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Des Einhorns rosaroter Traum

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Cpt. Sean Renard Det. Hank Griffin Det. Nick Burkhardt Eddie Monroe Juliette Silverton
05.07.2018
07.09.2018
12
41.732
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11.08.2018 3.040
 
Nick zögerte. Das war doch wirklich absurd. Schon längst sah er sich in Gedanken zu Renards Wohnung fahren, doch das würde er doch im Leben keinem Fremden mitteilen. Das waren so geheime Wünsche, die er nicht mal ausformulierte, um sich selbst nicht in Bedrängnis zu bringen.
Besties Anwesenheit erfreute und ängstigte ihn gleichermaßen. Einerseits war er begierig auf seine Worte und die Bilder, die er erzeugen konnte. Für Nick war es wie Hexerei, denn er musste sich unmittelbar vorstellen, was der andere Mann schrieb. Andererseits wusste er, dass das hier nicht in Ordnung war. Eben hatte er mit Bloodsport gechattet, weil er sich darauf versteift hatte, dass er sein gesuchter Täter sein könnte. Das entpuppte sich allerdings als ein tiefer Griff ins Klo. Er hatte fast eine Stunde seiner Zeit verschwendet, um mit diesem Idioten zu kommunizieren, der sich als dominant ausgab, letztlich aber ein devoter Transvestit war, der nur Aufmerksamkeit wollte. Weder war er ein Wesen, noch ein Wesen-Hasser, noch gewalttätig. Er war nur eine überaus armselige und bedauernswerte Kreatur, die Nick anschließend sogar leid tat. So konnte man sich irren und eigentlich sollte ihm diese Erfahrung eine Lehre sein. Umso aufmerksamer ‚beäugte‘ er nun die Bestie.
Bestie kam ihm heute ein wenig labil vor und vielleicht hatte er einfach einen anstrengenden und frustrierenden Tag gehabt. Er wollte sein schnelles Verschwinden gestern Nacht nicht erklären und Nick verstand das sogar. Lustigerweise hörte er sich wirklich eifersüchtig an, obwohl Nick eigentlich der Meinung war, dass man aus seinen Worten die Ironie herauslesen konnte. Wäre einfacher, wenn er Smileys benutzen dürfte, doch da war die Bestie selbst schuld. Vielleicht gehörte er aber auch zu den besitzergreifenden Typen und das sollte Nick egal sein, denn immerhin hatte er von Bloodsport erfahren, dass es in Portland wirklich ganz exklusive Spiele-Events gab, die geheim gehalten wurden, weil man wollte, dass nur Personen kamen, die über Mundpropaganda direkt dazu eingeladen wurden. Ob es diese Escape Games waren, wusste Bloodsport nicht, denn niemand hatte ihn je dazu eingeladen. Arme Sau!
Wenigstens zu etwas war diese verplemperte Stunde Zeit gut gewesen.

Schlimm war, dass Besties Fragen ihn zum Nachdenken animierten. Die sexuelle Komponente war die eine Sache, die ihn ziemlich schnell und heftig stimulierte. Die andere ging tiefer und ließ ihn ständig nachdenken, was mit ihm geschah. Da war Renard einmal außer Haus und was passierte? Er vermisste ihn? War das zu fassen?



