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Des Einhorns rosaroter Traum

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Cpt. Sean Renard Det. Hank Griffin Det. Nick Burkhardt Eddie Monroe Juliette Silverton
05.07.2018
07.09.2018
12
41.732
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03.08.2018 3.704
 
„Und du hast wirklich nichts dagegen, Schatz?“
„Nein, mach dir einen netten Abend, Juliette. Grüße deine Mädels von mir!“ Sie gab ihm einen Kuss und wischte dann grinsend die Spuren des Lippenstiftes von seinem Mund.
„Bleib nicht wieder so lange auf, Nick!“, befahl sie spielerisch und er hob nur ergeben die Hand. Seine Freundin rauschte vergnügt durch die Tür und er atmete erleichtert auf. Tatsächlich konnte er es kaum erwarten sich ins Bett zu legen. Er würde den Laptop diesmal mitnehmen und dafür das Bier besser weglassen, ehe er sich wieder animiert fühlte gefährliche Worte zu tippen.

Schnell machte sich Nick ein Sandwich, aß es so hastig, dass er ein wenig Bauchweh davon bekam und kroch dann unter die angenehm kühle Bettdecke.
Trotzdem zögerte er, als er gefragt wurde, ob er den Chat betreten will. Ging es noch um den verschwundenen jungen Karl oder auch um sich selbst? Um sich und seine sinnlose Träumerei, die in der Realität niemals würde einen Platz finden können? Träume, die rosarot waren, wie die Wolke, auf der Besties Einhorn in seinem Profilbild saß?
Er loggte sich ein. Ein schneller Blick auf die Liste der anwesenden User zeigt, dass die Bestie zwar anwesend war, aber nicht aktiv war. Bloodsport hingegen war nicht online. Ein Weilchen las Nick wieder einfach nur im Chat mit, obwohl er sogar von ein paar Leuten begrüßt wurde. Wieder wurden Abartigkeiten getauscht und jemand mit weiblichem Pseudonym, das Lindsey Loch lautete, fragte Nick im offenen Chat, ob er es ihm schon mal eine Katze besorgt hatte. Er war ein wenig irritiert und suchte nebenher im Internet, was das zu bedeuten haben könnte. Eine Peitsche mit dem Namen Neunschwänzige Katze kam als einzige Lösung in Frage.
Er schrieb ihr nein. Er würde nicht so auf diesen Peitschenkram stehen und bekam eine Menge lachender Smileys und den Satz zurück: „Ich meinte eine echte Katze, Süßer. Verstört blinzelte er und die einzige Erklärung, die Nick für sich fand, war die, dass die Dame ein katzenartiges Wesen war. So wie die Mutter von Karl Tyler ein Katzenfuß war, gab es noch weitere, die man zu den Katzenwesen zählen konnte.
Er schrieb zurück, denn er musste jede Spur verfolgen, die etwas mit Wesen zu tun haben könnte.
„Heißt das, du bist eine Katze?“, fragte er und tat absichtlich auf unwissend und naiv. Wieder bekam er eine Menge Smilieys und verstand, dass die Bestie das total nervte.
„Und wenn ich das wäre? Würdest du dich von mir kratzen lassen?“
„Ich stehe wohl eher auf Männer“, schrieb er zurück und bemerkte dabei, wie sich sein Herzschlag beschleunigte, als er seinen getippten Satz las. Noch immer wurde Bestie als abwesend angezeigt. Vielleicht las er gerade mit und amüsierte sich köstlich. Vielleicht häutete er aber auch gerade ein armes Wesen. Dachte Nick gerade ernsthaft ‚armes Wesen‘?
„Wer sagt dir, dass ich kein Mann bin? Mein Pseudonym etwa? Sei nicht dumm! Du hast doch auch kein Horn und falls doch, würde ich es mir gern mal genauer anschauen. Wir können uns auch gern privat unterhalten?“
Beinah hektisch schrieb Nick nun die Bestie an.
