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Des Einhorns rosaroter Traum

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Cpt. Sean Renard Det. Hank Griffin Det. Nick Burkhardt Eddie Monroe Juliette Silverton
05.07.2018
07.09.2018
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03.09.2018 2.148
 
Dieser Raum war ein wenig heller als die letzten beiden. In der Mitte des Raums war ein Hängesessel an der Decke befestigt, der sich nun langsam zu ihnen herumdrehte. Darin saß ein junger Mann, der einen ähnlich kompliziert geschnürten Latexbody trug, wie der Typ, der nun in der Etage über ihnen schrie.
„Oh Hallo, welch Zufall, dass ich auf Männer stehe. Warum seid ihr beiden noch angezogen?“, fragte der junge Mann nun mit schmalziger Stimme. Nick verengte die Augen, merkte aus den Augenwinkeln, dass Sean ihn verwundert ansah und kapierte endlich, woher er den Kerl da kannte.
„Karl Tyler?“, fragte er überrascht und ging einen Schritt auf ihn zu. Im selben Moment wogte Karl und zeigte sein Wesen. Er erkannte den Grimm und sprang erschrocken auf. Mit ein paar langen Schritten war Sean bei ihm, packte ihn und presste ihm die Hand fest auf den Mund, um seine Schreie zu dämpfen.
„Beruhige dich, der Grimm tut dir nichts!“, sprach er leise zu ihm, doch Karl zappelte wie verrückt in seinen Armen. Natürlich war er chancenlos und erst, als Sean sein Zauberbiest wogen ließ, um ihm zu zeigen, dass auch er ein Wesen war, schien sich Karl zu beruhigen. Seine Hand ließ Renard aber weiterhin auf seinem Mund, achtete aber darauf seine Nase freizulassen.
„Du musst keine Angst vor mir haben, Karl. Ich bin wegen dir hier. Wenn du nicht schreist, lässt er dich los, ja?“ Karl schnappte hinter Seans Hand hektisch nach Luft und nickte dann mehrmals. Vorsichtig entfernte er seine Hand, blieb aber dicht bei ihm stehen, um den jungen Mann im Notfall wieder zu packen.
„Ein Grimm?! Was willst du …“
„Ich bin wegen dir hier, Karl. Wegen dir und anderen verschwundenen Wesen. Weißt du was davon?“ Immer noch zitterte der Junge wie verrückt und sah aus weit aufgerissenen Augen verschreckt von Renard zu ihm.
„Er ist ein Zauberbiest …“, sagte er und sah Sean zu Tode verschreckt an. Er schien vor ihm fast mehr Furcht zu haben als vor dem Grimm. Nick war fast ein wenig beleidigt.
„Ja, ist er. Aber auch er wird dir nichts tun. Er ist mein Freund.“ Verstört sah Karl ihn nun wieder an. Offenbar begriff er nicht ganz, was er hörte. Sean hingegen versuchte Nicks Augen zu meiden, denn seine Aussage war ihm tief unter die Haut gegangen. Sah Nick ihn wirklich als einen Freund an? Das war wirklich unfassbar. Noch viel unglaublicher als alles, was zwischen ihnen passiert war.
„Ich verstehe nicht … was willst du hier?“ Noch immer wirkte Karl heftig verwirrt und es war schließlich Sean, der sprach.
„Kennst du einen Barry Spears?“
„Natürlich, der ist in der 2. Etage.“
„Kanntest du ihn vorher?“
„Nein, wir haben uns erst … kennengelernt.“
„Niemand weiß wo ihr seid und was ihr tut. War das Absicht, Karl?“, fragte nun Nick nach.
