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Das Ende der Strecke

von LilysEyes
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
Ashley Dinah Greaseball Pearl
05.07.2018
03.10.2018
18
41.220
3
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22.07.2018 1.093
 
Wortlos bot der Rauchwagon ihm ihre Haarnadel an.

„Dankeschön.“ Caboose lächelte grimmig. Er hatte schon so manches Schloss erfolgreich geknackt, wenn auch noch nie ein so wuchtiges. Mit angehaltenem Atem bildeten die Wagons einen Halbkreis um ihn, so wäre er hoffentlich vor neugierigen Blicken abgeschirmt.

Seine Stirn in tiefer Konzentration gefurcht, drehte er die Haarnadel so vorsichtig wie möglich. Aber zu seiner Frustration merkte er bald, dass er nicht in der Lage sein würde, genug Druck auszuüben, ohne, dass die Nadel brach.

„Und? Funktioniert es?“, erkundigte sich Ashley angespannt.

Wie auf Kommando brach die Haarnadel entzwei.

„Beantwortet das deine Frage?“, sagte Caboose trocken.

„Nun ja, du hast es versucht...vielleicht ist es ja besser so.“ Pearl fragte sich, ob sie so ängstlich klang, wie sie sich fühlte.

„Ja, vielleicht“, stimmte der Bremswagon durch zusammengebissene Zähne zu. „ Aber irgendwie schaffe ich es da trotzdem rein.“

„Und wie genau willst du das machen?“, zischte Ashley. „Durch das Tor kommst du ja offensichtlich nicht rein und die Fenster sind viel zu hoch...aber selbst wenn nicht, wenn du eines einschlägst, wüsste Greaseball doch, dass ein Eindringling da war.“

Der Bremswagon deutete zu dem Oberlicht auf dem langsam ansteigenden Dach des Depots.

„Das Oberlicht“, antwortete er.

Buffy kniff die Augen zusammen. „Es scheint wirklich offen zu sein“, meinte sie.

„Aber wie willst du denn da rauf kommen?“, wollte Pearl wissen.

„Mit eurer Hilfe natürlich.“ Caboose gestattete sich ein kleines Lächeln.

„Okay dann..“, Ashley klang plötzlich ganz entschlossen. „Was sollen wir machen?“

Der Bremser blickte kalkulierend zum Dachüberstand hoch.

„Eine Räuberleiter dürfte schon alles sein, was ich brauche.“

„Wäre es nicht einfacher, wenn du für eine von uns eine Räuberleiter machen würdest?“, fragte Buffy zweifelnd.

„Versteh mich nicht falsch, aber wir sind  leichter als du.“

„Ich bin aber der Einzige, der stark genug ist, euch nach mir aufs Dach zu ziehen“, sagte Caboose.

„Ich glaube, Buffy und ich sind ein bisschen stärker als du, also schlage ich vor, du nimmst seine Hand, damit er nicht die Balance verliert, eh er den Dachüberhang greifen kann, okay?“, fragte Ashley, dem Buffetwagon schon ihre Hand entgegen haltend.

Pearl nickte und nahm ihren Platz neben dem Rauchwagon ein, während ihre Freundinnen ihre Finger ineinander verschränkten, um eine Stufe zu bilden.

„Bereit?“, fragte Caboose und legte seine Hände auf ihre Schultern.

„Ja.“ Ashley nickte nachdrücklich.

„Ich denke ja“, bestätigte Buffy etwas zögerlicher.

Er platzierte seine Räder vorsichtig in ihren Händen, dann griff er Pearls ausgestreckte Hand.

„Auf drei“, sagte Ashley, „eins, zwei...drei!“

Für eine Sekunde glaubte sie, sie hätten ihre vereinten Kräfte überschätzt und den Bremser einfach auf die Nase fallen lassen, aber dann hörte sie eine leise Stimme direkt über ihr.

„Ha, ihr habt’s geschafft.“

Nach oben schauend, konnten sie noch seine Räder verschwinden sehen, bevor nach einem Moment sein Gesicht über den Dachüberhang lugte.

„Gut, jetzt seid ihr dran, gib mir deine Hand.“ Er streckte seinen Arm so weit aus, wie er konnte, ohne den Halt zu verlieren.

Buffy wollte reflexartig nach seiner Hand greifen, aber Caboose schüttelte den Kopf.