„Bist du da?“
Lindsey Loch lud ihn in einen privaten Raum ein, doch er ignorierte ihre/seine Einladung vorläufig, obwohl er sich selbst dazu anhielt dem nachzugehen, denn jeder konnte der Gesuchte sein. Bestie antwortete nicht und Nick wurde nervöser.
Er nahm die Einladung von Lindsey an, schließlich konnte er jederzeit den Raum wechseln. Ein Blick in Lindseys Profil zeigte ein unverfängliches Katzenfoto und unter der Rubrik Neigung stand: Switcher.
„Hallo, großer Junge. Wie geht es dir?“
„Woher weißt du denn, dass ich männlich bin?“, fragte Nick genervt nach.
„Davon gehe ich aus, denn Frauen schreiben normalerweise viel mehr, nutzten eine Menge Smileys und Abkürzungen. Du nicht. Du bist männlich.“
„Und du?“
„Ich bin ein Switcher.“
„Das bezieht sich doch nur auf die Neigung.“
„Wer sagt das? Es kann sich auf noch viel mehr beziehen. Bist du in einer festen Beziehung zu einem Dom?“
Ich bin nicht devot veranlagt, hätte Nick nun am liebsten geschrieben, doch er musste erst einmal seine Tarnung aufrechterhalten.
„Nein. Ich bin noch auf der Suche. Ich bin ein wenig schwierig zu handhaben.“
„Ach Quatsch, für jeden gibt es die richtige Behandlung. Was genau ist dein Problem mein Hübscher?“
Nick überlegte; sah, dass Bestie immer noch nicht da war und hätte ihn fast nochmal angeschrieben. Er ließ es sein, weil er keinen allzu aufdringlichen Eindruck vermitteln wollte. Lindsey Loch war nicht wirklich unsympathisch oder taktlos, doch seine/ihre geheimnisvolle Art nervte Nick, während er es bei der Bestie eher stimulierend fand.
„Na ja, ich bin ein wenig zu stark, um mich leicht bändigen zu lassen.“
„Oh, das hört sich doch fabelhaft an. Nach einer echten Herausforderung, wenn du mich fragst. Beschreibe dich mal ein wenig, mein Jungchen.“


„Ich hätte nicht gedacht, dich hier wiederzutreffen“, kam endlich eine nüchterne Nachricht von der Bestie. Kein Hallo, kein Schön dich zu sehen, nichts, was darauf hindeutete, dass er sich freute oder gar auf ihn gewartet hatte.
„Warum nicht? Denkst du, ich gehöre zu den ängstlichen Typen?“
„Nein, ich dachte, du gehörst zu den schlauen Typen.“ Nick rollte mit den Augen. Das ging ja wunderbar los. Was hatte er auch erwartet? Ein wenig empört schrieb er zurück:
„Ich muss nicht beschützt werden, denn ich kann sehr gut allein auf mich aufpassen!“
„Das denken viele und dann sieht man sie nie wieder.“ Nick hob alarmiert die Augenbrauen. Allerdings musste er zugeben, dass wohl jeder hier in diesem bizarren Chatroom nicht alle Latten am Zaun hatte und jeder irgendwie verdächtig wirkte, wenn er nur ein Teufelssmiley herumschickte.
„Lädst du mich in einen privaten Raum ein?“
„Das kann ich nicht. Du bist schon in einem.“
„Würdest du mich denn einladen?“
„Geh einfach da raus, dann kann ich das!“


„Bist du noch da, mein Hübscher? Oder rubbelst du dir schon einen? Wenn ja, lass mich zusehen. Ach … ich sehe gerade, die Funktion der Webcam ist noch nicht verfügbar. Schade aber auch“, schrieb Lindsey Loch.
„Ich muss mal eben den Raum verlassen. Man liest sich.“, sagte Nick immerhin höflich und ging aus dem Raum, ohne auf Antwort von Lindsey zu warten.
