Funkstille

von melles
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
01.07.2018
06.12.2018
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Dieses Kapitel
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Mein Dank geht wieder an catmother & Josi57 für eure lieben Worte!

Das heutige Kapitel kommt mit einem Tag Verspätung. Aber lieber spät, als nie!

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Kapitel 30 – Flucht nach vorne, Teil 2



„Schöne Familie ist das“, brummte Daryl mit gesenktem Blick. „Zerstritten bis aufs Blut.“

„Na ja“, zuckte Jesus unbekümmert mit den Schultern. „Streit kommt in den besten Familien vor. Manchmal muss man die Dinge beim Namen nennen, auch wenn es weh tut. Im besten Fall hilft es, den Stein des Anstoßes aus dem Weg zu räumen. Im schlimmsten Fall-“

„-verbarrikadiert man sich damit den Weg zurück“, schloss Daryl den Satz mit emotionsloser Stimme ab.

„Ist das so? Empfindest du die Situation mit Rick so? Als unumkehrbar?“

Daryl antwortete nicht sofort. Bedächtig strich er über das Fell von Rowdy, während gleichzeitig die Gedanken in seinem Kopf wahre Purzelbäume schlugen. „Er hat gesagt, dass er mit mir fertig ist“, nuschelte er schließlich, nachdem er sich den Disput von heute erneut in Erinnerung gerufen hatte. Die Worte auszusprechen, fiel ihm nicht leicht, gerade weil er selbst nicht wusste, wo er und Rick standen. Von der ehemals starken Freundschaft mit seinem Bruder im Geiste war nicht mehr viel übrig. Noch gestern Abend, nachdem Ugly und die beiden Welpen wieder in Sicherheit gewesen waren, hatte Daryl die Hoffnung geschöpft, mit Rick alles bereinigen zu können. Es hatte sich richtig angefühlt, bei ihm zu sein. Doch jetzt schien alles verloren.

Es war für Jesus nicht schwer, die Traurigkeit in Daryls Stimme herauszuhören, die ihm ein flaues Gefühl in der Magengegend verursachte. Er wusste, wie nahe sich die beiden gestanden hatten, doch jetzt schien ein unüberwindbarer Graben zwischen ihnen zu klaffen. Trotzdem gab er nicht auf, als er sagte: „Und bist du es mit ihm auch? Die Tatsache, dass du hier mit mir darüber redest, sagt mir was anderes. Du bist bedrückt. Der Streit geht dir nahe. Es ist dir nicht egal, was vorgefallen ist. Es ist viel passiert im letzten Jahr. Vieles davon konnten wir - und ich nehme mich da nicht aus - noch gar nicht richtig verarbeiten. Es ist ganz natürlich, dass jeder damit anders umgeht und dafür auch unterschiedlich lange braucht, um mit bestimmten Dingen endgültig abzuschließen. Ich weiß, wie viel dir die Freundschaft mit Rick bedeutet. Und ich bin mir sicher, bei Rick ist es genauso. Ihr seid beide verletzt - körperlich wie mental. Beides braucht Zeit, um zu heilen.“

„Du glaubst den Bullshit tatsächlich, nicht wahr?“

Jesus grinste. „Ja. Ja, tue ich. Mag sein, dass ich manchmal damit auf andere befremdlich wirke, aber so ist es nun mal.“

„Nur manchmal?“ Daryl verzog sein Gesicht zu einem leicht schiefen Lächeln.

„Oder auch immer. Egal. Bisher hat meine Lebenseinstellung ganz gut geklappt, findest du nicht auch?“

„Wenn du meinst“, schüttelte Daryl amüsiert den Kopf, obgleich er von einer tiefen Schwermut erfüllt war.

Dass sich sein Gesprächspartner mit jeder Minute mehr entspannte, stufte Jesus als positives Zeichen ein. Es war ihm klar, dass Daryl mit seiner Art und Weise jede Menge Klischees bediente und manch einer von seinem ruppigen Auftreten irritiert war und daher nichts mit ihm zu tun haben wollte. Doch Jesus wusste, dass unter der harten Schale des Rednecks eine verletzte Seele wohnte, die Daryl bisher nur ganz wenigen Menschen offen gezeigt hatte. „Immerhin hab ich es bis hierhin geschafft.“

„Das stimmt allerdings.“  Erschöpft lehnte er den Kopf an die Wand und schloss die Augen.

