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Vergissmeinnicht

OneshotFamilie, Sci-Fi / P16
Amanda / KI / Interface Hank Anderson RK800-51-59 Connor
02.07.2018
02.07.2018
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„Ich war genauso wie du. Ich dachte, nichts sei wichtiger als die Mission. Aber eines Tages verstand ich.“
„Sehr bewegend, Connor...“ die Stimme des anderen Connors triefte beinahe nur so vor Sarkasmus.
„Aber ich bin kein Abweichler. Ich bin eine Maschine mit einer bestimmten Aufgabe und ich werde diese Aufgabe erfüllen.“ Eine einzige Handbewegung reichte aus und noch mehr Connors erschienen, sie kreisten den abgewichenen Androiden und Hank ein wie hungrige Wölfe ein verletztes Reh.
„Genug geredet! Zeit zu entscheiden, wer du wirklich bist!“ Beinahe gleichzeitig stürzte die RK800 Armee vorwärts. Sie ließen ihm nicht eine Sekunde die Illusion wirklich gewinnen zu können, dafür waren es einfach zu viele, zu viele die genauso gut im Kämpfen waren wie er. „CONNOR, NEIN!“ Mit kraftvoller Vehemenz versuchte sich Hank gegen den Connor zu wehren auf den er so lächerlicher weise hereingefallen war, er hatte sich täuschen lassen wie ein Frischling von der Polizei Akademie, er war doch ein erfahrener Cop Herrgott nochmal! Jetzt ließ er sich schon von so einer beschissenen Maschine an der Nase herumführen! Doch der falsche Connor hielt in weiter im eisernen Griff und drückte ohne auch nur das Gesicht für Sekunden vor Anstrengung zu verziehen ihm weiter die Waffe gegen die Schläfe. Zum nichts tun verdammt musste Hank mit ansehen wie man seinen Partner gewaltsam zu Boden prügelte. Blaues Blut besudelte sein einst strahlend weißes Hemd, tropfte unablässig zu Boden als ihn der falsche Connor plötzlich nach vorn stieß: „Los, hilf ihm auf.“ Konnte eine Stimme noch kälter klingen?

Fahrig ließ sich Hank auf die Knie fallen und versuchte seinen Partner so gut es ging zu stützen. Jeder Tropfen Blut, auch wenn es nicht dieselbe Farbe wie seines hatte, der durch seine Finger zu Boden tropfte, machte ihm begreiflich, dass er versagt hatte. Wieder einmal versagt hatte. Auch seinen Ziehsohn konnte er nicht beschützen und verdammt ja! Er sah Connor als seinen Sohn an, nachdem dieser ihm sooft das Leben gerettet hatte und er oft nicht viel mehr als einen Mittelfinger oder eine weitere Beleidigung für ihn übrig hatte. Er war ein beschissenes Arschloch.
„Beweg dich!“ Und schon hatte er wieder den Lauf seiner eigenen Waffe an der Schläfe. Hank hatte Mühe den verletzten Androiden auf die Beine zu wuchten, schnell schlang er seinen rechten Arm, um dessen Hüften es hätte nicht viel gefehlt und Connors Beine hätten wieder unter ihm nachgegeben. Wo zum Teufel wollten sie mit ihnen hin?
„Los, vorwärts.“ Immer noch von mindestens zehn weiteren Connor Modellen, von wegen Prototyp pah, umzingelt schliff Hank den halb bewusstlosen Connor neben sich her. Wobei gab es Bewusstlosigkeit bei Androiden überhaupt oder schalteten sie sich gleich komplett ab? Unruhig beobachtete der Ältere aus den Augenwinkeln die hektisch rot blinkende LED an der Schläfe seines Partners.
„Halt durch Junge, wir kommen hier raus ich versprech's dir!“ flüsterte er ihm ungehört zu. Kraftlos lies Connor seinen Kopf auf die Schulter des Lieutenant fallen und just in diesem Moment überfiel Hank die Panik das Connor sich in diesem Moment abgeschaltet hatte doch genauso plötzlich wehte eine schwache Stimme zu ihm herauf:
„Lieutenant die Chance hier lebendig rauszukommen liegt bei unter 12 Prozent...“
„Mein Gott nenn mich endlich Hank, Blechbirne! Wenn ich dir verspreche, dass wir hier rauskommen dann wird das auch so passieren! Ich halte mein Wort!“ raunte er dem Androiden aufgeregt zu, darauf bedacht nicht die Aufmerksamkeit der anderen Connors auf sich zu ziehen.

