Where's my love?

von baesad
GeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P16
Sophie Koch Sören Petersen Susanne Kaspary
29.06.2018
11.02.2019
13
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Hey ihr x
Ja, auch von mir kommt mal wieder etwas und dieses Mal auch wirklich regelmäßig, da ich auch ein persönliches Interesse an der Geschichte habe! Ich würde mich soo sehr über Reviews und Kritik freuen, also haltet euch nicht zurück und schreibt mal ob ihr gerne mehr lesen würdet!:D

Liebe Grüße x


Ein lautes Piepsen lies mich aus meiner Starre aufschrecken und meine Sicht wieder fokussieren. Ich nahm die eisige Kälte war, die  durch den Spalt meines offenen Fensters kroch und sich schwer auf meiner Haut niederließ, eine Explosion von Gefühlen verursachend. Mühsam drehte ich mich um und blickte auf mein lärmendes Handy. 6:30. Eine weitere schlaflose Nacht, nur eine von vielen anderen, aber ich war nicht müde. Nicht erschöpft. Oder vielleicht doch zu erschöpft um meine Augen überhaupt zu schließen.
Ich ließ mich langsam zurück in mein Kissen sinken und spürte die Schwere meines Körpers, der sich fast flehend an mein Bett heftete. Das leicht prasselnde Geräusch des Regens gegen mein Fenster war immer noch da und hatte mich auch durch diese Nacht wie ein tröstender Freund begleitet. Seltsam, seit wann ich bloß so war? Seit wann ich wirklich Ich war? Oder bin das überhaupt noch ich?

Seit wann ich mich so fühlte, wie ich mich wirklich fühlte, konnte ich nicht sagen. Es gab keinen Auslöser, keinen konkreten Zeitpunkt an den sich diese unglaubliche Leere an mich heftete. Sie hatte sich einfach angeschlichen, unmerklich und unerbittlich und war letztendlich geblieben. Hatte ich überhaupt eine Wahl gehabt?

Als mein Wecker erneut klingelte war es 6:40. Wenn ich nicht zu spät zur Schule kommen wollte, musste ich jetzt wohl oder übel aufstehen. Ich hievte mich aus meinem Bett und saß paar Sekunden einfach nur an der Bettkante, da mich das nieselnde Geräusch des Regens sofort wieder einlud rückwärts in mein Bett zu fallen.

"Alisia?", hörte ich meine Mutter aus der Küche rufen. "Bist du wach?" Ich seufzte tief und rieb mir mit meinem Handrücken über die Augen. "Ja, ich komme gleich." Ich schleppte mich so schnell ich konnte ins Bad, wo ich mich sofort wieder an der Heizung abstützte. Nach dem sich immer wiederkehrenden Morgenritual schnappte ich mir meine Tasche, verabschiedete mich kurz von meine Eltern und trat hinaus in das unerträgliche Nass, gefüllt von Nebelschwaden in denen ich am liebsten versunken wäre.

Ich kam als eine der letzten an der Schule an, obwohl es noch ein paar Minuten dauerte bis es klingeln würde. Über meine Haut hatte sich mittlerweile eine Mischung aus kaltem und nassem Film gebildet, wodurch ich letztendlich doch etwas wacher wurde. Wie jeden Morgen trottete ich über den offenen Vorhof,  unter den rießigen Eichen hindurch, die mich mit einzeln herabfallenden Regentropfen zu begrüßen schienen. Gerade als ich die großen Flügeltüren erreicht hatte hielt neben mir ein Auto, aus dem zuerst ein Mann und dann eine blonde Frau ausstiegen. Als ihr Blick meinen striff blieb ihrer kurz an mir hängen, das dunkle Grün in ihren Augen blitzte unmerklich auf. Ich lächelte kurz unsicher, bevor ich die Türen aufstieß und hinter dem Schutz dieser Eisen und Glasmonster verschwand.


In der Schule war es leer, nur vereinzelte Schüler suchten noch nach ihren Klassenzimmern oder trödelten absichtlich um sich ein paar Minuten des Schulalltags zu ersparen. Ich lief gerade die letzten Treppen hoch zu dem hintersten Bauteil, als ein freundliches "Guten Morgen, Alisia" mich aus meinem Tagwandeln herausriss. Ich drehte mich augenblicklich um und sah in die kugelrunden Knopfaugen meines Englischlehrers. "Guten Morgen, Herr Dietzold", erwiderte ich und machte ihm auf der Treppe Platz. Sanft lächelte er mich an. Er war schon alt, seine Stirn geziert von Falten, aber definitiv einer der liebsten Seelen auf unserer Schule. "Hast du an die Themen gedacht?", er drehte sich oben an der Treppe noch einmal kurz um und rückte seine Tasche auf seiner Schulter zurecht. Ich verharrte in meiner Bewegung und kramte verzweifelt in meinen Gedanken nach einem Ansatz, was er meinen konnte. "Themen?", flüsterte ich, hoffend, dass er es nicht verstand und einfach weitergehen würde.


