Fick dich!

GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
Anya Clarke Griffin Lexa Octavia Blake Raven Reyes
03.07.2018
10.07.2019
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41. Kapitel: Familie und Freunde – Teil 1

Lexas POV

Mit knurrendem Magen und rauchendem Kopf verlasse ich eine halbe Stunde nach Unterrichtsende das Schulgelände. Die Sonne brennt erbarmungslos auf meiner ohnehin schon erhitzten Haut, während vereinzelte Schweißperlen meine Stirn hinablaufen.

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich mich schleunigst nach Hause begeben sollte, weil Anya gleich nach Hause kommt; hoffentlich mit einer großen Nudelportion von unserem Lieblings Chinesen, denn ich sterbe vor Hunger; da wir noch einkaufen und den Salat für morgen vorbereiten müssen.

„Renn doch nicht so. Hast du es so eilig zu Clarke zu kommen?“, meckert meine beste Freundin leicht atemlos, während sie mit einer Hand an meinem T-Shirt zerrt, damit ich langsamer laufe. Ich wusste gar nicht, dass sie hinter mir läuft, hatte ich mich doch als erstes von allen verabschiedet, als wir alles geklärt hatten.

Costia bleibt im Team, allerdings wird ihr eine Frist gesetzt, in der sie sich beweisen muss. Sozusagen eine Probezeit, sollte sie sich jedoch noch so ein krummes Ding leisten, dann ist sie endgültig weg vom Fenster. Grinsend erinnere ich mich an ihr Gesicht, nachdem meine Kameraden wütend und entsetzt waren, als sie erfahren hatten, was sie getan hat.

„Sorry. Wusste doch nicht, dass du plötzlich hinter mir auftauchst“, entschuldige ich mich bei ihr und verlangsame meinen Gang, damit sie zu mir aufschließen kann.

„Was steht bei dir heute auf dem Plan?“

„Ich muss mit Anya einkaufen, dann machen wir zusammen den Salat und dann keine Ahnung“, antworte ich ehrlich, während mein Magen erneut laut nach Nahrung ruft.

„Und du wirst etwas Essen, wenn ich mir deinen leeren Magen so anhöre“, kichert Octavia, während sie ein breites Lächeln, für alle deutlich sichtbar, mitten in ihrem Gesicht platziert hat.

„Und bei dir?“

„Kein Plan. Denke wohl so etwas Ähnliches“, druckst sie vage herum, sodass ich sie skeptisch von der Seite mustere. Das Wetter hinterlässt auch an ihrem Körper deutliche Spuren. Ihre dunklen Haare sind zerzaust und kleben etwas an ihrer Stirn, obwohl sie versucht hat ihre Mähne mit einem Haargummi zu bändigen.

„Gehst du zu Raven?“, hake ich schmunzelnd nach.

„Vielleicht.“

„Komm schon, O“, brumme ich genervt über ihr spielerisches, nein eher kindisches Verhalten, da wir beide doch die Wahrheit kennen, die sehr wahrscheinlicher Weise eintreten wird. Kurz beißt sie sich auf ihre Unterlippe, bevor ihre Augen zu meinen wandern.

„Ja, denke schon. Wir wollen miteinander reden.“

„Reden nennt man das heutzutage also?“, ziehe ich sie auf, wofür ich einen Schlag ernte, den ich auch wirklich verdient habe, schließlich hätte ich es einfach lassen können, aber dafür war ihr Blick einfach etwas zu gut.

„Tu du mal ja nicht so unschuldig. Gehst du zu Clarke?“

„Würde ich gerne, aber sie hat noch ziemlich viel für Morgen zu erledigen“, seufze ich leise, während ich merke, wie sehr ich sie eigentlich vermisse, hatte ich doch die letzten Minuten durch unser Gespräch nicht mehr an sie gedacht.

„Verstehe.“

Als wir an der Straßengabelung ankommen trennen sich unsere Wege, nachdem wir uns voneinander verabschiedet haben und jeder nach Hause eilt, bevor wir uns morgen bei Clarke treffen. Gottseidank ist es nicht mehr weit, denn ich sterbe langsam wirklich vor Hunger.

Nach fünf Minuten stecke ich den Schlüssel in die Haustür in der leisen Hoffnung, dass Anya bereits zu Hause ist und ich nicht noch Ewigkeiten auf sie warten muss, denn ansonsten werde ich wirklich zu Staub zerfallen.

„Anya?“, rufe ich nach meiner Schwester, während ich meinen Schlüssel ablege und meine Schuhe ausziehe um anschließend in die Küche zu stolpern, aus der mir ein wohlbekannter Duft entgegenweht, der mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Sie könnte sich niemals an mich heranschleichen, wenn sie Essen mitbringt. Ich würde es fünf Meilen gegen den Wind riechen.

„Na, kleine Schwester. Genug mit Clarke gespielt für heute?“, begrüßt sie mich, während sie für uns mit einem Löffel Nudeln und Reis aus den Styroporschalen auf zwei Tellern verteilt. Wie vor den Kopf gestoßen, bleibe ich angewurzelt stehen, während sie mir frech zuzwinkert, was mich aus meiner Starre befreit.

„Bitte?“

„Ich hab ja schon fast damit gerechnet, dass ich heute allein zu Mittag essen muss“, ärgert sie mich weiter, wofür ich ihr einen wütenden Blick schenke.

„Anya“, murmle ich augenrollend, bevor ich mich zu ihr geselle und am Tisch Platz nehme, damit wir gemeinsam zu Mittag essen können. Ich schütte mir ein Glas Wasser ein, das schon vorbereitet für mich, auf dem Tisch stand.