„Also gut. Ich weiß, wo er wohnt und würde ihn in seiner Wohnung besuchen, weil es da sicherer ist. Da kann uns niemand stören. Es ist spätabends und ich habe ein komisches Gefühl bei der Sache.“
„Du musst keine Angst haben, mir zu begegnen, Hörnchen!“, schrieb Bestie und da war es wieder. Dieses absurde Vertrautheitsgefühl, was Nicks Körper so schön wärmte und seinen Geist auf eine Weise stimulierte und öffnete, die vollkommen neu war und gegen die er in diesen komischen Momenten absolut wehrlos war.
„Ich habe keine Angst vor dir, nur vor den unüberschaubaren Konsequenzen.“
„Konzentriere dich darauf an meine Tür zu klopfen und versuche deine Gedanken von Eventualitäten zu befreien.“
„Gut, ich klopfe. Hart und nervös, bestimmt drei Mal und vermutlich mache ich dich damit ärgerlich.“
„Das tust du nicht, weil längst ich weiß, dass du es bist. Ich kann dich fühlen, weißt du das?“ Nicks Gedanken stockten erschrocken und er fragte sich zum ersten Mal, wie Sean den Grimm wahrnahm. Konnte er ihn vielleicht tatsächlich spüren? So wie auch der Grimm Wesen wahrnahm? Er müsste bei Gelegenheit Monroe dazu ausgiebig befragen.
„Ich öffne dir die Tür, sehe dich an, doch werde nichts zu dir sagen, weil ich dich nicht erwartet habe. Du bist zu mir gekommen und du musst mir sagen, was du willst.“
„Ich … lässt du mich rein?“
„Meine Augen bedeuten dir einzutreten, doch ich sage immer noch nichts, sondern verfolge dich nur mit meinem Blick. Du bleibst mitten in meinem Wohnzimmer stehen und ich warte auf das, was du tust oder sagst.“
„Das ist Unsinn. Du würdest mich ziemlich direkt fragen, was ich bei dir um diese Zeit will“, schrieb Nick und war sich ganz und gar nicht sicher, ob das den Tatsachen entsprechen würde.
„Würde ich nicht, denn ich würde an deiner Körpersprache sehen, dass dir etwas auf dem Herzen liegt. Ich würde dich nicht drängen, sondern dir Zeit lassen. Unterschätze mich nicht.“
Nick dachte darüber nach und musste zugeben, dass das wohl wirklich der Fall sein würde. Einer der Gründe, warum er sich in Renards Gegenwart nie so wohl fühlte, war dessen exakter Blick, mit dem er die Befindlichkeit seines Gegenüber herausfinden und für sich selbst nutzen konnte.
„Würdest du mich fragen, warum ich nichts sage, Hörnchen? Warum ich dich zwar nicht erwartet habe, doch nicht sehr überrascht bin, dass du da bist?“, schrieb Bestie.
„Können wir bitte zum sexuellen Teil vorspulen?“, bat Nick verstört und wusste, dass er es sich vielleicht gerade wirklich mit Bestie verscherzte. Doch diese tiefgründigen Gedanken brachten ihm gerade Unbehagen, weil er nicht darüber nachgrübeln wollte. Außerdem könnte Juliette jeden Moment kommen. Mit einem Ohr hörte er schon dauernd auf ihr Auto.
„Nein. Weil ich kein Interesse an oberflächlichen Spielereien habe, Hörnchen.“ Es klang nicht unfreundlich, eher wie eine geduldige Erklärung, die man Kindern gab. Nick nahm ihm das nicht übel. Ganz im Gegenteil, er fühlte sich sogar ein wenig besser, weil der andere Mann ganz und gar bei der Sache war, im Gegensatz zu ihm, der nur seine Lustbefriedigung im Auge hatte und ach, eigentlich nur durcheinander war.
„Außerdem solltest du dich darauf einstimmen, denn sonst wirst du es versauen.“
„Ich werde gar nichts, weil ich das niemals tun werde. Es sind nur Gedankenspiele, oder nicht?“
„Genau und deswegen … tust du mir jetzt entweder den Gefallen und konzentrierst dich oder gehst!“
„Okay. Es fällt mir wirklich schwer, weil …“
„Ich kann dich nicht zwingen. Das würde ich vielleicht nur tun, wenn wir uns in der Realität kennen würden und du darauf bestehen würdest, weil du es brauchst.“
Nicks Herz schien ein paar Schläge auszusetzen. Darüber hatte er bisher noch nicht wirklich nachgedacht. Ihm war klar, dass das ein regionaler Chat war und hier vermutlich ein paar Verrückte aus Portland und Umgebung ihr Unwesen trieben. Jedoch war ihm nie richtig zu Bewusstsein gekommen, dass man sich tatsächlich auch traf. Erst bei seinem lahmen Gespräch mit Bloodsport war ihm zum ersten Mal klar geworden, dass man sich tatsächlich auch im realen Leben begegnen konnte, bzw., dass das von vielen sogar Absicht war.
„Heißt das, du willst dich mit mir treffen?“
„Das schrieb ich nicht. Ich schrieb nur, dass es die Möglichkeit gibt. Im Moment habe ich daran zu wenig Interesse.“
„Was würde denn dein Interesse wecken?“ Hatte er jetzt echt den Verstand verloren? Nein, es ist nur die Neugier, versuchte Nick sich zu beruhigen. Immerhin konnte Bestie sein gesuchter Entführer sein.
„Schreibe mir deine Vorstellung von der Situation. Das würde mir schon gefallen, Hörnchen.“
„Gut. Aber ich habe hier ein kleines Problem und müsste mal für eine Weile offline. Wartest du auf mich?“
„Wie lange?“
„Ich weiß nicht. Könnte schon eine halbe Stunde dauern.“
„…“
„Die Nacht ist noch jung, komm schon, Bestie. Und vielleicht machst du bis dahin mal ein Bild von dir ins Profil?“
„Ganz sicher nicht“
„Weil du es anonym magst oder weil du so hässlich bist?“
„Beides. Und weil es dich erschrecken würde.“
„Weil du wirklich eine Bestie bist?“
„Vielleicht.“
„Wer es glaubt … bis gleich.“


