die sie unweigerlich zueinander hintrieb.


Wundersamerweise war es Nick, der die Situation auflöste.
„Rom?“, fragte er rau und mit hauchfeiner Ironie.
„Was soll ich denn da?“ Sean lauschte seiner belegten Stimme und schluckte schwach.
„Vielleicht Italienisch lernen?“
„Kann ich doch schon.“

Wieder sahen sie sich eine ziemlich lange Zeit wortlos an. Die erste Aggression war verschwunden und es wirkte eher, als wenn sie, jeder für sich die Puzzleteile an die richtigen Stellen legten. Es war eine demütigende Angelegenheit, die die Zeit auffraß.


Nick holte nun tief Luft und rieb sich mit beiden Händen über sein Gesicht. Damit ließ er endlich die Schamesröte seine Antlitz erobern und es machte ihm nichts aus, weil er sah, dass auch Sean mit seiner Beschämung zu kämpfen hatte. Seine Augen glänzten und seine Stirnfalten waren tief.
„Nick, wir sollten …“
„Nein, warte. Wir reden jetzt nicht über uns und was passiert ist. Ich hatte einen konkreten Grund in diesem Chat zu sein. Möchtest du ihn hören? Ich könnte nämlich deine Hilfe gebrauchen.“
Sean schluckte ratlos und sah ihn fragend an. Dann nickte er nur und bekam ein schnelles Lächeln von Nick.
„Gut, dann hole ich dir jetzt deinen versprochenen Kaffee. Nicht, dass du mir nachsagst, ich hätte mein Angebot vergessen. Allzu viel Zeit haben wir sowieso nicht mehr.“ Damit stand er auf und holte für den Captain Kaffee, ehe der widersprechen konnte.


Immer noch verwirrt sah ihm Sean nach. Wieso war er so dumm gewesen und hatte nicht auf seine Instinkte gehört? Er hätte es nicht so weit kommen lassen dürfen. Er hätte ernst nehmen müssen, was Hörnchen geschrieben hatte. Oh Gott, er hatte virtuellen Sex mit dem Mann gehabt, den er mehr wollte, als alles andere und Nick hatte irgendwie sogar zugeben, dass er Gefühle für ihn hatte. Ihm war so schwindlig und ein wenig übel, dass er nur damit beschäftigt war sein Wesen zu bändigen. Hatte er das eben richtig verstanden? War Nick diesem Kidnapper auch auf der Spur? Das war so typisch für den Grimm. War er einmal „nicht da“, passierten solche Dinge. Er wusste schon, warum er keinen Urlaub wollte, verdammt. Nein, es war sinnlos. Heute würde er seine Gedanken nicht mehr zusammenbekommen. Und Nick hatte recht, heute waren andere Dinge wichtiger und es war fraglich, ob es nicht besser war diese peinliche Begebenheit komplett totzuschweigen.



Nick kam wieder, sein Gesicht war gefasster und er stellte ihm den Kaffee vor die Nase.
„Woher weißt du, wie ich meinen Kaffee mag?“, fragte Sean dann doch ziemlich verwundert, als er den Deckel angehoben hatte.
„Ich bin Detective, schon vergessen? Okay, verlieren wir keine Zeit. Ich sage dir, was ich weiß und herausgefunden habe und du sagst mir, was du weißt. In Ordnung?“
Sean nickte nur und dann begann Nick zu erzählen. Dieses doch sehr sachliche und rationale Gespräch half die Beklemmung zu verdrängen, die beide immer noch tief in den Knochen verspürten.
Nick vermied es zwar Sean länger anzusehen, doch eher, weil er befürchten musste, dass die Beschämung ihn überwältigen würde. Nicht, weil er ihn dafür verantwortlich machte, was geschehen war. Beide trugen daran keine Schuld. Sean war zwar in sich gekehrt und verschlossen wie immer, doch in seinen Augen sah Nick eher Elend als Wut.
„Wir treffen uns also in fünfzehn Minuten vor dem Eingang des Japanischen Gartens?“
„Wenn ich Nukeboy richtig verstanden habe, dann ja. Lass uns gehen!“