„Was? Du kamst so spät von der Schule; obwohl du weißt, dass ich etwas zum Mittag mitbringen wollte und wir beide wissen genau was das ist; da war mir klar, dass nur Clarke ihre Finger sprichwörtlich, im Spiel hatte“, meint sie amüsiert, bevor sie die Schalen zuklappt, damit der Rest für später warm bleibt. Grummelnd beobachte ich, wie sie sich neben mich setzt und mir anschließend meinen Teller rüberschiebt.

„Sie hat noch viel vorzubereiten“, erkläre ich knapp, bevor ich mein Besteck nehme und endlich loslege, damit der unaufhörliche Speichelfluss in meinem Mund auch etwas Sinn macht. Wohltuend schlinge ich die ersten Bissen hinab, während Anya an ihrer Kaffeetasse nippt, bevor sie ebenfalls anfängt zu essen.

Woher ich weiß, dass darin Kaffee ist? Meine Schwester trinkt nichts anderes als Kaffee. Ohne diesen könnte sie nicht überleben. Ich brauche früh morgens jedoch auch meine tägliche Dosis, sonst geht gar nichts.

„Was gibt’s Neues in der Schule?“, fragt sie beiläufig, bevor sie eine Gabel voll Nudeln mit Hähnchen und Gemüse in ihren Mund schiebt. Ihre sanften Augen ruhen auf mir, während ich kaue, bevor ich herunterschlucke und anschließend einen Schluck Wasser trinke.

„Nicht besonders viel. Der Unterricht war langweilig und wir wurden in die Aula gerufen, weil der Direktor eine Ansprache wegen gestern halten wollte. Danach war endlich Schluss“, erzähle ich, bevor ich weiter esse, meinen Teller schon fast leer habe.

„Und warum kamst du dann so spät, wenn Clarke daran keine Schuld trägt?“, hakt sie nach, während sie offensichtlich eine Pause einlegt, da sie ihr Besteck zur Seite gelegt und stattdessen ihre Tasse in ihre Hände genommen hat.

„Wir hatten noch eine Teambesprechung. Fahren wir gleich einkaufen?“, lenke ich sie vom eigentlichen Thema ab, während ich hoffe, dass sie darauf anspringt, weil ich nicht über den Grund unserer außerplanmäßigen Besprechung sprechen möchte.

„Brauchen wir nicht. Ich habe vorhin schon alles mitgebracht, weil es auf dem Weg lag“, erklärt sie, bevor sie aufsteht, das restliche Essen zurück in die Schachtel kippt und anschließend ihr Geschirr in die Spülmaschine räumt. Nachdem ich zu Ende gegessen habe stehe ich ebenfalls auf und mache es ihr nach, bevor ich ihr helfe indem ich den Salat rupfe und putze, den sie anschließend trocknet und in eine grüne Salatschüssel gibt.

Nachdem wir die drei Salatköpfe fachgerecht zerkleinert haben bereitet sie das Dressing zu, während ich sie dabei beobachte, da ich ihr dabei nicht mehr helfen kann und ihr nur vor den Füßen herumstehen würde.

„Gleich sind wir fertig, dann können wir etwas entspannen. Hast du Lust einen Film mit mir zu schauen? Das haben wir lange nicht mehr gemacht“, schlage ich vor mit dem Hintergedanken daran, dass ich so etwas Zeit überbrücken könnte, damit ich Clarke nicht zu sehr vermisse.

„Das würde ich liebend gerne tun, Lex. Ich muss jedoch nochmal zurück zur Arbeit.“

„Bitte? Du warst doch heute Morgen schon so früh auf den Beinen“, beschwere ich mich, während ich eine Schnute ziehe. Damit habe ich nicht gerechnet und es gefällt mir auch partout nicht, denn ich wollte eigentlich nicht den ganzen Tag allein sein.

„Ich habe es leider nicht geschafft die Berichte der letzten Fälle zu schreiben, die ich aber zwingend nächste Woche bei meinem Vorgesetzten abgeben muss, Lexa. Ansonsten müsste ich morgen nochmal hinfahren und den Rest mitnehmen, den ich nicht geschafft habe. Wenn ich nach so langer Zeit endlich mal samstags und sonntags frei habe; es sei denn, es gibt einen Notfall; dann möchte ich das auch in vollen Zügen genießen und nicht an die Arbeit denken. Verstehst du?“

„Ok“, gebe ich mich geschlagen, verstehe ich doch ihre Beweggründe nur zu gut.

„Auf alle Fälle freue ich mich sehr auf morgen Abend. Du auch?“

„Na klar!“

„Bin mal gespannt, was Clarkes Vater zu euch sagen wird“, grinst sie plötzlich, während sie die fertige Sauce und den Salat zur Kühlung in den Kühlschrank stellt.

„Was soll er schon sagen?“, spiele ich es herunter, obwohl es mir absolut nicht einerlei ist, denn ich habe mir darüber selbst schon Gedanken gemacht. Clarke hat mit ihm gesprochen und auch ich werde wohl kaum um eine Unterhaltung herumkommen, kann ihm ja schließlich nicht die ganze Zeit aus dem Weg gehen. Ich brauche vor Clarkes Vater wirklich keine Angst haben.

„Wir werden ja sehen. Ich freue mich auf alle Fälle, dass ihr endlich zusammen seid“, lächelt sie mich plötzlich an. Ich liebe es meine Schwester lächeln zu sehen, imitiere ihr Strahlen, doch es erreicht meine Augen nicht.

„Was hast du? Hast du sie etwa immer noch nicht gefragt?“, fragt sie verblüfft über meine Reaktion. Mein Mund klappt auf, da ich mich verteidigen will, doch ich stammle nur unverständliches Zeug vor mich hin.

