Die Sterne des Nordens

von Alyanna
GeschichteAbenteuer, Romanze / P12
01.07.2018
11.01.2019
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Gimli gab das vereinbarte Zeichen. Laut erschallte der langgezogene Ton des Hornes Gondors und hallte in der kahlen Gesteinswüste wieder. Jeder Krieger der Menschen und Elben wusste, was dieses Zeichen bedeutete: Der Einsturz stand kurz bevor. Jeder hoffte, dass der Zwerg sich nicht geirrt hatte!
Die letzten Tage waren für alle hart gewesen. Seit der Ankunft in den Emin Muil gab es kaum Ruhepausen. Jede Nacht wurde mit ganzem Einsatz gekämpft. Wenn die Sonne die Orks in ihre Höhle zwang, schlangen die Krieger etwas getrocknetes Fleisch mit Brot hinunter, ließen ihren Wunden versorgen und sahen zu, dass sie so viel Schlaf wie möglich bekamen, bevor sie wieder zum Wachehalten geweckt wurden. Nie wieder wollten sie von den Orks unvorbereitet überrascht werden, weshalb sie vor Sonnenuntergang bereits wieder kampfbereit vor der Höhle aufgestellt waren. Die Elben konnten diese Ausnahmesituation länger ertragen als die menschlichen Soldaten, doch selbst sie kamen langsam an ihre Grenzen.
Gimlis Vorschlag schien ihnen allen die Rettung zu sein und ihre Hoffnungen hingen an ihm. Mit einigen von Aragorns Soldaten, hatte Gimli in schweißtreibender Schwerstarbeit den Höhleneingang von oben derart bearbeitet, dass er in Kürze in sich zusammenbrechen würde. Das laute Gehämmer hatte die Orks aufgeschreckt und hervorgetrieben. Doch die Elben standen direkt im Eingang und drängten die scheußlichen Bestien wieder zurück. Die Orks merkten, dass etwas im Gange war, und kämpften verbissen. Die Elben schienen jedoch auf jedes Manöver vorbereit zu sein und immer mehr Orks fielen. Beim Hintereingang hatten sich die Waldläufer Ithiliens und der Rest der Soldaten Gondors aufgestellt.
Nun rief das Signalhorn die Krieger dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Gimli und seine Männer verließen so vorsichtig und schnell wie möglich den gelockerten Felsen.
Sofort wichen die Elben von den überraschten Gegnern zurück. Diese begannen vor Siegesgewissheit zu grölen. Der Rückzug der verhassten Spitzohren konnte nur bedeuten, dass ihre Kraft aufgebraucht war und sie eine Unterbrechung des Kampfes wollten. Die Orks lärmten durcheinander, bis sich der Anführer Gehör verschaffen konnte und zum weiteren Angriff aufforderte.
Erneut erhob sich Kriegsgebrüll, das von viel lauterem Grollen unterbrochen wurden. Unter ohrenbetäubendem Dröhnen krachten riesige Gesteinsbrocken zu Boden, der von den Tonnen gelockerten Felsens erbebte. Das wütend angstvolle Geschrei der Orks ging im Getöse völlig unter. Viele wurden erschlagen, als der Berg auf ihre Wohnstatt niederbrach. Der Höhleneingang und große Teile der Höhle selbst wurden verschüttet.
Gimlis Plan hatte funktioniert! Die gondorischen Soldaten hatten unter seiner Aufsicht beachtliche Arbeit geleistet, stellte der Zwerg erleichtert fest, und griff seine Axt fester. Er wollte noch einige Orks persönlich ins Jenseits schicken - von Angesicht zu Angesicht.

Legolas riss einen überraschten Laorn mit sich. Der junge Elb erbleichte, als ein Felsbrocken gerade an der Stelle zerbarst, an der er noch vor wenigen Augenblicken gestanden hatte. Die Splitter flogen um sie her und der Prinz zerrte seinen jüngsten Krieger weiter aus dem Gefahrenbereich.
Obwohl Legolas bereits Höhleneinstürze miterlebt hatte, erschüttert ihn dieser erneut. Die Massen an Gestein, die plötzlich ihrer ursprünglichen Funkion beraubt waren, in sich zusammenfielen und unbarmherzig alles unter sich begruben, ließen ihn schaudern. Er wandte sich von dem riesigen Grabhügel ab und richtete seine Aufmerksamkeit erneut auf die verbliebenen Scheusale.
Die Waldelben streckten die Orks, die sich noch auf den Beinen hielten und orientierungslos herumliefen, nach verhältnismäßig kurzer Zeit nieder.
Der Prinz blickte sich forschend um. Ivor schleppte den ohnmächtigen Curon fort, den ein großer Stein an der Schläfe erwischt hatte. Krieger humpelten heran oder stützten andere. Es gab kaum einen, der keine Verletzung davongetragen hatte. Nun, eigentlich hatte es kaum einen gegeben, der nicht vor diesem hoffentlich letzten Kampf schon verletzt gewesen war. Der Aufwand hatte sich gelohnt. Der Feind war auf dieser Seite des Berges besiegt. Wie mochte es auf der anderen Seite aussehen? Legolas hatte keine Vorstellung davon, wie viele Orks sich aus dem Hintereingang gezwängt haben mochten, bevor die Höhle eingestürzt war.
Doch er hatte keine Ressourcen mehr, um Aragorn und Faramir zu Hilfe zu kommen. Er musste zusehen, dass seine Leute versorgt wurden. Am nächsten Morgen wollte er mit ein paar wenigen Kriegern nach den Menschen sehen. Inzwischen konnte er nur hoffen.