Fast hatte Jesus geglaubt, Daryl wäre eingeschlafen, da lange Zeit nur Schweigen zwischen ihnen herrschte. Doch dann hörte er dessen belegte Stimme, die ihm die Nackenhaare aufstellte.

„Hätte nie gedacht, dass ich es so weit schaffe.“

„Du meinst damit die Sache mit deinem Dad?“ Schnell warf er einen Seitenblick zu seinem Kumpel, um zu sehen, wie dieser auf die Erwähnung von Will Dixon reagierte. Doch es gab zunächst keine Anzeichen, die auf einen neuerlichen Wutausbruch oder Panikattacke schließen ließen. Allerdings bekam er auch keine Antwort, sodass er dieses Thema zunächst gedanklich abhakte. Nachdenklich blickte er nach unten, wo Bandit selig zwischen seinen Beinen schlief. Es stimmte ihn ein wenig stolz, dass es ihm gelungen war, wenigstens ein bisschen zu seinem Kumpel durchzudringen und dass Daryl überhaupt bereit war, über seine Vergangenheit zu sprechen. Auch wenn ihm viele Fragen auf der Zunge lagen, wusste er, dass er nichts überstürzen durfte und Daryl genügend Freiraum geben musste. Würde er ihn zu irgendetwas drängen, würde der traumatisierte Mann garantiert wieder dichtmachen. In seinen eigenen Gedanken gefangen, zuckte Jesus leicht zusammen, als Daryl unvermittelt zu reden anfing.

„Er hat mich verprügelt seit ich denken kann. Zuerst Merle. Aber als Merle dann abgehauen ist, musste ich dran glauben. Meine Mutter starb als ich neun war und ab da hat sich der Alte endgültig den letzten Rest Verstand weggesoffen. Hatte niemanden, der mir hätte helfen können. Hab die Fresse gehalten, keinem was erzählt. Sonst hätte mich der Wichser bestimmt abgemurkst. Mit 16 bin ich dann auch weg, um mit Merle zusammen abzuhängen. Mein großer Bruder war die meiste Zeit in irgendwelche Drogengeschäfte verwickelt und der Idiot hat uns oft tief in die Scheiße geritten, wenn er seinen Dealer nicht bezahlen konnte. Hab’ mehr als einmal gedacht, dass ich den Löffel abgebe. Hätte mir aber auch nichts ausgemacht, hab nie am Leben gehangen. Hab’s trotzdem immer irgendwie geschafft durchzukommen.“

Daryls Stimme klang ungewohnt verletzlich und hohl. Jesus hatte ihn in den letzten Minuten nicht unterbrochen, sondern nur schweigend zugehört. Für gewöhnlich hatte er keine Probleme damit, sich in andere Personen hineinzuversetzen, aber selbst ihm fiel es schwer, sich vorzustellen, wie es sein musste, mit einem gewalttätigen Elternteil aufzuwachsen. Sicherlich war seine eigene Vergangenheit auch nicht gerade ein Paradebeispiel für eine unbeschwerte Kindheit und Jugend gewesen. Aber er hatte immer jemanden gehabt, der für ihn da war, wenn er jemanden brauchte. Hilfe von anderen zu erfahren, wenn man in der Not war und denen zu helfen, die Not litten, hatte ihn geprägt. Jetzt kam es ihm in den Sinn, dass es Daryl geprägt hatte, wie es war, einer anderen Person hilflos ausgeliefert zu sein - und dass er nie mehr in so eine Situation kommen wollte. Selbst wenn das seinen eigenen Tod bedeuten würde.