Nick raffte sein Kabel ein und sprang mit seinem Laptop ins Auto, nachdem er Juliette eine kurze Nachricht geschrieben hatte, dass er noch mal weg müsste. Er raste zu Monroe und der sah ihn verwundert an, als er erklärte, er bräuchte ein wenig Ruhe und keine nervigen Fragen von Juliette, während er sich in diesem abartigen Chat herumtrieb, um etwas über die entführten Wesen herauszufinden. Monroe sah ihn zwar immer noch eigenartig an, ließ ihn dann aber auf seinem Sofa sitzen und brachte ihm sogar etwas zu trinken. Dann sah er ihm über die Schulter und Nick öffnete ein paar der abartigsten Seiten, auf denen er in den letzten Tagen recherchiert hatte. Dabei erzählte er Monroe alles, was er vielleicht herausgefunden hatte und dass er sich nun mit Portlands Perversen anfreunden müsste, um irgendwie zu so einem Escape Spiel eingeladen zu werden. Das Gesicht des Blutbades wurde immer blasser und schließlich fragte er Nick fast weinerlich, ob es ihm ausmachte, wenn er weiter Cello übte. Ganz und gar nicht, antwortete Nick beruhigt und loggte sich wieder ein.


„Schön, dass du gewartet hast“, schrieb er Bestie an. Im fast selben Moment bekam er eine Nachricht von einem gewissen Nukeboy:
„Hey, habe dich schon ein paarmal hier gesehen. Interessanter Name. Stehst du auf Hörner oder hast du selbst welche.“
„Beides.“ Schrieb Nick kühl. Er hatte einen Raum eröffnet und Bestie eingeladen, doch der war scheinbar eingeschlafen.
„Du gehörst hoffentlich nicht zum Ziegenvolk? Die stinken immer so“, schrieb Nukeboy und Nicks Puls begann zu rasen. Na bitte, geht doch!! Es fiel ihm in jenem Augenblick wirklich schwer nichts zu Monroe zu sagen, der glücklicherweise ziemlich in sein Spiel vertieft war.


Gleichzeitig nahm Bestie endlich seine Einladung an und schrieb in den Raum:
„Immer doch.“ Leider war Nick so aufgeregt, dass er sich gar nicht recht konzentrieren konnte.


Zu Nukeboy schrieb er vage:
„Nein. Du etwa?“
„Natürlich nicht! Wie sieht deine Fellfarbe aus?“
„Was glaubst du, was ich bin? Ein Haustier? Ich bin ein Einhorn und habe selbstverständlich rein weißes Fell.“
„Du hast keine Ahnung, auf was ich hinauswill, oder?“, schrieb Nukeboy.
„Vielleicht doch“, schrieb Nick und machte ein paar lächelnde Smilieys, um ihn nicht zu vertreiben.


„Wieso habe ich den Eindruck, du bist nicht mehr allein?“, fragte Bestie und Nick holte unwillkürlich tief Luft.
„Das bin ich auch nicht, tut mir leid. Ging heute nicht anders.“
„Wollen wir Schluss machen? Ich hätte dann noch etwas vor.“ Ganz unerwartet war Nick verärgert und enttäuscht. Nein, er wollte nicht Schluss machen, doch unter diesen Umständen war diese Art „Gespräch“ nicht wirklich machbar.


„Okay, lässt du mich raten was du bist?“, kam es von Nukeboy.
„Nur zu … rate!“, tippte Nick genervt.


„Was hast du denn noch vor, Bestie?“
„Ich gehe mich amüsieren.“
„In Portland?“
„Ja.“
„Ganz allein?“
„Vielleicht.“
„Warte kurz.
Was … Was ist, wenn ich dir sage, dass du mir etwas bedeutest, sehr viel zu sogar, wir aber nicht zusammen sein können, weil wir zu verschieden sind und es niemals funktionieren würde.“ Nick nahm damit den Gesprächsverlauf von vor seinem Umzug zu Monroes Haus auf, weil er es unbedingt loswerden wollte. An sexuelle Fantasie war gerade nicht mehr zu denken, doch irgendwie hatte er das Bedürfnis Bestie seine Gedanken wissen zu lassen.
„Ich verstehe das, Hörnchen, denn ich sehe es wie du. Ich würde dich küssen. Nur ein kurzer aber fester Kuss auf deine Lippen. Dann würde ich dich wegschicken, weil ich dir recht geben muss.“
„Nein, schick mich nicht weg! Du kannst mich zwingen. Du kannst mich dazu bringen eine andere Sicht auf die Dinge zu haben.“


„Okay, schon mal in einem Fuchsbau gewesen?“, kam es von Nukeboy und Nick, der völlig überfordert war von seinen Gefühlen, seinen Gedanken und seinen Undercover-Ermittlungen, unterdrückte ein leidendes Stöhnen.
„Seit wann hat ein Fuchsbau Hörner?“, fragte er nach.