„Nein, erst Ashley, dann du, dann Pearl. Von der Schwersten zur Leichtesten.“

„Oh, vielen Dank“, murmelte Ashley und ergriff seine Hand.

Er war wesentlich stärker als er aussah, bemerkte sie, als er sie mit relativer Leichtigkeit über den Rand des Dachs hochzog.
Buffy und Pearl folgten sofort, brachten den Bremswagon aber auch nur leicht außer Atem.

„Da ist eine Gangway unter dem Oberlicht“, begann er, nachdem sie Alle eine sicher Entfernung zwischen sich und den Dachüberhang gebracht hatten, „oder besser gesagt, etwas rechts davon, wir sollten sie recht leicht erreichen können. Wenn ihr keine Einwände habt, schlage ich vor, dass ich zuerst rein klettere und ihr dann in derselben Reihenfolge wie eben folgt.“

Die Wagons nickten nur einverstanden, ihre Anspannung deutlich in ihre Gesichter geschrieben.

„Okay, los geht’s“, flüsterte Caboose.

Unerwartet behände, kletterte er zu dem Oberlicht über ihnen hinauf, bevor er es mit geübter Leichtigkeit leise aufdrückte.

Die Wagons wagten kaum zu atmen, als er lautlos in das Depot verschwand. Ashley wartete noch ein paar Sekunden, bevor sie selbst das Dach zu erklimmen begann. Sie konnte Caboose‘ Fähigkeit, den Weg über das glatte, moosbefleckte Dach so einfach aussehen zu lassen, nur bewundern. Ihre Hände zitterten schon ein bisschen, als sie endlich ihr Ziel erreichte, und sie musste sich die Stirn mit ihrem Handschuh abwischen, bevor sie in das dunkle Depot hinab spähen konnte.

Der Bremswagon stand auf der Gangway, einen Finger an seinen Lippen, seine andere Hand ihr entgegen streckend. Ashley biss die Zähne zusammen und ließ sich durch das Oberlicht gleiten, bis sie sich nur noch mit beiden Händen an seinem Rahmen festhielt. Sie fühlte, wie Caboose ihre Knöchel ergriff und ihr einen leichten, ermutigenden Ruck in die richtige Richtung gab. Sie schluckte nervös, bevor sie losließ und mit einem gedämpften Wupp in seinen wartenden Armen landete.

Er setzte sie vorsichtig ab und blickte sie fragend an, einen Daumen nach oben gestreckt. Nickend erwiderte sie die Geste und er drehte sich sofort wieder um, um nach den Beinen des Buffetwagons, die jetzt herein gebaumelt kamen, zu greifen. Ashley nutzte die Gelegenheit, um ihre Arme auf das stählerne Geländer, welches die Gangway an drei Seiten umgab, aufzustützen und wieder Atem zu schöpfen. Sie schloss die Augen und versuchte, ihre Nachtsicht zu aktivieren.

Aber es machte nicht wirklich einen Unterschied, musste sie feststellen, es war einfach zu dunkel, um überhaupt richtig etwas sehen zu können. Sie konnte zwei wallende, von der Decke bis zum Boden reichende, graue Vorhänge erkennen, die einen guten Teil des Raums vor ihrem Blick verbargen. In dem offenliegenden Bereich waren ein paar reflektierende Punkte in der Dunkelheit alles, was sie ausmachen konnte, egal wie sehr sie ihre Augen anstrengte.

Jemand berührte leicht ihre Schulter und obwohl sie wusste, dass es nur Caboose oder eine von den anderen Wagons sein konnte, zuckte sie etwas zusammen. Es waren Pearl und Buffy, ihre Augen groß und beinah schwarz in der Dunkelheit.

Der Buffetwagon lächelte nervös, während Pearl sich nur angespannt auf die Lippe biss. Stumm deuteten sie auf den Bremswagon, der nun am oberen Ende der metallenen Treppe stand. Er zeigte in den weitläufigen, düsteren Raum unter ihnen und flüsterte: „Bereit?“

Ashley nickte mit Nachdruck, Buffy gab ihm ein `Daumen hoch` und Pearl ein zittriges Lächeln. Sein Gesicht, eine Maske der Entschlossenheit, begann er die Treppe herab zu steigen. Seine Räder waren fast lautlos auf den metallenen Gittern der Stufen und er hatte schon beinah den Fuß der Treppe erreicht, als sie plötzlich eines Geräuschs gewahr wurden, ein leichtes Rasseln. Jemand schloss das Tor auf!
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