Inzwischen glühte sein Gesicht irgendwie aber Nick kam nicht dahinter ob es die Verlegenheit war oder seine Aufregung, die das verursachte.
Er bekam eine Einladung von der Bestie und nahm sie umgehend an.

„Danke für deine Rettung.“
„??“
„Nichts, schon gut …“
„Hat dich Lindsey mit ihrer Katze bedrängt?“
„Nein. Ja, doch. Aber sie war nett. Ist es überhaupt eine sie? Kennst du sie?“
„Ich lese nur mit und nein, ich weiß nicht, ob es eine sie oder ein er ist. Aber er ist nicht einer der üblichen verrückten User, meiner Meinung nach. Einer der wenigen, die wenigstens einigermaßen schreiben können, auch wenn die Benutzung der Smilieys bedenklich ist.“
„Wow, ein so langer Satz.“
„Was soll das heißen, Einhorn? Provozierst du mich gerade, damit ich dir heute dein Hinterteil versohle?“

„Ähm ….“, sagte Nick laut und war kurz sprachlos. Jetzt stand er doch auf und holte sich aus lauter Unsicherheit ein Bier.
„Okay Bestie, wer bist du?“ Etwas Dämlicheres fiel ihm gerade nicht ein. Irgendwie war er so durcheinander, dass er ein wenig den Fokus verloren hatte.
„Sag mir, wer ich sein soll und ich bin es.“
Ja, na klar, er hätte jetzt wirklich nicht mit der Aussage rechnen müssen: Hey, ich bin übrigens ein Grundschullehrer mit einer Hasenscharte und eigentlich ein richtig schlimmer Gangster, der am liebsten hübschen Jungs den Hintern versohlt, bis sie bluten.
„Heißt das, wir machen weiter, wo wir gestern unterbrochen wurden?“, fragte Nick mit klopfendem Herzen nach.
„Wurden wir das? Du bist einfach verschwunden. Ist deine Mommy ins Zimmer gekommen?“
Mommy? Kein Mensch in Amerika sagte und schrieb Mommy, dachte Nick aufgerüttelt, legte den Gedanken aber erst einmal weiter hinten ab.
„Nein, meine Freundin.“
„Oh, na dann verzeihe ich dir deine Unhöflichkeit für dieses Mal. Sag ihr das nächste Mal, du seist schwer beschäftigt und sie soll dich in Ruhe lassen!“ Okay, dachte Nick beunruhigt. Es sollte vielleicht lustig klingen, tat es aber ganz und gar nicht. Er konnte eine merkwürdige Schwingung wahrnehmen. Etwas hatte seine Grimm-Sinne gekitzelt, denn wenn es das nicht war, dann könnte er jetzt das seltsame Gefühl kommen, dass der andere Mann auf eine spezielle Frau nicht allzu gut zu sprechen war.
„Alles in Ordnung bei dir?“, fragte Nick nach und stellte verwundert fest, dass er wirklich ein bisschen besorgt war.
„Ordnung ist ein relativer Begriff und ich könnte dir nur ehrlich darauf antworten, wenn du mich im realen Leben kennen würdest. Ich hoffe, du hast meine Äußerung gerade nicht falsch aufgefasst?“
„Nein, keine Sorge. Alles gut. Ich … vielleicht sollte ich dir doch etwas über diesen einen Mann erzählen, aber nur, wenn du mir versprichst, dass du nicht eifersüchtig wirst. Und da ich ja keine Smileys benutzen darf, füge ich an: Nimm diesen Satz nicht so ernst, ja?“
„Gut. Erzähl mir von ihm, Hörnchen.“ Unvermittelt musste Nick lächeln, über diese absurde Verniedlichungsform und das warme Gefühl in seiner Brust, was diese Bezeichnung verursachte.
„Er ist groß, gut gebaut und sieht sehr gut aus.“
„Aber natürlich …“, kam der eindeutig spöttische Kommentar, den Nick überging.