Woher er auf einmal den Mut nahm, über seine Gefühle zu reden, konnte sich Daryl nicht erklären. Aber irgendwas drängte ihn dazu. Den Blick zur Decke gerichtet, fuhr er schwer schluckend fort: „Merle war ein ... ein Egoist. Hat immer nur an sich selbst gedacht. Wenn er zuhause und nüchtern war, hat er ab und zu versucht, mich vor unserem Vater zu beschützen. Aber unsere Beziehung war trotzdem nicht viel besser. Hat mich immer beschimpft und runtergeputzt. Hat sich über mich lustig gemacht, wenn ich die Freundschaft zu anderen gesucht hab’.“ Ein Schluchzer stahl sich über seine Lippen und er musste sich räuspern, ehe er weitersprechen konnte. „Blöder Drecksack“, fluchte er leise. „Er hat mich benutzt und mir eingeredet, dass nur er sich um mich sorgen würde. Niemand sonst würde sich für mich interessieren, ich wäre für die anderen nur Redneck-Abschaum. Und ich Idiot hab’ ihm das auch noch geglaubt und dabei nich’ gemerkt, dass er das nur gesagt hat, um an mein Geld zu kommen, damit er sich die Birne volldröhnen konnte. Ich war ihm dabei völlig egal. Konnte mich nie auf ihn verlassen. Oder sonst jemanden.“

Mit so einem langen Monolog hatte Jesus wahrlich nicht gerechnet. Betreten blickte er zu Boden und suchte nach den richtigen Worten. Ob es überhaupt passende Worte gab um das auszudrücken, was ihm wichtig war? Oder würde sich das in Daryls Ohren nur wie eine pauschalierte Phrase anhören? „Du bist uns nicht egal. Ich hoffe, du weißt das.“

„Mhm“, brummte Daryl nur, überlegte es sich dann doch noch anders und fügte traurig hinzu: „Das hat Beth auch gemeint.“

„Scheint eine sehr weise Frau zu sein. Kenne ich sie?“

„Nee“, räusperte er sich. „Sie ist tot.“ Er schwieg eine Weile, dankbar dafür, dass Jesus nicht weiter nachhakte. Doch aus irgendeinem Grund hatte er das Gefühl, über sie reden zu müssen und so fing er stockend an, über seine Erlebnisse mit Beth zu erzählen.  

Er berichtete über sie und die Zeit mit ihr im Gefängnis, die ihm immer im Gedächtnis bleiben würde. Und über Beth selbst: Sie war eine ganz besondere Frau gewesen. Nervig und fehlgeleitet von ihrem eigenen schöngeredetem Weltbild. Aber auch beharrlich und unglaublich sanftmütig. Sie war die erste Person nach vielen Jahren gewesen, der sich Daryl ein stückweit anvertrauen konnte. Die erste Person, die ihn nicht wegen seiner Taten verurteilte, sondern hinter seine selbsterbaute Schutzmauer gesehen hatte. Er erinnerte sich an jedes Wort ihrer Unterhaltung und daran, wie sie ihn für einen kurzen Moment davon überzeugt hatte - entgegen seiner eigenen Aussage - Jemand zu sein. Daran, dass sie ihm begreiflich hatte machen wollen, dass sie in ihm eine starke und bewundernswerte Persönlichkeit sah.

Und er hatte ihr geglaubt. Eine Zeitlang zumindest.

Ihren Tod hautnah miterleben zu müssen, hatte ihm schwer zugesetzt und mit ihr war auch ein Teil von ihm gestorben. Mit der rechten Hand wischte er sich die Tränen aus den Augen. So sehr er sich wünschte, ließen sich die Erinnerungen nicht einfach so mit einer Handbewegung aus seinem Kopf entfernen. Die Bilder, die Trauer und die Wut über sein eigenes Versagen würden ihn bis an sein Lebensende verfolgen.

Ergriffen hatte Jesus den Ausführungen gelauscht und musste selbst mit den Tränen kämpfen, als er sah, wie sehr Daryl unter ihrem Verlust litt. Viel blieb ihm nicht zu sagen und meinte leise: „Sie war eine ganz tolle Frau.“

Wie schon zuvor, äußerte sich Daryl nur durch ein einziges „Mhm“ dazu. Das Reden hatte ihn erschöpft; die Bilder aus der Vergangenheit hingen noch in seinen Gedanken fest. Mit ihnen war auch der lange verdrängte Schmerz über den Verlust geliebter Menschen wieder an die Oberfläche gelangt, der ihn nun quälte. Ganz besonders schmerzhaft empfand er den sinnlosen Tod von Beth.

