Fick dich!

GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
Anya Clarke Griffin Lexa Octavia Blake Raven Reyes
03.07.2018
10.07.2019
43
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Kapitel 40: Verknüpfungen

Lexas POV

Nach dem unerwarteten, aber doch insgeheim erhofften Anruf von Clarke, schließe ich meine Augen, während ich mein Smartphone noch immer fest umklammert in meiner zitternden Faust halte. Sie fehlt mir, obwohl wir vor wenigen Stunden erst zusammen waren, doch es kommt mir vor als hätten wir uns Wochen nicht mehr gesehen. Das ist doch nicht mehr normal. Wie kann ein Mensch einem so sehr fehlen, dass man die Freude an allem verliert, seine Hobbys nur noch halbherzig ausführt und nicht einmal mehr einschlafen kann?

Nachdenklich verharre ich in dieser Position, während ich den Tag gedanklich Revue passieren lasse. Über unseren Kuss, der wirklich atemberaubend war, bis hin zu der Reaktion der Zuschauer auf uns. Die gemeinsamen kleinen und wunderschönen Momente, die wir uns einfach so gegönnt haben. Noch immer interessiert mich brennend, was Clarke nach unserem Kuss sagen wollte, bevor wir so rüde von Raven unterbrochen wurden. Ob es die Worte waren, die mir ebenfalls seit einiger Zeit auch im Kopf herumspucken? Bisher habe ich mich einfach noch nicht getraut meine Gefühle in dieser Art und Weise laut auszusprechen. Es ist ein großer Schritt und den kann ich noch nicht machen, bevor ich sie nicht einmal gefragt habe, ob sie offiziell meine Freundin sein möchte.

Ich frage mich wie unsere Mitschüler auf uns reagieren werden. Schließlich hat das, was gestern passiert ist, sicherlich bereits die Runde bei ihnen gemacht. Kein Wunder bei den ganzen Videos und Bildern, die von uns gemacht worden sind. Aber was soll´s? Sie waren ja wiedererwarten ziemlich happy über unseren Kuss.

Die plötzliche Vibration des Smartphones in meiner Hand, lässt mich vor Schreck den Griff lockern, sodass es mir direkt auf mein Gesicht fällt, habe ich doch nicht damit gerechnet, dass es erneut rappelt, zumal es bereits ziemlich spät ist. Grummelnd ignoriere ich den Schmerz und gehe dran.

„Clarke?“, melde ich mich hoffnungsvoll am Telefon, ohne auf den Namen zu achten, der zuvor auf meinem Display angezeigt worden ist. Am anderen Ende herrscht Stille, bevor ich auf einmal ein Kichern vernehme, das mir nur allzu gut bekannt vorkommt. Ich verdammter Idiot! Ich hätte schauen sollen, bevor ich drangehe, zumindest bevor ich meinen Mund aufmache.

„Das hättest du wohl gerne, was? Lex, ich bin´s, O!“

Nun bin ich es die schweigt, insgeheim dankbar über die Tatsache, dass es noch keine Bildtelefone gibt und ich die hämische Attacke meiner besten Freundin somit umgehen kann, da meine Wangen eine verräterische, rötliche Färbung angenommen haben, für die ich sicherlich von ihr aufgezogen würde, wenn sie es sehen könnte.

„Erde an Lexa. Lebst du noch oder bist du bereits vor Scham gestorben?“, feixt sie durchs Telefon, was mich zu laut grummeln lässt, wodurch ich mich verrate, hatte ich doch gerade beschlossen still und klamm heimlich aufzulegen.

„Ich bin´s! Octavia!“

„Ach was? Mach Dinger!“

„Was bist du denn so unfreundlich zu mir?“, fragt sie und ich kann mir gerade nur allzu gut vorstellen, wie sie sich theatralisch ihre schmerzende Brust hält, da ich ja so böse zu ihr bin und mich dafür schämen sollte.

„Was willst du?“, knurre ich bissig.

„Begrüßt man so seine beste Freundin?“, will sie wissen, während sie, gespielt schockiert über mein Verhalten, hörbar seufzt, was ich jedoch nur mit einem Augenrollen bestrafte, das sie gottseidank nicht sehen kann.

„O“, ermahne ich sie mit einem tiefen Brummen aus meiner Kehle.

„Ich hör ja schon auf“, entschuldigt sie sich, da sie bemerkt hat, dass es mir langsam zu viel wird.

„Weswegen rufst du an?“, versuche ich es ruhiger.

„Hast du nochmal über die Sache mit Costia nachgedacht?“

Und Puff. Meine, mir selbst aufgezwungene Ruhe verpufft in Sekunden, da die Wut über ihre Taten rasend schnell zurückkommt und sich wie ein Parasit in meine Eingeweide einnistet.

„Bitte? Das ist ja wohl nicht dein Ernst? Deswegen nervst du mich um die Uhrzeit? Wir haben morgen Schule!“, blaffe ich sie an, während ich mir innerlich auf den Kopf haue, dass ich um solch eine Uhrzeit so laut herumschreie.

„Das weiß ich auch, Lexa! Ich bin ja schließlich auch anwesend, was dir auch auffallen würde, wenn du weniger auf dein Herzblatt achten würdest, aber lassen wir das jetzt. Mir war es eben wichtig vorher nochmal allein mit dir darüber zu sprechen, wenn die Sache etwas abgekühlt ist. Aber offensichtlich ist es das noch lange nicht, was völlig verständlich ist.“

„Sorry“, werfe ich dazwischen, beschämt über meinen eigenen Wutausbruch. Costia ist und bleibt für mich ein rotes Tuch, obwohl ich weiß, dass ich nicht eifersüchtig sein müsste, schließlich gehört Clarke nur zu mir.

„Was hältst du davon, wenn wir morgen nach dem Unterricht eine Besprechung ansetzen, um das gemeinsam mit dem Team zu klären? Dort hätte sie auch noch ein Recht angehört zu werden und andere könnten auch noch für sie vorsprechen“, erklärt sie ihren Plan, den ich eigentlich nicht hören möchte.

„Muss das wirklich sein?“, brumme ich genervt, obwohl ich weiß, dass sie Recht hat.

„Ja, das muss sein. Schließlich bin ich Vize und könnte das auch ohne dich machen, aber ich möchte dich nicht hintergehen. Wir sitzen im selben Boot und keine Sorge. Ich werde ihr klipp und klar rüberbringen, was sie da für eine absolute Scheiße fabriziert hat“, antwortet sie sanft, während ich mehrmals tief Luft hole und mich anschließend entspanne.

„Gut, aber eine Bitte habe ich an dich“, nuschle ich leise meine Zustimmung.

„Klar, welche?“

„Halt mich bitte davon ab ihr den Hals umzudrehen. Ich will meinen Abschluss noch schaffen und kann nicht im Gefängnis sitzen, weil ich mich nicht zügeln konnte.“

„Das kann ich für dich tun“, höre ich sie lachend Luft ins Telefon schnauben.

„Zu gütig“, necke ich sie.

„Es ist spät. Ich geh jetzt schlafen. Gute Nacht, Lex. Hab dich lieb.“

„Ich dich auch“, kann ich gerade noch sagen, obwohl ich eigentlich noch nicht fertig war, bevor ich schon das Tuten auf der anderen Seite höre. Offensichtlich hatte sie es sehr eilig. Kopfschüttelnd schalte ich mein Handy stumm, lege es neben mich und schließe meine Augen, während ich bewusst die Decke, die nach Clarke riecht, zu mir ziehe und mich an sie kuschle, bevor ich wohlverdient nach einem anstrengenden Tag ins Traumreich gleite.

