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Das Ende der Strecke

von LilysEyes
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
Ashley Dinah Greaseball Pearl
05.07.2018
03.10.2018
18
41.220
3
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27.07.2018 1.392
 
Heute wieder mal nur ein Kapitel (bei der Hitze wahrscheinlich auch ausreichend) Trotzdem viel Spaß beim Lesen und wie immer, vielen Dank an meine Korrekturleserin -Maxine-

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Die Wagons erstarrten. Was sollten sie jetzt tun? Sie würden es nicht schaffen, durch das Oberlicht zu entkommen, nicht ohne Caboose‘ Hilfe und sicherlich nicht rechtzeitig. Der Bremser hatte seinen Schock beinah sofort überwunden und sich, in dem Wissen, dass er es unmöglich schnell genug die Treppe herauf schaffen würde, hinter einem Stapel aus alten Schienensegmenten, die Greaseball als Work-out in Spiralen und Schleifen bog, auf den Boden geworfen.

Eine kollektives Ächzen unterdrückend, eilten die Wagons auf die von den Vorhängen verdeckte Seite der Gangway und, wie sie hofften, außer Sicht. So nah am Boden wie möglich, kauerten sie sich in einem bangen Knäuel zusammen. Pearl, die jetzt so elend drein schaute, dass Ashley glaubte, sie könnte jeden Moment in Tränen ausbrechen, Buffy, die sich immer noch erschrocken Luft zu fächerte und Ashley, die nicht anders konnte, als um den Vorhang zu lugen und zu hoffen, dass der Diesel, wenn er es denn war, nicht im ungünstigsten Moment hochschauen würde.

Sie fühlte Jemand an ihrem Ärmel zupfen, es war Pearl, deren Gesicht eine Mischung aus Aufregung und Schrecken zeigte, zaghaft deutete sie in eine gegenüberliegende Ecke des Raumes unter ihnen. Ihrem Blick folgend, bemerkte Ashley dort Etwas auf dem Boden. Ein großes, crèmefarbenes Bündel, das dumpf in der Dunkelheit schimmerte. Das musste die Seide sein, um die man Rocky 2 erleichtert hatte, stellte sie verblüfft fest. Sie hatte keine Zeit, sich zu fragen, warum um alles in der Welt der Diesel sie wohl gestohlen haben könnte, bevor das Tor nun endlich aufglitt. Es war in der Tat Greaseball, und die Wagons duckten sich noch tiefer in die Schatten, Ashley jetzt gerade noch mit einem Auge linsend.

Der Diesel schloss das Tor mit einem sanften Klicken hinter sich, ein himmelweiter Unterschied zu seinen üblichen, dynamischen Eintritten. Ein einzelnes Neonlicht flimmerte unter ihnen auf und Ashley hoffte, es würde ihm nun viel schwerer fallen, sie in den Schatten zu erspähen. Caboose‘ Versteck war allerdings eine andere Sache und sie konnten nur hoffen, dass Greaseball nicht gerade jetzt trainieren wollte.

Die Lok atmete lange aus, bevor sie sich gegen das Tor sacken ließ und sich wiederholt mit einer Hand durch ihr Haar fuhr. Ashley konnte sich nicht erinnern, dass er jemals zuvor so müde ausgesehen hätte. Neben ihr verrenkten die anderen Wagons sich bei dem Versuch, zu sehen, was sie sah, ohne selbst entdeckt zu werden.

Greaseball presste nun die Ballen der Hände gegen seine Augen und murmelte etwas unverständliches, der Ausdruck auf seinem Gesicht nun beinah so etwas wie...Verzweiflung. Die Wagons wechselten kurze, verwirrte Blicke. Verzweiflung war nicht etwas, dessen sie die Lok auch nur für fähig gehalten hatten. Dann aber streckte sich sein Rückgrat wieder, seine Schultern glitten zurück und sein Gesicht nahm seinen üblichen, ungerührten Ausdruck an. Die Maske, wenn es denn eine war, jetzt wieder unverrückbar.

Der Rauchwagon konnte kaum einen Ausruf des Schreckens unterdrücken, als Pearl plötzlich mit schmerzhafter Intensität ihren Arm griff. Jetzt geradezu außer sich, deutete sie wieder auf das Bündel in der Ecke. Ashley blinzelte in dem Versuch, zu erkennen, was sie so entsetzt hatte, und dann sah sie es auch. Ein paar Strähnen hellblonden Haars lugten aus dem Bündel hervor. Und nun erkannten sie alle, was es war. Jemand lag dort in Seide eingehüllt auf dem Boden. Ashley hatte das Gefühl, als ob jede Schraube und Mutter in ihr sich plötzlich gelöst hätte und nun ihre Kehle hochrutschen wollte.

Die anderen Wagons klammerten sich jetzt krampfhaft an ihre Arme, beide nicht in der Lage, ihre Augen von dem, was nur Dinahs Leiche sein konnte, abzuwenden. Sie mussten so schnell wie möglich hier raus! Ashley riss sich so gut sie es konnte zusammen und blickte hinunter zum Bremswagon, der noch immer regungslos hinter dem Schienenstapel lag. Nur den Kopf hatte er etwas gehoben, vermutlich um durch eine Lücke zwischen zwei Schienen zu spähen.