„Und er ist ziemlich mächtig. Er ist aber auch nicht gerade sehr umgänglich und eher der komplizierte Typ Mann.“
„Also dominant“, schlussfolgerte die Bestie kühl.
„Ja, ich denke schon“, log Nick, um das Gesprächsthema dem virtuellen Ort anzupassen. In Wahrheit hatte er keine Ahnung, ob man den Captain zwangsweise in die dominante Ecke stellen musste, oder ob der Mann einfach von Natur aus eine sehr beherrschende Persönlichkeit war, ohne eine Neigung dieser Sorte zu haben.
„Was meinst du mit er ist mächtig? Hat er eine hohe Position?“
„Ja, so was in der Art.“
„Erzähl mir mehr darüber.“
„Nein. Tut mir leid. Das geht nicht.“
„Schon gut. Das reicht mir fast. Sag mir nur noch etwas über dein Verhältnis zu ihm und ich baue daraus ein Szenario, damit du dich auf das mental und langsam einstimmen kannst, was du vielleicht irgendwann mal Realität werden lassen willst. Klingt das gut, Hörnchen?“ Nick starrte Ewigkeiten auf die Wörter und verstand nicht, warum er so gerührt davon war.
„Warum tust du das?“
„Warum tue ich was?“
„Warum bist du so nett zu mir?“
„Denkst du ich habe böse Absichten, die ich nur mit meiner Nettigkeit verschleiern will?“
„Nein … es interessiert mich nur, mehr nicht.“
„Gut, weil du so wenig Erfahrung hast, werde ich es dir sagen. Ich tue es, weil ich nicht möchte, dass dich andere Gestalten hier in die Finger bekommen und dich verderben.“
„Und … woher willst du wissen, dass ich tatsächlich so unerfahren bin? Vielleicht bin ich eine alte, zahnlose Oma, die es nur noch mal wissen will und gerade das Internet für sich entdeckt hat?“ Eine ziemlich lange Zeit bekam Nick keine Antwort.
„Du hast recht. Das kann ich nicht wissen. Du erinnerst mich nur an jemanden. Das ist der einzige Grund.“
„Jemand, den du gern magst?“
„Vielleicht.“
Nick wartete und antwortete nicht gleich. Seine Intuition sagte ihm, dass er eventuell doch noch eine Erklärung bekommen würde, wenn er Geduld aufbringen würde.
„Vielleicht gibt es da einen außergewöhnlichen Jemand, der für mich unerreichbar ist. Aber über mich sprechen wir besser nicht. Möchtest du jetzt von deinem Verhältnis zu Mr Big erzählen?“ Nick seufzte und holte sich dann doch schnell eine weitere Flasche Bier.
„Unsere Beziehung ist ziemlich problematisch und das ist eigentlich noch untertrieben.“
„Weil er dein Vorgesetzter ist?“
„Wie kommst du darauf? Das habe ich nicht gesagt. Es gibt so ein paar unangenehme Dinge, die in der Vergangenheit geschehen sind und ich denke, wir beide sind sehr schwierig im Umgang miteinander.“
„Ihr hattet schon mal etwas zusammen?“
„Oh Gott, nein!“
„Warum: Oh Gott, nein?!“ Gut, die Frage war absolut berechtigt, denn Nick hatte viel zu übertrieben reagiert.
„Wir passen nicht unbedingt gut zusammen, würde ich sagen. Mehr kann ich dir wirklich nicht sagen. Reicht dir das?“
„Ja, das reicht mir vorläufig. Hast du gut gemacht, Hörnchen.“ Nick strahlte und ärgerte sich sofort, weil er merkte, dass er sich viel zu schnell rein steigerte. Besser er sah mal nach, ob Bloodsport schon da war, oder ob er andere Namen fand, die sein Grimm-Interesse weckten. In diesem Moment fiel ihm ein, dass besagter Ent-Verführer ja nicht mal selbst ein Wesen sein musste. Ein aufgeklärtes Kehrseite-Schlich-Kennen mit einem unerklärlichen Hass oder anderen perversen Neigungen auf Wesen käme ebenso in Frage. Er müsste die Wesen nur dazu bringen, sich erkennen zu geben und das könnte er in einem Chat nur über Worte und die Webcam machen.
