Where's my love?

von baesad
GeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P16
Sophie Koch Sören Petersen Susanne Kaspary
29.06.2018
11.02.2019
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"Ja..?", antwortete ich monoton, während sich meine Augen wieder an das dunkle Grün in Sophies Augen geheftet hatten. Sie sah mich nachdenklich an und schien mit sich selber zu ringen, ob sie mir das glauben sollte oder nicht. Aber sie hatte auch eigentlich noch keinen Grund mir nicht zu glauben.. Oder?
"Alisia, war das jetzt eine Frage oder eine Antwort?", erwiderte sie einfühlsam, beinahe lauernd auf meine nächste Reaktion. Sie schob die Kisten mit ihrem Fuß zur Seite, sodass sie ungehindert auf mich zu kommen konnte. Und das tat sie auch. "Willst du mir irgendwas sagen?", sie legte vorsichtig ihre Hand auf meine linke Schulter. Überrumpelt von der gesamten Situation schüttelte ich den Kopf und setzte mein bestes Lächeln auf:" Ich bin heute einfach nur so müde."
Ich rückte meine Tasche auf meiner Schulter zurecht um unmerklich Abstand von Sophie zu gewinnen. Sie nahm gezwungenermaßen ihre Hand von meiner Schulter. Die überbleibende Wärme, die Sophie in Unmengen ausstrahlte, brannte sich erneut in meine Haut. Immer noch unsicher über meine Antwort sah Sophie zwischen meinen Augen hin und her, suchend, fast bittend nach irgend einem Anhaltspunkt. Aber wofür?
"Sophie da bist du ja!" Beinahe gleichzeitig schnellten unsere Köpfe zur Eingangstür, in der Sören gerade aufgetaucht war. "Hältst du hier ein Pläuschchen und lässt mich die Arbeit machen, hm?" Er grinste verschmitzt, bevor sein Blick auf mich fiel. "Na, alles klar? Heute aber die Hausaufgaben wirklich machen." Ich musste lachen und nickte nur bestätigend, wohlwissend, dass das gerade meine zweite Lüge innerhalb der letzten zehn Minuten war.
Ich sah wieder zu Sophie, die mich erneut besorgt musterte. "Ich geh dann mal.", verabschiedet e ich mich schnell, riss mich von Sophies Blicken los und lief die steinerne Treppe hinunter, die mich zum Fahrradparkplatz führen würde.
Ich sah mich nicht um, da ich wusste, dass Sophie mir immer noch hinterher sehen würde. Aber was sollte ich denn auch sagen? Dass ich leer war? Dass ich nicht wusste, wohin ich eigentlich gegangen bin? Mein ich, das wirkliche und reale ich, dass ich einmal gewesen bin? Oder jedenfalls zu sein schien? Nein, das konnte ich nicht. Manche Gefühle kann man eben nicht in Worte fassen. Wenn man nicht so gefühlt hatte, noch nie diese Leere verspürt hatte, man würde es nie verstehen, nie annähernd registrieren, wie unglaublich anstrengend das ist.

Tausende von Gedanken schossen mir durch den Kopf als ich nach hause fuhr. Aber kein einziger blieb wirklich bei mir hängen oder setzte sich fest, sodass ich noch länger darüber nachdenken konnte. Es waren einzelne Fetzen, fetzen, die sich in noch kleinere Fetzen zerteilten bis irgendwann nichts mehr davon übrig blieb. Ob dadurch auch nichts mehr von mir übrig bleiben würde?
Als ich durch die Haustür trat legte sich eine dunkle Wolke aus einem Hauch aus Nichts um mich, träger als sonst schleppte ich mich ins Wohnzimmer. „Hey Mama..“, murmelte ich, bevor ich mich auf einen der drei Stühle an der Theke fallen ließ. „Essen ist gleich fertig.“ Erwiderte sie kurz angebunden, signalisierend, dass heute kein guter Tag war um ihr auf die Nerven zu gehen. Wie immer. Was wohl passieren würde, wenn ich ihr von meiner Leere erzählen würde? Ob sie es verstehen würde? Vermutlich nicht, andere Dinge waren momentan einfach wichtiger. Zum Beispiel wie schrecklich und verantwortungslos mein Papa doch war und wie sie alles für mich geopfert hatte. Wie immer. Und ich lag richtig, denn es verging keine Sekunde als wir uns an den Tisch setzten als sie schon begann über ihn herzuziehen, wie jeden Tag, jede Woche und jeden Monat.

*Sophie’s Sicht*
Seit zwei Stunden waren Sören und ich bereits im Büro und packten die letzten Kisten für die Schule zusammen, aber irgendwie schweiften meine Gedanken trotzdem immer wieder zu Alisia. Ich konnte ihren Blick nicht vergessen. Ihren Blick, der irgendetwas ausstrahlte, was ich selber nicht beschreiben konnte. Auch wenn Sören mir nicht glaubte, dass bei ihr irgendetwas verborgen war wusste ich, dass dennoch etwas nicht stimmte. „Sören, denkst du ich sollte morgen nochmal mit ihr reden?“ Ich stellte betrübt die Kisten zur Seite und blickte meinen Kollegen fragend an. Ich wusste sehr wohl, dass ich ihn mit meinen Vermutungen manchmal ziemlich nerven konnte, aber es war dennoch mein Beruf und meine Aufgabe. Er hielt einen Moment inne, bevor er auch seine letzte Kiste zur Seite stellte und mich seufzend ansah. „Sophie, du kannst dir nicht immer den Kopf zerbrechen. Wenn etwas ist, wird sie schon zu uns kommen. Bis jetzt hast du einfach noch keinen richtigen Anhaltspunkt.“ Aufmunternd lächelte er mir zu. Ich nickte, vorgebend, dass ich einverstanden war, aber das war ich nicht. Ganz und gar nicht. Und ich würde Recht behalten.
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