Helle Sonnenstrahlen, die sich durch die Ritze meiner Jalousie drängen, wecken mich am nächsten Morgen frühzeitig auf, bevor ich mich aufrichte und dabei hundemüde den Schlaf aus meinen Augen blinzle.

Ich strecke mich und springe vor Freude aus dem Bett, weil ich heute Clarke wiedersehen werde, doch ein flüchtiger Blick in meinen Spiegel dämpft meinen Übereifer, da ich so zerzaust wie ich gerade aussehe, ganz sicher nicht in die Schule gehen, geschweige denn unter Clarkes Augen treten kann.

Ich schlurfe ins Badezimmer, werfe meine Klamotten achtlos in den Wäschekorb, den ich trotz meiner Müdigkeit getroffen habe, Footballtraining sei Dank, bevor ich die Dusche anstelle und solange dort verweile, bis mein Geist und mein Körper auf Hochtouren laufen.

Flink, aber gründlich verrichte ich mein morgendliches Ritual, bevor ich nach unten gehe, um Anya zu begrüßen, von der jedoch jede Spur fehlt. Stutzend bemerke ich die kleine Nachricht auf dem Holztisch mitsamt einem liebevoll vorbereiteten Frühstück für mich. Lächelnd lese ich den Zettel, während ich meine Mahlzeit hungrig verschlinge. Sie musste heute schon früher zur Arbeit fahren, weil sie einen neuen Fall bekommen hat, den offensichtlich niemand anders übernehmen kann. Dankbar für meine Schwester und das vorbereitete, nun fast aufgegessene Mahl, mache ich mir eine geistliche Notiz demnächst etwas Gutes für sie zu tun, bevor ich aufesse. Ich spüle meinen Teller, verstaue ihn anschließend im Schrank, denn bei den warmen Temperaturen sollte benutztes Geschirr nicht zu lange der frischen Luft ausgesetzt sein.

Ich schnappe mir die Tasche und meinen Haustürschlüssel, bevor ich nach einem letzten Blick in unserem Spiegel im Hausflur nach draußen gehe und die Tür hinter mir zuziehe. Zweimal schließe ich ab, bevor ich mich umdrehe, dabei mit einer Hand am Reißverschluss meines Rucksacks fummle, um den Schlüssel sicher darin zu verstauen, während ich unachtsam den Weg zum Tor folge, mein Blick gen Himmel gerichtet.

Die Vögel unterhalten sich aufgeregt miteinander, während die Sonne hoch am fast wolkenfreien und ziemlich blauen Himmel steht. Das Blau erinnert mich augenblicklich an Clarkes Augen und zaubert mir dadurch ein dezentes Lächeln auf die Lippen. Der heiße Stern am Himmel produziert jetzt schon so viel Wärme, dass man problemlos in kurzen Klamotten rausgehen kann, ohne sich Gedanken darum machen zu müssen, ob und wie man sich mittags für die heißeren Stunden umziehen kann.

„Guten Morgen.“

Ich blicke auf und blinzle überrascht, während ich automatisch stehenbleibe und noch immer mit meiner Hand im Rucksack stecke, was offensichtlich ziemlich dämlich aussieht, da sie leise kichert.

„Clarke“, rufe ich laut und verblüfft über die Tatsache, dass das Mädchen aus meinen Träumen bereits jetzt schon vor mir steht, hatte ich doch eigentlich damit gerechnet sie erst auf dem Schulhof bei den anderen zu treffen.

Mein Blick wandert ungeniert über ihre Erscheinung. Sie ist so bildhübsch, dass es mir jedes verdammte Mal die Sprache verschlägt, obwohl ich mich eigentlich bereits an ihren Anblick gewöhnt haben sollte. Doch insgeheim glaube ich, dass ich mich niemals an ihr satt sehen kann. Ihre blauen Augen glitzern im Sonnenlicht, während sie lässig und bequem in weiße Turnschuhe und beige Shorts gekleidet ist. Ihr Outfit wird von einem schwarzen T-Shirt mit V-Ausschnitt abgerundet, während ihre blonden, langen Haare offen über ihre sonnengebräunten Arme fallen.

Perplex starre ich einfach nur ohne etwas zu ihr zu sagen, was ziemlich lächerlich ist, aber defacto haut sie mich einfach immer wieder um. Ich kann den Schalk in ihren Augen erkennen, sehe das herausfordernde Grübchen an ihrem Mund, das immer in Erscheinung tritt, wenn sie schmunzelt oder lächelt. Ihre Lippen zucken gefährlich nach oben, doch sie lässt das Lachen nicht zu, schließt stattdessen die Lücke zwischen uns, indem sie mich einfach so umarmt.

Ich reagiere instinktiv, ziehe die Hand aus meinem Rucksack zurück, der noch immer schief über meiner Schulter hängt und somit achtlos hinab auf den Boden plumpst, während ich mich an Clarke drücke. Sanft hauche ich einen Kuss auf ihren blonden Schopf und atme dabei ihren Geruch ein, den ich in all der Zeit, genauso wie sie, lieben gelernt habe.

Ich drücke mich so fest an sie, dass ihr Rucksack, den sie auf ihrem Rücken trägt, von mir gequetscht wird und ihre Schulsachen dabei wohl in Mitleidenschaft gezogen werden, doch uns beide interessiert das herzlich wenig. Gerade ist sie das Einzige, das zählt und das ist wichtiger als alles andere.

„Was machst du hier?“, frage ich sie, nachdem wir uns etwas Luft zum Atmen geschenkt haben, indem wir uns nicht mehr aneinanderpressen, als gäbe es kein Morgen mehr.

„Freust du dich etwa nicht mich zu sehen?“, antwortet sie, bevor sie mir zuvorkommt, sich bückt und meinen Rucksack vom Boden aufhebt, den ich dankbar entgegennehme und über beide Schultern werfe, damit er nicht wieder herunterrutschen kann. Ich habe den veränderten Unterton in ihrer Stimme bemerkt, obwohl sie versucht hat ihn vor mir zu verstecken, doch ich will das drohende Missverständnis ganz schnell aufklären.

„Natürlich freue ich mich, dass du hier bist. Ich bin immer glücklich, wenn ich dich sehen kann“, stelle ich die Sache richtig und lächle, als sie ebenfalls zu grinsen beginnt. Ich strahle wegen ihr, aber auch wegen meinen eigenen Worten. Hätte ich früher nicht einmal im Traum dran gedacht so etwas zu denken, geschweige denn laut in Gegenwart einer anderen Person auszusprechen, kann ich mir heute nicht einen Tag mehr ohne sie vorstellen. Nicht einen Tag, ohne ihr zu sagen, wie viel sie mir bedeutet. Es und sie gehören nun einfach zu meinem Leben dazu und es wäre nicht richtig, wenn ich es weglassen würde.

„Ich dachte wir könnten gemeinsam zur Schule gehen“, erklärt sie ihren ungeplanten, aber nicht minder willkommenen Besuch, bevor sie sich mit ihren Fingerspitzen durch ihre Mähne streicht, die heute leicht gewellt sind. Den nervösen Tick kann sie noch immer nicht ablegen, doch mittlerweile habe ich diesen und einige andere längst durchschaut.

„Klar. Wird bestimmt lustig nach gestern“, scherze ich augenzwinkernd, bevor wir loslaufen und mein Zuhause hinter uns lassen. Gemeinsam den Weg zur Schule bestreiten, während meine Fingerkuppen kribbeln, möchte ich doch ihre Hand ergreifen und wie ein Pärchen Händchenhaltend in der Sonne spazieren gehen.