Auch wenn Daryls einsilbige Laut-Artikulation viel Raum für Spekulationen darüber ließ, was er damit hatte ausdrücken wollen, nahm ihm Jesus diese Art der Kommunikation nicht übel. Er kannte den Mann nun schon einige Jahre und hatte ihn in dieser Zeit noch nie so viel reden hören wie in den letzten Minuten. Daher empfand er die Tatsache, dass Daryl so frei über seine Gefühle sprach, als unglaubliche Willensleistung. Und als Zeichen dafür, dass der Zeitpunkt gekommen war, um sich seinen Dämonen zu stellen. Als er sah, wie sein Freund mit sich selbst kämpfte und dessen Schultern zu zittern anfingen, zögerte er nicht lange und streckte seine Hand aus, um diese auf Daryls Oberarm zu legen. Wie gerne würde er jetzt sagen, dass alles wieder gut werden würde. Doch diese Selbstlüge würde nichts bringen. Stattdessen setzte er darauf, durch Gesten seine Verbundenheit zu zeigen.


*** ***



Wie lange sie zusammen auf dem Boden gehockt hatten, konnte Jesus beim besten Willen nicht sagen. Er wusste nur, dass es langsam ungemütlich auf den Steinfliesen wurde. Nach Daryls mentalem Zusammenbruch hatten sie schweigend nebeneinander gesessen. „Ich glaube, da hat jemand Hunger“, meinte Jesus leise mit Blick auf die beiden Welpen, die suchend die Köpfe hoben und nach ihrer Mutter fiepten.

Daryl hob müde den Kopf und musste sich erst orientieren. Ohne es zu merken, war er wohl kurz eingenickt. Das lange Sitzen hatte ihn geschwächt; er wusste nicht einmal, ob er überhaupt aufstehen konnte.

„Die anderen werden sich schon Sorgen um uns machen“, merkte Jesus an. „Wir sollten zurück. Ich hätte jetzt nichts gegen eine Runde Limonade für alle. Carol hat welche angesetzt. Hast du heute schon was gegessen?“

Schweigend schüttelte Daryl den Kopf.

„Kannst du aufstehen?“

Ohne überhaupt einen Versuch zu wagen, schüttelte er erneut den Kopf.

„Okay“, überlegte Jesus laut, „dann bleibst du hier und ich hole Aaron, damit wir dich zurück zu Rick bringen-“

„Ich geh’ da nich’ mehr hin“, widersprach Daryl mit deutlich hörbarer Enttäuschung in der Stimme. „Er ist mit mir fertig, schon vergessen?“

„Ähm ... ich dachte, wir hätten das geklärt und-“

„Da haste falsch gedacht.“



*** ***




„Hältst du das für eine gute Idee?“

Jesus blickte Aaron an, der skeptisch eine Augenbraue hob. „Es ist meine einzige Idee im Moment“, antwortete er aufrichtig.

Aus der Not heraus, weil Daryl sich geweigert hatte, zurück zu Ricks Haus zu gehen, hatte er den ruhebedürftigen Mann mit zu sich genommen. „Auf der Couch kann er eh’ nicht bleiben“, fuhr er fort, nachdem er über seine Schulter zurück ins Wohnzimmer geblickt hatte. „Ich werde mit Rick reden und das Feldbett mitbringen. Dann kann Daryl vorerst mal diese Nacht draußen auf der Terrasse übernachten.“

„Und wie lange soll er bleiben?“ Grundsätzlich hatte er nichts gegen ihren Überraschungsgast. Schließlich vagabundierte Daryl ab und an in ihrer Garage. Aber ihn jetzt hier schlafend auf der Couch zu sehen, war eine andere Sache. „Und was ist mit den Hunden?“

Seufzend kratzte sich Jesus am Kopf. „Nun ja ...“

„Was ist denn überhaupt los? Zuerst schleifst du das Feldbett zu Rick und jetzt haben wir Daryl hier? Irgendwie ist das nicht ganz logisch.“ Bislang hatte Aaron sich mit Fragen zurückgehalten und Jesus schweigend dabei geholfen, Daryl zurück ins Haus zu bringen. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, angesichts der Tatsache, dass der Mann fix und fertig war und keine Kraft hatte, auf eigenen Beinen zu stehen, geschweige denn ein paar Meter zu laufen. Aber jetzt wollte er Antworten.

