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Des Einhorns rosaroter Traum

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Cpt. Sean Renard Det. Hank Griffin Det. Nick Burkhardt Eddie Monroe Juliette Silverton
05.07.2018
07.09.2018
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06.09.2018 2.246
 
Die Aufklärung lief erstaunlich glatt. Gleich am nächsten Vormittag wurde Linda Seymore festgenommen, die alles mehr oder weniger zugab. Natürlich hatte sie weder Genehmigungen, noch war das, was sie getan hatte legal. Sie würde in mehreren Punkten angeklagt werden, saß jetzt jedoch erst mal in U-Haft. Als Nick sie gegen Mittag besuchte und dabei schon ein seltsames Gefühl bekam, wusste er, dass etwas von der ganzen Sache an ihm hängen bleiben würde. Er sprach mit Linda. Sie war eine clevere Geschäftsfrau um die 50, war recht hübsch aber knallhart an Erfolg interessiert. Als Nick sie direkt fragte, ob sie in diesem Regionalchat unterwegs war, gab sie es freimütig zu. Unauffällig schluckte er und war sich sicher, dass er mit ihr, bzw. Lindsey Loch gechattet hatte. Aber sie war kein Wesen und sie hatte auch nichts gegen Wesen. Sie benutzte sie nur als willige und exklusive Sklaven, um Kunden anzulocken. Er offenbarte sich nicht als Grimm und bekam alle Informationen, die er als Detective Burkhardt brauchte. Überhaupt lief alles so reibungslos, dass Nick schon fast verzweifelt nach einem Haken an der Sache suchte. Am liebsten würde er den Captain fragen, doch das ging erst, wenn der wieder offiziell arbeitete. Vielleicht gab es auch einfach keinen Haken und es lief mal ausnahmsweise ohne Probleme ab.


In seiner Mittagspause fuhr er zu Monroe. Schon heute Morgen hatte er ihm eine kurze Nachricht über seinen Erfolg getextet. Das Blutbad erwartete ihn schon und schlug ihm freudig auf die Schulter.
„Oh Nick, ich wusste, du bekommst das hin. Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll. Okay, ich war jetzt nicht davon ausgegangen, dass Jungs wie Karl das freiwillig tun, aber jetzt wissen wenigstens die Angehörigen Bescheid. Es gibt keine Leichen, Gott sei Dank und auch dir geht es gut!“
„Ehe ich es vergessen, Monroe. Wenn dich jemand fragt, Hank zum Beispiel, ich war da gestern mit dir dort!“ Monroe sah ihn natürlich fragend an und legte den Kopf schief.
„Und mit wem warst du tatsächlich da, Nick?“
„Mit Renard.“
„Dem Captain?“
„Ja, inoffiziell. Also behalte es für dich.“ Monroe sah an Nick vorbei und wirkte dabei abwesend. Doch sein Gesicht wurde immer fassungsloser.
„Du warst mit deinem Vorgesetzten in einem SM-Dungeon?“, fragte das Blutbad dann mit geweiteten Augen, als ihm die wahre Tragweite der Unternehmung klar wurde. Nick verzog das Gesicht.
„Wenn du das sagst, klingt das wirklich merkwürdig. Können wir das Thema bitte beenden und nie wieder erwähnen?“ Aufmerksam sah sein Freund ihn an und Nick befürchtete, dass Monroe viel mehr aus seiner Gestik und Mimik herauslesen würde, als ihm lieb war, doch das Blutbad zuckte schließlich nur die Schultern.
„Ja klar. So genau will ich das auch besser gar nicht wissen. Hauptsache, die vermissten Jungs sind wieder da und die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen.“
„Die Jungs sind junge Männer, die versuchen ein eigenes Leben zu führen. Sie sollten sich nur besser auf die Legalität verlegen“, merkte Nick an und dann musste er auch schon gehen. Er hatte noch eine Menge Papierkram zu erledigen und wollte noch mal allein mit Karl sprechen. Mit seiner Aktivität lenkte er sich davon ab, dass er nichts von Renard hörte und sich begann zu sorgen. Natürlich war der ja „im Urlaub“ und doch hätte er gern gewusst, was er tat und wie es ihm ging.