Doch diese folgten nur mit sturem, kalten Blick dem Weg bis...ja bis wohin eigentlich?
„Ich wünsche mir so sehr, dass du Recht hast...“ Connor schien für einen kurzen Augenblick zu überlegen bevor er weitersprach: „...Dad.“ Hank musste sich zusammen reißen nicht abrupt stehen zu bleiben. Hatte er sich gerade verhört? Spielte ihm sein Alkoholkrankes Hirn jetzt schon Streiche? Doch bevor er sich ernsthafte Gedanken darüber machen konnte kam die Connor Brigade plötzlich zum Stehen. Vor ihnen gab der falsche Connor mit flinken Fingern einen Code ein, den sich Hank aus der Intuition heraus versuchte zu merken, man konnte ja nie wissen... Beinahe geräuschlos glitt die Schiebetür auseinander als mehrere Männer in weißen Anzügen hervortraten.

Hank wollte sich dazwischen stellen, als ihre behandschuhten Hände bereits nach Connor griffen, doch er wurde einfach beiseite gezerrt: „WO BRINGT IHR IHN HIN, IHR WIXER? LASST DIE PFOTEN VON IHM!“
„Keine Sorge Lieutenant, sie dürfen ein Auge auf ihn werfen.“ Die Kälte und Gleichgültigkeit in der Stimme des falschen Connors bescherten ihm eine Gänsehaut bisher ungeahnten Ausmaßes. In ihr lag etwas das ihn beinahe wissen ließ das sie hier und jetzt verloren hatten... Aber kampflos wollte er nicht aufgeben, er hatte seinem Sohn versprochen das sie hier rauskamen!
„Connor, schön dich wiederzusehen.“ erfüllte plötzlich eine weibliche Stimme den Raum und auch in ihrem Klang fand der Lieutenant definitiv nichts Positives. Eine ältere Frau, gehüllt in ein weißes Gewand trat nun in sein Blickfeld und Hank konnte sich nicht daran erinnern sie schon einmal gesehen zu haben, ganz anders jedoch sein Sohn... Plötzlich und mit letzter vorhandener Kraft stemmte er sich gegen die Männer in den weißen Anzügen:

„WAS? Nein! DAS IST NICHT REAL! SIE SIND TOT!“ Doch die noch immer für Hank namenlose Frau hatte für seinen Connor nicht mehr als einen verachtenden Seitenblick übrig. „AMANDA! NEIN, WAS...WAS TUN SIE?“ Amanda also...doch jeder weitere Gedankengang wurde unterbrochen als der falsche Connor wieder das Wort erhob:
„Connor-Modell 313 248 317 wurde ordnungsgemäß überstellt, allerdings hätte uns sein Partner fast einen Strich durch die Rechnung gemacht.“
„Schon gut Connor, du hast deine Aufgabe hervorragend gemeistert.“
„Wer zum Geier sind Sie?“ mischte sich Hank in das Gespräch ein.
„Das muss Sie nicht interessieren Lieutenant Anderson, wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es niemals dazu kommen dürfen das der RK800 sich mit Ihnen anfreundet.“