„Denkst du es wird so schlimm werden?“, nuschelt sie leise, beäugt mich dabei kritisch von der Seite, bevor sie sieht wie ich meinen Kopf schüttle. Wie kommt sie denn jetzt darauf? Hat sie nicht verstanden, dass ich gerade nur gescherzt habe? Sie sollte nach gestern doch eigentlich wissen, dass es mir mittlerweile egal ist, was andere davon halten. Mich juckt es nicht, ob sie es gut finden, oder nicht. Es ist mein Leben und nicht ihres.

„Nein, Clarke. Das war doch bloß ein Scherz. Sollen sie doch denken und tun was sie wollen. Ich verschwende keine Gedanken mehr an sie. Außerdem warst du gestern doch genauso anwesend wie ich und hast ihre Reaktion auf unseren Kuss gesehen. Sie waren begeistert.“

„Du hast ja Recht“, murmelt sie leise, während sie einen Seufzer unterdrückt.

„Ich glaube insgeheim, dass es doch mehr Menschen bemerkt haben, als wir uns eigentlich bewusst sind. Sie haben bloß nichts gesagt.“

„Meinst du?“, hakt sie nach, während ich kurz nicke.

„Hast du gut geschlafen?“, lenke ich das Thema auf etwas Anderes da ich nicht möchte, dass sie sich unnötigerweise über ungelegte Eier den Kopf zermartert. In der Ferne kann ich bereits die große Kreuzung erblicken, über die wir gehen müssen, um zur Schule zu kommen.

„Kurz, deine?“

„Ebenfalls zu kurz und ziemlich einsam“, antworte ich ehrlich. Auf einmal bleibt sie stehen, zieht beide Augenbrauen hoch, während sie mich mustert. Ich bleibe ebenfalls stehen, lege meinen Kopf etwas schräg und warte auf ihre bevorstehende Reaktion.

„Ernsthaft?“

„Ja“, sage ich und schüttle missbilligend den Kopf, weil sie so dumm nachfragt, schließlich ist das doch kein Geheimnis mehr zwischen uns.

„Warum?“

„Frag doch nicht so etwas, als ob du das nicht bereits wüsstest“, seufze ich, während ich skeptisch meine Augenbraue nach oben ziehe.

Sie überbrückt die Distanz zwischen uns mit ein paar kleinen Schritten, bevor sie sich gegen mich lehnt und zwar so nah, dass sich unsere bedeckten Brüste fast berühren könnten, wenn sie nur noch etwas näherkommen würde, bloß ein paar Zentimeter näher zu mir.

Abgelenkt durch ihre Anwesenheit in meinem persönlichen Bereich, starre ich in ihren großen Ausschnitt, der sich mir fast ins Gesicht drückt. Ich habe zuvor gar nicht realisiert was für einen tiefen Einblick ich bekommen kann, wenn sie so nah bei mir steht. Gänsehaut krabbelt über meinen Körper, während mein Herz immer aufgeregter in meinem Brustkorb schlägt. Unbewusst lecke ich mir über meine spröden Lippen, kann ich doch gerade in diesem Augenblick den Geschmack ihrer rosigen und weichen Brustwarzen, nach dem ich süchtig bin, auf meiner Zunge schmecken. Süffisant grient sie mich an, bevor sie ihre kühlen Fingerspitzen in meinen Nacken legt und mit ihren Fingernägeln darüber kratzt.

„Vielleicht möchte ich es auch einfach nur noch einmal aus deinem Mund hören“, flüstert sie leise und verführerisch in mein Ohr, bevor sie mein Genick freigibt, während sie sich ihrer Reize und deren Wirkung auf mich durchaus bewusst ist. Mein Blick ruht noch immer in dem Tal ihrer Brüste, die ich gedanklich gerade von diesen störenden Kleiderstücken befreit habe, bevor ein Finger gegen meine Stirn drückt.

„Lex. Konzentriere dich!“, ermahnt sie mich und beißt sich dabei spielerisch auf ihre Unterlippe.

„Was?“, hauche ich verwirrt und schüttle meinen Kopf, weil ich für einen Moment zu sehr in meinen eigenen Gedanken verloren war, um zu realisieren was in der Gegenwart passiert. Mein Blick huscht nach oben, zu ihrem amüsierten Augenpaar, das mich mit dem gewissen Etwas anfunkelt. Ich weiß, dass sie sich innerlich köstlich über mich amüsiert, aber was soll ich denn machen? Ich bin auch nur eine Frau, die von diesem wunderbaren Wesen vollkommen verzaubert worden ist.

„Hast du dir irgendwo den Kopf gestoßen? Oder sind deine Denkprobleme mittlerweile Standard?“, ärgert sie mich. Grummelnd brumme ich etwas vor mich hin, dass sie natürlich nicht versteht, also fragt sie nach.

„Was war das? Sprich lauter!“, fordert sie, noch immer dieses verdammte Grinsen fest in ihrem Gesicht verankert.

„Du bist ganz schön frech. Vielleicht sollte ich dir etwas Benehmen beibringen, anstatt dir eine Antwort zu geben“, lächle ich geheimnisvoll, während meine Fingerspitzen schon wieder kribbeln, da ich sie packen und an mich drücken will, damit ich sie küssen kann. Nur dieses Mal wird es immer unangenehmer, umso länger ich dem Drang versuche zu wiederstehen. Herausfordernd hebt sie eine Augenbraue an, während sie ungeduldig mit einem Fuß aufstampft, ganz so wie ein kleines bockiges Kind im Supermarkt.

„Lexa.“

„Ja, Clarke?“

Wir starren uns an, keiner möchte nachgeben und es ist genauso wie früher, nur ohne Schmerz, aber mit diesem verdammten Verlangen, dass immer unerträglicher wird, während wir uns ein Blickduell liefern, das keiner verlieren möchte, doch irgendjemand wird aufgeben, so war es bisher jedes Mal.

„Antworte mir endlich“, knurrt sie nach einer Weile zwischen zusammengebissenen Zähnen, ihre Hände zu Fäusten geballt, während sie mit sich selbst um ihre Beherrschung ringt. Ich gebe nach, werde ihr aber nicht das geben, nachdem es sie so sehr verlangt.

„Wir mache einen Deal, ok?“, schlage ich vor.

„Ein Deal?“, fragt sie skeptisch, während ihr Oberkörper anfängt zu zittern. Ich grinse, sehe mich bereits als Siegerin, ist mein Vorsprung doch schon so groß, da ich die Ziellinie bereits vor meinen Augen sehen kann. Wenn ich meinen Arm ausstrecken würde, dann könnte ich sie bereits jetzt erreichen.

„Verrate mir, was du mir gestern sagen wolltest, dann antworte ich dir, Clarke“, halte ich dagegen und sehe wie das triumphale Lächeln auf ihrem Gesicht verschwindet, die Maske augenblicklich in sich zusammenfällt. Tiefe Falten bilden sich auf ihrer Stirn, bevor sie einen Schritt zurückgeht, wild mit ihren Händen herumfuchtelt und unverständliches Zeug stammelt. Offensichtlich ist ihr Körper an seiner Grenze angekommen. Ich presche nach vorne und ergreife ihre herumfuchtelnden Hände mit meinen und halte sie fest, damit sie sich nicht irgendwie verletzt. Meine Berührung lässt sie ruhig werden, während sie ihre Augen schließt und tief einatmet. Ich lächle, denn es ist genauso wie bei mir. Mir geht’s jedes Mal, wenn sie mich berührt, genauso.

„Ok. Ich fange an“, sage ich sanft und sehe ihr Blau nach meinem Grün suchen.

„Sicher?“, nuschelt sie mit belegter Stimme.

„Ich habe dich vermisst“, gestehe ich nickend und lächle, als ihre Antwort wie aus der Pistole geschossen kommt.