„Ich kann dich zu nichts zwingen, was du nicht tief in dir willst. Nichts gegen ein wenig körperlichen Druck und Beeinflussung, doch die wichtigen Dinge entscheidet nicht dein Körper, Hörnchen, sondern dein Herz.“
„Gut, ich gebe es zu, ich habe doch enorme Angst dir zu sagen, dass mich ganz tief in meinem Innersten immer schon etwas Unerklärliches zu dir hingezogen hat“, gab Nick schwer seufzend zu und war froh, dass Monroe mit dem Rücken zu ihm saß und sich gerade in Höchstform fiedelte.
„Weshalb fürchtest du dich? Dir geschieht nichts, wenn du es sagst und eingestehst. Es ist ganz einfach.“
„Es ist überhaupt nicht einfach, weil ich wenigstens damit rechnen muss, dass du mich nicht abweist und dann erst wird es wirklich kompliziert. Dann wird meine und auch deine sorgsam aufgebaute Welt auseinanderbrechen.“ Bestie schrieb so lange nichts mehr, bis Nick glaubte, er wäre offline gegangen. Dieser Nukeboy hatte die Zeit offenbar auch im Überfluss, der er ließ sich mit dem Antworten immer unendlich lange Zeit, weil er wahrscheinlich nebenher noch den Rest der User anschrieb, ob sie Fuchsbau oder Nashorn oder sonst ein Wesen waren. So wenig subtil und trotzdem hatte es ewig gedauert, bis Nick ihn am Haken hatte und das nur, wegen seinem einfallslosen Chatnamen.
„Ich kann verstehen, was du meinst.“, schrieb Bestie und Nick kam nicht umhin, seine Worte als bekümmert wahrzunehmen.
„Manchmal jedoch, eröffnen sich ein Weg, wo man vorher keinen sieht. Man sieht den Weg erst, wenn man ihn geht. Ich weiß, das klingt ebenso schwärmerisch und idealistisch, wie ich dich Hörnchen nenne. Aber es ist mitunter die Wahrheit, die ich selbst schon erfahren habe.“ Als Nick diese Worte las, hatte er ganz unerwartet das dringende Bedürfnis diesen Mann kennenlernen zu wollen. Irgendwas war an ihm, was ihn unheimlich anzog.


„Wie sieht es mit Nashörnern aus? Sind das deine Lieblingstiere? Oder doch lieber ein Taureus armenta?“
„Frag mich doch einfach ganz direkt was ich bin?!“
Nämlich ein Grimm, der dich finden und töten wird, dachte Nick  missmutig über seinen zerstörten Abend mit der Bestie.



„Und wenn ich dich wirklich gern kennenlernen wollen würde, im realen Leben meine ich.“
„Dann müsste ich dir mit einem Nein antworten, Hörnchen. Ich fühle mich im Moment dazu nicht in der Lage.“
„Ich könnte dich ein wenig trösten?“
„Warum denkst du, dass ich Trost brauche?“
„Tust du nicht? Du liest dich aber so.“
„Du irrst dich. Ich bin nur nicht allzu kontaktfreudig. Es hat nichts mit dir zu tun. Mein Leben ist nur schon kompliziert genug.“ Wow, dachte Nick. So viele Informationen über die Bestie hatte er bisher noch nie bekommen.
„Und jetzt gehst du dich also amüsieren? Bist du später wieder hier?“
„Ich wage mich jetzt in die echte Welt, richtig. Ich weiß nicht, ob ich später noch mal hier rein schaue. Warte nicht auf mich.“
„Okay, dann viel Spaß und pass auf dich auf.“
„:)“
Bekam Nick eine Antwort, mit der er im Leben nicht gerechnet hatte. Dann war Bestie offline und Nick hatte das eigenartige und sehr verstörende Gefühl, dass dieser Typ ein Stück von seinem Herzen mitnahm.



