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Des Einhorns rosaroter Traum

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Cpt. Sean Renard Det. Hank Griffin Det. Nick Burkhardt Eddie Monroe Juliette Silverton
05.07.2018
07.09.2018
12
41.732
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16.08.2018 3.580
 
Als Nick nach Hause fuhr, war Juliette schon im Bett. Doch sie war noch wach und fragte, wo er so lange war. Heute erzählte er ihr vage von seinen Unternehmungen und zu seinem Glück war Juliette so müde, dass sie kaum etwas fragte. Sie kuschelte sich nur an ihn und war ziemlich schnell eingeschlafen, während er kein Auge zubekam und sich fragte, wie lange er wohl noch mit so wenig Schlaf auskommen könnte.
Nukeboy sammelte also die Wesen aus dem Chatraum, verfrachtete sie mit dem Versprechen auf ein grandioses Escape Spiel, bei dem nur so gefesselt, gepeitscht und gefickt wurde, zu einem speziellen Treffpunkt und dann? Dann kam der schwarze Mann, zerrte sie ins Auto … und dann? Er würde sich das morgen definitiv ansehen. Vielleicht hätte er sogar Hank gefragt, doch der hatte sich heute nach dem Mittag krankgemeldet. Mit dem Kuchen im Altersheim war wohl etwas nicht in Ordnung gewesen, hatte er ihm jammernd am Telefon mitgeteilt. Nun, dachte Nick angesäuert, unter anderen Umständen hätte er vermutlich wirklich den Captain gefragt, ob er mitkommen würde. Wenn jemand Interesse am Wohlergehen der Wesen hatte, dann ja wohl er. Er hätte sicher nicht nein gesagt. Zu ihm auch nicht? Wieder schweiften Nicks Gedanken zu der absurdesten Szene, in denen Sean Hand an ihn legte, ihm spielerisch zu verstehen gab, dass der Grimm ganz und gar nicht allmächtig war und Nick gleichzeitig seine Zuneigung entgegen brachte.


Endlich war Juliette in einem so tiefen Schlaf, dass Nick wieder aufstehen konnte. Er schlich sehr leise aus dem Raum, legte sich im Wohnzimmer unter eine dünne Decke und zog sich seinen Laptop auf die Beine. Bestie war nicht im Chat und so suchte er ein wenig nachdenklich und ganz sicher auch eifersüchtig ein paar Informationen über Escape Games im BDSM-Bereich.
Offenbar war da gerade ein neuer Trend im Kommen und es gab die abartigsten Verliese und Labyrinthe, aus denen man entkommen musste. Nick las sich ein paar Berichte durch und klickte sich durch ein paar verstörende Bilder. Manche erregten ihn sogar ein wenig, andere empfand er einfach wie ein Schlag mit dem Hammer. Absolut unnötig.