Schweigsam warteten sie eine halbe Stunde vor dem Eingang des Japanischen Gartens. Sie standen unter einer der wenigen Lampen und waren Mutterseelen allein.
„Okay, ich denke, Nukeboy hat dich reingelegt, Nick.“
„Sieht ganz so aus. Oder ich habe etwas falsch verstanden. Ich war vielleicht nicht ganz bei der Sache, muss ich zugeben.“ Ein kurzes Lächeln huschte über Nicks Lippen, welches Sean gerade noch sah, bevor der Grimm den Kopf wegdreht.
„Ich habe da einen Vorschlag. Ich habe mir die Adresse des Chatbetreibers besorgt und werde ihm morgen einen inoffiziellen Besuch abstatten und mir die Chatprotokolle geben lassen. Dabei werde ich unsere gleich löschen lassen, wenn es dir recht ist?“
„Klar.“ Nick klang gleichgültig, sah ihn dabei aber nicht an.
„Ich werde mir alles ansehen und durchlesen und hoffe, dass ich am Abend eine entsprechende Information habe, wo diese Spiele stattfinden. Ich nehme an, dass du mitkommen willst?“
„Du nimmst das richtig an.“
„Warum tust du das, Nick?“
„Warum tue ich was?“
„Warum interessiert es dich, ob jemand Wesen entführt und sie vielleicht sogar tötet?“
„Ich tue das, weil Monroe mich darum gebeten hat. Für ihn und weil ich nicht dulden kann, dass jemand in meinem Revier wildert.“ Sean sah ihn aufmerksam an und hörte bei jedem Wort den Subtext, für den er Nick mochte. Nick war kein Grimm der Wesen schon per se hasste und tötete, ganz im Gegenteil, er versuchte in jedem einzelnen Wesen ein Individuum zu sehen und versuchte immer moralische Maßstäbe anzusetzen. Und selbst wenn er es töten musste, dann gab es einen guten Grund dafür.
Ein Weilchen schwiegen sie und warteten sinnlos, bis Nick leise sagte:
„Ich denke, wir können jetzt gehen. Ruf mich an, wenn du etwas weißt!“ Er wandte sich schon ab, als ihn Sean am Arm packte.
„Warte, Nick … ich muss da etwas tun, weil ich sonst nicht glauben kann, dass das alles wirklich geschehen ist. Erlaube es mir … bitte.“ Sagte er das gerade wirklich? Flehte er den Grimm um einen Kuss an? Ja, das tat er. Aber nach allem, was passiert war, war das nur noch ein kleiner, unbedeutender Tropfen auf dem Stein der Schande. Nick wusste genau, was er wollte. Er war stehen geblieben und sah ihn im Licht der Laterne nachdenklich an.


„Dann tu es!“, verlangte er und Sean kam noch einen kleinen Schritt näher. Wie Nick es sich gewünscht hatte, packte er sein Gesicht und hob sanft seinen Kopf ein wenig an. Seine Daumen legte er in Nicks Kinngrübchen. Nicht einmal blinzelte er oder wich seinem Blick aus, als er mit seinen Lippen den anderen Mund berührte. Auch der Grimm schloss nicht seine Augen, doch sein Blick war eher verwundert und ein wenig verschreckt. Aber seine Lippen waren weich und empfänglich. Sean hatte das Gefühl, die Zeit würde still stehen, als er ihn küsste und seinen Geschmack aufnahm, um ihn niemals wieder zu vergessen. Als Nick ihn überraschend zurückküsste, hatte er das Gefühl die Zeit würde rasen. Ihm wurde schwindlig und als sich Nick löste, schnappte er überrascht nach Luft.
„Bis morgen …“, sagte der Grimm nur und lief davon. Noch eine ganze Weile blieb Sean an genau der Stelle stehen und grübelte über alles, was geschehen war nach und wartete, ob vielleicht nicht doch noch etwas geschah. Vielleicht war er auch einfach nur von seinen Gefühlen gelähmt, die Nicks Lippen in ihm ausgelöst hatten.


Nick lag eine Stunde hellwach neben seiner Freundin im Bett und stand dann schließlich wieder auf. Schlafen zu wollen war absolut sinnlos.
Leise ging er ins Wohnzimmer und machte es sich wieder auf der Couch gemütlich. Vielleicht war Nukeboy im Chat. Er war verärgert und würde sich den Typ jetzt gern zur Brust nehmen. Doch Nick war selbstkritisch genug, um zu begreifen, dass er auch hoffte Sean da zu treffen. Irgendwas sagte ihm, dass es einfacher war, wenn sie miteinander schrieben, anstatt zu sprechen.
Und sie mussten diese verrückte Sache klären. Himmel, Nicks Herz raste immer wieder, wenn er daran dachte, was sie geteilt hatten. Vor allem er hatte Sean seine intimsten Wünsche mitgeteilt. Aber auch sein Captain hatte tief in seine Seele blicken lassen und Nick bzw. Hörnchen dieses Privileg gestattet, obwohl er immer so um seine Integrität besorgt war.
Bestie war erstaunlicherweise da und Nick zögerte. Vielleicht war es besser nicht darüber zu sprechen und alles zu begraben, als wäre es nie passiert. Aber es war Sean, der ihn anschrieb.