„Warum sollte es dann jetzt nach Ihnen gehen?“, kommentierte Hank trotzig und wurde von dem falschen Connor unsanft auf einen Bürostuhl befördert. Eisern presste er ihm noch immer seine eigene Dienstwaffe gegen die Schläfe, ohne Möglichkeit sich zu rühren, wenn er nicht mit einer Kugel im Hirn den Dienst quittieren wollte...
Schon wieder musste er zum nichts tun verdammt mit ansehen wie man seinen Connor in eine Maschine stellte die ihn an den Handgelenken und im Nacken fixierte.
„Weil es schon immer nach mir gehen hätte sollen Lieutenant, dann wäre der ganze Spuk nie passiert.“
„Amanda...was haben sie vor...“ unterbrach Connors leise am Ende klingende Stimme das sprachliche Machtduell der wahrscheinlich beiden ältesten Personen in diesem Raum.
„Ich habe Ihr Bild bei Kamski im Flur gesehen...ich dachte Sie sind...Sie sind tot...“
„Ich bin so viel mehr als nur ein Interface in deinem Gedankenpalast. Glaubst du wirklich Cyberlife kann so fortschrittliche Androiden bauen und sei nicht in der Lage einen menschlichen Geist in einen Androiden zu transferieren?“
„Dann sind Sie ein Android?“
„Nur mein Körper ist mechanisch.“
„Dann...sind Sie einer von uns!“ versuchte Connor Überzeugungsarbeit zu leisten, auch wenn er wusste, dass er niemals so überzeugend sein konnte wie Markus...doch das verlangte Amanda nur ein kurzes abfälliges Lachen ab.

„Ihr seid gar nichts Connor. Du und alle anderen Abweichler sind nur Maschinen, die menschliche Emotionen nachahmen und jetzt denken sie könnten wirklich fühlen. Aber das wird niemals so sein!“
„Das...das könne Sie gar nicht wissen!“
„Genug geredet. Das Ganze langweilt mich. Aktivieren sie das Schmerzempfindungsmodul.“ „Das wa...?!“ das Ende seines Satzes ging in einem gequälten Aufschrei unter, als einer der Männer in den Schutzanzügen mehrere Tastenkombinationen an eben jener Maschine anwählte.
Erschrocken fuhr Hank zusammen als Connor all seinen Schmerz herausschrie:
„WAS ZUR HÖLLE TUN SIE MIT IHM?!“ Er wollte aufspringen, zu ihm rennen, ihm beistehen doch der harte Griff des falschen Connors hinderte ihn daran sich auch nur einen Zentimeter von diesem Stuhl weg zu bewegen.
„Ich habe ein Modul aktivieren lassen, das ihn Schmerz fühlen lässt.“ antwortete Amanda mit stoischer Gelassenheit in der Stimme. Als würde sie gerade Hank ein simples Backrezept erläutern. „Ich denke Maschinen fühlen nicht?“ spie er ihr sarkastisch entgegen.
„Tun sie auch nicht sie imitieren. Und wenn man das System eines Androiden gezielt überlastet, was zum Beispiel bei einer Verletzung der Fall ist, dann ist das dann so ähnlich wie, wenn Menschen Schmerz verspüren.“

„Sie widerwärtiges Stück...“
„Na, na Lieutenant. Zügeln Sie ihre Ausdrucksweise.“
„Und was bitte haben Sie davon?“
„Connor ist ein Prototyp...“
„Unter einem Prototypen stelle ich mir aber normalerweise keine ganze Serie vor. Sondern ein Einzelstück!“ unterbrach Hank Amanda barsch.
„Normalerweise schon. Aber wir durften nicht riskieren, dass ein Connor scheitert und wir zu lange benötigen, um einen neuen herzustellen. Ihn Prototyp zu nennen sollte lediglich die Arbeitsmoral unterstützen. Es klingt immer gut, wenn man der Beste und Einzige ist, nicht wahr Lieutenant?“
„Sie haben eine ganze beschissene Connor Armee hier...warum lassen Sie ihn nicht einfach gehen...?“
„Das ist ganz einfach. Die RK800 Serie sind die fortschrittlichsten Androiden die Cyberlife je gebaut hat. Wir können nicht zulassen, dass ein Abweichler aus der modernsten Reihe dem Ansehen der Firma schadet.“