„Was ist los, Nick?“ Er hatte nicht mitbekommen, dass Monroe aufgehört hatte zu spielen und zu ihm gekommen war. Aufmerksam und dezent besorgt sah er ihn nun an.
„Ich …“ Nick musste sich räuspern, weil seine Stimme auffällig belegt war.
„Ich denke, ich habe da einen an der Angel. Mit Monroes Unterstützung quetschten sie dann den Typen namens Nukeboy bis aufs Hemd aus. Soweit, dass er Einhorn7 eine Einladung zu einem dieser Escape Spiele aussprach und ihm Ort und Uhrzeit nannte. Morgen Abend 23 Uhr sollte sich Nick am Eingang des Japanischen Gartens einfinden. Von dort aus würde die Tour dann beginnen. Allerdings waren sich Nick und Monroe einig, dass Nukeboy eher nicht als Kidnapper oder Mörder in Frage kam, denn dazu war er einfach zu dämlich. Aber er wusste über Wesen Bescheid und Nick hatte seinen ersehnten Treffpunkt. Nukeboy war offenbar nur der Promoter oder „Rattenfänger“ wie das Blutbad einwarf. Monroe wollte mit ihm kommen, doch Nick redete ihm das aus, weil er sonst nur in Gefahr kam und außerdem nahm ein anderer Plan in seinem Kopf Gestalt an.
Vielleicht würde er Bestie doch nochmal fragen und könnte ihn bei dieser Gelegenheit gleich kennenlernen. Doch wurde das mehr als problematisch, wenn Bestie tatsächlich ein Wesen war und den Grimm erkannte. Er könnte ja Renard um Hilfe bitten, dachte er zynisch, doch der kreuzte durch Europa verdrehte den Römerinnen vermutlich den Kopf und dachte sicher in keiner Sekunde an Nick oder darüber nach, dass der Grimm vielleicht mehr für ihn empfinden könnte, als Abneigung und Verachtung. Und daran war er sogar irgendwie selbst schuld.
Es stimmte, was er Bestie geschrieben hatte. Seine größte und auch abwegigste Angst bei diesem grotesken Szenario war, dass Sean ihn nicht abweisen würde. Nicks komplettes Weltbild würde in sich zusammenkrachen wie die Pappwände im Theater, die eine Bühne umgaben, auf der das Zauberbiest und der Grimm festgelegte Rollen innehatten, die nicht verhandelbar waren. Aber Besties Weisheit machte ihm Hoffnung, dass es vielleicht doch anders sein könnte und er es nur nicht sehen könnte, weil er nicht den Mut besaß den Weg zu gehen.




Anderswo in Portland zog sich Sean Renard entschlossen an. Natürlich hätte er gern länger mit dem Einhorn geschrieben, doch der Junge schien abgelenkt und war nicht allein. Während er auf ihn warten musste, hatte er sich mit Bloodsport „angefreundet“ aus dem einzigen Grund, weil Hörnchen mit ihm etwas am Laufen hatte. Bloodsport war angetan von seinem Interesse und erzählte ganz freimütig über was sie gesprochen hatten. Als er eine Art Spielevent erwähnte, wurde Sean aufmerksam. So ganz wollte Bloody mit der Sprache nicht rausrücken, doch als Sean ihm ein spontanes nächtliches Treffen vorschlug, war der Typ nicht abgeneigt. Dorthin war er nun unterwegs, um vielleicht endlich auf die richtige Spur zu kommen und vor allem, um Hörnchen und seine Gedanken um Nick zu verdrängen. All das nahm überhand und er begann sich langsam vor sich selbst zu gruseln.
Er hätte sich schon gern mit dem Einhorn getroffen, einfach nur, um ihm zu sagen, dass er sich von den ganzen Perversen und vor allem von Männern wie ihm selbst fernhalten musste. Natürlich war er neugierig auf ihn und vielleicht wäre es ganz nett und er könnte seine Gefühle für einen Grimm mal ein paar Momente ausblenden. Und wenn nicht? Wenn er Hörnchen unrecht tat oder schlimmer noch, ihn mit Biegen und Brechen zu Nick machen wollte, nur um ihn dann zu verletzen und mit seinem Zauberbiest womöglich zu Tode zu ängstigen? Nein, das war unverantwortlich.
Hörnchen hatte durchaus ordentlich Mut, das musste man ihm schon lassen und trotzdem konnte Sean seine schwierige Situation nachvollziehen. Bei Nick und ihm war es ähnlich. Sie konnten nicht aufeinander zugehen als wäre nichts geschehen. Sie konnten nicht von vorn anfangen, als hätten sie sich noch niemals getroffen. Und sie konnten ihre Identitäten nun mal nicht verleugnen. Warum sollte es nicht möglich sein, dass andere Menschen und Wesen auch solche Probleme hatten? Vielleicht fühlte er sich diesem Einhorn deshalb so verbunden? Weil sie in einer ähnlich unlösbaren Situation steckten?
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