Sean schlief seinen Rausch aus.
Als er die Flurwache und Nukeboy außer Gefecht gesetzt hatte, hatte er sich hinter einer der uralten Eichen auf dem Krankenhausgelände versteckt und gewartet, ob alles so lief, wie er sich das vorgestellt hatte. Als das getan war, war er nach Hause gegangen und hatte sich dort eine Flasche von einem ziemlich teuren Rum gegönnt. Praktisch zur Feier des Tages, dass er Nick so nahe gekommen war wie niemals zuvor und doch alles zwischen ihnen komplizierter war wie jemals zuvor. Angezogen und halb bewusstlos war er auf sein Bett gefallen und da lag er am Abend immer noch, als sein Telefon vibrierte. Er stöhnte, weil er das Gefühl hatte, sein Kopf würde explodieren, als er abnahm.
„Kannst du in den Chat kommen? Ich hätte gerade Zeit.“
„Nick?“
„Oder möchtest du lieber, dass wir telefonieren?“
„Nein, ganz sicher nicht. Warte kurz, ich bin gleich da.“
Nick legte auf und Sean rappelte sich hoch. Nick wollte mit ihm chatten? War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Zeichen wofür? Während sein Laptop hochfuhr, wankte er ins Bad, trank etwas und nahm eine Menge Aspirin.
Nick wartete schon und schickte ihm eine Einladung.
„Was ist los? Gibt es Probleme? Läuft es nicht so, wie wir es geplant hatten?“
„Doch, alles gut. Ich wollte nur mit dir sprechen, weil ich nichts von dir gehört habe. Alles in Ordnung?“
„Mir geht es gut. Was ist mit deiner Freundin?“
„Die hat einen Haus- ich sollte eher sagen Stallbesuch in Barton und kommt erst später. Können wir nochmal anders anfangen, Bestie?“ Sean rieb sich über das Gesicht und begriff dann endlich warum Nick hier war und was er wollte. Er wollte über sie beide reden und das ging nicht, wenn sie die waren, die sie in der realen Welt waren.



„Wie war dein Tag, Hörnchen?“, frage Sean und während er das schriebe, merkte er verwundert wie er sich selbst gleich viel besser fühlte.
„Och, heute war es recht langweilig. Ich musste einen Haufen Papierkram machen und das war ziemlich ermüdend. Aber mein Fall ist geklärt und das freut mich ziemlich. Aber frag mich doch mal, wie meine Nacht davor war?“ Sean musste unvermittelt grinsen und spürte, wie Blut in seine Wangen schoss.
„Wie war deine Nacht, Kleiner?
„Heiß!“
„Nur heiß?“
„Sehr heiß und … okay, ich gebe es zu, ein wenig kompliziert. Ich hatte nämlich ein inoffizielles Date mit Mr Big.“
„Das ist nicht dein Ernst?! Du hast dich getraut?“
„Nein, verheiratet sind wir nicht gleich aber wir sind uns näher gekommen, denke ich.“
„Und? Wie hast du dich gemacht? Hast du ihn mit dem Respekt behandelt, der ihm gebührt?“
„Hm, ich glaube, da haben wir noch ein paar Baustellen. Er ist aber auch ein echt schwieriger Typ. Nie weiß man, was er will.“
„Oh doch, ich denke, du weißt sehr genau, was er will. Das muss er doch nicht sagen, oder Hörnchen?“
„Vielleicht sollte er es aber sagen, damit ich weiß woran ich bei ihm bin? Immerzu trägt er seine Maske und lässt mich nie sein wahres Ich sehen.“
„Kann es sein, dass er denkt, dass alles für dich immer noch ein Spiel ist? Denkt er, dass dir der Ernst fehlt und du nicht bis in die letzte Konsequenz gehen willst? Vielleicht denkt er, du willst nur ein bisschen Spaß, weil alles neu und aufregend für dich ist?“
„Du meinst, er ist nur für Sex nicht zu haben?“
„Könnte gut sein. Vielleicht hat er damit schon zu viel schlechte Erfahrung gemacht.“
„Was will er dann? Blutsbrüderschaft? Eine Hochzeit? Adoptierte Kinder?“ Sean stöhnte und rieb sich wieder über das Gesicht. Er war sich gerade nicht mehr sicher, ob Nick das noch im Spaß schrieb oder ihn ernsthaft vor eine Wahl stellte.
„Tiger? Noch da?“
„Ja, ich habe nur gerade keine konkrete Antwort für dich.“
„Vielleicht habe ich eine für dich. Man sollte einen Schritt nach dem nächsten machen und nicht mit dem Ende beginnen. Siehst du, ich kenne auch die Termini von Anfang und Ende.“
„Er würde nicht ablehnen, doch offenbar weiß er, dass du vergeben und nicht bereit für diesen Schritt bist, denn dieser Schritt könnte eine ganze Menge verändern. Erst recht, wenn man ihn mehrmals geht. Ehe man sich versieht, läuft man Meilen weit und dann steht man doch wieder plötzlich vor einer Kreuzung und muss sich neu entscheiden!“
„Das ist Blödsinn und oder seine Ausrede. Vielleicht glaubt er mich zu kennen, doch das tut er nicht. Er würde mich nur kennen, wenn er mit mir sprechen würde. Über mich, über uns und auch über sich. Dann wüsste er nämlich, dass ich flexibel bin und mich ständig weiterentwickele. Denn ich bin etwas Besonderes, Tiger. So wie er auch.“