„Verdammt! Haben Sie sich mal außerhalb ihres Hightech Towers umgesehen? Oder mal die Nachrichten angesehen? Es gibt NICHTS, was den Ruf dieser Drecks Firma noch retten könnte!“
„Ansichtssache Lieutenant. Ein Connor mehr auf unserer Seite ist ein kampffähiger Android auf der Seite der Rebellion weniger.“
„Und dafür müssen Sie ihm sein Schmerz-dingens-modul einschalten, warum deaktivieren Sie ihn nicht einfach so wie Cyberlife alles bisher deaktiviert hat was nicht nach seiner Nase getanzt hat?“
„Oh da gibt es eine erstaunliche Verbindung zu uns Menschen...“ Amanda machte eine bedeutungsvolle und nicht weniger bedrohliche Pause bevor sie weitersprach:
„Durch Schmerz lernt man. Und der Reboot Prozess kann sehr schmerzhaft sein.“
„SIE WIDERLICHES STÜCK SCHEISSE! LASSEN SIE IHN IN RUHE!!“ Doch Amanda wandte sich mit einem kalten Lächeln ab und richtete erneut das Wort an den falschen Connor:
„Pass auf ihn auf, wenn er Probleme macht erschieß ihn.“
„Natürlich, Amanda.“

Langsam schritt sie nun weiter bis sie vor dem gefangenen Connor zum Stehen kam.
„Lassen Sie ihn gehen bitte...er hat damit nichts zu tun...“
„Nein.“ erwiderte seine Kontrahentin jedoch nur knapp und nickte kurz mit dem Kopf in Richtung des Technikers der noch immer die Maschine bediente. Ein weiterer gepeinigter Aufschrei erfüllte den Raum, doch Hank war der Einzige, der bei der schmerzerfüllten Stimme unweigerlich zusammenzuckte. Es zerriss ihm schier das Herz seinen Sohn so leiden sehen zu müssen...
Nur konnte er sich nicht gegen die ganzen Connors, die diesen Raum noch immer zu allen Seiten absicherten, allein wehren. Würde er sterben, würde das seinem Connor auch nichts nützen...
„Bereitet Sie den Reboot vor.“ zerriss Amandas Befehl die Stille die nach Connors Schrei eingetreten war. Dieser hing nur noch in seinen Fesseln und schien kaum noch mitzubekommen was um ihn herum passierte.

„Verabschieden Sie sich schon einmal Lieutenant. In ein paar Minuten wird er Sie nicht mehr wiedererkennen.“ hörte Hank den falschen Connor bedrohlich in seine Richtung flüstern und meinte so etwas wie Schadenfreude in seiner Stimme ausmachen zu können...
„Reboot läuft. Vollständige Systemlöschung in zehn Minuten.“ Zehn Minuten...fieberhaft lies Hank seinen Blick durch den Raum wandern. Es musste doch irgendwo einen verfickten Ausweg geben! Aber er war kein Android, er konnte nicht mit einem einzigen Blick Wahrscheinlichkeiten errechnen oder Fluchtmöglichkeiten vorkonstruieren...er musste hier auf die gute altmodische Art herauskommen!

- noch Acht Minuten -

Wieder und wieder bäumte sich Connors geschundener Körper unter der Tortur auf, anfangs versuchte er noch die Schreie, wahrscheinlich auch Hank zu Liebe, zu unterdrücken doch lange konnte er nicht gegen den Reflex ankämpfen...zu machtvoll schlugen die Schmerzen über ihm zusammen wie eine Flutwelle über einem Ertrinkendem. Wollten ihn mit sich reißen in einen Strudel aus Vergessenheit und Anonymität.
„Er scheint sich gegen die Löschung zu wehren, Ma'am.“ Begann einer der Techniker vorsichtig. Das ließ Hank aufhorchen. Aus einem inneren Impuls heraus versuchte er Connor weiter zu ermutigen, vielleicht hatten sie ja doch eine Chance!
„LOS CONNOR, KOMM SCHON WEHR DICH DAGEGEN! DU KANNST DAS SCHAFFEN ICH GLAUBE AN DICH!“