„Warum schläfst du nicht?“ Gleichzeitig schickte er ihm eine Einladung in einen privaten Raum, die Nick erschreckend schnell annahm. Nukeboy war sowieso nicht da, redete er sich die Sache schön.
„Ich kann nicht schlafen. Außerdem wollte ich sehen, ob Nukeboy da ist. Bist du deshalb hier?“
„Ich konnte auch nicht schlafen. Tut es dir leid?“
Nick schluckte und er fragte sich ernsthaft, woher seine Ergriffenheit kam. Irgendwie war es so einfach mit ihm zu schreiben und so schwer mit ihm zu sprechen. Vor allem über sich selbst. Der Kuss allerdings war atemberaubend gewesen und suggerierte Nick einen Vorgeschmack auf Erlebnisse, die niemals zwischen ihnen stattfinden dürften.
„Nein. Aber ich habe nicht auf meine Instinkte gehört, das ärgert mich.“
„Ich habe es auch nicht getan. Ich wusste, dass mit dir etwas nicht stimmt.“
„Angeber.“
„:)“
„Ein leibhaftiges Smiley? Bist du krank?“


Ein paar lange Augenblicke kam nichts von Seans Seite.
„Ja, vor Sehnsucht nach dir. Aber das weißt du ja inzwischen bestimmt.“ Nicks Gesicht glühte und er war für einen Moment wirklich sprachlos.
„Wie lange geht das schon?“, schrieb Nick mit klopfendem Herzen.
„Ich weiß nicht. Ich habe es anfangs versucht zu ignorieren aber es holt mich immer wieder ein. Frage bitte nicht weiter, es lässt sich daran nichts ändern.“
„Verstehe. Wie soll es weitergehen?“
„Darüber musst du dir keine Gedanken machen. Ich weiß noch nicht mal, was jetzt ist. Ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll, Hörnchen.“
Hörnchen? Warum tat Sean das? Wusste er, dass er Nick damit bekam? Oder war es nur die Macht der Gewohnheit? Sein Bedürfnis sich an alte, schöne Zeiten festzuklammern?
„Der Kuss vorhin, hat mir gefallen. Er war genau so, wie ich ihn mir vorgestellt habe“, schrieb Nick. Er sollte die Glut nicht noch anheizen, dachte er beunruhigt, hatte aber gleichzeitig das dringende Bedürfnis Sean seine Zuneigung mitzuteilen, ihn wissen zu lassen, dass er ihm nicht die Schuld dafür gab.
„Möchtest du, dass ich dich nochmal küsse?“ Aufgewühlt schluckte Nick wieder und sah sich um, ob nicht Juliette wieder wie ein Gespenst da stand und ihn erstaunt ansah. Er war allein.
„Ja. Aber hier im Chat.“ Es kam länger keine Antwort. War Renard beleidigt oder einfach nur bekümmert.
„Das ist vielleicht die bessere Wahl. Sorry fürs Warten lassen, ich bin nur eben in einen anderen Raum gegangen.“
„In dein Schlafzimmer?“
„Vielleicht. Wo möchtest du, dass ich dich treffe?“ Oh Gott, sie taten es schon wieder. Nick war alarmiert, entkam dem Sog aber nicht. Erst recht nicht, nachdem er immer noch Seans Lippen auf seinem Mund fühlen konnte. Es war eine sanfte und vorsichtige Berührung gewesen, bei dem sie sich die ganze Zeit über nicht aus den Augen gelassen hatten.
„Erinnerst du dich an dieses Haus im Wald?“ Mehr musste Nick nicht schreiben, denn sie beide hatten daran keine guten Erinnerungen.
„Leider ja.“
„Komm dahin. Man kann noch rein gehen, die Möbel sind alle noch da, wenn auch nicht mehr in allzu gutem Zustand.“
„Du bist morbide, Nick!“
„Ich bin ein Grimm. Kommst du, oder hast du Angst vor mir?“
„Natürlich komme ich dahin. Ich bin eine Bestie, hast du das vergessen? Stichwort: Unberechenbarkeit! Treffe ich dich da nackt?“
„Nein, wenn du das willst, musst du dafür sorgen. Ich werde es dir nicht leicht machen und auch wenn du mir gern widersprichst, wage es nicht deine Macht mit meiner Kraft zu messen, es würde keinen echten Gewinner geben. Nur Verlierer. Jetzt komm zu mir … ich glaube nicht, dass ich dir das schreibe … und zwinge mich dazu vor dir zu knien.“ Nur allein dieser letzte Gedanke machte Nick wieder unerträglich hart. Verzweifelt stöhnte er auf und setzte sich ein wenig anders hin um seine drückende Lust ein bisschen zu entspannen.
„Ich werde nicht mit dir sprechen, wenn du das erwartest. In der Dunkelheit kann ich dich sowieso kaum sehen, doch ich spüre dich. Oh, wie ich das tue. Du hast keine Ahnung wie gut ich deine Gegenwart spüren kann. Sie hat etwas in meinem Blut verändert, was ich nicht mehr rückgängig machen kann. Zumindest fühlte es sich so an, während ich beinah blind auf dich zugehe und meine Hände um dein Gesicht lege. Warum bist du so warm, Hörnchen?“
„Ich bin ein Grimm, flüstere ich in die Nacht und hebe meinen Kopf, um deine Lippen zu empfangen. Meine Hände legen sich um deine Hüften und ziehen dich näher an mich heran, weil ich befürchte, dass du fliehst, wenn dein Biest ausbricht.“
„Deine Sorge ist berechtigt, denn es ist nicht einfach zu kontrollieren in deiner Gegenwart. Meine Lippen berühren dich. Ganz behutsam, weil ich erst mit dem Schock klarkommen musst, den diese Berührung auslöst. Ich brauche Zeit, um die Bestie zu zähmen.“
„Von deinen Problemen weiß ich nichts und deshalb wird mein Kuss sehr schnell sehr verlangend. Vielleicht setze ich dich damit unter Druck, doch es ist mir egal, denn alles was ich wahrnehme ist dein starker Körper an meinen. Ich kann deine Wärme, deine Kraft und deine Macht spüren und das macht mich hart. So hart, dass ich meinen Unterleib gegen dich drücke. Du sollst merken, wie sehr du mich erregst.“
„Du überforderst mich, weil ich nicht nur mit dir, sondern auch mit mir selbst kämpfen muss. Deswegen lege ich jetzt meine Hände auf deine Schultern. Knie dich! Fordere ich dich auf und spüre deinen widerspenstigen Blick, obwohl ich ihn nicht sehen kann. Du willst nicht sein was du bist und doch bist du es und kannst es nicht verstecken.“
„Ich knie mich nur, wenn ich dich berühren darf, erwidere ich eigensinnig und du gibst ein amüsiertes Lachen von dir.“
„Wenn es sein muss, antworte ich und drücke dich endgültig nach unten. Jetzt darfst du mich mit deinen Händen berühren, wo auch immer du willst. Hände! Nicht Mund!“



