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Das Ende der Strecke

von LilysEyes
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
Ashley Dinah Greaseball Pearl
05.07.2018
03.10.2018
18
41.220
3
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25 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
02.08.2018 2.191
 
So, hier mal ein echtes „Lampenfieber“ Kapitel für mich. Ich hoffe, es gefällt Euch :) Ich sage natürlich schon mal vielen Dank fürs Lesen und wie immer, herzlichen Dank an meine Korrekturleserin -Maxine-
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Totenstille folgte der leisen Bitte. Nur fünf Köpfe drehten sich gleichzeitig in die Richtung der Ecke, aus der sie gekommen war, um. Dinah hatte sich in ihrem seidenen Nest auf den Ellenbogen aufgestützt und blickte Greaseball und Caboose nun traurig an, sie sah so nicht wenig wie ein verlassenes Vogelküken aus. Ashley fühlte ihren Kiefer widerstandslos herunterklappen und neben ihr waren die beiden anderen Wagons immer noch starr vor Schock. Der Zorn des Diesels aber schien ein Fünkchen abzuebben und er warf das Schienenstück sofort mit einem ohrenbetäubenden Klirren quer durch den Raum, um den nun völlig regungslosen Bremswagon jetzt nur noch beim Kragen festzuhalten.

„Du hast ja keine Ahnung, wie viel Glück du hast“, knurrte er.

Caboose starrte nur mit offenem Mund an ihm vorbei.

„Ich werde diesem Bastard nichts tun“, sagte die Lok an Dinah gewandt, „keine Sorge.“

Den vollkommen erschlafften Bremser hinter sich her zur Treppe schleifend, griff er noch ein Schienenstück und binnen Sekunden war Caboose fest an das Geländer gefesselt, einen perfekter Eisenring um seine Mitte.

„Und ich will kein Wort von dir hören, es sei denn, ich sage dir, dass du sprechen sollst, verstanden?“

Der verstörte Wagon sah nicht aus, als hätte er sprechen können, wenn er es gewollt hätte.

Der Diesel rollte nun zu Dinah zurück, setzte sich neben sie und zog sie sanft in seine Arme.

Sie zitterte merkbar und er schlang die Seide etwas enger um ihre Schultern.

„Hast du Durst? Ich habe dir etwas von den Sorten gebracht, die du noch nicht probiert hast.“ Er sprach jetzt so leise, dass Ashley ihn kaum verstehen konnte. Dinah nickte schwach und Ashley sah mit stiller Verwunderung, wie Greaseball einige der kleinen Flaschen öffnete und ihr half, davon zu trinken.

Die drei Wagons standen noch immer völlig regungslos ihn ihrem Versteck in den Schatten, ohne die geringste Ahnung, wie sie auf die Szene vor ihnen reagieren sollten. Sie hatten die Situation vollkommen falsch eingeschätzt, das war jetzt nur allzu klar, aber etwas stimmte trotzdem definitiv nicht. Plötzlich hob Buffy ihre Hand und zeigte vorsichtig auf Dinah. Der Rauchwagon schüttelte den Kopf, um zu vermitteln, dass sie nicht verstand. Buffy mimte `trinken` und zeigte dann wieder auf die Beiden.

Jetzt verstand sie, kein Wunder, dass es dem Buffetwagon auffallen würde. Dinah trank etwas, das Limonade zu sein schien! Ashley furchte die Stirn, sie hatte noch nie einen Zug Limonade trinken sehen. Das würde ja nicht einmal einer Dampflok bekommen. Warum um alles in der Welt würde sie so etwas trinken, und auch noch freiwillig? Greaseball zwang sie ja nun offensichtlich nicht.

Pearl, die die ganze Zeit nur regungslos gestarrt hatte, rollte plötzlich einfach an den anderen Wagons vorbei aus ihrem Versteck hinter dem Vorhang. Es war unmöglich, dass sie dort unentdeckt bleiben würde.

„Dinah?“, fragte sie leise.

Ihre Freundinnen waren viel zu überrascht von ihrer jähen Entscheidung, sich zu zeigen, dass sie ihr nur mit großen Augen hinterher starrten.