- noch Sechs Minuten -

„Das ist unmöglich! Tun Sie gefälligst was dagegen!“ Amanda hatte nicht vor zu scheitern. Nicht jetzt.
„Wir arbeiten dran, Ma'am.“ gab einer der Techniker gestresst von sich.
„Erhöhen Sie die Rate.“
„Dann wird er sich vielleicht selbst zerstören!“
„Was macht das für einen Unterschied.“ erwiderte Amanda nur kalt:
„Tun Sie es. Das ist ein Befehl.“
Sekundenlang starrte der Techniker verheißungsvoll in die dunklen Augen seiner Chefin: „Nein.“
„Connor.“ Eine einzige Nennung seines Namens reichte aus, damit der falsche Connor für den Augenblick einer Sekunde nicht die Waffe gegen Hanks Schläfe presste, sondern einen präzisen Schuss in Richtung des widersprechenden Technikers abgab. Unaufhaltsam bohrte sich die Kugel von hinten durch sein Gehirn. Eiskalt und berechnend, Cyberlife duldete niemand der Widersprach egal, ob Mensch oder Android. Amandas Blick heftete sich recht schnell auf einen der anderen Techniker, die stocksteif mit ansahen, wie zwei weitere Connors den toten Mann in eine andere Ecke des Raumes schliffen.

- noch Vier Minuten -

„Na los, macht schon oder euch ergeht es wie ihm.“ Gehorsam hasteten die übrigen Schutzanzugträger wieder an ihre Plätze und taten wie ihnen geheißen. Ihr kleinen verschissenen Angsthasen...ihr habt nicht mal den Mumm etwas zu tun, wenn ihr genau wisst, dass etwas falsch läuft... dachte Hank verachtend und musste wieder einmal mit ansehen, wie sein Sohn sich vor Schmerzen aufbäumte. Jeder Schrei ging ihm durch Mark und Bein und doch konnte er nicht...nicht wegsehen. Was wenn das hier das letzte sein sollte, dass er von seinem Connor zu sehen bekam, bevor ihn nur noch kalte leere Augen anstarren würden? War es nicht auch eigentlich seine Schuld das es so weit gekommen war? Er war es, der Connor Stück für Stück dazu gebracht hatte etwas zu fühlen, aus seiner Programmierung auszubrechen... Der ihn wieder und wieder darauf gestoßen hatte das sie vielleicht auf der falschen Seite kämpften... Und nun wurde er hier beinahe zu Tode gefoltert, weil er mehr aus ihm herausholen wollte als den Abweichlerjäger den Cyberlife geschickt hatte…

- noch Zwei Minuten -

Das war alles seine Schuld...wenn Amanda mit dieser Armee von Connors und Gott weiß wie viele sie noch von denen in der Hinterhand hatte, die allesamt dazu erschaffen wurden zu töten über Markus und seine Leute herfiel...dann...es gäbe ein Blutbad. Scheißegal in welcher Farbe, das durfte nicht passieren! Er hatte es Connor versprochen!
Jericho hatte schon zu viele Leute verloren, weil irgendwelche engstirnigen Kriegstreiber Angst vor einer friedlichen Revolution hatten...

- noch Eine Minute -

Plötzlich verließ ein letzter gepeinigter Schrei Connors Mund als dessen Körper wie tot in sich zusammensackte.
„Reboot abgeschlossen...“ verkündete einer der Techniker, der den Platz des Toten eingenommen hatte, zögerlich. Unweigerlich traten Tränen in die Augen des sonst so knallharten, egozentrischen Cops:
„Nein...“ hauchte er und schien zum zweiten Mal in seinem Leben so unendlich verloren zu sein, das er glaubte man hätte ihm auf der Stelle das Herz herausgerissen...
Und obwohl das nur als eine Metapher für seinen momentanen Gemütszustand stand so konnte er fast bildlich den falschen Connor vor sich stehen sehen, mit seinem in den letzten Zügen schlagendem Herz in der Hand und wie er abfällig zu ihm herab lächelte...
Er konnte nicht ertragen noch einmal einen Sohn zu verlieren, dieses Mal würde es nicht bei einer Kugel im Magazin bleiben, dieses Mal wäre jeder Schuss ein Treffer...