„Nicht wirklich. Barry, ich und noch ein paar andere Jungs wurden unter dem Vorwand an einem aufregenden und ganz neuartigen BDSM-Escape-Spiel teilzunehmen an einen Ort gelockt. Dort wurden wir alle, einzeln natürlich, ‚rekrutiert‘ und arbeiten seither an Orten wie diesen.“
„Was heißt an Orten wie diesen? Nicht nur in Portland?“
„Nein, wir sind an der ganzen Westküste unterwegs. Diese Events finden an unterschiedlichen Orten statt und wir gehören praktisch zum Inventar. Wie ein Wanderzirkus oder so was in der Art.“
„Und es ist euch nicht möglich zu fliehen oder irgendwie Hilfe zu holen?“, fragte Sean argwöhnisch nach und bohrte seine Augen unnachgiebig in Karls Gesicht. Der wurde knallrot und stammelte ziemlich herum:
„Na ja, doch … schon …irgendwie. Aber … keiner von uns hat daran Interesse. Wir werden ganz gut bezahlt, kommen rum und kommen sexuell auf unsere Kosten. Es ist wie eine kleine, verrückte Familie. Aussteigen ist nicht so einfach, denn uns wurde mit Konsequenzen gedroht, was unsere eigentliche Familie betrifft. Ich bin mit meiner Mutter zwar nicht sehr eng, doch will ich selbstverständlich nicht an ihrem Tod schuld sein oder dem meines Cousins. Außerdem wurde uns diese Tätigkeit als befristet verkauft. Nach einem Jahr steht es uns frei zu gehen. Alles in allem ist die Vereinbarung nicht so übel, denn immerhin kann ich mit Gleichgesinnten zusammen sein, habe Geld und einen Sinn im Leben.“
„Das alles erfüllt den Aspekt von Menschenhandel und Prostitution, Karl!“, warf Renard scharf ein und Karl zuckte sichtlich zusammen.
„Ich wollte doch endlich mal angenommen werden so wie ich wirklich bin und mich nicht immer wie ein Ausgestoßener fühlen … und hier ist es so“, murmelte Karl und Nick warf Sean einen nachdenklichen Blick zu.
„Das verstehe ich, Karl, doch wir müssen die Sache leider beenden.“
„Was? Was soll das heißen? Wirst du uns Wesen alle töten? Barry, mich und die andere?“ Seine Stimme überschlug sich vor Hysterie.
„Nein. Ich bin außerdem Polizist.“ Absichtlich erwähnte er nicht, dass es auch Sean war. Wieder sah Karl ihn in einer absurden Kombination aus Fassungslosigkeit und Furcht an und Nick musste zugeben, dass es immer schwer war zu verstehen, dass er nicht nur Grimm war und ausschließlich als solcher handelte.
„Heißt das, wir kommen alle ins Gefängnis?“
„Nein, aber ihr müsst gegen den Veranstalter dieser schrecklichen Events aussagen. Wie ist sein Name?“ Karl zögerte und sah ängstlich zu Renard.
„Ihr Name ist Linda Seymore und ihr gehört die Escape-Games Event Agentur in Portland. Alles legal, soweit ich weiß.“
„Linda Seymore? Wie interessant. Die Agentur im Pearl District?“ fragte Nick und seufzte leicht. Da war er doch drum herum gestolpert, wie ein Idiot. Wenn er das Puzzle neu ordnete, könnte man aus ihrem Namen vielleicht sogar Lindsey Loch machen.
Karl Tyler nickte zustimmend.
„War sie im Chat als Lindsey Loch unterwegs, Karl?“
„Ja, ich denke, das ist sie gewesen.“
„Was geschieht jetzt? Soll ich dir vorher noch zu Diensten sein, Grimm?“, fragte Karl und fiel plötzlich vor ihm auf die Knie, wobei sein Wesen wogte.
„Ganz sicher nicht. Steh auf und sag mir, wie die Tür aufgeht?“, sagte Nick und sah auffordernd zu Sean.
„Können wir nochmal darüber sprechen, Grimm? Ich würde das hier wirklich gern weitermachen. Es macht mich glücklich, auch wenn es nicht so aussieht“, bettelte Karl weinerlich.
„Nein, das ist nicht verhandelbar, sondern eine Straftat. Die Tür! Wie geht die auf?“ Nun wurde Karl erst rot, dann zeigte er wieder sein Wesen. Er stand auf, ging zu einem kleinen Tisch, auf dem wieder eine Menge „Instrumente“ lagen und nahm einen monströsen schwarzen Dildo in die Hand.