„Ich sagte doch, warte nicht auf mich“, schrieb Bestie ihn unerwartet an.
„Tue ich aber. Ich bin wieder allein und ein wenig …“
„Erregt?“
„Ja, irgendwie schon. Wie war dein Date?“
„Ich hatte kein Date. Frag mich nicht mehr dazu.“
„Habe ich nicht vor.“ Nick überlegte, wie er es am besten anstellen konnte Bestie weichzuklopfen mit ihm zu diesem Event zu gehen, denn eigentlich lehnte er ja ein Treffen im realen Leben strikt ab.
„Hättest du trotzdem Interesse daran, dass ich dich tröste?“
„Wie würdest du das tun wollen? Du weißt nichts von mir, Hörnchen.“
„Oh doch, ein wenig.“
„Zum Beispiel?“
„Du bist wenig mitteilsam und damit kenne ich mich wirklich gut aus. Normalerweise ignoriere ich das, doch der andere Weg wäre vielleicht, einfühlsam und nett zu sein. Soll ich nett zu dir sein?“ Besties Antwort dauerte ein Weilchen.
„Meinetwegen. Versuche es.“
„Dann zieh dich jetzt nackt aus und lege dich bäuchlings auf dein Bett!“ Es war nur eine Gedankenspielerei und nichts davon müsste real sein und beide wussten es. Dass es Nick nun tatsächlich schrieb, überraschte ihn selbst. Schon den ganzen Tag über hatte er über so einen Ausschnitt nachgedacht. Er würde zu Sean gehen, würde sich nicht von ihm abweisen lassen, obwohl er es ganz sicher mit seiner reservierten Art versuchen würde. Er würde Sean dann in sein Schlafzimmer drängen, würde den Captain überreden sich auszuziehen, und ihm anbieten mit ihm zu tun, was er tun wollte. Sean würde ablehnen, davon ging Nick unbedingt aus. Damit hatte er ihm die Chance gegeben und nun war er am Zug. Renard würde sich seinem Wunsch und seiner Macht beugen müssen und würde dann erfahren, dass es auch bedeuten konnte eine Belohnung zu bekommen, wenn man einem Grimm zu Diensten war.
„In Ordnung. Was tust du? Ziehst du dich auch aus?“
„Oh ja und ich habe jetzt schon eine ziemliche Erektion, wenn es dich interessiert.“ Das war knallharte Realität, dachte Nick erschrocken und lauschte, dass er nicht überhörte, wenn Juliette erwachte.
„Wie fühlst du dich, Tiger?“ Nick wandelte nun den Chatnamen Bestie ebenso zärtlich um und fand es passend.
„Nackt.“
„Heißt das verletzlich?“
„Ja. Schutzlos meinen Empfindungen ausgeliefert.“
„Ich lösche jetzt das Licht, denn vielleicht geschieht mit dir etwas, für das du dich schämen würdest. Ich setze mich auf deine Hüften und drücke dich mit meinen Händen noch ein wenig mehr in das Bett. Kannst du meine Kraft spüren, Tiger?“
„Deine Hände sind ziemlich warm.“
Das waren sie wirklich. Der Blutkreislauf des Grimms hatte ein Eigenleben und wenn gewöhnliche Menschen froren, war Nick immer noch warm. Es konnte aber auch anders sein. Weil Nick heute aber lieber schreiben wollte, ließ er seine warmen Hände auf der Tastatur, rückte jedoch das Notebook ein wenig zurecht, dass es nicht ganz so unangenehm auf seinen steifen Penis drückte.
„Das könnte gut sein. Meine Hände lassen dich nicht mehr los, sondern beginnen die Muskeln deines Nackens zu massieren. Du bist ziemlich verspannt.“
„Ich hatte einen seltsamen Tag.“
„Das macht nichts. Ich werde ihn entfernen und während du vergisst, küsse ich dich zwischen deinen Schulterblättern. Ich hoffe, ich stoße dabei nicht auf Engelsschwingen?“ Das war Nicks Versuch die Bestie zu locken und er gab ihm die Möglichkeit sich als Wesen zu offenbaren.
„Nein ganz sicher nicht. Ich bin alles andere als ein Engel.“
„Auch kein gefallener Engel?“
„Nicht mal das, sorry.“
„Gut zu wissen. Kannst du meine harte Erregung fühlen, die sich an dir reibt?“