„Warum macht ihr es euch eigentlich so schwer? Du solltest sie so schnell wie möglich fragen. Ich bin mir sicher, dass ihre Antwort positiv ausfallen wird“, sagte sie, bevor sie ihre Autoschlüssel schnappt und mich verabschiedet, indem sie mir zuzwinkert, bevor sie die Tür hinter sich zumacht, um zur Arbeit zu fahren.

Von allen völlig allein gelassen checke ich mein Smartphone, bei dem bloß gähnende Leere herrscht, bevor ich mich grummelnd aufs Sofa werfe und an die Decke starre. Ich bin es nicht gewöhnt einfach mal nichts zu tun, also schalte ich das Fernsehgerät ein, als ich das sekündliche Ticken der Wohnzimmeruhr keine Sekunde länger ertragen kann, ohne völlig durchzudrehen.

Seufzend zappe ich durch das Programm, das mal wieder absolut unterirdisch ist. Welche verzweifelte Seele schaut denn auch nachmittags so einen Schund? Ich, natürlich! Meine Laune sinkt immer drastischer, fast ist sie im Keller angelangt und wird sich dann mit einer Schaufel bewaffnen und anfangen ein Loch in den Boden zu graben.

Meine Gedanken huschen wieder zu Clarke, die wahrscheinlich gar keine Zeit hat, um an mich zu denken. Ich vermisse sie, also schnappe ich mir erneut mein Handy, das ich auf dem Wohnzimmertisch abgelegt habe und scrolle durch unsere Nachrichten, die mich zum Lächeln bringen, die Sehnsucht nach ihr jedoch noch stärker werden lassen.

Ich weiß ich sollte sie lieber in Ruhe lassen; hat sie doch wahrscheinlich so viel zu tun, dass sie noch nicht mal auf ihr Handy achten kann; doch ich kann nicht anders, also schreibe ich ihr eine Nachricht.

Ich [15:53]: Ich weiß, dass du wahrscheinlich alle Hände voll zu tun hast, aber ich kann nicht anders als dir zu schreiben. Ich vermisse dich ☹

Ich lege mein Handy weg und warte, während die Zeit voranschreitet. Warte auf eine Nachricht, die wohl niemals ankommen wird, aber ich kann nicht anders als es nochmal zu versuchen.

Ich [16:31]: Anya ist nochmal zur Arbeit. Ich denke nicht, dass sie vor 18 Uhr zu Hause ist, also habe ich sturmfrei.

Ich frage mich kopfschüttelnd warum ich das geschrieben habe, bevor ich mein Mobiltelefon wieder weglege und versuche mich erneut abzulenken, was natürlich nicht funktioniert. Stöhnend greife ich wieder nach meinem Smartphone um zu prüfen, ob ich vielleicht eine Nachricht erhalten habe. Eigentlich ist das totaler Schwachsinn, weil ich die Laustärke bereits beim ersten Mal auf Maximum gestellt habe, aber trotzdem kann ich nicht damit aufhören.

Ich [17:02]: Möchtest du rüberkommen?

Über meine eigene Dummheit grummelnd, lasse ich mein Handy achtlos neben mich fallen, bevor ich mir meine Hände vor mein Gesicht schlage, weil ich wirklich so blöd und unverbesserlich bin. Was tust du nur mit mir? Wie schaffst du es nur mich so sehr durcheinander zu bringen, dass mir nichts mehr Spaß macht. Als mein Smartphone plötzlich piepst, springe ich fast vom Sofa auf, so überrascht bin ich darüber, hätte ich doch nicht mit einer Reaktion, besonders nicht einer so zügigen, gerechnet. Schnell überprüfe ich wer mir geschrieben hat.

Clarke Griffin [17:05]: Sorry, dass ich mich jetzt erst melde. Ging vorher leider nicht ☹

Ich sehe sie tippen und warte mit klopfendem Herzen auf ihre nächste Nachricht.

Clarke Griffin [17:07]: Ich müsste noch duschen, aber dann könnte ich zu dir kommen. Ist das ok?

Ich [17:08]: Natürlich!

Clarke Griffin [17:09]: Gut Ich bin dann so gegen 18 Uhr bei dir, ok?

Ich [17:10]: Klar! Ich freue mich

Clarke Griffin [17:11]: Ich mich auch. Vermisse dich. Bis gleich

Lächelnd blicke ich auf ihre letzte Nachricht, während die Zeit wie in Zeitlupe verrinnt. Erst nach einigen Augenblicken kann ich mich aus meiner Starre befreien, bevor ich realisiere, dass ich vielleicht auch besser unter die Dusche hüpfen sollte damit alles perfekt ist, wenn Clarke gleich zu mir kommt.

In Windeseile sause ich die Treppenstufen nach oben, indem meine langen Beine ohne Probleme immer zwei Stufen auf einmal, statt einer überbrücken, bevor ich ins Bad renne, meine komplette Kleidung achtlos in den Wäschekorb werfe und unter die Dusche hüpfe.

Gottseidank habe ich noch nie lange im Bad gebraucht, zumindest dann nicht, wenn es um die sprichwörtliche Wurst geht. Schnell seife ich die wichtigsten Stellen ein, bevor ich mich abbrause, um mich anschließend in weiße Handtücher zu hüllen. Als ein mit Handtüchern verkleideter Schneemann, nur vielleicht nicht ganz so dick, tapse ich barfuß zurück in mein Zimmer, um mir ein passendes Outfit aus meinen abertausenden Shirts und Shorts auszusuchen, wie Anya meinen würde.