Nick starrte wie hypnotisiert auf den Monitor. Er verstand selbst nicht, was er hier gerade provozierte. Aber er wusste, dass noch ein Schritt folgen müsste, um seiner Entscheidung näher zu kommen. Natürlich könnten sie sich weder in seinem Haus, noch in Seans Wohnung treffen. Es müsste ein neutraler Ort sein, an dem sie nicht sein mussten, was sie waren. Aber es musste geschehen, dass sie sich auf diese Weise trafen, denn nur so würde er wissen, ob es mehr als das war. Er verstand Sean allerdings auch. Der war kein Mann der halben Sachen. Er wollte alles oder nichts.
Nur wusste Nick nicht, was „alles“ für Sean bedeuten mochte.

„Willst du, dass ich dich zwinge?“, fragte Nick mit schnell schlagendem Herz, als Sean immer noch nicht geantwortet hatte.
„Versuch’s. Aber ich will dich warnen, Hörnchen. Es gibt für dich dann kein Zurück. Ich will dich ganz oder gar nicht.“ Hinter Nicks Augen brannte ein heißes Feuer, als er die Worte las. Wie schnell waren sie wieder in ihren Vertraulichkeiten.
„Würdest du mich zwingen, dir zu Diensten zu sein?“
„Wenn du das möchtest. Aber ich würde es eher die Bestie tun lassen. Würde dir das gefallen?“
Nick kniff die Augen zusammen und versuchte diese Bilder aus seinem Kopf zu vertreiben, die ihn schon wieder dazu animierten sich selbst zu berühren.
„Sind wir pervers?“
„Nein, nur besonders. Das weißt du doch.“
„Wo? Wann? Jetzt?“
„Ganz ruhig, Hörnchen. Nichts überstürzen. Nicht heute. Gib mir Zeit. Ich habe eine ziemlichen Kater und werde heute nichts anderes tun, als möglichst bewegungslos im Bett zu liegen und an dich zu denken.“
„Einen Kater? Was ist passiert?“
„Ich musste nach der Nacht runterkommen und meine Bestie hätte Dummheiten gemacht, wenn ich sie nicht betäubt hätte.“
„Hätte ich gern gesehen …“
„Nein, du hättest das Biest töten müssen. Denk in Ruhe über deine Entscheidung nach und zwinge mich dann!“
„In Ordnung. Ich werde dich zwingen. Und jetzt sag es mir!“
„Was soll ich dir sagen?“
„Was du willst!!!“
Sean seufzte gequält. Wenn der Grimm sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, war er nicht aufzuhalten. Nick wollte seine Entscheidung und er würde sie bekommen, weil es keine andere Wahl mehr gab. Doch Sean befürchtete zurecht, dass Nicks Entscheidung nicht zu seinen Gunsten ausfallen würde.
„Ich will dich, Nick. Wie törichte es sich auch anhört, es ist die Wahrheit. Ich wollte immer nur dich und es ist mir egal, wer du bist und was es für mich bedeutet. Aber das wusste ich natürlich am Anfang nicht und jetzt ist es zu spät.“
„Zu spät. Aber nicht zu Ende. Ich muss Schluss machen, J. kommt. Bis später!“
Nick ging einfach aus dem Chat, ohne auf eine Antwort von ihm zu warten.