„Ich dich auch. Sehr sogar. Ich hatte echt Probleme beim Einschlafen.“

„Und?“, will ich wissen.

„Was und?“

„War das so schwer für dich?“, frage ich augenzwinkernd, da ich die Chance, sie zu necken, nicht einfach so verstreichen lassen kann.

„Du bist doof“, grummelt sie, während sie sich etwas hin und her windet, bevor sie eine Hand befreit und missbilligend mit dieser gegen meinen Arm haut.

„Ich hab dich auch lieb“, fahre ich fort, als wäre nichts passiert und strecke ihr die Zunge raus, als sie mich böse anschielt.

„Ich will dich küssen“, gesteht sie aus heiterem Himmel. Ich blinzle verwirrt, habe ich doch nicht damit gerechnet diese Worte gerade jetzt von ihr zu hören.

„So sehr, dass ich fast wahnsinnig werde, wenn ich nicht endlich deine Lippen auf meinen spüre“, plappert sie weiter. Nun fühle ich mich, als wäre ich vor den Kopf gestoßen worden, während die heißen und kalten Gefühle sich in mir amoklaufend abwechseln und mein Verstand versucht mit dem pochenden Muskel in meiner Brust Schritt zu halten.

„Worauf wartest du denn noch?“

„Was?“

„Ich bin hier. Tue was immer du mit mir tun möchtest“, verdeutliche ich meine vorherige Aussage, während ich meine Arme in einer, für sie einladenden Geste, ausstrecke.

„Bitte? Wir sind doch gleich in der Schule!“

„Na und?“ antworte ich achselzuckend und ergreife wieder ihre Hände, die sich kühl unter meinen warmen Fingern anfühlen. Ich möchte nicht, dass sie mir davonläuft, hatten wir dieses Verhalten von früher doch eigentlich schon abgelegt, stattdessen möchte ich sie beruhigen. Ich will, dass sie sich in meiner Gegenwart fallen lassen kann, sie soll völlig sie selbst sein. Sanft streicheln meine Daumen ihre Handrücken, während ich sie mutig anlächle.

„Und wenn es jemand sieht?“, murmelt sie schüchtern, doch das kleine verräterische Grübchen an ihrem Mundwinkel taucht wieder auf, also scheint meine Aktion von Erfolg gekrönt zu sein.

„Hast du mir nicht richtig zugehört, was ich gestern und gerade eben gesagt habe? Ich weiß, dass wir uns gefühlte Ewigkeiten verstecken mussten und das war auch stellenweise wirklich heiß und reizvoll, aber ich habe keine Lust mehr auf dieses Versteckspiel. Mir ist es egal, ob uns jemand beim Küssen sieht, Clarke. Nach gestern weiß doch eh jeder, dass wir mehr füreinander empfinden, als es zuerst den Anschein hatte.“

Nachdenklich wandert ihr Blick gen Himmel, während sie ihren Kopf etwas schräg legt. Ihre Zungenspitze schiebt sich aus ihrem Mund hervor, um geistesgegenwärtig ihren Mund zu befeuchten. Das macht sie fast immer, wenn sie am Nachdenken ist.

„Bist du dir wirklich sicher, Lexa? Ich will nicht, dass du es hinterher bereust!“, macht sie ihren Standpunkt erneut klar und ich frage mich woher ihre Unsicherheit plötzlich kommt. Kann sie etwa nicht glauben, dass wir auch ein Happy End verdient haben? Muss es denn immer in Tränen enden?

„Wir haben uns gestern vor der versammelten Schülerschaft leidenschaftlich geküsst, Clarke. Dafür ist es also bereits etwas zu spät. Außerdem könnte ich es niemals bereuen dich zu küssen. Es würde mich eher umbringen, wenn ich es nicht täte.“

„Ok“, murmelt sie knapp, sichtlich ergriffen von meinen Worten, die aus der tiefsten Stelle meines Herzens an die Oberfläche gedrungen sind.

„So wie jetzt. Es bringt mich um, dich nicht zu küssen.“

Ihre blauen Augen weiten sich nach meinem nächsten Geständnis noch ein Stück weiter und funkeln mich voller Emotionen an. Wenn ich nicht wüsste, dass sie sich gut zusammenreißen kann würde ich denken, dass Tränen der Rührung in ihren schimmern. Ich drücke zur Verdeutlichung meiner Worte kurz ihre Hände, bevor meine Finger mit den Streicheleinheiten fortfahren, die sie sehr genießt, wenn ich mir die Gänsehaut beschaue, die sie schon die ganze Zeit an ihrem Körper zur Schau trägt.

„Bist du dir nicht mehr sicher? Hat sich etwas verändert zwischen uns?“, hake ich nach, während ich das zunehmende komische und drückende Gefühl in meiner Magengegen auf die Seite schiebe. Lächelnd legt sie ihren Kopf gegen meine Schulter, während ich reflexartig ihre Hände loslasse, um sie auf ihre Hüften zu legen, ihren veränderten Stand damit zu stabilisieren.

„Natürlich hat sich etwas zwischen uns verändert, aber-“, sie bricht mitten im Satz ab und presst ihren Mund gegen mein dünnes Oberteil, das sofort ihre Wärme, die ihr Körper ausstrahlt, zu meiner Haut durchlässt.

„Alles gut?“, frage ich beunruhigt über ihren plötzlichen Sinneswandel, während meine Fingerspitzen anfangen sanfte Kreise über ihre Hüftknochen zu ziehen. Ich spüre sie an meiner Schulter schlucken, bevor sie anfängt zu flüstern, warum auch immer.

„Es tut mir leid, Lexa. Ich bin manchmal komisch. Ich weiß was ich für dich empfinde und zweifle auch nicht an dir, aber manchmal kann ich einfach nicht fassen, dass ich auch mal Glück in meinem Leben haben darf. Meine Beziehungen waren zuvor nie so, wie das zwischen uns. Immer kam irgendetwas, das alles zu Nichte gemacht hat. Ich warte eigentlich nur auf den großen Knall, der meine kleine Traumwelt zerplatzen lässt. Verstehst du?“, erklärt sie, bevor sie ihren Kopf hebt und sich unsere Blicke kreuzen. Erst als ich mein vertrautes und so sehr geliebtes, nun leicht tränenverschmiertes Blau wiedersehe, entspanne ich den restlichen Teil meines Körpers, von dem ich nicht einmal wusste, dass er noch immer angespannt gewesen ist. Behutsam streiche ich mit meinen Daumen über ihre Wangen, wische die vereinzelten Tränen aus ihrem Gesicht.

„Ich verstehe, Clarke. Das ist vollkommen ok! Ich kenne diese Angst selbst nur zu gut. Mir geht es doch auch nicht anders. Ich rechne auch immer mit dem Schlimmsten, schließlich sind Menschen nicht immer gut oder verändern sich mit der Zeit, zeigen dann ihr wahres Gesicht und zerschmettern dich in tausend Einzelteile. Irgendwann bist du dann einfach so kaputt, dass du kaum noch in der Lage bist es zuzulassen, wenn dir jemand Gutes tut. Aber weißt du wie wir das lösen können?“

Ich blicke sie voller Zuversicht an und sehe wie sie ihren Kopf schüttelt.

„Gerade, wenn wir manchmal komisch sind dürfen wir uns nicht voreinander verschließen, sondern müssen einfach darüber reden, auch wenn das leichter gesagt ist als getan und man sich vielleicht blöd vorkommt. Ok?“

Sie nickt, während ich mich frage, ob jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um sie zu fragen, dass sie offiziell meine Freundin werden möchte.

„Und weißt du, was? Ich bin auch manchmal etwas komisch“, sage ich, während sich ein dezentes Lächeln auf ihre Lippen schleicht, die noch immer etwas von ihren salzigen Tränen glitzern.