Meine Wahl fällt auf ein olivgrünes Top und eine dunkle beige Shorts, die ich auch gleich über mich stülpe, bevor ich zurück ins Bad gehe, um die Handtücher aufzuhängen. Kurz föhne ich meine Locken etwas an, damit es nicht so aussieht, als hätte ich gerade frisch geduscht, bevor ich Deo und Parfüm auf mich sprühe, um gut zu duften. Nachdem ich meine Haut eingecremt habe gehe ich nach unten und blicke auf die Uhr, bevor ich mich entspanne, da ich noch genug Zeit habe um runter zu kommen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob es nicht eher genau das Gegenteil bewirkt.

20 Minuten können verdammt lange sein, wenn man sehnsüchtig auf etwas oder jemanden wartet. Vor Aufregung tänzle ich nervös in der Küche auf und ab, kann es doch kaum aushalten ohne sie. Ich sehne ihre Ankunft geradezu herbei. Vielleicht habe ich ja Glück und sie schafft es ein paar Minuten eher. Anya wird vor 20 Uhr sicher nicht zurück sein.

Plötzlich klingelt mein Telefon, das ich vorhin auf dem Sofa liegengelassen habe, als ich nach oben gerauscht bin. Mit einem kurzen Sprint ins angrenzende Wohnzimmer und einem kleinen Hüpfer über die Couch erreiche ich mein Smartphone rechtzeitig, das laut meinen Lieblingssong spielt, doch dieses Mal begehe ich nicht denselben Fehler und gehe blindlinks dran, ohne zu schauen, wer mich da anruft. Schmunzelnd sehe ich, dass Octavia mich versucht per Videoanruf zu erreichen.

„O, was gibt’s?“, begrüße ich sie, während ein Auge auf die Uhr an der Wand fixiert ist, damit ich sie rechtzeitig abwürgen kann, bevor Clarke an der Haustür klingelt. Leicht außer Atmen durch den kurzen, aber im Endeffekt unnötigen und kraftraubenden Sprint, schnaufe ich ein paar Mal nach Luft, bevor ich mich gemütlich auf dem Sofa niederlasse.

Ich kann Octavia kaum erkennen, die ihr Handy so nah vor ihr Gesicht hält, dass ich gerade so ihre Augen und ihren Mund ausmachen kann. Der Raum, indem sie sich vermutlich befindet, scheint ebenfalls abgedunkelt worden zu sein, was das Ganze für mich nur erschwert, statt erleichtert.

„Ich muss dir etwas erzählen, Lexa.“

Der ernste Unterton in ihrer Stimme lässt mich besorgt aufhorchen, während sich meine Augenbrauen automatisch zusammenkneifen.

„Was ist los?“, frage ich skeptisch, bevor ich ein rascheln höre und das Bild plötzlich anfängt zu wackeln.

„Verdammt, O! Mach endlich hin und halt das Handy mal so, dass ich etwas sehen kann!“, schimpfe ich wütend über ihre Unfähigkeit, während mir die Zeit davonläuft. In 10 Minuten wird Clarke hier sein, aber ich will auch wissen, was meine beste Freundin mir so dringend erzählen möchte, dass nicht bis morgen warten kann.

„Sorry“, entschuldigt sie sich, bevor sich gottseidank nichts mehr bewegt, ich aber auch nichts mehr sehen kann, da Octavia nicht mehr im Bild ist. Offensichtlich hat sie mich zur Seite gelegt, um Gott weiß was wieder anzustellen. Um einer bevorstehenden Nackenstarre zu entgehen, die meine Stimmung nur noch mehr trüben würde, lege ich mich nun komplett aufs Sofa und schließe meine Augen, während ich versuche geduldig auf sie zu warten.

„Da bin ich. Wieso hast du es denn so eilig?“

Ich öffne langsam meine Augen, bevor ich sie weit aufreiße, hätte ich doch niemals mit dem Bild gerechnet, dass sich mir gerade bietet. Octavia liegt splitterfasernackt auf dem Bett, die Decke neben sich, während sie keine Anstalten macht sich irgendwie in irgendeiner Art und Weise zu bedecken.

„Oh mein Gott. Wieso bist du nackt?“

„Warum ich nackt bin? Das ist eine dumme Frage, meinst du nicht auch?“

„Gott, O. Bedeck dich“, fluche ich laut, während ich mit meinem Finger die wichtigsten Stellen auf dem Bildschirm kaschiere.

„Was hast du denn?“

„Du liegst nackt im Bett, rufst mich per Videoanruf an und ich kann alles sehen. Noch weitere dumme Fragen?“, antworte ich schnippisch, während sie nur kichert, wodurch ich meine Augen verdrehe. Selbstverständlich ist für sie wieder alles total lustig.

„Und? Du hast mich doch schon mal nackt gesehen, Lexi.“

„Das war beim Sport.“

„Du hast mich sogar schon ziemlich oft nackt gesehen.“

„Das war doch etwas anderes. Das ist passiert nun einmal ab und zu, wenn man in einem Team ist und sich eine Umkleide teilt.“

„Nope, das ist genau dasselbe.“

„Nein! Ich habe dich höchstens immer nur ganz kurz nackt gesehen.“

Ich frage mich, warum zum Teufel ich mich überhaupt vor ihr rechtfertige, geschweige denn mit ihr argumentiere. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, scheint mein Unbehagen sie sehr zu amüsieren.

„Möchtest du mir damit sagen, dass du gerne länger hingeschaut hättest?“

„Octavia“, stöhne ich grummelnd, bevor ich meine Finger vor mein Gesicht werfe, um meine gerötteten Wangen zu bedecken. Ich bin mir sicher, dass Octavia mich bereits durchschaut hat.

„Ich liebe es dich zu ärgern, Lexi“, bestätigt sie meine Vermutung.