Er legte seinen Kopf schief und betrachtete mich für einige Sekunden in Gedanken versunken. "Für die Schulsozialarbeiter, die heute zu Besuch kommen. Hast du sie vergessen?" Er sah mich eindringlich an, aber dennoch konnte ich seinen Blick nicht genau deuten. Er war nicht sauer, das erkannte ich sofort, aber irrte ich mich, dass er mir gerade Mitleid entgegenbrachte? Ich war zu perplex um zu antworten, aber onehin hatte schon jemand anders das Wort ergriffen.

"Das ist mir als Schüler auch immer passiert." Herr Diezold und ich wandten uns beide um, der Mann der vorher aus dem Auto gestiegen ist stand breit grinsend neben uns. Als ich ihn ansah, zwinkerte er mir zu. Mein Blick fiel wieder auf die Frau neben ihm, die mich zwar auch freundlich anlächelte, aber trotzdem immernoch diese Skepsis und Besorgnis ausstrahlte.

"Ich bin Sören, das ist Sophie.", redete er weiter und streckte meinem Lehrer sofort die Hand entgegen. "Na dann können wir ja anfangen.", fiel Sophie ein und sah mich weiterhin an. Mein Lehrer nickte und lief mit Sören voraus. Sophie lief neben mir und legte mir kurz ihre Hand auf den Rücken. "Und wie heißt du?", ihre sanfte Stimme ließ mich kurz erschaudern, bevor ich so selbstbewusst wie möglich "Alisia" antwortete. Sie nickte kurz und schenkte mir ein weiteres Lächeln, bevor sie ohne eine weitere Frage vor mir in das Klassenzimmer lief.

Auch wenn Sophies Hand nicht mehr auf meinem Rücken lag verspührte ich immernoch den Abdruck, den sie auf meiner Jacke hinterlassen hatte. Die Wärme, die von ihr ausging, hatte sich scheinbar in meinen Rücken gebrannt und war durch meine Kälte augenblicklich wieder erloschen.

Als ich mir meinen Platz neben meiner besten Freundin Hannah suchte, strahlte sie mich bereits wie der Sonnenschein der sie war an. "Ich dachte schon du kommst nicht.", seufzte sie erleichtert und half mir schnell meine Sachen auszupacken, damit Sophie und Sören anfangen konnten. Ich versuchte so gut es ging mich auf ihre Stimmen zu konzentrieren, aber als das leise Prasseln des Regens wieder einsetzte zog es mich wieder zurück in meinen Trancezustand. Wie ein großer Bausch aus Watte schienen mich die sanften Laute einzuhüllen, unmöglich ihnen zu entfliehen.

Das erste, was ich wieder wahrnahm war das Schulklingeln und das augenblicklich darauf folgende knarren der Stühle, die unliebsam auf den Tischen abgestellt wurden. "Alisia, sag mal schläfst du heute mit offenen Augen?", versuchte Hannah mich zu necken, allerdings war ich nicht die einzige, die diesen Satz gehört hatte. Sophie wandte sofort ihren Blick zu uns, erst zu Hannah und dann wieder zu mir. Sie legte ihre Stirn leicht in Falten und biss sich leicht auf die Lippe, bevor sie sich wieder zu ihrem Kollegen wandte. Ich wusste nicht, worüber sie sprachen, aber als Sören versuchte unauffällig zu mir zu schauen wusste ich sofort, dass es um mich gehen musste.
Was sollte das? Ich war so unauffällg wie eh und je und trotzdem schien Sophie irgendetwas an mir gefunden zu haben, das sie interessierte. Ich senkte sofort meinen Blick, da ich ein seltsames Gefühl der Gefahr verspührte, das jetzt von Sophie ausging.
Als Hannah mich aus dem Klassenzimmer zog spührte ich ihren stechenden Blick weiterhin in meinem Rücken, aber ich traute mich dennoch nicht mich umzusehen.

Die nächsten vier Stunden vergingen wie im Flug, da ich mehr Tagträumte als wirklich dem Unterrichts geschehen zu folgen. Als der stündliche Pausentrubel verflogen war schlenderte ich alleine durch die grauen Hallen zum Ausgang, der für heute meine Freiheit bedeuten würde. Mit dem ersten offenen Spalt der Türe umhüllte mich wieder die trockene Kälte und sog sich unmittelbar in meinen Kleidern fest. "Alisia, hältst du mir kurz die Tür auf?" Sophie kam aus einem kleineren Raum mit einem größeren Paket in der Hand, das ihrem Gesichtsausdruck entsprechend ziemlich schwer zu sein schien. "Klar.", entgegnete ich schnell und konnte grade noch eine Ecke des Pakets erwischen, als Sophie zu straucheln begann. "Puuh..", erleichtert atmete sie aus und lächelte mich dankbar an. "Das war echt knapp, danke dafür." Sie richtete sich auf und stemmte ihre Hände in die Hüften. Als ich aufsah bemerkte ich wieder diesen Blick. Dieser Blick, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ, weil ich solche Angst vor der Frage hatte, die darauf kam. Ich hielt automatisch die Luft an und alle meine Muskeln schienen sich augenblicklich zu verkrampfen.


"Sag mal Alisia, ist bei dir eigentlich alles okay?"
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