Hilflos starrte Sean auf den Bildschirm. Er lag tatsächlich nackt auf seinem Bett, schräg vor ihm stand sein Laptop und er versuchte sehr verzweifelt sich nicht selbst zu berühren. Sein Körper drückte seine geschwollene Männlichkeit gegen die Matratze und nur das Schreiben hielt ihn von Handgreiflichkeiten ab.
„Ich kann dich sehr gut fühlen. Willst du … dass ich meine Beine für dich öffne?“ Er hätte es getan, auch wenn das eher weniger seiner Vorstellung entsprach. Für Nick hätte er in diesem sehnsüchtigen Moment alles getan. Alles, um so nahe bei ihm zu sein wie niemand sonst.
„Nein, tu das nicht. Lass mich ein wenig runterrutschen und deinen Rücken mit nassen Küssen und kleinen Bissen bedecken. Zittert deine Haut oder bilde ich mir das nur ein?“
Nein, sein Herz zitterte, doch wie sollte er so etwas erklären können. Sein Zauberbiest befreite sich nicht ganz unerwartet und seine eigene Haut begann unter dem Einfluss seines Wesens zu glühen.
„Meine Haut glüht. Leg dich besser ganz auf mich, sonst muss ich dir weh tun, Hörnchen.“
„Das kannst du nicht, Tiger. Glaub mir. Aber ich tue, was du willst und lege mich mit meinem Körper ganz auf deinen. Meine Hände packen deine Handgelenke, drücken deine Arme zur Seite und dann küsse ich deinen Nacken. Wie fühlst du dich?“
„Gefangen.“ Sean stöhnte sehnsuchtsvoll und konnte sich kaum auf die Buchstaben konzentrieren.
„Kannst du meine Lippen spüren? Kannst du meine Worte hören, die ich dir ins Ohr flüstere?“
„Was sagst du?“
„Lass jetzt los …“
„Ich … kann nicht.“
„Warum nicht? Kannst du meine Lust an dir nicht fühlen? Ich vertraue dir, ich lasse dich meine Zuneigung spüren und mache es dir leicht. Dann vertraue auch mir. Ich lasse sogar deine Arme los und du kannst dich jederzeit zu mir umdrehen. Würdest du das tun, würde ich mich auf dich setzen und du wärest in mir.“
Sean hatte es aufgegeben. Er lag auf der Seite, las nur noch, was Hörnchen schrieb und musste sich dabei selbst berühren. Seine Lust und sein Verlangen machten seinen Blick ganz verschwommen. Allein diese Vorstellung, dass Nick das tun würde, brachte ihn um den Verstand.
„Hör nicht auf …“, tippte er unkoordiniert.
„Ich kann dich trotz der Dunkelheit sehen, musst du wissen. Du musst dich nicht vor mir verstecken. Jetzt dreh dich zu mir um und ich zeige dir, was ich tue.“
„Ich tue alles was du willst.“, schrieb Sean und musste für ein paar kritische Augenblicke die Augen schließen, um nicht jetzt schon zu kommen. Er wollte noch lesen, was Hörnchen tun würde.
„Es gefällt mir dir ins Gesicht zu sehen, obwohl ich dich kenne. Es stimmt, es ist nicht allein Lust in deinem Blick und auch keine Angst. Es ist eher ein großer Schreck und ein Unglauben über die Dinge, die passieren. Ich spreize meine Beine über deinen Unterleib und nehme meinen eigenen Speichel, um die Stelle zu befeuchten, in die deine Männlichkeit muss. Du bewegst dich kaum, doch das macht nichts, denn du musst gar nichts tun, nur da liegen und mich ansehen. Du hättest sowieso nicht die Kraft mich aufzuhalten und deswegen bin ich es, der deine Erektion in die Hand nimmt und einführt. Ich tue es langsam und sehe dir dabei die ganze Zeit ins Gesicht. Du bist lustüberwältigt und fassungslos. Dein schneller, heißer Atem streichelt mein Gesicht und ich lasse deinen Blick keine Sekunde los.“


Sean schrieb nichts mehr. Das Einzige was er noch tat, war über seine pulsierende Lust zu reiben und schwer zu atmen.
„Kannst du fühlen, wie eng und warm es in mir ist? Wie sich deine harte Lust immer tiefer in mein hitziges Innerstes schiebt? Sieh in mein Gesicht, damit du meinen Ausdruck der Verwunderung nicht verpasst. Nicht wegsehen, weil dich dein Verlangen überwältigt oder du dich verstecken willst. Langsam bewege ich mich auf dir und zwar nicht nur mit kleinen Bewegungen. Ich nutze die komplette Länge deiner Männlichkeit aus, während meine eigene Erektion bei jeder meiner Bewegungen über deine warme Bauchhaut reibt und dabei eine feuchte Spur hinterlässt. Das tue ich, bis ich spüren kann, dass sich deine Muskeln zusammenziehen. Dein Blick ist dunkel und ich sehe darin dein wahres Ich. Ich weiß, dass du gleich explodierst und beuge mich über dich, um dir im letzten Moment einen Kuss zu geben. Das tue ich, weil ich deine Lust in meinem Mund haben will, um sie nicht zu verschwenden. Ich nehme deinen berauschten Schrei auf und mache ihn zu meinem, während meine Sperma sich auf deinen Bauch ergießt …“
Sean schloss die Augen endgültig und kam keine Sekunde später mit einem dunklen, verzweifelten Stöhnen zum Höhepunkt.



Nick hingegen liefen Tränen über das Gesicht und er verstand gar nicht richtig, was mit ihm los war. Er war sexuell so sehr erregt, dass er befürchten musste allein von seinen eigenen Gedanken abzuspritzen. Doch er hatte sich kein einziges Mal berührt, weil es ihm wichtiger war die Worte für Bestie zu schreiben. Und doch hatte ihn seine eigene Beschreibung absurderweise zutiefst berührt. Weil sie seinem sehnsüchtigen Wollen entsprachen und er sie zum allerersten Mal wirklich bis zum Ende gedacht hatte? Er konnte kaum glauben, dass er diese Worte geschrieben hatte. Wo kamen sie her? Woher kam diese bildhafte Vorstellung? Wie konnte er sich so ausdrücken?
Bestie hatte nichts mehr geschrieben und er konnte das verstehen. Sicherlich würde er ein Weilchen brauchen, um wieder zu sich zu kommen. Er würde warten.



