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Das Ende der Strecke

von LilysEyes
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
Ashley Dinah Greaseball Pearl
05.07.2018
03.10.2018
18
41.220
3
Alle Kapitel
25 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
27.08.2018 1.804
 
Und hier ist noch mal ein kleineres Übergangskapitel. Wie immer, vielen Dank fürs Lesen und herzlichen Dank an meine Korrekturleserin -Maxine- (der ich letztes Kapitel gar nicht gedankt habe :( )

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Ashley erwachte mit einem Ruck, kerzengerade fuhr sie hoch von einem dieser seltsamen Träume, in denen sie plötzlich über einen Fluss oder einen Abgrund springen musste. Komisch, sie konnte sich gar nicht erinnern, eingeschlafen zu sein, sie hatte es draußen noch dämmern sehen. Schläfrig blickte sie auf ihre Uhr, es war fast halb sieben, sie hatte kaum zwei Stunden geschlafen. Sie unterdrückte ein Gähnen.

Neben ihr murmelte Buffy etwas und lehnte sich gegen den Bremswagon, der so weit vorneüber gesackt war, dass seine Stirn fast seine Knie berührte. Ihm stand wahrscheinlich ein unangenehmes Erwachen bevor.

Wach zu sein brachte nun Ashleys Schmachten nach Nikotin mit voller Wucht zurück und sie entschied, dass sie es nun lange genug bekämpft hatte. Sie stand so lautlos wie möglich auf und streckte ihren verkrampften Rücken. Hatte das immer schon so gequietscht? Wenigstens schien es niemanden geweckt zu haben. Nur auf ihren Vorderrädern fuhr sie zum Tor, schon eine Zigarette aus ihrem Handschuh schüttelnd.

Draußen war die Sonne ein blasses, nebliges Orange und sie wendete ihr seufzend ihr Gesicht zu, bevor sie sich endlich ihre ersehnte Zigarette ansteckte. Gegen das Tor gelehnt, nahm sie einen tiefen Zug. Das war schon viel, viel besser. Es war nicht gerade ein Vergnügen für einen Rauchwagon so lange ohne Nikotin auskommen zu müssen, aber sie hatte Bedenken gehabt, dass der Rauch Dinah vielleicht zusetzen könnte.

Sie konnte immer noch kaum glauben, was geschehen war. Obwohl sie und die anderen Wagons natürlich überglücklich waren, dass ihr Verdacht sich als unbegründet herausgestellt hatte und Dinah wenigsten noch unter den Lebenden weilte, so gab doch ihr seltsamer neuer Zustand, ihre mögliche Krankheit, kaum weniger Grund zu Sorge.

Obwohl, wäre es ironischer Weise nicht schlimmer, wenn sie nicht krank wäre? Wenn man krank war, gab es vielleicht wenigstens die theoretische Möglichkeit, geheilt zu werden. Aber was, wenn dies nun einfach war, wie Dinah von jetzt an sein würde? Dann würde Wrench ihr auch nicht helfen können.

Ashley schnippte den Zigarettenstummel in einen ihrer Aschenbecher und rollte in das Depot zurück, bedacht, das Tor so leise wie möglich hinter sich zu schließen.

„Ashley?“„Ja, ich bin's, ich hoffe, ich habe dich nicht geweckt.“ Es wäre ihr sehr unangenehm gewesen, Dinah aus dem Schlaf gerissen zu haben, nur weil sie rauchen musste.

„Hast du nicht, keine Sorge.“

Dinah hatte sich auf einen Ellenbogen gestützt, ihr Gesicht noch etwas schlafgerötet. Neben ihr lag Greaseball noch immer regungslos, aber Ashley konnte das schwache Morgenlicht in seinen dunklen Augen reflektieren sehen.

„Wie geht es dir denn heute?“, fragte sie, sich neben ihrer Freundin auf den Boden setzend.

„Besser...glaube ich“, erwiderte Dinah langsam. „Aber ich muss dich fragen, wie geht es dir denn? Du bist doch nicht...?“

„Mir geht es gut“, warf Ashley schnell ein, Dinah sollte sich nicht weiter ängstigen. „Uns geht es allen gut.“

Dinah seufzte erleichtert.

„Ich bin ja so froh.“

„Mach dir mal um uns keine Sorgen“, zwinkerte Ashley.

„Ich werd's versuchen.“ Sie lächelte zittrig.

„Gut.“ Ashley strich ihr leicht über das Haar, wie unglaublich weich es jetzt war.

Obwohl sie sich ziemlich sicher war, ihre Überraschung erfolgreich verborgen zu haben, schien es, als hätte Dinah es trotzdem bemerkt.

Sie nahm die Hand des Rauchwagons und legte sie leicht gegen ihre Wange, die warm und so weich wie Samt war.