„Hör auf mich so zu nennen, Octavia!“

„Wieso?“

„Raven nennt mich immer so!“

„Und?“

„Du weißt, dass ich es nicht leiden kann!“

„Du weißt, dass es verdammt unhöflich ist sich mit jemandem zu unterhalten und ihn dabei nicht anzuschauen, oder?“

„Hast du dir das von Raven abgeguckt?“, stelle ich eine Gegenfrage, anstatt auf ihre zu antworten. Ich spreize die Finger, die noch immer auf meinem Gesicht liegen, um zwischen ihnen hindurch zu schielen, was sich als fataler Fehler herausstellt, denn sie ist immer noch nackt.

Grinsend nickt sie zustimmend, bevor sie endlich ein Einsehen hat und die Decke über sich zieht. Erleichtert atme ich aus, da ich unbewusst meine Luft angehalten hatte.

„Raven und ich sind nun zusammen.“

Ich blinzle, während die Nachricht langsam aber sicher in mein Gehirn vordringt. Die Synapsen fangen an auf Hochtouren zu arbeiten, schießen Impulse durch meinen gesamten Kreislauf, während meine Muskeln versuchen den Anweisungen zu folgen.

„Was?“, schreie ich und reiße erneut meine Augen auf, die mittlerweile schmerzhaft brennen.

„Wir haben endlich miteinander geredet und dann führte eins zum Anderen“, erklärt sie mit einer ausschweifenden Bewegung und einem überdimensionalem Grinsen im Gesicht. Mir wird schnell klar, dass die Zwei danach übereinander hergefallen sind.

„Urg, bitte keine Details“, sage ich angewidert, während die Vorstellung der Beiden beim Sex, durch meinen Kopf geistert.

„Jammer nicht, du elendiger Waschlappen!“

„Ihr habt es echt vor uns geschafft?“, frage ich, verblüfft über die Tatsache, schließlich läuft das zwischen Clarke und mir schon viel länger, als bei den Zwei.

„Ja! Das fuchst dich, was? Und das nur, weil du nicht in die Puschen kommst. Mach endlich was daraus! Ich weiß aus ziemlich sicherer Quelle, dass Clarke total in dich verschossen ist.“

„Was du nicht sagst“, brumme ich genervt, da ich mir der Tatsache mittlerweile sehr wohl bewusst bin, hatte jedoch einfach noch nicht den richtigen Augenblick erhaschen können.

„Bist du bereit für die zweite Runde?“, höre ich eine vertraute Stimme aus dem Hintergrund, bevor sich plötzlich eine nackte Brünette vor laufender Kamera auf meine beste Freundin wirft und anfängt sie mit Küssen zu übersähen.

„Oh mein Gott. Ich bin blind“, stöhne ich genervt, während ich meine Augen zuschlage und innerlich bete, dass mein Sehnerv durch diesen Anblick nicht irreparabel beschädigt wurde.

„Raven, hör auf. Das können wir gleich noch machen. Ich habe Lexa am Apparat“, dringt die heisere Stimme meiner besten Freundin an meine Ohren, die sichtlich angetan von der Frau ist, die nackt auf ihr liegt.

„Oh, Lexi Hexi? Cool. Huhu? Moment, sie guckt uns ja gar nicht an.“

„Bedeckt euch endlich“, kreische ich, während ich um Fassung ringe.

„Du bist ja prüde. Kein Wunder, dass du so lange bei Clarke brauchst“, provoziert sie mich, womit sie Erfolg hat. Wütend klappen meine Augen automatisch auf, während mein Mund bereits aufgeschnappt ist, um laut loszupoltern, als ich Ravens Brüste direkt in meinem Blickfeld habe, bevor Octavia die Decke über beide zieht und sich an Raven schmiegt.

„Warum sehe ich heute nur nackte Frauen?“, grummle ich leise zu mir selbst.

„Nur die, die du sehen willst ist nicht dabei, was? Arme Lexa“, kichert Raven mit einem Teufelsgrinsen im Gesicht. Jetzt muss ich von ihr auch noch übers Telefon ärgern lassen.

„Die kommt doch gleich, Rae“, funkt Octavia dazwischen.

„Woher willst du das wissen?“

„Dein Ernst? Komm schon, Lex. Du starrst ständig auf die Uhr an der Wand.“

Mein Blick wandert zur Uhr, die ich in den letzten Minuten wirklich vernachlässigt habe, da ich mich von den zwei Grazien zu sehr ablenken habe lassen. Stirnrunzelnd bemerke ich, dass Clarke schon einige Minuten über der Zeit ist. Sie wollte schon längst hier sein und langsam mache ich mir Sorgen um sie.

„Ich werde jetzt Spaß mit meiner Freundin haben und du bist lieb zu meiner besten Freundin sonst gibt’s haue, klar? Bye“, plappert Raven plötzlich dazwischen, bevor sie auflegt, nachdem ich die Gelegenheit erhalten hatte für einige Sekunden einen Blick auf den Bildschirm werfen zu können. Fassungslos darüber, dass sie einfach so aufgelegt hat, starre ich auf mein Handy, bevor es plötzlich an der Haustür klingelt und ich erschrocken zusammenzucke.

Schnell begebe ich mich zu Tür, bevor ich nach einem letzten Blick in den Spiegel freudestrahlend die Eingangstür öffne, um meinen Besuch zu begrüßen. Vor mir steht eine leicht atemlose, aber nicht weniger bezaubernde Clarke, die etwas zerzaust um den Kopf herum aussieht. Offensichtlich hatte sie es sehr eilig zu mir zu kommen.

„Hey“, begrüße ich sie sanft, bevor ich zur Seite gehe, damit sie eintreten kann.