~*~

Aragorn stieß einen Gegner von sich, als er das Signalhorn vernahm. Endlich war es so weit! Laut rief er seine Männer von der Höhle zurück. Auf einmal hatte er es mit drei Orks zu tun, die ihm zwar nur bis zur Schulter reichten, aber mit ihren scharfen Waffen und ihrer Mordlust dennoch ernst zu nehmende Gegner darstellten. Er duckte sich unter einem Schwertstreich und parierte einen Stoß, der seinem Magen gegolten hatte. Im gleichen Moment trat er nach dem Feind in seinem Rücken, der es auf seinen Nacken abgesehen hatte. Das Getöse der Gesteinsmassen lenkte die Orks für einen Moment ab und verschaffte ihm den Vorteil, einen zu köpfen und den Streich des anderen so abzulenken, dass er den dritten Gegner aufspießte. Mit einem gezielten Stich durchbohrte er das schwarze Herz des übrig gebliebenen Orks.
Rasch sah er sich um. Seine Männer kämpften tapfer, doch nach den langen Gefechten der Tage zuvor, waren sie nicht mehr so aufmerksam. Ihre Bewegungen waren hastig, fahrig, unkonzentriert. Er fürchtete um seine Leute.
Dann erblickte er Elladan und Elrohir, die Rücken an Rücken eine perfekt abgestimmte um sich wirbelnde, stechende und schneidende Einheit bildeten. Sie wirkten wie ein Körper mit vier Händen, die Schwerter hielten, vier Beinen, die den Boden kaum berührten, vier Augen, die ihre Feinde beobachteten und denen nichts entging. Ihre völlig identische Erscheinung überraschte immer wieder und brachte so manchen Gegner aus der Fassung, da er glaubte, doppelt zu sehen. Ihr Zorn war entbrannt, ihr Hass ungehemmt. Wütend schlugen die beiden eine breite Schneise durch die Orks.
Vor Freude sie zu sehen war Aragorn ihnen um den Hals gefallen, als sie ankamen. Seine Brüder musste Iluvatar persönlich gesandt haben, denn sie trafen wahrlich zum rechten Zeitpunkt ein. Der König machte sich keine Illusionen: Ohne den neuen Mut, den seine Brüder mitbrachten, und ihre unterstützende Kampfkraft hätte sein kleines Heer kaum dem Ansturm der Orks standgehalten.
Die Felsen donnerten zu Boden und wirbelten Staub auf, in dem es schwer war, sich zu orientieren. König Elessar rief seine Soldaten auf, sich neu zu formieren. Als der Staub sich setzte, erkannte er, dass die Behausung der Orks völlig eingestürzt war. Gimli war erfolgreich gewesen, was er selbst nie bezweifelt hatte. Schließlich kennt sich niemand besser mit Bergen aus, als ein Zwerg!
Dennoch waren zahlreiche Orks den Gesteinsmassen entronnen. Die Soldaten Gondors und die Waldläufer Ithiliens stürzten sie sich erneut auf die verbliebenen Gegner. Man merkte ihnen deutlich an, dass die Zerstörung ihres Unterschlupfes die Bestien Mordors verunsicherte. Nun gab es keinen Ausweg mehr, keine Verstärkung, keinen Rückzugsort. Verbissen kämpften die Orks mit der Verzweiflung derer, die wissen, dass sie im Grunde schon verloren haben.


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Liebe Leser!
Ich hoffe, ihr habt nach wie vor Freude an der Geschichte. Wie immer höre ich gern von euch!
Leider muss ich aus gesundheitlichen Gründen (Kopfschmerzen) die Bildschirmzeit momentan dringend verringern. Deshalb kann ich nicht mehr so regelmäßig wie bisher (wöchentlich) ein Kapitel hochladen. Ich hoffe aber, dass ich euch in zwei Wochen wieder Lesefutter liefern kann. Ich danke für euer Verständnis!

Liebe Grüße,
eure Alyanna
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