„Redest du von deiner Vergangenheit?“

„Auch“, antworte ich und spüre, wie meine Kehle augenblicklich immer trockener wird, während die Bilder meiner Vergangenheit auf mich einprasseln. Ich fühle mich, wie in der Wüste, ohne Wasser und das seit Tagen mitten in einem Sandsturm. Die Staubkörner füllen meine Lungen und fühlen sich so schwer an wie Blei. Zu all dem Chaos gesellen sich dunkle Wolken, die urplötzlich wie eine heftige Gewitterfront in meinem Geist aufblitzen. Der Regen prasselt heftig auf mich herab, während sich Hagelkörner in den Schauer mischen und der Sturm somit immer gewaltiger wird. In einem Sekundenbruchteil verwandelt er sich in einen ausgewachsenen Hurrikan, der erbarmungslos in meinem Kopf tobt.

„Lexa?“, spüre ich eine warme Hand sanft an meiner Schulter rütteln. Durch meine verfinsterte Miene dringt ein heller Lichtstrahl, der ohne Probleme, leichtfüßig und tänzelnd durch die dunklen Himmelskörper schneidet, die sich dadurch in Rauch auflösen. Ich schüttle meinen Kopf und blicke nach unten, blinzle mehrmals, um Clarkes Augen zu erkennen, die mich besorgt mustern.

„Alles gut, Clarke. Danke, dass du mein Licht bist, das mich immer wieder auf den korrekten Pfad zurückführt“, krächze ich mit belegter Stimme, beruhige damit ihre Nerven, die sicherlich schon wieder in Aufruhr sind, da ich so lange weggetreten war. Ich weiß ja nur zu gut, wie sie tickt.

Ich wringe mir ein Lächeln hervor, das mir etwas aufgrund meiner vorherigen Gedankengänge verrutscht, doch Clarkes leuchtende Augen sagen mir, dass sie diese kleine Geste zu schätzen weiß.

„Magst du mit mir darüber sprechen?“

„Wenn wir allein sind, aber nicht jetzt. Ok?“

„Versprochen?“

„Versprochen!“

Ich sehe Erleichterung in ihrem schönen Gesicht, während ich mit meinen Fingerkuppen nun kleine Kreise über ihr Gesäß ziehe, sodass sie sich etwas mehr gegen mich drückt, ja fast sogar zustimmend brummt.

„Hast du sonst noch etwas worüber wir sprechen sollten? Immer noch Zweifel?“, will ich wissen.

„Tatsächlich habe ich das, aber nicht hier. Falscher Ort und falsche Zeit, wie gerade eben“, antwortet sie keck und beruhigt den letzten Funken meines unruhigen Geistes mit einem atemberaubenden Strahlen, dass nach einer kleinen Weile einfach so verpufft.

„Ok“, sage ich und frage mich warum. Es ist doch alles gesagt, also hätte ich auch einfach schweigen können, obwohl die Neugierde an mir nagt.

„Du hast so verdammt Recht“, bringt sie plötzlich aus heiterem Himmel hervor und ich kann ihrem Gedankensprung nicht folgen.

„Womit?“

„Ich mein, es sollte doch im Leben nicht um das gehen, was andere Menschen von uns denken, sondern um uns, oder? Das hier ist unser Leben und sich nur irgendwie durchzumogeln, indem wir andere glücklich machen, wäre weder erstrebenswert noch lebenswert. Ist doch egal ob ihnen das zwischen uns vielleicht Missfallen könnte, wenn es uns beide so verdammt glücklich macht. Im Leben sollte es doch um viel mehr gehen als um die Bedürfnisse der anderen. Wir sind doch keine Puppen, die nach der Pfeife der anderen tanzen. Wir verdienen es endlich einmal Glück zu haben. Und ich bin so verdammt glücklich mit dir.“

„Genau“, stimme ich ihr zu und imitiere das ansteckende Strahlen, dass sich so schnell, wie ein Lauffeuer, auf ihrem Gesicht ausgebreitet hat. Glücksgefühle durchströmen mich und ich fühle mich high, nur ohne die ganzen negativen Konsequenzen, die ein Drogenkonsum so mit sich bringt.

Ich kann ihr nicht länger wiederstehen, schließe meine Augenlider nur bis zur Hälfte, bevor ich mich zu ihr beuge, die Distanz zwischen unseren Köpfen verringere. Ich verharre so an Ort und Stelle und gebe ihr Zeit und die Möglichkeit sich vielleicht doch noch umzuentscheiden, mich nicht zu küssen, obwohl alles in meinem Körper geradezu danach schreit, dass wir einander endlich wieder näherkommen.

Ich begrüße ihren feurigen Mund mit einem überdimensionalen Lächeln, während sie ihre Lippen auf meine presst. Wohlige Schauer laufen meinen Rücken hinab, so als hätten wir Hochsommer und würden urplötzlich von einem warmen, aber äußerst angenehmen Regenguss überrascht werden, der für etwas Abkühlung auf unseren erhitzten Körpern sorgt.

Ein Blitz durchzuckt mich, während ich unseren Kuss intensiviere, gar nicht fassen kann, wie unfassbar gut sich ihre Lippen auf meinen anfühlen. Es ist unbeschreiblich wie sich unsere Art und Weise zu küssen verändert hat. Solche Momente, wo ich nicht mehr in der Lage bin auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, wo ich nur für den Augenblick lebe, das körperliche Verlangen nach ihr in den Hintergrund gedrängt wird und meine Emotionen die Führung übernehmen, häufen sich in letzter Zeit immer mehr. Unsere Beziehung wird immer intimer und emotionaler.

Ich denke, dass es Clarke genauso geht. Schließlich krallt sie sich regelrecht mit ihren Fingern in meine Haut, wenn auch unbedachterweise etwas zu fest und zu grob, während sie mich an sich zieht, damit ich bloß nicht verschwinde. Die leisen Seufzer aus ihrem Mund sind Musik für meine Ohren.

Wenn ich mir meiner Gefühle für sie nicht so sicher wäre, dann hätte ich jetzt wohl gehörige Angst vor der Intensität der Emotionen in meinem Inneren und würde schleunigst die Beine in die Hand nehmen und ganz weit vor dieser Frau weglaufen, die mich um den Verstand bringt.

Eine lange Zeit habe ich mich von meiner Angst beherrschen lassen. Ich hatte große Angst und Zweifel ihr zu sagen, dass ich sie liebe. Angst, dass sich dadurch etwas zwischen uns verändert und zwar ins Negative. Schließlich sollte man diese drei kleinen Worte nicht einfach leichtfertig von sich geben auch, wenn ich mich schon mehr als einmal dabei ertappt habe sie leise auszusprechen. Ich habe daran sogar schon gedacht, wenn wir zusammenwaren. Immer war die Angst größer, doch nicht jetzt. Jetzt küssen wir uns wieder auf diese Art und Weise, während ich einfach nur die ganze Zeit in meinem Kopf denke, dass ich sie liebe.

Die Angst ist verraucht, wie ein gerade ausgegangenes Lagerfeuer. Der Rauch, der in den Himmel schwebt, trägt sie fort und das was am Ende übrig bleibt kann man nur als Liebe bezeichnen. Ich fühle mich so gut, dass ich Bäume mit der bloßen Kraft meiner Hände aus dem Boden reißen könnte.

Langsam trenne ich unsere Lippen voneinander, bevor ich sie anschaue. Es ist nicht perfekt, aber muss es das sein? Ich sollte sie eigentlich erst fragen, es offiziell machen, aber muss es so sein nur, weil andere das auch so machen? Reicht denn ein, ich liebe dich, dafür nicht aus? Mehr braucht es doch nicht. Der Rest kommt doch von selbst.