„Das war … unfassbar!“, kam es nach Ewigkeiten von der Bestie und Nick lächelte breit.
„Das freut mich.“ Das waren doch gute Voraussetzungen, um ihn jetzt zu diesem Event zu überreden.
„Wer zur Hölle bist du?“ Gut, mit dieser angriffslustigen Frage hatte er jetzt nicht gerechnet, dachte Nick, ein wenig aus dem Konzept gebracht.
„Wie meinst du das? Habe ich etwas falsch gemacht?“
„Nein, ganz und gar nicht. Aber ich dachte, du wärest eine zahnlose Oma?“
„Ich habe einfach nur eine ausgeprägte Fantasie und habe schließlich nicht umsonst das Einhorn gewählt. Gut, die 7 war sinnlos, aber sonst stimmt es. Oder mache ich dir etwa Angst?“
„Du machst mir keine Angst und nur um das klarzustellen, du hättest ganz sicher nicht die Kraft mich zu bändigen.“
„Warum so aggressiv? Hat es dich überrumpelt? Warst du schockiert über dein passives Verhalten?“
„Und wieder: Wer zur Hölle bist du?!“ Irgendwie lief das Gespräch gerade erschreckend schief und Nick verstand gar nicht, wie das gerade passieren konnte. Dabei hatte er etwas ganz anderes erwartet. Diese Bestie war ja ebenso unberechenbar und schwierig wie Sean Renard, Herrgottnochmal!
„Was genau ist jetzt dein Problem, Tiger? Vielleicht holst du mal ein paarmal tief Luft. Ich bin nur mal schnell afk und dann schreiben wir weiter. Wage es nicht einfach zu gehen.“ Nick brauchte eine kleine Pause, ehe er gleich ganz böse Dinge schreiben würde.




Tatsächlich holte Sean mehrmals tief Luft, um wieder runterzukommen. Er begriff nicht, wie ihm das passieren konnte. Wie er so die Beherrschung verlieren konnte, um sich von einem anonymen Kerl einen virtuellen „Blow Job“ verpassen zu lassen. Der auch noch so gut war, dass er sogar das Gefühl hatte Nicks Stimme zu hören, ihn zu riechen, ihn zu schmecken und vor allem ihn so intensiv zu fühlen. Das war verrückt und verschreckte ihn derart, dass er die Fassung verlor. Einhorn hatte alles und sogar ihn selbst so gut beschrieben, dass er Angst bekam. War vielleicht Einhorn7 der Verrückte? Aber das war nicht möglich, denn er war an jenem Tag wirklich zum ersten Mal im Chat gewesen. Es sei denn, er hatte vorher einen anderen Namen benutzt und hatte es nun ganz eindeutig auf ihn abgesehen. Sean war zu Tode verwirrt und da kam so selten vor, dass er nicht wirklich damit umgehen konnte. Vielleicht war das alles nur ein bizarrer Zufall und er interpretierte da mehr rein, als es war. Vielleicht tat er Hörnchen gerade unrecht.
Oh Gott, wo war nur seine Disziplin geblieben?