„Fühlt sich seltsam an, nicht wahr?“, flüsterte sie.

„Ungewöhnlich“, meinte Ashley ehrlich und tätschelte ihre Wange sanft, bevor sie ihre Hand wieder zurück nahm.

Dinah nickte stumm.

„Nun, jetzt wo es ja ziemlich sicher ist, dass keiner von uns sich mit...was immer es auch sein mag, angesteckt hat, denkst du, dass du es vielleicht in Betracht ziehen würdest, Wrench dich mal untersuchen zu lassen?“

Dinah atmete langsam aus.

„Du weißt ja, dass sie unter Schweigepflicht steht“, fügte Ashley hinzu.

Dinah blickte sie eine Weile an, ihre Vergiss –mein –nicht-blauen Augen immer noch mehr als ein bisschen bedrückt.

„Ja, ich glaube du hast recht“, murmelte sie schließlich.

„Das glaube ich auch“, lächelte Ashley.

„Soll ich Wrench dann jetzt holen?“ Greaseball setzte sich langsam auf, offensichtlich in dem Versuch zu verbergen, wie erpicht er darauf war, den Reparaturwagon zu konsultieren.

„Mm mm.“ Dinah blickte ihn nicht an.

Der Diesel erhob sich und sein Blick traf für einen Moment Ashleys. Sein Gesicht war völlig emotionslos und der Rauchwagon lächelte nur leicht, aber das stille `Danke` und das antwortende `Gern geschehen`, wurde von beiden klar verstanden.

Er hatte kaum das Tor hinter sich geschlossen, als Ashley ihn schon in Richtung Bahnhof davonrasen hörte..............................................................................................................................................................Greaseball hoffte sehr, dass Wrench zu Hause war. Wenn er Pech hatte, hatte sie die Nacht in Electras Depot, welches noch ein gutes Stück weiter entfernt war, verbracht. Er hatte die E-Lok immer für einen ziemlichen Hypochonder gehalten. Das letzte Mal, dass ein Sturm die Stromleitungen beschädigt hatte, hatte Wrench eine ganze Woche in seinem Depot nächtigen müssen, da Electra behauptet hatte, der `abgestandene` Strom wäre ihm nicht bekommen und er müsste jederzeit einen Reparaturwagon in Reichweite haben.

Als er den Bahnhof passierte, nahm er vage die, schon mit ihrem frühmorgendlichen Work – out beschäftigten, Rockys auf Bahnsteig 3 wahr.

„Morgen, Greaseb...“, konnte er gerade noch einen von ihnen rufen hören, bevor er schon wieder außer Hörweite gejagt war. Das Depot des Reparaturwagons lag direkt an der Einfahrt zum Güterbahnhof und seine strahlende, grau- und blaugestrichene Fassade ließ keinen Zweifel daran, dass Electra sie für ihre Dienste fürstlich entlohnte. Der Diesel stoppte mit kreischenden Rädern und schlug donnernd an das Tor. Nachdem er mindesten fünf Sekunden gewartet hatte, befand sich seine Hand schon wieder im Anschlag, als sich das Tor öffnete.

„Aber Greaseball, warum denn klopfen, wenn du doch auch gleich das Tor eintreten kannst?“, fragte Wrench schnippisch, ihre Finger gegen den Rahmen tappend.

Die Lok biss die Zähne zusammen, eine wütende Wrench fehlte ihm gerade noch.

„Ein Wagon hatte einen Unfall und deine Hilfe wird benötigt“, war alles was er sagte.

Anscheinend war es auch alles, was er sagen musste. Der Reparaturwagon rollte sofort auf die Gleise, schloss das Tor mit einer fließenden Bewegung und hängte sich hinter ihm an, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Obwohl Wrench wirklich niemand war, den man verärgern wollte, war sie nichts wenn nicht professionell wenn es um ihre Arbeit ging.

„Weißt du wann und wo der Unfall passiert ist?“, erkundigte sie sich.

„Nicht wirklich.“ Ironischerweise schien das der Wahrheit am Nächsten zu kommen.

„Kannst du das Ausmaß der sichtbaren Verletzungen, die der Wagon erlitten hat, beschreiben?“

„Ich...wüsste nicht wirklich das Ausmaß“, erwiderte Greaseball langsam. „Aber es sind recht...drastische Verletzungen.“

Beinahe hätte er `Veränderungen` gesagt, aber er fühlte sich nicht in der Lage, dem Reparaturwagon kurz und knapp etwas zu erklären, dass er selbst ja immer noch kaum begreifen konnte.

Dinah hat sich in einen Menschen verwandelt, gibt's da vielleicht 'ne Salbe gegen? Da würde Wrench ja ihn  für den Kranken halten.