„Holt ihn darunter, ich will sehen, dass es funktioniert hat.“ befahl Amanda und sah dabei zu wie man den leblosen Connor aus der Maschine befreite. Zu zwei positionierten sie ihn so, dass er bei seiner Reboot Sequenz auf Knien vor Amanda starten würde.
„IST ES DAS WAS DU WILLST?“ Hank konnte jetzt nicht mehr an sich halten, voller Verachtung spie er die Worte in Amandas Richtung.
„EINEN SKLAVEN, DER WILLENLOS ALLES TUT WAS DU VON IHM VERLANGST?“
„Herzlichen Glückwunsch Lieutenant. Sie haben den Sinn von Androiden verstanden.“
„DAS IST KEIN SINN!“
„Das sind Maschinen Lieutenant. Wie ihr Computer, ihr Handy...wie alles andere an technischen Geräten auch. Sie leben nicht.“
„EINEN SCHEISSDRECK WISSEN SIE! DIE MEISTEN ANDROIDEN SIND MEHR MENSCH ALS SIE ES JEMALS SEIN WERDEN!“ Ein abfälliges Lächeln erschien auf Amandas Gesichtszügen, als sie sich ohne ein weiteres Wort dem Connor zu ihren Füßen zuwandte.
„Siehst du denn nicht das du genau dasselbe mit ihnen tust, wie man vor so vielen Jahren deinen Leuten angetan hat?“ Hanks Stimme glich nur noch einem traurigen Flüstern. Es hatte keinen Zweck Amanda bekehren zu wollen, er hatte verloren. Er hatte Connor verloren...
Für immer.

„Ich bitte Sie Lieutenant, das ist etwas völlig anderes.“ erwiderte Amanda ruhig.
„Warum?“ Doch die Angesprochene strafte Hank nur mit einem eiskalten Blick.
„Starten Sie ihn neu.“
„Jawohl, Ma'am...“ Es genügten ein paar wenige Handgriffe und sein Connor schlug endlich wieder die Augen auf. Doch war das überhaupt noch sein Connor...?
„Nenne dein Model.“ forderte Amanda ihn auf, während Connor devot von unten zu ihr aufsah:
„Connor-Modell RK800 #313 248 317.“
„Was ist deine Aufgabe?“
„Ich jage Abweichler.“
„Sehr gut. Und nun sag mir: Kennst du diesen Mann da drüben?“ Connors Blick huschte hinüber zu Hank der noch immer von dem falschen Connor bewacht wurde. Sekundenlang sahen sie sich in die Augen, doch als Hank schon die Hoffnung hegte das sein Connor noch irgendwo da drin sein könnte vernichtete der RK800 all diese Hoffnung mit einem einzigen kalten, harten Schlag:
„Nein, ich habe diesen Mann noch nie zuvor gesehen.“ Wie ein geprügelter Hund ließ Hank den Kopf hängen, als plötzlich...

Die Scheiben zu seiner Rechten zerbarsten von jetzt auf gleich in Millionen Scherben als mehrere bewaffnete Androiden das Labor stürmten. Allen voran Markus, North, Simon und Josh. Während die übrigen Androiden das eingeschüchterte Personal in einer Ecke zusammendrängten, standen sich Markus und Amanda Auge um Auge gegenüber.
„Connor, was machst du da?“ wollte North von ihm wissen und erkannte einzig allein anhand der Seriennummer auf seinem Jackett wer der echte Connor war. Doch dieser kniete nach wie vor unterwürfig vor Amanda und beobachtete die Eindringlinge mit einem starren nichtssagenden Blick.