„Und, hast du dich beruhigt, Tiger?“
„Ja, entschuldige bitte.“
„In Ordnung. Es kann verwirrend sein. Ich weiß, wovon ich spreche.“, schrieb Nick und war nicht nachtragend.
„Aber eines ist mir wichtig, Hörnchen … Ich möchte, dass du weißt, dass das nicht real ist, denn in der Realität könntest du das mit mir nicht tun. Dazu hättest du schlicht und einfach nicht die Macht und die Kraft. Überschätze dich und deinen Charme nicht, denn das könnte für dich nicht gut ausgehen. Sei froh, dass ich es bin, der mit dir schreibt.“
Nick starrte mit verengten Augen auf diese Worte. Er fühlte sich absurderweise persönlich beleidigt, obwohl Bestie mit seiner Warnung durchaus recht hatte. Interessanterweise fühlte sich der Grimm in Nick angegriffen und es war auch der Grimm der schrieb:
„Du bist ein selbstgefälliger Soziopath, ist dir das klar?“
„Da hast du recht. Das bin ich wirklich. Ich möchte trotzdem, dass du dich gerade auch hier in diesem Chat ein wenig zurückhältst. Manch einer könnte dich falsch verstehen, denn du bist in der Tat etwas Besonderes und wenn das die Runde macht, dann wirst du gejagt werden, weil sich jeder damit rühmen will, dich als Trophäe in die virtuelle Vitrine zu stellen.“
Nicks Gedanken rasten durcheinander. Was wusste Bestie? Warum warnte er ihn? Wer war er? Warum wollte er ihn unbedingt beschützen? Oder wollte er das Gegenteil? Wollte er ihn aus der Deckung locken, mit seinen dubiosen Andeutungen? Angestrengt versuchte sich Nick zu beruhigen und die Identität seiner Tarnung wiederzufinden.
„Okay, ich verstehe nicht ganz, was du meinst. Aber lass uns besser das Thema wechseln. Ich würde dich gern etwas fragen …“
„Ich sage dir nichts über mich, wenn das deine Ambitionen sind.“
„Das ist sehr schade. Warum nicht?“
„Weil das hier für mich keine Realität ist.“
„Was nicht ganz stimmt, wenn du mal genauer darüber nachdenkst.“
„Das tue ich. Immerzu. Lass es mich anders ausdrücken: Ich will nicht, dass das hier meine Realität ist. Es ist nur eine Flucht. Mehr nicht. Mein wahres Leben findet woanders statt und es hat mich von Beginn an gehasst. Aber das sagt vermutlich jeder Ausgestoßene.“ Nick schluckte aufgewühlt. Auch damit hatte er wieder nicht gerechnet, denn ganz gegen seine Ansage hatte ihm Bestie wieder etwas sehr privates mitgeteilt.
„Du bist ganz sicher kein Ausgestoßener. Du kennst vielleicht nur die falschen Personen.“
„Ich kenne sogar die einzig richtige Person und genau das ist das Problem. Was war jetzt deine Frage?“
„Eigentlich hätte ich zwei Sachen, die mich brennend interessieren. Die eine Sache wäre: Was bedeutet das Wort Bestie? Ich kann kein Deutsch und scheinbar gibt es mehrere verschiedene Bedeutungen. Es scheint ein sehr komplexer Begriff zu sein. Erklärst du ihn mir und warum du ihn benutzt?“
„Das sind eigentlich schon zwei Fragen, aber in Ordnung, ich versuche es. Bestie kann für ein wildes, unberechenbares Tier stehen, aber auch als Begriff für die Grausamkeit einer Person allgemein benutzt werden. Beiden gemeinsam ist, sie haben keine guten Absichten und davon hättest du abgeschreckt sein sollen. Eine Bestie ist ein Einzelgänger, hat nur sich und seine eigene Bedürfnisbefriedigung im Kopf und ist nicht freundlich. Sie ist launenhaft, sehr komplex und man sollte ihr aus dem Weg gehen. Ich denke, das erklärt dir, warum ich diese Bezeichnung gewählt habe.“
„Warum Deutsch?“ Nicks Herz klopfte, denn irgendwie hatte er das Gefühl, dass diese Worte auch genauso von seinem Captain hätten stammen könnten.
„Warum nicht? Hättest du einen besseren Begriff für mich?“
„Wie wäre es mit Biest?“
„Ich dachte, du kannst kein Deutsch, Hörnchen?“ Okay, vorsichtig Nick, ermahnte er sich.
„Habe ich nur gelesen, als ich nach dem Begriff Bestie gesucht habe.“
„Biest klingt lahm und harmlos und ist meiner Persönlichkeit unangemessen. Ist deine Neugier befriedigt?“
„Ja, danke für die Aufklärung. Die andere Frage wäre … jemand hat mir hier im Chat für morgen Abend eine Einladung zu einem speziellen Event ausgesprochen. Das klang spannend und ich bin so neugierig. Könntest du dich nicht vielleicht doch überwinden, mich dort zu treffen? Ich weiß, dass zwischen uns sollte besser nur hier bleiben. Aber ich würde dich wirklich gern kennenlernen. Vielleicht können wir Freunde werden?“
Es kam eine sehr lange Zeit keine Antwort von Bestie und Nick wurde nervös.