„Du hättest also gern, dass er dich küsst, Hörnchen? Würde dich dabei interessieren, ob seine Lippen weich sind oder ob er eher der wilde Typ ist, der dir seine Zunge gleich in den Mund schiebt?“ Unwillkürlich erregt, musste Nick schlucken. Ob er wollte oder nicht, begann er sich tatsächlich ernsthaft und sehr bildlich vorzustellen, wie Sean ihn küssen würde.
„Ich denke, er würde seine Hände um mein Gesicht legen, damit ich ihm in die Augen sehen muss.“
„Warum will er das?“
„Damit ich sehe, dass es ihm ernst ist. Er ist eher nicht so der spaßige Typ. Niemand, der einen Scherz macht, um gemocht zu werden oder lustig zu sein.“
„Verstehe. Was tun seine Finger?“
„Sein Daumen drückt mein Kinn nach oben und legt sich dann in das Grübchen auf meinem Kinn.“
„Du hast da ein Grübchen?“, fragte Bestie. Es las sich seltsam überrascht und Nick blinzelte durcheinander, war jedoch sofort wieder in seinem Gedankenspiel drin.
„Seine Lippen sind weich und vorsichtig, weil er nicht wissen kann, was ich tue. Vielleicht hat er sogar ein wenig Angst vor mir und ist deswegen sehr zurückhaltend.“
„Was kannst du in seinen Augen sehen?“
„Etwas Fremdartiges. Etwas sehr Reizvolles und doch etwas, was ich sehr gut kenne.“
„Lust?“
„Vielleicht auch das. Ich sehe aber vor allem seinen starken Willen, der mich in die Knie zwingen will.“
„Aber du kniest dich nicht einfach so, nehme ich an. Aber er sorgt dafür, indem er seine Hände auf deine Schultern legt und dich nach unten drückt. Er wird dir nur eine einzige Berührung seiner Lippen gönnen.“
„Warum nur eine?“
„Weil er sich nicht sicher sein kann, ob du ihm etwas vorspielst.“
„Aber er kennt mich doch und weiß, wie ich bin.“
„Wirklich? Du schriebst, ihr ward nie zusammen. Wie soll er dich da kennen? Wie soll er wissen, wie du empfindest? Wie soll er wissen, wie du dich innen anfühlst? Du kniest vor ihm Hörnchen, ob es dir gefällt oder nicht. Er hat die Hand in deinen Haaren und zwingt deinen Kopf nach oben, damit du sehen kannst, welche Macht er hat, aber auch, damit er dir zeigen kann, wie wichtig du ihm bist. Verstehst du das System? Wenn ja, dann sag mir jetzt, was du machst und wie du dich fühlst?!“ Nick rannte ins Bad und versuchte zu urinieren. Was ziemlich schwer war, denn er hatte eine beginnende Erektion und war darüber mehr als erschüttert. Gleichzeitig wollte er unbedingt mit diesem fremdartigen Spiel weitermachen, denn die Bilder, die Bestie erzeugte, bauten sich mit unfassbarer Leichtigkeit in seinem Kopf auf.
„Hast du keine Lust mehr?“, las er, als er aus dem Bad kam.
„Nein, ich meine doch. Aber geht mal mit einem Ständer pissen“, schrieb er frech und war über sich selbst erschrocken. Es kam auch länger nichts zurück, sodass er sich ernsthaft fragte, ob er die Bestie mit seiner Unverschämtheit verschreckt hatte.
„Oder hast du jetzt keine Lust mehr?“
„Oh doch, habe ich. Ich musste mich nur anders hinsetzen.“ Nick hob fragend die Brauen, verstand aber, dass er eine Erklärung bekommen hätte, wenn die Bestie hätte eine geben wollen.