Ein Ausdruck, den nun auch die Gesichter von Greaseball und Dinah, die zu ihr hoch geblickt hatten, widerspiegelten. Für einen Moment rührte sich oder sprach oder atmete keiner von ihnen. Dann begannen Dinahs Lippen zu beben und sie wandte sich ab, um ihr Gesicht an der Brust der Lok zu verbergen, ihr Körper jetzt von herzzerreißendem Schluchzen geschüttelt. Der Ausdruck von Überraschung auf dem Gesicht des Diesels wandelte sich zu gleichgültiger Resignation und er hob nur eine Hand, um ihr Haar zu streicheln.

„Ich hätte wissen müssen, dass du nicht den Mut hättest, allein hier her zu kommen“, murmelte er schließlich. „Dann sag mir doch, Pearl, was hat dieser Feigling dir denn erzählt, um dich hier mit reinzureißen?“

Der Kopf des Bremswagons schnellte hoch, Verwirrung und Wut verschmolzen auf seinem Gesicht, aber er schwieg.

„Es war nicht Caboose‘ Schuld, es war auch meine Idee“, sagte Pearl, während sie langsam die Treppe herabstieg.

„Ich weiß, es war falsch von uns, in dein Depot einzusteigen, aber...wir hatten alle solche Sorgen um Dinah.“

Ihre Worte schienen Dinah nur noch mehr schluchzen zu lassen.

„Und ihr brecht in mein Depot ein, weil ihr euch Sorgen macht?“ Es war offensichtlich, dass Greaseball versuchte, seinen Zorn zu unterdrücken, ohne es ganz zu schaffen. „Warum? Ihr hattet doch keinen Grund anzunehmen, dass sie hier wäre, oder? Und überhaupt ging es keinen, aber auch keinen von euch irgendetwas an!“

Die Lok schrie nun beinah, aber Pearl schüttelte nur stumm den Kopf.

„Ich weiß“, flüsterte sie beschämt.

„Wir sind in deinen Schuppen eingebrochen, weil wir dachten, du hättest ihr etwas getan!“, schrie Caboose plötzlich halb furchtsam, halb zornig.

„Ihr dachtet, ich hätte Dinah...etwas getan?“, fragte Greaseball ungläubig.

„Ja, genau das dachten wir!“, rief der Bremser aufmüpfig, bevor Pearl eine Chance hatte, zu antworten. „Und wenn du glaubst, dass du mit deinem Verhalten nicht Jedem den Grund gegeben hättest, das Allerschlechteste von dir zu denken, dann, mein Freund, bist du noch dämlicher und verblendeter, als ich es je für möglich gehalten hätte. Und Starlight weiß, du bist dämlich, denn nur ein Idiot wie du hätte jemals...“ Er verstummte abrupt wieder und starrte nur mürrisch zu Boden, als hätte er schon zu viel gesagt.

Dinah hatte sich wieder ein wenig gefasst und hob jetzt langsam ihren Kopf, um Pearl anzublicken. Von der Gangway aus hatte Pearl nur die dunklen Verfärbungen auf ihrem Gesicht bemerkt, aber nun konnte sie sehen, dass es außerdem noch mit seltsamen Kratzern bedeckt war. Als hätte Jemand ihr Gesicht mit dünnen, rötlichen Streifen bemalt und ihre Augen dick mit kränklich aussehenden Lila- und Gelbtönen umrahmt. Pearl hatte sie noch nie so mitleiderregend oder so wenig wie ihr übliches Selbst ausschauen sehen.

„Ihr...ihr habt gedacht, Greaseball hätte mir weh getan?“, flüsterte Dinah.

„Tut mir leid, Süße, aber, ja, dass haben wir“, sagte Ashley, die nun auch endlich hinter dem Vorhang hervor kam, sie konnte sich Pearl nicht länger alleine dem Zorn des Diesels stellen lassen.

Greaseball lachte bitter und schüttelte den Kopf, schwieg aber weiterhin.

„Wir können es erklären“, sagte Buffy, die sich jetzt zu dem Rauchwagon gesellte, „ ich meine, wenn du es noch willst.“

„Ich könnte verstehen, wenn du es nicht mehr wolltest“, fügte Pearl hinzu. „ Aber, oh Dinah, du warst so plötzlich fort und ich...ich war krank vor Sorge um dich, ich dachte, du wärest irgendwo ganz allein und am Boden zerstört.“ Pearl atmete zittrig ein, offensichtlich den Tränen nahe.