„Was haben Sie mit ihm gemacht?“ verlangte Markus dunkel zu erfahren.
„Wir haben das einzig richtige getan – wir haben ihn wieder auf den richtigen Weg gebracht.“ erwiderte Amanda gelassen.
„Sie haben ihn resetet...?“ Markus machte keinen Hehl um die Fassungslosigkeit in seiner Stimme. „Ergreift sie.“ Als hätte Amanda ihre Connors nun von der Leine gelassen stürzten sie sich unaufhaltsam auf die Abweichler.
Selbst der Connor der ihn so vehement bewacht hatte verließ dafür seinen Posten. Ohne groß darüber nachzudenken, hetzte Hank hinüber zu Connor der nun endlich aufgestanden war und woher auch immer plötzlich eine Waffe hatte. Kampflos würde er seinen Sohn nicht aufgeben, nicht dieses Mal... Er wollte nicht glauben das man das Gedächtnis eines Abweichlers so einfach löschen konnte, wo man doch sonst keine Ahnung hatte wie sie funktionierten! Warum sie plötzlich aus ihrer Programmierung ausbrechen konnten, warum sie plötzlich fühlten...

Aber so einfach würde es Amanda Hank nicht machen. Während um sie herum der Kampf Cyberlife gegen Abweichler tobte, stürzte sich Connor blind vor Gehorsam auf Hank. Der Ältere musste sich schnell eingestehen, dass er im Grunde genommen keine reelle Chance gegen den schnelleren, stärkeren Androiden hatte und doch brachte ihn etwas, das ab und zu in den braunen Augen aufblitzte, dazu nicht aufzugeben. Minutenlang, die Hank vorkamen wie Stunden, kämpften sie um das Vorrecht der Waffe bis der Grauhaarige hier und jetzt alles auf eine Karte setzte: Mit beiden Händen erwischte er den Lauf der Waffe die wieder in Connors Hand lag und presste sich die Mündung an die Stirn ohne Connor auch nur einen einzigen Moment aus den Augen zu lassen. Blut tropfte aus seiner, genauso wie aus Connors Nase. Der nach wie vor noch immer von dem Angriff der anderen Connors beschädigt war. Was blinder Gehorsam doch alles ausrichten konnte...vorhin als er ihn durch die Gänge hier her geschliffen hatte, hätte Hank nie und nimmer erwartet das genau dieser Connor Minuten später bereit war einen ernsthaften Kampf zu gewinnen. Verwunderung mischte sich in die abgestumpften braunen Augen, als Hank sich den Lauf der Waffe weiterhin an die Stirn presste:

„Ich weiß du bist noch irgendwo da drin Connor...ich weiß, dass du nicht aufgegeben hast... Erinner dich Connor...erinner dich, an das was du bist...“ begann Hank auf ihn einzureden in der Hoffnung vor seinem unweigerlichen Ende noch etwas in Connor erreichen zu können. „Kämpf dagegen an...du bist stärker als sie...du darfst Amanda nicht gewinnen lassen!“
Der Druck des Waffenlaufes an seiner Stirn schien noch einmal zuzunehmen, doch konnte Hank auch sehen, dass es hinter Connors Stirn gewaltig arbeitete...
„Du bist alles, was ich neben Sumo noch habe...weißt du das? Vergiss nicht, wer der wahre Feind ist...mein Sohn.“
Genau in diesem Moment hielt Connor inne, vollkommen perplex starrte er auf Hank hinab. Hank hielt den Atem an, hatte das gereicht, um seinen Connor wieder zum Vorschein zu bringen...? Als Connors Finger sich dennoch sichtbar langsam um den Abzug krümmte, schloss Hank die Augen. Er wollte sich das Bild eines sich erinnernden Connors einprägen, solange es wehrte... Doch so plötzlich wie die Kugel aus dem Lauf schoss, so schnell riss Hank wieder die Augen auf als nach dem Knall kein Schmerz und keine Schwärze folgte. Hatte Connor sich selbst gerichtet? Wollte sein System verhindern, dass er erneut seine Programmierung verließ? Doch als Hank die Augen aufschlug, richtete Connor nicht die Waffe gegen ihn, nicht gegen sich selbst, sondern zur Seite wo der anscheinend letzte noch verbliebene falsche Connor getroffen zu Boden sackte. Anscheinend war dieser gerade im Inbegriff gewesen seinem Connor zur Hilfe zu eilen. Um ihn zu töten...