„Sorry, dass ich so spät komme. Ich kam einfach nicht weg und hab mich dann rausgeschlichen“, entschuldigt sie sich sofort, als ich die Tür hinter ihr geschlossen habe. Doch das ist mittlerweile nebensächlich, Hauptsache sie ist endlich wieder bei mir.

„Alles gut“, hauche ich, bevor ich sie in meine Arme nehme und küsse. Vorsichtig bewege ich meinen Mund gegen ihren, während ich spüre wie die Anspannung aus ihren Gliedern weicht. Meine Finger wandern ihren Rücken hinauf, um in ihren Nacken zu gelangen, bleiben jedoch in ihren geschmeidigen Haaren hängen, die so unglaublich süß duften und sogar noch etwas feucht sind, weil sie gerade eben frisch gewaschen wurde. Ein leiser Seufzer verlässt ihren Mund, bevor wir uns nach einem unglaublichen und intensiven Augenblick mit prickelnden Lippen voneinander trennen.

„So stürmisch“, murmelt sie leise, bevor sie spielerisch ihre Unterlippe mit ihren Zähnen malträtiert. Beschützend lege ich meinen Zeigefinger auf die rot schimmernde Stelle, damit sie keine Gelegenheit erhält, ihren schönen Körper unbeabsichtigt zu verletzen.

„Komm“, bitte ich sie und ergreife ihre Hand, um sie durch den Flur in unser gemütliches Wohnzimmer zu geleiten, bevor wir beide auf der Couch Platz nehmen. Noch immer halte ich ihre Hand fest umklammert, währenddessen mein Daumen unbewusst sanfte Kreise über ihrem Handrücken zieht.

„Schön, dass es doch noch geklappt hat“, durchbricht sie die angenehme Stille zwischen uns und lächelt mich an. Ich erwidere ihr zauberhaftes Lächeln, erkenne aber auch deutlich die Augenringe unter ihren Augen, die sie ziemlich fertig aussehen lassen.

„Wie war dein Tag?“, frage ich und rücke näher an sie heran, damit ich meinen freien Arm um ihre Schulter legen kann, während wir unsere Beine miteinander verknoten, da wir uns gegenübersitzen.

„Sehr anstrengend, aber es ist fast alles fertig. Ich hätte meinen Eltern noch etwas helfen müssen, hab mich aber einfach davongeschlichen“, gesteht sie grinsend. Ich kichere, hätte ihr so einen bösen Move gar nicht zugetraut, doch ich bin froh darum, denn so habe ich die Möglichkeit noch etwas Zeit mit ihr zu verbringen.

„Tz, böses Mädchen.“

„Du stehst doch drauf.“

„Verdammt, erwischt!“, sage ich und greife mir gespielt theatralisch an meine Brust, um zu simulieren, dass ein schmerzhafter Stich durch meinen Oberkörper gefahren ist und ich jeden Moment an einer Herzattacke sterben könnte.

„Hör auf“, kichert sie und klopft mir dann zur Strafe auf die Finger, sodass ich mein Gleichgewicht verliere und nach hinten umkippe. Clarke versucht noch mich aufzufangen, hat aber keine Chance gegen die Schwerkraft, die mit aller Macht an unseren fallenden Körpern zieht, sodass wir zum Schluss aufeinander liegen bleiben. Verdutzt schauen wir uns einen Moment an, bevor wir gemeinsam ein Gelächter anstimmen, das mit hundertprozentiger Sicherheit sogar im Garten nebenan gehört wird. Hoffentlich beschweren sich unsere Nachbarn nicht bei Anya. Vor Lachen prustend und nach Luft keuchend halten wir unsere Bäuche, die vom vielen Gegacker bereits schmerzen, aber wir können einfach nicht aufhören, egal wie sehr es weh tut.

„Gott, ich liebe das“, sage ich, als ich wieder dazu in der Lage bin einen kompletten und sinnvollen Satz zu formulieren.

„Was?“, japst sie.

„Das, hier! Jetzt, in diesem Moment! Alles!“ Ich gestikuliere wild mit meinen Händen zwischen unseren Körpern herum. „Diese atemberaubenden Momente zwischen uns. Dich! Du tust mir so unglaublich gut. Ich bin so glücklich dank dir“, platzt es aus mir heraus, während mein Herz versucht nicht zu zerbersten, vor überschäumenden Gefühlen für Clarke.

Stille bricht über uns herein, wie regenverhangene Wolken, die plötzlich den strahlend blauen Himmel verdecken und Unheil ankünden.

„Du weißt, was du gerade gesagt hast?“, hakt sie mit einem deutlichen Unterton in ihrer Stimme nach, den ich nur als eine Art Mischung aus Unsicherheit und Warnung entziffern kann.

„Selbstverständlich“, antworte ich selbstsicher, bevor ich anfange zu grinsen. Ich habe zu lange darauf gewartet, dass jemand in mein Leben tritt, der dieses völlig auf den Kopf stellt und mich nicht fallen lässt, wenn es mal schwierig wird. Jetzt mache ich nicht den Fehler und ziehe mich zurück, sondern halte an dem fest, was mir guttut.

„Möchtest du meine Freundin sein?“

Die Frage ist simpel, aber unmissverständlich und so verdammt wichtig für uns, schließlich wissen wir beide nur zu gut, worüber wir gerade sprechen, haben wir doch viel zu lange um den heißen Brei herumgeredet. Außerdem fuchst es mich, dass Octavia und Raven uns zuvorgekommen sind und ich noch immer nicht die Eier in der Hose hatte, sie endlich zu fragen. Ich frage mich ob sie mir heute überhaupt noch antworten wird, während die Nervosität in mir langsam immer höher steigt, wie ein Fluss, der vom vielen Regen übers Ufer tritt.