Sean stieß ein dunkles Brüllen aus. Genau DAS wollte er nicht. Da hatten sie sich also doch Hörnchen gekrallt und ihn zu einem abartigen Spiel verführt und er wollte hingehen und er würde es nur verhindern können, wenn er sich mit ihm traf. Doch das konnte er nicht. Nicht nur, weil er sich unter Umständen als Zauberbiest zu erkennen geben müsste, sondern auch, weil er befürchten musste, dass er Hörnchen und seine Zuneigung missbrauchen würde, um ihn noch tiefer in eine Rolle zu drängen, die er niemals ausfüllen konnte. Weil nur Nick der Grimm sein konnte, weil nur Nick die Kraft hatte ein Grimm sein zu können. Weil nur Nick der Eine für ihn war.
„Das ist keine gute Idee, Hörnchen. Ich bitte dich, gehe da nicht hin. Erst recht nicht, wenn du von dir überzeugt bist und glaubst, auf dich selbst aufpassen zu können.“
„Ich bin nicht überheblich, nur wirklich neugierig. Warum willst du mich so dringend davon abhalten? Was geschieht da? Weißt du was?“
„Nein, ich weiß nichts. Aber ich habe kein gutes Gefühl und mache mir Gedanken um dich.“
„Das musst du wirklich nicht. Wie ich schon sagte, ich bin der Sache gewachsen. Trotzdem würde ich mich besser fühlen, wenn du mich begleiten würdest.“
„Wir können keine Freunde werden.“
„Sag so was nicht. Ich finde, wir verstehen uns ganz gut, oder nicht?“
„Trotzdem können wir keine Freunde sein, denn in meinem Leben gibt es nur Platz für eine einzige Person und es tut mir leid, dass sagen zu müssen, doch das bist nicht du, Hörnchen. Auch wenn ich deine Art mag und deine Klugheit zu schätzen weiß. Wie wäre es stattdessen morgen mit einem ausführlichen Chatspiel? Ich hätte noch eine Menge Ideen, was dich und mich betrifft?“
Oh bitte, sag ja und lass dieses unheilvolle Event aus, dachte Sean bekümmert. Aber dieses Hörnchen war ebenso starrköpfig wie Nick. Stur oder dumm?



Nick fühlte sich verletzt, als er diese definitive Absage an seine Zuneigung bekam. Es brachte ihn auf und einen Moment lang fühlte er sich wie ein bockiges Kleinkind, welches die Arme vor der Brust verschränkte, die Unterlippe nach vorn schob, mit dem Fuß aufstampfte und sagte:
„Dann gehe ich eben ohne dich dahin. Wir können uns ja übermorgen im Chat treffen und ich erzähle dir, was du verpasst hast.“
„Warte, sag mir wo das Treffen stattfindet und die Uhrzeit!“, schrieb Bestie und hatte zum ersten Mal gleich drei Fehler in einem kurzen Satz.
„Nur, wenn du mir versprichst zu kommen, Tiger.“
„Versuchst du mich zu erpressen?“
„Ich versuche dich zu überreden und wenn du dich doch dafür entscheidest mit mir zu gehen, dann würde ich dich gern vorher irgendwo zu einem Kaffee oder was auch immer einladen.“
„Hast du die Einladung von Bloodsport?“
„Nein. Und ich sage dir auch nicht von wem. Dein Zug, Tiger!“
„Du bist so was von nicht devot ….“
„Das ist richtig :P“ Absichtlich platzierte Nick ein dickes Smiley am Ende, welches die Zunge rausstreckte.
„Gut. Ich komme mit. Wo treffen wir uns?“ Nicks Herz schlug Purzelbäume und er grinste breit.
„Ich würde sagen, 22 Uhr im Starbucks an der Green Avenue?“
„Ist dort der ominöse Treffpunkt von diesem Spiel?“
„Nein, da ist unserer Treffpunkt. Und Tiger? Du musst keine Angst vor mir haben!“
„Pffff …“, bekam er eine abfällige Antwort und Nick hoffte wirklich für einen Moment verzweifelt, dass sich Bestie nicht als Wesen entpuppen würde, welches wirklich Angst vor ihm haben würde. Was auch immer Bestie gerade darüber dachte.
„Pass lieber auf, dass du nicht vor mir wegläufst, Kleiner.“
„Vergiss es, Tiger. Bis morgen dann?“
„Bis morgen, Hörnchen und falls es danach mit uns vorbei ist: Es hat mir Spaß gemacht und du hast es wirklich geschafft mich für ein paar Augenblicke zu trösten. Ich danke dir dafür von Herzen.“
„Es wird nicht vorbei sein und bitte, gern geschehen. Vielleicht hatte ich etwas gutzumachen. Schlaf gut!“

Schlaf gut, war witzig. Es war schon fast vier Uhr morgens und beide Männer waren so wach, dass sie nicht mehr schliefen.
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