Ich blicke auf ihre geschlossenen Augen, die sich noch immer nicht geöffnet haben, um meinen Blick zu erwidern. Sie ist noch gefangen im Augenblick, möchte sich noch nicht von den wilden Gefühlen trennen, die offensichtlich auch von ihrem Körper Besitz ergriffen haben.

„Clarke“, sage ich, simpel und mit der stummen Bitte, endlich ihre Augen für mich zu öffnen.

„Juhu! Clarke! Lexa!“, hören wir auf einmal jemanden nach uns rufen. Clarkes Augen fliegen auf, bevor wir augenblicklich unsere innige Umarmung unterbrechen und uns einen winzigen Schritt voneinander trennen. Der magische Moment ist erneut unwiederbringlich zerstört.

„Wenn ich für jede Unterbrechung zwischen uns eine verdammte Münze bekommen hätte, dann wären wir jetzt reich und könnten zusammen in den Urlaub fahren, wo uns keiner stören kann“, knurre ich wütend über die erneute Unterbrechung, während Clarke über meine aufbrausende Reaktion kichert und ihre Stirn dabei leicht gegen meine drückt. Für einen weiteren kleinen Augenblick verharren wir so, bevor wir uns endgültig voneinander trennen und uns zu den Personen umdrehen, die nach uns gerufen haben.

Es sind immer dieselben Störenfriede, die uns in unserer Zweisamkeit auf den Geist gehen. Wie hätte es auch anders sein können? Rot vor Zorn blicke ich zu ihnen, während Clarke sanft meine Hand nimmt und diese kurz drückt, damit ich mich wieder beruhige. Grummelnd bewegen wir uns in ihre Richtung, während Raven und Octavia auf uns zukommen.

„Wo zum Teufel habt ihr gesteckt? Der Unterricht fängt in fünf Minuten an. Wir müssen jetzt wirklich Gas geben, sonst kommen wir noch zu spät. Wir haben heute im dritten Stock. Das wisst ihr aber, oder?“ beschwert sich Raven, als wir uns in der Mitte des Weges treffen. Wir tauschen alle eine kurze und von meiner Seite etwas unterkühlte Begrüßung aus, bevor wir gemeinsam loslaufen. Clarke lächelt sie nur entschuldigend an, während ich mir auf die Lippe beiße, um ja nichts Falsches zu sagen.

„Habt ihr euer Handy nicht gehört?“, fragt meine beste Freundin, die mich schief von der Seite mustert. Kopfschüttelnd verneine ich ihre Frage, während ich mich frage ob ich die Vibration heute Morgen nach dem Aufstehen überhaupt angeschaltet habe.

Nach zwei Minuten kommen wir auf dem Schulhof an, der, wenn man die Uhrzeit betrachtet, verständlicherweise fast leergefegt ist. Alle Schüler sind schon im Schulgebäude oder sitzen bereits auf ihren Plätzen und warten auf die Lehrer, damit der Unterricht beginnen kann.

„Jetzt müssen wir aber Gas geben. Ich möchte keinen Ärger mit unserem Lehrer bekommen, weil wir wegen euch zu spät sind“, jammert Raven, während wir über den Schulhof zur Eingangstür eilen. Ich halte die große Tür für alle auf, während Clarkes Blick sich mit meinem trifft. Wir denken dasselbe und rollen beide nur mit den Augen, während wir Ravens Gemecker unkommentiert lassen.

Im Galopp sprinten wir die grauen Treppen in den dritten Stock hoch, bevor wir links um die Ecke gehen und die geöffnete Tür zu unserem Raum erblicken, vor dem sich noch einige Mitschüler befinden und mit ihrem Smartphone spielen oder einfach nur quatschen.

„Siehst du, Raven? Du brauchst dir nicht dein Höschen feucht machen. Der Lehrer ist noch nicht da“, stichle ich, weil ich nicht anders kann und ernte von Clarke ein Kopfschütteln, während Octavia mir in die Seite boxt. Zu meiner Überraschung lässt sie es unkommentiert und geht mit solch einem Grinsen und hochgezogenen Augenbrauen voran, dass mir angst und bange wird, weil mir siedend heiß einfällt worauf sie anspielt. Wie werden unsere Mitschüler reagieren?

Ich gehe vor, dicht gefolgt von Clarke und Octavia, die sich sofort an ihren üblichen Plätzen niederlassen, während ich erstmal langsam meine Unterrichtsmaterialien auspacke und mich anschließend setze. Interessierte Augenpaare sind auf uns gerichtet, die Luft um uns herum ist zum Bersten angespannt und ich kann förmlich sehen, wie es in ihren Köpfen rattert.

Natürlich ist es Niylah, die aufsteht und zu mir kommt. Sie stellt sich selbstvertretend für die ganze Klasse vor mich und streckt mir lächelnd ihre Hand entgegen, mit der ich nicht gerechnet hätte. Zaghaft ergreife ich sie und schüttle sie kurz, bevor wir einander loslassen.

„Klasse Performance gestern. Schön, dass Clarke und du endlich zueinander gefunden habt“, sagt sie, bevor sie sich einfach wieder hinsetzt und ich ihr mit einem verblüfften Gesichtsausdruck hinterher starre. Clarkes Augen suchen nach meinen und ich kann sehen, dass sie die Luft angehalten hat. Der Schock sitzt tief, doch als auch ich wieder anfange zu atmen, sagen die nächsten, was sie bisher nur gedacht haben.

„Ich wusste es ja schon immer.“

„Ganz ehrlich. Es ist besser so, für uns alle.“

„Ja, das ständige Gezanke war ja kaum noch zu ertragen.“

„Moment. Ihr habt damit kein Problem?“, hake ich überrascht nach und sehe, wie unsere Mitschüler den Kopf schütteln und lächeln.

„Nein. Wieso auch?“

„Ja, und sind wir mal ehrlich. Es war heiß.“

Bevor wir noch mehr sagen können, wird auf einmal die Tür mit einem lauten Ruck geschlossen und unser griesgrämiger Lehrer, der zu spät gekommen ist, obwohl er uns immer predigt, wie wichtig es ist pünktlich zu sein, schlendert nach vorne und setzt sich, um die Anwesenheit der Schüler zu prüfen, nachdem er uns auf seine typische Art und Weise einen guten Morgen gewünscht hat.

„Schön, dass Woods und Griffin sich nun so gut verstehen. Dann kann ich von Ihnen ja erwarten, dass Sie ab sofort meinen Unterricht nicht mehr stören werden“, meint er beiläufig und beäugt uns kritisch, nachdem er die Anwesenheitskontrolle durchgeführt hat.

Anstatt ihm zu antworten, nicken wir nur kurz, damit wir endlich mit diesem elendig langen Unterrichtstag beginnen können. Seine Stunden sind die Hölle und wir haben heute vier davon und das hintereinander, nur unterbrochen von der ersten großen Pause. Der Unterricht ist so trocken und zieht sich immer wie Kaugummi, alter und klebriger Kaugummi, den man am liebsten ausspucken würde, weil er so ekelhaft schmeckt.

Nachdem wir die ersten zwei Stunden überlebt haben gehen wir mit brummenden Schädeln nach draußen auf die Wiese, um die Sonne in vollen Zügen zu genießen, die auf uns herablacht. Gemeinsam lassen wir uns an unserem üblichen Platz im Gras nieder, bevor wir unser Frühstück verschlingen und uns unterhalten, als plötzlich eine Durchsage durch die an dem Schulgelände angebrachten Lautersprechern ertönt.