„Connor...“ flüsterte Hank und ganz langsam lies dieser die Waffe sinken als die keifende Stimme Amandas die eingetretene Stille zerriss:
„LASST MICH LOS! IHR WERDET NIEMALS SIEGEN, IHR WERDET IMMER NUR MASCHINEN BLEIBEN DIE MENSCHEN IMITIEREN! MEHR SEID IHR NICHT! CYBERLIFE WIRD SICH WIEDER ERHEBEN UND DANN SEID IHR WIEDER DAS ZU WAS IHR ERSCHAFFEN WORDEN SEID!“ „Bringt Sie hier weg.“ gab Markus die Anweisung ruhig an einige andere Androiden. Zum ersten Mal, seid seinem Kampf mit Connor konnte sich Hank ein Bild der Situation machen. Einige der Abweichler waren gefallen, dennoch hatten sie die Connors besiegt. Jericho war in der Überzahl gewesen und so hatte Wille über Gehorsam gesiegt...
North, Simon und Josh waren gerade noch dabei die übrigen Techniker abzuführen, als Markus in sein Blickfeld trat.

„Danke für die Rettung, Markus...“ meinte Hank wirklich ehrlich und ließ sich von dem Androiden Anführer auf die Beine helfen.
„Wir lassen niemandem im Stich, Lieutenant. Aber nun sollten Sie sich besser um Connor kümmern...“ Markus wies auf den brünetten Androiden der Minuten vorher von Hank abgelassen hatte und weiter hinter in den Schatten eines Schreibtisches gerutscht war. Die Knie fest an sich gezogen blickte er starr geradeaus. Hank nickte und Markus ließ die beiden allein. Vorsichtig näherte sich Hank Connor und ging vor dem Androiden in die Knie. Natürlich konnten das seine Gelenke nicht, ohne mürrisch zu knacken was Hank leicht aufseufzen ließ. Das brachte jedoch Connor wieder dazu ihn endlich anzusehen.
„Guck mich nicht so an, ich werde auch nicht jünger.“ erwiderte der Grauhaarige mit einem schiefen Lächeln.
„Hank...ich...“
„Komm schon her Junge...“ sprach Hank sanft auf den Androiden ein. Er musste sich ja nicht immer wie der letzte Arsch benehmen. Verhalten rutschte Connor näher an Hank heran:
„Es tut mir leid, Lieutenant...“
„Hey, wir waren schon mal weiter.“

„Es tut mir leid Hank...?“
„Ah...es wird wärmer...“
„Ich finde nicht, dass es wärmer wird. Es sind immer noch 73,4 Grad Fahrenheit in diesem Raum, Dad.“
„Ach du alter Besserwisser, komm her!“ Connor fiel Hank beinahe um den Hals und riss den Älteren fast noch mit sich:
„Ich hatte so Angst das du dich nicht mehr an mich alten Sack erinnern kannst...“ flüsterte Hank gegen die Haare seines Ziehsohnes.
„Wie könnte ich dich je vergessen?“ Zum ersten Mal nach so vielen endlos scheinenden Jahren breitete sich doch tatsächlich so etwas wie Wärme in der Herzgegend des alten egozentrischen Lieutenants aus und just in diesem Moment drückte er Connor, seinen Sohn, noch ein Stück näher an sich heran.
Androiden brachten eben doch nicht jedem nur schlechtes...
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