Wenn ich endlich Gewissheit hätte, dann wäre ich wohl nicht so angespannt, wobei ihre Gesichtsmimik schon amüsant ist, denn ihre Augen sind weit aufgerissen und so groß wie Teller, während ihr Mund halb offen hängt und zu allem Überfluss, rührt sie sich keinen Millimeter. Es sieht aus, als hätte die Zeit sie festgefroren.

„Nun, so kompliziert war die Frage doch nicht, oder?“, scherze ich, weil ich die Anspannung kaum noch ertragen kann und mein Körper sich nach ihr sehnt. Plötzlich zuckt sie zusammen, so als hätte ich einen Triggerpunkt ausgelöst, der sie mit einem gewaltigen Ruck wieder zurück in die Gegenwart befördert.

„Nein.“

„Nein? Was? Nein, du willst nicht meine Freundin sein, oder nein, die Frage war nicht kompliziert?“, murmle ich perplex, während mein Herz aufgeregt in meinem Brustkorb wippt und Clarke mir ein strahlendes und ansteckendes Lächeln schenkt, das ich so sehr liebe.

„Dummerchen. Ja, ich möchte sehr gerne deine Freundin sein“, sagt sie sanft, bevor sie mich in eine Umarmung zieht, die ich nur zu gern erwidere. Glücksgefühle rauschen durch meinen Körper, der sich anfühlt als würde er schweben. Fast fühlt es sich an, als wäre ich wieder unter Drogeneinfluss, nur dieses Mal ohne, dass es meinem Körper schadet.

„Ich dachte schon du würdest mir niemals antworten“, seufze ich erleichtert, bevor ich anfange ihr Gesicht mit kleinen Küssen zu übersähen.

„Ich dachte schon du würdest mich niemals fragen“, kontert sie frech, bevor sie meinen Mund mit ihren Lippen einfängt, um mir keine Gelegenheit zu geben, damit ich antworten kann, was ich überhaupt nicht möchte. Wir versinken in den Armen der Anderen, während die Gefühle nonstop aus unseren Poren fließen, es immer hitziger und intensiver wird, bis wir plötzlich einen Schlüssel hören, der sich kratzend in der Haustür herumdreht. Atemlos trennen wir uns voneinander, bevor wir aufspringen.

„Ich dachte Anya kommt nicht vor 20 Uhr“, sagt Clarke alarmiert, während sie versucht ihre verrutschte Kleidung und die zerzausten Haare zu richten, damit es nicht ganz so sehr danach aussieht, dass wir gerade wie kleine Teenager miteinander auf dem Sofa herumgemacht haben.

„Es ist schon viertel nach Acht“, murmle ich, nachdem ich die Uhrzeit überprüft habe, bevor ich das Fenster öffne, um die stickige Luft aus dem Raum zu lassen. Gottseidank ist es draußen mittlerweile etwas abgekühlt, auch wenn die Luft hier drin fast so schlimm ist, wie in einem Bordell.

„Verdammt, meine Eltern bringen mich um. Ich muss nach Hause“, bringt Clarke hektisch hervor, die ihre Sachen zusammensucht, bevor wir die Haustür ins Schloss fallen hören, die sich gerade hinter meiner Schwester geschlossen hat. Perplex erstarren wir, als wir einander erblicken, bevor Anya anfängt zu grinsen.

„Hallo, Clarke. Das ist aber eine schöne Überraschung, dass du hier bist“, grinst Anya, während sie ihren Schlüssel ablegt und ihre Schuhe auszieht. Mit roten Wangen und einem Stoßgebet gen Himmel halte ich die Luft an, während Anya auf uns zukommt. Meine Augen flehen sie inständig an lieb zu Clarke zu sein, als ich sie zur Begrüßung in meine Arme nehme, bevor sie Clarke ebenfalls umarmt.

„Wieso habe ich mir schon gedacht, dass ich dich hier finden würde?“, lächelt sie mit Schalk in ihren Augen, während ich ihr einen Todesblick zuwerfe. Wie konnte ich auch so gutgläubig sein und denken, dass sie sich jemals ändern wird? Dafür liebt sie es einfach zu sehr.

„Anya“, murre ich augenrollend.

„Lass mich doch etwas Spaß haben“, antwortet sie trocken, bevor sie leise kichert und in die Küche geht, um sich Kaffee zu kochen. Ohne ihr Lebenselixier wäre sie wohl unbrauchbar oder würde vertrocknen.

„Ich muss gehen, Lexa“, drängt Clarke.

„Ich bringe dich noch zur Tür.“

Ohne Hast schlendern wir zur Haustür, die ich öffne und mich lässig an den Rahmen lehne, während Clarke nach draußen stolziert, bevor sie sich zu mir umdreht. Ich mag keine Abschiede, besonders jetzt nicht, möchte sie am liebsten an mich ziehen, die Treppe hochtragen und aufs Bett werfen, um ihr zu zeigen, wie viel sie mir bedeutet.

„Schau nicht so traurig. Morgen sehen wir uns ja wieder“, versucht sie mich aufzumuntern, doch ihr Lächeln verrutscht zu einer traurigen Grimasse.

„Musst du gerade sagen“, meine ich, bevor ich meine Hand nach ihr ausstrecke und meine Fingerspitzen an ihrem Oberteil zupfen, damit ich sie zu mir ziehen kann, um sie zu küssen. Zärtliche Münder pressen sanfte Lippen aufeinander, bevor wir uns voneinander lösen.