Sie war sich relativ sicher, dass er ihre Entdeckung noch nicht bemerkt hatte. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, könnten sie es noch irgendwie schaffen, unbemerkt, oder zumindest schnell genug, aus dem Depot zu entkommen, aber Caboose sicherlich nicht und sie glaubte nicht, dass sie es übers Herz brächte, ihn dort mit dem Diesel zurückzulassen. Der Bremswagon war vielleicht stärker als er aussah, aber er war mit Sicherheit nicht stärker als Greaseball.

Der Diesel hatte nun die Tür zum Kühlschrank geöffnet und war lang genug darin verschwunden für Buffy zu flüstern: „Oh Starlight, was sollen wir nur tun?“, und für Ashley zu bemerken, dass Pearl jetzt still vor sich hin weinte. Sie hatte keine Chance, auch nur auf eines davon zu reagieren, als Greaseball jetzt wieder aufgetaucht war, etwas, das wie mehrere kleine Flaschen aussah, in seinem Arm. Was konnte das sein? Feuerzeugbenzin vielleicht? Hatte er vor, den belastenden Beweis schlechthin zu verbrennen?

Die Wagons guckten zu wie versteinert, wie er langsam zu dem Bündel in der Ecke rollte. Pearl wandte sich ab und verbarg ihr Gesicht in den Händen, als er die Flaschen vorsichtig auf dem Boden abstellte und sich lautlos neben das Bündel setzte. Ashley spürte, wie die Hand des Buffetwagons auf ihrem Arm zu zittern anfing, als er begann, die Seide, dort wo Dinahs Gesicht sein musste, sanft zurückzustreifen. Sie glaubte nicht, dass sie jemals so kurz davor gewesen war in Ohnmacht zu fallen, wie in diesem Moment.

Dinahs Gesicht, als es endlich zum Vorschein kam, war sehr blass und mit dunklen Flecken übersät. Die Hand des Buffetwagons verließ Ashleys Arm, als sie sich nun auch von dem Anblick abwandte. Ashley schluckte schwer und versuchte, die Tränen, die in ihren Augen aufsteigen wollten, zurück zu kämpfen. Wie, nur wie, hatte die Lok etwas so grauenvolles tun können? Er legte eine Hand gegen die Wange des Speisewagens und beugte sich mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen nieder, um sie zu küssen. Oh, Starlight! Ashley fühlte, wie sich eine eisige Leere in ihr auftat. Greaseball musste wahnsinnig geworden sein, das konnte die einzige Erklärung sein.

Irgendwie musste dieser Kuss mehr gewesen sein, als Caboose hatte ertragen können. Ohne Vorwarnung sprang er auf die Räder, griff eines der Schienenstücke und rollte jetzt mit einem schier mörderischen Gesichtsausdruck auf den Diesel zu. Was nur Sekunden gedauert haben konnte, schien für Ashley zu einer Ewigkeit zu werden. Und immer noch konnte sie sich nicht rühren, konnte nur mit ansehen, wie Greaseballs Kopf hochschoss, als er den Eindringling bemerkte, den Ausdruck von Zorn auf seinem Gesicht, als er sich erhob.

„Was zum Teufel machst du hier?“, forderte er, sein Ton bedrohlich gefasst.

„Ich glaube kaum, dass du in einer Position bist, mich irgendwas zu fragen“, erwiderte der Bremser durch zusammengebissene Zähne.

„Und was soll das hier jetzt werden? Bewaffneter Raubüberfall, huh, Caboose?“ Der Diesel hatte begonnen, sich langsam auf ihn zuzubewegen, sich sehr wohl bewusst, dass selbst bewaffnet, der Wagon ihm nicht gewachsen war.

„Schnauze, du weißt genau, warum ich hier bin, du Irrer“, knirschte Caboose und griff seine Waffe noch fester.

Mit einer Blitzgeschwindigkeit schoss die Lok plötzlich auf den Bremswagon zu, entriss ihm das Schienenstück und drückte ihn gegen die Wand wie eine Puppe, bevor er die Schiene mit furchtbarer Gewalt gegen seine Kehle presste.

„Du kleiner Psycho nennst mich einen Irren?“, knurrte er. „Du spionierst mir nach, weil du dich nie nur um deine eigenen Angelegenheiten kümmern kannst, du brichst in mein Depot ein und du wagst es, mich einen Irren zu nennen?“

Wahrscheinlich wollte Caboose antworten, aber er schaffte es nur, ein unverständliches Japsen von sich zu geben, während er vergebens versuchte, sich von dem Gewicht auf seiner Kehle zu befreien. Was immer Greaseball mit ihm vorhatte, sie konnten es nicht noch eine Sekunde weitergehen lassen, entschied Ashley, sich nun endlich halbwegs von ihrer Versteinerung befreiend.

Als hätten sie ihre Gedanken gelesen, versuchten Pearl und Buffy nun auch auf ihre Räder zu kommen, ihre Knie zitterten so sehr, dass sie es kaum schafften zu stehen, ohne sich auf dem Geländer abzustützen. Ashley musste feststellen, dass es ihr kaum besser erging, ihre Beine waren wie Gummi. Aber sie nickte den anderen Wagons so entschlossen, wie sie konnte, zu. Sie mussten den Diesel aufhalten und zwar sofort.

Aber eine leise, klagende Stimme ließ sie sofort wieder zu Statuen erstarren.

„Oh Greaseball, bitte tu ihm nicht weh.“
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