„Und dann hat Flat Top etwas gesagt, darüber, wie er Greaseball mit einem unbekannten Wagon gesehen hat, in der Nacht, bevor wir deinen Brief bekommen haben. Und als wir rausfanden, dass du nichts mitgenommen hattest...und Caboose...Caboose hat einen blutbefleckten Fetzen von deinem Kleid gefunden...oh Starlight, wir dachten, etwas Furchtbares wäre mit dir geschehen.“

Pearl weinte nun tatsächlich und wischte sich fahrig die Augen.

„Ach Dinah, es tut mir so leid.“ Sie rollte instinktiv ein paar Schritte auf ihre Freundin zu, aber Dinah hob ihre Hand, einen flehenden Ausdruck auf ihrem Gesicht.

„Pearl, bitte komm nicht näher, ich...ich bin...“ Sie stockte und Tränen liefen wieder über ihre Wangen.

„Dinah“, begann Ashley, „es gibt nichts mehr, was ich dem, was Pearl dir erzählt, hat noch hinzufügen könnte. Du kennst jetzt unsere Geschichte, wir haben es gut gemeint, aber wir haben etwas getan, wozu wir kein Recht hatten und wenn wir Glück haben, kannst du uns das verzeihen. Aber wir können alle sehen, dass etwas nicht stimmt, dass es dir schlecht geht. Also wenn du kannst, wenn du überhaupt noch willst, erzähl uns doch, was passiert ist und vielleicht können wir dir ja helfen.“

Dinah faltete die Hände in ihrem Schoß und blickte betrübt von den Wagons zu Caboose und dann wieder zu Ashley.

„Ich bin euch nicht böse“, flüsterte sie schließlich. „Ich verstehe nur nicht, wie ihr denken konntet, Greaseball würde mir weh tun...“

Die Lok murmelte etwas Unverständliches.

Dinah schüttelte ihren Kopf und fuhr sofort schmerzhaft zusammen.

„Nein, ich verstehe es nicht. Aber wie könnte ich es euch übel nehmen, dass ihr euch um mich gesorgt habt? Ihr seid meine besten Freunde auf der Welt. Und ich werde nie vergessen, wie freundlich du zu mir warst, Caboose, wie du mich getröstet hast. Also wie könnte ich nicht glauben, dass ihr mir nur helfen wolltet?“

Der Bremser hatte seinen Kopf erhoben, als sie seinen Namen sagte und Ashley konnte ihn schwer schlucken sehen, bevor er Dinah ein winziges Lächeln schenkte.

„Ach, wenn wir es doch nur könnten“, sagte Pearl sanft.

„Ich...ich glaube nur nicht, dass ihr es könnt“, erwiderte Dinah kaum hörbar.

„Aber kannst du uns denn nicht sagen, was dir fehlt?“, fragte Buffy. „Ist es so schlimm, dass du nicht darüber reden kannst?“

„Sie kann es euch nicht sagen, weil sie es nicht weiß. Wir wissen es nicht“, sagte Greaseball monoton.

„Ich glaube, ich bin krank“, sagte Dinah. Sie hob langsam eine zitternde Hand und ließ die Seide von ihren Schultern gleiten.

Pearl und Buffy stießen ein entsetztes Ächzen aus und Ashley musste sich hart zusammenreißen, nicht dasselbe zu tun.

Das übliche Chrom und Blau von ihren Schultern und was von ihrem Oberkörper sichtbar war, war nun eine zarte Pfirsichfarbe, wie eine hellere Schattierung der normalen Farbe ihres Gesichts. Die Kratzer und Flecken, die ihr Gesicht verunzierten, bedeckten auch ihren Hals und ihre Arme. Ihre Arme! Ashley wollte ihren Augen nicht trauen, auf Dinahs Armen wuchsen winzige blonde Härchen, kaum sichtbar, aber definitiv da. Das war vollkommen unmöglich!

„Prellungen“, sagte Caboose ungläubig, „Das sind Prellungen!“

Ashley konnte sich kaum dazu bringen, nicht automatisch zu widersprechen. Züge konnten keine Prellungen erleiden, es war einfach nicht möglich, und doch waren die dunklen Flecken auf Dinahs Körper genau das, Prellungen und Kratzer, Kratzer die offensichtlich einmal geblutet hatten.