Am Freitag verkündete Juliette, dass sie ihre Mutter am Wochenende in Seattle besuchen wollte, weil die sich das Bein gebrochen hatte und ein wenig Hilfe brauchte.
Nick hatte also ein ganzes Wochenende, um sich darüber klar zu werden, was er wollte, was er nicht wollte und was er dringend brauchte. Weil er die Sache nicht ganz zu dramatisch gestalten wollte, buchte er außerhalb von Portland in einem der zahlreichen, ländlichen Golfclubs ein Zimmer für zwei Tage. Es war kein 5-Sterne Luxus-Hotel, doch ein gutes Golfclubhotel. Zum Spaß buchte er noch einen Anfängerkurs für zwei Personen, obwohl er befürchtete, dass die Bälle bis zum Columbia River flogen, wenn er oder Sean sie schlugen. Aber wenn er schon seine Illusion mit einem Mann wie Sean Renard ernsthaft zusammen sein zu können, zerstören musste, dann wenigstens mit Stil.
Er schickte Sean kommentarlos die Buchung per E-Mail und musste feixen.
„Was ist so lustig, Nick? Hat der Captain etwa peinliche Knutschfotos mit hübschen Römerinnen auf seinem Facebook-Profil?“, fragte Hank vergnügt.
„Nein. Der hat doch keinen Facebook Account!“, sagte Nick nur und biss sich auf die Lippe, um nicht breit zu grinsen.
„Stimmt. Der ist so spießig und todlangweilig und wenn er nicht ein … du weißt schon wäre, würde ich behaupten, ich kenne keinen uninteressanteren Typen wie ihn.“ Es war besser darauf nicht zu antworten, denn die Antwort hätte Hank vielleicht nicht gefallen.
„Hm“, machte Nick nur und bekam eine Nachricht vom Captain.
„Golf? Ist das dein Ernst?“
„Golf und mehr. Erinnere dich ans Loslassen, Tiger und jetzt lösche diese E-Mail bitte gleich. So wie ich deine. Wir treffen uns dort.“

Beide fuhren getrennt zum Golf-Ressource und Nick war zuerst da und ließ sich schon mal den Zimmerschlüssel geben. Das Zimmer war sonnig, sauber und nett. Das Bett war groß und nicht zu weich, die Aussicht auf die Golfanlage war nicht berauschend, doch das würde sie sowieso nicht interessieren. Nick erfrischte sich und setzte sich dann auf den Balkon, um auf Sean zu warten. Dabei fragte er sich, ob er noch ganz bei Sinnen war.
Juliette auf diese Weise und so offensichtlich zu hintergehen, war ganz und gar nicht sein Stil. Na ja, dachte er korrigierend, nicht der Stil von Nick Burkhardt. Doch in Renards Gegenwart war er mehr. Nick war dunkler, egoistischer und verlangender. Es war, als würde sich seine Grimm-Seite und Seans Wesen gegenseitig anpassen und sie beide standen nun mal auf der Schattenseite, der Welt, von der eine Großteil der Bevölkerung noch nicht mal etwas ahnte. Der Mensch Nick Burkhardt trat ganz freiwillig in den Hintergrund, wenn das Zauberbiest anwesend war. Und wie Renard ihn angeblich spüren konnte, so konnte er auch ihn wahrnehmen. Er war auf dem Weg zu ihm und schon hörte er, wie sich die Tür öffnete.
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