„Du machst mich verrückt …“, murmelte Nick leise und rieb sich ein paarmal unwillkürlich über seine Erektion. Wie konnte das hier möglich sein? Das war Sean Renard, sein verfluchter Vorgesetzter, mit dem er hier gerade perverse Spielchen spielte.
„Das tue ich …  ich öffne deine Hose und entschuldige bitte meine unkoordinierten Bewegungen. Ich bin einfach nur erregt und will dich so schnell wie möglich spüren. Hilf mir ein wenig, ich bin so ungeduldig und garantiert ungeschickt.“ Nick fiel es immer schwerer zu schreiben, denn sein Kopfkino war so realistisch, dass er nur unkonzentriert tippte.
„Gut, ich helfe dir und ziehe mich selbst aus. Doch gleich danach legen sich meine Hände auf deinen Kopf und meine Finger schieben sich in deine Haare, um dich kontrollieren zu können. Denn wenn ich das nicht tue, befreit sich das Zauberbiest und macht uns beiden Angst.“
„Mir macht es keine Angst und es ist mir in diesem Moment vollkommen egal, denn unter meinen Händen kann ich deine Beinmuskeln fühlen, die fest und warm sind. Meine Daumen drücken leicht in deine Muskeln, als ich meine Hände nach oben schiebe.“
„Deine Berührung verursacht ein Zittern, weil ich nicht erwarten kann, dass du mein hartes Verlangen berührst, mich aber gleichzeitig jetzt davor fürchte, weil ich weiß, wer du bist.“
„Hab keine Sorge, lass einfach deine Hände in meinen Haaren. Das gibt mir Halt und dir auch. Lass mich dich berühren. Ich werde ganz behutsam sein. Kannst du meine Finger fühlen, die sich um deinen harten Schaft legen?“