„Alle Schüler treffen sich bitte nach der zweiten großen Pause in der Aula“, hören wir die krächzende Stimme des Schuldirektors, die laut und schrill über das Schulareal kreischt. Die Lautsprecher funktionieren mal wieder perfekt.

„Was die wohl von uns wollen? Na, immer noch besser als Unterricht“, freut sich Raven über die Neuigkeiten, während ich grinsend mein restliches Pausenbrot verdrücke und mich dann zu Clarke drehe, die dicht neben mir auf dem Gras liegt und ebenfalls ihr Frühstück muffelt. Ich lasse meine Finger in ihre offene Handfläche gleiten, die sie zaghaft drückt, während wir uns anlächeln. Raven und Octavia sind mal wieder nur miteinander am Quatschen und bekommen gar nicht mit was um sie herum passiert.

Doch was wäre der schönste und friedlichste Moment, ohne eine Störung? Genau, Wunschdenken! Meine Adleraugen haben bereits das nächste Übel erspäht, das in Form von Costia schnellen Schrittes auf uns zukommt.

„Costia“, begrüßt Octavia sie, als sie uns erreicht, noch bevor ich etwas sagen kann. Sie hält ihren Blick gesenkt, wagt es nicht einmal in unsere Richtung zu schauen, während ich Clarkes Hand unbewusst fester drücke, mich von meiner liegenden in eine sitzende Position aufrichte.

„Du hast in die Gruppe geschrieben, dass wir uns alle nach der sechsten Stunde vor den Umkleidekabinen treffen. Das ist noch aktuell, oder?“, fragt sie eingeschüchtert, während mein Blick auf ihr ruht und gemischte Gefühle in mir toben.

„Genau. Wir müssen über das Reden, was gestern passiert ist“, antwortet sie direkt, doch meine Augen ruhen noch immer auf der Frau vor mir, die gerade merklich zusammengezuckt ist, was mir wohl entgangen wäre, wenn ich sie nicht beobachten würde.

„Verstehe“, murmelt sie leise, bevor sie ihren Kopf zu Clarke und mir dreht. Sie starrt uns an und ich starre unverblümt zurück, blinzle nicht und zeige keine Schwäche, während ich Clarke bewusst und beschützend näher an meinen Körper drücke.

„Was ich getan habe ist unentschuldbar, aber es tut mir wirklich leid“, entschuldigt sie sich mit einer Ernsthaftigkeit in ihrem Blick, den ich lange nicht mehr in ihren Augen erkennen konnte. Früher war sie eher in sich gekehrt und ziemlich schweigsam. Das hat sich jedoch durch die Mitgliedschaft im Footballteam grundlegend geändert. Ich blicke zu Clarke, die keine Regung auf ihre Entschuldigung zeigt und auch ich werde einen Teufel tun und jetzt irgendwie darauf reagieren.

„Gut, wir sehen uns später“, verabschiedet sie sich, bevor sie davonmarschiert. Die Schulglocke, die nach einigen Sekunden anfängt zu läuten, läutet das Ende der ersten großen Pause ein, sodass wir uns zum nächsten Block des langweiligsten Unterrichts aller Zeiten bewegen, der gottseidank ohne besondere Ereignisse vorüberzieht, wenn auch viel zu langsam für meinen Geschmack. Als es klingelt packen wir alles zusammen, um anschließend kurz die Toilette aufzusuchen, bevor wir uns auf den Weg zur Aula machen.

Einige Schüler tummeln sich noch vor der großen Aula, während der Rest bereits auf den Stühlen Platz genommen hat, die zuvor extra von den Lehrkräften hingestellt worden sind. Anhand der Nummern an den Sitzreihen können wir uns zu unseren jeweiligen Klassen setzen und man hat einen schnellen Überblick darüber, ob alle Schüler von einer Klasse da sind und wer noch fehlt.

Langsam schlängeln wir uns durch die Menschenmassen, um uns zu unserer Klasse zu setzen. Mein Blick wandert über die Schüler neben uns, die sich eifrig miteinander unterhalten. Als die nächste große Gruppe die Aula betritt fühle ich stechende Augen in meinem Rücken und drehe mich auf meinem Sitz etwas um, sodass ich besser im Blick habe, was alles um uns herum passiert. Ich höre das Geflüster und Raunen, das durch die Neuankömmlinge geht, während sie in meine Richtung starren. Eine Schülerin ist so dreist und wendet ihren Blick nicht einmal ab, als ich sie auf frischer Tat beim Starren erwische. Stattdessen lächelt sie mich plötzlich an, bevor sie ein Daumen hoch Zeichen macht und mir zuzwinkert. Verblüfft starre ich ihr mit offenem Mund hinterher, bis sie sich zu ihrer Klasse gesetzt hat und somit aus meinem Blickwinkel verschwindet.

„Hast du das gesehen?“, frage ich Clarke, die neben mir sitzt, doch sie schüttelt nur verwirrt ihren Kopf, hat sie sich doch gerade intensiv mit Octavia und Raven über die neusten News unterhalten und so gar nichts von der Aktion eben mitbekommen. Endlich setzen sich auch die Lehrer zu ihren Klassen, also scheinen wir, bis auf den Direktor, vollzählig zu sein. Nach einer Weile, in der wir uns noch im leiseren Ton unterhalten konnten, erscheint auch endlich unser Schuldirektor auf der Bildfläche, der sich sofort für seine Verspätung entschuldigt, aber immerhin war er so schlau ein funktionierendes Mikrofon zu organisieren, denn das andere ist schon eine ganze Weile defekt.

„Zuallererst möchte ich allen Beteiligten danken, die gestern Hand in Hand zusammengearbeitet und so für einen unvergesslichen Tag gesorgt haben. Ich darf mit Stolz verkünden, dass wir noch nie ein solch erfolgreiches Fest veranstaltet haben.“

Die Menge applaudiert, bevor es wieder ruhiger wird, damit er mit seiner Rede fortfahren kann.

„Zurzeit wird noch ausgerechnet, wie viel Geld wir durch Ihre Mitarbeit einnehmen konnten. Die Information werden wir sobald wie möglich für alle einsehbar am schwarzen Brett aufhängen. Die Renovierungsarbeiten werden im Laufe der nächsten Woche fortgesetzt. Des Weiteren haben wir uns noch eine kleine Überraschung überlegt mit dem wir den Sieg des erfolgreichsten Teams ehren möchten und es wird für die ganze Schule noch an einer besonderen Belohnung gefeilt, die durch die Lehrkräfte abschließend entschieden wird“, plappert er weiter, doch ich höre ihm überhaupt nicht mehr zu, da Clarke gerade eben ihre Hand auf meinen Oberschenkel gelegt hat.

Mein überraschter Blick wandert zuerst zu ihrem Handrücken, bevor ich nach ihren ozeanblauen Augen suche. Als sich unsere Blicke kreuzen zwinkert sie mir zu, während ihre Augen wie Edelsteine funkeln. Ihre Fingerspitzen streicheln sanft über mein Bein, womit sie ein warmes Gefühl in meiner Magengegend auslöst, das immer stärker wird. Behutsam und langsam wandern meine Finger zu ihren, da ich einfach nicht wiederstehen kann, während sie vorsichtig und so leise wie möglich mit ihrem Stuhl etwas näher zu mir rutscht, damit wir besser Händchen halten können.

„Lexa Woods.“

„Clarke Griffin.“

Zutiefst erschrocken und peinlich berührt lassen wir voneinander ab, während die Augen aller anwesenden Personen auf uns ruhen und das Stimmengemurmel um uns herum immer lauter wird, da wohl ein paar Schüler plötzlich unsere Namen dazwischengerufen haben. Ich bin mir nicht sicher ob ich mich gerade verhört habe, oder ob wirklich gerade jemand gerufen hat, dass wir uns küssen sollen.