Es schien, als würden sie nun für immer nur dort stehen und fassungslos starren, die Zeit eingefroren, stumm und regungslos vor Schock, und zu verstehen versuchen, was nicht zu verstehen war, als Dinah sich vor beugte und an dem Stoff, der ihre Beine bedeckte, zupfte.

Jetzt konnte selbst Ashley nicht mehr einen erschrockenen Ausruf unterdrücken, als zwei perfekt geformte Füße unter der Seide zum Vorschein kamen. Klein und weich aussehend, waren sie die einer jungen Frau. Einer jungen Menschenfrau.

„Aber das kann doch nicht sein...“, hauchte Pearl.

„Ach Kleines, wie...“ sagte Ashley, die irgendwie ihre Stimme widerfand. „Ich meine...du siehst ja aus...“

„Wie ein Mensch“, flüsterte Buffy, ihre Augen groß wie Untertassen.

„Versteht ihr jetzt, warum ich nicht denke, dass ihr mir helfen könnt?“, fragte Dinah traurig und bedeckte ihre Füße wieder.

„Und…du hast überhaupt keine Ahnung, wie das passiert ist?“ Ashley zog mit unsicheren Fingern eine Zigarette aus ihrem Handschuh, nur um sie sofort wieder zurückzustecken.

„Nein.“ Dinah zitterte und zog die Seide wieder um ihre Schultern.

„Du hast gesagt, du glaubst, du seist krank“, fragte Pearl zögerlich, „fühlst du dich denn krank? Ich meine, tut es weh...was dir passiert ist?“

„Jetzt nicht mehr so sehr“, antwortete Dinah, ihre Zähne klapperten jetzt. „ Ich fühle mich nur ziemlich schwach und müde und ich kann nicht aufstehen, ohne, dass mir schwindelig wird.“

Sie fuhr mit einer Hand über ihre feuchte Stirn und stöhnte schmerzerfüllt.

„Aber es muss doch irgendetwas geben, dass wir tun können, um dir zu helfen.“

Dinah wimmerte nur.

„Kopf tut weh...“, schaffte sie schließlich zu sagen, „... muss mich wieder hinlegen.

“Greaseball half ihr, sich langsam wieder auf ihr Bett zu legen und sie zuzudecken.

„Warum versuchst du nicht, ein bisschen zu schlafen?“, schlug er vor, bevor er noch etwas in einem Flüstern hinzufügte.

Dinah nickte leicht und flüsterte ihre Antwort ebenfalls, ihr Gesicht nun beinah durchscheinend blass.

Er streichelte noch einmal leicht mit seinen Knöcheln über ihre Wange, bevor er aufstand.

„Dinah möchte, dass ich euch erzähle, wie...das passiert ist“, begann er, mit einem Neigen des Kopfes zu einer gegenüberliegenden Ecke des Depots deutend, „Kommt.“

Die Wagons folgten ihm schweigend, alle noch versuchend zu begreifen, was sie erfahren hatten.Pearl warf noch einen sorgenvollen Blick über ihre Schulter zu ihrer kranken Freundin. Dinah schien schon eingeschlafen zu sein.

„Und was ist mit mir?“, beschwerte sich Caboose leise.

Anstatt zu antworten, griff Greaseball nur mit einer Hand hinter ihn und bog den ihn umgebenden Eisenring zu einem vollkommen glatten `U`. Caboose atmete erleichtert auf.

„Vielen Dank.“ Der kleinste Anflug von Gerissenheit hatte sich wieder in seine Stimme geschlichen.

„Ich schätze, ich muss dich nicht daran erinnern, dass ich auch viel schneller bin als du“, sagte der Diesel nur.

Der Bremswagen schüttelte schnell den Kopf. „Nein.“ Die Gerissenheit nun wieder völlig verschwunden.

Caboose rieb sich die Seiten und beeilte sich, sich den anderen Wagons, die sich in einem Halbkreis um die Lok auf den Boden gesetzt hatten, dazu zugesellen.

Unter anderen Umständen hätte er diese bizarre Situation, alle vier von ihnen wie Kinder, denen man ein Märchen erzählt, auf den Diesel blickend, wahrscheinlich recht lächerlich gefunden, aber jetzt konnte er seine Anspannung und Ungeduld kaum zügeln.

Gegen die nächste Wand gelehnt, kreuzte Greaseball die Arme vor der Brust, fixierte seinen Blick auf einen Punkt irgendwo über ihren Köpfen und begann zu erzählen.
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