Sean spürte es, auch wenn es nur seine eigenen Finger waren, so waren es in diesem Moment Nicks Hände, die sich warm und liebevoll um seine harte Männlichkeit schmiegten und dessen Adern mit den Fingerspitzen nachzeichneten. Wie diese Zauber möglich war, hätte Sean niemals erklären können. Doch hier in diesem virtuellen Raum waren Nick und er frei von anderen Dingen. Frei von Verantwortung, Zwängen und einem Teil ihrer schwierigen Persönlichkeit. Hier war es möglich sich zu lieben und vielleicht hatten sie es beide schon längst geahnt, wollten es nur nicht wahrhaben, weil es dann enden musste. Musste es aber gar nicht, wie Sean leise seufzend feststellte. Über das Stadium der Scham war er schon längst hinaus. Er hatte nur noch seine Lust und die Sehnsucht nach Nick im Herzen und schämte sich für kein einziges Wort, welches er immer langsamer schrieb. Die brennende Lust lähmte seinen Verstand schon ziemlich und so wurden seine Sätze kürzer.
„Ja, ich kann deine Kraft sehr gut spüren. Bewege deine Hand und sieh mich dabei an.“
„Das tue ich, immer.“
„Wartest du auf das Zauberbiest?“
„Vielleicht.“
„Öffne jetzt deinen Mund, Nick!“
„Zwing mich dazu!“
„Bring mich doch bitte nicht dazu, Hörnchen!“
„Zwing mich!“
„Gut, wie du willst. Ich nehme meine Hände aus den Haaren, gebe dir mit beiden Händen einen harten Schubs, sodass du nach hinten fällst. Ich lasse dir keine Zeit aufzustehen, sondern setze mich auf deinen Brustkorb. Mit meinen Knien halte ich deine Oberarme am Boden und mit meinen Händen drücke ich deine Handgelenke zu Boden. Jetzt schau mich an! Sieh zu mir und blicke dem Zauberbiest ins Gesicht, Nick!“
Nick konnte nicht mehr aufhören sein Glied zu reiben, Die Spitze schwamm schon in Feuchtigkeit und wieder und wieder liefen heiße Schauer über seinen Körper.
„Ich bin wehrlos und überlasse dir die Kontrolle des Augenblickes. Vermutlich öffne ich endlich gehorsam meinen Mund, weil ich so erstaunt darüber bin“, schrieb er unendlich langsam mit nur einer Hand. Hinter seinen Augen glühte es und er war sich sicher, dass es Sean ähnlich ging. Sie beide waren kranke Irre, das musste mal gesagt werden.
„Du wolltest es nicht anders, Hörnchen, deswegen werde ich deinen Mund mit meinen Finger noch weiter öffnen und mit meiner harten Männlichkeit in dich eindringen und jetzt bitte entschuldige mich für ein paar … Momente …“
„Kein Problem, Tiger“, schrieb Nick noch und kam dann keine Minute später zu einem heftigen Orgasmus. Erschrocken hielt er sich selbst den Mund zu, weil ihn sein eigenes tiefes Lustgeräusch total überrumpelt hatte. Noch Ewigkeiten zuckte er der Lust hinterher und dann kam sogar noch mal ein sehnsüchtiges Nachseufzen aus ihm heraus, welches ihm völlig unbekannt war. Was zur Hölle taten sie hier?


Seans Zauberbiest hingegen brüllte schmerzerfüllt in sein Kopfkissen, nachdem er sich diesem süchtig machenden Rausch beugen musste, den Nick und seine Worte in ihm auslösten. Nach dem Höhenflug kam allerdings der unvermeidliche Absturz. Sein Wesen tobte und er brauchte diesen zornigen Ausbruch, um es zu besänftigen. Es war zu gut, viel zu gut und viel zu unnormal, was sie beide taten. Am bedenklichsten war, dass sie es weiterhin taten, als hätten sie nicht erst vor ein paar Stunden den Schock ihres Lebens erlebt. Sie waren beide ihrem wahren Ich begegnet und hatten sich nichts zu sagen.
„Geht es dir gut, Hörnchen?“, fragte er, nachdem er sein Herzzittern überwunden hatte.
„Wunderbar, doch jetzt bin ich endlich müde. Wir hören uns morgen?“
„Tun wir. Gute Nach, Kleiner.“
„Gute Nacht, Tiger :*“
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