„Bis morgen. Ich hab dich lieb, Lex“, murmelt sie, bevor sie mir zuwinkt und geht. Mein Blick klebt an ihr, während sie den Weg zum Tor entlangläuft, das kleine Türchen öffnet und wieder schließt, bevor sie dem Bürgersteig folgt, der sie in ihr zu Hause zurückbringt. Erst als meine Augen ihr nicht mehr folgen können gehe ich zurück zu Anya, die es sich schon mit einer Tasse Kaffee und einem Buch auf ihrem Sessel gemütlich gemacht hat, indem sie die Beine über die Lehne baumeln lässt.

Als ich den Raum betrete richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf mich und legt die Literatur zur Seite.

„Wow.“

„Was?“, brumme ich genervt, bevor mir ein sehnsüchtiger Seufzer entweicht, als ich mich aufs Sofa werfe.

„Bis gerade eben hast du noch gestrahlt und nun? Ihr seht euch doch morgen wieder“, meint sie lächelnd, bevor sie schmunzelt und einen Schluck aus ihrem Becher nimmt.

„Du brauchst mir nicht erzählen, was ich ohnehin schon weiß.“

„Hast du es endlich getan?“

„Was?“

„Ihr gesagt, dass du sie liebst, natürlich!“

Ich hebe meinen Kopf, suche die Augen meiner Schwester, die mich mit so einer erschreckenden Ernsthaftigkeit in ihrem Blick anstarrt, als wäre ich ein Verbrecher, den sie gerade im Verhör in die Mangel genommen hat.

„Das habe ich ihr nicht gesagt“, murmle ich leise. Ich wollte es, sehr sogar, aber nicht zum Abschied, nicht so überstürzt, denn ich möchte den Moment genießen, wenn ich ihr sage, dass ich sie liebe. Stumm blickt sie mich an, während sie ihre Beine überschlägt.

„Ich habe sie gefragt, ob sie mit mir zusammen sein will“, verrate ich das Geheimnis, nach derer Auflösung es ihr dürstet.

„Und sie hat zugestimmt“, schlussfolgert sie richtig, bevor ein dezentes Lächeln ihren neutralen und nachdenklichen Gesichtsausdruck verdrängt.

„Genau, Watson.“

„Wenn dann bin ich Sherlock. Du bist Watson.“

„Bitte. Wieso?“

„Na, du bist nur mein Sidekick und ich bin die Ältere, also habe ich ein Anrecht darauf“, kichert sie frech, bevor sie aufsteht und sich die Fernbedienung schnappt um den Fernseher anzuschalten.

„Unglaublich, wie böse du bist“, kommentiere ich ihren letzten Satz, doch sie ignoriert mich einfach, indem sie mich dazu zwingt aufzustehen, damit sie mich umarmen kann.

„Ich freue mich sehr für euch.“

„Danke“, brumme ich überrumpelt.

„Unsere Eltern wären stolz auf dich“, sagt sie, bevor sie mich loslässt, um mich anzuschauen. „Und ich bin es auch. Clarke tut dir unglaublich gut und sie macht dich glücklich.“

Ergriffen von ihren Worten lasse ich mich auf dem Sofa nieder, während sie sich hinsetzt und hin und her zappt, nebenbei die Fernsehzeitung nach einem interessanten Film absucht. Ich hoffe sehr, dass meine Eltern stolz auf mich sind, wo auch immer sie jetzt sind.

Ich spüre mein Smartphone in meiner Hosentasche vibrieren und fange an zu lächeln, denn es kann eigentlich nur Clarke sein die mir schreibt, dass sie gut zu Hause angekommen ist.

Clarke Griffin [20:41]: Bin gut zu Hause angekommen Vermisse dich ☹

Ich [20:42]: Ich dich auch ☹ Hast du Ärger bekommen?

Clarke Griffin [20:43]: Nachdem ich erzählt habe, dass wir zusammen sind, waren sie wieder friedlich

Ich [20:44]: Also alles gut?

Clarke Griffin [20:45]: Ja, aber du fehlst mir. Ich gehe jetzt ins Bett. Gute Nacht

Ich [20:46]: Schlaf schön. Hab dich lieb :*

Clarke Griffin [20:47]: Träum schön. Ich dich auch :*

Lächelnd blicke ich nach oben, als Anya plötzlich anfängt zu jubeln, weil sie einen Actionfilm gefunden hat, den wir noch nicht kennen. Amüsiert schmunzle ich in ihre Richtung, bevor sie aufsteht, um uns Popcorn in der Mikrowelle zu machen, wie es bei unseren Filmabenden immer üblich ist. Ich entscheide mich dafür Octavia eine Nachricht mit den neusten Neuigkeiten zu schreiben, bevor ich mein Smartphone ausschalte und aufstehe, um Getränke für uns aus dem Kühlschrank zu besorgen.

Filmabende sind einfach Tradition in unserer Familie, bei der jedes Mitglied eine andere Aufgabe hat. Ich freue mich schon, wenn Clarke irgendwann aus unserem Duo ein Trio machen wird. Nachdem wir alles besorgt haben, was wir für den Augenblick benötigen, machen wir es uns gemeinsam gemütlich auf dem Sofa, die Schüssel Popcorn zwischen uns platziert. Der Anfang des Filmes flimmert bereits über den Bildschirm, also lehnen wir uns zurück und genießen ihn und diesen seltenen, aber schönen Moment miteinander.

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Ungeplanterweise musste ich das Kapitel in Teil 1 und 2 splitten, da über 12500 Wörter doch etwas zu heftig zum Hochladen gewesen wären. Ich hoffe ihr seid mir nicht böse, dass jetzt doch noch zwei Kapiteln kommen und ich hoffe sehr, dass es euch gefallen hat :) Wenn ihr Teil 1 schon gut fandet, dann werdet ihr Teil 2 noch viel mehr lieben :) Liebe Grüße
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