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ℬℓɑck ωιηgs

GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Crow Hogan Kalin OC (Own Character) Sayer
01.07.2018
16.01.2019
9
5.413
5
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01.07.2018 562
 
Ich weiß gar nicht, wie ich das überhaupt anfangen soll. Das ist nur so ein Ding der Überbrückung. Hier ist mir entsetzlich langweilig und Papier und Stifte gehören zu den wenigen Dingen, die ich benutzen darf. Ich weiß nicht mal, was ich überhaupt alles benutzen darf. Die Leute vom Sicherheitsdienst sprechen nicht mit mir. Genau genommen spricht hier niemand mit mir. Langsam macht es mich wahnsinnig, daher habe ich um Stifte und Papier gebeten. Wenigstens etwas.
Je länger ich hier bin, desto mehr denke ich irgendwie über mich selbst nach und ich erinnere mich viel an früher zurück. Früher, als alles besser war.
Als wir klein waren, war vieles anders.
Wir haben uns alle gut verstanden, wir waren Freunde. So, wie Geschwister nun mal sein sollten. Wir waren glücklich. Eine glückliche Familie.
Unsere Mutter war eine sehr liebevolle und fürsorgliche Frau, so empfand ich es zumindest. Mein Zwillingsbruder sah das anders, er war in den Jahren immer genervter und enttäuschter von ihr. Ich verstehe bis heute nicht, warum und es tut mir auch irgendwie leid.
Unsere Mutter hat sich stets darum bemüht, dass es uns gut geht, wir sollten nicht weinen und immerzu stark sein. Wenn ich mein neues Kleidchen versehentlich kaputt gemacht habe, hat sie mich angelächelt, mir gesagt, es sei nicht schlimm und es wieder genäht.
Unser Vater war ein hoch angesehener Geschäftsmann. Er hatte viele Bewunderer und Leute, die ihn nachahmen wollten. Er war ein verdammter Perfektionist, ausnahmslos alles musste fehlerfrei sein. Perfektion ist das A und das O predigte er uns ständig. Ich muss gestehen, ich war noch nie davon begeistert, aber verdammt, ich hatte mir seinen Perfektionismus angeeignet. Genauso wie meine Brüder. Irgendwie hatte unser Vater es doch geschafft, uns alle drei zu kleinen Perfektionisten zu erziehen.
Manchmal war unser Zusammenleben mehr als bloß anstrengend. Mein großer Bruder ärgerte uns ständig. Ich weiß noch, einmal kreischte er mir aus dem Nichts heraus so entsetzlich laut ins Ohr, dass ich vor Schreck vom Sofa fiel und anfing zu weinen. Er suchte schnell das Weite, noch bevor unsere Eltern überhaupt zur Stelle waren. Damals behauptete er, ich wäre einfach nur vom Sofa gefallen und wäre gemein zu ihm gewesen, deswegen wäre er einfach gegangen. Zum Glück glaubte unsere Mutter das nicht. Was Vater davon hielt, habe ich auch nie erfahren.
Ich glaube generell, dass Vater sich aus solchen Angelegenheiten raushielt, weil es ihn nicht interessierte. Er war lediglich genervt, dass wir nicht so waren, wie er uns gerne gehabt hätte. Perfekt eben.
Mein Zwillingsbruder war da anders. Er hat mir immer geholfen und er war immer für mich da. Er hat mir gezeigt, wie man eine Schleife bindet und dank ihm habe ich endlich das Multiplizieren verstanden. Andersrum habe ich ihm beim Schreiben geholfen. Er hat ständig so schrecklich unordentlich geschrieben, dass er seine Tests immer zweimal schreiben musste, es sei denn, er bekam direkt null Punkte. Mit der Zeit hatte sich das glücklicherweise gelegt und er schrieb gute Noten. Darauf war Vater sehr stolz. Wir waren noch längst nicht solche Musterschüler, wie unser großer Bruder, aber wir waren gut. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich noch nie weniger als siebzig Punkte.
Wir waren wirklich wie ein Herz und eine Seele. Wenn ich so daran zurückdenke, vermisse ich ihn zutiefst. Er bedeutet mir wirklich viel.
Ich verstehe nur nicht, wie aus uns allen solche Monster werden konnten.
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