„Gut, ich bin dran. Ich knie vor ihm und bin ein wenig erstaunt, dass er seine Kraft so ausnutzt, denn sonst versucht er sie zu verstecken. Es hat eine Bedeutung, dass er sie mich spüren lässt und der Schmerz stört mich nicht sonderlich. Ich bin hart im Nehmen und doch sehe ich ihm weiterhin flehend auf die Lippen, weil diese winzige Berührung so köstlich war, dass ich mehr will. Sie hat mir etwas versprochen und ich will, dass er es mir gibt.“
„Warum sollte er das tun? Was tun deine Hände?“
„Weil ich der bin, der ich bin. Er muss mir geben, was ich will. Meine Hände sind zu Fäusten geballt und liegen auf meinen Oberschenkeln.“
„Er muss gar nichts. Selbst wenn du Gott wärest, gibt es nichts vor dem er Angst hat. Nicht mal vor seinem eigenen Tod, das muss dir klar sein, Hörnchen. Lege deine Hände auf seine Beine und sei zärtlich dabei. Vergiss nicht, ihm weiterhin in die Augen zu sehen, denn vielleicht passiert darin etwas, wenn du ihm ein wenig Freiraum gibst und dich nicht allein auf dein eigenes Wollen konzentrierst.“
Mehrmals las Nick die Worte und brachte sie unweigerlich mit Sean in Verbindung. Alles, was er sich gerade vorstellte, war tatsächlich Sean und er. Wie zum Teufel passte dann Bestie ins Bild, der ihm hier gerade eine Gehirnwäsche vom Feinsten verpasste? Oder war er einfach nur reif für die Art Gedanken? Es war befremdlich, erregend und sein Glied hatte sich schon längst wieder obszön versteift und puckerte in seinen Shorts verlangend vor sich hin.
„Seine Beine … sind fest unter meinen Händen. Ich kann kein Zittern spüren, als ich sie nach oben in Richtung seiner Mitte schiebe“, tippte Nick und verschrieb sich ziemlich oft, sodass dieser Satz ewig dauerte.
„Wie gefällt es ihm?“
„Ich weiß nicht recht. Ich bin mir wirklich nicht sicher. Er ist abwartend.“
„Dann öffne jetzt seine Hose und tue es langsam, ohne seine Augen zu verlassen. Wehe du verpasst seinen Unmut! Und Hörnchen? Hab keine Angst, ich tue dir nichts.“
Nick schluckte aufgewühlt und las wieder und wieder die Worte. Sein Glied war steinhart und er war kurz davor sich selbst zu berühren und dabei war noch absolut nichts geschehen. Niemand hatte obszöne oder zu bildliche Darstellungen geliefert. Alles was passierte, geschah in Nicks Fantasie. Aber seine Lähmung kam von dem letzten Satz: Hab keine Angst, ich tue dir nichts.
Bestie schrieb nun ich Ich-Form und diese Personalisierung drang tief in Nick ein. In der dritten Person zu schreiben war einfach aber schrieb man in der Ich-Form identifizierte man sich mit der Figur. Bestie mochte also, was er schrieb. Nicks Finger waren allerdings erheblich unkonzentriert, als er antwortete.
„Gut, ich vertraue dir. Aber ich warne dich, meine Hände sind nicht besonders geübt und sie zittern, denn ich habe all diese Dinge noch nie getan.“ Nick war wie im Rausch. Kurz sah er sich selbst von außen. Sah sich im Bett liegen, mit einer unanständigen Erektion, während er mit einem unbekannten Mann frivole Intimitäten austauschte und dabei nur an seinen Vorgesetzten und Eigentlich-Feind denken musste. Irgendwas stimmte mit ihm wohl nicht. Erst recht nicht, weil es ihm gefiel und er weitermachen wollte.