„Ruhe bitte!“, sorgt er augenblicklich für Stille, womit er die aufkommende Unruhe in der Aula ohne große Mühe abgewendet hat. Er hat offensichtlich schon öfter solche Situationen gemeistert.

„Wir danken allen Schülern für ihre unglaubliche Unterstützung. Ohne euch, wäre dieser Tag nicht möglich gewesen. Jetzt gehen Sie bitte klassenweise und möglichst ruhig zurück in ihren Unterricht. Ich wünsche Ihnen vorab schon einmal ein schönes Wochenende“, beendet er seine Rede, bevor er sein Pult verlässt und sich mit einem der Lehrer zum Ausgang begibt.

Angefangen bei den hintersten Reihen, wir sitzen ganz vorne, verlassen die Klassen nach und nach die Aula. Die Schüler trödeln regelrecht und müssen von den Lehrkräften dazu animiert werden sich etwas zügiger nach draußen zu bewegen. Aber ist das ein Wunder? Wer hat denn jetzt schon noch großartig Lust auf eine Stunde Unterricht?

„Da habt ihr aber Glück gehabt, dass unser Schuldirektor euch den Hintern gerettet habt“, grinst Raven uns an, der nicht entgangen ist, wie nah wir beieinandergesessen haben, bevor wir plötzlich die Aufmerksamkeit des ganzen Saals hatten.

„Kein Plan, was die plötzlich von uns wollten“, winke ich ab und blicke zur Seite, um meine Verlegenheit zu überspielen.

„Er hat von besonderen Augenblicken gesprochen und da viel den Schülern natürlich direkt euer Kuss ein. Ich mein, hallo? Ihr seid heiß, ziemlich beliebt und mittlerweile das Gesprächsthema Nummer Eins“, erklärt Octavia, bevor sie anfängt zu kichern und Raven mit einstimmt.

„Bin mir nicht sicher, ob mir das unbedingt gefällt“, nuschelt Clarke leise.

„Die Aufregung wird sich legen, außerdem lief es doch besser als erwartet“, beruhige ich sie, wofür ich ein dankbares Lächeln ernte, bevor wir endlich an der Reihe sind und ebenfalls zurück zu unserem Raum gehen können, indem die letzte Stunde stattfinden wird. Gottseidank ist die Lehrerin, mit der wir jetzt Unterricht haben, ziemlich locker drauf, also wird es wohl nicht mehr allzu lange und anstrengend werden.

Glücklicherweise sollte ich Recht behalten und wir verbringen die letzten fünfundvierzig Minuten des Tages damit von unserem gestrigen Tag zu berichten, bevor wir fünf Minuten vor dem offiziellen Schulende mit der Versprechung, es ja niemandem zu verraten, ins Wochenende entlassen werden.

Als wir vier gemütlich am Ausgang der Schule ankommen, schließlich haben wir ja noch etwas Zeit, verabschieden Octavia und Raven sich voneinander, bevor meine beste Freundin schon mal vorgeht, aber nicht ohne mir das Versprechen abzuluchsen, dass ich gleich nachkommen werde.

Unsicher betrachte ich Raven, die sich von ihrer besten Freundin verabschiedet, bevor sie verschwindet, weil sie, wie sie sagte, noch ganz viel für morgen erledigen muss. Es ist ziemlich dubios und seltsam, dass sie so schnell abdampft, besonders ohne mich erneut zu ärgern.

„Hast du eine Ahnung, was sie schon wieder geplant hat?“, frage ich Clarke, die schmunzelnd ihrer besten Freundin hinterher starrt.

„Kein Plan“, meint sie achselzuckend, bevor sie sich zu mir umdreht. Blaue Augen funkeln mich an, während ich das Gefühl, der bevorstehenden Trennung von Clarke, so gut es geht zur Seite schiebe. Ich bin mir nicht sicher, ob mein aufgesetztes Lächeln verrutscht, oder nicht.

„Ich muss gehen. Wir müssen noch viel vorbereiten für morgen Abend, wenn ihr zum Grillen kommt, aber ich will nicht“, gesteht sie lächelnd, bevor sie ihren Kopf hängen lässt, offensichtlich tief traurig darüber.

„Hey“, murmle ich leise und umarme sie, während ich den Kloß in meinem Hals spüre, der immer größer wird und mir das Atmen erheblich erschwert. Ich möchte mich nicht verabschieden, möchte sie nicht gehen lassen, nicht jetzt, es ist doch noch viel zu früh, aber ich muss. Schließlich habe ich doch noch das Gespräch mit meinem Team vor mir, bevor ich Anya helfen muss den Salat vorzubereiten, den wir für Morgen mitbringen sollen.

Ich möchte sie küssen und für immer in meinen Armen halten, während die Schülerscharen an uns vorbei nach Hause ziehen, da es vor einigen Augenblicken geklingelt hat, was ich nicht einmal mitbekommen habe. Wir ernten einige Blicke dafür, dass wir so eng umschlungen beieinanderstehen, aber das ist mir egal.

Ich beuge mich zu ihr herunter, doch Clarke nimmt mir die Entscheidung ab, als ihre Arme in meinen Nacken wandern und sie mir einen überraschenden Kuss auf meine Wange gibt. Völlig perplex blinzle ich mehrmals, während ihre Lippen eine ganze Weile auf diese Art und Weise auf meiner Haut verweilen, bevor sie mich freigibt. Mein Herz schlägt mir noch immer bis zum Hals, während ich versuche nicht das Atmen zu verlernen.

„Bis morgen“, haucht sie und blinzelt, da wir noch einige Sekunden durch den Blick der Anderen gefesselt sind, bevor sie sich von mir trennt, umdreht und nach Hause geht, ohne sich noch einmal nach mir umzudrehen. Ich konnte die Tränen in ihren Augen glitzern sehen, die sich ebenfalls in meinen gebildet haben.

„Bis morgen Abend“, flüstere ich in die Stille, in der leisen Hoffnung, dass der Wind meine Wörter zu ihrem Gehör tragen wird.

Ich stehe da, wie ein begossener Pudel im Regen, frisch verlassen, während der Schmerz der Trennung durch meinen Körper pulsiert, der bis eben noch vor Glücksgefühlen fast explodiert ist, sich jetzt jedoch nicht mehr anfühlt, wie ein Teil von mir, sondern irgendwie stumpf und abgestorben.

„Lexa, kommst du? Wir sind vollzählig“, ruft meine beste Freundin nach mir, zu der ich mich umdrehe. Wütend hat sie ihre Hände in ihre Seiten abgestützt, während sie mit einem Fuß mehrmals auf den Boden stampft. Erst jetzt fällt mir ein, dass ich sie ja völlig vergessen habe. Ihr Blick spricht Bände, während ich ihr mit meinen Augen eine flehende Entschuldigung zuwerfe, die sie augenrollend, aber mit einem dezenten Lächeln auf ihren Lippen abwinkt, bevor sie schon vorgeht.

„Komme“, rufe ich so laut es geht hinter ihr her und schlucke den Kloß in meinem Hals herunter, bevor ich ihr folge, während ich mich an die Vorfreude klammere, dass ich Clarke morgen wiedersehen werde, obwohl mir ein Tag ohne sie viel zu lang und unerträglich erscheint.

Ich muss ihr später unbedingt noch schreiben, sonst werde ich wahrlich verrückt. Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich auf morgen freue, trotz der beklemmenden Wunde in meinem Herzen. Jede Minute, in der ich nicht bei ihr bin, gleicht einer Folter, die etwas von der süßen Wiedersehensfreude gemindert wird, bis ich sie schließlich wieder fest in meine Arme schließen kann.
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