Wrench stellte keine weiteren Fragen und schwieg auch noch, als sie vor seinem Depot zu halten kamen.

Wortlos öffnete er das Tor, um sie herein zu lassen. Nur eine einzelne Birne brannte über dem Schlafbereich, wo Pearl und Dinah zusammen saßen und sich leise unterhielten. Wenn der Reparaturwagon überrascht war, sie zu sehen, ließ sie sich es jedenfalls nicht anmerken.

„Ist das die Patientin?“, fragte sie, diskret auf Dinah, die sich nun gegen einen Ballen Seide lehnend aufgesetzt hatte, deutend.

Der Diesel nickte stumm und beobachtete, wie sie erst mit ihr und dann mit Pearl einige Worte wechselte. Er konnte zwar nicht hören, was gesprochen wurde, aber der 1.-Klasse-Wagon nickte sofort und stand auf, um sich zu ihm an seinem Platz beim Tor zu gesellen.

„Die Anderen konnten nicht bleiben“, erklärte sie flüsternd. „Glücklicherweise muss ich heute nicht vor neun am Bahnhof sein.“

Sie beobachteten in angespannter Stille, wie Wrench vorsichtig Dinahs Gelenke testete, mit einer winzigen Taschenlampe in ihre Augen leuchtete, mit einem Stethoskop ihr Brust und Rücken abhorchte und dann, seltsamerweise, ihr Handgelenk hielt und dabei auf die Uhr schaute. Schließlich stand sie auf und sprach noch einige Worte mit ihrer Patientin, die aufmerksam zuzuhören schien und mehrmals nickte.

Die Untersuchung beendet, war nichts im Gesicht des Reparaturwagons zu lesen, das verraten hätte, ob sie gute oder schlechte Neuigkeiten für sie hatte.

„Konntest du zu einer Diagnose kommen?“, fragte Pearl leise.

Wrench räusperte sich, bevor sie antwortete.

„Mehrere Schnitt- und Kratzwunden, keine davon wirklich als tief zu bezeichnen und alle schon recht gut verheilt. Ein Schnitt an ihrem Arm scheint entzündet gewesen zu sein, hat jetzt aber auch begonnen abzuheilen. Dieser wird wohl auch das Fieber verursacht haben, was, wenn es nicht zu hoch ist, an sich normalerweise kein Grund zur Sorge ist. Es bedeutet in diesem Fall nur, dass ihr Körper eine Infektion bekämpft hat. Anfänglich wahrscheinlich eine moderate Gehirnerschütterung, daher die Schläfrigkeit und Kopfschmerzen. Die Pupillenreflexe sind aber völlig normal. Obwohl ich natürlich kein Experte für Menschenkrankheiten bin, sehe ich momentan nichts, das Dinahs vollkommener Genesung im Wege stünde.“

Sie räusperte sich wieder.

Pearl wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Greaseball hatte nur den Blick gesenkt und starrte ausdruckslos zu Boden.

„Mit anderen Worten also, ihre Verletzungen werden heilen, aber sie wird so bleiben, wie sie jetzt ist?“Wrench senkte ihre Stimme zu einem angestrengten Flüstern.

„Ich habe so etwas noch nie zuvor in meinem Leben gesehen, ich habe noch nicht einmal davon gehört, dass so etwas schon einmal passiert wäre. Basierend auf dem, was ich dachte  zu wissen, würde ich sagen, dass es völlig unmöglich ist und ich hätte es sicherlich nicht geglaubt, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte.“

Sie verschränkte ihre Hände vor sich und Pearl konnte sehen, dass sie ein klein wenig zitterten.

„Weiß Dinah es?“, wollte sie wissen.

„Ich habe ihr gesagt was ich euch gesagt habe, dass ihr Zustand sich weiter bessern wird.“

„Aber da ist nichts, was du sonst noch für sie tun kannst?“, fragte Greaseball schließlich.

„Nun, es gibt noch keine Heilung für das Menschsein, wenn es das ist, was du meinst.“

Der Diesel antwortete nicht, sondern blickte nur dumpf hinüber zu Dinah, die sich wieder in ihren Seidenkokon eingewickelt hatte.

„Ich würde es sehr schätzen, wenn du mich jetzt zu meinem Depot zurückbrächtest.“

Der Diesel blieb noch einen Moment reglos, bevor er nickte und sich umwandte, um das Tor zu öffnen.

„Danke für deine Hilfe“, sagte Pearl aufrichtig und hielt dem Reparaturwagon ihre Hand hin.Wrench gab ihr einen kurzen, aber festen Händedruck.

„Ich habe ja nun wirklich nicht viel tun können“, sagte sie, nur eine Spur zynisch, bevor sie sich hinter der Lok anhängte. Sie fuhren sofort los ohne, dass sie sich auch nur noch einmal umsah.
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