Gedankengänge des Hochmuts - Belial

von Jinksi
OneshotAllgemein / P12
Belial
01.07.2018
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Gedankengänge des Hochmuts

Steht´s und ständig trage ich eine Maske.
Die Maske eines Clowns.
Ich habe sie noch nie freiwillig abgenommen.
Nein, sie wurde mir entrissen.....
Das erste Mal brutal und rücksichtslos von dem Mann, den ich seit meinem ersten Tag als Engel bewundert hatte.....
Bis die Bewunderung in Ekel umschlug und von Ekel in Hass endete.
Als ich den Himmel verließ, dachte ich, dass sich einiges ändern würde, aber dem war nicht so und so verschloss ich mich noch weiter.
Nie wieder nahm ich die Maske ab.
Sie wurde ein ständiger Begleiter und verschmolz mit meiner Haut.

Eigentlich, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, habe ich den einen Anführer gegen den Anderen getauscht.
Aber da unten gab es mehr Freiheiten oder habe ich doch schließlich ein Gefängnis gegen ein Anderes getauscht?
War ich wirklich so blauäugig?
Bin ich wieder zum Spielball geworden?
Ohne es mitzubekommen?
Wie ich es drehe und wende, ich komme auf keinen Nenner.
Oder ist da doch ein penetranter Nenner und ich sehe ihn nur nicht?

Es gab da eine Zeit in der ich es mir erlaubt hatte, die Maske zu entfernen und in der Hölle mein wahres `Ich´ zu zeigen, aber dies war anscheinend ein großer Fehler.
Ein Riesiger und mich steht´s verfolgender Fehler. Wie sich heraus gestellt hatte - und das ausgerechnet beim Fürsten höchstselbst.
Da zerbrach meine Hoffnung in tausend Stücke und ich versuchte die Splitter nach und nach wieder aufzusammeln. Dabei verschloss ich mich erneut, zeigte ihnen allen das, was sie in mir sehen wollten.....
Mad Hatter, den verrückten, in Rätsel sprechenden, nur an das Wohl der Hölle denkenden Hutmacher.
Damit waren alle zufrieden und irgendwann glaubte ich es auch.
Ich spielte die Rolle und eines Tages verschmolz sie nahtlos mit meinem Leben.
Dann kam ER.

Ich hatte nichts dagegen jemanden auszubilden, dann konnte ich wenigstens meiner, immer stärker werdenden, Langeweile entfliehen und er war so wissbegierig.
Konnte nie genug bekommen.
Alle hatten erwartet das ich dies übernahm, denn immerhin war ich doch ein hervorragender Lehrer und wir benötigten doch einen 7. Satan.
Ist doch vollkommen egal, ob dieser noch ein Kind war und viel zu früh verstoßen wurde.
Nicht wissend warum.
Aber ich hätte nie damit gerechnet, dass ausgerechnet er, damals ein kleiner, nerviger Junge, es schaffen würde mir meine Maske abzunehmen.......
Ohne die geringste Gegenwehr von mir.
Ich hatte ihm auch noch dabei geholfen.
Indem ich mich ihm so zeigte wie ich eigentlich wirklich war.
Eigentlich ein ruhiger, liebevoller, in seinem Sinne Vater, der gerne liest und in seinem kleinen Labor nach medizinischem Wissen strebte.
Dessen gelungener Abschluss eines strebsamen Tages, in einer Tasse Tee mit einem guten Buch lag oder in seiner Gesellschaft.

Aber als seine Ausbildung zu Ende war.....
Ein Ende an dem ich anfing mich selber noch mehr zu hassen und mich vor mir selber ekelte....
Irgendwie musst er doch seine Unschuld, seine Reinheit verlieren und da gab es nur einen Weg....
Dass ich damals dazu gezwungen wurde, war völlig egal und ihm gleichgültig.
Er wandte sich ab von mir und ich stand erneut allein da.
Zerbrach erneut.
Diesmal waren es keine Splitter, nein sie waren pulverisiert und ich konnte sie nicht mehr einsammeln.....
Sie wurden vom Wind davon getragen.
Von dem Wind, den ich eigentlich mein Eigen nannte.
Er wurde älter und immer kälter zu mir.
Ich wandelte nur noch als lebende Hülle unter ihnen.
Tat das, was der Fürst wollt und spielte allen etwas vor.
Innerlich hörte ich nie auf zu schreien und zu weinen.

Jahrzehnte über Jahrzehnte zogen durch´s Land und es änderte sich rein gar nichts.
Alles blieb beim alten.
Dann gab es eine einschneidende Veränderung.
Die alles auf dem Kopf stellte.
Der Krieg kam in die Hölle und somit unser aller Vergangenheit.
Es  stellten sich die Personen uns entgegen, die wir im Himmel zurück gelassen hatten.
Ob freiwillig oder mit Gewalt, dass war auch hier egal.
Man konnte es nicht mehr ändern und es brachte niemanden etwas, darüber sprechen zu wollen.
Sie alle und auch ich verschlossen die schönen Erinnerungen tief in unserem Innern.
Es war immerhin nur Platz für eine Sache, hier in diesem Krieg.....
Hass.....
Reiner unstillbarer und blanker Hass.
Wir mussten unsere Rollen spielen und wie Schachfiguren hin und her geschoben werden.
Es gab auf beiden Seiten erhebliche Verluste, doch die entschiedenen, die die etwas bewegten, blieben wie durch Magie immer und immer wieder am Leben.
Es war nicht mehr auszuhalten.
Also traf ich, als Waffenstillstand herrschte, eine Entscheidung. Die erste eigene Entscheidung seit einer Ewigkeit und damit ein Entschluss gegen meiner so krampfhaft aufgebauten Natur.
Ich nahm Urlaub.

Ich verschwand auf die Erde.
Hier würden weder die höllischen, noch die himmlischen Bewohner mich suchen.
Hier konnte ich nachdenken, mich erholen und vielleicht auch wieder heilen.
Ich blieb hier eine Weile und beobachtete die Menschen beim kommen und gehen.
Lies manche Menschen näher an mich heran, Andere weniger.
Ihre Zeit war nur ein Wimpernschlag für mich.
Sie haben nur so wenig Zeit auf diesem Planeten.
Einige nahmen alles war und genossen ihr Leben in vollen Zügen.
Andere wurden immer wieder erdrückt und nieder gerungen von einem Schicksalsschlag nach dem Anderen.
Manch einer verkraftete sie und versuchte doch noch ein Licht zu sehen.
Andere gingen unter und verloren sich selbst.
Wir waren ihnen also doch nicht so unähnlich.

Ich war zu einem stillen Beobachter geworden.
Die Menschen lebten und starben.
Trennten sich voneinander und kamen erneut wieder mit jemanden zusammen.
Menschen sind kompliziert und dennoch so einfach.
Sie streben nur nach einer Sache.
Nach einem Platz wo sie willkommen sind und bleiben dürfen.
Wir ähneln ihnen zwar, aber dennoch waren sie freier als wir.
Und vielleicht waren sie auch wesentlich glücklicher als wir...
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