„Wie fühlst du dich, Hörnchen?“
„Ich … mein Gesicht ist ganz heiß und ich will es gegen deine harte Männlichkeit pressen. Aber du lässt mich nicht, denn deine Hand ist immer noch in meinen Haaren, damit ich dich anschauen muss.“
„Das ist richtig und ich bin stolz auf dich, dass du es nicht vergessen hast. Was siehst du in meinen Augen?“
„Eine Mischung aus Lust und Angst.“
„Keine Angst. Ich habe keine Angst. Das solltest du besser nicht vergessen. Du darfst meine erregte Männlichkeit berühren und nimm deine Hand dazu.“ Nick hob seine Hand, doch die schob sich in seine eigene Hose. Er konnte dem Drang sich selbst zu berühren einfach nicht mehr widerstehen. Ein kleines, dunkles Stöhnen kam über seine Lippen, als sich seine eigenen Finger fest um sein so hartes Verlangen schlossen. Allerdings war es schwer mit nur einer Hand zu schreiben und dabei noch seiner eigenen Erregung Herr zu werden.
„Ich … es fühlt sich so gut an, doch … ich habe Bedenken etwas falsch zu machen.“
„Warum hast du Bedenken? Du musst keine Angst haben, solange du meinen Blick nicht verlässt.“ Tatsächlich schloss Nick aber fast überwältigt von den Bildern in seinem Kopf die Augen. Er wusste genau wie Seans Augen aussahen. Er kannte jedes Detail in seinem Gesicht und war darüber so erschrocken, dass er keuchte.
„Öffne jetzt deinen Mund, Hörnchen und lass mich rein.“
„Ich … kann gerade … nicht …sry“, schrieb Nick und hatte in diesen fünf Worten mehr Schreibfehler als im Rest des Gespräches.
„Dann werde ich dir deinen Mund öffnen. Es wird dir weh tun und du wirst es vielleicht nicht mögen, wenn ich dir weh tue. Eigentlich bist du der, der mich zwingen sollte.“



Nicks Hand konnte nicht mehr aufhören sich selbst zu berühren. Weder konnte er antworten, noch denken. Eigentlich war er nicht mehr wirklich anwesend. In seiner Fantasie kniete er in Seans Büro. Renard hatte alle Jalousien geschlossen und sogar seine Tür abgeschlossen, obwohl sich Nick wunderte, dass das überhaupt ging. Aber es ging und nun kniete er vor ihm. Es fiel ihm nicht leicht und doch war es erstaunlich einfach Seans Macht über ihn zu genießen. Eine Macht, die er eigentlich gar nicht haben dürfte und von der er auch nie erfahren sollte. Die Lust überschwemmte Nick, als Sean seinen Mund mit seinem Daumen öffnete. Ja, er hatte es darauf angelegt, öffnete dann aber wirklich gehorsam den Mund weit und ließ ihn ein. Nick versuchte zu schlucken und dieses Gefühl einer Erektion in seinem Mund war ungewohnt. Noch immer hatte Sean seine Hand in seinen Haaren und zwang damit seinen Kopf nach oben. Um Nick zu beobachten. Um zu sehen, ob er es richtig machte. Um ihm zu zeigen, dass es ihm gefiel, was er tat. Seine Augen waren verhangen und seine Lippen standen ein wenig offen, während er die Bewegungen von Nicks Kopf und damit Mund mit seiner eigenen Hand kontrollierte. Gern hätte Nick geseufzt, doch das war nicht möglich. Er konnte nur stöhnen. Heiß und pulsierend tropfte seine Lust aus ihm heraus. Nick keuchte nun in der Realität und zuckte noch ein paarmal lustvoll zusammen.
Großer Gott! Als er mit verschwommenem Blick auf den Chatverlauf sah, lief er rot an. Bestie war nicht mehr da. Er war allein im Raum und der letzte Satz, den Bestie geschrieben hatte, von Nick aber erst jetzt gelesen wurde, war überaus seltsam:
Eigentlich bist du der, der mich zwingen sollte. Was hatte er nur damit gemeint?
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