Sean hob die Augenbrauen und Nick musste grinsen.
„Damit?!“
„Nein, natürlich nicht. Aber man kann die Stärke der Vibration einstellen und auf Höchststufe löst sich der Batterieverschluss und darin befindet sich ein Zettel mit der Zahlenkombination.
„Und was, wenn man den Vibrator nicht angewendet hätte?“, fragte Sean ohne eine bestimmte Betonung.
„Dafür hätte ich dann schon irgendwann gesorgt?“, grinste Karl und Sean sah verwundert, dass der Kerl tatsächlich ganz in seinem Element war. Es tat ihm tatsächlich ein wenig leid, diese Welt zerstören zu müssen und er befürchtete, dass Personen wie Karl und Barry immer wieder einen Weg suchen und finden würde, sich in diese Welten zu flüchten. So wie er es selbst auch tat. Aber erzwungene Prostitution war eine Straftat, die man nicht durchgehen lassen durfte. Von den fehlenden Genehmigungen mal ganz zu schweigen, dachte Sean verärgert.
Nick ließ das schwarze Ding vibrieren und tatsächlich sprang das Batteriefach auf und ein klein zusammengerollter Zettel fiel heraus. Er gab ihn Sean, der ihn auseinander rollte und las.
Doch anstatt nun die Tür zu öffnen, bückte sich Sean und zog aus seinem Stiefel ein kleines Telefon. Er warf es Nick zu, der es geschickt auffing.
„Für Notfälle, falls du dich wunderst. Du rufst gleich damit beim PD an und lässt sie kommen. Du bleibst hier und erklärst alles. Du sagst, dass du auf einen privaten Verdacht hin ermittelt hast, das geht schon klar. Ich möchte nicht involviert sein, also halte bitte meinen Namen raus und kläre das am besten mit deinem Partner! Und du Karl, solltest besser verschweigen, dass er ein Grimm ist. Weiterhin kannst du dich nicht an mein Aussehen erinnern, ist das klar? Ich würde dir nur ungern drohen, doch ich tue es hiermit. Nicke deutlich, wenn du mich verstanden hast!“
Karl nickte eifrig und sah ängstlich zum Grimm.
„Keine Sorge, wir wollten dir nichts Böses, doch wir müssen ein paar Regeln einhalten. Ich bin als Polizist hier und als der hast du mich getroffen. Dir wird nichts passieren, wenn du mit dem PPD zusammenarbeitest. Hast du das soweit verstanden, Karl?“
„Ja, Grimm“, kam es kratzig aus Karls Mund. Sean und Nick sahen sich an und dann nickte Renard unmerklich. Unvermittelt zog er seine Lederjacke aus, nahm seine Maske heraus und warf die Jacke Nick zu.
„Zieh die besser drüber, sonst denken sie noch, du warst zu deinem privaten Vergnügen hier.“
Grinste Sean etwa listig wie ein Fuchs? Nick blinzelte und zog seine Jacke dann lächelnd über. Sie war innen noch warm von seinem Körper und es fiel ihm schwer ein wohliges Seufzen zurückzuhalten.
„Ich werde jetzt gehen und mich um den Kerl vor der Tür kümmern. Danach werde ich mich um Nukeboy kümmern, damit der schön hier bleibt, bis Verstärkung kommt. Kommst du mit allem klar, Nick?“ Sean zog sich wieder seine Maske über und Nick schluckte. Wehmut, das Gefühl eines unerklärlichen Verlustes und Trauer überschwemmte ihn. War damit alles zu Ende? War sein rosaroter Traum ausgeträumt? Was ist mit uns, hätte er am liebsten gefragt, doch das ging im Beisein von Karl nicht. Renards Blick war unterkühlt und ungeduldig, deswegen nickte er nur.
Der Captain gab die Zahlenkombination ein und zog die Tür hinter sich wieder zu.
Im Flur hörte man es Poltern. Es folgten Kampfgeräusche, dann war es still.



„Er ist dein Freund?“, fragte ihn Karl ungläubig, während Nick angestrengt lauschte, ob Sean Hilfe brauchen würde.