„Das Ganze ist in der Tat ein wenig kompliziert.“

„Das fürchte ich auch“, gab Aaron zu, sah aber auch, dass Paul das Ganze ebenfalls nicht gefiel. „Setzen wir uns doch kurz raus auf die Veranda, okay?“

Dankbar, dass Aaron ruhig auf die Situation reagierte, folgte Jesus ihm nach draußen und nahm auf einem der Holzstühle Platz. Er wartete, bis Aaron ebenfalls saß, um dann mit seiner Erklärung zu beginnen: „Also angefangen hat es damit, dass sich Rick und Daryl wegen der Hunde gestritten und sich dann wieder versöhnt haben - das ist jetzt wirklich stark vereinfacht ausgedrückt. Das war heute Nacht. Daryl hat Probleme damit, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten und damit  es zu keiner neuerlichen Zankerei kam, hat Rick nachgegeben und ihn auf der Terrasse übernachten lassen. Das habe ich heute Morgen erfahren, nachdem Daryl sich geweigert hatte, zurück ins Gästezimmer zu gehen. Also dachte ich mir, wenn er schon auf der Terrasse schläft, dann doch wenigstens auf dem Feldbett. Aus diesem Grund hab ich es zu Rick gebracht. Nur um vorhin feststellen zu müssen, dass sich die beiden wieder in die Haare bekommen haben. Mit dem Ergebnis, dass ich Daryl völlig fertig in der Kirche gefunden und mit ihm sehr lange geredet habe.“

Aaron fuhr sich durch die Haare. „Oh je“, seufzte er. „Die Sache scheint sehr verfahren zu sein mit den beiden. Ich meine, wir alle haben von dem Zerwürfnis nach Ende der Schlacht mitbekommen. Aber ich hatte immer die Hoffnung, dass sie sich mit der Zeit wieder vertragen.“

„Da sind viele Faktoren zusammengekommen“, nickte Jesus bedächtig und steckte sich die langen Strähnen hinter die Ohren. „Rick trauert noch um Carl. Und Daryl hat die Sache mit dem Sanctuary noch nicht verarbeitet. Sie stecken beide fest.“

„Aber du scheinst trotzdem zuversichtlich zu sein“, merkte Aaron an und fügte dann schnell mit einem Grinsen hinzu: „Nicht, dass mich das wundern würde.“

„Ich denke, dass Daryl erst einmal zur Ruhe kommen muss. Aber das kann er nicht, wenn ständig jemand an ihm rumkommandiert. Er versucht das auf seine Art zu regeln und wir sollten ihm den Freiraum geben, den er braucht, auch wenn es unserer Meinung nach der falsche Weg ist.“ Jesus blickte hinaus auf den Weiher. „Wobei es meines Erachtens kein richtig oder falsch gibt. Daryl hat nie gelernt, seine Probleme mit der Hilfe von anderen zu lösen. Solange es darum geht, anderen zu helfen, würde er sein Leben riskieren. Aber geht es um ihn selbst, blockt er alles ab und wird zum Einzelgänger. Das mag in der alten Welt geklappt haben. Nun ist aber eine neue Weltordnung entstanden, in der das „Wir“ die besseren Chancen hat, um erfolgreich überleben zu können.“

„Und wie geht es jetzt weiter?“, wollte Aaron wissen. „Du wärst nicht du, wenn du keinen Plan auf Lager hättest.“

„Das Wort „Plan“ ist etwas hoch gegriffen. Das grundlegende Problem ist Ricks Entscheidung gewesen, Negan am Leben zu lassen. Nachdem ich jetzt mit Daryl geredet habe, werde ich mich an Rick wenden. Versuchen, einen Konsens zwischen beiden zu erreichen. Ob es klappt, ob wir jemals zu einer Einigung kommen werden, weiß ich nicht“, gab Jesus offen zu.
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