„Nicht so, wie du denkst, Karl.“
„Warum nicht? Er sieht fantastisch aus und wie er dich ansieht … meine Güte, was wäre das für eine Kombination?! Ein Grimm und ein Zauberbiest! Barry und ich …“
Unwirsch packte Nick den jungen Mann am Hals und drückte seine Finger zusammen. Karl röchelte erschrocken und sah ihn aus riesigen Augen angstvoll an.
„Wenn du das nur noch einmal äußerst, wenn du nur an mich als Grimm denkst, werde ich dich und alle deine Freunde und deine Familie töten. Sind wir uns einig?!“ Nick tat seine emotionale Übersprungreaktion leid, doch er konnte sich in diesem Moment des Verlustes einfach nicht zurückhalten.
Karl versuchte zu nicken und Tränen strömten aus seinen Augen.
„Sind wir … sind wir, Grimm“, keuchte er leise.
„Und jetzt komm wieder zu dir. Ich rufe jetzt meine Kollegen und wehe du verplapperst dich …!“, drohte er nochmal und meinte es sehr ernst.

Keine viertel Stunde später kamen ein paar Kollegen vorbei. Auch Hank und Sergeant Wu waren darunter.



„War das die private Grimm-Sache?“, fragte Hank leise. Sie standen ein wenig abseits, während die vermummten Mitarbeiter, die in ihren jeweiligen Stockwerken glücklicherweise nichts mitbekommen hatten, und der k.o. geschlagene Nukeboy in die Polizeiwagen verfrachtet wurden. Die Mitspieler wurden auch alle zum PD verfrachtet, weil sie verhört werden mussten. Auch Karl, Barry und noch zwei andere Männer, die Wesen waren, mussten zum PD gebracht werden. Überall war Blaulicht und Lärm und Nick war plötzlich unendlich müde und erschöpft.
„Genau. Das war sie. Die vier leichtbekleideten jungen Männer sind Wesen. Ich kann sie nicht verhören. Nicht heute. Machst du das für mich, Hank? Am besten allein? Du weißt schon warum …“
„Aber klar.“
„Ich danke dir. Ach ja, falls sie von einem Typen sprechen, der mit mir hier war, es war Monroe und ich habe ihn besser weggeschickt, ehe er noch in Schwierigkeiten kommt.“
„Verstehe.“ Hank schöpfte kein Verdacht und damit hatte Nick gerechnet. Nur müsste er beizeiten Monroe mitteilen, dass er dabei gewesen war und dann würde auch herauskommen, dass Renard mit ihm dort war. Aber besser es wusste das Blutbad als Hank, dachte Nick betrübt. Er stellte fest, dass am liebsten allen erzählt hätte, was er heute erlebt hatte.
„Warte kurz, Nick!“, rief ihm Hank dann doch nach. Mit einem mulmigen Gefühl drehte er sich um und war froh, dass er gerade im tiefen Schatten eines großen Baumes stand. Vermutlich errötete er gerade, denn sein Kumpel und Partner hatte sicher etwas entdeckt, was ihn argwöhnisch machte.
„Ist das deine Jacke, die du trägst?“
„Ähm, nein. Ist von Monroe.“ Hank kam näher und sah ihn so merkwürdig an, so dass Nick dann seine Jacke öffnete und Hank seine peinliche Verkleidung sah. Seine Brauen schossen nach oben und in der Dunkelheit leuchteten seine Zähne weiß.
„Ich war doch undercover …“, erläuterte Nick vollkommen unnötig, denn Griffin hatte längst verstanden und grinste weiterhin mehr als breit.
„Schon klar. Ich versuche mir jetzt gerade vorzustellen, was Monroe anhatte.“
„Lass es besser. Gute Nacht!“, sagte Nick mit einem angedeutetem Zwinkern und ging endlich mit großen Schritten zu seinem Auto.

Juliette schlief als er kam und er weckte sie nicht, sondern legte sich nur lautlos neben sie. Innerhalb weniger Minuten war er eingeschlafen.
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